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„Ich hab’s voll vergessen“

Fast ein Jahr hat es gedauert, bis die Stadtverwaltung Künzelsau ihr Versprechen wahrmachen konnte und die Siegerbilder des Malwettbewerbs „Familien und Kinder stark für den Naherholungsraum“ zum Thema Müll an prominenten Stellen im Künzelsauer Wald aufstellte. Die gerade laufende Europäische Nachhaltigkeitswoche sei nun aber ein guter Anlass, die Bilder aufzustellen, sagte Bürgermeister Stefan Neumann, der sich bei allen Beteiligten bedankte. Einen ganz besonderen Dank sprach er an die beiden Paten der Aktion, Maria Würth und Jan Philippiak, aus, die auch als Jury fungiert hatten.

Kinder konnten sich schon gar nicht mehr erinnern

Kein Wunder, dass sich Lesander (5), der mit seiner Kindergartengruppe vom Taläcker Kindergarten 1 eines der Siegerbilder gestaltet hatte, gar nicht mehr erinnern kann: „Ich hab’s voll vergessen“. Erst als seine Eltern ihm das Thema nochmals beschreiben, kommt die Erinnerung zurück, aber das sei ja auch „echt schwierig zu merken“, schüttelt er trotzdem den Kopf.

Kleine Zeremonie am Waldkindergarten

Am Freitag, den 24. September war es nun soweit und Bürgermeister Stefan Neumann konnte anlässlich einer kleinen Feier am Waldkindergarten „Die kleinen Molche“ mit den beiden Paten Maria Würth und Jan Philippiak endlich die fünf Bilder feierlich enthüllen. Am Waldkindergarten war auch das erste Bild bereits aufgestellt und wartete auf die Enthüllung. Leo, der das Bild gemalt hat, wirkte ein wenig schüchtern, als er plötzlich ganz allein unter fremden Erwachsenen in den Mittelpunkt der Veranstaltung rückte.

Zeichen gegen den Müll an fünf Waldeingängen

Die weiteren vier  Bilder werden in den nächsten Tagen an markanten Waldeingängen aufgestellt, um die Bürger an die Wichtigkeit des Waldes zu erinnern und sie dazu anzuhalten, keinen Müll im Wald abzuladen.

Müllvermeidung als Erziehungsziel

Müllvermeidung soll auch in das Konzept der städtischen Kindergärten aufgenommen werden. Der zerlumpte „Müllvogel“, den Charlotte Carle entworfen und hergestellt hat, wird den Kindern dieses Thema nahebringen.

Waldkindergarten wird bald eine zweite Gruppe bekommen

Neben den Kindern und ihren Eltern waren auch einige Gemeinderäte gekommen – auch um sich über den Waldkindergarten zu informieren. Der neu aufgestellte Bauwagen, der zukünftig die Basisstation für eine weitere Gruppe werden soll, war dabei von besonderem Interesse.

Text: Matthias Lauterer

 

#Künzelsau #EuropäischeNachhaltigkeitswoche #NimmdeinenMüllmitnachHause

Bürgermeister Stefan Neumann (links), der Künstler Leo und Jan Philippiak enthüllen das erste Siegerbild feierlich. Foto: GSCHWÄTZ

Die Jury des Wettbewerbs: Maria Würth und Jan Philippiak. Foto: GSCHWÄTZ

Mahnendes Schild am Waldkindergarten. Foto: GSCHWÄTZ

Vorbereitet: die übrigen Siegerbilder. Foto: GSCHWÄTZ

Der Bauwagen wird bald eine weitere Gruppe des Waldkindergartens beherbergen. Foto: GSCHWÄTZ




„Kinder haben oft eine andere Sicht, meist ehrlicher oder auch direkter“

„Familien und Kinder stark für den Naherholungsraum“, ist das Motto des Malwettbewerbs in Künzelsau zum Thema „wilder Müll“. Kinder und Jugendliche konnten zu diesem Thema ihre Kunstwerke einreichen und haben dafür eine Kugel Eis als Geschenk bekommen. Die besten fünf Bilder suchte nun eine prominente zweiköpfige Jury am Mittwoch, den 28. Oktober 2020, aus. Die prämierten Bilder möchte die Stadt Künzelsau demnächst an Plätzen, bei denen oft Müll liegt, aufstellen. 

Motto: Familien und Kinder stark für den Naherholungsraum

„Der Betrachter soll es eindrücklich sehen, es soll wie ein Appell sein“, sagt Jurymitglied Jan Philippiak. 55 Einsendungen von Kindern aus unterschiedlichsten Altersklassen, darunter auch Kindergartengruppen, wurden eingereicht, aber nur fünf Bilder können gewinnen. Die Bilder liegen im Rathaus aus. „Gehören wir hier wirklich hin?“ und „Wir müssen in den Müll“ sind die Aufrufe der Kinder auf ihren Bildern.

