1

Schutz für Risikogruppen

Professorin Jennifer Niessner von der Hochschule Heilbronn (HHN) entwickelt laut einer Pressemitteilung Corona-Schutzmasken für Hochrisikopatienten mit chronischen Lungenerkrankungen. Ob beim Einkaufen oder der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel: Alltagsmasken sind in vielen Situationen Pflicht und tatsächlich stellen sie eine vielversprechende Option sowohl zum Selbst- als auch zum Fremdschutz vor SARS-CoV-2 dar. Besonders für Risikopatienten ist es wichtig, dass der Strömungswiderstand, der sogenannte Druckverlust der Masken, klein genug ist, sodass die Atmung nicht behindert ist. Falls nicht genug zertifizierte Masken verfügbar sind, werden selbst hergestellte Alltagsmasken als Option diskutiert. Es gibt allerdings nur wenige systematische und experimentelle Studien darüber, wie diese Masken am besten herzustellen sind, um ein hohes Schutzniveau – einen sogenannten hohen Abscheidegrad – bei einem tolerablen Druckverlust und gutem Tragekomfort zu erzielen. Dies erforscht aktuell Professorin Niessner, die Expertin ist auf dem Gebiet der Filterströmung. Bisher erforschte und entwickelte sie technische Filter wie zum Beispiel Ölnebelfilter in Fertigungshallen, Lufttrocknerkartuschen in Lkw-Bremsen oder Mikroplastikfilter für Waschmaschinen.

Aerosolforschung für Schutzmasken

Das Prinzip der Aerosolfilter ist auch für Schutzmasken ähnlich: Sie bestehen alle aus faserigen Filtermaterialien, mit Fasern, die einen Durchmesser von wenigen µm haben. Der einzige Unterschied ist die Materialwahl. Bei Feinstaub- und Aerosolnebelfiltern sind häufig Glasfasern im Einsatz, die aus gesundheitlichen Gründen nicht für Masken genutzt werden können. „Wir erforschen in unserem aktuellen Projekt BioPROTECT-Mask zunächst durch Strömungssimulationen, wie Masken optimal aufgebaut sein müssen. Wir testen also, welches Filtermaterial ideal geeignet ist, um möglichst viele Tröpfchen abzuhalten. Der sogenannte Abscheidegrad soll hoch sein, dies aber bei möglichst komfortabler Atmung, denn die fällt Risikopatienten ohnehin schwer“, erklärt Niessner in der Mitteilung.

Kooperation mit einem Industrie- und drei Klink-Partnern

Die Professorin kooperiert dazu sowohl mit drei Klink-Partnern in ganz Deutschland, die klinische Tests unter kontrollierten Bedingungen durchführen werden. Außerdem arbeitet Niessner mit Junker-Filter zusammen. Das Unternehmen stellt Filter her und wird die Prototypen der Masken für die klinischen Tests nach den Maßgaben des Forscherteams fertigen. Für den Entwurf optimierter Schutzmasken testet Niessner mit ihrem Team zunächst unterschiedliche Filtermaterialien, um schließlich die optimale 3D-Geometrie der Filter zu definieren. Diese virtuell optimierten Schutzmasken werden als reale Prototypen von Junker-Filter gefertigt und ebenfalls wieder Messungen von Druckverlust und Abscheidegrad sowie klinischen Tests unterworfen.

Ein Schritt weiter

In ihrer Masken-Forschung geht Niessner sogar noch einen Schritt weiter: „Auch der Einfluss der Tragedauer und der damit einhergehenden Durchfeuchtung der Maske sowie der Einfluss von Sterilisation werden untersucht, denn die optimale Maske bietet nicht nur guten Schutz und hohen Trage-Komfort, sondern erleidet auch keine Einbußen bei häufigem Waschen mit hoher Temperatur oder sonstigen Sterilisationsmaßnahmen“, erläutert Niessner. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt knapp 500.000 Euro gefördert und läuft bis Ende 2021.

Weitere Informationen unter https://www.hs-heilbronn.de/bio-protect 

Quelle: Pressemitteilung der HHN




Alternative zu Einweg-Masken – Betreuungskräfte nähen Masken für die Geschwister-Scholl-Schule  

Mit viel Engagement und Können machten sich laut einer Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis die Betreuungskräfte der Geschwister-Scholl-Schule Künzelsau daran, alle 84 Schülerinnen und Schüler mit selbstgenähten Mund-Nasen-Bedeckungen zu versorgen. Und weil die Maskenproduktion so gut und glatt lief, konnten die fleißigen Näherinnen zusätzliche Masken für die Erich-Kästner-Schule anfertigen. 

