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„Beim Kicken gefürchtet, von Weibern verehrt…“

„Beim Kicken gefürchtet, von Weibern verehrt. Am Glase der Beste, sein Körper begehrt.“ Weiter möchten wir an dieser Stelle das Gedicht über den „Nitzenhäuser Schuppenhocker“ nicht zitieren, sonst müssen wir ein FSK auf diesen Artikel kleben. Dieses Gedicht jedenfalls ist eines von vielen netten kleinen Details, das den komplett entkernten und von Grund auf renovierten und sanierten Schuppen Nizza ziert.

Sinnbildlich für die Gemeinschaftsleistung eines ganzen Dorfes

Der Schuppen steht sinnbildlich für die Gemeinschaftsleistung eines ganzen Dorfes, allen voran den kleinen Handwerksbetrieben, die sich in Nitzenhausen tummeln. „Ohne die Motivation von den ganzen Jungs hätten wir das nicht stemmen können“, sagt Yannick Kraft, verantwortlicher für den Jugendraum, bei der Presseführung durch die neuen Räume am Samstag, den 18. September 2021.

„Wir haben erst festgestellt, was alles auf uns zukommt, als wir alles draussen hatten“

Alte Wagenräder hängen nostalgisch von der Decke, im frisch holzervertäfeltem Gemeinschaftsraum hat man es nicht weit zur neu gestalteten Bar. Sogar mit einer Fußbodenheizung sind die neuen Räume ausgestattet, was energetisch sicherlich Sinn macht.

Zimmerer, Schreiner, Elektriker und Schlosser haben rund ein Jahr für diesen Kraftakt gebraucht.

An den Wänden kleben noch Fotos von der schrittweisen Erneuerung der Räume. Zimmerer, Schreiner, Elektriker und Schlosser haben rund zwei Jahre für diesen Kraftakt gebraucht. Viele ehrenamtliche Stunden sind dabei zusammengekommen. „Wir haben erst festgestellt, was alles auf uns zukommt, als wir alles draussen hatten“, erinnert sich Yannick Kraft.

„Wenn wir Marcel Schuhmacher nicht im Boot gehabt hätten, hätten wir das nicht so umgesetzt bekommen“

Die Stadtverwaltung Künzelsau hat das Projekt im Rahmen des Bürgerbudgets mit 16.000 Euro bezuschusst. Mit dem Betrag wurden im Wesentlichen die Materialien bezahlt. Der Rest: Engagement von vielen. Ein Ortsvorsteher, der das Projekt immer unterstützt und mit Ideen weitergeführt hat und Menschen wie Marcel Schuhmacher, der mit seiner Holzwerkstatt Hohenlohe nur einen Steinwurf vom Schuppen Nizza entfernt arbeitet. „Wenn wir Marcel Schuhmacher nicht im Boot gehabt hätten, hätten wir das nicht so umgesetzt bekommen.“

Text: Dr. Sandra Hartmann

 

Rustikal-schöne Details hängen etwa über dem Stammtisch. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Gewölbekeller angrenzend an den Schuppen Nizza. Foto: GSCHWÄTZ

Auch mit einem Gewölbekeller kann der Schuppen aufwarten. Foto: GSCHWÄTZ

Das Logo des Schuppen Nizza. Foto: GSCHWÄTZ

Die neue alte Bar. Ach ja, und: Gracht wird drauße. Foto: GSCHWÄTZ

Hinter der neuen Theke lässt es sich gut ausschenken. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Nobel geht die Welt zugrunde. Der Jugendraum ist nun mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Foto: GSCHWÄTZ

Bis auf die Grundmauern abgerissen und wieder neu aufgebaut. Foto: GSCHWÄTZ

Auch eine neue Küche gab’s. Foto: GSCHWÄTZ

 

Yannick Kraft zeigt voller Stolz den neuen Schuppen Nizza. Foto: GSCHWÄTZ




1.000 Liter Wasser fortan immer im Gepäck

„Wir haben nun mehr Ausrüstung und sind wesentlich schlagkräftiger“, sagt Nitzenhausens Ortsvorsteher Ralf Markert nicht ohne stolz bei der Präsentation des neuen nagelneuen Fahrzeuges für die Feuerwehr Abteilung Nitzenhausen am 18. September 2021 beim Feuerwehrgerätehaus in Nitzenhausen. Mit der Stärkung der Feuerwehr Nitzenhausen möchte die Stadt Künzelsau vor allem die Ränder des Stadtbezirkes stärken.

Das neue Tragkraftspritzenfahrzeug der Feuerwehr Abteilung Nitzenhausen. Foto: GSCHWÄTZ

Vorher musste das Wasser aus einem Bach oder aus dem Hydrantennetz geholt werden

Das Besondere: „Das Fahrzeug ist wasserführend.“ Die Feuerwehr fährt fortan stets mit einem 1.000 Liter-Wassertank zu den Einsätzen. Das war vorher nicht der Fall. Das Wasser musste aus dem Hydrantennetz, aus einem See oder Bach geholt werden, erklärt Stadtbrandmeister Thomas Böhret.

Abteilungskommandant Johannes Seebach erklärt die Ausstattung des Fahrzeuges. Hier zu sehen: der Wassertank. Foto: GSCHWÄTZ

7 Minuten, die Leben retten können

1.000 Liter Wasser reichen allerdings nur für rund 7 Minuten, etwa bei einem Unfall, um die Erstmaßnahmen einzuleiten, bis die Künzelsauer Feuerwehr zur Unterstützung kommt. Aber immerhin: 1.000 Liter und 7 Minuten, die Leben retten können.

