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„Im Umfeld des Erkrankten gibt es weitere Erkrankte mit verschiedenen Symptomen“

Mathea Weinstock aus der Pressestelle des Landratsamts Hohenlohekreis nimmt Stellung zum GSCHWÄTZ-Artikel über den Norovirus in Forchtenberg:

„Bei einem Fall wird nicht von einem Ausbruch gesprochen“

GSCHWÄTZ: Ist es richtig, dass es in oder um Forchtenberg einen Ausbruch des Norovirus gibt?

Weinstock: Aktuell liegt dem Gesundheitsamt des Hohenlohekreises ein laborbestätigter Fall des Norovirus vor. Im Umfeld des Erkrankten gibt es weitere Erkrankte mit verschiedenen Symptomen, allerdings nach aktuellem Stand keine weiteren Bestätigungen. Bei einem Fall wird nicht von einem Ausbruch gesprochen.

Gesundheitsamt auf Mitwirkung aller Beteiligten angewiesen

GSCHWÄTZ: Hat das Gesundheitsamt Maßnahmen eingeleitet und wenn ja, welche?

Weinstock: Das Gesundheitsamt befindet sich in engem Kontakt und Austausch mit der Leitung der betroffenen Einrichtung, insbesondere zur fortlaufenden Risikoanalyse und Beratung. Wir empfehlen u.a. eine äußerst strenge Handhygiene, häufige Desinfektion, die Kontaktaufnahme zum Hausarzt bei entsprechenden Symptomen und Herbeiführung einer Diagnostik (Laborbestätigung durch Untersuchung von Stuhlproben) und nach Erkrankung 48 Stunden symptomfrei zuhause zu bleiben. Bei den genannten Maßnahmen ist das Gesundheitsamt ebenso wie der Träger der Einrichtung auf die Mitwirkung aller Beteiligten angewiesen.

GSCHWÄTZ: Ist der Ausbruch einer der Gründe dafür, dass der Kindergarten in Forchtenberg diese Woche geschlossen ist?
Weinstock: Für die Schließung von Einrichtungen ist der jeweilige Träger zuständig.

Vorsichtsmaßnahmen

GSCHWÄTZ: Gibt es Vorsichtsmaßnahmen, mit denen die Bevölkerung sich vor dem Virus bestmöglich schützen kann?
Weinstock: Siehe hierzu https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/noroviren.html#c3907

Die Fragen stellte Matthias Lauterer




Durchfall und Erbrechen: Norovirus in Forchtenberg

In den sozialen Medien kursieren Gerüchte (aber auch Informationen) oft schon lange, bevor sie von den zuständigen Stellen bestätigt werden. So erreichte GSCHWÄTZ heute morgen eine Mitteilung, dass es in Forchtenberg einen Ausbruch des Norovirus geben soll. Aus diesem Grunde sei auch der Kindergarten geschlossen.

Bürgermeister bestätigt Norovirus

Norovirus in Forchtenberg – Kindergarten-App

Von der Stadt Forchtenberg war am Morgen keine Stellungnahme zu erhalten, Bürgermeister Michael Foss informierte aber die Eltern via die Kindergarten-App über die Schließung des Kindergartens und der Krippe bis mindestens Freitag, 22. Oktober 2021. Als Grund gab er viele Magen-Darm-Infekte an und bestätigte auch, dass der Norovirus nachgewiesen ist. Bei dem geringen Personalstand sei die pädagogische Betreuung bei gleichzeitiger Einhaltung der strengen Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen nicht zu gewährleisten.

Antwort des Landratsamts steht noch aus

GSCHWÄTZ hat beim Landratsamt über den Status des Ausbruchsgeschehens angefragt – mit der Antwort ist im Laufe des Nachmittags zu rechnen. Eine diagnostizierte Noroviruserkrankung ist meldepflichtig, daher ist das Gesundheitsamt einbezogen.

ERGÄNZUNG: Die Antwort des Landratsamtes ist eingegangen. Siehe https://www.gschwaetz.de/2021/10/20/im-umfeld-des-erkrankten-gibt-es-weitere-erkrankte-mit-verschiedenen-symptomen/

Norovirus ist in der Lage, sich sehr schnell zu verbreiten

Der Norovirus tritt immer wieder, gerne im Winter, dort auf, wo viele Menschen zusammenkommen. Altenheime oder Schulen sind Orte, an denen sich der Virus besonders schnell verbreitet. Bekannt sind auch Ausbrüche auf Kreuzfahrtschiffen. Da er sich auf unterschiedlichen Wegen ausbreitet, etwa durch oral-fäkale Infektion, Schmierinfektion oder Tröpfcheninfektion, ist er an solchen Orten kaum zu bremsen.  Schon ein kleiner Kontakt des Virus mit Schleimhäuten, etwa wenn man nur mit dem Finger an den Mund greift, kann zur Infektion führen.

Einmal infiziert: Sofort ansteckend

Infizierte sind schon sehr schnell nach der Ansteckung selber ansteckend. So kann sich der Virus schon verbreiten, bevor Symptome sichtbar sind. Dies ist gewöhnlich nach 6 -48 Stunden der Fall. Auch nach Abklingen der Symptome sind die Betroffenen noch mehrere Tage ansteckend, im Stuhl ist der Virus oft noch nach 2 Wochen nachweisbar.

Symptome: Durchfall und Erbrechen

Der Norovirus führt zu Übelkeit, schwallartigem Erbrechen, Durchfall, Kopf-, Bauch- und Gliederschmerzen, leichtem Fieber und Abgeschlagenheit. Die Krankheit heilt bei ansonsten gesunden Erwachsenen fast immer problemlos aus. Vorsicht ist geboten bei Kleinkindern und älteren Menschen: Diese Gruppen bemerken den rapiden Flüssigkeitsverlust oft nicht. Dehydration und Elektrolytverlust führen dann oft zu weiterführenden Komplikationen, unter anderem treten Kreislaufprobleme, Krampfanfälle und sogar Nierenversagen auf. Eine Impfung gegen das Virus ist nicht möglich. Auch eine Neuansteckung ist möglich.

Gegenmaßnahmen

„Viruzide Desinfektionsmittel“ wirken zuverlässig gegen den Norovirus – das sind die Desinfektionsmittel, die seit dem Beginn der Coronapandemie jeder kennt. Dementsprechend sind auch die Ratschläge: Hände waschen und Desinfizieren sowie Haushaltsgegenstände und Toiletten desinfizieren sind die empfohlenen Maßnahmen. Außerdem sollte Wäsche von Betroffenen bei 90 Grad gewaschen werden – der Virus kann eine 60-Grad-Wäsche überleben und sich anschließend weiterverbreiten – und man sollte den Kontakt zu Betroffenen meiden.

Text: Matthias Lauterer