Pilotprojekt: 80 wohnpreisgebundene Wohnungen auf Taläcker
„Ein Pilotprojekt soll entstehen“, so drückt es Paul Pletsch, Projektentwicker der Weisenburger Projekt GmbH aus. Es klingt in der Tat spannend, was er errichten will: Ein ganzes Wohnquartier auf den Taläckern mit 80 barrierfreien Wohnungen, zu 100% sozial gefördert und auf 30 Jahre mietpreisgebunden, soll entstehen. Die 4 geplanten Gebäude sollen in einer ressourcenschonenden Holzmodulbauweise errichtet werden, was die Bauzeit und die Belästigung der Anwohner durch die Bauarbeiten stark reduzieren soll. Bereits Ende 2022 könnten die Häuser fertiggestellt sein. Angestrebt ist ein Energieeffizienzstandard KFW 40+.
Grundstücksverkauf beantragt
Zu diesem Zweck beantragt die Verwaltung den Verkauf des Grundstücks mit etwa 5.000 m² an die Projektentwickler, die Firma DQuadrat Real Estate GmbH aus Ludwigsburg und die Firma weisenburger projekt GmbH aus Karlsruhe zu einem Preis von 150€/m².
Künzelsau braucht sozialen Wohnungsbau
Seit langem wird in Künzelsau mehr sozialer Wohnungsbau gefordert, ein solches Projekt sei also dringend notwendig, sieht Hans-Jürgen Saknus (SPD/GRÜNE): „Es freut mich, wenn so ein Projekt zustandekommt“. Das Ziel Nachhaltigkeit sei durch die Bauweise und die langfristige Mietpreisbindung erreicht.
Kritische Punkte angesprochen
Trotz der auf den ersten Blick überzeugenden Präsentation durch die Entwickler wies der Gemeinderat auf verschiedene kritische Punkte hin: Verena Löhlein-Ehrler (Freie) und Dr. Andrea Grups (FfK) zweifelten an der 30-jährigen Sozialbindung, etwa bei einem Verkauf des Projekts. Pletsch wies darauf hin, dass die Mietpreisbindung durch Grundbucheintrag gesichert sei und dass beim Verkauf einer solchen Immobilie „ganz andere, langfristige Investoren“ kaufen würden.
Unstimmigkeiten im Entwurf
Erhard Demuth (SPD/GRÜNE) sieht formale Unstimmigkeiten im Entwurf: Die Geschoßflächenzahl von 1.2 sei überschritten, schließlich sei auf dem Grundstück von 5.000m² eine Wohnfläche von 7.500m² geplant. Außerdem erinnert er an die Gründungszeit der Taläcker und befürchtet eine erneute Ghettoisierung.
Städtischen Zuschuß absichern
In dieselbe Kerbe schlägt Boris d’Angelo (UBK), der zwar „mit einem Schlag einen großen Schritt“ erkennt, aber an einen Beschluß erinnert, der auf den Taläckern keinen weiteren Geschoßwohnungsbau vorsieht. „Ich hoffe nur, dass es dann nicht die Zustände gibt, die es damals gegeben hat“, spricht er auch den Gegensatz zwischen Eigenheim- und Sozialwohnungsbau auf engem Raum an. Außerdem fordert er, den städtischen Zuschuß abzusichern und erinnert in diesem Zusammenhang an das „Beispiel Wolff&Müller in der Mainzer Straße“ – Wolff&Müller werden in der Projektpräsentation auch als Partner der Entwickler genannt.
Verkaufspreis in der Kritik – Neumann: „Darunter geht nichts“
Auch der Verkaufspreis von 150€/m² wird diskutiert: Robert Volpp (CDU) findet den Preis angemessen, Gregor Thomas von DQuadrat ist er eher noch zu hoch: „Holzplattenbau ist derzeit noch nicht billiger als konventionelles Bauen“. Bügermeister Stefan Neumann betont aber, dass das Grundstück mit 150€/m² in den Büchern stehe, „darunter geht nichts“. Er weist außerdem darauf hin, dass man bisher von einem Verkaufspreis von 180€/m² ausgegangen sei, allerdings mit nur 30% sozial gefördertem Wohnraum, insofern sieht der die Reduzierung auf 150€/m² für vernünftig.
Auf Anfrage von Ernst-Friedrich Bürkert (CDU) erklärt Paul Pletsch, dass die Gebäude aus Nadelhölzern gefertigt werden, Hartholz sei viel teurer und man müßte wegen Brandschutzvorschriften bei Hartholz dasselbe Volumen verbauen. Eine Solaranlage auf dem Dach und zusätzlich an den Fassaden sei derzeit in Untersuchung – sie sei auch nötig, um den KFW-40+ Standard zu erfüllen.
Verkauf beschlossen
Der Gemeinderat beschloss mehrheitlich wie beantragt den Verkauf des Grundstücks, drei Gemeinderät:innen stimmten dem Verkauf nicht zu. Die endgültige Planung wird den Gemeinderat sicherlich noch einmal beschäftigen.
Text: Matthias Lauterer

Dieses Grundstück soll bebaut werden. Quelle: Sitzungsunterlagen GR KÜN

4 Häuserblocks und eine Tiefgarage sollen entstehen. Quelle: Sitzungsunterlagen GR KÜN

Die Höhe der Gebäude soll ungefähr so hoch wie die umgebende Bebauung sein. Quelle: Sitzungsunterlagen GR KÜN

Vorstellung der Architekten. Quelle: Sitzungsunterlagen GR KÜN
