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Nachhaltig in Künzelsau

Die Stadt Künzelsau beteiligt sich an den Deutschen Aktionstagen Nachhaltigkeit mit einer Themenwoche und einem Aktionstag „Verpackungsfreies Einkaufen“ am Freitag, 23. September 2022 von 8 bis 12 Uhr auf dem Wochenmarkt.

Müllvermeidung beim Einkaufen ist ein großes Thema unserer Gesellschaft. Welche Möglichkeiten gibt es in Künzelsau, verpackungsfrei einzukaufen? Wo lässt sich unnötige Verpackung vermeiden? Und auf welche alternativen Verpackungsmöglichkeiten kann man zurückgreifen? Um diese Fragen geht es bei der Themenwoche und dem Aktionstag. Alle sind aufgerufen mitzumachen und in dieser Zeit – und darüber hinaus – auszuprobieren, was im Alltag umsetzbar ist.

Aktionstag auf dem Wochenmarkt

Der Künzelsauer Wochenmarkt ist der ideale Ort, um regional und verpackungsfrei einzukaufen. Jeden Dienstag und Freitag von 8 bis 12.30 Uhr (von Mai bis September ab 7 Uhr) gibt es am Unteren Markt Obst, Gemüse und vieles mehr. Wer eine Tasche oder einen Korb dabei hat, kann die meisten Produkte ohne Verpackung mitnehmen. Die Themenwoche „Verpackungsfreies Einkaufen“ startet daher mit einem Aktionstag am Freitag, 23. September 2022 von 8 bis 12 Uhr beim Wochenmarkt.

Wer an diesem Tag keine Tasche dabei hat, kann sich bedienen und eine „gespendete“ Tasche mitnehmen. Viele Stofftaschen liegen unbenutzt zu Hause. Gut erhaltene Taschen können am Informationsstand beim Wochenmarkt abgegeben werden und stehen dann anderen Käuferinnen oder Käufern zur Verfügung, die keine Tasche dabei haben.

Beim Workshop von „Hohenlohe for Future“ und „Einmal ohne, bitte“ kann man selbst aktiv werden. Hier wird gezeigt, wie mit einfachen Mitteln alternative Verpackungen hergestellt werden. Wer möchte kann ein oder mehrere T-Shirts mitbringen, aus denen dann eine Einkaufstasche wird. Mit dabei ist auch das Klima-Zentrum Hohenlohekreis, das unter anderem über das Mehrwegsystem „Hohenlohe to go“ informiert.

Informationen

Die Themenwoche „Verpackungsfreies Einkaufen“ startet mit einem Aktionstag am Freitag, 23. September 2022 von 8 bis 12 Uhr beim Wochenmarkt am Unteren Markt. Anschließend wird bis Donnerstag, 29. September 2022 auf der städtischen Webseite unter www.kuenzelsau.de und in den sozialen Medien jeden Tag über das Thema berichtet.

Strategie 2030

Dies ist eine Maßnahme aus der „Strategie 2030 – Wir gestalten gemeinsam unsere Zukunft in Künzelsau“. Der Gemeinderat hat im Rahmen der „Strategie 2030“ fünf Schwerpunktthemen definiert und gemeinsame Ziele für die nächsten Jahre festgelegt, unter anderem für das Thema „Zukunft Klima“.

Pressemitteilung Stadt Künzelsau

 

 




Erster Preis für Künzelsaus Fair-Trade-Aktivitäten

Zehn baden-württembergische Kommunen wurden im Rahmen der landesweiten Initiative Meine. Deine. Eine Welt. für ihr besonderes Engagement für eine nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet, darunter auch Künzelsau. Die Kommunen mit ihren Bürgerinnen und Bürgern haben bewiesen, dass jede und jeder etwas für eine gerechtere und zukunftsfähige Welt tun kann.

Besonderes Engagement für eine gerechtere Welt

Mannheim, Heidelberg, Freiburg, Fellbach, Konstanz, Lahr, Künzelsau, Engen, Landkreis Reutlingen und der Landkreis Enzkreis: Das sind die zehn baden-württembergischen Kommunen und Landkreise, die bei der neunten Runde der Initiative Meine. Deine. Eine Welt. für ihr besonderes Engagement für eine gerechtere Welt ausgezeichnet wurden und Preisgelder in Höhe von insgesamt 35.000 Euro als Anerkennung erhielten. Mit ihren Aktionen und Veranstaltungen während der landesweiten Eine-Welt-Tage im September und Oktober machten sie auf ihre entwicklungspolitischen Initiativen aufmerksam und motivierten Andere, sich dem Netzwerk der Engagierten anzuschließen. Die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) lädt alle zwei Jahre Kommunen zu diesem Projekt ein. Das Projekt wurde zum wiederholten Mal durch die Unterstützung der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global mit den Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ermöglicht.

