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Künzelsaus Bürgermeister Neumann stellt klar: „Es gibt keine Masturbationsräume in städtischen Kindertageseinrichtungen“

„Liebe Mitbürgerinnern und Mitbürger,

ich bin ein besorgter Vater und Bürger dieser Stadt“, beginnt Gleb Hildmann seinen Post auf Facebook. „Mittlerweile ziehe ich ernsthaft in Erwägung, meine Kinder aus dem Kindergarten abzumelden. Denn das, was unsere Stadt da umsetzen will, ist unterirdisch, pädophil und weit weg von dem, was in einen Kindergarten gehört.“ Der Titel seines Posts: „Masturbationsräume in Kitas“ und „Doktorspiele ohne Bekleidung in Kitas“.

Der Vater bezieht sich dabei auf das so genannte sexualpräventive Konzept der Kindergären Taläcker I und II. Darin heißt es unter anderem:

Nicht nur dieser Vater, auch andere Hohenloher Bürger:innen reagieren entsetzt. In den sozialen Kanälen lassen viele ihren Unmut freuen Lauf.

Die Hohenloher Stimme greift das Thema auf und titelt: „Masturbationsräume in Künzelsauer Kitas?“ Der Artikel befindet sich hinter einer paywall. Nun eskaliert die Aufregung gänzlich. Es folgt ein offizielles Presse-Statement von Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann, in welchem er unter anderem betont:

„Es gibt keine Masturbationsräume in den städtischen Kindertageseinrichtungen – auch nicht in anderen städtischen Einrichtungen. Die irreführenden Behauptungen, die in den Sozialen Medien erhoben wurden, werden durch ständiges Teilen der Posts nicht richtig. Gleiches gilt auch für die reißerische Überschrift, die in den Kanälen der Heilbronner Stimme weitergetragen wurde und wird. Leider wird dort die Faktenlage erst im Bezahlforum korrekt dargestellt.“

Elke Sturm, Pressesprecherin der Stadtverwaltung Künzelsau erklärt gegenüber GSCHWÄTZ: „Kindertagesstätten benötigen ein Kinderschutzkonzept. Teil davon ist ein sexualpädagogisches Konzept, da das Thema im Alltag viele Fragen aufwirft. Wie handeln Fachkräfte professionell und angemessen z.B. in diesen Situationen: Wickelsituationen, sich nackt ausziehen, Interesse an den Körperausscheidungen, Fragen zu den Geschlechtsorganen/Fortpflanzung/Geburt, Selbststimulation?

Das Sprechen über Sexualität ist häufig mit Unsicherheiten verbunden. Welche Rahmenbedingungen braucht es? Wie beziehen wir Eltern ein? Wie sieht eine professionelle Nähe-Distanz Regulierung aus? Wie erkenne ich sexuelle Grenzverletzungen und Übergriffe von Kindern und/oder Erwachsenen? Wie interveniere und reagiere ich im Rahmen des Schutzauftrages? Diese Fragen werden abschließend in den Kinderschutzkonzepten beantwortet.“

Dieses sexualpräventive Konzept ist daher nicht misszuverstehen mit einer Ermunterung an alle, im Kindergarten Doktorspiele zu veranstalten, sondern ein Schutzkonzept für Kinder, die sich für ihren Körper auf spielerische Weise interessieren. Es ist zugleich aber auch eine Hilfestellung für Erzieher:innen, wie sie auf derartige Erkundungen optimal reagieren. Auch das Bewusstsein für das  wichtige Thema sexuelle Übergriffe / sexueller Missbrauch wird hierbei angesprochen – wie man einen solchen Missbrauch erkennt und wie man hier im Rahmen des Schutzauftrages interveniert, um das Kind vor eben diesen Übergriffen zu schützen.

Das Konzept gib es auch in anderen Städten wie etwa Neuenstein. Dennoch birgt es eine große Gefahr. Pädophil veranlagte Menschen könnten sich als Hilfskraft bei Kitas bewerben, um das Konzept als Argumentationsgrundlage zu nehmen, um dabei zu sein, wenn Kinder ihre Körper erkunden. Hier heißt es daher: Nochmal mehr Vorsicht bei der Neueinstellung von Kita-Personal.




„Warum zum Teufel klimaneutral sein?“ – wenn es auch klimapositiv geht

Trotz der Coronabeschränkungen wollte  Bürgermeister Stefan Neumann den traditionellen Neujahrsempfang auch 2021 nicht ausfallen lassen. Statt in der Stadthalle konnten die Bürger den Empfang im youtube-Livestream verfolgen.

Nützlich sein anstatt weniger schädlich

Hatte Neumann in seinen Eingangsworten noch von Nachhaltigkeit bezüglich Energie und Wohnbau gesprochen, wurde er von Professor Dr. Michael Braungart gedanklich überholt, der in seinem Vortrag über das „Cradle-to-Cradle“-Prinzip das Wort „nachhaltig“ als  „weniger schädlich“ interpretiert und die Forderung aufstellt, dass wir nicht „weniger schädlich“ sondern im Gegenteil „nützlich“ handeln sollen.

„Warum zum Teufel klimaneutral sein?“ – wenn es auch klimapositiv geht.

