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„Es scheint fast so, als ob wir noch immer im Mittelalter verhaftet wären, in welchem es nur darum geht, die Hexe brennen zu sehen“ – Christina Block und das Prinzip „Monster-Mutter“

Christina Block – Warum Mütter medial und gerichtlich in Deutschland nicht selten den Kürzeren ziehen: Ihr Exmann behält nach der Trennung die Kinder in Dänemark, obwohl sie das alleinige Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht hat. Niemand greift ein. Irgendwann entscheidet das Gericht in Hamburg, dass die Kinder nun eben in Dänemark verwurzelt seien. Eine verzweifelte Mutter sucht nach Wegen, um wieder Kontakt zu ihren inzwischen völlig entfremdeten Kindern aufzubauen.

Eine kleine Lehrkunde in Psychologie und Patriarchat

Doch medial wird die Unternehmerin überwiegend nur als Täterin dargestellt. Kein Verständnis für das Mutter-Sein, kein Verständnis für die Entfremdung, keine Empathie. Wenn die vierfache Mutter im Gerichtssaal weint, verdreht die deutsche Öffentlichkeit scheinbar genervt die Augen, denn Emotionen im Gerichtssaal zu zeigen, das wird oft noch als Schwäche gewertet. Es geht hier eben nicht nur um eine vermeintliche Entführung, die einfach zu erzählen ist, weil es doch klar ist, wer hier die Teufelin und wer der good daddy ist. Es geht hier um noch so viel mehr, um den Entzug der Mutter von heute auf morgen über Jahre, um Manipulation, Machtmissbrauch und Kindeswohlgefährdung, die eigentlich keine Gefährdung mehr ist, sondern Missbrauch in seiner reinsten Form – die gezielte Isolation von Kindern von einem Teil der Familie in einem anderen Land und eine massive Manipulation der Vergangenheit gegen einen Elternteil, der vermeintlich „böse“ ist und der völlige Kontaktabbruch das scheinbar adäquate Mittel. Isolation und Abschottung. Warum aber will das die mediale Außenwelt nicht auch diese Seite sehen und näher beleuchten? Die Antwort ist ganz einfach. Eine kleine Lehrkunde in Psychologie und Patriarchat.

Zu Beginn dieses Artikels möchten wir betonen, dass wir generell jede Form von Gewalt an Kindern ablehnen,  jede Form von Missbrauch und Kindeswohlgefährdung – emotionaler und körperlicher Natur. 

Der derzeit vor dem Hamburger Gericht verhandelte Fall von Christina Block, einer prominenten Mutter, die ihre Kinder „entführt“ haben soll, wird medial deutschlandweit verfolgt. Fast täglich kommen neue Presseberichte direkt aus dem Gerichtssaal. Das Medieninteresse ist groß. Die BILD schreibt ebenso darüber wie die Süddeutsche Zeitung, aber auch diverse Online-Medien. Eine Mutter soll ihre eigenen Kinder entführt haben. Ein Skandal. Und eine Story, die leicht eingängig ist und sich gut vermarkten lässt. Das Problem dabei ist nur: Hier findet eine Verkehrung der Umstände um 180 Grad statt und niemanden scheint das zu interessieren.

Was ist passiert?

2014 trennt sich die Millionen schwere Steakhouse-Erbin Christina Block von ihrem damaligen Ehemann Stephen Hensel. Die Scheidung folgte vier Jahre später Nachdem Hensel erst wie Block weiterhin in Hamburg gewohnt hatte, zog er 2019 mit seiner neuen Familie ins dänische Gråsten. Als die älteste 15-jährige Tochter im Sommer 2021 beschloss, zu ihrem Vater zu ziehen, eskalierte der Streit. Beim Hamburger Jugendamt erhob Hensel Vorwürfe gegenüber Block. Er sprach von „Klapsen auf den Hinterkopf“. Seine Ex-Frau bestritt diese Anschuldigungen.

Als Hensel seine beiden jüngsten Kinder im August wie üblich für ein Besuchswochenende abgeholt hatte, kehrten sie danach nicht zu ihrer Mutter zurück. Hensel schrieb Block stattdessen eine E-Mail, in der er ankündigte, das Jugendamt zu kontaktieren. Die jüngste Tochter habe „Angst vor deinem Verhalten“, und das Verhalten gegenüber dem Sohn sei „kindeswohlgefährdend“.

Wenn Behauptungen des Vaters ausreichen, die Kinder jahrelang vor der Mutter komplett zu verstecken

Das Amtsgericht Hamburg sprach ihm im September 2021 vorläufig das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht für seine beiden Kinder zu. Die Mutter legte Beschwerde ein, doch vor Gericht erneuerten die Kinder die Vorwürfe. Beide beteuerten, nicht zurück zu ihrer Mutter zu wollen. Im Oktober 2021 entschied das Gericht jedoch, dass Hensel die Kinder an die Mutter „herauszugeben“ hat. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht wurde vorläufig der Mutter übertragen. Später sollte in einem Hauptverfahren geklärt werden, wo die Kinder leben sollen.