Jury aus entwicklungspolitischen Expertinnen und Experten

Trotz der Pandemie hatten bei der kommunalen landesweiten Initiative Meine. Deine. Eine Welt. 2021 16 Kommunen aus Baden-Württemberg mit 165 Veranstaltungen teilgenommen. Eine aus entwicklungspolitischen Expertinnen und Experten zusammengesetzte Jury hat nun die preistragenden Kommunen des Wettbewerbs von Meine. Deine. Eine Welt. 2021 ausgewählt.

5.000 Euro Preisgeld soll für Fairtrade-Aktionen verwendet werden

Künzelsau belegte in der Kategorie „Kleine Kommunen“ den ersten Preis und erhält ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro. Dieses Preisgeld soll im Jahr 2022 nun für Fairtrade-Aktionen in der Stadt Verwendung finden.

Unterstützung von Wirtschaft und Organisationen

Künzelsau nahm mit dem Programm „Zukunft fair gestalten in Künzelsau“ teil und realisierte für Interessierte ein niedrigschwelliges interaktives Angebot, das zur Beschäftigung mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen im Alltag einlud. So gab es in Künzelsau eine Stadtrallye unter Beteiligung zahlreicher Geschäfte und Institutionen mit Mitmach-Aktionen wie Rätseln, Quizfragen und Schaufenstern rund um Nachhaltigkeit und Fairen Handel. Organisiert wurde die Aktion in Kooperation mit der Stadt Künzelsau von Stefanie Lotter und Angela von Reventlow, den beiden Geschäftsführerinnen der Übungsfirma Fabiro GmbH in der Kaufmännischen Schule Künzelsau. Folgende Geschäfte und Institutionen haben sich beteiligt: Stadtbücherei, Weltladen, Kaufmännische Schule Künzelsau, St. Paulus Kirche, Buchhandlung Lindenmaier & Harsch,, Brüder-Grimm-Schule, Second&More, Tafel Künzelsau, Klimabeirat, Vesperstube und Volkshochschule.

Kurzfilme auf youtube

Bei der Kaufmännischen Schule konnten die Teilnehmenden zwei Kurzfilme über QR-Codes zum Thema Nachhaltigkeit und Fairtrade ansehen (https://www.youtube.com/watch?v=VP41Guc7_s4 sowie https://www.youtube.com/watch?v=JDzUh7WpGmY), Anregungen aus dem Klima-Sparbüchle entnehmen und Vorschläge auf Kärtchen notieren, wie die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN in den Alltag integriert werden können. Eine große Plakatwand an der Fensterfront neben dem Haupteingang der Kaufmännischen Schule entstand so im Laufe einer Woche mit den Zielen und den Handlungsvorschlägen unter dem Motto „Tu du’s – Jede Tat zählt“. Passend zum Thema Nachhaltigkeit nahmen die Mitarbeiter*innen der Fabiro GmbH in der Woche zudem an einem Workshop zum Thema „Plastikfrei – sei dabei“ teil, das von GEPA digital angeboten wurde.

Stefan Neumann dankt den Schülerinnen und Schülern sowie den beiden Lehrerinnen für ihr Engagement. Foto: Stadt Künzelsau

Die Jury lobte besonders, dass ein Brief mit konkreten Empfehlungen an den Bürgermeister und den Gemeinderat geschickt wurde, der ausführlich beantwortet wurde. So möchte die Stadtverwaltung unter anderem bei der Anschaffung von neuen Mülleimern auf die Größe und eine Ablagefläche für Pfandflaschen achten oder bei der Vergabe von Reinigungsleistungen an städtischen Einrichtungen möglichst eigenes Personal einstellen und faire Arbeitsbedingungen bieten.

„Ich bin stolz auf das großartige Engagement für den fairen Handel in Künzelsau und freue mich besonders über den Einsatz der der Kaufmännischen Schule, die eine klasse Aktion auf die Beine gestellt hat. Und es zeigt sich immer wieder: Engagement zahlt sich aus“, so Bürgermeister Stefan Neumann.