Der Mensch sei das einzige Lebewesen, das Müll erzeuge, der sich nicht wieder in den Kreislauf einfügen lasse, sagt Braungart. Er unterstreicht das am Beispiel eines Kirschbaums: Der verliert zwar seine Blüten, aber die Biomasse der Blüten wird durch Verrottung wieder der Biosphäre zugeführt und zu 100 Prozent wiederverwertet, ist also nützlich. Dasselbe fordert er für die vom Menschen erzeugten Güter: vollständige Rückführung in die Bio- oder Technosphäre.

„Gebt einfach den Abfall auf“

Das heutige Recyling beispielsweise von Metallschrott ist für ihn ein gutes Beispiel mangelnder Qualität: Wenn aus Autos Betonstahl wird, der noch voller Buntmetalle ist, dann erzeugt das sowohl schlechten Baustahl als auch einen Mangel an wertvollen  Buntmetallen. „Effektivität statt Effizienz“ ist sein Schlagwort: Statt auf kurzfristige und scheinbare ökonomische Effizienz zu setzen, sollten die Effekte eines Produkts über seine Nutzungszeit und  die Nachnutzung betrachtet werden. Das führe über die gesamte Nutzungszeit letztendlich zu geringeren Kosten, wenn auch der Anschaffungspreis höher sein würde.

Neue Arten der Geschäftsbeziehung zwangsläufig notwendig

Aus diesem Grund plädiert er auch für neue Geschäftsmodelle und Geschäftsbeziehungen, die die Nutzung eines Produkts bepreisen, nicht das Produkt selbst: „Niemand braucht eine Solaranlage auf dem Dach, aber jeder braucht den Strom“ bringt er es auf den Punkt. Derartige Geschäftsmodelle, ähnlich einer Miete, so Braungart, habe er exemplarisch bereits verwirklicht: So habe er in den Niederlanden ein Projekt durchgeführt, wo nicht Leuchten oder Lampen bezahlt werden, sondern eine definierte Lichtleistung.

Wiederverwertung muss wichtiger werden

Auch die Produktentwicklung würde zwangsläufig anderen Prämissen folgen: Nicht nur der Einkaufspreis, sondern auch die Wiederverwertbarkeit und die Kosten und der Nutzen einer Wiederverwertung würden bereits sehr früh im Entwicklungsprozeß relevant werden.

„To do the wrong things perfectly is doing things perfectly wrong“

Fast wie ein Mantra wiederholt Braungart: „Qualität statt Nachhaltigkeit“. Er meint damit, dass die Nachhaltigkeit, wie wir sie heute sehen, nur Bestehendes optimiert und nichts Neues, nichts Fortschrittliches, erschafft. Produkten, die zu Abfall werden und nicht in die Technosphäre zurückgeführt werden, bescheinigt er mangelnde Qualität. Für ihn ist die Betrachtung des Materialienverbrauchs wichtiger als der Energieverbrauch: „Die Energieseite können wir lösen“, meint er.

„Aus Panik werden Menschen nicht fortschrittlich“

Damit hat er das Wesen des von ihm propagierten Cradle-to-Cradle-Ansatzes erklärt: Jedes Produkt soll nach seiner Nutzung wieder als Wiege eines Folgeprodukts dienen können. Dazu nennt er das Beispiel einer Papierfabrik, die es geschafft hat, ihr Papier wirklich wiederverwertbar zu machen: Durch Verzicht auf Farben und Füllstoffe, die bisher nur zu giftigem Klärschlamm wurden und 40 Prozent am Gesamtvolumen ausmachten.

Digitalisierung und Cradle-to-Cradle

Durch die neuen Geschäftsbeziehungen zwischen Erzeugern und Verbrauchern, ergäben sich laut Braungart weitere Vorteile: Wenn man von definierten Produktlaufzeiten ausgeht, weiß man auch, wann ein bestimmtes Material nach dem Recycling wieder für neue Produkte zur Verfügung steht und kann das in der Produktentwicklung berücksichtigen. Für das Vorhalten dieser Informationen ist die weitere Digitalisierung notwendig.

Städtische Bauplanung optimieren, etwa mit Fassadenbepflanzung

„Aus Panik werden Menschen nicht fortschrittlich“, sagt Braungart und will rationales Nachdenken über „nützliches“ Verhalten. Besonders die größeren Bauprojekte in Künzelsau sprach er damit an, denn städtische Bauplanungen könnten auf „Nützlichkeit“ optimiert werden, zum Beispiel durch Fassadenbepflanzungen oder gar Eiweißerzeugung in der Fassade – dieses Eiweiß könnte dann lokal als Tierfutter Verwendung finden, denkt er weit in die Zukunft. „Die Stadt hat von ihrer Umgebung immer nur genommen“, weiß er aus seiner Jugend, die er in Jagstberg, Diebach und Nagelsberg verbracht hat.

Künzelsau als Innovationshotspot von Nachhaltigkeit

Mit „Innovation entsteht nicht im Zentrum“, kommt Braungart zum Schluss seines Vortags. Künzelsau als Hochschulstandort und Sitz diverser Weltmarktführer biete sich geradezu an, ein Innovationshotspot im Sinne des „Cradle-to-Cradle“-Prinzips zu werden, wo Produkte und Dienstleistung entwickelt werden, die nicht nur „weniger schädlich“ sondern „nützlich“ sind.

