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„Brandschutzvorkehrungen und Brandbekämpfung sind im Einzelfall auf örtlicher Ebene sicherzustellen“

Der Landtagsabgeordnete Stephen Brauer (FDP/DVP) hatte zum Netzbooster in Kupferzell eine Kleine Anfrage an die baden-württembergische Landesregierung gestellt. Das Umweltministerium beantwortete diese gemeinsam mit dem Innenministerium und dem Wirtschaftsministerium. „Der Schwarze Peter ist in Hohenlohe, besser gesagt in Kupferzell“, schreibt dazu Michael Schenk, der Vorsitzende der FDP Hohenlohe, und bezieht sich damit vor allem auf das Thema Feuerbekämpfung bei dem geplanten Netzbooster. Zuvor hatte bereits die FDP-Bundestagsabgeordnete Judith Skudelny mit weiteren Abgeordneten und der FDP-Fraktion eine Kleine Anfrage zu dem Thema an die Bundesregierung gestellt (GSCHWÄTZ berichtete über die Antwort unter https://www.gschwaetz.de/2020/11/25/hier-soll-der-schwarze-peter-nach-hohenlohe-geschoben-werden/).

„Ein Standort im Raum Kupferzell hat sich aus netzplanerischer Sicht als am geeignetsten erwiesen“

Stephen Brauer wollte unter anderem von der Landesregierung wissen, nach welchen „nachprüfbaren Kriterien die Gemeinde Kupferzell als Standort für die geplante Batteriespeicheranlage ausgewählt“ worden war. Darauf schrieb Minister Franz Untersteller: „Nach Angaben der TransnetBW GmbH sind die von Norden kommenden Leitungen aus Grafenrheinfeld in Richtung Kupferzell schon heute hoch ausgelastet – insbesondere bei hoher Windeinspeisung in Norddeutschland.“ Diese Belastung werde nach Angaben von TransnetBW in den kommenden Jahren weiter steigen. „Unter mehreren untersuchten Standorten habe sich ein Standort im Raum Kupferzell aus netzplanerischer Sicht als am geeignetsten erwiesen“, so der Umweltminister weiter. „Der Netzbooster könne hier – in geringer räumlicher Entfernung zu den auftretenden Engpässen – bereits in der Pilotphase eine im Vergleich zu anderen Standorten besonders hohe Wirksamkeit zur Höherauslastung des Netzes entfalten.“ Zudem sei durch die Netzanbindung in Richtung Norden, Westen und Süden die Möglichkeit für ein Zukunftskonzept gegeben, in dem mehrere Anlagen zur Netzstabilisierung zusammenwirken. Weitere Kriterien für die netzplanerische Eignung seien darüber hinaus gewesen, „wie stark die Stromkreise durch einen Netzbooster höher ausgelastet werden können, wie oft diese Stromkreise voraussichtlich überlastet sein werden, wie oft ein Netzbooster einen Engpass verhindert, der ohne Netzbooster entstehen würde, und ob eine im Fall des Einsatzes des Netzboosters zeitlich nachgelagerte Ablösung durch Kraftwerke gewährleistet werden kann.“

„Viele Standorte für den Netzbooster-Einsatz sind bereits ausgeschieden“

Zur Frage nach alternativen Standorten in Baden-Württemberg heißt es in dem Schreiben: „Nach Auskunft der TransnetBW GmbH sind aufgrund der oben genannten Kriterien viele Standorte für den Netzbooster-Einsatz bereits ausgeschieden.“ Zwar seien Standorte von TransnetBW-Umspannwerken als mögliche Alternativen untersucht worden. Auch sei Neckarwestheim als Standort eines stillgelegten Kraftwerks, das bereits durch ein Umspannwerk der TransnetBW angeschlossen sei, explizit als möglicher Standort berücksichtigt worden. Hier hätte jedoch die netzplanerische Eignung gefehlt. Das Umspannwerk Kupferzell sei als Anschlusspunkt am besten geeignet.

Rund 15 Millionen Euro jährlich an Einsparpotenzial

Grundsätzlich sollen „Netzbooster dabei helfen, bestehende Leitungen im Normalbetrieb besser auszulasten, indem sie in Sekundenschnelle eingreifen, sobald Netzfehler auftreten“, so der Umweltminister weiter. „Netzbooster können damit den auch über 2030 hinaus nötigen Netzausbau nicht ersetzen, wären aber eine flexible Ergänzung, um Stromnetze höher auszulasten und dadurch Kosten für Redispatch-Maßnahmen einzusparen.“ Der Netzbooster könne so dem Ziel einer zuverlässigen und zugleich kostengünstigen Energieversorgung dienen. Die Bundesnetzagentur gehe nach Auskunft von TransnetBW von einem Einsparpotenzial von Redispatch-Kosten von circa 15 Millionen Euro jährlich ab dem Jahr 2026 aus.

„Soweit erforderlich werden zur Einhaltung der Grenzwerte technische, bauliche oder organisatorische Maßnahmen von der TransnetBW GmbH zu treffen sein“

Für die Überprüfung und Kontrolle der Anlage ist laut Umweltministerium die Bundesnetzagentur die zuständige Regulierungsbehörde, für die Überwachung der technischen Sicherheit allerdings das Regierungspräsidium Freiburg. Die Zulassung der Anlage solle im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens beim Regierungspräsidium Stuttgart beantragt werden. Dabei werde auch die Übereinstimmung des Vorhabens mit den öffentlich-rechtlichen Vorschriften geprüft. Dazu zähle laut Umweltministerium auch die Einhaltung von Lärmgrenzwerten. „Soweit erforderlich werden zur Einhaltung der Grenzwerte technische, bauliche oder organisatorische Maßnahmen von der TransnetBW GmbH zu treffen sein“, versichert Untersteller in dem Schreiben.