Feierliche Preisverleihung pandemiebedingt ausgefallen

Da die feierliche Preisverleihung im Neuen Schloss in Stuttgart in diesem Jahr pandemiebedingt leider ausfallen musste, wurden die Preise schriftlich übermittelt. „Wir bedanken uns herzlich für das Engagement aller Kommunen, die 2021 an Meine. Deine. Eine. Welt. teilgenommen haben. Durch ihren Einsatz haben sie Menschen in Baden-Württemberg gezeigt, dass globale Verantwortung und Nachhaltigkeit vor der eigenen Haustür beginnen müssen“, so Philipp Keil, Geschäftsführender Vorstand der SEZ.

Hintergrund

Die alle zwei Jahre stattfindende Initiative Meine. Deine. Eine Welt. wird von der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) organisiert und findet statt in Zusammenarbeit mit der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global mit den Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Meine. Deine. Eine Welt. leistet einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und ihrer 17 Nachhaltigkeitsziele in den Kommunen, indem vorhandene Potenziale für mehr globale Verantwortung in den Kommunen Baden-Württembergs entfaltet, gestärkt und weiterentwickelt werden. Kommunen mit ihren Städten, Schulen, Volkshochschulen, Vereinen und Weltläden sind zentrale Orte menschlicher Begegnungen, wo es jeden Tag aufs Neue möglich wird, das Bewusstsein für globale Themen zu schärfen und partnerschaftliche Netzwerke zu stärken.

Pressemitteilung Stadt Künzelsau

 

 




Versinken im Verpackungsmüll

Katzenfutter. Das Katzenfutter ist schuld. Gefühlt der halbe Gelbe Sack besteht bei uns, aus lilafarbenen Kunstoffbeuteln, welche jeweils die Größe einer Packung Schokolade haben. Doch das ist nicht ganz richtig. Dazwischen sehe ich unter anderem eine leere Duschgelpackung, leere Käsepackungen, leere Schoki- und Müsliverpackungen, eine leere Traubenverpackung und zahlreiche benutzte Coronatest-Kits.

Das Katzenfutter ist schuld und Checker Tobi weiß Rat

Mit diesem Gelben Sack konfrontiere ich meine Kinder und frage sie, wo sie denn Einsparungspotenzial sehen würden, damit wir unseren Kunststoffmüll reduzieren. Meine Kinder scheinen gut informiert und brauchen nicht lange zum Überlegen. Die leere Zahnpastatube könne man vermeiden, indem man „so Zahnpastatabletten im Unverpackt-Laden kauft“, erklärt mein zwölfjähriger Sohn. Von Checker Tobi aus dem Fernsehen wisse er das. Der habe auf youtube auch schon mal ein Video veröffentlicht, indem es darum ging, Plastik im Alltag zu vermeiden.

Weit und breit kein Unverpackt-Laden

Die Frage ist nur: Wo gibt es im Hohenlohekreis einen Unverpackt-Laden? Ein kurzer Blick in Google bringt die Ernüchterung. In Heilbronn, Schorndorf oder Backnang gibt es anscheinend die nächsten. „Dann fahren wir da hin“, jubeln die Kinder begeistert. Ich erkläre, dass ich das nicht sonderlich sinnvoll finde, so viele Kilometer zu fahren. Auch das ist ja nicht wirklich energie- und damit klimafreundlich.

Hofläden als Alternative im Hohenlohekreis

Wer auch diverse Unverpackt-Angebote bereithält oder auch wiederverwertete Verpackungen, das sind die kleinen Hofläden, die es bei uns im Hohenlohekreis überall gibt. Wir gehen jede Woche einmal in den Vollsortiment-Hofladen Frank in Garnberg. Bislang habe ich aber ehrlich gesagt nicht wirklich auf Verpackungen geachtet. Ich glaube, da kann  man auch Reis und Nudeln unverpackt kaufen, aber mit welchen Behältnissen transportiere ich die am besten nach Hause? in Tupperdosen oder Glasbehältern?

Nudeln und Reis kann man im Hofladen Frank in Garnberg einfach in eigene Glasbehälter abfüllen lassen. Foto: GSCHWÄTZ

Für Gemüse und Obs gibt es spezielle Netzbeutel, die man immer wieder benutzen kann. Foto: GSCHWÄTZ

Irgendwo zu Hause habe ich auch noch Stoffnetze in verschiedenen Größen für den Obst- und Gemüse

Irgendwo zu Hause habe ich auch noch Stoffnetze in verschiedenen Größen für den Obst- und Gemüseeinkauf. Damit spart man sich die dünnen Kunststofftüten. Kaufen kann man diese unter anderem bei Mehrweghelden.