So haben alle Schüler der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren des Hohenlohekreises ergänzend zu ihrer vom Landkreis bereitgestellten persönlichen Schutzausrüstung nun auch wiederverwendbare, waschbare Masken in fröhlichen Farben. Kinder und Jugendliche, die sich mit der Maskenpflicht etwas schwertun, haben somit eine bunt bedruckte Alternative zu den handelsüblichen Einweg-Masken, die sich sehen lassen kann und auch die Umwelt schont. So macht die Schule auch in Corona-Zeiten Spaß. 

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis




Hohenlohe: 550 Masken für Hilfsorganisationen gespendet

Das Landratsamt Hohenlohekreis erhielt in den vergangenen Wochen laut einer Pressemitteilung eine Spende von 550 Gesichtsschutzvisieren. Die Spender Fabian Köhler aus Forchtenberg und Alex Voth aus Jagsthausen haben mehrere Pakete im Wert von mehr als 1.000 Euro an die Kreisverwaltung geliefert, welche die Masken dann an Gesundheitseinrichtungen und Hilfsorganisationen im ganzen Kreis weitergegeben hat. Bei der Übergabe der letzten Pakete am Mittwoch, den 06. Mai 2020, bedankte sich Landrat Dr. Matthias Neth persönlich bei den beiden Spendern: „Es freut uns als Kreisverwaltung ganz besonders, dass uns neben vielen Firmen auch Privatpersonen in dieser Zeit unterstützen. Vielen Dank für Ihr Engagement.“

Köhler und Voth sind bereits Ende März in die Produktion von Schutzausrüstung mithilfe von 3D-Druckern eingestiegen. Die Masken werden bei der Firma Voth Production in Jagsthausen hergestellt. „Wir freuen uns, dass wir damit einen kleinen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Krise leisten können“, so Köhler in der Mitteilung. Der große Vorteil der Gesichtsschutzvisiere ist, dass sie in Verbindung mit einer Schutzmaske Mund, Nase und auch Augen – und damit alle Schleimhäute – noch effektiver schützen.

Dr. Matthias Neth, Landrat des Hohenlohekreises, Thomas Philippiak, Vorsitzender der Innovationsregion Hohenlohe, und Dr. Werner Reinosch, Ärztlicher Direktor der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, hatten sich Mitte März in einem gemeinsamen Brief an Unternehmen und Privatpersonen gewandt und um Unterstützung auf der Suche nach Schutzausrüstung gebeten. Der gemeinsame Spendenaufruf für die Gesundheitseinrichtungen im Kreis war nötig geworden, weil sich durch steigende Fallzahlen ein Engpass an Schutzausrüstung abgezeichnet hatte.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis

 

 




Derzeit Mundschutz völlig überteuert – Selbstlose Hilfe in Krautheim – Näherinnen gesucht

„Es ist eine Unverschämtheit von Händlern, die mit Angst Geld verdienen wollen“, regt sich Manuel Landwehr auf. Er betreibt in Krautheim die Firma Landwehr 3D und fertigt seit rund fünf Wochen sozusagen im Stillen sogenannte Face-Shields an. Die verteilt er dann an Ärzte, Krankenhäuser und andere Einrichtungen, die so etwas benötigen – ehrenamtlich. Erst als er an einer Tankstelle sieht, dass der Betreiber einen Mundschutz für 3,99 Euro pro Stück oder 6,99 Euro für zwei Stück verkauft, beschließt er, sein Engagement öffentlich zu machen. Denn der Einkaufspreis für ein solches Produkt liege hier bei unter drei Euro für 50 Stück.

„70 bis 100 Face-Shields stellen wir pro Tag her“

Landwehr druckt die Halterungen der Face-Shields mit seinen 3D-Druckern. Die Folie, die dann noch angebracht werden muss, kauft er zu. „Das ist mittlerweile auch nicht mehr so einfach“, sagt Marco Sturm, einer der Mitstreiter Landwehrs. „Es gibt kaum noch Folie, außerdem haben sich die Preise verdoppelt und verdreifacht.“ Tag und Nacht laufen nun die sieben Drucker im Keller von Landwehrs Haus, 45 Minuten bis zu einer Stunde dauert es, dann spuckt eine der Maschinen eine fertige Halterung aus Plastik aus. „70 bis 100 Stück können wir so pro Tag herstellen“, erklärt der Krautheimer. Herkömmliche Face-Shields sind noch zusätzlich mit Gummi unterlegt, doch darauf verzichtet er: „Ohne Gummi kann man die Face-Shields desinfizieren und so mehrmals verwenden“.