Hensel kam der Aufforderung des Gerichts aber nicht nach. Es folgten zahlreiche Verfahren in Dänemark, doch der Hamburger Beschluss wurde nicht vollstreckt. Block zeigte ihren Ex-Mann dann wegen Kindesentziehung an. Das Amtsgericht lehnte zunächst die Eröffnung eines Hauptverfahrens ab, jetzt muss das Landgericht darüber entscheiden. Im November 2022 soll Block eine Sicherheitsfirma angeheuert haben, die bei der „Rückführung der Kinder“ helfen sollten, wie der Spiegel vom damaligen Geschäftsführer erfuhr. Der Plan scheiterte jedoch.

Zahlreiche Traumata

Nun gibt es aktuell einen medienwirksamen Gerichtsprozess, in welchem Block vor Gericht steht, ob sie in der Silvesternacht 2023/2024 einen weiteren Rückholversuch unternommen hat beziehungsweise diesen beauftragt hat. Nach Angaben der dänischen Polizei griffen Unbekannte Hensel in Süddänemark an und nahmen den zehnjährigen Jungen und das 13-jährige Mädchen in zwei Autos mit. Block ist unter anderem wegen Kindeswohlgefährdung angeklagt.

Auffällig ist, wie unterschiedlich hier die Behörden, die Polizei, die Staatsanwaltschaft und die Gerichte in ähnlich gelagerten Situationen handeln. Als die gemeinsamen Kinder von Hensel einbehalten werden nach einem Wochenendaufenthalt in Dänemark, geschieht nichts. Als die Kinder nach Jahren für zwei Tage bei Christina Block in Hamburg sind, werden sie von zahlreichen Polizisten kurze Zeit später wieder zurück nach Dänemark gebracht. Sprechen wir hier von Justizversagen oder mysogenem Verhalten? Werden Väter hier mehr unterstützt als Mütter? Oder steht die vermeintlich gewaltsame Entführung der Kinder in der Silvesternacht über allem? Tragen hier nicht zumindest beide Eltern Schuld an den zahlreichen Traumata der Kinder?

Kontaktabbruch, Abwendung, ein Leben in völlige Isolation – soll das normal sein?

Die Kinder verlieren in den Jahren in Dänemark völlig den Kontakt zu ihrer Heimat, ihren Freunden, ihrer Familie. Auch das ist eine massive Form von Kindeswohlgefährdung, auch wenn die Kinder diesen schleichenden Prozess und die massive Manipulation zur Schaffung eines Feindbildes, die Mutter, nicht als solches bewusst wahrnehmen.

Christina Block sieht eben nicht, wie ihr Exmann, alle zwei Wochen ihre Kinder, was das mindeste an Kontakt wäre. Doch auch hier scheint sie gerichtlich keinerlei Rückendeckung zu bekommen, wohingegen Väter oft einen sofortigen sehr starken gerichtlichen Rückhalt bekommen, wenn sie ihre Kinder keinen regelmäßigen Umgang nach einer Trennung haben. Der deutschlandweit aktive Netzwerk Väternotruf scheint hier stark vernetzt in alle Gerichte zu sein, wie deren Homepage zeigt, auf welcher alle möglichen Richter in den einzelnen Gerichten namentlich genannt werden.

Entfremdung von einem Elternteil – noch immer können viele Außenstehende nicht glauben, dass so etwas möglich ist und auch von manchen Elternteilen bewusst und leider sehr erfolgreich praktiziert wird nach einer Trennung, so gibt es zahlreiche Betroffene in Deutschland

Die Kinder entfremden sich immer mehr von allem und leben in ihrer eigenen Welt in Dänemark. Sie bekommen Angst vor der Mutter, möchten nicht mehr zurück, sie auch gar nicht mehr besuchen. Werden sie näher gefragt, was o schlimm an ihrer Mutter ist, sprechen sie selbst etwa davon dass sie streng sei, was die Hausaufgaben betreffe. Also nichts wirklich gravierendes, aber natürlich nervig, wenn man die Wahl hat zwischen einem Elternteil, der in dieser Hinsicht vielleiht etwas lockerer ist, als der andere Elternteil. Insbesondere Jugendliche im Teenageralter bevorzugen hier oftmals den eher „lockeren“ Elternteil. aber auch die Vergangenheit kann man in den Köpfen von Kindern – aber auch Erwachsenen ändern. Wenn Eltern etwa auch ihren erwachsenen Kindern immer wieder davon erzählen, wie viel sie mit ihnen in ihrer Kindheit gespielt haben – nehmen die Kinder das oftmals als gegeben war, weil sie sich gar nicht mehr daran erinnern können und/oder auch erst einmal blindes Urvertrauen in die Geschichten der Eltern haben.