Das Hauptproblem: An die normalen Stofftaschen denke ich ja noch, wenn ich einkaufen gehe, aber oft nicht an die Obst- und Gemüsebeutel. Im Hofladen vergesse ich konsequent, meine leeren Eierschachteln zum Nachfüllen mitzubringen. Die Bienenwachstücher an der Kasse von Frau Frank finde ich sehr interessant, nur weiß ich derzeit noch nicht, wie wir persönlich sie am besten bei uns im Haushalt einsetzen können. In Glas kaufe ich jetzt schon viel ein: Joghurt, Sahne, Milch. Das alles trägt zur Plastikreduktion bei. Es schleppt sich nur etwas schwerer damit.

Seife kann man im Hofladen Frank einfach abfüllen, in dem man die alte Verpackung, wenn sie leer ist, wieder mitbringt. Foto: GSCHWÄTZ

Seltsames Gefühl, mit einer Tupperdose an der Metzgerstheke zu sehen

Auch die großen Supermärkte stellen immer mehr um – nicht nur auf Bio- und Demeterware. Diverse Produkte in der Obst- und Gemüseabteilung sind, etwa bei Edeka, nicht mehr in Plastik verpackt, sondern in Pappschälchen. Aber ob das besser ist als Plastik? Immerhin wollen wir auch mit unseren Holzressourcen sparsamer umgehen. Am besten, man versucht auch im Supermarkt, seine eigenen Verpackungen mitzubringen oder – zum Beispiel beim Einkauf von Bananen – ganz darauf zu verzichten. Schließlich hat diese Frucht bereits ein Verpackung. Man fühlt sich aber vor allem auf dem Land noch etwas seltsam, wenn man der Metzgerstheke steht und seinen mitgebrachten Behälter rüberreicht, damit der Metzger hier den Käse reinlegt. Aber man hat damit schon wieder eine Verpackung gespart.

Nicht nur eine Glaubens- sondern auch eine Geldfrage

Beim Katzenfutter habe ich keine wirkliche Alternative beim Einkaufen ums Eck gefunden. Im Internet kann man Katzenfutter im Glas bestellen. Ein Sechser-Set (jeweils 200 Gramm) kostet 15,54 Euro. Das reicht bei uns vermutlich lediglich drei Tage. Aber wenn ich auf die normale Supermarktverpackung schaue, sind da auch nur 12 Beutel mit jeweils 85 Gramm drin. Also eigentlich noch weniger als in den Gläschen. Dennoch: Der Preisunterschied beträgt trotzdem stolze sieben Euro zwischen der Glasverpackung der Kunststoffverpackung. Nachhaltig leben kostet, auch wenn man die anderen Produkte betrachetet, die man im Glas ansatt in Plastik kauft, oft deutlich mehr. Es ist also schon auch eine Geld- und nicht nur eine Überzeugungsfrage, wer sich solche Produkte leisten kann. Andererseits gibt es Produkte, die zwar teurer sind, dafür aber auch deutlich länger halten, beispielweise Seife am Stück anstatt Flüssigseife aus einem Plastikspender.

Katzenfutter im Glas. Bestellbar auf: hunde-undkatzengenuss.de

Nach einer Woche ist der Gelbe Sack nur noch halb voll

Schauen wir mal, wie es in unserem Gelben Sack nach einer Woche ausschaut. Es ist tatsächlich nur noch zur Hälfte gefüllt. Man muss dafür aber schon sehr gut vorbereitet zum Einkaufen gehen. Dennoch: Da geht noch mehr. Wir bleiben dran.

Nach einer Woche schrumpft der Inhalt des Gelben Sackes merklich dahin. Foto: GSCHWÄTZ

Neue GSCHWÄTZ-Serie: Nachhaltiger leben im Ländle. So geht‘s.

Hofläden im Künzelsauer Umland

Allein in Google sind 17 Hofläden im Hohenlohekreis gelistet, unter anderem der Hofladen Kornblume (mit sehr vielen Unverpackt-Angeboten auch etwa im Müslibereich) bei Schloss Stetten oder das Bio Eier Lädle auf dem Kügelhof. Alle Hofläden im Überblick mit Öffnungszeiten gibt es hier.