Konzept für Brandschutz und Gefahrenabwehr wird erstellt

Für die Anlage in Kupferzell sei laut TransnetBW bereits ein erstes mehrstufiges Brandschutz- und Gefahrenabwehrkonzept erstellt worden, dessen Details aber zurzeit noch erarbeitet werden. Bei diesen Vorarbeiten sei auch das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit der Forschungsstelle für Brandschutztechnik mit einbezogen worden. Hinsichtlich eines möglichen Feuers im Netzbooster schiebt Untersteller die Verantwortung der Gemeinde Kupferzell zu: „Brandschutzvorkehrungen und Brandbekämpfung sind im Einzelfall auf örtlicher Ebene sicherzustellen.“ Laut dem Feuerwehrgesetz Baden-Württembergs habe „jede Gemeinde auf ihre Kosten eine den örtlichen Verhältnissen entsprechende leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen, auszurüsten und zu unterhalten“, so Untersteller. Diese habe bei Feuer und öffentlichen Notständen Hilfe zu leisten. Der Bürgermeister einer Gemeinde könne jedoch „Eigentümer und Besitzer von Grundstücken und baulichen Anlagen, von denen im Falle eines gefahrbringenden Ereignisses Gefahren für das Leben oder für die Gesundheit einer größeren Anzahl von Menschen, für erhebliche Sachwerte oder für die Umwelt ausgehen können oder bei denen eine Schadensabwehr nur unter besonders erschwerten Umständen möglich ist, dazu verpflichten, die für die Bekämpfung dieser Gefahren erforderlichen besonderen Ausrüstungsgegenstände und Anlagen zu beschaffen, zu unterhalten und ausreichend Löschmittel und sonstige Einsatzmittel bereitzuhalten.“ Eigentümer und Besitzer von abgelegenen Gebäuden könnten außerdem dazu verpflichtet werden, Löschwasseranlagen für diese Gebäude zu errichten und zu unterhalten.

Recycling der Alt-Batterien

Hinsichtlich Recycling-Möglichkeiten der Batterien schreibt Untersteller: „Die Rücknahme und Verwertung von Lithium-Ionen-Altbatterien ist gesetzlich im Batteriegesetz (BattG) geregelt.“ Batterien, wie die beim Kupferzeller Netzbooster, seien demnach Industriebatterien, die der Hersteller zurücknehmen und stofflich verwerten müsse. Auch der Vertreiber könne die Entsorgung übernehmen. Verbrennen oder Deponierung solcher Altbatterien ist laut BattG ausdrücklich untersagt. „Dies gilt nicht für Rückstände von zuvor ordnungsgemäß behandelten und stofflich verwerteten Altbatterien“, heißt es in der Antwort weiter. Lithium-Ionen-Altbatterien können stofflich verwertet werden, moderne Verfahren erlauben hohe Rückgewinnungsquoten aller wesentlichen Bestandteile. Derzeit sei zwar die Wirtschaftlichkeit nicht hinsichtlich aller Inhaltsstoffe gegeben, mit der Zunahme von entsprechenden Altbatteriemassen wie zum Beispiel im Rahmen der Elektromobilität sei dieser Aspekt jedoch neu zu bewerten.

Quelle: Pressemitteilung der FDP Hohenlohe




„Hier soll der schwarze Peter nach Hohenlohe geschoben werden“

Auf Betreiben vom Kreisvorsitzenden der FDP Hohenlohe, Kreisrat Michael Schenk, und dem Landtagsabgeordneten Stephen Brauer (FDP) wurde von der Bundestagsabgeordneten Judith Skudelny (FDP) gemeinsam mit weiteren Abgeordneten und der FDP-Fraktion eine kleine Anfrage zum Netzbooster in Kupferzell an die Bundesregierung gestellt.

„Durch das Konzept kann mittel- bis langfristig Netzausbau in einem gewissen Umfang eingespart werden“

Darin fragten die Abgeordneten unter anderem nach den Zielen, die mit dem Bau des Netzboosters verfolgt werden. Daraufhin Andreas Feicht, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium: Das primäre Ziel des Netzbooster-Pilotprojektes in Kupferzell sei die Einsparung von „Redispatch“ (Redispatch ist im Bereich des Stromhandels ein Eingriff zur Anpassung der Leistungseinspeisung von Kraftwerken auf Anforderung des Übertragungsnetzbetreibers mit dem Ziel, auftretende regionale Überlastungen einzelner Betriebsmittel im Übertragungsnetz zu vermeiden oder zu beseitigen) und Einspeisemanagement und den damit verbundenen Kosten.“ Durch das Konzept der Netzbooster könne „auch mittel- bis langfristig Netzausbau in einem gewissen Umfang eingespart werden“. Außerdem solle mit den Netzboostern ein „innovatives Konzept zur Höherauslastung des Übertragungsnetzes“ erprobt werden. Diese würden eine aufgrund ihrer reaktionsschnellen Batteriespeicher „kurzfristige Überlastung im Fehlerfall“ zulassen.

„Keinesfalls sollen die Netzbooster dem unmittelbaren Ausgleich von Versorgungsunterbrechungen dienen“

Keinesfalls sollen die Netzbooster allerdings dem unmittelbaren „Ausgleich von Versorgungsunterbrechungen dienen“, sondern vielmehr „die Auswirkungen von Ausfällen von Netzbetriebselementen lindern und damit Versorgungsunterbrechungen im Vorfeld verhindern“. Überhaupt solle die Anlage in Kupferzell ausschließlich bei Ausfällen im Übertragungsnetz eingesetzt werden: „Wird dann die gesamte Leistung von 250 MW abgerufen, beträgt die Wirkzeit der Anlage eine Stunde.“ Anschließend könne der Netzbooster durch konventionelle „Redispacht-Maßnahmen“oder besondere netztechnische Betriebsmittel abgelöst werden. Finanziert werden sollen die Investitionskosten von veranschlagten 188 Millionen Euro für den Bau des Netzboosters über Netzentgelte.

Kriterien für die Standortwahl

Laut Antwort der Bundesregierung hat TransnetBW bei der Auswahl des Netzbooster-Standorts verschiedene Kriterien herangezogen: die Lage der Anlage, eine hohe entlastende Wirkung auf die Netzengpässe sowie eine mögliche Ablösung durch nahegelegene Kraftwerke – Gesichtspunkte, für die der Standort Kupferzell geeignet sei.