Psychologisch nennt man das „false memory“

Psychologisch nennt man das „false memory“. Man kann false memory eindeutig belegen beziehungsweise widerlegen. Doch leider fehlt es häufig in dementsprechenden Familienrechtsverfahren an psychologischen Expert:innen. False memory macht sich vor allem dadurch bemerkbar, dass pauschale Dinge gesagt werden, ohne näher ins Detail zu gehen. Es handelt sich dabei um falsche Erinnerungen, die Menschen subtil immer wieder gesagt bekommen, bis sie sie als ihre eigenen Erinnerungen verinnerlicht haben. Detailwissen dazu gibt es nicht, weil es sich um künstlich produzierte Erinnerungen handelt.  Bei Christina Block, ohne dass wir die Familie kennen, ist auffällig, dass es zu äußerst vagen, allgemeinen Äußerungen und Andeutungen kommt, dass die Kinder Angst hätten, ihre Mutter würde sie schlagen. Der Vater hat einmal wohl gesagt, dass es „Klapse auf den Hinterkopf“ gegeben habe. Konkrete, detailliert Schilderungen von bestimmten Situationen von Übergriffen bleiben aus. Ob der Vater jemals Gewalt angewendet wird, wird gar nicht erst gefragt. Block selbst bestreitet die Gewaltanwendung. Ob dadurch eine völlige Isolation der Kindern von der alten Heimat, Familie und Freunden gerechtfertigt ist, darf zumindest  bezweifelt werden.

Wie man falsche Erinnerungen erkennen kann

Wenn Kinder traumatische Dinge erleben, bleiben sie oft ihr Leben lang mit allen Details im Gedächtnis und können immer wieder gleichermaßen im Detail reproduziert werden, sogar mit dem Wortlaut der beteiligten Personen zur damaligen Zeit. Werden Sachen erfunden, fehlt es an Detailgenauigkeit und es werden schwammige Formulierungen verwendet.

Wenn Kinder auf einmal anscheinend eine unerklärliche Angst vor einem anderen Elternteil entwickeln, in einer Zeit, in welcher sie nur mit dem anderen Elternteil regelrecht abgeschottet leben, ist das – gelinde gesagt – zumindest auffällig. Wenn man als Elternteil seinen Teenager-Kindern einen Alarmknopf um den Hals hängt, wie es Stephan Hensel getan hat, ist das in erster Linie verstörend für die Kinder und sie denken: „Mein Elternteil macht das zu meinem Schutz. Die Alternative wäre ja auch schlimm. Die Alternative wäre: Mein Elternteil macht das, weil psychische krank ist und und uns von unserer Mutter entfremden möchte.“ In der Regel nehmen betroffene Kinder lieber die „Wahrheit“ an, dass der Elternteil gefährlich und/oder krank ist, bei welchem sie nicht leben und nicht bei welchem sie leben.

Niemand hinterfragt das teilweise skurrile Verhalten des Vaters

Aber auch hier: Dieses absurde Vaterverhalten mit dem Alarmknopf um den Hals von Teenagern wird medial und auch gerichtlich nicht hinterfragt, auch nicht das seiner neuen Frau Astrid, die die Kinder angeblich immer aufgefordert hat, sich immer direkt zu duschen und umzuziehen, sobald sie aus Hamburg von ihrer Mutter nach Dänemark an den Wochenenden zu Besuch kamen. Das Verhalten der Mutter wird hingegen bis in Tagebucheinträge hinein zerpflückt.

Klar ist in jedem Fall: Es gab bis heute keine wirkliche Erklärung für eine völlige Isolierung der Kinder vor Christina Block. Sie ist sicher keine Monster-Mutter, auch wenn sie gerne so dargestellt wird, weil es die Geschichte eben vereinfacht. Weil man sich nicht vorstellen kann und möchte, dass es Menschen gibt, die Kinder als Machtmittel einsetzen, als Trophäen einbehalten, vollkommen isolieren – nicht weil sie sie lieben, sondern um den anderen Elternteil nach einer Trennung damit zu quälen. Dann ist der Gedankengang bequemer, der Mutter die ganze Schuld in die Schuhe zu schieben und zu sagen, wie furchtbar diese ganz bestimmt zu ihren Kindern war.

Entfremdung hält oft ein Leben lang an – wenn ein Elternteil, der nichts Schlimmes getan hat, aus dem Leben verbannt wird

Entfremdung kennen viele Außenstehende nicht und halten eine Entfremdung der Kinder von einem Elternteil auch häufig daher auch für unrealistisch. Aber es gibt zahlreiche Fälle in Deutschland in Familienrechtsverfahren, in welchen Väter und Mütter berichten, wie sie von ihren Kindern entfremdet werden, isoliert werden, jäufig durch subtile Beeinflussung, so dass mittelfristig ein stark negativ konnotiertes Bild des anderen Elternteils geschaffen wird aufgrund von eigentlich banalen Begebenheiten. Am Ende steht häufig ein völliger Kontaktabbruch mit einem Elternteil und der Familie des Elternteils, der über Jahre, wenn nicht sogar ein Leben lang andauert, bis der manipulative Elternteil, der bewusst entfremdet hat, stirbt.