Im nächsten Teil: Dr. Sandra Hartmann testet Shampoo am Stück und plastikfreie Zahnpasta-Tabletten. Schaut, was bei der Anwendung passiert.




„Wir Landwirte wären ja dumm, wenn wir die Böden nicht nachhaltig bewirtschaften“

Die Familie von Johannes Graf Zeppelin lebt seit rund 200 Jahren in Hohenlohe auf dem klösterlichen Schloss im Schöntaler Teilort Aschhausen. Sie bewirtschaften Ackerland und Wald in direkter Umgebung, haben einen großen Veranstaltungssaal zur Vermietung und sind Mitglied im Bauernverband. Die heimische Kulturlandschaft zu erhalten, ist ihnen wichtig.         

„Jeder normal denkende Landwirt wirtschaftet nachhaltig“

„Auch früher gab der Boden nicht unendlich viel her. Die Kelten, zum Beispiel, sind dann einfach weitergezogen“, erklärt Landwirt und Waldbauer Johannes Graf Zeppelin aus Aschhausen seine Haltung in einer Pressemitteilung des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V. Er ergänzt, dass jeder normal denkende Landwirt nachhaltig wirtschaften wird, wenn er sein Land erhalten und eben nicht weiterziehen will. Er wünscht sich, dass sich die landwirtschaftlichen Betriebe für die Verbraucher und einen Dialog noch mehr öffnen. Für ihn ist es von Bedeutung, stärker aufzuklären, warum Landwirt:innen etwas tun. Dass das funktioniert, zeigen ihm Besuche von und bei Lehrern oder Schulen, die dann schon mal feststellen: „So hat es uns noch keiner erklärt!“ Ihm ist wichtig, dass dieses Bild an Kinder und Jugendliche durch Lehrkräfte richtig weitergegeben wird.

„Alle sollten an einem Strang ziehen“

Weiter wichtig ist Johannes Graf Zeppelin, dass die oft polarisierende Meinung der Öffentlichkeit, ‚guter Landwirt – schlechter Landwirt‘, nicht weiter bedient wird. „Es sollte von allen Seiten an einem Strang gezogen werden. Wir Landwirte wären ja dumm, wenn wir die Böden nicht nachhaltig bewirtschaften. Warum sollten wir mehr Dünger – ob biologisch oder chemisch – auf unsere Böden bringen, als nötig? Das schadet auch unserem Geldbeutel“, erklärt er. Er ist seit 2014 Mitgesellschafter der BG Neuhof. Hier arbeiten Landwirte eng zusammen, die Betriebsabläufe werden von den Geschäftsführern koordiniert.

„Bei den Veranstaltungen stehen wir bei null“

Graf Zeppelin hat seine 145 Hektar Ackerland in und um Aschhausen eingebracht und fühlt sich als Landwirt, auch wenn er nicht mehr in die täglichen landwirtschaftlichen Arbeiten involviert ist. Seine Aufgaben sind die Verwaltung und die Vermietung von Flächen und Gebäuden, zum Beispiel auf dem Schlossgelände. Ein großer historischer Veranstaltungsraum, ideal für Hochzeiten und normalerweise ganzjährig gut gebucht, beschäftigt hauptsächlich seine Frau im Eventmanagement. „Einer von uns ist immer vor Ort, es ist alles da für 150 Personen“, sagt von Zeppelin mit Blick auf den Wehrturm und den romantischen Außenbereich. „Was die Veranstaltungen angeht, stehen wir wie viele an der gleichen Stelle wie letztes Jahr: Bei null“, erklärt er die Situation, da Veranstaltungen aktuell nicht durchführbar sind – trotz bestehender Buchungen.        

