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Urlaub auf der Schiene: das 9€-Ticket kommt

Bundestag und Bundesrat haben es beschlossen: In den Monaten Juni, Juli und August wird es möglich sein, den Öffentlichen Personennahverkehr im gesamten Bundesgebiet mit einem einheitlichen Ticket, welches für neun Euro pro Monat erhältlich ist, zu nutzen. Das Ticket gilt während dieser Zeit in allen Nahverkehrsverbünden, also auch in den Zügen der Eisenbahnbetreiber, sofern diese dem Nahverkehr angehören.

Die Deutsche Bahn informiert:

  • Das 9-Euro-Ticket kann bundesweit auf allen Strecken und in allen Verkehrsmitteln des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) für beliebig viele Fahrten genutzt werden.
  • Das Ticket ist nicht in den Zügen des Fernverkehrs (z.B. IC, EC, ICE) und in Fernbussen gültig.
  • Die Fahrradmitnahme ist nicht generell im 9-Euro-Ticket inkludiert. Grundsätzlich gelten die kostenpflichtigen Mitnahmeregelungen der teilnehmenden Verkehrsverbünde.
  • Bitte beachten Sie: Von Juni bis August werden die Züge sehr voll werden, daher kann die Mitnahme Ihres Fahrrads nicht garantiert werden.
  • Für Hunde kann grundsätzlich kein 9-Euro-Ticket erworben werden. Hunde können aber, wie sonst üblich, gemäß der regulären Tarifbestimmungen, je nach Verbund ggf. mit einem separaten Ticket, mitgenommen werden. Dies gilt auch für Blinden- und Assistenzhunde, hier gelten, die bestehenden Regelungen weiter.

Besonders leicht macht es der NVH

Das Ticket ist ab dem 23. Mai 2022 im Verkauf, genutzt werden kann es aber erst ab dem 01. Juni. Besonders einfach macht es dabei der NVH seinen Fahrgästen: Das Ticket kann direkt beim Einsteigen in den Bus gelöst werden. Aber auch im Kundencenter in Künzelsau und im Moritz in Öhringen kann das Ticket erworben werden.

Chance für den Nahverkehr

Ziel der Bundesregierung ist primär, mit diesem Ticket vielen Menschen ein Schnupperangebot zu machen, das Auto einfach mal stehenzulassen und mit dem ÖPNV zur Arbeit oder zum Einkauf zu pendeln. Viele Menschen haben mit dem Ticket aber ganz anderes im Sinn: Sie planen Ausflüge in der näheren Umgebung. Andere organisieren Reisen quer durch die Bundesrepublik, die sie ausschließlich mit Nahverkehrsmitteln durchführen wollen. Einige touristische Ziele, etwa die Insel Sylt, stehen dem befürchteten Ansturm höchst skeptisch gegenüber. Andere Ziele rechnen mit einem positiven Effekt auf die Übernachtungszahlen.

BW-Verkehrsminister Hermann ist nicht nur begeistert

„Das Neun-Euro-Ticket ist eine große Herausforderung, aber auch eine große Chance, neue Fahrgäste für den ÖPNV zu gewinnen. Wir haben die Hoffnung, dass es eine wirksame Werbemaßnahme zum Umsteigen vom Auto und zum Einsteigen in den öffentlichen Verkehr ist.“ Deshalb habe Baden-Württemberg der entsprechenden Gesetzesänderung zugestimmt. Minister Hermann erklärte: „Wir müssen aber auch auf die Risiken hinweisen. Denn es kann auch abschreckend wirken, wenn Menschen, die zum ersten Mal den ÖPNV nutzen, am Bahnsteig stehen und nicht mitgenommen werden, weil der Zug schon voll ist.“

Begleitende Massnahmen fehlen

Minister Hermann spricht einen wichtigen Punkt an: Zumindest in den größeren Städten ist der ÖPNV in den Stoßzeiten bereits heute unterdimensioniert. Ob man potentielle „Neukunden“ von den Vorteilen des ÖPNV überzeugt, wenn sie sich wie die Sardinen in überfüllte Busse und Bahnen zwängen müssen? Auf der anderen Seite war die Planung dieses Tickets lange bekannt – auch das Verkehrsministerium in Stuttgart hätte Massnahmen treffen können, beispielsweise die Verstärkung einiger Linien. Aus Hermanns Aussagen mag man herauslesen, dass er von den Chancen, die der ÖPNV den Menschen, aber vor allem auch den Kommunen bieten kann, nicht wirklich überzeugt ist.

