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Campus Künzelsau eröffnet Medienlabor

Professionelle Medienproduktion für Lehrangebote oder studentische Projekte? Mit dem ersten hochschuleigenen Medienlabor ist die Hochschule Heilbronn (HHN) am Campus Künzelsau dafür nun bestens ausgestattet. Das Herzstück bildet ein stationäres Filmstudio, u. a. mit hochwertiger Kamera, professionellem Licht- und Tonequipment, verschiedenen Hintergründen, einem Green Screen, Teleprompter sowie Schnittplätzen. Um auch außerhalb des Studios zu filmen oder Podcasts aufzunehmen, ist ein umfangreiches mobiles Equipment vorhanden.

Tipps von der Filmakademie

„Die letzten beiden Jahre haben gezeigt, wie wichtig eLearning und gute digitale Lehre sind“, erklärt Professor Andreas Daberkow, Beauftragter für eLearning und eAssessment (eLeA) an der HHN. „Besonders wichtig war uns, die HHN-Medienlabore professionell auszustatten. Deshalb haben wir uns Tipps von den Experten der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg geholt und unsere Mitarbeiterin Laura Abel des Teams eLeA betreut das Medienlabor vor Ort in Künzelsau.“ Finanziert werden das Künzelsauer Medienlabor sowie die an den Campus Sontheim und Schwäbisch Hall entstehenden durch Unterstützungsmaßnahmen zur Digitalisierung des Landes während der Pandemiezeit.

Ein Medienlabor für viele verschiedene Projekte

Für ein innovatives Lehrkonzept nutzen die Professoren im Studiengang Betriebswirtschaft, Marketing- und Medienmanagement den Produktionsraum bereits intensiv. Auch das erste studentische Projekt hat sich angemeldet: Von Künstlerdozent Dominik Kuhn, aka Dodokay, bekommen Studierende des Studiengangs Betriebswirtschaft und Kultur-, Freizeit-, Sportmanagement (BK) die Aufgabe, Ideen für virale Spots rund um den Campus Künzelsau und ihren Studiengang zu entwickeln, zu drehen und zu schneiden.

Mit professionellem Kamera-, Licht- und Tonequipment bleiben im stationären Medienlabor am Campus Künzelsau keine Wünsche offen. Foto: HHN

Weichenstellung für neue Konzepte und innovative Medienformate

„Für unseren Standort und unsere Fakultät freue ich mich sehr, dass wir das erste hochschuleigene Medienlabor eröffnen dürfen. So stellen wir nicht nur die Weichen für videobasierte Lehre, sondern ermöglichen außerdem neue Konzepte und innovative Medienformate“, so Professorin Anke Ostertag, Dekanin der Fakultät Technik und Wirtschaft am Campus Künzelsau.

Mit ca. 8.000 Studierenden ist die Hochschule Heilbronn eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Ihr Kompetenz-Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Technik, Wirtschaft und Informatik. An vier Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim, Künzelsau und Schwäbisch Hall bietet die Hochschule mehr als 50 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Die Hochschule pflegt enge Kooperationen mit Unternehmen aus der Region und ist dadurch in Lehre, Forschung und Praxis stark vernetzt.

Pressemitteilung Hochschule Heilbronn




Einseitig, unkritisch, regierungsnah?

In einer 63 Seiten umfassenden Studie analysierten Prof. Dr. Marcus Maurer von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, Prof. Dr. Carsten Reinemann von der Ludwig-Maximilians-Universität in München und Simon Kruschinski von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz die journalistische Berichterstattung in der Coronapandemie.

Ihr Fazit: „Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie wurden in den meisten Medien als angemessen
oder sogar als nicht weitreichend genug bewertet.“ Dass die Coronamaßnahmen zu hart seien, war unter Journalisten dagegen eher eine Minderheitenmeinung.

Die Studie hat die Qualität der Medienberichterstattung über die Covid-19-Pandemie in Deutschland zwischen dem 1. Januar 2020 und
dem 30. April 2021 in elf Leitmedien mit unterschiedlichen redaktionellen Linien, darunter sieben Online-Nachrichtenangebote (faz.net · sueddeutsche.de welt.de · bild.de · spiegel.de · focus.de und t-online.de) und vier Fernsehnachrichten-Formate (Tagesschau – ARD, heute – ZDF, RTL aktuell und ARD Extra zur Corona-Pandemie).

Politiker mehr im Fokus als Wissenschaftler, kaum vorkamen von der Infektion Betroffene oder auch so genannte Coronaskeptiker

Bei den in der Berichterstattung erwähnten Akteuren zeigt sich, so die Autoren, „eine starke Konzentration auf Politiker und
mit einigem Abstand Ärzte und Wissenschaftler, während von der Infektion Betroffene und auch so genannte Corona- Skeptiker kaum vorkamen. Unter den politischen Akteuren dominierten die Unionsparteien, während über die Oppositionsparteien kaum berichtet wurde. Unter den im weitesten Sinne wissenschaftlichen „Pandemie-Erklärern“ dominierte lange der Virologe Christian Drosten, der aber zunehmend vom SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach abgelöst wurde.

