„Es sind massive Umwälzungen nötig“
Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann findet die neue grüne Konkurrenz nicht lustig. Es könnte seiner Partei, den Grünen, Stimmen kosten. Warum zwei Parteien, wenn eine Partei gebündelt doch viel mehr Kraft habe? Die Klimalisten-Anhänger sehen das indes etwas anders.
Seit Ende September 2020 gibt es die Klimaliste Baden-Württemberg (KlimalisteBW). Die Mitglieder möchten als Partei bereits bei den Landtagswahlen 2021 in Baden-Württemberg antreten. Bundesweit formieren sich derzeit Klimalisten, die auch untereinander in Kontakt stehen.
GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann hat mit Max Bechler (29), einem Mitglied der Klimaliste, unter anderem über seine Motivation gesprochen, darüber, was sie von den Grünen unterscheidet und über fehlende Kandidaten unter anderem im Hohenlohekreis.
„Die bisherigen parlamentarischen Kräfte tun noch nicht genug“
GSCHWÄTZ: Warum engagieren Sie sich bei der Klimaliste?
Max Bechler: Ich habe mir schon häufiger überlegt, in eine Partei einzutreten. Ich möchte mithelfen, die ganze Energie von der Straße der Fridays-for-Future-Bewegung in die Parlamente zu bringen, damit sich das auch im parlamentarischen Sinne niederschlägt. Die bisherigen parlamentarischen Kräfte tun noch nicht genug, um auf das 1,5 Grad Celsius Ziel des Pariser Klimaabkommens zu kommen.
GSCHWÄTZ: Was ist das Ziel der Klimaliste?
Max Bechler: Es wird bei uns von einer Ein-Ziel-Partei gesprochen. Das heißt, es geht bei uns nicht nur um ein Thema, sondern um viele Themen wie etwa um Gebäudesanierung über die Umwandlung des Stromsektors bis hin zu Mobilitätsthemen. Aber darüber hinaus haben wir ein übergeordnetes Ziel, nämlich das 1,5 Grad-Ziel (Anm. d. Red.: Darunter versteht man, den menschengemachten globalen Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen).
„Auch die Klimakrise sollte wie eine Krise behandelt werden“
GSCHWÄTZ: Umweltpolitik ist ein wichtiges Thema in der heutigen Zeit. Daneben bewegt aber auch die Coronakrise gerade viele Menschen. Wie steht die Klimaliste beziehungsweise wie stehen Sie dazu?
Max Bechler: Bei uns gibt es keine Verschwörungstheoretiker. Aber wir haben da noch keine grundlegende Position. Wir arbeiten nun mit Hochdruck an einem Programm für die Landtagswahlen. Wichtig ist jedem Fall, Kontakte zu reduzieren und die Risikogruppen zu schützen. Aber trotzdem muss man genau schauen, was gemacht wird und wie. Für uns gilt aber: Auch die Klimakrise sollte wie eine Krise behandelt werden.
GSCHWÄTZ: Was unterscheidet die Klimaliste von den Grünen?
Max Bechler: Dass wir dieses 1,5-Grad-Ziel wirklich verfolgen. Die Grünen hätten hier schon längere Zeit deutlichere Akzente setzen können. Aber es war auch nicht alles schlecht, was sie bislang gemacht haben. Es gibt aber eben einen Unterschied von „Wir versuchen unser Bestes“ und „Wir tun unser Bestes“. Im politischen Betrieb stößt vieles erst einmal auf Widerstände. Aber mit dem Klimaabkommen sind wir einen Vertrag eingegangen und dafür müssen wir mit aller Kraft arbeiten – gerade in Baden-Württemberg, wo die Automobilindustrie ihren Sitz hat. Ich bin da weniger ideologisch als manch andere. Aber man muss trotzdem einen Weg finden zu einer Transformation hin zu klimafreundlichen Technologien, hin dazu, klimaneutral zu werden. Niemand sagt, dass es einfach ist. Es sind massive Umwälzungen nötig. Aber von selbst passiert gar nichts.
„Wir treten an, um gewählt zu werden“
GSCHWÄTZ: Wie nah steht ihr der Fridays-for-Future-Bewegung (fff)?
Max Bechler: Viele von uns sind mindestens Sympathisanten oder sind aktiv bei fff. Es besteht auch Kontakt zu den verschiedenen Gruppen. Die meisten fff-Aktivisten möchten jedoch ihre Überparteilichkeit beibehalten. Aber es gibt natürlich hier dennoch eine hohe Schnittmenge.
GSCHWÄTZ: Was ist das Ziel der Klimaliste bei den Landtags- und Bundestagswahlen 2021?
Max Bechler: Das Ziel ist, dass wir bei der Landtagswahl antreten können, aber wir sind auf einem guten Weg dorthin. Wir treten an, um gewählt zu werden. Wir sehen großes Potenzial, dass es da ein Korrektiv zu den Grünen geben wird. Vor zehn Jahren hätte auch keiner gedacht, dass es irgendwann mal einen grünen Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg gibt. In Baden-Württemberg gibt es viel Kraft für Veränderung.
GSCHWÄTZ: Wie schaut es denn im Hohenlohekreis hinsichtlich Unterstützern aus?
Max Bechler: Hier suchen wir derzeit noch Unterstützer und geeignete Kandidaten für die Landtagswahl. Gerne kann man mit uns Kontakt aufnehmen über https://klimaliste-bw.de/kontakt.
Zur Person
Max Bechler (29) aus Karlsruhe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Forschungsinstitut für Informatik. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder im Alter von knapp vier und einem halben Jahr und ist seit zirka Mitte Oktober, also seit drei Wochen, aktives Mitglied bei der Klimaliste. Als wir die Klimaliste per E-Mail kontaktiert und um ein Gespräch gebeten haben, hat sich Max Bechler bei uns gemeldet. Er selbst ist auf die Klimaliste durch einen Artikel im Internet aufmerksam geworden. Er hat seine Kontaktdaten auf der Website von der Klimaliste hinterlassen, wurde daraufhin kontaktiert und gefragt, ob er selbst aktiv mitmachen und Mitglied werden möchte. Bechler betreibt die Arbeit für die Klimaliste ehrenamtlich und neben seinem Beruf.