Keine Aufnahme in den Bundesbedarfsplan

Um den Bundesbedarfsplan nicht zu überfrachten und Planung und Genehmigung nicht unnötig zu verzögern, sei außerdem der Kupferzeller Netzbooster nicht aufgenommen worden. Denn dieser enthalte bewusst nur streckenbezogene Maßnahmen beziehungsweise Leitungen. Der Netzbooster dagegen sei eine so genannte „Punktmaßnahme“. Zudem seien die Netzbetreiber „auch bei Anlagen, die nicht im Bundesbedarfsplan enthalten sind, zur Realisierung verpflichtet“. Für die Beantragung der erforderlichen Genehmigungen bei den zuständigen Behörden sind ebenfalls die Unternehmen verantwortlich. Welches Genehmigungsverfahren gewählt wird, hängt aber von der „technischen Spezifikation der Anlage ab“. Beim Bau der Anlage müssen die Unternehmen zudem auf die Gewährleistung der technischen Sicherheit achten und die „allgemein anerkannten Regeln der Technik beachten“: Für den Vollzug dieser Vorschrift seien aber die Landesbehörden zuständig.

„Nur wenige Standorte sind geeignet“

Bei Fragen nach Alternativstandorten bekräftigt die Bundesregierung, dass „die Übertragungsnetzbetreiber verschiedene Varianten geprüft“ haben. Doch nur wenige Standorte seien geeignet gewesen. Kupferzell habe eine hohe Entlastungswirkung aufgewiesen und sei deshalb ausgewählt worden. Grundsätzlich sei das Netzbooster-Konzept energiewirtschaftlich sinnvoll. Zudem schreibt die Bundesregierung: „Bei dem Projekt handelt es sich um eine zentrale Pilotanlage zur Erprobung eines neuartigen Betriebsführungskonzepts, die mit einer installierten Leistung von 250 MW bereits eine großtechnische Dimension annimmt.“ Für diesen Ansatz sprächen die „kurzfristige Umsetzbarkeit und direkte Zugriffsmöglichkeit des Netzbetreibers“. Dadurch sollen auch Erkenntnisse gewonnen werden, durch die eine „Weiterentwicklung hin zu einem dezentralen Anlagekonzept erfolgen“ könne. Jedoch: „Die speziellen Erfordernisse des Pilotbetriebs stehen einer unmittelbaren Einbindung dezentraler Anlagen jedoch entgegen.“

Für das Recycling sind die Batteriehersteller zuständig

Die Lithium-Ionen-Batterien des Netzboosters in Kupferell zählen zu den Industriebatterien. Bei diesen ist der Hersteller aufgrund des Batteriegesetzes genauso für Rücknahme und Verwertung verantwortlich wie bei jeder anderen Batterie. Entsprechende Recyclingverfahren gebe es bereits zur Rückgewinnung der wertvollen Rohstoffe wie etwa Stahl, Alu, Kupfer oder Nickel. Der Fokus liegt beim Recycling noch nicht auf dem Lithium, da diese eine lange Lebensdauer haben und so erst zukünftig in größeren Mengen anfallen werden. Entsprechende Möglichkeiten gebe es aber bereits.

Keine Kenntnisse

Keine Kenntnisse liegen der Bundesregierung laut ihrer Antwort zu folgenden Sachverhalten vor: Ausweisung im Flächennutzungsplan, kommunale Planungshoheit, Gewährleistung des Mindestabstands zur Wohnbebauung, Zuständigkeit bei der Brandbekämpfung sowie ob diese ein Teil des Genehmigungsprozesses war.

„Die Bundesregierung spielt den Ball zurück an die Behörden und Unternehmen“

Zur Antwort der Bundesregierung erklärt Judith Skudelny: „Statt wichtige Informationen für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort bereitzustellen, spielt sie den Ball zurück an die Behörden und Unternehmen vor Ort. Bei einem Pilotprojekt, das Teil des Netzentwicklungsplans ist, sollte man eigentlich meinen, dass die Bundesregierung über den aktuellen Stand der Genehmigung informiert ist. Das ist augenscheinlich nicht der Fall. Denn die Bundesregierung kann keine Frage umfänglich beantworten.“

Widersprüchliche Aussagen

Kreisrat Michael Schenk bedauert ebenfalls, dass die Bundesregierung in weiten Teilen den konkreten Fragen ausgewichen sei. Hier solle offensichtlich der „schwarze Peter“ nach Hohenlohe geschoben werden. Außerdem sei die Antwort der Bundesregierung  widersprüchlich zu den bisherigen Aussagen von Transnet, dass zur „Reduzierung der Brandgefahr als Material Lithium-Eisenphosphat anstelle von Lithium-Ionen Batterien eingesetzt werden soll“.

Quelle: Pressemitteilung der FDP Hohenlohe




FDP und AfD kritisieren Kupferzeller Netzbooster

Wie die FDP-Bundestagsabgeordnete und umweltpolitische Sprecherin der Partei, Judith Skudelny mitteilt, hat ihr die Bundesregierung auf entsprechende Anfrage mitgeteilt: „Bei der Auswahl des Standortes wurden insbesondere der mögliche Erkenntnisgewinn aus dem Pilotprojekt sowie dessen Wirtschaftlichkeit berücksichtigt.“ Die Bundesregierung weiter: Der Netzbooster „ist eine Punktmaßnahme, keine Streckenmaßnahme“ und „Der geplante Netzbooster ist also nicht aus dem BBPIG herausgefallen.“

Skudelny dazu: „Die Antwort der Bundesregierung wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet. Sie vergibt damit die Chance, wichtige Informationen an die Betroffenen zu liefern. Ich werde daher gemeinsam mit der FDP-Bundestagsfraktion einen umfangreichen Fragenkatalog an die Bundesregierung stellen, um Licht ins Dunkle zu bringen.“

FDP-Kreisrat des Hohenlohekreises und Vorsitzender der FDP Hohenlohe Michael Schenk weiter: „Wir brauchen ein offenes und transparentes Verfahren. Vor allem muss die TransNet GmbH alle bisherigen Planung und die Frage zum tatsächliche geplanten Standort offenlegen.“

Der AfD-Landtagsabgeordnete Anton Baron hat den in Kupferzell geplanten Netzbooster am Donnerstag im Landtag thematisiert: Laut Baron war Minister Untersteller „zwar auch nicht davon begeistert“, dass über den Netzbooster nicht im Bundestag abgestimmt wird. Baron weiter: „Untersteller sah jedoch gleichzeitig keinen Anlass, die Abläufe hier zu ändern. Grundsätzlich lobte er den Netzbooster überschwänglich. Dieser stünde für Versorgungssicherheit – diese war vor der irrationalen Energiewendepolitik jedoch niemals in Gefahr! Weiterhin betonte er, dass das Land Baden-Württemberg keinen Einfluss auf die Entscheidungen der Firma TransnetBW habe. Diese befindet sich jedoch über die Konzernmutter EnBW zu fast 50 Prozent im Eigentum des Landes. Dass die Landesregierung hier die Verantwortung von sich weist, ist also gelebte Doppelmoral. Ich werde mich weiterhin gegen den Bau der Riesenbatterie in der Nähe von Wohnbebauungen einsetzen.“

Anton Baron. Foto: Landtagsbüro Anton Baron




„Wir müssen jetzt zwar Maulkorb tragen, aber wir lassen uns den Mund nicht verbieten“

„Alle Hohenloher bitten wir: Steht uns Kupferzellern zur Seite und kämpft mit uns!“ Auf diesen leidenschaftlichen Aufruf einer Aktivistin folgt zustimmendes Nicken. Und der geforderte Rückhalt in der Bevölkerung ist selbstredend: 563 Menschen versammelten sich am vergangenen Sonntag, den 11. Oktober 2020, vor der Carl-Julius-Weber-Halle in Kupferzell. Birgit Kühnle von der Bürgerinitiative „Ein Herz für Hohenlohe“ klärt über den Grund der Versammlung auf: „Wir haben gemeinsam mit der IG Metall zum Sternmarsch für ein batteriekraftwerkfreies Kupferzell aufgerufen. Es ging in Belzhag, Feßbach und Hesselbronn mit Musik, Protestschildern und Tohuwabohu los. Wir wollen erreichen, dass mehr Menschen hingucken.“

„Das ist sehr, sehr enttäuschend“

„Wir sind mündige Bürger. Wir wollen nicht mehr belogen werden.“ Obwohl der Platz vor der Carl-Julius-Weber-Halle gut gefüllt ist, war der Weg dahin nicht für alle Menschen gleichermaßen problemlos. Jürgen Kürschner erzählt: „Wir haben den Marsch in Feßbach begonnen und waren zu Beginn des Marsches überrascht, dass wir nicht wie geplant durch die Ortschaft gehen durften, sondern, auf eine Anordnung vom Landratsamt, über die Pampa durch den Wald hierher geschickt wurden. Das ist sehr, sehr enttäuschend.“

„Die Probe wird ganz klar hier in Kupferzell stattfinden“

„Wir brauchen in Kupferzell keine Mega-Batterie für Profithaie.“ Die Bürger vertreten eine klare Meinung. „Booster nicht bei uns!“, rufen die Demonstrierenden immer wieder im Chor. Diese klare Linie fährt auch die IG Metall, wie Saskia Genthner, Geschäftsführerin der IG Metall Schwäbisch Hall verrät: „Wir sind der Auffassung, dass unsere Aufgabe als IG Metall nicht am Werkstor endet. Wir tragen auch Verantwortung für die Region und deshalb stehen wir diesem Projekt genauso kritisch gegenüber wie viele unserer Mitglieder.“ Die 34-Jährige betont: „Man muss es einfach ganz klar sagen: Die Technologie Booster in der Größe, wie er hier in Kupferzell geplant ist, die gibt es noch nicht, die ist noch nicht erprobt. Die Probe wird ganz klar hier in Kupferzell stattfinden. Das hier wird die Erprobung des Boosters und ihr werdet die Betroffenen sein“.

„Wir sind für die Energiewende“

„Wir wollen keine Megabatterie.“ Dr. Marion Kühnle steht auf der Bühne und hält einen Plan für das Stromnetz 2050 von der Transnet in der Hand. Sie bezweifelt den Mehrwert des Netzboosters und weiterer Hochspannungsleitungen für die Bevölkerung und erklärt: „Die Transnet hat zusätzlich vor, hier noch einmal die Schaltanlage zu vergrößern, die Leitungen zu verdoppeln und die vierfache Menge durchzujagen. Und das, wo wir eigentlich nachhaltig wirtschaften wollen, wo jeder guckt, dass er wenig Strom verbraucht, wo er Geräte und Waschmaschinen kauft, die fast nichts brauchen.“ Für die Ziele der Bürgerinitiative findet Dr. Kühnle klare Worte: „Uns ist klar, es muss sich etwas tun, damit die Klimaerwärmung nicht weitergeht. Wir sind für die Energiewende, aber nicht durch die weltgrößte Batterie direkt neben einer Wohnbebauung ohne Risikoanalyse, ohne Arbeitsschutz und ohne Naturschutz-Gutachten.“ Diese Meinung teilt auch Friedrich Hack: „Ich bin hier, weil ich die Veranstaltung tatkräftig unterstützen möchte. Das, was die Transnet hier vorhat, ist nicht richtig. Es gehört nicht an einen Ortsrand! Energiewende ganz klar ja, aber es muss immer mit der Bevölkerung vereinbar sein. Ich sehe es so: Das Volk hat die Macht, wir müssen uns wehren und wir müssen uns in eine positive und für alle vertretbare Richtung bewegen.“

„Wenn wir zustammenstehen, werden wir so eine Gefahr abwenden“

„Profitgier auf Bürgerkosten – nicht mit uns.“ Heidegret Mayer von der Schutzgemeinschaft ländlicher Raum Hohenlohe wählt Worte der Hoffnung: „Hohenlohe ist groß. Wir sind kein Ballungsraum, ich glaube, das ist unser Problem. Die in Stuttgart oder Berlin denken: ‚Das sind bloß so ein paar hintendrum, mit denen kann man das machen‘. Aber ich denke, wenn wir durchhalten, wenn wir zusammenstehen, als Menschen, die hier zusammen leben, als Menschen, die wissen, wie wunderschön das hier ist und wie bedroht es ist, wie gefährdet es ist, dann werden wir auch so eine Gefahr wie euren Netzbooster abwenden.“ Als Mayer der Menge zuruft „Wir müssen jetzt zwar Maulkorb tragen, aber wir lassen uns den Mund nicht verbieten“, antworten die Menschen mit tosendem Applaus.

