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Die Luftreiniger sind da!

Am 17. August 2021 beschloß der Künzelsauer Gemeinderat die Anschaffung von 96 Luftreinigern für die Klassenräume der Klassen 1 – 6 sowie die Kindergärten in städtischer Trägerschaft. Am 19. Oktober 2021 vergab der Gemeinderat den Auftrag an die Firma AFS Airfilter GmbH aus Übrigshausen, die versprach, bis Ende November liefern zu können.

Trotz der bekannten Turbulenzen auf den Beschaffungsmärkten konnte AFS den Liefertermin einhalten, wie die Stadt Künzelsau mitteilt:

„Die Firma AFS Airfilter Systeme GmbH hat zu Beginn der Woche die Luftfiltergeräte an die Georg-Wagner-Schule und das Ganerben-Gymnasium ausgeliefert. Insgesamt werden rund 50 Klassenräume der Stufen 1 bis 6 aller städtischen Schulen mit Luftfiltergeräten ausgestattet. Für die schlecht zu lüftenden Räume wurden bereits im Frühjahr Luftfiltergeräte angeschafft. Der Gemeinderat und die Stadtverwaltung möchten mit den Geräten dazu beitragen, dass in den Einrichtungen neben Hygienekonzepten und den Hygienemaßnahmen ein bestmöglicher Schutz gegen Corona geboten wird. „Unser Ziel als Schule ist es, die bestmöglichen Maßnahmen zum Schutz der Schüler, Lehrer und Angehörigen zu schaffen. Die Luftfiltergeräte unterstützen uns dabei“, so Rainer Süßmann, 1. Konrektor der Georg-Wagner-Schule. Auch Antje Rother, 2. Konrektorin der Georg-Wagner-Schule ist froh, dass die Luftfiltergeräte da sind: „Die Geräte geben einfach zusätzliche Sicherheit.

Auch das Ganerben-Gymnasium bekommt Luftfiltergeräte. Foto: Stadt Künzelsau

Auch die städtischen Kindergärten und die Kindertageseinrichtungen der freien Träger werden aktuell mit 40 Luftfiltergeräten ausgestattet.“

Pressemitteilung der Stadt Künzelsau




„Die Maskenpflicht im Unterricht ist gerade gefallen, da wäre es jetzt ein guter Zeitpunkt für den Einsatz der Geräte gewesen“

Nachdem der Künzelsauer Gemeinderat in einer Sondersitzung am 17. August 2021 beschlossen hatte, 98 mobile Luftfilteranlagen für Kindertageseinrichtungen und die Klassenräume der Klassen 1-6 zu beschaffen (wir berichteten), konnte die Verwaltung bei der Sitzung vom 19. Oktober 2021 das Ergebnis der Ausschreibung vorlegen:

Nur zwei Firmen hatten überhaupt angeboten

Ganze zwei Anbieter hatten sich um den Auftrag, der immerhin ein Volumen von rund 400.000 Euro hat, beworben. Das Angebot des einen Anbieters entsprach in technischer Hinsicht bei Weitem nicht den Anforderungen der Ausschreibung. Somit war die Entscheidung für den Gemeinderat leicht: Nur die Firma AFS Airfilter Systeme GmbH aus Übrigshausen war noch im Rennen. Mit den Geräten dieser Firma hat die Stadt Künzelsau bereits Erfahrung, einige Geräte sind im Rathaus im Einsatz.

Fördergelder sind reserviert

Am 20. September 2021 kam auch die Information, dass die beantragten Fördergelder für Künzelsau reserviert sind. Die Entscheidung, AFS zu beauftragen, fiel demnach auch einstimmig aus. Die ersten Geräte sollen Ende November geliefert werden. Kai Kuppinger, einer der Geschäftsführer von AFS, freut sich über den Zuschlag: „Wir freuen uns a) natürlich über den Auftrag und b), dass wir Schulen und Kindergärten unterstützen können.“

Ganz wenige Anbieter auf dem Markt

Dass es keinen erbitterten Bieterwettstreit gegeben hat, wundert ihn nicht: „Es gibt in diesem Markt ganz wenige Anbieter, die diese Anforderungen erfüllen können, maximal drei bis vier.“ Viele der am Markt angebotenen Geräte seien für den Einsatz im Klassenzimmer ungeeignet, sagt Kuppinger. Luftdurchsatz und Geräuschentwicklung sowie die Verteilung der ausgeblasenen Luft im Klassenraum seien Kriterien, die nur schwer zu erfüllen seien. Seine Geräte, so sagt es das Datenblatt, sind mit speziellen „Weitwurfdüsen“ ausgestattet, die „die gereinigte Luft großflächig und zugfrei über Kopfhöhe zurück in den Raum“ führen.