Stadtbrandmeister Thomas Böhret: „Die Stadt Künzelsau steht da schon hinter ihrer Feuerwehr“

230.000 Euro hat das Fahrzeug gekostet, inklusive einem Zuschuss vom Land-Baden-Württemberg von 52.000 Euro. Damit bleiben für die Stadt Künzelsau Kosten von rund 180.000 Euro. „Die Stadt Künzelsau steht da schon hinter ihrer Feuerwehr“, sagt Feuerwehrchef Thomas Böhret.

von links: Yannick Kraft vom Schuppen „Nizza“, Abteilungskommandant Johannes Seebach, Stadtbrandmeister Thomas Böhret, Nitzenhausens Ortsvorsteher Ralf Markert, Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann. Foto: GSCHWÄTZ

Auch Amrichshausen und Kocherstetten bekommen neue Fahrzeuge

Interessiert schauten sich nicht nur die Bewohner Nitzenhausens, sondern auch Feuerwehrler anderer Abteilungen das neue Tragkraftspritzenfahrzeug an. Stefan Baier ist Feuerwehrler aus dem nur einen Steinwurf entfernten Amrichshausen. Er freut sich, denn im Herbst bekommen die Abteilungen Kocherstetten und Amrichshausen dasselbe Fahrzeug geliefert. Nur die Garage sei etwas zu klein für das Fahrzeug, das passe da nicht rein. Laut Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann soll jedoch mit einem dementsprechenden Anbau in Amrichshausen noch in diesem Jahr begonnen werden. Bis dieser fertig sei, werde das Fahrzeug in Künzelsau stehen.

Stefan Baier aus Amrichshausen mit seinen Töchtern Emma und Annika und seinem Sohn Lukas schauen sich das Fahrzeug aus nächster Nähe an. Foto: GSCHWÄTZ

„Papa, was ist das?“

Stefan Baiers Töchter Emma (5) und Annika (3) sind jedenfalls ganz begeistert und erkunden interessiert das Fahrzeug. „Papa, was ist das?“ – „Ein Feuerlöscher“, erklärt Papa Stefan Baier. Neben mehreren Feuerlöschern hat das Fahrzeug unter anderem auch Atemschutzgeräte, einen Lichtmasten zur besseren Ausleuchtung, einen Nasssauger und eine Schmutzwasserpumpe vorzuweisen – ach ja, und einen Klappspaten. Wofür dieser gedacht ist, rätselt Stadtbrandmeister Böhret. Zum Einsatz kam er in seiner langen Feuerwehrkarriere bislang jedenfalls nicht.

Alles, was das Feuerwehrherz begehrt. Sogar ein Klappspaten ist mit dabei. Foto: GSCHWÄTZ

„Mir ist es wichtig, dass ich eine schlagkräftige Einsatztruppe habe“

Damit sich jeder Feuerwehrler damit auskennt, bekamen die Männer (eine Frau ist nicht dabei), eine Einweisung in das neue Fahrzeug und es werde auch damit geübt, so dass sich jeder im Einsatzfall damit auskennt. Im Durchschnitt hat die Feuerwehr Nitzenhausen laut Thomas Böhret drei Einsätze im Jahr. Aber durch das neue Fahrzeug könne es schon sein, dass die Feuerwehr nun öfter bei Einsätzen beteiligt sei. „Mir ist es wichtig, dass ich eine schlagkräftige Einsatztruppe habe.“

von links: Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann, Stadtbrandmeister Thomas Böhret, Ortsvorsteher Ralf Markert, der CDU-Bundestagsabgeordnete für den Hohenlohekreis, Christian von Stetten, Abteilungskommandant Johannes Seebach. Foto: GSCHWÄTZ

Sonnhofen: Der bislang schwierigste Einsatz

Der bislang schwierigste Einsatz der Nitzenhausener in jüngster Vergangenheit sei, so Abteilungskommandant Johannes Seebach, der Großbrand in Sonnhofen 2020 gewesen.

Die Sache mit dem Klappspaten

28 Mann im Alter von 18 und 61 Jahren sind derzeit in der Feuerwehr Abteilung Nitzenhausen aktiv, erklärt Abteilungskommandant Johannes Seebach. Das ist viel, wenn  man bedenkt, dass Nitzenhausen lediglich etwa über 200 Einwohner hat. Nur mit dem Engagement von jedem einzelnen sei es laut Seebach möglich gewesen, dass die Feuerwehr in Nitzenhausen auch neue Räume bekommen hat. Die Truppe hat  zwei Garagen zu einer großen Umkleidekabine umgebaut. Rund 800 Stunden benötigten sie dafür. Lediglich die Gipser- und Malerarbeiten haben sie fremdvergeben. Direkt daneben wurde in diesem Zuge auch ein neuer Aufenthaltsraum geschaffen. „Ohne die Eigenleistung wäre das Ganze zwei- bis dreimal teurer geworden“, so Seebach.

Hocketse am Feuerwehrhaus in Nitzenhausen zur Einweihung des neuen Fahrzeuges und der neuen Räume. Foto: GSCHWÄTZ

Bürgermeister Neumann: „Nitzenhausen ist beispielhaft für andere Ortsteile“

„Es ist nicht selbstverständlich, was hier passiert ist“, weiss auch Künzelsaus Bürgermeister das Engagement der Feuerwehrler und Einwohner Nitzenhausens zu würdigen. Nitzenhausen sei „beispielhaft für andere Ortsteile“. Durch ein derartiges Engagement könne man mehr erreichen, „wie wenn es nur die Stadt macht“.

Die neue Umkleidekabine. Ehemals 2 Garagen haben die Feuerwehrler in zahlreichen ehrenamtlichen Stunden umgebaut. Foto: GSCHWÄTZ

Neuer Gemeinschaftsraum für die Feuerwehr. Foto: GSCHWÄTZ

Text: Dr. Sandra Hartmann