„Das ist einfach schlichtweg eine Sauerei“

„Wir sind keine Versuchskaninchen. Booster nein danke.“ Klare Worte findet auch Christoph Spieles, der Bürgermeister von Kupferzell: „Die Gefahren und Sicherheitslücken, die eben noch bestehen, wurden uns bisher in keiner ausreichenden Prüfung vorgelegt. Das ist einfach schlichtweg eine Sauerei.“ Die Protestierenden belohnen diese deutliche Stellungnahme mit kräftigem Beifall. So müsse das auch sein, stellt Friedrich Hack klar: „Die Politiker sind für uns da. Sie sind dafür da, unsere Interessen, die Interessen der Bürger, zu vertreten. Das ist Demokratie. Ich sage immer: ‚Die stehen auf meiner Lohnliste‘.“ Die Stimmung ist herzlich, leidenschaftlich und kämpferisch. Doch das emotionale Highlight des Tages ist der Auftritt von Lilli Kühnle. Die Tochter von Dr. Marion Kühnle hat eigens für die Kundgebung ein Lied komponiert und getextet. Wenn die 15-Jährige mit zarter Stimme gefühlvoll einstimmt: „Nein, wir wollen keinen Booster. Nein, wir wollen keinen Brand. Nein, wir sind nicht die Versuchskaninchen“, wirken die Umstehenden plötzlich gerührt und nachdenklich.

Text: Priscilla Dekorsi

Dr. Marion Kühnle (links) und Birgit Kühnle von der Bürgerinitiative „Ein Herz für Hohenlohe“ bezweifeln den Mehrwert des Netzboosters. Foto: GSCHWÄTZ

Die Bürger vertreten eine klare Meinung. Foto: GSCHWÄTZ

Die Kupferzeller befürchten, nur die Versuchskaninchen zu sein. Foto: GSCHWÄTZ

 




Transnet-Brandschutzexperte betont: „Zellen können explodieren, das ist aber nicht vergleichbar mit der Wirkung von Dynamit oder TNT“

Der geplante Netzbooster in Kupferzell lässt die Emotionen weiterhin hochkochen. (Wir berichteten: https://www.gschwaetz.de/2020/09/30/selbst-brandschutzexperte-von-transnet-warnt-in-folge-einer-fehlfunktion-koennen-extrem-giftige-gase-austreten/, https://www.gschwaetz.de/2020/08/28/transnet-kann-vorwuerfe-der-interessensgemeinschaft-nicht-nachvollziehen/ oder https://www.gschwaetz.de/2020/08/17/es-ist-von-anfang-an-unheimlich-viel-im-dunklen-still-heimlich-und-leise-hinter-verschlossenen-tueren-verhandelt-worden/).

„Diese Zellen können brennen.“

Wir haben nun beim Brandschutzexperten Dr. Dietmar Schelb, Leiter Forschungsstelle für Brandschutztechnik am Engler-Bunte-Institut des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) nachgehakt, nachdem Dr. Marion Kühnle von der Interessengemeinschaft darauf hingewiesen hat, dass diese Lithium-Ionen-Batterien brennen können. Kühnle hat dabei auf eine Arbeit von Schelb verwiesen. In seiner Antwort-Mail an GSCHWÄTZ schreibt Dr. Schelb nun zur Gefährdung durch die Batterien: „Die Netzstabilisationsanlage besteht aus rund 100 Containern mit Batterien drin. Jede dieser Batterien im Container besteht wiederum aus mehreren tausend Zellen. Diese Zellen können brennen und sie setzen dabei Fluorwasserstoff frei“.

„Es reißt lediglich eine Folie oder Membran auf.“

Die Zellen könnten laut Schelb durchaus auch „explodieren“, das sei aber nicht vergleichbar mit einer Bombenexplosion oder der Wirkung von Dynamit oder TNT: „Es reißt lediglich eine Folie oder Membran einer einzelnen Zelle auf, und Flammen können nach außen hin erscheinen“. Doch weil dies im Innern eines Containers geschehe, sei es für Außenstehende ungefährlich. Den Vergleich mit Beirut findet Schelb denn auch unangebracht und irreführend.

„Wenn eine Zelle brennt, darf sich der Brand nicht ausbreiten.“

Von dem Booster gehe keine Explosionsgefahr für Außenstehende aus, ist der Forscher überzeugt. Die Batterien des Netzboosters seien sicherer, als die meisten Batterien im E-Fahrzeug: „Die Batterien müssen einen so genannten Propagationstest bestehen. Wenn eine Zelle brennt (warum auch immer), darf sich der Brand nicht ausbreiten“. Das Brandschutzkonzept sehe zudem vor, „dass beim Brand einer Zelle eine Wassernebelanlage startet, die den giftigen Fluorwasserstoff sofort niederschlägt“. Das Löschwasser werde anschließend gesammelt.

 




„In Folge einer Fehlfunktion können extrem giftige Gase austreten“

Überraschende Wende beim geplanten Netzbooster-Projekt in Kupferzell: Die Riesenbatterie steht immer mehr auf wackligen Beinen.

Brandschutzexperte warnt

Transnet, das zur EnBW gehörende Unternehmen, das das Strom-Übertragungsnetz in Baden-Württemberg betreibt, hat angekündigt, eine rund fünf Fußballfelder große Mega-Batterie in Kupferzell zu bauen (GSCHWÄTZ berichtete). Bei der Risiko-Analyse beruft sich Dr. Marion Kühnle von der Interessensgemeinschaft, die die Riesenbatterie verhindern möchte, nun unter anderem auf eine Arbeit des Brandschutzexperten der Transnet, Dr. Dietmar Schelb, in der dieser die Feuerbeständigkeit von Li-Ionen-Batterien erforschte (https://crisis-prevention.de/feuerwehr/pruefung-der-feuerbestaendigkeit-von-li-ionen-batterien.html). Dr. Kühnle befürchtet: „In Folge einer Fehlfunktion können extrem giftige Gase austreten, die Batterien können brennen oder explodieren.“

Demos gegen die Riesenbatterie

Nichtsdestotrotz hält Transnet an der Idee fest, das Mega-Projekt in Kupferzell umzusetzen. Die Interessengemeinschaft „Ein Herz für Hohenlohe“ geht in die Offensive. Auf Demonstrationen und im sogenannten Energiedialog mit Vertretern von Politik und Transnet kämpfen die Aktivisten für Aufklärung – und gegen den Netzbooster in Kupferzell.

Widerprüchliche Aussagen

Das Pilotprojekt steht im Netzentwicklungsplan 2030, einem Plan, der von den deutschen Übertragungsnetzbetreibern erstellt wird (zu denen Transnet gehört).  Die Transnet habe, so Kühnle, kommuniziert, dass „nur noch über das wie, nicht aber über das ob“ des Netzboosters verhandelt werde und das „mit einem klaren gesetzlichen Auftrag“ begründet, der aus dem Netzentwicklungsplan hervorgehe, erklärt Birgit Kühnle. Der Netzentwicklungsplan sei allerdings nur eine „Argumentationshilfe für das Genehmigungsverfahren und kein gesetzlicher Auftrag“. Wurde hier absichtlich falsch kommuniziert oder war die Transnet einfach nur falsch informiert über den Plan, den sie selbst mit entworfen hat? (https://www.netzentwicklungsplan.de/sites/default/files/paragraphs-files/NEP_2030_V2019_1_Entwurf_Teil1_1.pdf)

Steckt doch kein gesetzlicher Auftrag dahinter?

Dann ist da noch die Sache mit dem Bundesbedarfsplan. Transnet schreibt auf ihrer Unternehmenswebsite: „Mit der Bestätigung des Projekts durch die BNetzA geht das Projekt nun in das Verfahren zur Aufnahme in den Bundesbedarfsplan ein.“ Der Haken ist nur, dass diese Aussage im Widerspruch zu der Aussage der Bundesnetzagentur steht. Die schreibt nämlich auf Anfrage von Dr. Elmar Posiadlik-Schilling: „Sollte Ihre Anfrage in Zusammenhang mit der Netzbooster-Anlage in Kupferzell stehen, weisen wir darauf hin, dass diese als sogenannte Punktmaßnahme nicht in den Bundesbedarfsplan aufgenommen wird.“ Im Unterschied zu einer Leitungsbaumaßnahme „befindet sich eine Punktmaßnahme an einem festen Punkt“, erläutert Birgit Kühnle. Das ist dann beispielsweise ein Transformator, eine Schaltanlage oder eben die Mega-Batterie. Warum verbreitet Transnet so offensichtlich Falschmeldungen, wo doch die Bundesnetzagentur klar und deutlich verneint, dass Punktmaßnahmen, wie der Netzbooster, in den Bundesbedarfsplan aufgenommen werden? Dass das Pilotprojekt nicht aufgenommen wird, bedeutet allerdings auch, dass die sogenannte strategische Umweltprüfung, die Voraussetzung für die Aufnahme in den Bundesbedarfsplan ist, entfällt – ebenso wie die Anlagensicherheitsanalyse, die Anlagenzuverlässigkeitsanalyse und das Arbeitsschutz-, Brandschutz- und ein Rückwirkungskonzept. Stattdessen seien Wirtschaftlichkeitsberechnungen angestrengt und einige Technikfragen untersucht worden.

Rückläufiger Stromverbrauch

Interessant ist auch die Entwicklung des Stromverbrauchs in Baden-Württemberg während der letzten Jahre. Franziska Zink von der Transnet prognostiziert „der deutsche Strommarkt werde zukünftig auch eher importabhängiger“. Die Bundesnetzagentur ist bei der Rechnung auf ein etwas anderes Ergebnis gekommen. Sie rechnet 2035 mit einem deutlichen Nettoexport. Wer hat sich hier verrechnet? Dr. Marion Kühnle stellt fest: „Laut dem Energiebericht 2019 ist der Stromverbrauch in Baden-Württemberg seit 2000 nicht gestiegen, die Haushalte verbrauchen heute sogar weniger als 1991.“ Sieben Prozent, um genau zu sein. (https://www.bwagrar.de/artikel.dll/Energiebericht-Kompakt-2019-UM-BW_NjIwODEyMg.PDF?UID=E6DF6A9741E767B02F9FE1D838C7019783599B6A731EB7E4)

„Die Transnet zeigt klar auf, in Ihrem Stromnetz 2050, dass Baden-Württemberg Stromtransitland wird und der Transit und nicht der Verbrauch in Baden-Württemberg zur Überlastung der Netze führt“, geht aus einer Präsentation der Interessengemeinschaft hervor. Die Leistungsflüsse durch die HGÜ (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) in die Schweiz zeigen laut der Interessensgemeinschaft „im Jahr 2050 einen steigenden Transportbedarf in Nord-Süd-Richtung“. Die Transnet plane demnach „Stromexport im großen Stil und spricht gleichzeitig von Importabhängigkeit“, kritisiert die Interessensgemeinschaft.

In der Bürgerinitiative gibt es einige Stimmen, wie die Kühnle-Schwestern, die einer Riesenbatterie auch aus Gründen der Marktkontrolle und der Monopolisierung kritisch gegenüberstehen. Wenn man einem Unternehmen die Möglichkeit gebe, große Mengen an Energie zu speichern und zurückzuhalten, gebe man ihm damit auch gleichzeitig die Möglichkeit, den Markt und die Preise zu kontrollieren.

Alternativstandorte müssen geprüft werden

Die überraschenden Neuigkeiten sind nun, so Kühnle, dass die Teilnehmer des Energiedialogs sich am 17. September 2020, zum Teil zähneknirschend, „darauf geeinigt haben, dass sehr wohl in Frage gestellt werden müsse, ob ein Batteriekraftwerk/Netzbooster überhaupt gebaut werden soll und dass auf jeden Fall Alternativstandorte geprüft werden müssen. Eines ist klar: Die Verhandlungen werden trotz des kleinen Etappensieges der Bürgerinitiative sicherlich nicht weniger zäh werden. Doch die Hohenloher bleiben hartnäckig. Und kämpferisch.

Weitere Artikel zu diesem Thema: https://www.gschwaetz.de/2020/08/28/transnet-kann-vorwuerfe-der-interessensgemeinschaft-nicht-nachvollziehen/ und https://www.gschwaetz.de/2020/08/17/es-ist-von-anfang-an-unheimlich-viel-im-dunklen-still-heimlich-und-leise-hinter-verschlossenen-tueren-verhandelt-worden/.