 140 Hektar Wald

Gut, dass es den Waldfriedhof Schöntal auf dem Grundbesitz der Familie gibt. Hier kann man sehen, was Landschaftspflege heißt. Der Plan von 1938, hier die Autobahn A 81 entlangzuführen, kam zum Glück nicht mehr zur Realisierung. Gleichwohl: Der ursprüngliche Wald war zu der Zeit schon gerodet. Nach 1948 wurde er mit Laubbäumen aufgeforstet. Zu sehen sind heute heimische Eichen, aber auch Amerikanische Roteichen, Buchen, Elsbeeren und Kirschen. Insgesamt sind vom Schloss aus 140 Hektar Wald zu bewirtschaften. „Am meisten Freude macht es mir, wenn ich rausgehe und sehe, wie alles wächst, wie die Natur erwacht“, erklärt der Wald- und Landwirt. Und weiter: „Die Kühle des Frühjahrs tut dem Wald gut. Es bremst den Borkenkäfer etwas aus.“

Letzte Ruhestätte

Das naturbelassene und doch gepflegte Waldstück ist gut geeignet als letzte Ruhestätte für die, die hier bestattet werden möchten. Zu Lebzeiten schon kann man sich den Baum und damit den Platz aussuchen und reservieren, wo man – entweder allein oder zusammen mit anderen – begraben werden möchte. Für immer mehr Menschen ist das attraktiv, denn die ‚Grabpflege‘ übernimmt die Natur, wie der Besitzer des Bodens erklärt. Die versenkten Urnen können 60, statt wie sonst üblich 20 Jahre in der Erde bleiben. Ein kleines Schild am Baum zeigt, wer dort seine letzte, wirkliche Ruhe gefunden hat. Es ist ein fast magischer Ort.

 Drei Kinder im Teenageralter

Die Vorfahren des jetzigen Grafen Zeppelin kommen aus dem Norden Deutschlands, aus Mecklenburg. Der damalige Herzog und spätere König Friedrich I. holte im 18. Jahrhundert zwei Brüder des sehr alten Adelsgeschlechtes erfolgreich hierher. Er stellte sie in seine Dienste, den einen in Friedrichshafen zur späteren Erfindung des gleichnamigen Zeppelins, den anderen nach Aschhausen zur Bewirtschaftung des Schlosses. Die heutige Familie von Zeppelin steht mit drei Kindern im Teenageralter im Hier und Jetzt. Johannes Graf Zeppelin bekleidet viele Ehrenämter: vom Gemeinderat über den Kreistag bis zum Ortschaftsrat. Mit seinem landwirtschaftlichen Betrieb ist er Mitglied im Bauernverband und politisch aktiv. Seine heimische Kulturlandschaft zu erhalten, ist ihm sehr wichtig. Ganz in dem Sinne, dass Kulturlandschaften vom Menschen gestaltete Landschaften darstellen, die langfristig geeignet sind, den Menschen als Heimat zu dienen.

Quelle: Pressemittel des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

 

In der BG Neuhof arbeiten Landwirte eng zusammen. Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

Auf dem Waldfriedhof Schöntal können Urnen 60 Jahre im Boden bleiben. Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

Das kühle Frühjahr tut dem Wald gut, denn es bremst den Borkenkäfer etwas aus. Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.




Recycling mit Herz

Müllvermeidung, Wiederverwertung und Selbermachen sind für die Kreßbergerin Susanne Strang ein Herzensthema. Deshalb haucht sie alten Dingen neues Leben ein und hält Vorträge zum Thema Plastik.

Vorträge zum Thema Plastik

Sie gibt gerne ausgemusterten Dingen eine neue Bedeutung und fertigt Sachen, die nicht bloß zur Deko sondern auch anderweitig verwendbar sind. „Viele Dinge wie alte Stoffe vermodern nur im Schrank“, sagt Susanne Strang. „Das ist doch schade.“ Die selbstständige Fußpflegerin macht gerne Handarbeiten und bezeichnet sich selbst als sehr kreativen Menschen. Bereits im Alter von zwölf Jahren hat sie „angefangen, Sachen selbst zu machen“. Und weil ihr Müll- und Plastikvermeidung sowie Recycling ein Herzensthema sind, schritt sie zur Tat: Im Internet sah die heute 51-Jährige aus Kreßberg bei Crailsheim herzförmige Kissen, die der Nackenentlastung dienen. Sie begann, solche Kissen zu nähen und verkauft sie seit ein paar Jahren auf Weihnachts- und Kreativmärkten. „Die Kissen haben einen Nutzen und sehen auch noch hübsch aus“, sagt sie. „Das rundet das Ganze ab.“

„Die Kissen haben einen Nutzen und sehen auch noch hübsch aus“

Im heimischen Näh- und Bastelzimmer arbeitet die zweifache Mutter am liebsten mit Cord und Baumwolle. Alten Damast mag sie aber auch. „Der Stoff soll waschbar und stabil sein“, sagt sie. Immer zwei verschiedene Stoff e – einer gemustert und einer unifarben – fügt sie zu einem Kissen zusammen. Schnitt und Größe sind bei allen Exemplaren gleich. Es gibt lediglich optische Unterschiede, das Grundprinzip ist aber das gleiche. Auf Wunsch kombiniert sie ein Herz auch aus Kontrastfarben. Die Füllung ist aus Hochflauschwatte, denn die sei antiallergisch und bei 30 Grad waschbar. „Diebleibt fluffi g und stabil“, sagt sie. „Ich arbeite ungern mit Sachen, die mich unzufrieden machen“. Da sei sie Perfektionistin. Zum Waschen sollte man die Kissen lediglich noch in einen Kissenüberzug stecken.