Als Leitwert dominierte das Streben nach Sicherheit über die Forderungen nach Freiheit.

Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie wurden in den meisten Medien als angemessen oder sogar als nicht weitreichend genug bewertet. Dass die Maßnahmen zu weit gingen, war in den Medien eher eine Minderheitenposition, die allerdings quantitativ durchaus
ins Gewicht fiel. Harsch und ab Oktober 2020 zunehmend harscher fielen die Urteile über die wichtigsten politischen
Akteure und ihre Kompetenzen aus, während die Wissen-schaft eher gleichbleibend positiv beurteilt wurde. Als Leitwert dominierte das Streben nach Sicherheit über die Forderungen nach Freiheit.

Nicht völlig unkritisch

Ein sehr klares Ergebnis der vorliegenden Studie ist, dass die untersuchten Nachrichtenmedien nicht völlig unkritisch insbesondere gegenüber den Regierungen in Bund und den Ländern waren. Denn Kritik war in den Medien sehr deutlich vorhanden, sowohl an den amtierenden Regierungen und ihren Repräsentanten als auch an den Corona-Maßnahmen. In dieser Hinsicht war die Berichterstattung
folglich zugleich regierungsnah und regierungskritisch. Sie war regierungsnah, weil die Medien, ähnlich wie die Politik, überwiegend für harte Maßnahmen plädierten. Sie war zugleich aber auch regierungskritisch, weil den Medien diese Maßnahmen oft gar nicht hart genug erschienen oder zu spät kamen. Schon eher orientierten sich die Medien folglich an dem, was sie als wissenschaftlichen Konsens wahr-
nahmen.

Und immer diegleichen Expert:innen: Vielfältige Berichterstattung sieht anders aus

Dass sie dabei zunächst besonders auf einige Virolog:innen Bezug nahmen, die zu den weltweit angesehensten ihres Faches zählen, spricht zwar nicht für eine vielfältige Berichterstattung, erscheint, wenn es um hochspezialisierte Kompetenzfelder geht, aber durchaus ra-
tional. Allerdings hätte die Berichterstattung durchaus auch von dem ein oder anderen Experten in anderen hochspezialisierten Wissenschaftsdisziplinen profitieren können, um den medialen Blick auf die Pandemie um andere Perspektiven auf das Geschehen zu erweitern. Dass die virologischen Experten während der zweiten und dritten Pandemiewelle schließlich zunehmend durch den SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ersetzt wurden, lässt sich dann allerdings eher nicht mit dessen virologischer Expertise erklären.

Journalisten schätzten die „harte Linie“, die Karl Lauterbach forderte

Vielmehr war Lauterbach wohl auch deshalb ein in den Medien gern zitierter Experte, weil viele Medien dessen harte Linie im Kampf gegen die Pandemie kannten und schätzten. Insgesamt nahmen die Medien gegenüber der Pandemie folglich eine eindeutig warnende Haltung ein, die man durchaus als einseitig betrachten kann. Betrachtet man diese Einseitigkeit als Problem, dann kann man dies allerdings nur aus einer Position tun, die die Pandemie als eher ungefährlich oder die Maßnahmen als eher übertrieben wahrnimmt. Stellt man dagegen in den Mittelpunkt, dass Deutschlandim Vergleich zu anderen Ländern bislang auch im Hinblick auf die Zahl von Todesfällen vergleichsweise gut durch die Pandemie kam und führt man dies nicht nur auf das gute Gesundheitssystem und die vielen Intensivbetten, sondern
auch auf die Maßnahmen zurück, dann kann man diese mediale Mitgliedschaft im „Team Vorsicht“ als Ausweis von Rationalität, Wissenschaftsorientierung und hoher Qualität der Berichterstattung betrachten. Auch hier geht es folglich wieder um die Frage, ob Medien angesichts einer für viele Menschen lebensbedrohenden Krise gemeinsam mit Wis- senschaft und Politik alles zur Lösung des Problems unternehmen sollen und dafür auch klassische Qualitätskriterien der Berichterstattung außer Kraft gesetzt oder umgedeutet werden müssen.

„Team Vorsicht“

Allerdings wird in den erhobenen Daten auch erkennbar, dass die Medien zuweilen den Blick dafür verloren haben, welche Informationen als bekannt vorausgesetzt werden können. Die geringe Beachtung, die das Corona-Virus und seine Eigenschaften sowie der Vergleich zur Influenza als solches fanden, ist dafür ein besonders eindrückliches Beispiel. Ty- pisch für die Medienberichterstattung in Krisensituationen
ist auch die mangelnde Kommunikation von Unsicherheit, die oft fehlende Einordnung statistischer Informationen und die nicht immer zum aktuellen Infektionsgeschehen passende Berichterstattungsmenge. Diese Abweichungen von Qualitätsstandards lassen sich in der Regel mit journalistischen Selektionskriterien und Darstellungsweisen erklären, die sich über Jahrzehnte eingeschliffen haben und vielen heute als unabänderlich erscheinen, z. B. der Fokus auf negative Informationen oder die Überzeugung, die Leser würden komplexe Zusammenhänge ohnehin nicht verstehen.