Gesucht werden Menschen, die nähen können

Vor kurzem gründete der 46-Jährige die Facebookgruppe „Hohenlohe vs. Corona“. Er sucht so vor allem Menschen, die nähen können, mit dem Ziel, zusätzlich Nase-Mund-Abdeckungen für bedürftige Menschen anzubieten – ebenfalls kostenlos. Mundschutz dürfe man dazu nicht sagen, weil die medizinisch keinerlei Schutz bieten würden, aber eine Tröpfcheninfektion abhielten. „Ich brauche vor allem Unterstützung von Menschen, die bereit sind zu nähen oder Nachbarschaftshilfe anbieten wollen“, sagt der zweifache Vater. Jede Hilfe sei willkommen. Ebenso versucht er, so in Kontakt zu kommen mit Menschen, die diese Art von Hilfe brauchen.

Stoffe aus Baumwolle

Zehn Mitstreiter hat Landwehr mittlerweile gefunden, darunter ein Näher. Der sitzt in Sinsheim und schickt seine fertigen Masken per Paketdienst nach Krautheim. „Der hat auch den Stoff gespendet“, sagt Landwehr. Der Stoff müsse zu 90 Grad waschbar und sollte deshalb am besten aus Baumwolle sein.

Ein Anschreiben soll auf das Angebot aufmerksam machen

Ein großes Problem sei, Kontakt zu den Abnehmern zu bekommen. Viele Einrichtungen und auch ältere Menschen seien nicht in den Sozialen Netzwerken präsent, bekommen so gar nichts mit von Landwehrs Angebot. „Also telefonieren wir die sozialen Ämter ab, suchen uns die Nummern von Arztpraxen aus dem Telefonbuch und rufen dort an“, sagt Landwehr. Zuerst seien die Reaktionen zurückhaltend gewesen – viele hätten Angst vor Abmahnungen. „Mittlerweile gibt es nur positive Reaktionen“, so der gelernte ITler. Zurzeit planen er und Sturm ein Anschreiben, das sie in den Arztpraxen hinterlegen können, um so auf ihr Angebot aufmerksam zu machen. „Die Mitarbeiter in den Praxen arbeiten bis zum Anschlag und haben keine fünf Minuten, um uns zuzuhören“, erklärt er. „Ein Schreiben könnten sie in Ruhe lesen und sich dann melden, falls sie etwas brauchen.“

„In der Summe kommt da schon einiges zusammen.“

Inzwischen wurden über 3.000 Face-Shields und über 1.000 Savegrabber – gedruckte Teile, um Türklingen oder Lichtschalter nicht anfassen zu müssen – verteilt. Sie gingen unter anderem an diese Bad Mergentheimer Einrichtungen: die Hausarztpraxis Dres. Köber-Zahn-Knödler, die Lungenfacharztpraxis Dres. Heller-Schöne sowie das Caritas Krankenhaus. „Rund 1,30 Euro kostet die Herstellung eines Face-Shields“, sagt er. „Das ist pro Stück nicht viel, in der Summe kommt da aber schon einiges zusammen.“ Momentan finanziert Landwehr das Ganze aus seiner privaten Tasche und aus Spenden. „Erst vor kurzem hat uns ein Privatmann eine größere Summe gespendet“, erzählt er. Rund 40 Stunden pro Woche wendet er für sein Projekt auf – nebenbei fertigt er im Hauptberuf noch 3D-Drucker sowie Zubehörteile dafür. Aber er und seine Frau seien schon immer sozial engagiert gewesen.

Nachbarschaftshilfe soll auch nach Corona weitergehen

„Wir suchen noch ganz viele Menschen, die nähen können“, sagt Landwehr. Ebenso möchte er die Nachbarschaftshilfe ausbauen, um so bedürftigen Menschen die Möglichkeit zu geben, Hilfe zu bekommen – beim Einkaufen, Hund rausbringen oder sonstiges. „Das soll auch nach Corona bestehen bleiben“, plant der umtriebige Mann. Willkommen sind ihm aber auch Spenden von Firmen in Form von Stoff oder Gummibändern. Und wer will, kann sich mit einer Geldspende finanziell beteiligen. Ein Spendenkonto wird zurzeit eingerichtet.

Kontakt

Kontaktmöglichkeiten zu „Hohenlohe vs. Corona“ gibt es über Facebook unter www.facebook.com/groups/569095053960389/, auf der Homepage http://www.hohenlohe-hilft.de, per E-Mail info@hohenlohe-hilft.de, unter Telefon 06294/222 00 26 (auch Anrufbeantworter) oder per Fax 06294/222 00 27.

 

Die Halterungen der Face-Shields werden am 3D-Drucker gedruckt. Foto: GSCHWÄTZ

 

Die sieben 3D-Drucker arbeiten Tag und Nacht. Foto: GSCHWÄTZ