Für die nächsten Märkte hat sich Susanne Strang überlegt, ihren Herzen eine Anleitung beizulegen. Denn die Nutzung ist nicht so ohne Weiteres klar: Für die richtige Nackenentlastung werden die Herzen “verkehrt herum“ hingelegt. Das heißt, die Spitze zeigt nach unten, die Rundungen nach oben.

Auf Märkten wie in Künzelsau kann man die Kissen kaufen

Rund 1,5 bis zwei Stunden benötigt Susanne Strang für ein Kissen. „Das Ganze ist aber bloß ein Hobby und darf nicht in Stress ausarten“, so die Hobbynäherin. Etwa drei bis fünf Märkte besucht sie im Jahr – und genießt das: „Das ist schön für Kontaktfreudige.“ Sie wohnt zwar heute mit ihrer Familie in Kreßberg, ist aber vorher „wie ein Wandernomade mein Leben lang umgezogen“. Deshalb geht sie gerne und off en auf andere Menschen zu. Und hat auch schon festgestellt, „wie unterschiedlich die Menschen von Region zu Region sind“. Auf jeden Markt nimmt sie 16 bis 20 Kissen mit, die sie auch fast alle verkauft. Mehr gehe nicht ins Auto, weil die Kissen wahnsinnig viel Platz wegnehmen würden. „Ich verkaufe, so viel ich nähen kann“, sagt die Bastlerin. Zwei bis drei Monate Vorlaufzeit benötige sie jedes Mal, weshalb sie die Märkte, an denen sie teilnimmt, gleichmäßig übers Jahr verteilt. Susanne Strang probiert auch immer wieder Neues aus – was sich schlecht verkauft oder nicht lohnt, wird wieder aussortiert.

„Der Aufwand für die gehäkelten Spüllappen war zu groß, das lohnte sich nicht“

„Der Aufwand für die gehäkelten Spüllappen war zu groß, das lohnte sich nicht“, aber ihre selbst gefärbte Wolle verkaufe sich gut. Überhaupt fi ndet sie, dass der Trend zu Tüchern und Schals gehe. „Handarbeit wird wieder mehr wertgeschätzt und das finde ich schön“, sagt sie. Weil sie selbst allergisch ist, „gegen alles, was haltbar ist“, hat sich Susanne Strang früh mit dem Thema Ernährung und Haut beschäftigt.

„Wir rotten uns noch selbst aus“

Zuhause in Kreßberg hat sie eine Seifenküche, in der sie fast alles selbst macht. Dazu gehört für sie auch die Beschäftigung mit Plastik und wie man es vermeidet. Aus diesem Wissen heraus ist das Buch „Nachhaltig und plastikfrei“ entstanden. In Vorträgen und Workshops bei der Volkshochschule zeigt sie seit ein paar Jahren Hintergründe auf, gibt Tipps, wie man Plastik vermeidet und was man alles selbst machen kann. „Da läuft einiges schief zur Zeit“, fi ndet die 51-Jährige. Alles sei ein Kreislauf und wir würden alles zurückkriegen. „Wir rotten uns noch selbst aus“, befürchtet sie. Der Mensch sei ein Gewohnheitstier und lasse sich von Werbung beeinflussen. „Aber bestimmte Dinge sieht man nur, wenn man sich damit beschäftigt“, meint sie. Deshalb hält sie nun auch einen Vortrag für Eltern von Kindergartenkindern und überlegt, eventuell weiter in diese Richtung zu gehen. Schließlich gebe es noch so viel zu lernen.

Vorträge von Susanne Strang kann man per E-Mail buchen: Nachhaltig-und-Plastikfrei@gmx.de

Diese Kissen stellt Susanne Strang selbst her. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Herzig. Foto: GSCHWÄTZ