1

Long Covid – der lange Schatten

Die SRH Hochschule Heidelberg führt aktuell eine breit angelegte Studie zu den Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung durch. Dabei unterstützt auch der Hohenlohekreis. „Unser Landkreis war von Beginn an besonders stark von der Pandemie betroffen. Gerade darum ist es uns ein wichtiges Anliegen, einen Beitrag zu leisten, um den Betroffenen zu helfen und Antworten auf Fragen zu finden, die uns seit März 2020 begleiten“, sagt Annemarie Flicker-Klein, Leiterin des Gesundheitsamts. Gemeinsam mit Landrat Dr. Matthias Neth hat sie Genesene aus dem Landkreis angeschrieben und zur Teilnahme an der Studie eingeladen.

„Die Teilnahme kann Ihnen auch ganz persönlich weiterhelfen“

Wer an der Studie teilnehmen will, muss keine Long-Covid-Symptome haben, betont Annemarie Flicker-Klein. Darüber hinaus sind auch Bürgerinnen und Bürger, die nicht an Covid-19 erkrankt waren, zur Teilnahme eingeladen. Die Teilnahme erfolgt online unter www.soscisurvey.de/CogniCovid19/ und dauert etwa eine Stunde. „Mit Ihrer Beteiligung tragen Sie nicht nur dazu bei, dass die Gesellschaft mehr über Covid-19 erfährt – die Teilnahme kann Ihnen auch ganz persönlich weiterhelfen“, teilt Flicker-Klein mit. Alle Teilnehmenden erhalten auf Wunsch eine Auswertung ihrer individuellen Daten und erfahren so mehr über ihren aktuellen Gesundheits- und Immunitätsstatus.




Corona-Studie in Kupferzell gescheitert?

Fast fünf Millionen Euro aus dem Topf des Bundesgesundheitsministeriums kostet die Studie „Corona-Monitoring lokal“ des RKI, die in Kupferzell, Bad Feilnbach, Straubing und Berlin-Mitte Daten von rund 9.000 Menschen erhoben hat. Gemessen am finanziellen Aufwand und an der Begeisterung, mit der die Bevölkerung und lokale Behörden die Möglichkeit wahrnahmen, an der Studie teilzunehmen, erscheinen die Auswertungen dieser Datenerhebung bislang eher dürftig (GSCHWÄTZ berichtete). Einzig für die erste Datenerhebung aus dem Mai 2020 sind Ergebnisse veröffentlicht – und diese Ergebnisse mussten im September 2021 berichtigt werden, weil sich „die Eigenschaften der eingesetzten (…) Tests (…) offenbar veränderten“.

Informationsgewinnung gestaltet sich zäh

Auf nochmalige Nachfrage von GSCHWÄTZ beim RKI hat Susanne Glasmacher, dortige Leiterin der Pressestelle, einige Informationen nachgeschoben: In der zweiten Untersuchung vom Oktober 2020 „ging es darum, die Nachweisbarkeit von Antikörpern im Zeitverlauf zu beobachten“. 300 Personen, bei etwa der Hälfte davon waren in der ersten Untersuchung Antikörper festgestellt worden, wurden erneut untersucht. „Um die Fragestellungen zur Konzentration von Antiköpern gegen SARS-COV-2 im Zeitverlauf zu beantworten und statistisch belastbare Ergebnisse zu erhalten, ist diese Stichprobe jedoch nicht groß genug“, schreibt Glasmacher und fährt fort: „In der Folge wurden deshalb die weiteren Untersuchungsorte (Bad Feilnbach, Straubing, Berlin-Mitte) im Jahr 2021 ebenfalls noch einmal besucht und entsprechende Proben entnommen. Die genannten Orte wurden nacheinander von Untersuchungsteams des RKI besucht. Dabei haben RKI-Teams noch einmal Blutproben für den Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 entnommen und weitere Untersuchungen – zum Beispiel zur zellulären Immunität gegen COVID-19 – durchgeführt.“

„Der auf diese Weise gewonnene Datensatz wird derzeit ausgewertet.“

Weder die Daten noch Ergebnisse oder Schlussfolgerungen aus diesen Daten, die teils bereits im Jahre 2020 ermittelt wurden, sind Anfang 2022 veröffentlicht: „Der auf diese Weise gewonnene Datensatz wird derzeit ausgewertet.“ Zwar fände die Gesamtauswertung der Daten zur Entwicklung der Antikörper derzeit statt, aber „eine genaue Planung zu Publikation der Ergebnisse in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift liegt derzeit noch nicht vor.“ Ob diese eventuelle Publikation dann noch neue Erkenntnisse zu den vielen weltweit veröffentlichen Studien zum Thema aufzeigen wird?

Thema Long-Covid

Der dritte Besuch in Kupferzell Ende Juni 2022 sollte der Erforschung von Long-Covid dienen – so war es damals jedenfalls angekündigt. Über Daten zu Long-Covid sagt die Antwort des RKI nichts, außer dass bis Ende 2021 noch Nachbefragungen stattfanden. Auch hier: Noch kein Wort zu Resultaten der Datenerhebung.

RKI sieht Teilnehmer gut informiert

Was Susanne Glasmacher nicht nachvollziehen kann, ist die Tatsache, dass sich Studienteilnehmer unzureichend informiert fühlen: „Alle Teilnehmenden haben jeweils einige Wochen nach ihrer Untersuchung die persönlichen Ergebnisberichte der Folgeerhebung erhalten“, bestätigt sie und stellt fest: „Über unsere Kanäle (Studientelefon, -postfach) kamen auch keine besonderen Nachfragen an.“

Corona-lokal gescheitert?

