1

Neubau auf dem MUSTANG-Areal wird laut dem Projektentwickler „noch rund zwei Jahre dauern“

Derzeit klafft nach dem Abriss des ehemaligen Mustang-Verwaltungstraktes im Herzen Künzelsaus eine große Lücke. Wohnungen sollen darauf gebaut werden und ein Supermarkt ist angedacht. Einen genauen Fertigstellungstermin für dieses Projekt will Christian Trautmann, Projektentwickler bei der Merz Objektbau noch nicht nennen, er rechnet aber damit, „dass die bauliche Umsetzung beziehungsweise die Realisierung des Projektes noch rund zwei Jahre dauern wird.“

Angesprochen auf coronabedingte Insolvenzen in der Baubrache versichert er: „Bei uns gab es definitiv keinen solchen Fall und auch kein von uns beauftragtes Unternehmen, das aus anderen Gründen in die Insolvenz geraten ist.“ Einem zügigen Bau steht also nichts mehr im Wege.

Der Abriss des Mustang-Gebäudes in Bildern:

https://www.gschwaetz.de/2020/06/13/fall-einer-ikone/

Der ehemalige Mustang-Chef Heiner Sefranek im großen GSCHWÄTZ-Interview unter anderem über die Auflösung der Mustang-Verwaltung in Künzelsau:

https://www.gschwaetz.de/2018/08/16/ex-mustang-chef-moechte-nicht-wieder-in-das-haifischbecken-der-mode-zurueck/

Text und Fotos: Matthias Lauterer

 

 




Dem Erdboden gleichgemacht

Jetzt ist das Mustang-Gebäude endgültig verschwunden. Ein blauer Container mit Altmetall ist das letzte, was noch übriggeblieben ist. Und ein vergessener Bauarbeiterhelm liegt nutzlos auf dem Boden herum.

Das Einzige, was noch von vergangener Größe zeugt, ist ein Parkplatzschild für MUSTANG-Mitarbeiter.

Was noch steht, ist die Villa und das angrenzende Gebäude, in dem sich früher ein repräsentativer Eingangsbereich nebst “Chefbüros” befand – geradezu als Realsatire muss man es bezeichnen, dass sich in diesen Gebäuden heute das MUSTANG-Museum und die Arbeitsagentur befinden.

Text und Fotos: Matthias Lauterer

Mustang Abriss. Foto: GSCHWÄTZ

Mustang Abriss. Foto: GSCHWÄTZ

Mustang Abriss. Foto: GSCHWÄTZ

Mustang Abriss. Foto: GSCHWÄTZ

Mustang Abriss. Foto: GSCHWÄTZ

Mustang Abriss. Foto: GSCHWÄTZ

Mustang Abriss. Foto: GSCHWÄTZ

 

 




Bald nur noch Schutt und Asche

Der ein oder andere ehemalige Mitarbeiter von Mustang wirft dieser Tage des Öfteren interessiert einen Blick zum ehemaligen Firmensitz des Jeansherstellers, der es zu weltweiter Bekanntheit geschafft hat, werfen. Manche traueren dem Konzern hinterer, andere haben das Unternehmen längst hinter sich gelassen, so wie Mustang Künzelsau hinter sich gelassen hat. Die neuen Eigner haben den Firmensitz vom Herzen Künzelsaus ins vermeintlich attraktivere Schwäbisch Hall verlegt und so ist seitdem ein großes Areal in Künzelsaus Innenstadt verwaist.

Das Verwaltungsgebäude wird nun abgerissen und weicht einer Wohnbebauung. Aber nicht nur ehemalige Mitarbeiter beobachten dieses Schauspiel, auch der ehemalige Firmenchef hält den Abriss in Bildern fest. Was Heiner Sefranek wohl bei den Baggerbissen in sein ehemaliges Gebäude denken mag? Sein Vater Albert gründete Mustang Jeans einst und machte das Unternehmen zu einem weltweit erfolgreichen Jeanshersteller.