Text: Matthias Lauterer

Über Prof. Braungart: http://braungart.epea-hamburg.org/de/content/%C3%BCber-michael-braungart

Prof. Dr. Michael Braungart während seiner Rede beim Neujahrsepfang der Stadt Künzelsua am 28. Januar 2021. Quelle: Screenshot

 




„Das stimmt so nicht“

„Das stimmt so nicht.“ Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann will die Erklärung von FFK, SPD/Grüne und UBK nicht unwidersprochen stehen lassen. Die Fraktionen hatten die digitale Gemeinderatssitzung in der Kreisstadt am Donnerstag, den 19. November 2020 boykottiert und fordern weiterhin Präsenzsitzungen (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/11/20/eine-gemeinderatssitzung-in-digitaler-form-kann-und-darf-nicht-mit-der-brechstange-auf-veranlassung-des-buergermeisters-durchgesetzt-werden/)

Alle Gemeinderatsmitglieder informiert

Er habe alle Gemeinderatsmitglieder informiert, beispielsweise im wöchentlichen Newsletter, und gegenüber den Fraktionen, teils auch in Einzelgesprächen, begründet, warum er die Sitzung ins Internet verlegt habe. Der bestehende Teillockdown und der Schutz vor einer Corona-Infektion sei der Grund. Einweisungen in die Technik hätten stattgefunden, ausgegrenzt werde niemand.

Rechtlich abgesichert

„Mit der Rechtsaufsicht ist geklärt, dass der Bürgermeister das Recht hat, die Art der Sitzung festzulegen“, betont er. In der Tat wurde im Mai 2020 der §37a in die Gemeindeordnung eingefügt, der besagt, „dass notwendige Sitzungen des Gemeinderats, ohne
persönliche Anwesenheit der Mitglieder im Sitzungsraum durchgeführt werden können; dies gilt nur, sofern eine Beratung und Beschlussfassung durch zeitgleiche Übertragung von Bild und Ton mittels geeigneter technischer Hilfsmittel, insbesondere in Form
einer Videokonferenz, möglich ist.“ Im weiteren Verlauf des Gesetzestextes wird sogar bestimmt, dass selbst für schwerwiegende Entscheidungen Sitzungen per Videokonferenz erlaubt sind, „wenn die Sitzung andernfalls aus schwerwiegenden Gründen nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden könnte.“ Der Seuchenschutz ist im Gesetz explizit als „schwerwiegender Grund“ benannt.

„Wir würden gerne ins Internet streamen“

Das von den Fraktionen vorgebrachte Argument des Datenschutzes und der Bildrechte wiegt auch für Neumann schwer: „Wir würden gerne ins Internet streamen, dem steht aber der Datenschutz entgegen“. Aus diesem Grund mußte die Sitzung in einen öffentlich zugänglichen Raum übertragen werden, denn die Öffentlichkeit hat ein Recht, an einer Gemeinderatssitzung teilzunehmen.

Neumann hofft, dass die Räte an der nächsten Sitzung, die voraussichtlich am 26. November stattfinden wird, in großer Zahl teilnehmen werden.

Text: Matthias Lauterer

Bürgermeister Stefan Neumann. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau/Christian Holzknecht/Archiv

 




Bürgersprechstunde mit Bürgermeister Stefan Neumann

Am Donnerstag, 10. September 2020 im Rathaus Künzelsa

Die Einwohnerinnen und Einwohner von Künzelsau lädt Bürgermeister Stefan Neumann erneut zu einer Bürgersprechstunde ein – am Donnerstag, 10. September 2020, 16.00 bis 18.00 Uhr im Rathaus Künzelsau, Zimmer 200, zweites Obergeschoss.

Aufgrund der Corona-Pandemie bietet die Stadtverwaltung Künzelsau Termine nach vorheriger Anmeldung an. Kontakt: Sibylle Fünfer, 07940 129-101, sibylle.fuenfer@kuenzelsau.de




„Jetzt wird es erstmal laut und schmutzig“ – Neuer Aldi im neuen Baugebiet Gaisbach ersetzt Aldi in Ortsmitte

Nah. Näher. Aldi. Das Motto, das sich eigentlich Würth auf die Fahnen geschrieben hat, ist nun auch das Bestreben des deutschen Discounters Aldi. Während die Erschließung des Neubaugebietes Haselhöhe in Künzelsau-Gaisbach erst gegen Ende des Jahres starten soll, gab es am Donnerstag, den 12. September 2019, bereits den Spatenstich für den Neubau einer Aldi-Filiale in eben diesem Gebiet. Und für Gaisbach gilt: Es wächst und wächst und wächst.

„Einen großen Dank an Herr Neumann, den Gemeinderat und den Ortschaftsrat“

Aldi-Geschäftsführer Lars Hetzel: „Ganz besonders danken möchte ich Herr Neumann, dass wir es geschafft haben, in dieser Zeit das Gelände zu entwickeln. Und auch einen großen Dank an den Gemeinderat und alle Mitglieder des Ortschaftsrates [Anm. d. Red.: von Gaisbach], dass sie dieses Vorhaben unterstützen.“ Für die Anwohner heiße es nun: „Jetzt wird es erstmal laut und schmutzig. Aber es lohnt sich. Wir werden einen ganz tollen Standort hier bekommen“, verspricht Hetzel. Laut Hetzel reichte die Planung des Projektes bis ins Jahr 2011 zurück.