Ob die Studie „Corona-Monitoring lokal“ innerhalb des RKI überhaupt noch mit Priorität verfolgt wird oder ob man sie bereits als gescheitert ansehen kann, ist ungewiß. Inzwischen gibt es über die Entwicklung von Antikörpern eine Reihe aussagekräftiger Studien aus aller Welt. Und selbst auf den Seiten des RKI finden sich bereits andere, weitaus größere, Untersuchungen mit deutlich höheren Testanzahlen, die ganz ähnliche Fragen stellen: Im Rahmen der SeBluCo-Studie wurden flächendeckend bereits 120.000 Blutspenden auf Antikörper untersucht, ein Zwischenbericht wurde Ende 2021 bereits veröffentlicht. Und es gibt eine Studie „Leben in Deutschland – Corona-Monitoring 2021“, die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zwischen Oktober und Dezember 2021 das Blut von 28.000 Menschen untersuchte.

Text: Matthias Lauterer




„Zum Glück haben Herr Neth und Herr Spieles gesagt: ‚Natürlich‘“

Kupferzell – die schöne 6000-Seelen-Gemeinde an der Kupfer, die letztes Jahr als Corona-Hotspot galt, steht weiterhin im Rampenlicht. Dieses Mal geht es um die Ergebnisse der Studie zur Bildung von Antikörpern nach einer COVID-19-Erkrankung und deren Langzeitfolgen, Corona-Monitoring genannt. Bei einer Informationsveranstaltung am vergangenen Samstag versammeln sich der Kupferzeller Bürgermeister Christoph Spieles und Abgeordnete des hiesigen Landtags um Dr. Julia Strandmark vom RKI, die die Feldleitung des Corona-Monitorings übernimmt.

RKI: „Das bricht alle Rekorde“

„Wir wurden hier in Kupferzell mit offenen Armen willkommen geheißen, was unsere Arbeit natürlich ungemein erleichtert“, erzählt Strandmark und lobt die hohe Partizipation der Kupferzeller an der Studie: „Im Mai 2020 sind wir hier in Kupferzell angekommen und haben ungefähr 2500 EinwohnerInnen zur Studie eingeladen. Davon haben mehr als 2000 einen Termin gebucht und an unserer Studie teilgenommen. Das bricht alle Rekorde, die wir bisher an Teilnahmebereitschaft erlebt haben.“

Erste RKI-Studie ermittelt hohe Dunkelziffer

Im Rahmen der ersten der drei Studien seien sowohl Rachenabstriche genommen worden, „um aktive Infektionen zu messen“, als auch Blutproben, „um Antikörper im Blut nachzuweisen“. Das Untersuchen von gesunden Menschen diene dem Zweck, so Strandmark, anhand der Immunreaktion abschätzen zu können, wie viele der Studienteilnehmer zu diesem Zeitpunkt schon mit dem Virus in Kontakt gekommen seien. Das seien im Rahmen der ersten Erhebung 12% gewesen. Durch die Testung der asymptomatischen Studienteilnehmer habe sich, nach Angabe Strandmarks, die Inzidenz in Kupferzell versechsfacht.

In der zweiten Studie geht es um Antikörper

Im Oktober 2020 sei der zweite Feldversuch in Kupferzell gestartet worden. „Zu diesem zweiten Teil der Studie haben wir nun alle Personen eingeladen, die entweder Antikörper im Blut oder einen positiven PCR-Test hatten“, erklärt Strandmark. „Das waren 289 Teilnehmer. Davon haben 271 mitgemacht. Dadurch, dass wir noch einmal Proben von den gleichen Personen wie im Mai genommen haben, können wir nun Aussagen über den Verlauf der Antikörperdichte treffen. Was mich persönlich sehr gefreut hat ist, dass 80% der Menschen, die bei der ersten Erhebung im Mai Antikörper im Blut hatten, diese sechs Monate später im Oktober immer noch hatten.“ Des Weiteren habe sich das RKI mit der Frage beschäftigt, ob tatsächlich die Antikörper im Blut bei der Immunabwehr des Coronavirus die primäre Rolle spielten, oder ob auch die zelluläre Immunantwort, also die T-Zellen, relevant seien. Analog dazu habe man sich mit der durch die Impfung initiierten Immunität beschäftigt.

Dritte Studie beschäftigt sich mit Langzeitfolgen

„Die letzte Frage, der wir uns in dieser Studie gestellt haben, ist die nach ‚Long COVID‘, also nach den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion. Um diese besser verstehen zu können haben wir noch einmal nachgefragt, ob wir denn nicht ein drittes Mal in Kupferzell vorbeikommen dürften. Zum Glück haben Herr Neth und Herr Spieles gesagt: ‚Natürlich‘. Deswegen sind wir jetzt seit zwei Wochen wieder hier.“ Strandmark zieht ein positives Resümee der Untersuchungen, die nun vorerst beendet seien. Zum Ende des Sommers gebe es allerdings zusätzlich ausführliche Befragungen, um sich erneut mit dem Thema „Langzeitfolgen“ auseinanderzusetzen.

Text: Priscilla Dekorsi