Was viele Außenstehende auch immer wieder vergessen: Oft neigen Kinder eher zum Täterschutz als zum Opferschutz. Kinder stehen oft solidarisch hinter dem vermeintlich schwächeren Elternteil (oder dem Angst machenden Elternteil) und übernehmen die Rolle des Erwachsenen, um diesen vermeintlich schwächeren zu schützen und zu stützen – wie etwa wenn Kindern nun gegen die eigene Mutter aussagen sollen vor Gericht. Jedes vernünftige Elternteil hätte es ihnen schützend untersagt, um sie nicht in einen Gewissenskonflikt zu bringen. Hier scheint es regelrecht forciert worden zu sein vom Vater. Die Kinder werden massiv instrumentalisiert gegen den anderen Elternteil – und das schon lange vor der „Entführung“. Auch das nennt sich Kindeswohlgefährdung, wenn nicht sogar Kindesmissbrauch. Kinder benötigen zumindest einen Anker-Elternteil und an diesem bleiben sie oftmals mit aller Konsequenz hängen – besonders wenn sie so isoliert leben wie Christina Blocks Kinder – bei ihrem Vater und seiner neuen Frau, die laut Medienberichten anscheinend ebenfalls ihre Kinder isoliert vom Vater. Auch hier wird nicht weiter nachgefragt und nachgeforscht. Auch das scheint normal zu sein.

Neue Anwältin, neues Glück?

Nun hat Christina Block sich eine neue Anwältin geholt. Paula Wlodarek. Auffällig ist der Name von ihr. Denn es gibt auch eine sehr bekannte Psychologin mit demselben Nachnamen. Dr. Eva Wlodarek. Es ist nun reine Spekulation, ob die beiden Frauen miteinander verwandt sind, aber es wäre wohl wichtig, die psychologischen Aspekte in diesem Gerichtsprozess nicht außer acht zu lassen. Auch was die mediale Berichterstattung betrifft, die oft entscheidenden Einfluss auf ein Urteil hat.

Wenn der Spiegel etwa unlängst titelt: „Die „verrückten“ Ideen der Frau Block“ – und damit despektierlich die überwältigenden Gefühle abwertet, die Verzweiflung, die eine Mutter erfasst, wenn die Kinder von heute auf morgen nicht mehr da sind, isoliert leben in einem anderen Land. Es ist oft eine männlich-abgeklärte journalistische Sicht auf sehr emotionale Reaktionen, die noch immer den deutschen Journalismus der so genannten Leitmedien prägt. Wer hier auch als Journalist:in mit Christina Block mitfühlen kann, ist oft selbst „nicht ganz zurechnungsfähig“. So einfach ist das. Eine wirklich detaillierte Aufarbeitung der gerichtlichen Abläufe, neutral dargestellt, findet man hingegen oftmals eher in kleineren Medienpublikationen, wie etwa der Artikel: „Wird Stephan Hensel angeklagt?“

Warum hat man die Kinder nicht befragt, als sie in Deutschland waren?

Christina Block ist die Entführerin ihrer eigenen Kinder. Sie ist die Böse. Er der Gute. Das ist das mediale Narrativ. Das auch Stephan Hensel die gemeinsamen Kinder zunächst in Dänemark einbehalten hat unter fadenscheinigen Gründen, das auch das eigentlich einer Kindesentführung in ein anders Land gleichkommt, darüber wird nicht gesprochen. Die Kinder seien ja freiwillig, aus triftigen Gründen bei ihm geblieben, sagen dann Kritiker. Aber wissen wir das wirklich? Wurden Sie vielleicht nicht doch massiv manipuliert und aufgehetzt gegen die Mutter? Warum hat man die Gelegenheit nicht genutzt, die Kinder zu befragen, als sie nach der besagten Silvesternacht in Deutschland waren? Welch eine Chance und man verpasste sie aus nicht nachvollziehbaren Gründen.

Die Bevölkerung möchte an einen funktionierenden Rechtsstaat glauben

Die Bevölkerung möchte an einen funktionieren Rechtsstaat glauben. Man möchte, dass der Rechtsstaat den verurteilt, der im Unrecht ist. Man möchte eine klare Unterscheidung haben zwischen Gut und Böse. Man möchte keine Grautöne. Und die Öffentlichkeit hat schon entschieden, wer „böse“ ist. In Gerichtsberichten wird immer wieder geäußert, dass die vorsitzende Richterin Christina Block scharf anging. Es scheint, als habe auch sie innerlich schon ihr Urteil gefasst und es gelte nur noch die Beweise für eine hieb- und stichfeste Verurteilung zu liefern.