Neumann: „Ich bin froh, dass Aldi an diesem Standort investiert“

„Ich bin sehr froh und dankbar, dass Aldi hier investiert am Standort Gaisbach. Ich bin auch sehr dankbar, dass Sie uns überholt haben im Baugebiet. Für das neue Baugebiet ist es wirklich ein Knaller.“ Wer könne schon sagen, dass bereits zum Start eines neuen Baugebietes bereits ein Lebensmittelversorger vor Ort sei?, betonte Neumann. Das mache das neue Baugebiet noch attraktiver. Auf die Frage, ob Aldi vermehrt den Fokus in den ländlichen Raum lege, betonte betonte Wilhelm Dümmel, Prokurist Leiter Filialentwicklung, gegenüber GSCHWÄTZ: „Wir versuchen, vermehrt an den Kunden heranzurücken. Das gilt sowohl für Großstädte, dass wir auch dort Standorte aufmachen, wo wir sie vielleicht vor zehn Jahren noch nicht gemacht haben und wo wir auch flächenmäßig Kompromisse eingehen müssen. Aber wir prüfen auch mehr Standorte im ländlichen Bereich, um einfach näher an den Kunden heranzugehen.“ In Gaisbach gibt es bereits einen Aldi in der Ortsmitte. Dieser werde nun durch den Neubau ersetzt. Der Neubau soll jedoch laut einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau größer und moderner als die bisherige Aldi-Filiale werden.

Ursprünglich sollte das Neubaugebiet dreimal so groß werden

Ursprünglich sollte das Neubaugebiet in Gaisbach mehr als dreimal so groß sein, als es nun geworden ist. Statt den von der Stadtverwaltung gewünschten 33 Hektar, sind es nun zehn Hektar geworden. Neumann: „Im Rahmen der Regionalplanung haben wir gemerkt: Das geht so nicht. Wir müssen das aufteilen.“ Die Erschließung des Baugebietes über den Erschließungsträger IBW aus Bald Waldsee soll Ende 2019 starten. In unmittelbarer Reichweite entstehe zusätzlich der Innovationscampus von Würth, was ebenfalls die Attraktivität des Gebietes noch unterstütze.

Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser

Das neue Baugebiet werde, so Neumann, alles bieten: vom Einfamilienhaus über Reihenhaus bis hin zu mehrgeschossigen Häusern. Dabei habe man sich die Frage gestellt: „Wie können wir die verschiedenen Formen des Wohnens sinnvoll integrieren, damit es kein Ghetto wird, sondern dass es sich auch ein Stück weit harmonisch einpflanzt und ineinander übergeht?“ Im Neubaugebiet werde es auch Räume für öffentliche Nutzung geben. Die Stadt möchte hier unter anderem einen Schwerpunkt  im Bereich Kindergarten setzen, das mehrere Millionen kosten werde. Neumann betont: „Gaisbach als unser Wohnungsbauschwerpunkt hat einfach eine besondere Bedeutung.“

Videos, Fotos & Text: Elke Brand

Spatenstich am Donnerstag, den 12. September 2019, zur neuen Aldi-Filiale. Foto: GSCHWÄTZ

Geladene Gäste zum Spatenstich am Donnerstag, den 12. September 2019, zur neuen Aldi-Filiale. Foto: GSCHWÄTZ

Spatenstich am Donnerstag, den 12. September 2019, zur neuen Aldi-Filiale. Foto: GSCHWÄTZ

Aldi-Baustelle mit angrenzendem Neubaugebiet. Foto: GSCHWÄTZ

Aldi-Baustelle mit angrenzendem Neubaugebiet. Foto: GSCHWÄTZ




Wer bekommt das XXL-Grundstück mitten im Herzen Künzelsau?

Im Besprechungsraum von Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann ziert ein Poster die Wand. Es zeigt den Plan zur Neugestaltung des großen Areals zwischen dem Rathaus und der Bergbahn. Das neue Landratsamt nimmt darin eine große Fläche ein. Von oben sieht es aus wie ein mehrfach zerteiltes Steak. Daneben sieht man das Kaufland, das so gar nicht an das Kaufland erinnern will, das es da facto bereits an dieser Stelle gibt. Mit seiner ovalen Form erinnert es vielmehr an ein kleines Fußballstadion. Besser, größer, neuer soll das Kaufland werden. Nur an der Umsetzung scheiden sich die Geister. Es geht um Millionen und um die Frage: Wie soll Künzelsau künftig ausschauen?

Der Investor wollte das Kaufland größer, moderner, neuer aufziehen.

Nur einen Steinschlag von diesem Kaufland entfernt hat Rainer Grill sein Büro. Er ist Pressesprecher von Ziehl-Abegg (ZA) und er hatte große Pläne mit dem Kaufland in Künzelsau. Genauso wie Dr. Herbert Küblböck aus Regensburg. Der Investor wollte das Kaufland größer, moderner, neuer aufziehen. Allerdings nicht an dem Standort an der Bergbahn, sondern in der Würzburger Straße neben dem Elektronikgeschäft HEM. Auf der über 13.000 Quadratmeter großen Fläche steht derzeit noch eine alte Produktionshalle von Ziehl-Abegg. Daran hängt schon seit Längerem das Schild: „Zu verkaufen“. Laut Bodenrichtwert ist das Grundstück mehrere Millionen Euro wert.

