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Luftreinigungsversuch in der Grundschule Kocherstetten

Luftreinigung ist ein großes Stichwort, um die Verbreitung des Coronavirus in Innenräumen, wie zum Beispiel Klassenzimmern, zu unterbinden. Diverse Konzepte wurden vorgestellt, zum Beispiel ein „Eigenbauprojekt“, das vom Max-Planck-Institut in Mainz entworfen wurde. Auch in der Johann-Friedrich-Mayer-Schule in Kupferzell wurde in Zusammenarbeit mit ebm-papst eine Luftreinigungseinheit zu Versuchszwecken aufgebaut (GSCHWÄTZ berichtete).

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Luftreinigungsanlagen mit geeigneten Filtern in der Lage sind, die Corona-Viren-Konzentration und damit das Infektionsrisiko erheblich herabzusetzen.

Private Initiative ermöglicht den Versuch

Auch in der Grundschule Kocherstetten ist seit einer Woche eine Luftreinigung im Versuchseinsatz, in zwei Klassenzimmern stehen 4 handelsübliche Luftreinigungsgeräte, die stufenlos geregelt werden können. „Eine ziemliche Hau-Ruck-Aktion war das“, meint Sonja Wystup. Sie ist Mutter eines Schülers, Elektroingenieurin und Initiatorin des Projekts, und erklärt: „Wir verwenden HEPA13-Filter, die Staub, Pollen, Bakterien und Viren bis hinunter zu 0,3µm ausfiltern. Da Viren nicht vereinzelt in der Luft herumfliegen, sondern in der Luft immer in Tröpfchen eingeschlossen sind, erreichen die Filter einen Luftreinigungsgrad von 99,98 % laut Herstellerangabe.“ Vier Reinigungsgeräte stehen in jedem der beiden Klassenzimmer, jedes Gerät reinigt bis zu 400m³ Raumluft in der Stunde.

Sinnvolle Ergänzung zum Lüften, aber kein Ersatz

Was die Geräte nicht filtern ist Kohlendioxid, auch führen sie der Raumluft keinen Sauerstoff zu. Sonja Wystup sieht daher die Filtergeräte als sinnvolle Ergänzung, nicht etwa als Ersatz für das Lüften, zum Beispiel auch in der Heuschnupfenzeit.

Unterschiedliche technische Ansätze für unterschiedliche Gebäudevoraussetzungen

Die Geräte saugen die Luft unten an und geben sie gereinigt nach oben wieder in den Raum ab – ein anderer Ansatz wie zum Beispiel die vom MPI Mainz entwickelte Anlage, die aussieht wie mehrere Dunstabzugshauben, die man aus der Küche kennt.

Sie sieht stark unterschiedliche Voraussetzungen bei den Schulgebäuden: „Kocherstetten ist ein Altbau, da herrschen ganz andere Voraussetzungen als bei modernen Schulen“. Ideal für das Lüften sei ein Klassenzimmer mit Fenstern auf beiden Seiten und ein wenig Wind. „Aber unter diesen Gesichtspunkten sind die Schulen nicht gebaut worden – hätten wir ideale Bedingungen, würde Lüften ausreichen.“

Diese idealen Bedingungen sind aber in Schulen in der Regel nicht gegeben. Auch seien die Verhältnisse in Schulen sehr unterschiedlich: „Pauschalaussagen kann man nicht treffen“. Zum Beispiel habe Kocherstetten sehr hohe Räume, wie sie in modernen Schulgebäuden nicht mehr anzutreffen sind.

Und so will Sonja Wystup vorrangig Daten sammeln, um diese für eine Produktentwicklung bereitzustellen. Nicht nur Qualität der Luftreinigung und der Energieverbrauch sind Kriterien, es soll auch ermittelt, werden, welche technischen Anforderungen an derartige Geräte gestellt werden müssen. Und natürlich will man Erfahrungen mit der Lautstärke der Geräte sammeln: 60 db ist der Geräuschpegel bei Maximalleistung. Dieser Pegel ist ungefähr der Lärmpegel eines normalen Gesprächs, liegt also deutlich über der sogenannten Konzentrationsschwelle. Aus diesem Grund wurde die Geräteanzahl überdimensioniert, damit die Geräte bei einem geringen Lärmpegel arbeiten können.

Lehrer und Lehrerinnen können ausprobieren

Die Lehrer:innen der Grundschule Kocherstetten sind in den Versuch einbezogen. Sie haben jetzt die Möglichkeit, die Geräte auszuprobieren und ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Lautstärke im Unterricht noch tolerierbar ist.