Welche Traumata die Beteiligten durch das jahrelange Zurückhalten der Kinder in einem damals noch fremden Land für sie und für alle Beteiligten, auch bei Christina block entstanden sind, spielen anscheinend indes keine Rolle. Das darf eigentlich auch nicht sein. Wie oft kommen bei Vergewaltigungen und Femiziden tatmildernde Umstände ins Spiel, wie etwa psychologische Ausnahmezustände und/oder Suchtmittel? Warum wir das bei Frauen wie Christina block mit dieser extremen psychischen Belastungen wie des jahrelangen Kinndesentzugs  nicht diskutiert? Warum gibt es bei Frauen oftmals keine mildernden Umstände? Es scheint fast so, als ob wir noch immer im Mittelalter verhaftet wären, in welchem es nur darum geht, die Hexe brennen zu sehen.




„Emotionale Gewalt findet trotz ihrer verheerenden Auswirkungen nicht die nötige Anerkennung in der Gesellschaft als das, was es ist: Gewalt“

Macht – Missbrauch – Abwertung – Beleidigung – Emotionaler Missbrauch – unsichtbare Gewalt – Erpressung – Manipulation – Entfremdung – toxische Strukturen – Narzissmus – Selbstermächtigung – all diese Themen sind hochaktuell in unserer Gesellschaft und all diese Themen vereint der neue Roman von Dr. Sandra Hartmann.

Erschienen ist der Roman erstmals im September 2023, über 180 Seiten, eine Mischung aus Roman und Ratgeber mit dem Fokus auf die Frage: Wann fängt Gewalt an?

Dr. Sandra Hartmann bei der Vorstellung ihres neuen Buches im September 2023: „Es war mir ein Anliegen einen Roman über das Thema emotionale Gewalt zu schreiben, weil diese Form der so genannten „unsichtbaren Gewalt“ zwar die höchsten negativen Auswirkungen auf die Betroffenen hat, laut einer aktuellen Studie der Bundesregierung sogar noch höher als physische Gewalt, aber nach wie vor in unserer Gesellschaft nicht die nötige Anerkennung findet, die wichtig wäre, um strukturelle Veränderungen zu schaffen.“

Dr. Sandra Hartmann

Unser Weihnachts-Geschenk an Euch: Für jeden neuen Abonnenten (Halbjahres- oder Jahresabo) gibt es den neuen Roman von GSCHWÄTZ-Herausgeberin Dr. Sandra Hartmann ENTSCHULDE DICH anstatt für 19,90 Euro KOSTENLOS dazu. Das Angebot gilt bis 15. Januar 2014. Einfach nach Abo-Abschluss eine Mail (gschwaetz@gschwaetz.de) oder WhatsApp (0172/68 78 474) mit dem Stichwort: „Abo“ schicken. Dann erhaltet ihr das Buch.

Wer es ohne Abo kaufen möchte, schreibt einfach eine Mail an gschwaetz@gschwaetz.de oder eine WhatsApp (0172/68 78 474) mit dem Stichwort: „Entschulde Dich“

Inhalt

Nina verlässt Georg nach Jahren von Abwertungen, Beleidigungen, Manipulationen und Übergriffen. Doch mit dem Auszug beginnt erst der wahre Albtraum. Ein Roman über emotionalen Missbrauch vom Feinsten.

Rezensionen:

Beziehungscoach Claudia Herberger aus Hamburg: „“SICH AUS DER MANIPULATION ZU BEFREIEN, IST EIN ENORMER
KRAFTAKT, DENN ALLES, WAS MAN ÜBER EIN LIEBEVOLLES
MITEINANDER GELERNT HAT, FUNKTIONIERT BEI NARZISSTEN
NICHT. TROTZDEM GIBT ES WEGE, EINER FÜHRT ÜBER DIE
SELBSTERMÄCHTIGUNG. DR. SANDRA HARTMANN GELINGT EIN
ERSCHRECKENDER UND GLEICHZEITIG BERÜHRENDER BLICK
HINTER DIE NACH AUSSEN STRAHLENDE KULISSE EINER FAMILIE
IN DER HAND EINES GESTÖRTEN MANIPULATORS.”

 




„Wenn man sich trennt von einem Narzissten beginnt der Albtraum oftmals erst so richtig“

Innerhalb kürzester Zeit hat es Erika Schewsky geschafft, sich auf Instagram einen Namen als Narzissmus-Expertin zu machen. Über 18.000 Follower lesen Ihre Ratschläge und Tipps im Umgang mit Narzissten. Die 42-Jährige ist Mentaltrainerin und Buchautorin. Begonnen hat alles mit toxischen Strukturen in ihrem privaten Umfeld und der Lösung von diesen Strukturen, die auch mit schmerzhaften Verlusten verbunden war. Dr. Sandra Hartmann hat im Video-Interview mit Erika Schewsky über die grundlegenden Fragen rund um Narzissmus gesprochen: Woran erkenne ich einen Narzissten? Wie merke ich, dass meine Kinder manipuliert werden? Und: Können sich Narzissten ändern?

