1

„Zusätzlich besuchen die Erzieher:innen Onlinekurse von Bildungsträgern zu verschiedenen Themen. Das erfordert auch ein großes Zeitfenster“

Die Kindergärten sind geschlossen, nur die Notbetreuungen sind geöffnet. In manchen Städten im Kochertal, so wird berichtet, haben die Erzieher:innen eine Anwesenheitspflicht, obwohl keine Kinder zu betreuen sind. Wie wird das in Künzelsau gehandhabt? GSCHWÄTZ hat nachgefragt:

Fast alle Erzieher:innen im Einsatz

Elke Sturm, Pressesprecherin der Stadt Künzelsau sagt, dass fast alle Erzieher:innen im Einsatz sind: „Es gibt die Notbetreuung, hier werden wie bisher der Kindergarten und die Gruppen mit Fachkräften betrieben. Der Mindestpersonalschlüssel muss eingehalten werden, daher sind viele Teams nach wie vor ganz normal im täglichen Einsatz. Einige Erzieher:innen müssen wegen des Homeschoolings die Krankheitstage der Krankenversicherung in Anspruch nehmen“, aber ansonsten seinen alle Mitarbeiter:innen mit diversen Aufgaben beschäftigt: „Die Kindergärten bieten alle eine Notbetreuung an – daher wird das Personal täglich benötigt. Die größeren Teams bilden Tandems mit Anwesenheit im Tausch mit mobilem Arbeiten von Zuhause und sichern so die Öffnung der Einrichtungen und Gruppen.“

Viel Zeit für Aus- und Weiterbildung

Allerdings haben sich die Inhalte der Tätigkeit geändert, einen großen Teil der Tätigkeit nehmen derzeit Weiterbildungsangebote ein, die teilweise im Homeoffice wahrgenommen werden: „Zusätzlich besuchen die Erzieher:innen Onlinekurse von Bildungsträgern zu verschiedenen Themen. Das erfordert auch ein großes Zeitfenster. Ausbildung und Ausbilderqualifizierungen werden angeboten und wahrgenommen. Hierzu gibt es aktuell Schulungsprogramme, die zum Teil über 100 Unterrichtsstunden umfassen. “

Kontakt mit den Kindern und den Eltern aufrechterhalten

Auch der Kontakt zu den Kindern und Eltern will aufrechterhalten werden: „Das Betreuungspersonal übernimmt außerdem die Organisation von wöchentlichem Material,  Video-Kreativtipps etc., mit dem die Kinder und Eltern über die App zu verschiedenen Förderungen ausgestattet werden. Die Kontaktaufnahme mit persönlichen Briefen oder Telefonaten zu den Familien und Kindern gehören auch dazu.“, so die Stadt Künzelsau.

Die Zeit nach Corona wird neue Anforderungen bringen

Ein weiterer Schwerpunkt der momentanen Tätigkeitsei die Vorbereitung auf die Zeit, wenn die Kindergärten wieder im Regelbetrieb geöffnet sind. Dann werden sich die Erzieher:innen neuartigen Aufgaben stellen müssen, auf die sie sich jetzt vorbereiten: „In den Kitas werden bestimmte neue Förderprogramme für die Aufholarbeit nach Corona geplant. Auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen Herausforderungen beispielsweise in den Bereichen Förderunterstützung und sozialemotionaler Entwicklungsarbeit zu. Alle Angebote und Änderungen müssen inhaltlich in die Kindergarten-Konzeptionen übernommen werden. Das ist zeitintensiv.“

Beschäftigung bei vollem Gehalt ist „zu begründen“

Die Mitarbeiter:innen der städtischen Kindergärten seien also auch in Corona-Zeiten engagiert, bilden sich weiter, beschäftigen sich auch mit den Kindern, die sie nicht täglich in der Notbetreuung sehen und bereiten sich auf die geänderten Anforderungen der Nach-Corona-Zeit vor. Daher erhalten die Betreuer:innen der städtischen Kindergärten in Künzelsau auch jetzt ihr volles Gehalt: „Solange die Notbetreuung und die Arbeit vor Ort oder/und im homeoffice digital (Organisation von Unterstützungsmaterial, Onlineschulungen etc.) gegeben sind, ist dies zu begründen“, findet Elke Sturm.

Text: Matthias Lauterer, die Fragen stellte Dr. Sandra Hartmann

Waldkindergarten Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ Archiv

 




Keine Notbetreuung für Kind von schwer kranker Mama?

Monatelanges homeschooling und oft noch das zusätzliche Jonglieren mit home office oder einer beruflichen Tätigkeit, die nicht mit home office in Einklang gebracht werden kann – das zehrt an vielen Familien dieser Tage.

Es rumort hinter den Kulissen gewaltig

In Weißbach rumort es derzeit hinter den Kulissen ganz gewaltig, weil wohl ein Drittklässler bereits gemeinsam mit Viertklässlern beschult worden ist, obwohl er eigentlich erst nach den Pfingstferien dran gewesen wäre – wie seine Klassenkameraden auch.

Während seine Klassenkameraden sich noch im homeschooling befanden, saß dieser Schüler also bereits vorzeitig wieder im Klassenzimmer mit Viertklässlern und wurde unterrichtet.

Das berichten Eltern, die ebenfalls ihre Kinde an der Grundschule Weißbach haben, gegenüber GSCHWÄTZ. Warum und wieso das so ist? Das wollten wir von der Schulleiterin Friedegund Stiefel wissen und haben nachgefragt. 