Positives Feedback des Rektors

Steffen Gahm, Rektor der Grundschule, gibt nach den ersten Tagen ein positives Feedback über die Geräte: „Wir freuen uns, diese Möglichkeit zu erhalten. Es war zunächst ein ungewohntes Gefühl, ein ständiges Brummen zu hören, man hat sich aber doch schnell daran gewöhnt. Auch von den Kindern kam bisher keine Rückmeldung, dass dies störend wäre. Man hatte schon sehr schnell das Gefühl, deutlich frischere Luft zu atmen. Zudem ist die Handhabung sehr einfach und somit im Alltag leicht umsetzbar.“

Warten auf eine Entscheidung des Landes

Sonja Wystup ist überzeugt, dass das Land bald eine Entscheidung treffen muss, ob Luftreinigungsanlagen in größerem Maßstab eingesetzt werden sollen. Bis dahin will sie genügend Know-How aufgebaut haben, um dann dazu beitragen zu können sinnvolle Lösungen für Schulen anbieten zu können.

Sonja Wystup bedankt sich insbesondere bei dem Ingenieurdienstleister Xares GmbH, Neuenstein für die zur Verfügungsstellung der Geräte und an den Gerätehersteller Frico GmbH, Dörzbach-Hesslachshof. „Ohne deren Engagement wäre die Privatinitiative nicht möglich.“

Text: Matthias Lauterer

 

Je vier dieser Luftreiniger stehen in den beiden Klassenzimmern der Grundschule Kocherstetten. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten

Die Luftreiniger sind recht unauffällig. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten

Die Luftreiniger sind recht unauffällig. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten

Die Luftreiniger sind recht unauffällig. Bild: Steffen Gahm/Grundschule Kocherstetten




Mit dicker Jacke im Unterricht – Kalte Klassenzimmer an den Schulen

Experten und damit einhergehend auch diverse Landesregierungen empfehlen in Coronazeiten häufiges Lüften an Schulen – manche empfehlen, alle 20 Minuten stoßzulüften, um der Corona-Ausbreitung an den Schulen entgegenzuwirken https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/coronavirus-schulen-lueften-100.html. Die neuen Lüftungskonzepte setzen diverse Schulen auch im Hohenlohekreis nun um. Das Problem: Es wird kalt in den Klassenzimmern. Die Folge: Diverse Schüler fangen sich dadurch schnell eine Erkältung ein. Die Krux: Das geschwächte Immunsystem ist dadurch wiederum anfälliger für andere Erkrankungen – wie etwa Corona.

Der Winter kommt erst noch

Auch früher wurde in den (meisten) Klassenzimmern gelüftet, aber eben nicht ganz so oft. In der Regel in den Pausen, wenn die Schüler sich sowieso nicht im Klassenzimmer befunden haben. Während der nun häufigen Lüftungen hängen die Herbst- und Winterjacken nicht selten weiterhin in den Garderoben in den Gängen, während die Schüler im eigentlich warmen Klassenzimmer auf einmal ständig mit Kältewellen konfrontiert sind. Diverse Lehrer erlauben ihren Schützlingen daher, im Klassenzimmer quasi eine Zweitjacke zu haben oder eine warme Weste, die sie überziehen dürfen, wenn die Fenster aufgemacht werden. Bei richtig kalten Wintertemperaturen würden sich dann noch Schal und Mütze anbieten, die man griffbereit an seinem Sitzplatz verstaut hat.

Mit Mütze und Schal in den Klassenzimmern

Einige Eltern klagen bereits über erste verschnupfte Kinder, die eigentlich sonst eher selten eine Erkältung mit nach Hause bringen. Und dann beginnt das Coronakarusell erst richtig, sich zu drehen. Denn: Diverse Erkältungssymptome wie trockener Husten können schließlich auch Anzeichen von Corona sein. Die baden-württembergische Landesregierung beziehungsweise das Kultusministerum sagt: Trockener Husten kann ein Coronasymptom sein. Neben trockenem Husten zählt auch Fieber ab 38 Grad und der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns zu typischen Coronasymptomen, die es zunächst abzuklären gilt, bevor das Kind wieder in die Schule geschickt werden soll.

Was man tun soll, wenn das Kind „nur“ schnupft und Halsschmerzen hat (dies kann auf eine Erkältung hindeuten, kann aber auch Corona mit sich bringen), steht nicht in den Verhaltensregularien der Landesregierung.

Nur so viel: Eine Mutter aus dem Kochertal hatte vor kurzem Schnupfen, ihr Kind ebenfalls. Der Kindergarten legte ihr nahe, das Kind erst einmal zu Hause zu lassen. Die Firma schicke sie postwendend ins home office.

Starkes Stoßlüften ab Ende der Herbstferien kaum mehr umsetzbar

Währenddessen ist das Problem mit dem Lüften auch schon diversen Verbänden aufgefallen. Karen Claassen, Vorsitzende des Verbands Reale Bildung im Saarland, sagt etwa: „Spätestens nach Ende der Herbstferien wird wohl aufgrund der Temperaturdifferenz zwischen drinnen und draußen das starke Lüften nicht mehr praktikabel sein: Zum einen sind dann die Raumtemperaturen nicht mehr für ein konzentriertes Arbeiten geeignet, zum anderen ist durch die ständig eindringende Kälte auch mit einer Zunahme von normalen Infektionskrankheiten wie Erkältungen zu rechnen. Hinzu kommt eine außerordentlich große Energieverschwendung durch die häufige Kaltluftzufuhr, die nicht in die Zeit passt.“ (https://www.news4teachers.de/2020/09/ministerium-faellt-auf-dass-es-bei-offenen-fenstern-im-unterricht-zu-kalt-wird-und-will-jetzt-ueber-lueftungskonzepte-sprechen/)

Wissenschaftler empfehlen Luftreiniger – Schulminister sagen, das sei zu teuer oder geben die Entscheidung diesbzeüglich an die Schulen weiter

Das geht aus eine Artikel von news4teachsers.de hervor. Weiter heißt es darin: „Dem Bildungsministerium in Rheinland-Pfalz ist mittlerweile auch aufgefallen, dass es mit dem Lüften im Winterhalbjahr ein Problem geben könnte. Es kündigte nun an, den Corona-Hygieneplan für Schulen zu überarbeiten. Staatssekretär Hans Beckmann (SPD) sagt dem SWR, man wolle Lösungen entwickeln, wie man die Klassenzimmer auch im Winter ausreichend lüften könne. Er wolle dafür Schüler-, Elternvertreter, Schulträger und Virologen an einen Tisch bringen. Lösungen könne man nur gemeinsam finden – wie die genau aussehen könnten, konnte Staatssekretär Beckmann aber nicht sagen. Allerdings werde man sich um Fördermittel beim Bund bemühen, beispielsweise für Luftfilteranlagen.

Über deren Anschaffung wird derzeit hitzig diskutiert. Lehrerverbände in mehreren Bundesländern haben mittlerweile die Forderung erhoben, Schulen flächendeckend mit solchen Luftfiltern auszustatten.

Ein Team vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr München hatte einen Raumluftreiniger untersucht, mit dessen Filterkombination selbst sehr kleine Aerosol-Partikel zu 99,995 Prozent aus der Raumluft abgeschieden werden. In einem 80 Quadratmeter großen Raum könne die Aerosolkonzentration in sechs Minuten halbiert werden. Weil die Aerosole rausgefiltert werden, würden die Geräte auch nicht zur Virenschleuder, hielten die Forscher fest. Sie empfehlen Raumluftreiniger ausdrücklich für Schulen.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat bereits abgewunken. Sie halte Luftfilter in Klassenräumen gegen das Coronavirus zwar für eine gute Lösung – aber: für zu teuer. Die Geräte würden bei rund 3000 Euro Kosten pro Klasse, also umgerechnet gut 100 Euro pro Schüler, „Unsummen verschlingen“. Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann (CDU) verwies an die Kommunen: Schulträger müssten selbst entscheiden, ob Lüftungsanlagen eingesetzt würden.

Michael Gomolzig, Stellvertretender Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, beschreibt die Situation wie folgt: „Die Kommunen und Städte sagen zurecht: ‚Warum sollen wir das bezahlen?‘ Und das Kultusministerium sagt: ‚Warum sollen wir das bezahlen? Wir sind für die Lehrpläne verantwortlich.'“ Seiner Meinung nach liege die Verantwortung eindeutig beim Landtag. Dort säßen Politiker, die gewählt werden wollten – dementsprechend „sollen sie sich auch einsetzen“, so Gomolzig.

Der Lüftungseffekt verpufft

Lüften klingt zunächst einfach. Aber selbst wenn gelüftet werden kann, erzeugt dies nicht immer den gewünschten Effekt. Christian Kähler, Professor an der Universität der Bundeswehr in München und Experte für Aerodynamik, erklärt: „Hat man einen Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen, kann man gut lüften. Doch dieser Temperaturunterschied verschwindet nach einer Weile und dann versagt der physikalische Mechanismus.“ Das geht aus einem Beitrag des SWR hervor. https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/corona-belueftung-an-schulen-100.html