Idealer Zeitpunkt für Verkehrsbefragungen

Dringend nötig wäre es auch, die „Neukunden“ der ÖPNV-Anbieter nach ihren Erfahrungen und ihren Anforderungen zu befragen. Die Gelegenheit wäre günstig, denn niemals zuvor hatte man die Chance, zielgerichtet mit denjenigen Menschen zu reden, die den ÖPNV prinzipiell als Alternative zum Auto ins Auge fassen und ihn konkret ausprobieren. Die Erkenntnisse aus solchen Befragungen könnten, insbesondere auf dem Land, ganz neue Erkenntnisse über Verkehrsströme ergeben, die zu einer Verbesserung des Angebots führen könnten. Darüber, dass derartige Befragungen von den Verkehrsanbietern großflächig und eventuell mit finanzieller Unterstützung des Landes oder Bundes durchgeführt werden, ist bisher nichts zu lesen.

GSCHWÄTZ probierts aus

GSCHWÄTZ wird das 9€-Ticket ausprobieren: Sowohl innerhalb des NVH als auch in der weiteren Region werden wir das Ticket gezielt nutzen und über die Erfahrungen mit dem Ticket und über Erlebnisse während der Fahrten berichten.

Text: Matthias Lauterer




Bus & Bahn in Luxemburg zum Nulltarif – ein Vorbild auch für Hohenlohe?

Ein Herbstspaziergang durch die Stadt Luxemburg. Die Herbstfärbung im Parc ist noch nichts Unerwartetes, aber der Nahverkehr ist beeindruckend: Von den breiten Wegen im Parc, die einen sicheren Fußgänger- und Radverkehr  abseits der Hauptstraßen ermöglichen, fährt man mit dem Panoramaaufzug (siehe Foto unten) hinunter ins Tal. Von dort ist es nur ein kurzer Spaziergang zur Bergbahn, die hinauf auf den Kirchberg führt – von wo es mit der Tram zum Bummeln in die Einkaufsstraßen der Innenstadt geht. Und zurück fährt dann der Bus.

Luxemburg – im Parc. Teils getrennte, teils gemeinsame Wege für Fußgänger und Radfahrer. Foto: GSCHWÄTZ

Wie Luxemburg die Verkehrswende angeht

Luxemburg Stadt ist eine verhältnismäßig kleine Stadt, sie hat ungefähr so viele Einwohner wie der Hohenlohekreis. Bis vor einigen Jahren war die Stadt verkehrstechnisch fast ausschließlich vom Auto bestimmt. Was Staus anbetraf, war man auf dem Stand von Paris, wie Besucher aus Paris durchaus anerkennend bestätigten. Zigtausende Ein- und Auspendler aus dem Land Luxemburg, Belgien, Frankreich und Deutschland haben ihre Arbeitsplätze in der Stadt Luxemburg und blockierten täglich die Straßen. Diesem Zustand sollte ein Ende bereitet werden und es sollte ein attraktiver Nahverkehr, unabhängig vom Autoverkehr, aufgebaut werden.

Die Topographie der Stadt stellt den Verkehr vor große Schwierigkeiten: 2 tiefe und enge Täler durchschneiden die Stadt und trennen die verschiedenen Wohn- und Geschäftsgebiete, die Brücken sind natürliche Engpässe.

Futuristische Tram in Luxemburg. Foto: LFT / A.Schlösser

Erster und wohl wichtigster Schritt war die Errichtung einer Trambahnline, die mit modernen Zügen und in hoher Frequenz die Stadt quert und vom Hauptbahnhof auf den Kirchberg, das Banken- und EU-Viertel, führt. Damit gibt man Einpendlern aus dem Süden die Möglichkeit, mit der Bahn zum Arbeitsplatz zu kommen. An der Bahnlinie aus dem Norden hat man einen neuen Bahnhof errichtet, von dem man mit einer Bergbahn, deren Länge nur 200m beträgt (zum Vergleich: die Bergbahn in Künzelsau ist 1.034m lang), zeitsparend und ohne Umweg über den Hauptbahnhof auf den Kirchberg und zur Tram gelangt. Im ersten Jahr beförderte die Bergbahn bereits 7.500.000 Personen. Ergänzt wird die Tram durch ein Busnetz, das in hoher Frequenz bedient wird, selbst am Samstag nachmittag fahren die Busse halbstündlich.

