„VERDIENT DER AU Ä GELD?“ – Interview mit Michael Krebs
Auf einen Erdbeershake im EMMA in Künzelsau traf sich Musiker und Kabarettist Michael Krebs aus Neu-Kupfer mit unserer Journalistin Isabell Kähny.
GSCHWÄTZ: Sie sind Musiker und Kabarettist. Was können sich unsere Leser darunter vorstellen?
KREBS: Ich war immer Musiker. Ich habe eigene Songs geschrieben und die hatten lustige Texte. Und dann habe ich gemerkt, dass es da auch eine Bühne jenseits der Musikbühnen gibt, und das waren die Comedy- und Kabarettbühnen. Und insofern bin ich ein Musiker, der sehr gut auf einer Kabarettbühne auftreten kann, weil er Texte hat, die humorvoll und durchdacht sind.
GSCHWÄTZ: Dann ging es für Sie ziemlich schnell in den Kleinkunst-Bereich?
KREBS: Ja, da mache ich einfach viel. Ich stehe immer wieder auf Musikbühnen und es gibt aber auch diese Kleinkunstbühnen, die ich wahnsinnig gern bespiele, weil sie so schön intim sind.
GSCHWÄTZ: Wie sind Sie zur Kunst gekommen?
KREBS: Warum ich keinen richtigen Beruf erlernt habe, meinen Sie? Es war ein bisschen Zufall. Ich habe Musik studiert, habe Lieder geschrieben. Ich hatte Lust, meine Gedanken musikalisch zu verwerten. Eigentlich wollte ich Jazz-Musiker oder Popstar sein – oder wahlweise auch mal Bundespräsident. Aber ergeben hat sich dann tatsächlich diese Sache, weil immer wieder Leute kamen und sagten: „Hey, das ist so klasse, was du da machst.“ Für mich war das lange Zeit ein Hobby.
„Das ist die wichtigste Frage in Hohenlohe, denke ich: Verdient er au ä Geld?“
GSCHWÄTZ: Jetzt arbeiten Sie hauptberuflich als Künstler?
KREBS: Seit über zwölf Jahren jetzt.
GSCHWÄTZ: Können Sie gut davon leben?
KREBS: Ja, gut. Das ist die wichtigste Frage in Hohenlohe, denke ich: „Verdient er au ä Geld?“
GSCHWÄTZ: Aber Sie haben es ja gleich bejaht.
KREBS: Ich habe es mir angewöhnt, da immer „Ja“ zu sagen, sonst wird man nicht ernst genommen.
GSCHWÄTZ: Sie sind nicht nun solo unterwegs, sondern auch mit Ihrer Band. Was überwiegt?
KREBS: Ich würde sagen, momentan drei viertel solo und ein viertel mit der Band. Für mich könnte es mehr in Richtung halbe- halbe gehen, aber daran arbeite ich.
„Ich habe meine Band in Wacken kennengelernt.“
GSCHWÄTZ: Ihre Band heißt: „Pommesgabeln des Teufels“. Wie kam es zu dem Namen?
KREBS: Es gibt die Pommesgabeln des Teufels als Handzeichen der Heavy Metal Fans. Ich habe meine Band in Wacken kennengelernt und ich habe sowieso auch über dieses Handzeichen auf der Bühne in meinem Programm geredet, weil es im Kindergarten als Flüsterfuchs missbraucht wird. Und dagegen habe ich mich gewehrt.
GSCHWÄTZ: Welchen Bezug haben Sie zu Hohenlohe?
KREBS: Das ist meine Heimat. Ich bin hier groß geworden.
GSCHWÄTZ: Sie haben Ihre Kindheit in Neu-Kupfer verbracht?
KREBS: Ja, bis ich 19 war. Ich habe im Grunde alles, was wichtig ist, hier gelernt. Ich stelle es immer wieder an mir selbst fest, dass die Werte oder die Art zu denken, mir hier total vertraut sind. Ich verstehe immer sofort, wie die Leute hier ticken. Ich bin hier irgendwie daheim.
„Wenn ich hierher fahre, hab ich das Gefühl, hier sind meine Wurzeln.“
GSCHWÄTZ: Und das trotz ihres Großstadtlebens in Berlin? Da prallen ja Welten aufeinander.