Kinder mit einem Narzissten – eine der größten Herausforderungen

Dr. Sandra Hartmann: Erika, zunächst einmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast für dieses Interview zu dem großen Thema Narzissmus. Das ist ja ein sehr weites Feld und wir werden heute sicher nicht alle Themen ansprechen können. „Kinder mit einem Narzissten“ – zu diesem Thema hast Du ja schon einiges veröffentlicht. Wenn man sich von einem Narzissten trennt und Kinder um Spiel sind, werden Kinder diese fast immer als Machtinstrument missbraucht. Sie werden häufig manipuliert und im schlimmsten Fall von dem anderen Elternteil entfremdet. Wir haben viele Betroffene in unserem LÖWINNEN-Netzwerk, die seit Jahren keinen oder nur noch minimalen Kontakt zu ihren Kindern haben. Woran erkennt man denn, wenn Kinder entfremdet werden oder wurden und wie kann man dagegen vorgehen?

Erika Schewsky: Eine sehr gute und sehr wichtige Frage, denn man glaubt immer, man würde das dann schon irgendwann merken. Das sei ein schleichender Prozess ist. Dem ist aber nicht so. Das Kind ist dem Vater oder der Mutter gegenüber dann auf einmal sehr negativ gestimmt. Es lässt nichts mehr an sich heran, möchte sich auch nicht mehr in den Arm nehmen lassen. Es ist kein Gespräch mehr möglich. Man merkt das auch, wenn die Kinder vom Umgang zurückkommen. Das Kind verhält sich frech, beleidigend, empfindet regelrecht Wut oder sogar Hass gegenüber dem anderen Elternteil. Sätze vom narzisstischen Elternteil werden übernommen und auch die Vorwürfe, die von diesem gegen einen selbst erhoben wurden. Wenn man versucht, den Sachstand richtigzustellen, stößt man beim Kind auf taube Ohren. Dann bekommt man, wenn überhaupt, nur als Antwort: „Du willst mir nur was einreden, mich belügen und mich täuschen. Du willst mich manipulieren. Ich glaube dir nicht. Ich will nichts hören von dir und“. Und natürlich sind diese Kinder auch häufig über das Handy ganz eng und beständig vernetzt mit dem narzisstischen Elternteil.

Dauerthema Manipulation und Entfremdung

Dr. Sandra Hartmann: Wenn Was kann man gegen derart massive Manipulationen tun?

Erika Schewsky: Wenn das Kind schon dicht gemacht hat, wird es sehr schwer werden, an das Kind wieder ranzukommen oder wieder Nähe zu schaffen. Und da hilft leider, leider, leider oft nur: akzeptieren und loslassen. Es bringt nichts, wenn man versucht, um ein Kind zu kämpfen, das schon entfremdet wurde, das eigentlich schon auf ja Gegenwehr oder gegen einen ist. Wenn man daran festhält und versucht zu kämpfen und zu kämpfen, geht man nur selbst daran kaputt. Man muss loslassen und Vertrauen haben in das Kind, dass es seinen Weg gehen wird, seine Erfahrungen machen muss und sich irgendwann auch wieder von selbst meldet, weil es sich Fragen stellt. So wie wir auch heute in unserer Generation. Wir stellen uns ja auch Fragen.

Dr. Sandra Hartmann: Manche Kinder lassen sich schnell manipulieren und entfremden, andere scheinen geradezu immun dagegen zu sein. Woran liegt das?

Erika Schewsky: Mit dieser Frage habe ich mich auch schon beschäftigt. Ehrlich gesagt bin ich da nicht wirklich so gezielt auf eine Antwort gekommen. Meine Hypothese war, dass viel eher die erstgeborenen Kinder manipulierbar sind. Ich habe eine Umfrage gestartet und auch aus meiner Arbeit mit Betroffenen stelle ich fest, dass das aber nicht so ist. Viel eher ist es so, dass narzisstische Menschen ihren Kindern emotionale Wunden zufügen und später dann genau an diesen Wunden lecken und diese Wunde mit Aufmerksamkeit stillen und ihnen dann einreden: Du bist die Nummer eins und ich bin für dich da. Die Kinder bekommen auf einmal Zuwendung und Geschenke, vielleicht all das, was sie bislang nicht vom narzisstischen Elternteil bekommen haben. Deswegen ist es so wichtig, sich vorher schon mit diesem Thema als Mutter oder Vater zu beschäftigen und vorbeugend präventiv zu arbeiten und sich wirklich von außen, auch von Experten oder Kinderpsychologen, Hilfe zu holen, um Kinder bestmöglich unterstützen zu können. Denn hinterher, wenn die Manipulation erstmal gegriffen hat, wird es sehr schwer werden, ein Kind wieder aus diesem Manipulationsnebel herauszuholen.

Begleitete Umgänge wären ideal bei derartigen Persönlichkeitsstörungen

Dr. Sandra Hartmann:  Wir hören in unserem LÖW:INNEN-Netzwerk viele Geschichten von Sorgerechtsverfahren, in welcher die Betroffenen oftmals kläglich scheitern beim Versuch, ihre Kinder vor einem krankhaft malignen Narzissten zu schützen. Manche verlieren dabei sogar ihre Kinder. Wenn wir über Manipulation und Entfremdungsmethoden bei Kindern sprechen, wäre es dann nicht am sinnvollsten, dass der Umgang zwischen Kindern und dem narzisstischen Eltern begleitet erfolgen müsste, also mit ausgewiesenen Experten, damit eben nicht diese Manipulations- und Entfremdungstaktiken angewendet werden können?

