1

Einmal Mexiko und zurück

Die offiziellen Inzidenzzahlen von Mexiko sind um die Osterzeit herum niedriger als in Deutschland. Beim Buchen steht Mexiko auch nicht auf der Liste der Risikogebiete, also auch keine Quarantänepflicht beim Einreisen und beim Zurückkommen nach Deutschland. Die Regeln bei Flugreisen scheinen um die Osterzeit klarer als die Regeln, wenn man in Coronazeiten in Deutschlandurlaub machen möchte. Aber wie ist das Reisen in Coronazeiten wirklich? GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann hat es an Ostern ausprobiert. Einmal Mexiko und zurück.

Nur weg, aber das ist gar nicht so einfach

Nur weg, das wollen derzeit viele der über 80 Millionen Deutsche. Dem Coronalockdown zumindest für eine paar Tage entkommen, Sonne tanken, baden. In diesen Zeiten, wo man nicht wirklich weiß, was erlaubt ist und sicher – ich sprech hier um den Reisezeitrum um Ostern 2021 – verzichte ich auf eine Onlinebuchung und gehe stattdessen in ein Reisebüro und zwar direkt am Flughafen nach Stuttgart. Denn die müssen sich ja auskennen.

Covid-Reiseversicherung

Ein Ehepaar, denen das Reisebüro gehört, berät mich sehr ausführlich und unaufgeregt und meint: Flugreisen seien auch in dieser Zeit möglich, am besten aber in ein Land, das nicht auf der Liste der Risikogebiete steht und damit auch nicht quarantänepflichtig bei der Rückkehr ist. Die Malediven kämen zu diesem Zeitpunkt in Frage und Mexiko. Die Preise sind ähnlich wie vor Corona. Ich buche einen Allinklusive-Pauschalurlaub (Flug und Reise), was ich normalerweise auch nicht mache, aber coronabedingt erscheint es mir das sicherste zu sein, und buche aber auch ein Covidcarepaket beim Veranstalter, in dem Fall Alltours, mit. Dieses kostet mich nochmal eine dreistellige Summe, aber im Falle dessen, dass ich wegen Corona in irgendeiner Hinsicht nicht nach Mexiko reisen kann oder dort länger verweilen muss, bezahlt in dem Fall die Versicherung die Kosten beziehungsweise ich erhalte den Gesamtbetrag der Reise zurückerstattet. Das ist es mir wert.

Der Test muss bis spätestens Freitag vorliegen, ansonsten kann ich eventuell Samstagmorgen nicht in den Flieger steigen. Ob das klappt?

Das Reisebüropärchen rät zudem, vor zwei Tage vor dem Abflug einen PCR-Test zu machen, sonst kann mir eventuell der Flug mit der Fluglinie AirEuropa verweigert werden. Eine Woche vor der Reise werde ich dann doch etwas angespannt. Was mache ich eigentlich? Ich fliege in einer Pandemie nach Mexiko. Werde ich am Ende in einem mexikanischen Krankenhaus mit Corona zu kämpfen haben? Komme ich erst gar nicht in das Flugzeug, weil ich eventuell einen positiven PCR-Test habe? Apropos Test. Beim Hausarzt zahle ich dafür über 100 Euro, am Stuttgarter Flughafen nur 68 Euro. Als ich auf die Homepage gehe und überlege, wie viel Tage vor dem Flug ich am besten dort hingehe, wenn mein Flug samstags geht, erstarre ich zu einer Salzsäule. Denn: Da ist ja eine Anmeldung verpflichtend und es sind schon fast alle Termine für die kommende Woche gebloggt. Darauf war ich nicht gefasst. Denn einige Monate zuvor musste ich mich für einen Auslandsaufenthalt ebenfalls in Stuttgart testen lassen und da gab es noch keine Anmeldepflicht. Jetzt buche ich den schnellstmöglichen freien Termin für Donnerstag, 15 Uhr. Der Test muss bis spätestens Freitag vorliegen, ansonsten kann ich eventuell Samstagmorgen nicht in den Flieger steigen. Ob das klappt?

Sehr unangenehm, aber was tut man nicht alles für 30 Grad?

Am Donnerstag im Testzentrum direkt neben dem Flughafengebäude angekommen dann die Überraschung: Es gibt einen Gang für angemeldete Testlinge und eine daneben für nicht angemeldete. Na toll, da hätte ich mich gar nicht anmelden brauchen. Es ist auch kaum etwas los. Ich komme in fünf Minuten dran. Am Schalter zeige ich meine Reiseunterlagen und muss danach in eine kleine Kabine. Dort steckt mir dann ein komplett geschützter Mann ein Stäbchen tief in den Rachen und ein weiteres tief in beide Nasenlöcher. Sehr unangenehm, aber was tut man nicht alles für 30 Grad? Das Ergebnis erhalte ich bereits am Vormittag des nächsten Tages. Also auch hier habe ich mir unnötig Sorgen gemacht.

Also habe ich nicht nur den Test umsonst gemacht, sondern sitze auch mit einer voll besetzten Boing über 10 Stunden lang im Flieger, wobei ich vermutlich die einzig PCR-Getestete bin. Fabelhaft.

Vor dem Abflug im Terminal bildet sich eine Schlange. Es herrscht Maskenpflicht, aber anscheinend keine Abstandspflicht. Vor mir ein Pärchen ohne PCR-Test, das in denselben Flieger steigt wie ich. Woraufhin ich die Dame am Schalter von AirEuropa frage, ob es keine PCR-Testpflicht gibt, um mitfliegen zu dürfen? Daraufhin verweist sie mich auf die mexikanische Regierung, die das nicht verlangen würde. Als ich sagte, dass meine Reisegesellschaft Alltours mir aber vorab versichert hat, dass jeder einen PCR-Test für den Flug braucht, zuckt die Dame nur mit den Schultern. Also habe ich nicht nur den Test umsonst gemacht, sondern sitze auch mit einer voll besetzten Boeing über 10 Stunden lang im Flieger, wobei ich vermutlich die einzig PCR-Getestete bin. Fabelhaft.

Man fühlt sich fast sicherer als in Deutschland.

Nach dem Flug bin ich nicht krank geworden. Ich darf mich stattdessen an den warmen Temperaturen freuen und auch über eine konsequentes Covid-Management. Es hat zu diesem Zeitpunkt in Mexiko zwar alles geöffnet, während Deutschlandtief im Lockdown sitzt, aber es gibt ganz klare Regeln. Maskenpflicht herrscht fast überall, Abstandsregeln auch. Aber in Hotels wird wesentlich konsequenter darauf geachtet als an touristischen Stätten. Dort kann es schon passieren, dass man dicht gedrängt in einer Menschenschlange steht. Die Hotelangestellten hingegen (zumindest in dem Hotel, in dem ich war) tragen neben der Maske noch zusätzlich eine durchsichtige Brille für ihren Schutz. Die Koffer werden desinfiziert. An den Eingängen vor den Hotels und den touristischen Attraktionen stehen überall Temperaturmessgeräte. Bei einer erhöhten Temperatur oder Fieber leuchten die betreffenden Personen rot auf.

Unerwartete Quarantäne

Während meines Urlaubes hat die deutsche Bundesregierung Mexiko auch auf die Liste der Risikogebiete gesetzt, weswegen nun eine Quarantäne nach Reiserückkehr in Deutschland ansteht. Aber darüber mache ich mir später Gedanken. Vor Ort muss ich mich erst einmal informieren, wo ich einen Termin machen kann für einen PCR-Test beziehungsweise Antigentest vor dem Rückflug nach Deutschland. Laut der Internetseite der Bundesregierung reicht nämlich auch ein Antigentest für eine Wiedereinreise. Der Vorteil: Diese Tests sind schneller ausgewertet und werden vor Ort kostenlos von dem Hotel angeboten. Für PCR-Tests zahlt man auch in Mexiko pro Person teilweise über 100 Euro, ähnlich wie in Deutschland. Die Tests werden in einem hoteleigenen Konferenzzentrum gemacht. Das geht schnell und reibungslos. Am nächsten Tag erhalte ich das Ergebnis per E-Mail. Das Hotel druckt mir das Dokument aus, das bestätigt, das ich negativ auf Corona getestet wurde mit einem Antigentest. Dieses Dokument muss ich mehrfach am Flughafen in Mexiko vorzeigen sowie während der Zwischenlandung in Madrid. Nur in Deutschland fragt kein Mensch danach.

Ich persönlich fliege nun mit einem besseren Gefühl zurück, weil ich in einer Maschine sitze, in der jeder vorab auf Corona getestet wurde.

Ich persönlich fliege nun mit einem besseren Gefühl zurück, weil ich in einer Maschine sitze, in der jeder vorab auf Corona getestet wurde. Das sollte Standard bei allen Fluggesellschaften weltweit sein und nicht länderabhängig unterschiedlich geregelt. Der Vorteil für die Fluggesellschaften: Auch das Bordpersonal muss keine Angst haben, an Corona zu erkranken wegen kranken Passagieren an Bord. Das wäre für mich im Übrigen auch sicherer als Fluggast.

Zurück in Deutschland will allerdings kein einziger am Flughafenmein Testergebnis bei der Einreise oder andere Coronaeinreiseformulare sehen.

Zurück in Deutschland will allerdings kein einziger am Flughafen mein Testergebnis bei der Einreise oder andere Coronaeinreiseformulare, die ich habe zuvor ausfüllen müssen, sehen. Das wundert mich. Ich komme unkontrolliert in Frankfurt an, marschiere aus dem Flughafen und müsste somit nicht mal in Quarantäne, weil ich vermutlich nirgends erfasst bin. Ich gehe trotzdem vorschriftsmäßig für 5 Tage in Quarantäne und mache danach erneut einen Test. Aber gerade von Deutschland hätte ich mehr erwartet. Da waren die mexikanischen Behörden verblüffenderweise wesentlich strikter organisiert.