„Das stimmt nicht“

Diese erklärt zunächst: „Das stimmt nicht. Es sind nur Viertklässler an der Schule. Es gab jahrgangsübergreifende Angebote schon vor Corona. Das findet im Moment aber  nicht statt. Erst nach den Pfingstferien kommen die Drittklässler.“

Also alles nur ein Missverständnis? Haben die Eltern da etwas falsch verstanden? Gab es vielleicht einen etwas unglücklichen Flurfunk?

Beim Staatlichen Schulamt in Künzelsau ist der Fall bekannt, da sich Eltern dort beschwert hatten. Auch bei der Schule gingen wohl Beschwerden ein.
Daraufhin sei es für den Schüler laut Aussagen von Eltern kurz vor den Pfingstferien wieder zurück zum homeschooling gegangen. Daraufhin haken wir bei Schulleiteiterin Stiefel noch einmal nach und fragen, ob sie sich sicher ist mit ihrer zunächst getätigten Aussage, dass kein Drittklässler bereits früher beschult wurde als der Rest seiner Klasse.

Schulleiterin Stiefel reagiert nun, anders als beim ersten Mal, etwas ungehalten und betont: „Stand jetzt sind nur Viertklässler im Unterricht, aber keine Drittklässler.“ Und wie sah das noch vor einer Woche aus?, fragen wir. Darauf wiegelt Stiefel ab und verweist auf den Datenschutz.

„Aus Datenschutzgründen darf ich nicht mit Ihnen über einzelne Schüler sprechen“

Schulaufsichtsbeamtin Kerstin Köber vom Schulamt betont ebenfalls, dass „Stand heute (28. Mai 2020) kein Drittklässler in Weißbach mit den Viertklässlern zur Schule geht. Kein Drittklässler darf momentan zur Schule gehen, erst nach den Ferien.“ Und wie sah es noch Anfang der Woche oder vergangene Woche aus?“, haken wir nach. Auch hier bleibt eine konkrete Antwort aus. Köber verweist nun ebenfalls auf den Datenschutz: „Ansonsten darf ich aus Datenschutzgründen nicht mit Ihnen über einzelne Schüler sprechen.“ Ein klares Nein sieht anders aus.

„Es hat auch etwas damit zu tun, dass man alle Schüler gleich behandeln und nicht manche bevorzugen sollte.“

An sich geht es vermutlich „lediglich“ um ein bis zwei Wochen, die ein Drittklässler gemeinsam mit Viertklässlern im Klassenzimmer saß und beschult wurde, während seine Klassenkameraden noch zu Hause homeschooling betrieben. Doch die Elten, die sich beschwert haben, erklären gegenüber GSCHWÄTZ: „Es hat auch etwas damit zu tun, dass man – gerade in der jetzigen Zeit – alle Schüler gleich behandeln und nicht manche bevorzugen sollte.“

Denn: Einer anderen Familie sei sogar eine Notbetreuung abgelehnt worden. Das berichten ebenfalls Eltern der Weißbacher Schule. Die Elternbeirätin der dritten Klasse, bestätigt dies auf GSCHWÄTZ-Nachfrage: „Ich habe auch von der Familie mit der kranken Mutter gehört. Die Frau hat [xxx]*. Das ist noch keine vier Wochen her, dass die Schulleitung die Notbetreuung für das Kind abgelehnt hat.“

Schulleiterin ist der Fall mit der schwer kranken Mutter nicht bekannt

Spricht man Schulleiterin Stiefel auf diesen Fall an, ist er ihr laut eigenen Aussagen gänzlich unbekannt: „Von der Familie mit der kranken Mutter weiß ich nichts.“ Stiefel verweist auf Formulare und Anträge, die Eltern und die Arbeitgeber der Eltern zunächst ausfüllen müssten, bevor eine Notbetreuung zustande kommt: „Alle Eltern müssen Anträge stellen und Arbeitgeberbescheinigungen vorlegen. Wenn die Mutter krank ist, müsste der Vater eine solche Bescheinigung vorlegen. Sollte er das nicht können, müsste eine Ausnahme mit dem Schulamt abgeklärt werden.“
Sie fährt fort: „Alle Eltern, die die Notbetreuung beantragt haben und eine solche Bescheinigung vorgelegt haben, haben auch einen Betreuungsplatz bekommen. Die Familie kann sich auch an die örtliche Jugendhilfe/ Jugendamt wenden. Wenn das bestätigt, dass die Familie den Platz braucht, kann das Kind zur Notbetreuung.“

„Das wäre belastend für Kinder und Lehrer“

Weißbach ist eine kleine Schule, laut der Aussage von Schulleiterin Stiefel gibt es aktuell rund 60 Kinder dort.

Momentan sind in Weißbach vier Kinder in der Notbetreuung. Es hätte also noch Platz in der Notbetreuung gegeben. „Acht bis zehn Kinder können aufgenommen werden. Allerdings wären das dann relativ viele, weil es für die kleineren Kinder schwer ist, so lange sitzen zu bleiben. Das wäre belastend für Kinder und Lehrer“, so die Schulleiterin.

„Die Notbetreuung soll entsprechend der normalen Schulzeit gehen, also in Weißbach von 7.30 bis 13 Uhr. Allerdings wurde das etwas verschoben auf Wunsch der Eltern, das heißt, wir fangen später an und hören auch später auf. Nach den Ferien wird sich das wieder ändern, weil ja dann weitere Kinder in die Schule kommen.“

Text: Sonja Bossert

* [xxx] Aus Persönlichkeitsschutzgründen haben wir die Krankheit, um die es sich hier handelt, nicht veröffentlicht.