Erika Schewsky: Ich denke schon, dass das eine gute Option wäre, Kinder auf diese Weise auch zu schützen. Nur müsste diese Umgangsbegleitung jemand machen, der diese Manipulationen sofort durchschaut und erkennt. Da müsste wirklich intensiv geschult werden und aufgeklärt werden über diese narzisstische Persönlichkeitsstörung. Vor Gericht ist das nicht so einfach, oder beim Jugendamt einen begleitenden Umgangskontakt zu bekommen. Es ist insgesamt im deutschsprachigen Raum so, dass man oftmals eher  Täterschutz betreibt, wenn man das so nennen möchte. Man kann einen Elternteil, der sich so verhält, nicht dazu zwingen, dass er an sich arbeitet. Deswegen liegt es hier auch in der Verantwortung des betreffenden Elternteil, der das Kind überwiegend betreut, sich Informationen einzuholen, sich beraten zu lassen, was man selbst tun kann. Denn man kann ein Kind natürlich auch selbst unterstützen und ein bisschen schützen, auch in diesem Trennungsprozess oder im Sorgerechtsverfahren.

Wenn man sich trennt von einem Narzissten beginnt der Albtraum oftmals erst so richtig

Dr. Sandra Hartmann: Ein gängiger Aberglaube ist auch: Wenn man sich getrennt hat von dem Narzissten, hat man das Schlimmste überstanden.

Erika Schewsky: Das ist so richtig typisch. Gerade nach der Trennung können Manipulation und Missbrauch sogar erst noch ihren Höhepunkt erreichen. Das ist ein ganz typisches Verhalten von Narzissten.

Dr. Sandra Hartmann: Was raten Sie Betroffenen nach einer Trennung von einem narzisstischen Partner?

Erika Schewsky: Kommunikation sollte nur noch in Bezug auf die gemeinsamen Kinder stattfinden und das auch nur schriftlich und per E-Mail. Diese Kommunikationsform ist am wenigsten manipulierbar. Alles andere, sobald es um Immobilien oder Unternehmen geht, würde ich an die Anwälte delegieren und gar nicht mehr mit dem narzisstischen Ex darüber sprechen. Die Kommunikation sollte im Allgemeinen kurz, knapp und sachlich bleiben und so wenig wie möglich Erklärungen und Rechtfertigungen enthalten.

Die Klügsten, die Schönsten und die Erfolgreichsten

Dr. Sandra Hartmann: Da haben wir ja nun schon einiges über Narzissmus erfahren und das Wort Narzisst ganz oft benutzt. Woran  erkenne ich jemanden, der eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat?

Erika Schewsky: Dieses Wort wird heutzutage sehr leichtfertig und auch verwendet. Es ist ja quasi schon ein Modewort. Es ist nicht ausreichend, wenn sich eine Person nur etwas egoistisch verhält, schon von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung zu sprechen. Es geht ja auch gar nicht darum, Diagnosen zu erstellen oder Labels zu verteilen, sondern es geht darum, diese Manipulationsmaschen bekannt zu machen, damit man diese erkennen kann. Diese Mechanismen und Verhaltensmuster sind immer dieselben. Diese Menschen verkraften es nicht, wenn man Kritik übt oder wenn man antworten möchte. Sie möchten sich niemals festlegen, aber den anderen, den möchten sie immer festnageln auf Aussagen oder sofort Antworten haben. Sie verkraften es auch nicht alles, wen etwas oder jemand an ihrem Ego kratzt. Sie haben keine Schwächen, keine Fehler. Sie sind unantastbar. Sie sind die Besten, die Klügsten, die Schlausten, die Schönsten, die Erfolgreichsten. Und alle anderen können ihnen nicht das Wasser reichen  und sie wissen einfach auch immer alles besser. Auch lästern, über andere herziehen, Gerüchte streuen. Schmierenkampagnen, das alles ist ebenfalls typisches nazistisches Verhalten.

Dr. Sandra Hartmann: Oft rutschen Betroffene auch wahnsinnig schnelle in derartige Beziehungen. Man bekommt schnell Kinder mit einem Narzissten, zieht schnell zusammen, wird schnell finanziell abhängig. Und auch bei Trennungen scheinen es Narzissten darauf anzulegen, alles schnell und zu ihren Gunsten abwickeln zu wollen.

Erika Schewsky: Die Manipulationsart, die du beschreibst, nennt sich fast forwarding. Sprich: Alles muss schnell gehen. Die Betroffenen fühlen sich dadurch nicht selten unter Druck gesetzt. Teilweise werden sie auch erpresst. Wenn man jemanden überrumpelt, ist derjenige ist ja oft völlig überfordert in der Situation und weiß überhaupt nicht, was er machen soll. Man sollte in jedem Fall auch nie Entscheidungen treffen, wenn man besonders traurig oder besonders glücklich ist. Da trifft man meistens die falschen Entscheidungen.

