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„Ich habe gedacht: Das geht wieder weg“

Markus Neugebauer aus Niedernhall erkrankte an Multiple Sklerose

Schweissgebadet ist Markus Neugebauer am 27. Januar 2011 aufgewacht. Unter der Dusche ist er dann zusammengebrochen. Der HNO-Arzt meinte, es sei ein Hals-Nasen-Ohren-Infekt. Aber Neugebauer ahnte schon, dass da mehr dahinter steckte und er sollte Recht behalten.

„Ich habe mich schon Tage zuvor platt gefühlt, abgekämpft, hatte Schweissausbrüche, meine eine Gesichtshälfte war taub“, erinnert sich der Niedernhaller. „Ich habe das damals ganz locker gesehen und gedacht: Das geht wieder weg“, erinnert er sich. Nur ein paar Tage später brach der damals 38-Jährige komplett zusammen, als er für seinen damaligen Arbeitgeber, ein Autohändler, ein Auto von Dänemark nach Hause überführen sollte. Mit Herzrasen und überhöhtem Puls brachte ihn der Notarzt ins nächstgelegene Krankenhaus nach Neumünster. Es folgten Röntgenaufnahmen, MRT, eine Lungenentzündung wurde diagnostiziert, die mit Antibiotikum erfolgreich behandelt wurde.

Ärzte vermuteten den Norovirus

Dann der nächste Zusammenbruch. Neugebauer übergab sich. Der Vater zweier Söhne hatte auf einmal Gleichgewichtsprobleme und mit Schwindel zu kämpfen. Ausserdem hatte er das Gefühl, dass mit seinem linken Bein etwas nicht stimmte.

Die Ärzte vermuteten, dass er sich mit dem Norovirus angesteckt haben könnte. Es ging direkt, ohne eine Stuhlprobe abgegeben zu haben, auf Quarantäne, erzählt Neugebauer. Von Neumünster wechselte er schließlich ins Diakonie-Klinikum nach Schwäbisch Hall.

„Morgens bin ich aufgewacht und aus dem Bett gefallen.“

Drei Tage vor seinem 39. Geburtstag dann eine weitere dramatische Verschlechterung: „Ich bin in der Toilette einfach umgefallen, in dieser Nacht ist meine komplette linke Seite weggebrochen, wie wenn dir alles einschläft und nicht wieder aufwacht“, berichtet er. „Morgens bin ich aufgewacht und aus dem Bett gefallen.“

Nun kommt er auf die Intensivstation, es folgt eine Rückenmarkpunktion, der Verdacht auf MS, also Multiple Sklerose, steht das erste Mal im Raum. Verlegung nach Würzburg auf die neurologische Station. Sein Zustand ist so schlecht, dass er fünf Wochen nicht mehr laufen kann. „Aber ich habe immer gewusst, ich komme da wieder raus“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Nach insgesamt acht Wochen Krankenhausaufenthalt folgen Anschlussbehandlungen in Bad Windsheim.

Für Markus Neugebauer war MS eine bis dato nicht vertraute Krankheit. In seiner Familie ist niemand betroffen. Seit sieben Jahren lebt er nun mit den Schüben, die die Krankheit mit sich bringt. „Ich merke nicht, wenn sich ein Schub anbahnt.“

Finger können taub sein oder die ganze Hand. Manche Dinge vergehen wieder, andere bleiben. Über die deutsche Rentenversicherung hat er eine Umschulung zum Industriekaufmann gemacht.

Was ist MS?

Bei Multiple Sklerose, kurz MS genannt, ist das zentrale Nervensystem chronisch entzündet. Laut der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft  haben weltweit nur zirka 2,5 Millionen Menschen MS, davon rund 200.000 in Deutschland. 70 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Das Risiko, an MS zu erkranken liegt in der Gesamtbevölkerung (Deutschland) bei 0,1 bis 0,2 Prozent. Das typische Erkrankungsalter liegt zwischen 20 und 40. Die Ursache ist nach wie vor ungeklärt. Es gibt jedoch Argumente, dass eine Auto-Immunreaktion vorliegt: Das Immunsystem greift fälschlicherweise körpereigene Strukturen an, in diesem Fall die Hüllschicht der Nervenfasern. Umweltfaktoren und Erbanlagen spielen eine Rolle. So erhöhen etwa Vitamin-D-Mangel im Kindesalter, Rauchen und bestimmte Viren das MS-Risiko. MS ist „die Krankheit mit den vielen Gesichtern“, da die Symptome vielfältig sind. Zudem verläuft MS sehr unterschiedlich. Meistens beginnt sie schubförmig, mit zeitweilig beschwerdefreien Phasen. MS lässt sich bislang nicht heilen, aber gut behandeln. Wichtigste Therapieziele: Schübe verhindern, den Eintritt einer möglichen Behinderung verzögern und deren Fortschreiten verlangsamen oder stoppen.

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