Fotos: Matthias Lauterer

Heiner Sefranke schaut beim Abriss seines ehemaligen Mustang-Gebäudes zu und macht selbst auch ein paar Erinnerungsfotos. Foto: GSCHWÄTZ




Fall einer Ikone

Was nach dem Zweiten Weltkrieg durchaus als Wirtschaftswundermärchen bezeichnet werden kann, findet nun ein hässliches Ende. Der Aufstieg von Mustang Jeans aus Künzelsau in die weltweite Jeansindustrie endet – zumindest für Künzelsau – diesen Monat mit dem Abriss des Gebäudes, das einst der Firmensitz und auch Produktionsstandort der Jeansmarke war. Heiner Sefranek, der Sohn des Gründers Albert Sefranek, hatte Mustang vor einigen Jahren an eine Investorengruppe verkauft. Daraufhin versucht sich die Firma bis heute gesundzuschrumpfen. Mit einem Umzug des Hauptsitzes nach Schwäbisch Hall in ein Gebäude zur Miete wollen die Investoren attraktiver werden. Ob das gelingt?

Warum Künzelsau die Jeans verloren hat- die ganze Geschichte, lesen Sie hier: https://www.gschwaetz.de/2018/07/15/der-langsame-fall-eines-grossen-jeansherstellers/

Heiner Sefranek im Interview über den Aufstieg und Fall eines großen Jeanshelden: https://www.gschwaetz.de/2018/08/16/ex-mustang-chef-moechte-nicht-wieder-in-das-haifischbecken-der-mode-zurueck/

Wohnungen, Wohnungen, Wohnungen und ein Supermarkt: Was mit der frei gewordenen Fläche geplant ist, lesen Sie hier: https://www.gschwaetz.de/2018/07/17/firma-merz-aus-aalen-hat-das-7-000-quadratmeter-grosse-mustang-areal-gekauft/

Der ehemalige Mitarbeitereingang. Foto: GSCHWÄTZ

Mustang Abriss. Foto: GSCHWÄTZ

In kürzester Zeit ist nicht mehr viel von dem Gebäude übrig. Foto: GSCHWÄTZ

Ein Skelett des Gebäudes. Foto: GSCHWÄTZ

Hier hat der Siegeszug der Jeans in Deutschland begonnen. Foto: GSCHWÄTZ

Mustang Abriss. Foto: GSCHWÄTZ

Mustang Abriss. Foto: GSCHWÄTZ

Mustang Abriss. Foto: GSCHWÄTZ

Albert Sefranek führte das Unternehmen zu weltweiter Bekanntheit. Foto: GSCHWÄTZ




Dietmar Axt verlässt Mustang

Führungswechsel bei Mustang: Dietmar Axt verlässt MUSTANG – Andreas Baur wird neuer CEO

Nach sieben Jahren als CEO und Shareholder der MUSTANG Gruppe, verlässt Dietmar Axt das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Andreas Baur, zuletzt COO der s.Oliver Group, übernimmt ab 1. März 2019 die Rolle des CEO. Nach der Übernahme von MUSTANG durch eine Investorengruppe Ende 2011, startete Dietmar Axt im Januar 2012 als CEO. Axt nahm sich übergeordnet der Restrukturierung des Unternehmens, sowie dem europaweiten Auf- und Ausbau der Marke MUSTANG an. In seinen sieben Jahren als CEO gelang es ihm die Denim Brand erfolgreich im Markt zu positionieren. Dietmar Axt: „Es waren sieben tolle und sehr anstrengende Jahre als CEO dieser herausragenden Brand. Gemeinsam mit dem Team, der MUSTANG Familie, haben wir in den letzten Jahren einiges bewegt und sehr viel erreicht. Bis Ende März begleite ich den Übergang und bin operativ im Unternehmen tätig“.

Der Anteilseigner und seit September 2018 Beiratsvorsitzende des Jeanslabels Armin  Fichtel bedauert den Rücktritt von Dietmar Axt. „Ich danke Dietmar Axt für seinen langjährigen Einsatz für unsere Marke.“ Ein würdiger und für Fichtel nicht unbekannter  Nachfolger ist jedoch gefunden. Mit Andreas Baur kommt ein Branchenkenner in das Unternehmen, der seine Expertise unter anderem bei der s.Oliver Group erfolgreich unter Beweis gestellt hat. „Wir sind davon überzeugt, dass Andreas Baur die Entwicklung von MUSTANG  vorantreiben und zum nachhaltigen Erfolg der Brand einen großen Beitrag leisten wird. Ich freue mich ihn ab März in der MUSTANG Familie willkommen zu heißen“, so Fichtel.

Andreas Baur war von Mai 2015 bis Dezember 2018 als COO für die s.Oliver Group tätig. Zuvor war er, ebenfalls als COO, im Vorstand der Holy Fashion Group. „Ich freue mich sehr auf die neue Herausforderung als CEO bei MUSTANG. Gemeinsam mit meinem Team, möchte ich die erfolgreiche Entwicklung der Denim Brand weiter vorantreiben“, so Andreas Baur. Die Geschäftsleitung wird durch die CSO Rebecca Kazav, die den Bereich Sales verantwortet, sowie den CPO Daniel Peterburs, verantwortlich für Produkt und Marketing, komplettiert.

