Vor mehr als eineinhalb Jahren, noch im Jahr 2018, lag ein Brief des Gasnetzbetreibers Netze-BW in den Briefkästen der Bewohner der Künzelsauer Sudetenhalde: Es wurde angekündigt, dass nach mehreren vergeblichen Anläufen jetzt aufgrund einer durch die Stadtverwaltung geplanten baldigen Straßen- und Infrastruktursanierung endlich auch für die Sudetenhalde ein Gasanschluß angeboten werden könne. Auch sollten in diesem Zusammenhang die Freileitungen für den Strom unterirdisch verlegt werden. Man solle sich bei Interesse an die EnBW beziehungsweise die Netze-BW wenden.
Die Freude war groß
Die Freude war groß: Thomas Rudolph, der ein Haus umbauen möchte, hat sich umgehend nach einer modernen und umweltfreundlichen Gasheizung umgesehen, ein Hausverkäufer hat in die Verkaufsanzeige aufgenommen, dass das Haus bald Gasanschluß haben wird. Ein dritter hat mit einem Mitarbeiter der Netze-BW geplante Umbaumaßnahmen unter Berücksichtigung der Gasleitung besprochen. Und einer hat sich auch geärgert, dass er gerade seine Flüssiggas-Heizung erneuert hatte.
Ansprechpartner der Netze-BW wirken resigniert
Die Freude ist inzwischen nicht mehr so groß, denn das Jahr 2019 ist verstrichen und nichts ist geschehen. Die Auskünfte der Netze-BW wurden spärlicher und im persönlichen Gespräch wirkten die Ansprechpartner der Netze-BW resigniert.
Am 22. Juli 2019 hat der GSCHWÄTZ-Reporter das Thema Sudetenhalde bei einem Pressetermin über aktuelle Bauprojekte mit Bürgermeister Stefan Neumann und Bernd Scheiderer, dem Technischen Leiter der KÜN-Werke, angesprochen. Damals schien das Projekt noch sehr aktuell und wurde als eines der dringenden auf der Liste bezeichnet. Der Mailverkehr des Anwohners Thomas Rudolph hat mit NetzeBW und der Stadt Künzelsau zeigt aber, wie die Stadtverwaltung und Netze BW gegenseitig mit dem Finger auf sich zeigen, wenn es drum geht, wer den nächsten Schritt bei diesem Unterfangen zu machen habe:
Auf seine Anfrage an die Stadt Künzelsau, bis wann er mit dem Gasanschluß rechnen könne, bekam er am 25. März 2020 die Antwort: „Für Auskünfte zur Umsetzung der Erneuerung der Gasleitung müssten Sie sich direkt an die EnBW wenden. Bisher wurde noch keine Ausführungsplanung mit der Stadtverwaltung abgestimmt. Dementsprechend sind bisher auch keine weiteren Planungen zu den Themen „Kanal, Wasserversorgung, Straßenbeleuchtung, Breitband“ seitens der Stadtverwaltung vorgesehen.“
Wohlgemerkt: Es gibt bisher gar keine Gasleitung, von einer „Erneuerung“ kann also nicht die Rede sein.
Seine Rückfrage bei der NetzeBW ergab ein völlig anderes Ergebnis, laut Auskunft der Netze-BW vom 26. März 2020 hat sich Netze-BW seit 2018 mehrfach bemüht, verbindliche Unterlagen und Auskünfte von der Stadtverwaltung Künzelsau zu erhalten. das Protokoll der Netze BW hierzu schaut folgendermaßen aus:
„- Am 19.09.2018 wurde die Maßnahme „Sudetenhalde“ bei der Stadt angefragt und Planauskünfte angefordert (XXX)
– Am 13.11.2018 erneute Anfrage bei (XXX)
– Am 11.12.2018 erneute Anfrage bei (XXX)
– 2019 wurde die Planauskünfte dann geliefert, so dass wir die Maßnahme projektieren konnten.
– Anscheinend wurde die Anfrage dann 2019 im Gemeinderat geprüft und eine Sanierung auf spätere Zeit verlegt (diese Aussage haben wir nur mündlich)
– Aktuell wurde die Stadt Künzelsau am 3. Februar 2020 (XXX) erneut über verschiedene geplante Baumaßnahmen angefragt, ob hier eine Straßensanierung geplant ist.
– Bis heute ist die letzte Anfrage noch unbeantwortet.“
(XXX – Namen der Mitarbeiter der Stadt anonymisiert, aber der Redaktion bekannt)
Zwei befragte Gemeinderäte konnten lediglich bestätigen, dass die Sanierung der Sudetenhalde in der letzten Zeit nicht auf Tagesordnung gewesen ist. Mehr sei derzeit nicht bekannt.
„Wir bleiben in Kontakt“
Am 30. März 2020 erwidert Bernd Scheiderer: „Es wurde uns bisher noch keine Planung vorgelegt. Wir werden weiterhin mit der EnBW in Kontakt bleiben und die Planungen miteinander abstimmen. Ob und wann die Maßnahme umgesetzt wird, kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht mitteilen, da dies eine Entscheidung des Gemeinderates ist.“
Die Krux: Die Beschlußvorlage für den Gemeinderat muß aber von der Verwaltung ausgearbeitet werden, derselben Verwaltung, bei der die Netze-BW mehrfach ohne Antwort angefragt hat.
Am 27. April 2020 teilt Bernd Scheiderer mit: „Die Stadtverwaltung arbeitet momentan mit einem Ingenieurbüro an der Prüfung der Bestandsleitungen Abwasser/Wasser in der Sudetenhalde. Erst nach Auswertung der Ergebnisse können weitere Planungen auch in Zusammenarbeit mit der EnBW vorgenommen und mit dem Bürgermeister und den Gemeinderäten abgestimmt werden. Ich kann Ihre Erwartungen/Hoffnungen verstehen. Bitte aber in Anbetracht der Vielzahl an laufenden Projekten auch um Geduld. Eine Entscheidung über einen möglichen Ausbau kann nur in Abstimmung mit dem Gemeinderat und unter Bereitstellung der entsprechenden finanziellen Mittel im Haushalt der Stadt Künzelsau erfolgen.“
Das bestätigt auch die Stadtverwaltung Künzelsau auf GSCHWÄTZ-Anfrage: „Mit den Planungen für die Sanierung der Sudetenhalde wurde das Ingenieurbüro Metzger beauftragt. Dabei werden die Wasser- und Abwasserleitungen untersucht, um festzustellen, ob und was tatsächlich in diesem Bereich gemacht werden muss. Voraussetzung für die geplante Verlegung einer Gasleitung durch die EnBW ist, dass Wasser- und Abwasserleitungen in Takt sind.“
Über den schlechten Zustand der Wasserleitungen bestehen bei den Anwohnern keine Zweifel.
Inzwischen wurden oberirdische Vermessungsarbeiten durchgeführt, so dass der Zeitplan der Stadt („Die Vorplanung mit Kostenschätzung werden in der zweiten Jahreshälfte erstellt und im Gemeinderat vorgestellt“) vielleicht eingehalten werden kann.
Über einen eventuellen Baubeginn kann noch keine Aussage getroffen werden. Thomas Rudolph meint dazu: „Für die Grundstückseigentümer oder Käufer gibt das keinerlei Planungssicherheit“.
Text: Matthias Lauterer