Vor einigen Jahren schon hat ZA in der Küblböck Unternehmensgruppe aus Regensburg einen Investor gefunden, der das Grundstück kaufen möchte. Ein großes, modernes Kaufland soll darauf entstehen. Architektonische Pläne gibt es. Gespräche mit der Stadt und dem Gestaltungsberater wurden geführt. Martin Gehring von Küblböck kritisiert: „Seit unserem einem ersten Gespräch 2015 ist uns über mehrere Jahre das Wohlwollen der Stadt in Persona des Bürgermeisters Neumann zugesichert“ worden. Es sei offen kommuniziert worden, „dass wir Einzelhandel auf dem Areal der Firma ZA in der Würzburger Straße/Kocherwiesen ansiedeln wollen. Erst – für uns völlig überraschend – im April 2018 wurde seitens Herrn Neumann verlautbart, dass unser Projekt nun von der Stadt abgelehnt würde. Wochen vorher waren unsere ausgereiften Architektenplanungen für den Umzug von Kaufland an die Würzburger Straße und die Nachnutzung der bisherigen Kaufland-Immobilie noch im Gestaltungsbeirat positiv beurteilt worden. Im Schreiben des Bürgermeisters Neumann zur Ablehnung steht nur ein einziger wortkarger Satz, der die Entscheidung begründet: das Kaufland gehöre in die Innenstadt.“
Fragt man Bürgermeister Stefan Neumann, betont dieser, dass er ebenso wie ZA ein Interesse daran habe, dass dieses Grundstück in der Würzburger Straße nicht ewig brach liege, sondern dass hierauf wieder etwas Neues entstehe.

Stefan Neumann möchte das Kaufland in der Innenstadt halten und nicht in die Würzburger Straße verlieren.
Foto: GSCHWÄTZ

„Unser Ziel ist es nach wie vor, die Innenstadt zu stärken und nicht zu schwächen. Wenn man das nicht macht, stirbt die Innenstadt.“

Er verweist aber auch darauf, dass das ZA-Grundstück in der Würzburger Straße ein eingeschränktes Gewerbegebiet sei. Elke Sturm, Pressesprecherin der Stadt Künzelsau präzisiert: „Sortimente von innenstadtrelevanter Bedeutung wie Nahrungs-und Genussmittel, Lebensmittel, Drogeriewaren, Kosmetika, Pharmazeutika, Oberbekleidung, Kurzwaren und Handarbeiten, Schuhe, Haushalt, Papier-und Schreibwaren, Bücher sind hier nicht zugelassen… Alles Sortimente die Kaufland anbietet.“

Aber was ist mit Lidl und Edeka, die sich ebenfalls in der Würzburger Straße angesiedelt haben? Elke Sturm erklärt: „Die von Ihnen angesprochenen Lebensmittelanbieter sind in einem Sondergebiet klassifiziert und jeweils mit der entsprechenden Verkaufsfläche und den Sortimenten begrenzt.“ Neumann betont darüber hinaus, wie wichtig das Kaufland für die Innenstadt Künzelsaus sei, immerhin grenze das rund 4.000 Quadratmeter große Grundstück direkt an ein größeres Wohngebiet und auch Taläcker mit seinen rund 3.000 Einwohnern sei nur eine Bergbahnfahrt entfernt: „Unser Ziel ist es nach wie vor, die Innenstadt zu stärken und nicht zu schwächen. Das haben wir von Anfang an so kommuniziert. Wenn man das nicht macht, stirbt die Innenstadt.“

Was darf überhaupt auf diesem Grundstück gebaut werden beziehungsweise, was könnte sich die Stadt vorstellen?

Rainer Grill von ZA betont, dass das jetzige Kaufland keine Bauruine geworden wäre, sondern es seien Pläne vorhanden gewesen, wonach ein kleiner Lebensmittelmarkt sowie ein oder zwei Fachgeschäfte darin hätten Platz finden sollen. Die Rede war von einem Schuhfilialisten sowie einem Sportartikelladen. Der Stadt Künzelsau war diese Planung zu unkonkret.

Der Investor ist mittlerweile vom Kaufvertrag zurückgetreten. Nun steht die große Frage im Raum: Was darf überhaupt auf diesem Grundstück gebaut werden beziehungsweise, was könnte sich die Stadt vorstellen? Die Stadt hat nun beschlossen, daraus ein so genanntes „urbanes Gebiet“ zu machen (Umwidmung). Dadurch bestünden mehr Möglichkeiten, das Gebiet zu bebauen. Dies sei auch ein positives Signal gegenüber dem Investor beziehungsweise anderer Investoren. „Produzierendes Gewerbe, Handwerksbetriebe, insofern sie nicht störend sind, ein Küchenstudio, Büros und auch Wohnungen sollen fortan möglich sein“, so Neumann. Martin Gehring von der Küblböck Unternehmensgruppe argumentiert: „Es gibt seitens der Stadt keine konkreten Nutzungsvorschläge. Etwas wolkig ist seitens des Bürgermeisters in einem mündlichen Gespräch eine nicht-handelsbezogene Gewerbenutzung ins Spiel gebracht worden – ohne konkrete, nachhaltige Interessenten benennen zu können. Für eine weitere Gewerbenutzung eignet sich das Grundstück wegen der hohen Abbruchkosten der bisherigen Gebäude – im Vergleich zum Kaufpreis für ein gewöhnliches Gewerbegrundstück in der Region – aber nicht. Ein solcher Verkauf wäre ein Draufzahlgeschäft für den bisherigen Eigentümer“, ist sich der Investor sicher. „Bezüglich der Altlasten- und Abbruchkosten hat unser Haus bereits 2017 fundierte Gutachten machen lassen, welche dies belegen. Wegen der umliegenden Handels- und Gewerbebebauung und der Lage an der viel befahrenen Bahnhofstraße mit den Schallproblematiken kommt auch eine wohnwirtschaftliche Nutzung nicht in Frage.“
Wenn sich die Stadt bezüglich dem Kaufland umentscheide, habe der Investor jedoch nach wie vor Interesse: „Ein Vertragsabschluss wäre auch kurzfristig möglich.“ Auch die Stadt könne sich vorstellen, die Fläche zu kaufen. Das habe man auch ZA schon signalisiert, so Neumann.

Rainer Grill von Ziehl-Abegg.
Foto: GSCHWÄTZ

 Was macht Ziehl-Abegg?

Die Firma Ziehl-Abegg (ZA) sitzt nicht nur in Künzelsau, sondern auch in Computern, Kühlgeräten und klimatisierten Gebäuden. Denn in diesen Geräten befinden sich kleine Ventilatoren. Der Ventilatoren-Hersteller ZA setzt bei der Entwicklung seiner Ventilatoren dabei sehr stark auf Bionek, betont Pressesprecher Rainer Grill gegenüber GSCHWÄTZ: „Wir setzen Dinge, die in der Natur gut funktionieren, im technischen Bereich um.“ So seien in den 1960er Jahren die gebogenen Schwingen in den Ventilatoren erfunden worden, damit sie ruhiger laufen. Man habe sich dabei an Vogelschwingen orientiert. Die Zacken in den Schwingen kamen 2006/2007 hinzu, diese habe man der Eule abgeschaut. Eine Bienenwabenstruktur sorge für Materialeinsparung. ZA fertigt vieles selbst in Deutschland, sagt Rainer Grill. Eine eigene Gießerei gehöre zu ZA. Vergangenes Jahr sei der Kunststoffspritzguss hinzugekommen. Es sei „nicht teurer, intern zu fertigen“. Im Gegenteil: Es sei „ zeitsparend“. Man sei dadurch „flexibler“. Und: „So können wir auch die Qualität optimal prüfen.“

2018 hat ZA laut Rainer Grill 50 Mitarbeiter zusätzlich eingestellt (200 weltweit). Der Umsatz des Unternehmens beläuft sich laut eigenen Angaben auf 540 Millionen Euro* (2017). ZA hat nach eigenen Aussagen 3.900* Mitarbeiter weltweit, davon 2.200* in Deutschland/Hohenlohe. Das Unternehmen exportiert laut eigenen Aussagen dreiviertel ihrer produzierten Teile ins Ausland.
Gründer der Firma ist Emil Ziehl. Er hat 1910 mit Eduard Abegg in Berlin begonnen, Elektromotoren zu bauen. Abegg verließ die Firma laut Rainer Grill bereits nach einem Jahr wieder. Ziehl stirbt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Da die Firma in Ostberlin stand, siedelten seine Söhne Günther und Heinz nach dem Krieg nach Künzelsau um, weil Kontakte zur dortigen Firma R. Stahl bestanden. 1963 gehen die Brüder getrennte Wege. Laut der Internetseite von ebm-papst, gründeten Heinz Ziehl und Gerhard Sturm Elektrobau Mulfingen (Ebm). Durch eine Fusion entsteht 2003 ebm-papst.

* Zahlen 2017

 

 




Kreistagswahl Künzelsau: Neumann bekommt mehr Stimmen als die gesamte SPD

Noch eine kleine Überraschung am späten Wahlabend bei der Bekanntgabe der Kreistagswahl-Ergebnisse am 26. Mai 2019 im Landratsamt in Künzelsau: Stefan Neumann, Bürgermeister von Künzelsau, bekommt mit über 4.400 Stimmen mehr Stimmen wie die gesamte SPD in Künzelsau. Alle Kandidaten der SPD kommen auf etwas mehr als 3.300 Stimmen. Damit zeigt sich einmal mehr: Die CDU kann sich noch relativ gut behaupten, während die SPD sich ein weiteres Mal fragen muss: Wohin soll es in Zukunft gehen?

Irmgard Kircher-Wieland (SPD) und Stefan Neumann (CDU) bei der Bekanntgabe der Wahlergebnisse am 26. Mai 2019 im Landratsamt in Künzeksau. Foto: GSCHWÄTZ

 




Kultusministerin Eisenmann lobt Künzelsau

Bürgermeister Stefan Neumann empfing dieses Mal neben den Künzelsauer Bürgern die Kultusministerin von Baden-Württemberg, Dr. Susanne Eisenmann, nicht zu vergessen die Lokalprominenz. Aktuelles Thema des traditionellen Neujahrsempfang am 11. Januar 2019 im Künzelsauer Rathaus: „Wir machen Bildung“

Wie wichtig Lernen und Bildung ist und welche Bedeutung dies besonders für Hohenlohe hat, das erörterten Neumann und Eisenmann ausführlich vor etwa 300 Künzelsauern. „Für Hohenlohe ist Bildung unglaublich wichtig. Bildung ist die Grundlage unserer Gesellschaft und auch unserer Zukunft. Wir, als Stadt Künzelsau, versuchen unseren Beitrag für die Zukunft zu leisten“, so Bürgermeister Stefan Neumann gegenüber GSCHWÄTZ. Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann findet die Künzelsauer Bildungssituation „bemerkenswert gut“. Eisenmann sagt: „Ich habe großen Respekt davor wie die Stadt Künzelsau und die politischen Gremien hier Bildung konkret leben. Die Schulsanierungen, die ganzen Grundlagen, die es gibt, die Arbeit mit den Schulen und mit den Kitas ist eine Herausforderung und da wird viel Geld investiert. Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung. Davon können sich andere Städte und Gemeinden eine Scheibe abschneiden.“

Gschwätz-Videoreporter Felix Kribus hat die Besucher zwischen Häppchen und Sektorange im legeren Teil des Abends befragt, wie gut der Abend und die Reden bei ihnen ankamen.

Neujahrsempfang im Künzelsauer Rathaus am 11. Januar 2019. Von links: Der ehemalige Hohenloher Landrat Helmut M. Jahn, Landrat Dr. Matthias Neth, Dr. Susanne Eisenmann, Carmen und Reinhold Würth, Bürgermeister Stefan Neumann, Ursula und Albert Berner, Eberhard Gienger, Christian von Stetten. Foto: GSCHWÄTZ

 

 

 

 

 

 




Video des Wahlabends in Künzelsau

Um 19.15 Uhr steht das Ergebnis im Rathaus Künzelsau fest: Die Künzelsauer haben Stefan Neumann als Bürgermeister wiedergewählt. Der dreifache Familienvater bekam 87,4 Prozent der Stimmen (Stand: 19.15 Uhr). 10,1 Prozent der Stimmen erhielt Ruth Henrich. 1,5 Prozent der Stimmen fielen auf Dauerbewerberin Fridi Miller. Sonstige: 1,1 Prozent. Die Wahlbeteiltigung war gering. Nur 35,5 Prozent der Künzelsauer haben ihre Stimme ab. Das heißt: Von 12.111 Wahlberechtigten gingen 4.305 zur Wahl. Ungültige Stimmen, also falsch ausgefüllte Wahlzettel: 86, laut ersten Angaben des stellvertretenden Bürgermeisters von Künzelsau, Christian von Stetten. Weitere Informationen gibt es auf: https://www.kuenzelsau.de/aktuelles?view=publish&item=article&ii=2133.

 

Kür Künzelsau-Blogger Matthias Lauterer ist die Zahl der Nichtwähler in Künzelsau zum Mäuse melken. Hier geht es zu seinem Kommentar:

 

https://matthiasausk.blogspot.com/2018/06/die-zahl-des-abends-355-wahlbeteiligung.html

 

Das Video zum Wahlabend im Rathaus am 04. Juni 2018 mit allen Emotionen der Beteiligten und viel Lokalprominenz gibt es hier zu sehen:

 

 

 

Fotos // GCHWÄTZ/Archiv

Video // Dr. Felix Kribus

Grafik // Stadtverwaltung Künzelsau




„Wir sind am Ende gescheitert“

// Video: Die Bürgermeisterkandidaten stellen sich den Bürgern in der Stadthalle Künzelsau vor

// offene Worte von Bürgermeister Stefan Neumann

// Kandidatin Henrich: „Wenn du etwas besprechen willst, geh‘ zu einem Mann. Wenn du etwas erledigt haben willst, geh‘ zu einer Frau.“

Für Sie vor Ort: Unser Reporter Dr. Felix Kribus

 

Am Mittwochabend, den 16. Mai 2018, haben sich die Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Künzelsau den Bürgern in der Stadthalle in Künzelsau präsentiert. Dabei punktete der amtierende Bürgermeister Stefan Neumann mehr mit lokalen Themen. Ruth Hildegard Henrich stellte ihre Vision für die Kreisstadt für die nächsten zwei Jahrzehnte vor und stellte Themen wie die Trinkwasser- und Energieversorgung in den Mittelpunkt ihrer Rede.

 

„Das Amt des Bürgermeisters ist ein sehr verantwortungsvolles Amt. Er ist der Vertreter der Stadt nach aussen und quasi der erste Bürger.“ Mit diesen Worten begrüßte Christian von Stetten, CDU-Bundestagsabgeordneter  und stellvertretender Bürgermeister der Stadt Künzelsau, die Bürger in der Stadthalle.

 

// Neumann: „Die wohnortnahe Versorgung bleibt auf der Strecke“

 

Stefan Neumann macht den Auftakt und betonte in seiner Rede: „Wir wollen ein Ort für Ideen sein“ und zählte auf, was ihm in den vergangenen Jahren geglückt ist: „Wir haben nach langen Jahren einen Investor für das Quartier an der Stadtmauer gefunden. Wir haben einen Gestaltungsbeirat einberufen  und wir haben ein Konzept zur Sanierung der Künzelsauer Kläranlage vorgelegt und prüfen parallel die Beteiligung an der Großkläranlage Kochertal.“ Nicht selbstverständlich sei: „Wir haben einen gebührenfreien Kindegarten.“ Das solle auch so bleiben. „Dies ist echte Familienförderung und solle auch so bleiben.“ Die Schulen seien saniert worden. Er ging auch auf den Verlust des Künzelsauer Krankenhauses ein: „Wir haben die Bürgerschaft beim Kampf um unser Krankenhaus unterstützt, haben eigene Alternativkonzepte entwickelt und sind doch am Ende gescheitert, da größere Einheiten angeblich wirtschaftlicher sein sollen. Die wohnortnahe Versorgung. Kurze Wege bleiben auf der Strecke.“

Er betonte jedoch auch, dass Künzelsau keine allzu großen Sprünge  machen könne, da die Stadt seit 2008 Gewerbesteuerrückzahlungen in Millionenhöhe leisten müsse. Die Stadt sei hier „unbeteiligter Dritter“, die die Gewerbesteuern zwar einnehme, „zu einem Großteil aber an Kreis, Land und Bund weitergibt. Von einem Euro Gewerbesteuer verbleiben rund 30 Cent bei uns“.

 

// Neumann: Den Eingang der Stadt verändern //

 

Themen, die es künftig anzugehen gilt, seien: Das Bau des neuen Landratsamtes. In diesem Zuge laufe ein städtebaulicher Wettbewerb. Bis zum Herbst sollen in diesem Rahmen Ideen entwickelt werden, die den Eingang unserer Stadt dauerhaft verändern können. Weitere Themen seien die Gewerbeentwicklung, die Entwicklung der Innenstadt, die Digitalisierung der Verwaltung und auch die Entwicklung der Gesundheitsversorgung. Neumann: „Wir werden uns mit dem neuen Partner [Anm. d. Redaktion: die BBT-Gruppe] aktiv einbringen“

 

Sein Schlusswort: „Wir sind für Sie da. Und ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass sich Künzelsau als Ihre Heimat für Sie und unsere Unternehmen gut entwickelt. Ich kämpfe dafür, dass unsere Lebensqualität weiter zunimmt.

 

// Henrich: Trinkwasserversorgung sichern //

 

Für die Unternehmensberaterin Ruth Hildegard Henrich sind die Hauptthemen der Zukunft: die Trinkwasserversorgung und die Energieversorgung der Stadt. „Das erste, was mir auffällt in der Region“, sagte sie in ihrer Rede, „sind die Höhen und Tiefen. „Da würde es sich anbieten, Wasserkraft zu nutzen.“  Sie möchte die „Weichern stellen für die nächsten Jahrzehnte, damit die Trinkwasser- und Energieversorgung gesichert“ sei. In diesem Rahmen möchte sie auch Naherholungsgebiete schaffen.

Um Kunden in die Innenstadt zu locken, wäre es ihrer Meinung nach sinnvoll, kosenloses Parken anzubieten. „Die Parkscheine könnten von den Einzelhändlern entwertet werden beziehungsweise die Parkgebühren erstattet.“ Was sie irritiere: „Auf der Rückseite der Parktickets finde ich keine Werbung der Stadt, sondern die einer Bank.“

Bezüglich der  Gesundheitsversorgung möchte Henrich die „Notversorgung sicherstellen“. Hierbei denke sie „an ein medizinisches Zentrum mit allen medizinischen Fakultäten,  inklusive Naturheilkunde und alternativer Verfahren.“ Hierfür könnten bereits Räumlichkeiten angeboten werden. Für die Ärzte würden sich dadurch auch die Anschaffung der Geräte lohnen.

„Innovativ, lebendig und lebenswert“ soll  Künzelsau laut der Unternehmensberaterin werden. „Wenn wir das schaffen, kommen auch Fachkräfte in den Ort, die hier gern leben möchten.“

Auf die Frage, warum die Bürger sie wählen sollen zur Bürgermeisterin, antwortete Henrich:

„Wenn du etwas besprechen willst, gehen Sie zu einem Mann. Wenn du etwas erledigt haben willst, geh‘ zu einer Frau.“

 

// Wer ist für die Bürger der Favorit? //

 

Für Besucher Rolf Hamprecht ist Stefan Neumann der Favorit: „Er hat das, was die Leute hier bewegt und wie man damit umgeht, klar definiert. Die Dame war nicht schlecht, aber zu allgemein und nicht auf Künzelsau bezogen.“

 

Für Besucherin Anneliese Scholz ist ebenfalls Stefan Neumann „eindeutig“ der Favorit. Er habe eine fundierte Rede mit hoher Sachkenntnis gehalten. Frau Henrich empfand sie als „relativ schwach“. Sie bemängelte Henrichs Betonung darauf, dass sie sich nur beworben habe, weil sie Bürger darum gebeten haben: „Das war kein guter Einstieg.“