 

Quelle: Pressemitteilung von Mustang GmbH




MUSTANG sagt tschüss und gibt zehn Prozent Rabatt auf alles

Der Umzug von MUSTANG Jeans steht bevor. Ende nächsten Jahres/Anfang 2020 zieht die Firmenzentrale des Denimspezialisten von Künzelsau nach Schwäbisch Hall, doch die Markenpräsenz bleibt. Das älteste und größte Outlet bleibt in Künzelsau als „Flagship Outlet“  bestehen, so eine Pressemitteilung von MUSTANG vom 11. Dezember 2018.

Seit den 1970er Jahren präsentiert MUSTANG Jeans auf über 690 Quadratmetern eine große Auswahl an Ober- und Unterbekleidung, Schuhen, Accessoires & Co. mit dem Fokus auf seine Kernexpertise Jeans in seinem Outlet in Künzelsau. Trotz des bevorstehenden Umzugs des Headquaters nach Schwäbisch Hall, bleibt die Verbundenheit zu Künzelsau als Stammsitz erhalten. „Es ist uns ein großes Anliegen und eine Herzensangelegenheit die Solidarität der Marke zu seinem Ursprung und der Gründungsstadt zu erhalten. MUSTANG ohne Künzelsau und Künzelsau ohne MUSTANG kann und wird es nicht geben. Das Outlet bleibt als Flagship Outlet selbstverständlich in der Stadt.“, betont Dietmar Axt, CEO von MUSTANG Jeans.

Eingang der MUSTANG-Mitarbeiter in der Lindenstraße. Steht hier bald ein Supermarkt?

Eingang der MUSTANG-Mitarbeiter in der Lindenstraße. Die Verwaltung ist ab 2020 in Schwäbisch Hall. Foto: GSCHWÄTZ

Mit einer besonderen Aktion bedankt sich der Deminspezialist für die Treue, den Support und das Verständnis der Künzelsauer Einwohner mit einem zehnprozentigem Nachlass auf das gesamte Outlet Sortiment – gültig bis 31. Dezember 2018.

Quelle: Pressemitteilung von MUSTANG vom 11. Dezember 2018




Ex-Mustang-Chef möchte nicht wieder in das Haifischbecken der Mode zurück

„W&LT hat nie Gewinne gebracht“

Heiner Sefranek verkaufte die Mehrheitsanteile von Mustang (damals 200 Mitarbeiter) vor sieben Jahren an Investoren, nachdem er es über 20 Jahre geleitet hat. Damals sagte er: „Der Standort Künzelsau wird durch den Verkauf gestärkt“ (Heilbronner Stimme, 05. Oktober 2011). Heute verfolgt er das Mustang-Geschehen nur noch am Rande, ist aber noch in ständigem Kontakt mit Geschäftsführer Dietmar Axt. Dr. Sandra Hartmann hat mit ihm über Mustangs Umzug nach Schwäbisch Hall, seinen größten Fehler und blanke Ärsche gesprochen.

Warum zieht Mustangs Verwaltung nach Schwäbisch Hall?

Sefranek: Das ist natürlich traurig. Aber die Räumlichkeiten in Künzelsau waren für die heutigen Verhältnisse viel zu groß. Es sind unglaublich viele Räume leergestanden. Der ganze Produktionsbereich ist nicht mehr da. Leider gab es keine passenden Angebote zur Miete in Künzelsau und Umgebung. Schwäbisch Hall ist noch relativ nah und damit auch zumutbar für die Mitarbeiter. Ich finde es toll, dass man zumindest in der Region bleibt.

 

Das Mustang-Outlet soll bleiben. Das Museum wackelt. Warum?

Sefranek: Das Gebäude, in welchem das Museum ist, gehört mir. Aber es kostet einfach wahnsinnig viel Geld, etwa für Personal, das Museum zu unterhalten. Das kann ich nicht privat stemmen. Ob die Investoren das Museum weiterbetreiben, stand zum Redaktionsschluss noch nicht fest.

 

Blickt man auf die Firmengeschichte Mustangs zurück, gibt es Höhen und Tiefen.

Sefranek: Die prestigeträchtige Designermarke Joop-Jeans war finanziell ein riesiger Erfolg. Mit der Marke W&LT wurden wir Innovationspioniere. Unsere Marke Mustang hat in Deutschland einen Bekanntheitsgrad von 94 Prozent. Somit können wir ja nicht alles falsch gemacht haben.

 

Gibt es denn etwas, dass Sie heute anders machen würden?

Sefranek: Mein Nachfolger, Theo Birkenmeyer, war keine Optimalbesetzung. Er war größenwahnsinnig, wollte zu schnell expandieren. Das Ganze verlief zu unkontrolliert, zu wenig fundiert.

 

Dietmar Axt hat 2017 in seiner Presseantwort GSCHWÄTZ gegenüber  betont, dass man sich nun wieder auf die Kernmarke konzentrieren werde.

Sefranek: Das kann ich nachvollziehen. Bogner-Jeans konnte an den Erfolg von Joop-Jeans nicht mehr anschließen. Und W&LT hat nie Gewinne gebracht.

 

Dennoch gerät Heiner Sefranek ins Schwärmen, wenn er von W&LT-Designer Walter van Beirendonck spricht, mit dem er viele Jahre eng zusammengearbeitet hat. Er war eine „Kultfigur“  und habe innovative Maßstäbe im Bereich Mode gesetzt, sagt er.

 

Ein ehemaliger Mitarbeiter sagte, Sie wollten Ihre Jeans nicht länger an Ärschen von Lkw-Fahrern sehen, sondern an einer jüngeren Klientel.

Sefranek: Das habe ich so nie gesagt. Aber es ist natürlich immer schöner anzuschauen, wenn junge Damen das tragen. Das ist aber nicht nur bei der Jeans so (lacht kurz, bevor er wieder ernst wird). Ich sehe Mustang aber als eine Marke wie VW und nicht wie Ferrari. Ich habe mich über jeden gefreut, der eine Mustang-Jeans getragen hat.

 

Warum dann das teure Verjüngungsexperiment mit W&LT?

Sefranek: Früher war die Jeans eine Form des Protests der Jugend gegenüber ihren Eltern. Dann wurde die Jeans für jedermann salonfähig. Sie verlor ihren Protestcharakter. Mit der Marke W&LT wollten wir eine neue Jugendkultur aufbauen.

 

Eine neue Protestmarke also?

Sefranek: Nein. Die Generation der 90er ist keine Protestgeneration, sondern eine Do-it-Generation. Sie identifizieren sich nicht mehr mit den Erwachsenen, weil diese die Umwelt zerstören. Das war eine ziemlich starke Bewegung.

 

Manch ein Mitarbeiter kritisiert, dass Mustang in der Vergangenheit oft Jeans-Modelle, die gut gelaufen sind, von heute auf morgen eingestampft hat.

Sefranek: Gewisse Modelle entsprachen dem Zeitgeist einfach nicht mehr, aber ich habe noch nie erlebt, dass ein Produkt aus der Kollektion genommen wurde, das gut gelaufen ist.

 

Was glauben sie, wie es nun weitergeht mit Mustang?

Sefranek: Von der ganzen Ausrichtung her gesehen, produktionstechnisch und qualitativ gesehen, ist man auf einem guten Weg. Man ist nun keine Produktions-, sondern eine Handelsfirma, die selbst entwickelt und die national und in gewissem Umfang international wachsen möchte. Aber der Markt ist knallhart. Da bin ich mit 71 Jahren froh, dass ich nicht mehr in der Verantwortung stehe. Schauen Sie  nur die Marke Bench an, die pleite gegangen ist. Der Handel leidet unter den Billigketten.

 

Käufer kritisieren, dass die Qualität von Billig- und Markenjeans sich nur unwesentlich unterscheiden.

Sefranek: Diese Kritiker übersehen, dass es beispielsweise auch in China  völlig unterschiedliche Niveaus von Produktionsfirmen gibt. Irgendwann werden auch Flugzeuge in China hergestellt.

 

Wie kann man denn garantieren, dass man nicht mit Firmen zusammenarbeit, die die Umwelt extrem belasten oder Kinderarbeit zulassen?

Sefranek: Es ist immer eine Erwägung, mit welchen Lieferanten man zusammenarbeitet. Mustang arbeitet seit vielen Jahren mit denselben Firmen zusammen.

 

Firmen wir Trigema fertigen noch in Deutschland.

Sefranek: Wenn Sie ein Jeans komplett in Deutschland produzieren, zahlen Sie am Ende 800 Euro für eine Jeans.

 

Blaumann-Hosen werden auch in Deutschland gefertigt.

Sefranek: Blaumann-Jeans werden nicht gewaschen, dadurch entfällt das Finishing-Verfahren. Das ist intensive Handarbeit. Die Blaumann-Jeans kosten auch dementsprechend mehr und sind ein Nischenprodukt und ein Nebenerwerb für die Macher.

 

Die Blaumann-Macher entspringen teils dem Hause Mustang.

 

Wie hat sich der Modemarkt noch verändert?

Sefranek: Bei den Deutschen spielt Qualität keine Rolle mehr. Es zählen nur noch vordergründige Fashion-Effekte. Man kauft lieber fünf Teile, als ein Teil, das man länger trägt. Man will billig kaufen und dabei möglichst noch eine Moral hochhalten, zum Beispiel, Umweltbewusstsein. Der Trend geht zu leichten Stoffen, auch bei der Jeans. Man will keine dicken  Jeanshosen mehr. Die halten aber länger. Und es gibt keine eindeutigen Modetrends mehr, sondern nur noch ein individuelles Arrangieren von Teilen.

 

Sie sind ja ein Jeans-Träger – nur Mustang oder tragen Sie auch andere Marken?

Sefranek: Ich habe mir auch schon mal andere Marken gekauft, aber eher um zu schauen, wie sie geschnitten sind.

 

Gestatten Sie uns noch eine persönliche Frage zum Schluss. Es soll wohl früher ein Bild im  Mustang-Büro Ihrer Frau gehangen haben mit einem nackten  tätowierten Hintern – angeblich Ihrer.

Sefranek (lacht): Da hing ein Bild im Büro meiner Frau, aber das war kein nackter Hintern und erst recht nicht meiner. Tätowiert bin ich übrigens auch nicht.

 

Heiner Sefranek gab sich in unserem Telefoninterview am Donnerstag, den 26. Juli 2018, spontan, locker, redegewandt und offen.




Die alte Fraa kommentiert den Wegzug von Mustang und was das Ganze mit Berner und Würth zu tun hat

Die alte Fraa von drobbe de Höh‘ kommentiert den Wegzug von Mustang von Künzelsau nach Schwäbisch Hall und kann sich auch einen Seitenhieb auf Berner nicht verkneifen, die mit ihrer Führungselite von Garnberg nach Köln gewandert sind…was das Ganze mit Würth zu tun hat, erfahren Sie im Video.

GSCHWÄTZ – Das Magazin – Wir lieben unser Ländle – auch als Abo direkt in den Briefkasten – www.gschwaetz.de

 




Firma Merz aus Aalen hat das 7.000 Quadratmeter große Mustang-Areal gekauft

„Den Wegzug von Mustang bedauern wir sehr. Die Traditionsmarke und der Name Mustang werden immer mit Künzelsau verbunden bleiben“, so Bürgermeister Stefan Neumann in einer Pressemitteilung vom 17. Juli 2018. Wir haben bei der Stadt nachgefragt, ob es für Mustang keine geeigneten Objekte in Künzelsau gegeben habe. Mustang zieht nun mit seiner Verwaltung nach Schwäbisch Hall. „Im Vorfeld haben wir die Firma Mustang bei der Suche nach freien Räumlichkeiten oder baulichen Perspektiven in Künzelsau unterstützt.“ Neumann betonte aber auch: „In jeder Veränderung liegt aber auch eine Chance für Verbesserungen. Die ergreifen wir und sind bereits mit dem neuen Eigentümer in enger Abstimmung über die zukünftige Entwicklung des Areals.“

Neumann: „Wegzug von Mustang bedauern wir sehr“

Die Firma Merz Objektbau GmbH & Co. KG mit Sitz in Aalen hat das rund 7.000 Quadratmeter große Mustang-Areal laut der Stadt Künzelsau erworben. Zusammen mit der Firma i Live, ein auf Micro-Wohnen spezialisiertes Unternehmen, ebenso aus Aalen, soll das Areal an der Lindenstraße in der Künzelsauer Stadtmitte in 2019 entwickelt und ab 2020 realisiert werden.

Bürgermeister Stefan Neumann

Viel Veränderung in Künzelsaus Innenstadt steht an. Hier: Bürgermeister Stefan Neumann (links) bei der Planung des ehemaligen PEKA-Areals 2017. Foto: Stadt Künzelsau

Einzelhandel mit Schwerpunkt Lebensmittel soll kommen sowie Studentenwohnungen

Geplant sei hauptsächlich Einzelhandel mit Fachmarktnutzungen mit dem Schwerpunkt Lebensmittel sowie Micro- und Service-Appartements sowohl für Studierende als auch für Mitarbeiter ortsansässiger Unternehmen, welche dauerhaft oder auch interimsweise Übernachtungsmöglichkeiten in Künzelsau benötigen.

 

 

 

 




Der langsame Fall eines großen Jeansherstellers

Kommentar.

Eine Ära geht zu Ende. Klingt zu schmalzig? Ist aber so. Sicher, wenn Würth Künzelsau verlassen würde, läge die gesamte Kreisstadt am Boden. Aber Mustang ist ebenfalls ein Urgestein und ein unvergleichliches noch dazu. Ein Nachruf.

Nun ist es also amtlich. Das Herz des Jeans-Herstellers und einst gefürchteten Konkurrenten von Levi Strauss schließt seine Zentrale in Künzelsau. Dort, wo alles begann. Schwäbisch Hall sei der attraktivere Standort mit Bahnanbindung für diese Entscheidung gewesen, heißt es. Aha.

Personalabbau, Personalabbau, Personalabbau

Wer glaubt, dass die Jeans mit der Bahn irgendwohin gefahren wird, der lebt noch im Land der Cowboy und Indianer- zumal Mustang seine Produktion schon seit Längerem ins Ausland verlagert hat. Wo die Zentrale eines Unternehmens sitzt, ist nicht ausschlaggebend für deren Erfolg. Aber das scheint auch Berner nicht so richtig verstanden zu haben.

Der schlichte Grund für den Wechsel nach Hall: Mustangs Geschäftszahlen sind seit Jahren alles andere als berauschend. Der Verkauf des Areals in der Künzelsauer Innenstadt würde zumindest kurzfristig Geld in die Kassen des angeschlagenen Unternehmens spülen (schließlich haben auch die Investoren viel Geld in Mustang investiert, das sie ungern verlieren möchten), ziehen sie doch in die Gebäude in Schwäbisch Hall zur Miete (obwohl man gar nicht wissen möchte, wie hoch die Miete der neuen Räume ist). Eins ist klar: Die Investoren hängen offensichtlich weit weniger an dem Standort Künzelsau, als die Familie Sefranek. Aber das ist eben, so bitter es klingen mag, business as usal. Die Entlassungswelle rollt ebenfalls seit Jahren über die Mitarbeiter hinweg. In Schwäbisch Hall wird es nur fortan weniger auffallen.

Was ist schief gelaufen, dass der einstmalige Riese so zusammengeschrumpft ist?

Als Heiner Sefranek damals das Zepter von seinem Vater Albert übernahm, wollte er es verjüngen. Man hatte nicht mehr nur die mittlere Altersklasse zwischen 40 und 60 im Blick, die schon seit Jahren Mustang-Jeans kauft, eine solide Kaufkraft haben und ein bestimmtes Jeansmodell, das sie immer anziehen. Verjüngen wollte man sich unter anderem mit der mehr als verrückten Marke W&LT. Ein Unterfangen, das man nach geraumer Zeit wieder im Sand verbuddelt hat. Das Produktsortiment wurde erweitert. Kunden konnten fortan in den Shops und Stores auch Oberteile, Schuhe, Taschen und Gürtel kaufen. Alles Zukäufe – und das Kernprodukt? Wie heißt es so schön: Never stop a running system. Was so viel heißt, wie: Wenn etwas gut läuft, lass es weiterlaufen…Die Jeans ist gut gelaufen und dennoch hat man sie verändert: in der Form, in der Qualität, in der Farbe und Mustang verlor das Wertvollste, was es besaß: seine Stammkundschaft.

Künzelsau verliert ein Pionierunternehmen

Mit dem Verkauf fast aller Anteile der Familie Sefranek ging damals bereits eine Ära zu Ende, weil es immer so ist, wenn fremde Investoren mit ins Boot steigen und das Ruder übernehmen: Man weiß nicht mehr, wohin es gehen wird.

Der nun eingeschlagene Weg ist nicht nur bitter für die Familien Sefranek und Hermann, die einst etwas Großes aufgebaut haben, sondern auch bitter für die Stadt Künzelsau, ein Pionier-Unternehmen zu verlieren und vor allem bitter für alle Mitarbeiter, die in der Zentrale seit Jahren und Jahrzehnten ebenfalls Großes geleistet haben und nun ebenfalls die Wahl haben: gehen oder bleiben.

Foto: GSCHWÄTZ