Aspirin gefährlicher als die Corona-Impfung?
Den Markennamen Aspirin kennt jeder und nahezu jeder wird schon eines der Acetylsalicylsäurehaltigen Medikamente, die es unter den verschiedensten Namen gibt, schon einmal eingenommen haben. Es ist ein bewährtes Medikament, einfach einzunehmen und wird von der Industrie intensiv beworben. Außerdem ist es rezeptfrei erhältlich, trotz der Marketinganstrengungen der Industrie sehr billig und hilft gegen viele Zipperlein: Man nimmt es gerne bei Kopf- und Gliederschmerzen unterschiedlichster Herkunft oder bei leichten fiebrigen Erkrankungen. Die Industrie empfiehlt es unter ärztlicher Kontrolle auch als Blutverdünner zur Vorbeugung von Herzinfarkten. Und der Wirkstoff wird zwar inzwischen in großen Mengen industriell hergestellt, kommt aber ursprünglich aus der Natur: schon früh kauten Menschen Weidenrinde gegen Schmerzen.
Beliebtes Medikament mit einer langen Liste von Nebenwirkungen
Wenn man sich allerdings die Liste der Nebenwirkungen von ASS-Medikamenten, die im Beipackzettel gelistet sind, genauer anschaut, kann einem Angst und Bange werden, dort steht:
Häufig:
- Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen.
Gelegentlich
- Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautreaktionen.
Selten
- schwerwiegende Blutungen wie z.B. Hirnblutungen, besonders bei Patienten mit nicht eingestelltem Bluthochdruck und/oder gleichzeitiger Behandlung mit blutgerinnungshemmenden Arzneimitteln (Antikoagulantien), die in Einzelfällen möglicherweise lebensbedrohlich sein können.
- Magen-Darmblutungen, die sehr selten zu einer Eisenmangelanämie führen können. Bei Auftreten von schwarzem Stuhl oder blutigem Erbrechen, Zeichen einer schweren Magenblutung, müssen Sie sofort den Arzt benachrichtigen.
- Magen-Darmgeschwüre, die sehr selten zu einem Durchbruch führen können.
- Überempfindlichkeitsreaktionen der Atemwege, des Magen-Darm-Bereichs und des Herz-Kreislauf-Systems, vor allem bei Asthmatikern. Folgende Krankheitsmerkmale können auftreten: z. B. Blutdruckabfall, Anfälle von Atemnot, Entzündungen der Nasenschleimhaut, verstopfte Nase, allergischer Schock, Schwellungen von Gesicht, Zunge und Kehlkopf (Quincke-Ödem).
- Überempfindlichkeitsreaktionen wie schwere Hautreaktionen (bis hin zu schweren fieberhaft verlaufenden Hautausschlägen mit Schleimhautbeteiligung [Erythema exsudativum multiforme]).
- Magen-Darm-Entzündungen.
Sehr selten
- Erhöhungen der Leberwerte.
Kaum jemand ist sich bewußt, was das genau bedeutet, so sehr wird dieser Medikamentengruppe vertraut. Dabei bedeutet
Sehr häufig: mehr als 1 Behandelter von 10
Häufig: 1 bis 10 Behandelte von 100
Gelegentlich: 1 bis 10 Behandelte von 1.000
Selten: 1 bis 10 Behandelte von 10.000
Sehr selten: weniger als 1 Behandelter von 10.000
Also erleiden bei längerer Einnahme von ASS-Medikamenten 1 bis 10 Behandelte von 10.000 schwerwiegende Blutungen wie zum Beispiel Hirnblutungen, Magen-Darmgeschwüre, Magen-Darm-Entzündungen oder einen allergischen Schock. Alles das sind schwerwiegende gesundheitliche Ereignisse, die eine ärztliche Behandlung unumgänglich machen und die ohne ärztliche Behandlung sogar zum Tod führen können.
Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts zu den COVID-19-Impfstoffen
Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat am 10. Juni 2021 seinen aktuellen Sicherheitsbericht zu den COVID-19-Impfstoffen vorgestellt. Der Bericht bezieht sich auf 50.541.084 Impfungen mit den bekannten Covid-19-Impfstoffen, die bis zum 31.05.2021 durchgeführt wurden. Über 50 Millionen – das ist für Statistiker eine sehr große Stichprobe, aus der sich hochsignifikante Schlüsse ziehen lassen. Laut PEI wurden rund 79.000 Meldungen über unerwünschte Reaktionen erfasst, also betrug die Melderate 1,6 pro 1.000 Impfdosen – das sind 0,16 Prozent und entspricht der Klassifizierung „Gelegentlich“. In 8.134 Verdachtsfällen wurden schwerwiegende unerwünschte Reaktionen gemeldet. „Als schwerwiegende Reaktionen gelten solche, bei denen die Personen im Krankenhaus behandelt werden oder Reaktionen, die als medizinisch bedeutsam eingeordnet wurden“. Das sind etwa 0,2 pro 1.000 Impfdosen, entsprechend 0,02 Prozent, was im Beipackzettel der Klasse „Selten“ entspricht.
