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Taylor Swift schnappt sich die Krone, Margot Robbie triumphiert auf andere Weise

Der wohl bekannteste und begehrteste Musikpreis wurde gestern Abend verlieren: die Grammys. Ausnahmekünstlerinnen wie Taylor Swift, Billie Eilish und Miley Cyrus erhielten den begehrten Award. Taylor Swift geht dabei in die Geschichte ein, denn sie bekommt den Preis zum vierten Mal in der Kategorie „bestes Album“ und überholt damit unter anderem Frank Sinatra.

Frauen in der Überzahl

An diesem Abend dominieren Frauen bei den Preisträgerinnen. Und das völlig zu Recht. Nicht etwa, weil sie Frauen sind und daher der Gleichberechtigung wegen mehr Preise bekommen sollten, sondern weil sie in dem vergangenen Jahr schlichtweg mehr musikalisch gerockt haben als ihre männlichen Kollegen. Dass eine derartige Frauen-Übermacht bei den Preisträgerinnen nicht selbstverständlich ist, merkt man in der Vorabberichterstattung zahlreicher Medien darüber und an einem Zitat des Moderators Trevor Noas, der die Gala mit einer Hommage an die vielen weiblichen Nominierten eröffnet hatte: „Können wir für eine Sekunde die Tatsache genießen, dass Frauen dieses Jahr die Musik dominiert haben?“, sagte der südafrikanische Komiker. „Sieben der Nominierten für das Album des Jahres sind Frauen.“

Taylor Swift bei den Grammys am 04. Fabruar 2024.

Der große Aufreger steht jetzt schon fest

Doch was das eigentlich von Natur aus eher männliche geprägte und dominierte Musikbusiness schafft, kann die Filmindustrie offenbar noch nicht. In einem Monat werde die Oskars verliehen und bereits jetzt steht – wie bei den Golden Globes- der große Aufreger schon fest. Denn der von den Massen gefeierte Kinohit Barbie geht zwar mit neun Nominierungen ins Rennen. Allerdings in den wichtigsten Kategorien: weibliche Hauptrolle und Regie steht er erst gar nicht auf der Liste. Fans und auch Schauspielkollegen haben sich öffentlich empört geäußert und dabei unter anderem Anti-Feminismus vorgeworfen. Denn immerhin: Die männliche Nebenrolle steht auf der Liste der Nominierten. Hauptdarstellerin und Mitproduzentin Margot Robbie sagte zu ihrer Nicht-Nominierung lediglich:

„Natürlich denke ich, dass Greta [Gerwig] als Regisseurin hätte nominiert werden sollen, denn das, was sie geschafft hat, ist eine einmalige Sache in ihrer Karriere, eine einmalige Sache in ihrem Leben, die sie wirklich gemeistert hat. Aber es war ein unglaubliches Jahr für alle Filme.“

Statt sich auf die fehlenden Nominierungen zu versteifen, hebt Robbie die zahlreichen Errungenschaften hervor, die sie mit „Barbie“ erreicht hat. Darin zeigt sich ihre Klasse. Der Film habe sich von den beengenden Grenzen des Mediums befreit und sich zu einem kulturellen Phänomen entwickelt, eines, das „größer ist als dieser Film, größer als unsere Filmindustrie“, so die 33-Jährige.

„Wir hatten uns vorgenommen, etwas zu kreieren, das die Kultur verändert, sie beeinflusst – einfach etwas bewirkt. Und das haben wir bereits geschafft und noch viel mehr, als wir es uns jemals hätten erträumen können. Und das ist wirklich die größte Belohnung, die aus all dem entstehen konnte.“

Und tatsächlich hat Barbie nicht nur ein Rekordeinspielergebnis von 1,7 Milliarden Dollar eingefahren, sondern als die Gesellschafts-Satire der Neuzeit den Nagel auf den Kopf getroffen bei vielen Geschlechter-Themen wie etwa alten, aber noch immer existierenden Rollenbildern. Das hat Regisseurin Greta Gerwig nicht mit dem erhobenen Zeigefinger geschafft, sondern mit einem lachenden Augenzwinkern, indem sie die Gesellschaft in Barbie so gezeigt hat, wie sie eigentlich hätte sein müssen. Solche Themen sind nicht populär in der seit Jahrzehnten mehr männliche geprägten Film-, Regie- und Produktionsszene. Bei den Massen ging der Film durch die Decke und allein daran sieht man, dass Hollywood bislang eben doch nicht alle gesellschaftlichen Themen gleichermaßen abgebildet hat. Aber hier scheint sich dank mutiger Regisseurinnen und Produzentinnen langsam etwas zu ändern.