Kritische Versorgungslage

Zum anderen sei auch weiterhin die Versorgungslage kritisch: „Bayern hat schon frühzeitig ein Förderprogramm auf den Weg gebracht. Seitdem kauft Bayern den Markt leer.“ Trotzdem hat er einen Liefertermin ab Ende November zugesagt: „Wir haben schließlich starke und zuverlässige Partnerunternehmen aus der Region.“

„Erst mal froh, dass es am Laufen ist“

Mit „besser spät als nie“ beantwortete Rainer Süßmann  ganz spontan die Frage nach einem Kommentar zur Entscheidung des Gemeinderates. Süßmann ist kommissarischer Schulleiter der Georg-Wagner-Realschule und hat dort bereits einige Luftreiniger im Einsatz. Er hat den Antrag auf Beschaffung der Luftreiniger im Gemeinderat eingebracht und begründet. „Die Maskenpflicht im Unterricht ist gerade gefallen, da wäre es jetzt ein guter Zeitpunkt für den Einsatz der Geräte gewesen. Das bestehende Risiko hätte man damit minimieren können“, trauert er einer verpassten Gelegenheit nach. Es sei eben in den vorhandenen Räumen sehr schwierig, die Abstände wirklich immer einzuhalten. Trotzdem ist er „erst mal froh, dass es am Laufen ist.“

Hohenloher sind lösungsorientiert

Dass der Auftrag ausgerechnet an ein Hohenloher Unternehmen gegangen ist, wundert ihn nicht: „Die Hohenloher denken halt immer an Lösungen.“

Text: Matthias Lauterer




„Vollgas-Modus“ versus Schneckentempo

Für die Abstimmung über die Beschaffung von Luftreiniger hatte Bürgermeister Neumann eine Sondersitzung des Gemeinderats am 17. August 2021, also in den Ferien einberufen. Er selbst hatte für diese dringende Sitzung seinen Urlaub unterbrochen. In der Sitzung selbst bezog sich die Stadtverwaltung auf eine Studie, wonach Luftreiniger im Kampf gegen Corona nicht viel bringen würden. Der Gemeinderat stimmte dennoch mehrheitlich für Anschaffung der Produkte.

Noch nichts Sichtbares passiert

Viel Sichtbares ist seitdem noch nicht geschehen, findet Ulrike Tzimas, die sich während der Gemeinderatssitzung vom 14. September 2019 zu Wort meldete. Sie ist Elternbeiratsvorsitzende der Georg-Wagner-Schule und zeigte sich vom Beschluß des Gemeinderats, die Luftreiniger anzuschaffen, begeistert. Allerdings habe sie noch in keinem Ausschreibungsportal eine Ausschreibung der Stadt Künzelsau gefunden. Daher stellte sie folgende Fragen an die Verwaltung: „Ist die Ausschreibung bereits erfolgt? Wenn nein, warum nicht? Könnte man nicht Geräte übergangsweise mieten?“

„Europaweite Ausschreibung dauert“

Bürgermeister Neumann konnte ihr wenig Erfreuliches mitteilen: „Eine europaweite Ausschreibung dauert“, sagt er. Außerdem warte man noch auf die Rückmeldung des Landes wegen der Förderung. „Danach kann das Verfahren starten.“ Die Ausschreibung ist also noch gar nicht veröffentlicht. Neumann geht nicht davon aus, dass die Geräte theoretisch noch im Oktober geliefert  werden könnten.

Landratsamt wesentlich schneller bei der Beschaffung

Auch Rainer Süßmann, kommissarischer Schulleiter der Georg-Wagner-Schule, der den Antrag am 17. August umfangreich begründet hatte, zeigte sich von der Länge des Verfahrens irritiert.