Text: Priscilla Dekorsi




Anton Baron fordert: Netzbooster muss vor den Bundestag

Der Landtagsabgeordnete Anton Baron (AfD, Wahlkreis Hohenlohe) nimmt in einer Pressemitteilung zu den Neuigkeiten um den Netzbooster in Kupferzell (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/08/28/transnet-kann-vorwuerfe-der-interessensgemeinschaft-nicht-nachvollziehen/) Stellung: „Dass diese gigantische Anlage ohne Einbindung des Bundestages installiert werden soll, ist ein Skandal. Mittels einer Kleinen Anfrage hatte ich die Angelegenheit ja bereits in den Landtag eingebracht und die Dimensionen aufgedeckt. Dass nun eine Debatte im Bundestag verhindert werden soll, nimmt dieser vor Ort ohnehin kritisch beurteilten Anlage ein weiteres Stück ihrer demokratischen Legitimation“. In Kupferzell selbst müsse der Druck auf Transnet zwingend noch weiter erhöht werden, damit der Konzern von den dortigen Netzboosterplänen Abstand nimmt, heißt es in der Pressemitteilung des AfD-Landtagsabgeordneten weiter. In dieser Gemeinde sei die landschaftliche Belastung durch erneuerbare Energien schließlich bereits jetzt überdurchschnittlich hoch.

Investitionskosten in Höhe von 188 Millionen Euro

Anton Baron hatte zu dem geplanten Netzbooster bereits eine Kleine Anfrage an die baden-württembergische Landesregierung eingebracht, in der er unter anderem nach den ungefähren Kosten, dem voraussichtlichen Baustart und den Gründen, warum ausgerechnet Kupferzell als Standort für den Netzbooster ausgewählt wurde, nachfragte. In der Antwort des Umweltministeriums von Anfang August heißt es unter anderem: „Gemäß dem von der Bundesnetzagentur (BNetzA) am 20. Dezember 2019 bestätigten Netzentwicklungsplan 2030, Version 2019 soll die Pilotphase der Netzbooster-Anlage am Standort Kupferzell (P430 M646) mit Inbetriebnahme bis zum Jahr 2025 beginnen“. Demnach sehe der Zeitplan der TransnetBW GmbH den Baubeginn spätestens ab Mitte 2023 vor. Außerdem rechne die TransnetBW GmbH für die Netzbooster-Anlage in Kupferzell mit Investitionskosten in Höhe von 188 Millionen Euro.

Standort in Kupferzell am geeignetsten laut dem Umweltministerium

Hinsichtlich der Standortwahl schreibt das Umweltministerium in seiner Antwort: „Unter mehreren untersuchten Standorten habe sich ein Standort im Raum Kupferzell aus netzplanerischer Sicht als am geeignetsten erwiesen. Die Netzbooster-Anlage könne hier einerseits eine besonders hohe Wirksamkeit zur Höherauslastung des Netzes entfalten. Zudem sei durch die Netzanbindung in Richtung Norden, Westen und Süden die Möglichkeit für ein Zukunftskonzept gegeben, in dem mehrere Anlagen zur Netzstabilisierung zusammenwirken“.

Quelle: Pressemitteilung des Landtagsbüros von Anton Baron

Anton Baron. Foto: Landtagsbüro Anton Baron




Transnet kann „Vorwürfe der Interessensgemeinschaft nicht nachvollziehen“

Die Riesenbatterie, die in Kupferzell von TransnetBW, einer Tochter von EnBW, in absehbarer Zeit gebaut werden soll, sorgt für mächtig Ärger in Kupferzell selbst. Eine Interessensgemeinschaft hat sich gebildet, die Widerstand gegen den so genannten Netzbooster leisten möchte (wir berichteten). Nun nimmt Transte gegenüber GCHWÄTZ Stellung zu den Kritikpunkten der Interessensgemeinschaft. Die Fragen im Namen von TransnetBW beantwortete Annett Urbaczka, Leiterin der Unternehmenskommunikation. Die Fragen stellte unsere GSCHWÄTZ-Redakteurin Sonja Bossert.

„Wir sind im Dialog mit der Gemeinde“

GSCHWÄTZ: Bürger bemängeln eine Intransparenz bei dem Verfahren. So sagt zum Beispiel die Interessengemeinschaft Ein Herz für Hohenlohe: „Es ist von Anfang an unheimlich viel im Dunklen, still, heimlich und leise hinter verschlossenen Türen verhandelt worden“. Können Sie solche Aussagen nachvollziehen? Wann wurde das erste Mal öffentlich darüber gesprochen/ kommuniziert mit den Bürgern der Gemeinde?

TransnetNW: Die Vorwürfe der Interessensgemeinschaft können wir nicht nachvollziehen. Seitdem im Netzentwicklungsplan (NEP) das Netzbooster-Konzept und der Standort Kupferzell bekannt gemacht wurden, sind wir im Dialog mit der Gemeinde und haben uns in den Gremien den Fragen gestellt. (Anfang 2019). Darüber hinaus wurde ein gemeinsamer Ausschuss beschlossen, er hat seine Arbeit im Juli aufgenommen. Dem Ausschuss gehören Gemeinde- und Bürgervertreterinnen und –vertreter an. Wir informieren umfangreich und transparent. Der Netzbooster wurde zum ersten Mal in Zusammenhang mit der Veröffentlichung des ersten Entwurfs des NEP 2030, Version 2019 kommuniziert (Anfang Februar 2019). In diesem NEP war erstmals die Möglichkeit aufgenommen worden, durch eine innovative Netzstabilitätsanlage die Auslastung des bestehenden Netzes zu optimieren und somit den zusätzlichen Netzausbau begrenzen zu können. Im Rahmen der Veröffentlichung sind wir bereits auf die Gemeinde beziehungsweise den Bürgermeister mit einer ersten Information zugegangen und boten an, nach Kupferzell zu kommen und die Gemeinde zu informieren.

GSCHWÄTZ: Wann hat die TransnetBW beschlossen, dass der Netzbooster nach Kupferzell kommt?

TransnetBW: Anfang Februar 2019, als der erste Entwurf des NEP Anfang veröffentlicht wurde.

GSCHWÄTZ: Warum wurde Kupferzell ausgewählt?

„Kupferzell als der geeignetste Standort“

TRansnetBW: Unter mehreren untersuchten Standorten hat sich der Standort Kupferzell aus netztechnischer Sicht als der geeignetste erwiesen. Das Übertragungsnetz im Bereich des Netzknotens Kupferzell ist schon heute hoch ausgelastet. Diese Belastung wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Ein Netzbooster kann hier eine hohe Wirksamkeit entfalten.

Das Pilotprojekt soll zunächst auf spezifische Leitungen nördlich von Kupferzell wirken. Die Pilotphase wird aber auch für Weiterentwicklungen genutzt, um z.B. weitere Leitungen mit einzubeziehen. Der Netzknoten Kupferzell ist durch seine Anbindung Richtung Norden, Westen und Süden sowohl für ein Pilotprojekt als auch für ein Gesamtkonzept, in dem mehrere Netzbooster-Anlagen zusammenwirken, besonders geeignet.

Der Netzbooster soll in Zeiten hoher Netzauslastung bei Fehlern solange das System entlasten, bis der der Engpass durch Eingriffe der Systemführung gezielt behoben werden kann, wie bspw. Schaltmaßnahmen sowie der Einsatz von Kraftwerken.

„Wir nehmen die Sorgen der Bürger sehr ernst“

GSCHWÄTZ: Kann TransnetBW die Bedenken der Bürger verstehen in Bezug auf die Sicherheit?

TransnetBW: Wir nehmen die Sorgen der Bürger sehr ernst und suchen daher auch den Austausch, beispielsweise im oben genannten Ausschuss.

Führt ein derartiger Booster zu einer erhöhten Strahlenbelastung?

GSCHWÄTZ: Führt ein derartiger Booster zu einer erhöhten Strahlenbelastung?

TranstnetBW: Die Anlage wird so gebaut, dass die Werte der entstehenden elektromagnetischen Felder durch verschiedene Maßnahmen so reduziert werden, dass sie unterhalb aller gesetzlichen Grenzwerte liegen. Das stellen wir durch Studien und Simulationen sicher.

GSCHWÄTZ: Wo stehen weitere vergleichbare Booster in Deutschland / weltweit?

TransnetBW: In der Bundesrepublik betreibt die STEAG mehrere Batterieanlagen mit rund 90 MW zur Sicherstellung der Stromversorgung, zum Beispiel bei Ausfällen oder Lastspitzen, icht der Höherauslastung der Netze. Im Netzentwicklungsplan ist der Bau weiterer Anlagen in den Regelzonen der anderen Übertragungsnetzbetreiber vorgesehen.

GSCHWÄTZ: Wann soll das Projekt umgesetzt werden in Kupferzell?

TransnetBW: Der Netzbooster soll Anfang 2025 in Betrieb gehen, Baubeginn ist für das Jahr 2023 geplant.

 

Birgit Kühnle und Peter Hamann von der Interessengemeinschaft „Ein Herz für Hohenlohe“ lehnen die Riesenbatterie ab. Foto: GSCHWÄTZ

Hier soll der Netzbooster gebaut werden.

 




„Es ist von Anfang an unheimlich viel im Dunklen, still, heimlich und leise hinter verschlossenen Türen verhandelt worden“

Die Transnet, ein Unternehmen der EnBW, will in Kupferzell einen sogenannten Netzbooster bauen. Dieser Booster – zu Deutsch Riesenbatterie – soll das Stromnetz im Falle eines anstehenden Kollapses schützen. Dafür vorgesehen ist ein Areal hinter dem Umspannwerk Kupferzell, so groß wie fünf Fußballfelder.
So groß wie fünf Fußballfelder
Gschwätz-Videoreporter Dr. Felix Kribus hat mit Gegnern des Projektes von der Interessengemeinschaft „Ein Herz für Hohenlohe“ sowie dem Bürgermeister der Stadt Kupferzell, Christoph Spieles, über das Projekt, das so nur noch in Australien im menschenleeren Hinterland existiert und wohl zahlreiche Risiken für die Hohenloher birgt, gesprochen.
Gegner warnen vor Gefahren und Belastungen
Die Gegner sehen die Gefahren, die ein solcher Netzbooster mit sich bringen könne. „Die Gefahren vom Umspannwerk und den Stromleitungen und auch die Belastungen dadurch, die wir für einen Großteil von Süddeutschland tragen, das reicht unserer Meinung nach für Deutschland“, sagt Birgit Kühnle. „Diese Booster sind ja Lithium-Ionen, sie sind sehr hitzeempfindlich und da kann das Ding auch in die Luft gehen“, ist Viola Yildiz überzeugt. Die Bürger fühlen sich bei der Projektentwicklung nicht mitgenommen und beklagen: „Es ist von Anfang an unheimlich viel im Dunklen, still, heimlich und leise hinter verschlossenen Türen verhandelt worden“.
Bürgermeister Spieles teilt die Skepsis
„Die Skepsis im Allgemeinen teilen wir alle hier bei der Gemeindeverwaltung inklusive des Gemeinderates. Wir stehen dem Projekt auch sehr kritisch gegenüber und versuchen, innerhalb eines Arbeitskreises gemeinsam mit der Interessengemeinschaft, Bürgerinnen und Bürger sowie der TransnetBW diese Risiken eben klar zu benennen und auch hoffentlich auszuräumen“, schließt sich Bürgermeister Spieles den Bürgern an. Allerdings geht er davon aus, dass das Projekt realisiert wird: „Wir lehnen das Projekt grundsätzlich auch ab, sehen das aber auch realistisch genug, dass dieses Projekt vermutlich kommen wird“.
„Wir müssen im Vorfeld aktiv werden“
Deshalb wolle die Gemeindeverwaltung das Projekt „so kritisch als möglich mit allen Gefahren und Risiken eben hinterfragen, um das bestmögliche Ergebnis für Kupferzell zu erzielen“. Mithilfe eines Rechtsbeistandes sollen außerdem alle Möglichkeiten geprüft werden. „Wenn dieses Gesetz verabschiedet wurde, werden die Chancen nicht nur gegen Null gehen, sie werden null sein. So müssen wir natürlich im Vorfeld Farbe bekennen und aktiv werden“, sagt Bürgermeister Spieles.
Video: Dr. Felix Kribus

Lageplan für den Netzbooster. Fotos: GSCHWÄTZ

Hier soll der Netzbooster gebaut werden.

Der Netzbooster soll eine Größe von 250.000 kW haben.