KREBS: Ja wirklich! Es hat auch lange gedauert, überhaupt klarzukommen in der Großstadt. Wenn ich hierher fahre, hab ich das Gefühl, hier sind meine Wurzeln. Hohenlohe: wunderschön! Das sind auch so die Bilder, wie die Sonne untergeht, wenn man in Richtung Waldenburg guckt und man sieht das Schloss auf dem Berg. Das sehe ich und denke immer noch „wow“, Gänsehaut. Auch das dörflich-vertraute mag ich, dass man seine Nachbarn anders wahrnimmt, dieses Nacheinander-Gucken.
GSCHWÄTZ: Können Sie sich vorstellen, irgendwann wieder auf dem Land zu wohnen?
KREBS: Ich sage jetzt nicht: Das mache ich auf keinen Fall. Man wird im Dorf groß und zieht immer größere Kreise. Ich hatte hier wahnsinnig viele Freiheiten, weil so viel Platz da war. Wenn man nachts um zwei noch baden wollte, dann ist man an einen See gefahren und hineingesprungen. Aber irgendwann war es mir zu eng. Irgendwann war klar: Ich will auch mal was anderes sehen. Und durch das Musikstudium war auch klar, dass ich sowieso woanders hin muss.
GSCHWÄTZ: Welche Instrumente spielen Sie?
KREBS: Klavier. Und dann spiele ich noch Gitarre, Schlagzeug, Gesang natürlich. Der Rest ist eigentlich nicht der Rede wert. Mit neun habe ich angefangen, Klavier zu spielen und mit 14 aufgehört. Da wollte ich E-Gitarre spielen. Das war meine Heavy-Metal-Phase, Pubertät, da war ich wütend. Und dann habe ich mit 16 wieder angefangen mit Klavier.
GSCHWÄTZ: Da haben Sie dann ganz klassisch Klavierstunden gehabt?
KREBS: Ja, da kam der Klavierlehrer mit seinem alten Daimler über das Dorf gefahren, von Hof zu Hof, und hat den Kindern Klavierunterricht gegeben.
„Erste Klasse Flöte, logisch! Pflicht!“
GSCHWÄTZ: Also bei uns hat zuerst mal jeder Flöte gespielt. Haben Sie das ausgelassen?
KREBS: Erste Klasse Flöte, logisch! Pflicht! Das hat dem Instrument Blockflöte viel Schaden angerichtet. Eigentlich kann Blockflöte sehr schön sein, aber seit es DAS Kinderinstrument ist, wo alle durchmüssen, dagegen hatte die Blockflöte keine Chance. Sie war einfach zu zart und zu leise.
GSCHWÄTZ: Im April 2017 sind Sie mit dem baden-württembergischen Kleinkunstpreis ausgezeichnet worden. Was bedeutet Ihnen der Preis?
KREBS: Das war für mich eine tolle Bestätigung, eine überraschende. Ich hatte 2011 den Nachwuchspreis gekriegt und jetzt den Hauptpreis. In der Zwischenzeit habe ich mein Ding gemacht, dann kommt plötzlich so ein Preis und man denkt: Wow, die haben dich beobachtet über die Jahre und haben Interesse gehabt an dem, was du machst. Ich mache das, was ich mache, aber nicht, um Preise zu kriegen.
„Karriere ist mir gar nicht so wichtig.“
GSCHWÄTZ: War das der bislang bedeutendste Preis?
KREBS: Beim baden-württembergischen Kleinkunstpreis guckt sich die Jury die Künstler als Ganzes an und insofern ist dieser Preis schon bedeutender, weil er sich tiefer mit dem beschäftigt, was man macht. Und es nehmen einen Leute wahr, die einen vorher nicht wahrgenommen haben: Theater, Medien und Zuschauer.
GSCHWÄTZ: Welche Pläne haben Sie für die nächsten Jahre?
KREBS: Auf jeden Fall mit meiner Band eine neue CD aufnehmen. Karriere ist mir gar nicht so wichtig. Ich mache das, was mich glücklich macht. Ich habe meinen Traumjob.
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