Kreis wartet nicht auf Förderzusage sondern bestellt

Ganz anders ging der Landkreis vor, der seine beiden sonderpädagogischen Schulen bereits mit acht Luftreinigern ausgestattet hat: „Die Anschaffung der Luftreiniger erfolgte unabhängig von einer eventuellen Förderung über das Landesförderprogramm zur Beschaffung von mobilen Raumluftreinigungsgeräten“, teilt der Kreis mit. So konnten die Luftreiniger rechtzeitig zu Schulbeginn geliefert und installiert werden. Von der Entscheidung zur Anschaffung bis zur Lieferung dauerte es etwa 6 Wochen, so das Landratsamt. In dieser Zeit ist das Ausschreibeverfahren, eine so genannte Verhandlungsvergabe, bereits enthalten.

Möglicher Lieferant warnt vor langen Lieferzeiten

Kai Kuppinger, Geschäftsführer der Firma afs airfilter aus Übrigshausen, die die acht Geräte für die Kreisschulen lieferte, konnte in diesem Fall schnell liefern: „Das ging aber nur, weil wir früh in Vorleistung gegangen waren“, sagt er und verweist auf die generellen Lieferschwierigkeiten der Hersteller. Angesprochen auf einen Bedarf von 98 Geräten rechnet er schon mit einer Lieferzeit von 8 Wochen. Er schmunzelt, denn er weiß natürlich ganz genau, woher ein Bedarf von 98 Geräten kommen könnte. „Aber die Zulieferer müssen mitspielen“, schränkt er gleich ein: Auch wenn er nahezu ausschließlich auf regionale Zulieferer setzt, seien auch diese von den Lieferschwierigkeiten ihrer Vorlieferanten betroffen.
Drei Geräte von afs airfilter arbeiten auch seit einigen Monaten im Rathaus der Stadt Künzelsau und ermöglichten unter anderem Präsenzsitzungen des Gemeinderates.

Öhringen:  „Wir sind im Vollgas-Modus“

In Öhringen waren zum Schuljahresbeginn 65 Raumluftfilter und 25 raumlufttechnische Anlagen in Betrieb. „Wir sind im Vollgas-Modus und haben nicht die Hände in den Schoß gelegt“, sagt Oberbürgermeister Thilo Michler. Insgesamt will Öhringen bis Ende des Jahres 250 Anlagen in den örtlichen Kindergärten und Schulen verbauen. Priorität liegt dabei auf Einrichtungen für Kinder, die noch kein Impfangebot haben, also Kindergärten und Grundschulen.

Förderanträge beim Bund bereits im Juni gestellt

Bereits im Juni hat die Öhringer Verwaltung die ersten Anträge gestellt. Bereits am 12. Juni las Martin Schenker, Leiter des Technischen Dienstes der Stadt Öhringen, von den Fördermaßnahmen. „Eine Woche später stellte ich die Anträge bei der BAFA, dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Ich war an Platz 44. Beim letzten der 25 Gebäudeanträge zeigte der Zähler bereits Platz 1215.“

Gemeinderatsbeschluß am 27. Juli, Förderbescheid am 6. August

Nicht einmal 2 Wochen dauerte es, bis am 6. August der Förderbescheid des Landes in Öhringen einging. Insgesamt beträgt das Investitionsvolumen 3,8 Millionen Euro, durch die Förderungsmaßnahmen von Bund und Land beläuft sich der Eigenanteil der Stadt auf 800.000 Euro.

Künzelsau wartet auf den Förderbescheid

Das Land Baden-Württemberg fördert die Anschaffung von Luftreinigern mit 40 Millionen Euro, nach dem Windhundprinzip. Die Stadt Künzelsau teilt auf GSCHWÄTZ-Anfrage am Montag, 20. September 2021, mit: „Bislang ist keine Förderzusage für die Luftreiniger eingegangen. Die Ausschreibung ist vorbereitet.“ Die Ausschreibung soll in einem „Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb“ mit 10 Werktagen Zeit für die Anbieter zum Kalkulieren durchgeführt werden. Das heißt, „die Firmen werden direkt angeschrieben und es wird nicht öffentlich in einem Portal für alle eingestellt“, teilt Helen Bühler, Leiterin des Fachbereichs Stadtmarketing/Kultur/Presse der Stadtverwaltung Künzelsau, mit.