Und da kommen sie auch schon angeflogen: die berühmt-berüchtigten Flying monkeys

Dr. Sandra Hartmann:  Und Also lieber nochmal ein paar Nächte darüber schlafen. Ein beliebtes Mittel, das Narzissten nach einer Trennung einsetzen, sind ja auch so genannte Flying Monkeys. Das heißt, der Narzisst entsendet Freunde, Bekannte und/oder Verwandte, um seine Ziele durch seine verlängerten Arme irgendwie umzusetzen. Woran erkennt man denn als Betroffener, dass es sich da um einen Flying Monkey handelt?

Erika Schewsky: Das ist sehr schwierig. Deswegen wäre ich da auch sehr vorsichtig, wem ich mich anvertraue. Ich würde meinen Kreis sehr klein halten und mich generell dazu nicht groß äußern. Wenn sich jemand bei mir melden würde, würde ich das direkt abblocken, wenn da irgendetwas kommt. Stattdessen würde ich freundlich darauf hinweisen: ,Ich freue mich, wenn du dich bei mir meldest und du mir von deinem Leben erzählst. Ich würde mir aber wünschen, wenn wir das Thema um meinen Exmann oder die Trennungssituation aus unseren Gesprächen raushalten, denn das ist eine Sache zwischen ihm und mir.‘

Frau Schewsky, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

 




Bild dir deine Meinung: Bild-Chef Reichelt missbraucht seine Macht – Das Spiel mit den jungen Praktikantinnen

Das Nachrichtenmagazin der Spiegel titelte am Dienstag, den 19. Oktober 2021: „Warum Julian Reichelt gehen musste.“

Persönliche Freude

Vorausgegangen waren Recherchen und Veröffentlichungen der US-amerikanischen Zeitung New York Times, die die Machtstrukturen hinter den Kulissen des wohl mächtigsten Boulevarblatts Deutschlands öffentlich machte. Dabei soll der nunmehr  vom Springer-Verlag gefeuerte Bild-Chefredakteur unter anderem mit diversen Praktikantinnen seine persönliche Freude gehabt haben und damit seine interne Macht im Verlag missbraucht haben. Was da hinter den Kulissen abging, schien im Verlag und unter den Mitarbeiter:innen ein offenes Geheimnis gewesen zu sein. Wer mit Reichelt schlafe, solle danach eine dementsprechende Stellenaufwertung erfahren haben, heißt es.

Von Hollywood direkt in die deutschen Redaktionsstuben

Die #Metoo-Debatte ist damit von Hollywood direkt in die deutschen Redaktionsstuben gehupft. Doch man darf sicherlich nicht so naiv sein, zu glauben, dass Reichelt diese machtmissbräuchlichen Spielchen am Arbeitsplatz erfunden hat.

Der böse Bube

Der Unterschied zu den vergangenen Jahren: (Ehemalige) Mitarbeiter:innen und Führungskräfte packen aus oder zeigen sich auch öffentlich solidarisch gegenüber den Opfern. Der öffentliche Druck hat zugenommen. Ein Kopf musste schließlich rollen. Der Springerverlag feuerte den bösen Buben Julian Reichelt. Undenkbar, dass Reichelt heute, wenn er auf die Bühne gehen würde, Standing Ovations erhalten würde – (wie das immerhin die Who-is-who-Hollywoordriege vor einigen Jahren Brad Pitt bei einer Preisverleihung gezollt hat – sein erster öffentlicher Aufritt nach dem Skandal um sein übergriffiges Verhalten gegenüber seinem Sohn Maddox).

Von Anfang an stand Reichelt in der Kritik – und erhielt Rückendeckung unter anderem von Kai Diekmann

Interessant wäre es nun, und ehrlich noch dazu, würde der Springerverlag nun machen, was ihm ureigen ist: recherchieren, welche ehemaligen Chefredakteure ihre Spitzenposition noch so zu ihrem eigenen Vorteil genutzt haben, wie es Reichelt getan hat – oder vielleicht auch nicht? Sogleich denkt man an den berühmten Kai Diekmann, der zuvor jahrelang die Geschicke von Bild geleitet hat.

Diekmann zeigte sich zunächst verständnisvoll

In einem Interview vom März 2018 zeigte sich Dieckmann verständnisvoll mit der neuen Führung Reichelt und verteidigt ihn, obwohl er damals bereits in der Kritik stand: Es sei, so Diekmann, „normal, dass sich Dinge erst setzen müssen“. Was Diekmann wohl heute zu Reichelts Verhalten sagen würde?

Das Patrichat in Deutschland jedenfalls hat solche machtmissbräuchlichen Strukturen gegenüber Frauen schon immer begünstigt. Fortschritt sieht anders aus. Aber die kritische öffentliche Debatte über Reichelts Verhalten ist schon mal ein Anfang.

Text: Dr. Sandra Hartmann