„Ich habe das Geld nicht beantragt, weil ich Angst davor habe, dass ich es irgendwann zurückzahlen muss“
Die Wiedereröffnung der Geschäfte nach der coronabedingten Schließung ist nun ein paar Tage her. Welche Erfahrungen haben Künzelsauer Ladeninhaber gemacht? Dieser Frage ist unser Videoreporter Dr. Felix Kribus nachgegangen:
„Wir waren alle ganz aufgeregt, waren froh, dass wir endlich wieder aufmachen können, aber die Auflagen waren sehr heftig. Man musste viele Vorbereitungen treffen, wusste nicht mal, ob man das in unserem kleinen Laden hier umsetzen kann. Wir haben das aber, denke ich, ganz gut hingekriegt“ erinnert sich Christiane Bürkert von der Kreativwerkstatt am Schloss in Künzelsau.
„Auflagen waren heftig“
Ähnlich ungewohnt waren die neuen Vorschriften für Nikolaus Kechlibaris, Inhaber des Friseursalons Nikos Friseure am unteren Markt in Künzelsau: „Tatsächlich hat man sich gefühlt wie am ersten Tag, wenn man irgendwo in einem Salon oder in irgendeinem Betrieb anfängt zu arbeiten. Man ist aufgeregt, man ist gespannt und hat ein unsicheres Gefühl am Anfang.“ Auch für die Kunden ist die Situation ungewohnt, weiß er zu berichten: „Tatsächlich sind die Kunden vorsichtig, sie halten sich an die Maßnahmen. Ich würde eher behaupten, dass viele unsicher sind, was sie machen dürfen und was sie nicht machen dürfen. Ständig werde ich gefragt, ob das erlaubt ist: Ob es erlaubt ist, auf die Toilette zu gehen, ob man nach draußen gehen darf. Und das ist natürlich eine Sache, die verunsichert die Kunden.“
„Die Leute wussten nicht, wie sie sich verhalten sollten“
Diese Verunsicherung hat auch Christiane Bürkert gespürt: „In der ersten Zeit, die ersten zwei Wochen nach dem ‘juhu, endlich wieder aufmachen‘, war es eigentlich ganz schwierig, es war fast niemand da. Die Leute wussten nicht, wie sie sich verhalten sollen. Es kann dann auch die Maskenpflicht, ich glaube, das hat ganz viele abgeschreckt.“
Corona-Soforthilfe: „Innerhalb von einer Woche war das Geld auf meinem Konto“
Ganz unterschiedlicher Ansicht sind die beiden Geschäftsinhaber beim Thema Corona-Soforthilfen. Nikolaos Kechlibaris hat die Soforthilfen beantragt und ohne Probleme bekommen: „Innerhalb einer Woche war das Geld auf dem Konto.“ Zwar würden diese Hilfen bei weitem nicht alle laufenden Kosten decken, aber: „Nichtsdestotrotz sind wir dankbar, dass es überhaupt eine Soforthilfe gibt. Da sollte man einfach nicht undankbar sein.“
„Nicht beantragt aus Angst, dass ich es irgendwann wieder zurückzahlen muss“
„Bis jetzt habe ich noch nie etwas geschenkt bekommen. Deshalb bin ich da sehr mißtrauisch.“ sagt Christiane Bürkert. Sie hat daher die Soforthilfen nicht beantragt: „Ich habe das nicht beantragt, weil ich davor Angst habe, dass ich es irgendwann am Jahresende wieder zurückzahlen muss. Ich glaube, dass sich das am Jahresende die Steuer wieder holt – dann muss ich das die Zeit über reinschaffen und muss dann schauen, wie ich zurückzahlen kann.“
Trotz der Soforthilfen ist Kechlibaris davon überzeugt, dass ihn die Coronakrise noch eine Weile belasten wird: „Da wir auch eingeschränkt sind beziehungsweise nicht so viele Kunden bedienen können, wie wir vorher bedient hatten, werden wir das auf jeden Fall noch länger merken.“
„Ich würde mir wünschen, dass ich die Maske nicht mehr aufsetzen muss“
In ihren Wünschen für den Sommer sind sich die beiden wieder einig. Beide wünschen sich, dass sie einfach nur ihre Kunden in der gewohnten Art zufriedenstellen können: „Ich wünsche mir ganz viel Freiheit, dass ich die Maske nicht mehr aufsetzen muss, dass ich einfach meine Workshops wieder beginnen kann, Ausstellungen machen kann. Dass es einfach noch mehr gelockert wird und dass die Leute wieder Freude daran haben, zu mir zu kommen und Workshops zu machen, Ausstellungen, Flohmarkt und so weiter“, sehnt sich Christiane Bürkert und Nikolaos Kechlibaris möchte, „dass wir mehr Kunden bedienen können und auch dementsprechend schönere Frisuren machen können. Einfach ein Stück weit Normalität, das wünsche ich mir für den Sommer.“
Video: Dr. Felix Kribus
Text dazu transkribiert: Matthias Lauterer

Christiane Bürkert hat die Coronasoforthilfe des Landes nicht in Anspruch genommen. Foto: GSCHWÄTZ

Christiane Bürkert in ihrer Kreativwerkstatt am Schloss in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

Nikolaus Kechlibaris, Inhaber des Friseursalons „Nikos Friseure“ am Unteren Markt in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