Georg-Wagner Schule hat reagiert

Inzwischen hat Rainer Süßmann reagiert: Rechtzeitig zum Schuljahresbeginn wurde eine Bestellung der  Georg-Wagner-Schule über zwei weitere mobile Luftreiniger angeliefert. Sie werden jetzt beispielsweise in der Mensa eingesetzt, wo viele Schüler der unterschiedlichen Klassen zusammenkommen.

Text: Matthias Lauterer

 

Mobiler Luftfilter am HGÖ. Foto: Stadt Öhringen

Außenluftzufuhr an der Rückseite des Klassenzimmers. Foto: Stadt Öhringen

Raumlufttechnische Anlage im neu errichteten Klassenzimmer an der Grundschule Verrenberg. Foto: Stadt Öhringen

 

 




„Nicht warten bis zum Sankt Nimmerleinstag“

Mit dem Beschluß, den Tagesordnungspunkt zu Information und Aussprache über das PEKA-Gelände zu streichen, hatte die Sondersitzung des Gemeinderats Künzelsau am 17.August 2021 bereit spektakulär begonnen (wir berichteten).

Eigentlicher Grund für diese Sondersitzung war allerdings ein Antrag der Freien, für die Kindertageseinrichtungen und die Klassenstufen 1 bis 6 insgesamt 98 Luftreinigungsgeräte aus dem Förderprogramm des Landes, das den Einstandspreis mit 50 Prozent bezuschußt, zu kaufen. Weiter sollten etwa 40 Geräte für die Klassen 7 – 12 ohne Landesförderung beschafft werden, so der Antrag.

Bürgermeister spricht sich gegen den Kauf den Antrag aus

Bürgermeister Stefan Neumann argumentierte ungewohnt vehement und mit einem ungewohnt langen Wortbeitrag gegen diesen Antrag: Diese Geräte seien kein Allheilmittel zur Verhinderung von Infektionen, sinnvoller seien – so appellierte er an die Eltern – Impfungen und er zitiert eine Studie, nach der der „flächendeckende Einsatz nicht indiziert“ sei. Laut der Studie sei lüften trotzdem notwendig, die „Luftreiniger keine Alternative zum Außenluftwechsel“ und außer dem wegen der hohen Leistung zu laut. Raumlufttechnische Maßnahmen seien sinnvoller. Außerdem sei die Stadt Künzelsau ja bereits tätig geworden: Bei allen zukünfttgen Bau- oder Renovierungsmassnahmen würden Raumluftanlagen geplant werden.

Gegenrede von Rainer Süßmann

Rainer Süßmann, kommissarischer Schulleiter der Georg-Wagner-Schule, hat bereits gute Erfahrungen mit Luftreinigern in seiner Schule gesammelt. Er vertritt den Antrag seiner Fraktion, den Freien: Die Studie, aus der Neumann zitiert, sei veraltet, außerdem seien die dort untersuchten Geräte nicht die, die der Antrag vorsehe: Die Geräte von Rosenberg oder AFS – beides regionale Firmen – seien anders dimensioniert als die Geräte aus der Studie. In der Tat ist von diesen beiden Luftreinigungsgeräten im Ratssaal nichts zu hören.

„Das sind Nebelkerzen“

„Die Geräte geben uns die Möglichkeit, die Kinder in der Schule zu lassen“, betont Süßmann und ergänzt: „Die helfen ja nicht nur gegen COVID, sondern gegen Pollen, Bakterien, andere Viren oder Schimmelsporen.“ Süßmann kamm die ablehnende Haltung der Stadtverwaltung nicht nachvollziehen: „Das sind Nebelkerzen, man will einfach diese Geräte nicht“.

Reintraut Lindenmaier will wissen, woher die beantragten Anzahl der Geräte kommen: „Wurden die Schulen gefragt, was sie wollen?“ Ja, das seien die Zahlen, die die Schulen selbst genannt haben, bekommt sie von der Verwaltung zur Antwort.

„Nicht warten bis zum Sankt Nimmerleinstag“

Herbert Schneider, der moniert: „Die Kinder stehen an letzter Stelle. Wir müssen möglichst schnell agieren und nicht warten bis zum St. Nimmerleinstag.“ Mit den unterschiedlichsten Wortbeiträgen der Gemeinderäte wird immer klarer, dass der Gemeinderat den Antrag trotz der ablehnenden Haltung der Stadt eher unterstützen, als ablehnen wird.

