Dr. Sandra Hartmann hat Klaus Schmitt zum Videointerview in Ingelfingen getroffen. Der Bürgermeisterkandidat, der den amtierenden Bürgermeister Michael Bauer herausfordert, möchte in Ingelfingen einiges verändern und hat dafür auch schon konkrete Pläne.
„Das hat mir richtig gut getan“
GSCHWÄTZ: Heute habe ich mich im Kurpark in Ingelfingen verabredet, mit Klaus Schmidt. Der zweifache Familienvater und Unternehmer hat seinen Hut in den Ring geworfen um das Amt des Bürgermeisters in Ingelfingen.
Klaus Schmitt: Ich grüße Sie.
GSCHWÄTZ: Sie haben ja am Samstag, den 5. März, den Briefumschlag eingeworfen zur Wahl. Wie ging es Ihnen dabei bei diesem Augenblick?
Klaus Schmitt: Das mir richtig gut getan, weil jetzt diese ganze Anspannung, die vorher da war, weggefallen ist. Die ganzen Überlegungen sind jetzt auf einmal abgefallen. Das Kuvert war drin und ich habe mich an dem Tag richtig gefreut, dass es jetzt losgeht in den Wahlkampf.
GSCHWÄTZ: Wie lange haben Sie denn überlegt, ob Sie kandidieren sollen?
Klaus Schmitt: Ach, da habe ich mir schon einige Monate den Kopf zerbrochen. Aber letztendlich ist es so: Man kann ja nicht nur meckern und nichts tun. Wenn man was bewegen will, muss man halt auch Verantwortung übernehmen.
Wichtig ist den Bürger:innen der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort
GSCHWÄTZ: Kommunikation ist ja ein großer Begriff Ihres Wahlkampfes, der jetzt nun anläuft, auch wenn es mit Corona etwas schwieriger ist, diverse Veranstaltungen zu machen, diverse Menschen zu treffen. Aber sie haben schon die Fühler ausgestreckt, sie haben mit diversen Bürger:innen gesprochen, auch mit Unternehmern von hier . Gestern haben Sie zu einem digitalen Frühschoppen eingeladen, mit Gemeinderäten und mit Ortsvorsteher. Was konnten Sie denn bisher heraushören, was die Bürger:innen sich von Ihrem künftigen Bürgermeister erwarten?
Klaus Schmitt: Die Themen sind natürlich sehr breit gestreut, aber Stabilität, Erhalt und Schaffung neuer Arbeitsplätze war ein ganz wichtiger Punkt, der sich da herauskristallisiert hat. Das wird ein Riesenthema sein, das voranzubringen. Und die zweite Sache, das sind eher so diese Lebensumstände in Ingelfingen. Wir sind ja hier im Stadtpark. Die Bürger:innen sind ein bisschen traurig, dass der Stadtpark nicht mehr dieses Ambiente bietet, wie es früher mal war. Und ich glaube, da hat man ganz viel Potenzial, noch was Neues zu schaffen. Angefangen von der Bewirtung, dass man hier auch mal verweilen kann, dass man hier mal einen Kaffee trinken kann bis hin zu einem Spielplatz für die Kinder, wo man den Bachlauf nutzen könnte, um hier auch für die Kinder und ihre Eltern hier einen Platz zu schaffen, wo man länger sich aufhält, wo man einfach auch den Park genießen kann. Es ging um die Boule-Bahn, wie man die noch beleben kann, auch mit Veranstaltungen und bis hin zu Platzkonzerten, die es früher mal gab.
Mariannenstraße muss angegangen werden
GSCHWÄTZ: Nur unweit von diesem Stadtpark befindet sich ja die schöne Mariannenstraße. Auch die war gestern Thema bei dem digitalen Frühschoppen. Es gibt ja auch viele Gemeinderäte, die noch ein Geschäft in Ingelfingen haben sich dementsprechend auch Gedanken machen um, ja, man könnte schon fast sagen, eine Wiederbelebung der Mariannenstraße.
„Das muss jetzt was passieren“
Klaus Schmitt: Absolut. Das ist, ich habe es gestern schon mal erwähnt, ein Thema, wo ich glaube, da muss man mittelfristig denken, es gibt bestimmt Dinge, die kann man sofort angehen. Aber bei der Mariannenstraße muss man eher mittelfristig denken. Was ich aber so vom Gefühl her sagen würde, ist, dass vieles auf Eis liegt, weil man auf Fördergelder wartet. Da frage ich mich, ob das die richtige Strategie ist für die Wiederbelebung ist, weil das ja eigentlich schneller gehen muss. Je länger so ein Geschäft leer steht, umso geringer die Chancen, dass da noch jemand reingeht. Und wenn ich jetzt an Frau Turber denke, wo absehbar ist, dass sie nur noch bis Ende 2022 ihr Geschäft betreibt, müsste man sich jetzt um die Nachfolge kümmern, auch um die Räumlichkeiten, die eigentlich gar nicht mehr gehen. Da gibt es nur Elektroöfen und dann friert man sich vorne an der Theke die Füße ab. Das sind so Dinge, wo ich sage, da kann ich doch nicht warten, bis Fördergelder da sind. Da muss jetzt was passieren.
GSCHWÄTZ: Viele Altbauten in der Innenstadt sind ja stark sanierungsbedürftig. Auch das Thema Spielplätze bewegt die Ingelfinger.
Klaus Schmitt: Im Neubaugebiet auf dem Lipfersberg, wo ich wohne, gibt es gar keinen Spielplatz mehr. Das ist so ein Beispiel, wo die Schaukeln verschwanden und am Schluss dann gar nichts mehr da war.
Thema Spielplätze
GSCHWÄTZ: Woran liegt das? Wissen Sie das?
Klaus Schmitt: Es ging wohl auch um die Bewirtschaftung und dass die Geräte alt waren und man hätte neue kaufen müssen oder platzieren müssen. Und dann hat man gesagt, wegen den paar Kindern brauchen wir das nicht. Das Gelände wurde ja zur Verfügung gestellt von einem, der das sogar gemäht hat. Ich finde es einfach schade. Bei anderen Spielplätzen gibt es wohl ähnliche Situationen, dass die Geräte einfach nicht gewartet und zu alt sind. Das kann man doch mal anpacken. Was mir aber sehr am Herzen liegt, dass diese Ideen nicht nur von mir kommen, sondern auch von dern Bürger:innen der Stadt.
GSCHWÄTZ: Seit 22 Jahren leben Sie mit Ihrer Familie schon hier in Ingelfingen. Wo sehen Sie denn das Kocherstädtchen in fünf Jahren?
Ausbau Gewerbegebiet Stachenhausen
Klaus Schmitt: Zum einen ist es, glaube ich, als Bürgermeister ganz wichtig, die Arbeitsplätze auszubauen. Wir haben das Industriegebiet in Stachenhausen, wo Leute gerne was eröffnen würden oder könnten, wenn man nicht so passiv abwarten würde, bis genügend da sind, sondern vielleicht auch mal in Vorleistung gehen würde, das Gebiet erschließen und dann die Bauplätze auch progressiv anbieten. Das wäre ein ganz wichtiges Thema, dass man Arbeitsplätze schafft und dass man natürlich auch den Menschen, die hier arbeiten wollen, Wohnraum zur Verfügung stellt. Das sind so Themen, die mich antreiben, die mich interessieren und wo ich aber nicht alleine lösen kann, da braucht es die Mitwirkung der Bürger. Und das ist mir ein ganz, ganz großes Anliegen, die Leute abzuholen, zu involvieren in den Prozess. Wie kann man das voranbringen? Ich bin ja nicht Jesus, ich habe nicht alle Antworten parat, aber gemeinsam, da bin ich mir sicher, kriegen wir da gute Lösungen hin.
Teilorte mehr einbinden
GSCHWÄTZ: Es gibt ja diverse Teilorte hier, die manchmal auch das Gefühl hatten, in den vergangenen Jahren so ein bisschen auf eine Nebenstraße zu fahren. Ist es auch ihr Wunsch, diese wieder besser an die Kernstadt anzubinden?
Klaus Schmitt: Auf jeden Fall. Ich kriege ja in den Gemeinderatssitzungen mit, dass da Entscheidungen gefällt werden, wo Tatsachen geschaffen werden und die Leute das einfach dann hinterher schlucken müssen. Und das finde ich katastrophal. Das geht gar nicht. Wir haben das Beispiel in Eberstal, wo Bäume gefällt wurden und der Ortsvorsteher von nichts wusste. Das ist ein No Go.
Bessere Kommunikation mit den Nachbargemeinden Künzelsau und Niedernhall
GSCHWÄTZ: Auch mit den Nachbargermeinden hat Ingelfingen derzeit nicht allzu viel zu tun, mit Künzelsau, mit Niedernhall, mit Weißbach. Sie waren jetzt letztens erst mit Bürgermeister Bernd Herzog von Waldenburg im Gespräch.
Klaus Schmitt: Ja, weil mich das Thema interessiert hat mit einer gemeinsamen Kläranlage. In einer Gemeinderatssitzung habe ich gehört, dass man vielleicht mit Kupferzell und Waldenburg was machen möchte. Da habe ich mich gefragt: Kann das Sinn machen, dass man Abwässer über so viele Kilometer pumpt? Da würde ich gerne mit den Nachbarbürgermeistern nochmal ins Gespräch kommen wollen, ob es hier nicht eine bessere Lösung geben könnte.
TSV
GSCHWÄTZ: Auch sportliche Kooperationen mit den Nachbargemeinden gab es früher wesentlich mehr, Stichwort Fußball oder TSV im Allgemeinden. Zudem gibt es unvorteilhafte Wege für Kinder und Jugendliche, um auf den Sportplatz zu kommen und dann wieder zurück zu den Umkleidekabinen. Da gilt es, die Landesstraße zu überqueren. Ein neues Sportheim, das ja schon seit Jahren gewünscht wird, aber nicht erfüllt wird. Sind das alles Projekte, die relativ einfach von der Umsetzung sind oder denken Sie, dass es schon auch schwierig wird, diese Projekte anzugehen?
Klaus Schmitt: Ich denke, dass es schwierig wird, aber lösbar und man muss sie halt anpacken. Man muss den Willen haben, hier eine Lösung zu finden und sich mit den Leuten an einen Tisch setzen. Denn es gibt ja auch durchaus hier Interessenskonflikte und da gilt es, die Leute an den Tisch zu holen. Da sehe ich meine Rolle als Bürgermeister. Ich muss derjenige sein, der die Initiative ergreift, der sagt: Kommt, Fakten auf den Tisch, was brauchen wir? Wo hängt es, wo hapert es jetzt und wie können wir das lösen? Dann bin ich sicher, gibt es da auch Lösungen zu finden.
Kochen und Gärtnern gehört nicht zu seinen Stärken
GSCHWÄTZ: Jetzt haben wir lange über Ihre Kompetenzen gesprochen. Aber sicher haben Sie doch auch ein paar Schwächen.
Klaus Schmitt: Also Sie meinen jetzt so Dinge wie, dass ich nicht kochen kann und dass ich keinen grünen Daumen habe (lacht).
GSCHWÄTZ: Wer kocht denn bei Ihnen zu Hause?
Klaus Schmitt: Ich habe eine Frau, die kocht so gerne und es ist ihr so ein großes Vergnügen und eine Freude. Ich habe richtig Glück.
GSCHWÄTZ: Ihre Frau ist auch sehr sozial engagiert, abe ich gehört von einigen Bürger:innen.
Klaus Schmitt: Genau. Sie hat zehn Jahre Theater gespielt auf Schloss Stetten. Sie war im Vertrauensrat bei Würth und ist überall, wo Hilfe gebraucht wird, mit dabei. Und was ich zu dem Thema Schwächen noch sagen wollte Ich weiß von mir, ich bin jetzt nicht gerade der geduldigste Mensch. Bei mir muss alles irgendwie in einem überschaubaren Rahmen auch abgeschlossen sein.
Lieblingsplatz Ruine
GSCHWÄTZ: Ihr Lieblingsplatz in Ingelfingen ist die Ruine.
Klaus Schmitt: Ja, denn ich habe sehr schöne Erinnerungen daran, weil wir hier das eine oder andere Fest schon gefeiert haben und auch die Genießertour hier oben war immer sehr schön. Ein fantastischer Ausblick hat man von der Runie, da kommt bei mir immer so ein bisschen Wehmut auf, dass man da nicht mehr draus macht, weil man könnte ja beispielsweise auch in den Sommermonaten das Bewirtschaften, hier eine Art Besenkneipe reinmachen, dass man zumindest in den Sommermonaten hier diese schöne Aussicht genießen kann, wenn es noch lau ist abends und man da ein bisschen beisammensitzen kann.