Panoramaaufzug mit Skywalk. Foto: LFT / Thomas Reinhardt

Wie man Verkehrshindernisse nicht nur überwindet, sondern geradezu zur Attraktion werden läßt, zeigen die Fahrstühle (Ascenseurs): einer führt 60m tief durch die Geologie der Stadt, ein anderer ist zumindest ein paar Meter weit ein Skywalk und bietet eine grandiose Aussicht über die Stadt und tief ins Tal der Alzette.

Weitere verkehrstechnische Maßnahmen

Flankiert werden die Maßnahmen des öffentlichen Transports durch weitere verkehrstechnische Maßnahmen, die den Autoverkehr scheinbar verlangsamen, in Wahrheit allerdings hochwirksam sind: Breite Radfahrspuren mit Schutzzonen für Radfahrer an Ampeln, dazu große Zonen für Lieferfahrzeuge, die vielleicht nicht direkt vor der Tür, aber in erträglicher Entfernung zum Anlieferpunkt sind – der gefährliche und stauträchtige Slalom um in zweiter Reihe geparkte Lieferfahrzeuge herum wird nahezu komplett vermieden – der Verkehrsfluß ist gewährleistet.

Viele unterschiedliche Ansätze verwirklicht – sie führen zu einem multimodalen und trotzdem homogenen System

Viele unterschiedliche Ideen, das Überspringen gedanklicher Hürden, die Berücksichtigung unterschiedlichster Ansprüche von Verkehrsteilnehmern, haben ein bequemes multimodales Massenverkehrssystem geschaffen. Den Menschen wird ein bequemes  System angeboten, das auch angenommen wird. Autofeindlich ist die Stadt dennoch nicht geworden. Eher hat man sogar den Eindruck, dass der Autoverkehr besser fließt als noch vor einigen Jahren.

Und was bedeutet das für den Hohenlohekreis?

Teils ganz ähnlich und teils doch völlig anders ist die Situation im Hohenlohekreis: Auch hier müssen beträchtliche Höhenunterschiede überwunden werden, auch bei uns hält die Bahn nicht unbedingt dort, wo die Menschen arbeiten. Auch der Hohenlohekreis hat eine große Zahl von Einpendlern. Andererseits ist alles weitläufiger, eine große dichtbesiedelte Agglomeration gibt es im Hohenlohekreis nicht, dafür mehrere kleinere Zentren und verstreute Siedlungen. Aber auch für den Hohenlohekreis dürfte es „die“ Lösung nicht geben, auch der Hohenlohekreis benötigt unterschiedliche Verkehrssysteme, vom Auto, über Busse und Bahnen, Fahrradinfrastruktur bis hin zu guten Fußwegen, auch für ausdauernde Fußgänger. Auch für den Hohenlohekreis kann nur die Vereinigung unterschiedlichster Ansätze ein System erzeugen, das von den Bürger:innen gut angenommen wird.

Autonome Busse als Teil des Systems?

Die Erfahrung aus Luxemburg zeigt, dass der Schutz von Radfahrern – unter anderem durch Radwege abseits der Hauptstraßen – eine wichtige Voraussetzung ist, Menschen vom Auto auf das Fahrrad zu locken. Generell scheint die Abkopplung des öffentlichen Nahverkehrs vom Individualverkehr auf der Straße ein gutes Mittel zu sein, denn ein Bus im Stau ist auch nicht schneller als der Stau. So könnte man für den Hohenlohekreis an autonome Busse auf sicheren Routen abseits des Individualverkehrs denken. Erste Versuche mit autonomen Bussen starten demnächst auch im Hohenlohekreis, unter anderem in Schloss Stetten. Gerade die Weite des Hohenlohekreises mit seinen verstreuten Siedlungen könnte solche Lösungen anbieten.

Neugestaltung des Künzelsauer Stadteingangs bietet einmalige Chance

Kritischer Punkt sind die Verbindungen zwischen individuellem und öffentlichem Verkehr: das Abstellen von Fahrrädern (auch von Sondergrößen wie Lastenrädern und Dreirädern) muß genauso gewährleistet sein, wie es heutzutage das Abstellen der Autos ist. Ebenso braucht es Fahrradparkplätze an den meistfrequentierten Orten wie Einkaufszentren oder öffentlichen Einrichtungen. Zusätzlich müssen die Übergänge zwischen den unterschiedlichen Verkehrsmitteln bequem sein – all das kann demnächst bei der Gestaltung des Künzelsauer Stadteingangs in vorbildlicher Weise realisiert werden, da sich die Planung an kaum etwas Bestehendes anpassen muss.  Das sollte auch bei der Planung der Kochertalbahn-Anschlüsse in anderen Gemeinden immer im Hinterkopf sein. Kreative Ideen und ungewöhnliche Maßnahmen können dazu führen, vermeintlich unüberwindliche Hürden zu überwinden.