Bürgermeister Neumann betont nochmals, dass die von ihm zitierte Studie aus dem Juli 2021 und damit ganz aktuell sei. Sein Argument, „Quarantäne können Sie aber damit auch nicht ausschließen“ kommt bereits recht zaghaft.

„Nach Ihrem Beschlußantrag wollen Sie die Geräte, aber nach ihrem Wortbeitrag hier wollen sie sie nicht“, weist Sabine Janny (UBK) den Bürgermeister auf die Diskrepanz hin. Außerdem sagt sie: „Die Jugendlichen haben lange auf die Alten Rücksicht genommen. Das Ziel muß sein, dass die Kinder in die Schule gehen.“ Ein wenig Ironie dürfte in „Außerdem haben wir schon Geld für wesentlich weniger sinnvolle Dinge ausgegeben“ enthalten gewesen sein.

Reduktion der Virenlast in der Luft – stark verringertes Risiko

Auch für Johannes Rückgauer ist oberstes Ziel, „dass wir einen annähernd normalen Betrieb hinbekommen“. Er erklärt nochmals, warum diese Luftreinigungsgeräte das Ansteckungsrisiko erheblich reduzieren: Die Virenlast in der Luft sei ein auschlaggebendes Kriterium für eine Infektion – und diese werde durch derartige Geräte stark verringert.

Folgekosten

Jochen Jäger interessieren die Folgekosten der Geräte: Die Verwaltung informiert, dass pro Gerät ein Vorfilter für 30 Euro pro Jahr notwendig sei und ein HEPA-Filter für 300Euro alle 2 Jahre gebraucht werde. Ausserdem kämen Stromkosten hinzu.

Einstimmig und ohne Enthaltung!

Dem Antrag von Christian von Stetten, die Beschaffung der Anlagen für die Klassenstufen 7-12 zurückzustellen, kann sich der Gemeinderat anschließen, bevor er über den so geänderten Antrag abstimmt. Der geänderte Antrag, 98 Luftreiniger für Kindertageseinrichtungen und Klassenräume der Klassenstufen 1-6 im Rahmen der Landesförderung zu beschaffen, wurde einstimmig und ohne Enthaltung angenommen. Auch Bürgermeister Stefan Neumann stimmte also letztlich für den Antrag.

Text: Matthias Lauterer

 




Künzelsau: Sondersitzung des Gemeinderats am Dienstag, 17. August 2021

Am Dienstag, 17. August 2021 tritt der Künzelsauer Gemeinderat ab 18:00 Uhr zu einer Sondersitzung zusammen.

Anschaffung von Luftreiniger für die Schulen

Grund dafür ist der Antrag der „Freien“ auf Anschaffung von 138 Luftreinigungsgeräten für die Schulen in Trägerschaft der Stadt Künzelsau. Dieser Antrag macht eine Sondersitzung notwendig. Eine Abstimmung war in der letzten Gemeinderatssitzung nicht möglich, da der Antrag erst während der Sitzung gestellt wurde.
Da kürzlich ein Landesprogramm für die Beschaffung solcher Geräte verabschiedet wurde, soll für 98 förderfähige Geräte eine Landesförderung in Höhe von 50 Prozent der Anschaffungskosten beantragt werden.

Aussprache über PEKA-Areal

Weiteres Thema wird das PEKA-Areal sein: „Information und Aussprache zum aktuellen Stand Quartier an der Stadtmauer“ steht auf der Tagesordnung.

 

 




„Die nächste Welle wird die Welle der Kinder und Jugendlichen“

Drei große Luftreiniger erlauben dem Künzelsauer Gemeinderat seit einiger Zeit wieder öffentliche Sitzungen im Ratssaal. Und trotzdem schienen einige Anwesende verwundert, als Verena Löhlein-Ehrler gleich zu Beginn der Sitzung vom Dienstag, den  27. Juli 2021, einen Antrag einbrachte, dass Kinder bis zwölf Jahre nur noch in Räumen beschult werden sollen, die mit Luftreinigern ausgestattet sind.

Die Konsequenz ist allen klar: Bei Annahme des Antrags wäre die Stadt Künzelsau als Schulträger verpflichtet, schnellstmöglich die entsprechenden Geräte zu beschaffen, aufzustellen und zu betreiben.

