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Jagst-Unglück 2015 // Kreise warten noch immer auf Geld vom Land

Die Feuerwehren und Rettungskräfte, die Fischereivereine und viele Ehrenamtliche haben damals alles gegeben und versucht zu retten, was noch möglich war an diesem Unglückstag vor über zwei Jahren, als Düngemittel bei Schwäbisch Hall in die Jagst floss und auf einer Strecke von gut 25 Kilometer fast alle Fische auslöschte. Das Land sagte damals den Kreisen schnelle und unbürokratische finanzielle Unterstützung zu. Bis heute warten die Landkreise Hohenlohe, Schwäbisch Hall und Main-Tauber jedoch auf das zugesagte Geld. Immerhin 1,1 Millionen Euro kostete allein den Hohenlohekreis der Einsatz der Feuerwehren der Gemeinden, Leistungen für die Fischbergung und -entsorgung sowie die Leistungen der Landwirtschaft (wir berichteten).

Der AfD-Landtagsabgeordnete Anton Baron hat beim Umweltministerium Baden-Württemberg nachgefragt, ob die versprochenen Gelder nun an die Landkreise ausgezahlt worden seien. Die Antwort lautet: Nein. Der Grund, so das Ministerium auf die Anfrage Barons: „Die Voraussetzungen für eine Kostenerstattung des Landes gegenüber den Landkreisen sind in Paragraf 52 Landkreisordnung geregelt. Da sich insbesondere die Frage, in welcher Höhe von Dritten Ersatz für die entstandenen Einsatzkosten der Rettungskräfte zu erlangen ist, derzeit noch in der Klärung befindet, kann eine Entscheidung des Landes über die Kostenerstattung noch nicht ergehen. Nach der gesetzlichen Regelung sind innerhalb der Landesverwaltung die Landratsämter für die Geltendmachung des Kostenersatzes bei Dritten zuständig.“

Der Hohenlohekreis hat bereits vor einem halben Jahr gegenüber GSCHWÄTZ auf Nachfrage erklärt, dass sie derzeit mit dem Land Baden-Württemberg „die Kostenerstattung klären“. Getan hat sich offenbar seitdem noch nichts.

Die Fischereipächter haben den Mühlenbetreiber, dessen Düngemittel in die Jagst geflossen sein soll, auf 650.000 Euro Schadenersatz verklagt. Laut dem Umweltministerium „wurde unter den Beteiligten ein Vergleich erarbeitet, der noch unter Vorbehalt steht“.

Nach wie vor sind die Fischereivereine damit beschäftigt, die Jagst in den betroffenen Abschnitten wieder im wahrsten Sinn zum Leben zu erwecken, da der Fischbestand zu niedrig ist. Dies geschieht unter anderem mit einer Fischumsiedlung von gesunden Bereichen in die betroffenen Gebiete. Dennoch gibt es Fischarten, die seit dem Jagstunglück für immer ausgelöscht wurden.

Fotos // privat

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