Fast fünf Millionen Euro aus dem Topf des Bundesgesundheitsministeriums kostet die Studie „Corona-Monitoring lokal“ des RKI, die in Kupferzell, Bad Feilnbach, Straubing und Berlin-Mitte Daten von rund 9.000 Menschen erhoben hat. Gemessen am finanziellen Aufwand und an der Begeisterung, mit der die Bevölkerung und lokale Behörden die Möglichkeit wahrnahmen, an der Studie teilzunehmen, erscheinen die Auswertungen dieser Datenerhebung bislang eher dürftig (GSCHWÄTZ berichtete). Einzig für die erste Datenerhebung aus dem Mai 2020 sind Ergebnisse veröffentlicht – und diese Ergebnisse mussten im September 2021 berichtigt werden, weil sich „die Eigenschaften der eingesetzten (…) Tests (…) offenbar veränderten“.
Informationsgewinnung gestaltet sich zäh
Auf nochmalige Nachfrage von GSCHWÄTZ beim RKI hat Susanne Glasmacher, dortige Leiterin der Pressestelle, einige Informationen nachgeschoben: In der zweiten Untersuchung vom Oktober 2020 „ging es darum, die Nachweisbarkeit von Antikörpern im Zeitverlauf zu beobachten“. 300 Personen, bei etwa der Hälfte davon waren in der ersten Untersuchung Antikörper festgestellt worden, wurden erneut untersucht. „Um die Fragestellungen zur Konzentration von Antiköpern gegen SARS-COV-2 im Zeitverlauf zu beantworten und statistisch belastbare Ergebnisse zu erhalten, ist diese Stichprobe jedoch nicht groß genug“, schreibt Glasmacher und fährt fort: „In der Folge wurden deshalb die weiteren Untersuchungsorte (Bad Feilnbach, Straubing, Berlin-Mitte) im Jahr 2021 ebenfalls noch einmal besucht und entsprechende Proben entnommen. Die genannten Orte wurden nacheinander von Untersuchungsteams des RKI besucht. Dabei haben RKI-Teams noch einmal Blutproben für den Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 entnommen und weitere Untersuchungen – zum Beispiel zur zellulären Immunität gegen COVID-19 – durchgeführt.“
„Der auf diese Weise gewonnene Datensatz wird derzeit ausgewertet.“
Weder die Daten noch Ergebnisse oder Schlussfolgerungen aus diesen Daten, die teils bereits im Jahre 2020 ermittelt wurden, sind Anfang 2022 veröffentlicht: „Der auf diese Weise gewonnene Datensatz wird derzeit ausgewertet.“ Zwar fände die Gesamtauswertung der Daten zur Entwicklung der Antikörper derzeit statt, aber „eine genaue Planung zu Publikation der Ergebnisse in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift liegt derzeit noch nicht vor.“ Ob diese eventuelle Publikation dann noch neue Erkenntnisse zu den vielen weltweit veröffentlichen Studien zum Thema aufzeigen wird?
Thema Long-Covid
Der dritte Besuch in Kupferzell Ende Juni 2022 sollte der Erforschung von Long-Covid dienen – so war es damals jedenfalls angekündigt. Über Daten zu Long-Covid sagt die Antwort des RKI nichts, außer dass bis Ende 2021 noch Nachbefragungen stattfanden. Auch hier: Noch kein Wort zu Resultaten der Datenerhebung.
RKI sieht Teilnehmer gut informiert
Was Susanne Glasmacher nicht nachvollziehen kann, ist die Tatsache, dass sich Studienteilnehmer unzureichend informiert fühlen: „Alle Teilnehmenden haben jeweils einige Wochen nach ihrer Untersuchung die persönlichen Ergebnisberichte der Folgeerhebung erhalten“, bestätigt sie und stellt fest: „Über unsere Kanäle (Studientelefon, -postfach) kamen auch keine besonderen Nachfragen an.“
Corona-lokal gescheitert?
Ob die Studie „Corona-Monitoring lokal“ innerhalb des RKI überhaupt noch mit Priorität verfolgt wird oder ob man sie bereits als gescheitert ansehen kann, ist ungewiß. Inzwischen gibt es über die Entwicklung von Antikörpern eine Reihe aussagekräftiger Studien aus aller Welt. Und selbst auf den Seiten des RKI finden sich bereits andere, weitaus größere, Untersuchungen mit deutlich höheren Testanzahlen, die ganz ähnliche Fragen stellen: Im Rahmen der SeBluCo-Studie wurden flächendeckend bereits 120.000 Blutspenden auf Antikörper untersucht, ein Zwischenbericht wurde Ende 2021 bereits veröffentlicht. Und es gibt eine Studie „Leben in Deutschland – Corona-Monitoring 2021“, die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zwischen Oktober und Dezember 2021 das Blut von 28.000 Menschen untersuchte.
Text: Matthias Lauterer