Rainer Süßmann begründet den Antrag

Rainer Süßmann, kommissarischer Leiter der Georg-Wagner-Schule, hat bereits Erfahrung mit Luftreinigern. Er hat in seiner Schule derzeit sechs solche Geräte, die in Räumen eingesetzt werden, die schlecht zu belüften sind. Süßmann berichtet davon, dass es in den Klassenzimmern, in denen die Geräte eingesetzt waren, keinen Coronafall gegeben habe, in anderen Klassenräumen schon. Er weist aber sofort darauf hin, dass das nur eine Einzelbetrachtung ist, die nicht statistisch signifikant sein muss.

Süßmann begründet den Antrag seiner Fraktionskollegin – er  ist dabei emotional und sichtlich aufgewühlt: Das allerhöchste Ziel müsse es sein, den Kindern einen geregelten Schulbetrieb zu ermöglichen.“Es muss alles getan werden, dass die Menschen, die Kinder, im geregelten Tagesablauf bleiben.“  Er hat mehrfach Quarantänesituationen einzelner Klassen mitbekommen: „Die Politik macht es sich einfach – Ein Fall in der Klasse und alle gehen in Quarantäne.“ Mit allen Konsequenzen für die Familien: Es muss für Betreuung gesorgt werden, das können in diesem Fall nur die Eltern sein, die dann aus dem Beruf gerissen werden.

Kinder können noch nicht geimpft werden

Süßmann weist darauf hin, dass Kinder bis zwölf Jahre momentan noch nicht geimpft und daher leicht angesteckt werden können. Sie können, da die Infektion meist nur leicht oder gar unmerklich verläuft, das Virus weiterverbreiten. „Ich mache mir ehrlich Sorgen“, sagt Süßmann, „Die nächste Welle wird die Welle der Kinder und Jugendlichen.“

Effekt der Luftreinigung durch Studie belegt

Die Empfehlung, einfach noch öfter zu lüften, sei im Sinne eines geregelten Unterrichts nicht umsetzbar, oder deutlicher: „Alle zehn Minuten lüften, das ist Schwachsinn“ – man merkt ihm an, dass er mit dem Herzen bei der Sache, bei seinen Schülern ist. Süßmann zitiert eine „Stuttgarter Studie“, deren Ergebnisse eindeutig seien: Die Aerosolbelastung könne durch Luftreinigung deutlich reduziert werden.

Ob die Stadt Künzelsau als Schulträger wirklich bereits alles versucht hat? Süßmann zweifelt das an: Man habe die Geräte im Gemeinderat, man habe den Einzelhandel durch den Aufbau einer Teststation unterstützt, aber die Kinder?

Jetzt seien die Lieferanten noch lieferfähig – wenn man zu spät bestelle, hätte man die Geräte im Sommer 2022. Seine Begründung schließt er mit einem eindringlichen Appell: „Wenn wir jetzt nichts machen, dann wird es nicht mehr so sein, dass zwanzig Kinder beim Therapeuten sitzen, sondern 40 oder 60 … die sind dann nicht leistungsfähig.“

Neumann eher defensiv

Bürgermeister Stefan Neumann ist eher defensiv eingestellt: Die Stadt habe bereits derartige Geräte und für schlecht zu lüftende Räume könne man durchaus weitere Geräte bestellen. Er weist darauf hin, dass man diesen Antrag in dieser Sitzung nicht abstimmen könne, sondern gegebenenfalls eine Sondersitzung in der Urlaubszeit einberufen müsse. Außerdem sei das „keine finanzielle Entscheidung, sondern eine Grundsatzentscheidung“.

Stimmung im Gemeinderat größtenteils unterstützend

Herbert Schneider ist auch der Meinung, dass eine schnelle Entscheidung nötig ist. Die Schulen sollten seiner Meinung nach unmittelbar die notwendigen Zahlen ermitteln, damit man eine Sondersitzung einberufen kann. Überschlägig schätzt er mit 100.000 Euro Kosten.

Der Bundestagswahlkampf wird bemerkbar

Parteipolitik im Wahlkampf mag sich Christian von Stetten nicht verkneifen: Er verweist darauf, dass der Bund 500 Millionen Euro bereitgestellt habe. Das Land Bayern fördere die Anschaffung von Luftreinigern mit 50 Prozent. „Das Kultusministerium in Stuttgart sieht das völlig anders.“ Weiter sagt er: „Ich würde abraten, ins Blaue hinein die Geräte zu beschaffen.“ Erst solle man in Stuttgart eine Förderanfrage stellen.