Tarifsystem

25 Tarifoptionen beim NVH. Foto Screenshot

Wichtig ist vor allem ein Tarifsystem, das von den Menschen als einfach, bequem und angemessen angesehen wird. Auf der Webseite des NVH finden sich sage und schreibe 25 Tarifoptionen, unter denen man sich die schönste heraussuchen kann – das ist nicht wirklich einfach.

Luxemburg hat sich hier für die radikalste Lösung überhaupt entschieden: Nicht nur, dass man keine verschiedenen Tickets kaufen muß … man muß überhaupt kein Ticket kaufen, denn in Luxemburg ist die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs für alle, Einwohner, Pendler und Touristen, kostenlos möglich.

Wenn man mit dem öffentlichen Verkehr bequem, kostenlos und in angemessener Frequen zum Ziel kommt, ohne Parkplatzsuche und ohne Parkgebühr, dann überlegt sich sicherlich mancher, das Auto stehenzulassen.

Text: Matthias Lauterer




März-Schüler-Abos werden im April von der Zahlung freigestellt

Baden-Württemberg entlastet ein weiteres Mal die Familien bei den Schüler-Abos im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Verkehrsminister Winfried Hermann sagte am Sonntag: „Das Land Baden-Württemberg erstattet den Eltern in Baden-Württemberg eine Monatsrate der Schülerzeitkarten ihrer Kinder. Diese Maßnahme soll die Familien dafür entschädigen, dass im Januar und auch über weite Teile des Februars die Schulen geschlossen waren und nur die Abschlussklassen Präsenzunterricht hatten.“ Die Schülertickets blieben deswegen zu weiten Teilen ungenutzt. Da nachträgliche Erstattungen immer einen hohen Verwaltungsaufwand auslösen, wird die Erstattung wie im vergangenen Jahr dadurch bei den Eltern ankommen, dass ein späterer Monat nicht abgebucht wird. Konkret wird den Kundinnen und Kunden die Rate für April erlassen, die im Monat März noch im Abo sind.

 

Minister Hermann erklärte: „Viele Eltern haben in den vergangenen Wochen erneut enormes leisten müssen. Sie an dieser Stelle zugleich finanziell zu entlasten und ihnen für ihre Treue zum ÖPNV zu danken, ist mir ein wichtiges Anliegen.“

 

Für die Eltern wird es dabei zu keinem Verwaltungsaufwand kommen. Alle Schüler-Abos, die im März laufen werden im April von der Zahlung freigestellt. Eltern, deren Kinder mit Fahrten außerhalb des ÖPNV befördert werden, werden erneut gleichgestellt. Die gesamte Maßnahme wird mit 20 Mio. Euro beziffert, die das Land aus der Haushaltsrücklage Corona bereitstellt.

 

Die Maßnahme ist zugleich Teil eines größeren Pakets zur Stabilisierung der Einnahmen im ÖPNV. Denn vor allem im ländlichen Raum sind Schülerzeitkarten ein wichtiger Faktor zur Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs. Käme es hier zu einer dauerhaften Abwanderung von Bahnen und Bussen, hätte dies große Auswirkungen auf die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Verkehre mit der Folge von Angebotseinschränkungen.

 

Zugleich will das Landeskabinett frühzeitig seine Beteiligung an einer Weiterführung des Rettungsschirms für den ÖPNV im Jahr 2021 beschließen. Hier wird eine erneute Beteiligung der Bundesregierung erwartet.

 

 




Kostenlose Busse an den Adventssamstagen

In der Zeit von Montag, den 02. Dezember 2019, bis Montag, den 09. Dezember 2019 sind in Künzelsau die Parkplätze sowie die Zufahrt auf den Schlossplatz und die Burggasse in Künzelsau gesperrt. Der Festplatz auf den Wertwiesen kann als öffentliche Parkfläche genutzt werden. Wer das Auto stehen lassen möchte, kann an den Adventssamstagen die Busse des HNV und NVH sowie die Künzelsauer Bergbahn und den City-Bus kostenfrei nutzen.

Weitere Infos auf  http://www.kuenzelsau.de

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau