„Hier sind alle geliebt“
„Umso mehr Hans von Materiellem loslässt, umso freier und leichter wird seine Reise. Dieses Märchen soll auch uns dazu inspirieren, uns auf unsere ewigen, immateriellen Werte zu besinnen. Alter und sozialer Hintergrund spielen dabei keine Rolle: Die Entscheidung, frei und froh das Jetzt zu genießen kann jeder treffen – und das jeden Moment aufs Neue“, erzählt Natalie Dück. Sie sitzt am Klavier in ihrer Musikschule in Öhringen. Hintergrund unseres Gespräches sind die Proben für das Musiktheater „Hans im Glück“, das die Musiklehrerin gemeinsam mit ihren Schülern im Rahmen der interkulturellen Woche in Öhringen aufführen wird. Wenige Minuten zuvor hat eine 79-jährige Schülerin den Raum verlassen. Die nächste Gruppe von Schülern besteht aus fünf- und sechsjährigen Kindern.
GSCHWÄTZ-Kinderreporter Lukas Hartmann war beim Musikunterricht dabei und hat mit Natalie Dück über Musik, ihre Werte und überraschende Entwicklungen gesprochen.
Lukas Hartmann: „Welche Fächer bieten Sie in Ihrer Musikschule an?“
Natalie Dück: „Zum Beispiel kommen die ganz kleinen Kinder, schon ab vier Monaten, zu uns. Die spielen hier und schütteln die Rasseln. Die kommen mit ihren Eltern. Dann gibt es bei uns auch noch Einzelstunden Klavierunterricht und Akkordeonunterricht. Die Kinder kommen auch zum Malen.“
Hartmann: „Sie proben ja gerade für ein Musiktheaterstück. Können Sie etwas darüber erzählen?“
Dück: „Ja, gerne. Das ist ein Märchenmusikspiel: ‚Hans im Glück‘. Kinder verschiedener Altersgruppen veranstalten das. (…) Da geht es um einen Jungen, der einen Goldklumpen bekommen hat. Er hat dann alles abgegeben: Sein Gold, danach sein Pferd und danach sein Schweinchen,… er wollte einfach glücklich sein. Das finde ich auch für uns ganz wichtig, dass wir im Leben einfach glücklich und fröhlich sind.“
Hartmann: „Warum sind Musik und Theater so wichtig für die Entwicklung von Kindern?“
Dück: „Weißt Du, Musik und Theater spielen von Anfang an, wenn das Kind schon zu sprechen anfängt, eine Rolle. Sprechen und Sprache, Singen und Musik, Bewegung und Rhythmik – das gehört alles dazu. Das bringt das Kind in seiner Entwicklung weiter und weiter. Dann geht es auch langsam weiter zu den Instrumenten, zur Begleitung von Liedern. Und beim Theater da gehen die Kinder, die Schüler, auf die Bühne und präsentieren sich. Nach solchen Erfahrungen haben sie, bei Prüfungen zum Beispiel, kein Lampenfieber mehr. Das finde ich ganz toll und ganz locker ist das auch und macht Spaß.“
Hartmann: „Gab es Entwicklungen, die Sie berührt oder überrascht haben?“
Dück: „Oh ja, klar. Manche Kinder sind ganz schüchtern. Plötzlich bei einer Rolle schreit das Kind dann und wird richtig launisch. So etwas berührt mich und ich freue mich, wenn die Kinder sich dann trauen, etwas anders zu machen.“
Hartmann: „Welche Werte sind Ihnen beim Unterrichten wichtig?“
Dück: „Natürlich ist es für mich als Lehrerin ganz wichtig, dass ich den Kindern etwas beibringe, dass sie etwas lernen. Aber für mich ist es auch ganz wichtig, dass die Kinder gute Laune haben und ihnen der Musikunterricht Spaß macht und dass sie nicht mit Tränen nachhause gehen, sondern beim Unterricht auch einfach lachen. Glückliche Kinder sind für mich ganz wichtig.“
Hartmann: „Haben Sie ein Motto?“
Dück: „Egal, ob jung oder alt, beliebt oder nicht so beliebt, ob arm oder reich, hell- oder dunkelhäutig: In der Musik kann sich jeder finden und genau das ist es, was Musik ausmacht.“
Hartmann: „Wieso haben Sie das Motto ausgewählt?“
Dück: „Was meinst Du? Schau mal, Du hast gesehen, dass eine Frau gegangen ist, die 79 ist. Die kommt zur Musik, ja. Darum heißt es, egal ob jemand jung oder alt ist, denn auch die kleinen Babys mit vier Monaten kommen. Die dürfen auch mitmachen. Und die, die reich und die, die arm sind, dürfen gerne auch hierherkommen. Die werden alle akzeptiert. Hier herrscht Inklusion. Wir leben hier in einer Welt, in der jeder Mensch akzeptiert wird. Und egal, welcher Nationalität man angehört, oder aus welchem Land man kommt: Hier sind alle geliebt. Das ist für mich ganz wichtig. Für Dich auch, oder?“
Hartmann: „Ja.“
Text: Priscilla Dekorsi