Anderer Meinung ist Hans-Jürgen Saknus: Er meint, dass auch das Land Baden-Württemberg ein Förderprogramm hat – aber das sei nun Sache der Stadt, sich kundig zu machen. Seine Fraktion würde den Antrag jedenfalls unterstützen. „Delta trifft vor allem die Jungen, daher ist diese Initiative wichtig. Ich hoffe, dass das Land alles tut, damit kein Lockdown bei den Schulen passiert.“

Auch Robert Volpp kann sich der Notwendigkeit der Geräte anschließen.

Süßmann pflichtet Saknus bei und zitiert eine Aussage von Ministerpräsident Kretschmann, der von einem 50-prozentigen Zuschuss, nicht nur für schlecht zu lüftende Räume, gesprochen haben soll. Er nennt noch einmal Zahlen: Es seien ungefähr 40 bis 60 Geräte notwendig, die teureren Geräte lägen bei etwa 4.000 Euro. Das würde Anschaffungskosten von bis zu 240.000 Euro bedeuten – eventuelle Zuschüsse von Bund oder Land nicht eingerechnet.

Löhlein-Ehrler betont nochmals, dass ein Warten auf Stuttgart gefährlich sein kann: „Wir müssen ein wenig schneller sein als die anderen, wegen der Lieferfähigkeit.“

Sondersitzung des Gemeinderats in Aussicht gestellt

Bürgermeister Neumann weist nochmals darauf hin, dass es sich um eine Grundsatzentscheidung handle und der Gemeinderat sich über die Finanzierung Gedanken machen müsse. Er stellt eine Sondersitzung in der Urlaubsperiode zum Thema in Aussicht, die dann auch hybrid stattfinden könne. Einen Entscheid im Umlaufverfahren hält er für nicht problemangemessen.

Text: Matthias Lauterer

ebm-papst und Sauter Heizungstechnik installieren Luftreiniger und Sensoren zur digitalisierten Luftqualitätsmessung in der Johann-Friedrich-Mayer-Schule in Kupferzell. Foto: Sauter Heizungstechnik

In der Grundschule Kocherstetten werden kleinere Luftreiniger getestet. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten

 

 

 




Luftreinigungsversuch in der Grundschule Kocherstetten

Luftreinigung ist ein großes Stichwort, um die Verbreitung des Coronavirus in Innenräumen, wie zum Beispiel Klassenzimmern, zu unterbinden. Diverse Konzepte wurden vorgestellt, zum Beispiel ein „Eigenbauprojekt“, das vom Max-Planck-Institut in Mainz entworfen wurde. Auch in der Johann-Friedrich-Mayer-Schule in Kupferzell wurde in Zusammenarbeit mit ebm-papst eine Luftreinigungseinheit zu Versuchszwecken aufgebaut (GSCHWÄTZ berichtete).

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Luftreinigungsanlagen mit geeigneten Filtern in der Lage sind, die Corona-Viren-Konzentration und damit das Infektionsrisiko erheblich herabzusetzen.

Private Initiative ermöglicht den Versuch

Auch in der Grundschule Kocherstetten ist seit einer Woche eine Luftreinigung im Versuchseinsatz, in zwei Klassenzimmern stehen 4 handelsübliche Luftreinigungsgeräte, die stufenlos geregelt werden können. „Eine ziemliche Hau-Ruck-Aktion war das“, meint Sonja Wystup. Sie ist Mutter eines Schülers, Elektroingenieurin und Initiatorin des Projekts, und erklärt: „Wir verwenden HEPA13-Filter, die Staub, Pollen, Bakterien und Viren bis hinunter zu 0,3µm ausfiltern. Da Viren nicht vereinzelt in der Luft herumfliegen, sondern in der Luft immer in Tröpfchen eingeschlossen sind, erreichen die Filter einen Luftreinigungsgrad von 99,98 % laut Herstellerangabe.“ Vier Reinigungsgeräte stehen in jedem der beiden Klassenzimmer, jedes Gerät reinigt bis zu 400m³ Raumluft in der Stunde.