Zahlen enthalten auch Verdachtsfälle von Nebenwirkungen
Die Zahlen, die das PEI veröffentlicht, sind eher vorsichtig: In diesen Zahlen enthalten sind neben anerkannten Nebenwirkungen und Komplikationen, die sich auf die Impfung kausal zurückführen lassen auch Verdachtsfälle von Nebenwirkungen enthalten, also Meldungen, bei denen noch geprüft wird, ob ein Zusammenhang zwischen Symptom und Impfung besteht.
Als schwerwiegendste Komplikationen bezeichnet das PEI diverse Thrombosen und neuerdings Myokarditis oder Perimyokarditis, das sind Entzündungen im Bereich des Herzmuskels. Über die Symptome dieser Komplikationen wird inzwischen im Vorfeld der Impfung aufgeklärt. Die Behandlung beider Krankheitsbilder ist, sofern der Patient seinen Körper beobachtet und frühzeitig einen Arzt aufsucht, sehr gut möglich – ähnlich wie die „seltenen“ Nebenwirkungen der ASS-Medikamente.
Todesfälle nach der Impfung
Gerne werden Todesfälle nach der Impfung hauptsächlich von Impfgegnern in die Diskussion geworfen. Diese Zahl ist äußerst sensibel, das PEI schreibt dazu: „Dem Paul-Ehrlich-Institut wurden 873 Todesfälle (0,0024 % der geimpften Personen) in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung bei Personen im Alter von 24 bis 102 Jahren gemeldet. Der Median des Alters betrug 81 Jahre, das mittlere Alter 77 Jahre. (…) Bei der überwiegenden Mehrzahl der verstorbenen Personen bestanden multiple Vorerkrankungen, wie z. B. Karzinome, Niereninsuffizienz, Herzerkrankungen und arteriosklerotische Veränderungen, die vermutlich todesursächlich waren. Ein jüngerer Patient verstarb (…) vermutlich an den Folgen seines Drogenkonsums“. Laut dieser Aussage war also die Hälfte der Verstorbenen 81 Jahre alt oder älter.
Eine Frage, die das PEI in diesem Bericht nicht stellt und daher auch nicht beantwortet, ist die Frage, mit wievielen Todesfällen man ohne Impfung im betrachteten Zeitraum und mit der Altersstruktur der Verstorbenen hätte rechnen müssen. Diese Zahl wäre bei einer Stichprobe von 50 Millionen Impfungen eine interessante Aussage, die der zu beobachtenden Panikmache möglicherweise die Grundlage nehmen könnte.
Unterschied zwischen persönlichem Schicksal und statistischen Daten
Es besteht selbstverständlich ein Unterschied zwischen den hier dargestellten trockenen statistischen Daten und dem Leid der von den Nebenwirkungen der Impfung betroffenen Personen. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, einen schweren Schaden davonzutragen, gering ist – für einen betroffenen Menschen und seine Angehörigen bedeutet das einen Einschnitt in ihr bisheriges Leben. Und dass eseinzelne Fälle gibt, ist bekannt.
Keine Panikmache und keine Verharmlosung
Dieser Beitrag mit seiner reißerischen Überschrift soll weder Angst vor der Einnahme von ASS-Medikamenten schüren noch soll er die vorhandenen Nebenwirkungen der COVID-19-Impfung verharmlosen. Er soll vielmehr verdeutlichen, wie leicht sich Zahlen zu Ungeheuern entwickeln können, wenn man sie aus dem Kontext gerissen interpretiert. Und man kann im „real-life“ nicht wirklich entscheiden, ob jetzt ASS oder die Impfung gefährlicher sind: Die allermeisten Menschen werden die genannten Nebenwirkungen nämlich niemals bemerken.
Der komplette Sicherheitsbericht des PEI ist 35 Seiten lang, er enthält auch Daten darüber, wie die Nebenwirkungen auf die verschiedenen Impfstoffe verteilt sind und kann hier auf den Seiten des PEI heruntergeladen werden.
Text: Matthias Lauterer