„Kinder sehen das Problem eher als Erwachsene“

In der Jury vertreten sind Maria Würth (29) und Jan Philippiak (36), Enkel von prominenten Firmengründern und Ehrenbürgern im Hohenlohekreis. Man habe nach Botschaftern gesucht, die sich mit dem Thema befassen und auch Erfahrungen haben, wie zum Beispiel Maria Würth, die Kunsthistorikerin ist oder Jan Philippiak, der sehr sportlich ist und deshalb viel Zeit im Wald verbringt, erklärt Elke Sturm, Pressesprecherin der Stadt Künzelsau. Für beide ist das Thema sehr wichtig. Besonders in Verbindung mit dem Wettbewerb, wie Maria Würth erklärt. „Kinder haben oft eine andere Sicht, meist ehrlicher oder auch direkter. Sie sehen das Problem eher als Erwachsene, wenn zum Beispiel eine Plastikflasche im Wald liegt.“ Jan Philippiak sieht das ähnlich. Er meint, eine Botschaft wie diese sei viel eindringlicher, wenn sie von Kindern stammt, sich Gedanken gemacht und sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

Gelebter Umweltschutz in Familie und Firma

Auch privat achten Jan Philippiak und Maria Würth auf die Umwelt, wie sie erzählen. Jan Philippiak versucht, seinen Kindern das Thema Abfallvermeidung so früh wie möglich nahezubringen und lässt es in die Erziehung mit einfließen. Er hat auch zu Hause bei sich angefangen, auf die PET-Flaschen zu verzichten und meint, aus dem Hahn könne man auch Wasser trinken: „Wir haben das Glück, dass es trinkbar und sauber ist.“ Maria Würth spricht von ihrer Doppelrolle, denn sie achtet nicht nur im Privatleben auf die Umwelt, sondern auch in der Firma. Das Nachhaltigkeitsteam ist im Würth-Konzern hierfür zuständig und arbeitet zum Beispiel an umweltfreundlicheren Verpackungen.

„Das hat schon so einen Bääm“

Die 55 Bilder lagen im Rathaus aus und nach einer kurzen Einweisung begutachtet die Jury die Bilder und Collagen. Es fallen Sätze wie „das ist etwas ganz Besonderes“ oder „das ist sehr schön mit der Farbe“ und „das Bild erzählt eine schöne Geschichte.“ Jan Philippiak erkennt auf einem Bild den Waldsportweg in Künzelsau. Auch Maria Würth ist begeistert von den Bildern. „Ein Werk aus dem Waldkindergarten Taläcker muss definitiv vertreten sein“, meint sie, denn die KInder aus dem Waldkindergarten haben besonders kreative Werke eingereicht,  Collagen, die bunt beklebt waren mit Rinde, Blättern und Müll aus dem Wald und mit gut erkennbarer Botschaft. Die Jury ist sich einig, dass auf jeden Fall eine Collage zu einem Schild werden soll, oder mit Jan Philippiaks Worten: „Das hat schon so einen Bääm.“

„Können Sie nicht mehr Schilder drucken als fünf?“

Am Ende haben sich die beiden Jurymitglieder eine „Vorauswahl“ zurechtgelegt, aber leichter ist es dadurch nicht geworden. „Es ist wirklich schwierig“, sagt Maria Würth, „können Sie nicht mehr Schilder drucken als fünf?“ Letztendlich hat es die Jury geschafft, fünf Bilder herauszusuchen. Die glücklichen Gewinner bekommen in der nächsten Zeit Bescheid und ihre Bilder werden dafür verwendet, eine tolle Botschaft auf den Waldwegen zu hinterlassen, um die Menschen darauf aufmerksam zu machen,  ihren Müll nicht in die Natur zu schmeißen.

Text: Cora-Lee Pusker

Die Siegerbilder:

Sieger beim Malwettbewerb „Wilder Müll“
Foto: Gschwätz

Sieger beim Malwettbewerb „Wilder Müll“
Foto: Gschwätz

Sieger beim Malwettbewerb „Wilder Müll“
Foto: Gschwätz

Sieger beim Malwettbewerb „Wilder Müll“
Foto: Gschwätz

Sieger beim Malwettbewerb „Wilder Müll“
Foto: Gschwätz

55 Bilder liegen für die Jury bereit.
Foto: GSCHWÄTZ

Die Jury, Jan Philippiak und Maria Würth, diskutiert.
Foto:GSCHWÄTZ

Die Jury, Jan Philippiak und Maria Würth, diskutiert.
Foto:GSCHWÄTZ

Jan Philippiak und Maria Würth begutachten die Bilder.
Foto: GSCHWÄTZ