Sinnvolle Ergänzung zum Lüften, aber kein Ersatz

Was die Geräte nicht filtern ist Kohlendioxid, auch führen sie der Raumluft keinen Sauerstoff zu. Sonja Wystup sieht daher die Filtergeräte als sinnvolle Ergänzung, nicht etwa als Ersatz für das Lüften, zum Beispiel auch in der Heuschnupfenzeit.

Unterschiedliche technische Ansätze für unterschiedliche Gebäudevoraussetzungen

Die Geräte saugen die Luft unten an und geben sie gereinigt nach oben wieder in den Raum ab – ein anderer Ansatz wie zum Beispiel die vom MPI Mainz entwickelte Anlage, die aussieht wie mehrere Dunstabzugshauben, die man aus der Küche kennt.

Sie sieht stark unterschiedliche Voraussetzungen bei den Schulgebäuden: „Kocherstetten ist ein Altbau, da herrschen ganz andere Voraussetzungen als bei modernen Schulen“. Ideal für das Lüften sei ein Klassenzimmer mit Fenstern auf beiden Seiten und ein wenig Wind. „Aber unter diesen Gesichtspunkten sind die Schulen nicht gebaut worden – hätten wir ideale Bedingungen, würde Lüften ausreichen.“

Diese idealen Bedingungen sind aber in Schulen in der Regel nicht gegeben. Auch seien die Verhältnisse in Schulen sehr unterschiedlich: „Pauschalaussagen kann man nicht treffen“. Zum Beispiel habe Kocherstetten sehr hohe Räume, wie sie in modernen Schulgebäuden nicht mehr anzutreffen sind.

Und so will Sonja Wystup vorrangig Daten sammeln, um diese für eine Produktentwicklung bereitzustellen. Nicht nur Qualität der Luftreinigung und der Energieverbrauch sind Kriterien, es soll auch ermittelt, werden, welche technischen Anforderungen an derartige Geräte gestellt werden müssen. Und natürlich will man Erfahrungen mit der Lautstärke der Geräte sammeln: 60 db ist der Geräuschpegel bei Maximalleistung. Dieser Pegel ist ungefähr der Lärmpegel eines normalen Gesprächs, liegt also deutlich über der sogenannten Konzentrationsschwelle. Aus diesem Grund wurde die Geräteanzahl überdimensioniert, damit die Geräte bei einem geringen Lärmpegel arbeiten können.

Lehrer und Lehrerinnen können ausprobieren

Die Lehrer:innen der Grundschule Kocherstetten sind in den Versuch einbezogen. Sie haben jetzt die Möglichkeit, die Geräte auszuprobieren und ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Lautstärke im Unterricht noch tolerierbar ist.

Positives Feedback des Rektors

Steffen Gahm, Rektor der Grundschule, gibt nach den ersten Tagen ein positives Feedback über die Geräte: „Wir freuen uns, diese Möglichkeit zu erhalten. Es war zunächst ein ungewohntes Gefühl, ein ständiges Brummen zu hören, man hat sich aber doch schnell daran gewöhnt. Auch von den Kindern kam bisher keine Rückmeldung, dass dies störend wäre. Man hatte schon sehr schnell das Gefühl, deutlich frischere Luft zu atmen. Zudem ist die Handhabung sehr einfach und somit im Alltag leicht umsetzbar.“

Warten auf eine Entscheidung des Landes

Sonja Wystup ist überzeugt, dass das Land bald eine Entscheidung treffen muss, ob Luftreinigungsanlagen in größerem Maßstab eingesetzt werden sollen. Bis dahin will sie genügend Know-How aufgebaut haben, um dann dazu beitragen zu können sinnvolle Lösungen für Schulen anbieten zu können.

Sonja Wystup bedankt sich insbesondere bei dem Ingenieurdienstleister Xares GmbH, Neuenstein für die zur Verfügungsstellung der Geräte und an den Gerätehersteller Frico GmbH, Dörzbach-Hesslachshof. „Ohne deren Engagement wäre die Privatinitiative nicht möglich.“

Text: Matthias Lauterer

 

Je vier dieser Luftreiniger stehen in den beiden Klassenzimmern der Grundschule Kocherstetten. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten

Die Luftreiniger sind recht unauffällig. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten

Die Luftreiniger sind recht unauffällig. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten

Die Luftreiniger sind recht unauffällig. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten