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„Es freut uns, wenn wir mit unserer Localboxx den lokalen Selbst- und Direktvermarktern helfen können“

Corona-Lockdown 2020: Innerhalb kürzester Zeit wurden alle Auftritte der Bands von Sarah Hank-Paidar aus Neuenstein und ihrem Mann abgesagt. Die beiden betreiben eine Musikschule in Öhringen. Ein Plan B musste her. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, hat die 44-Jährige Mutter von zwei Kindern aus Öhringen fieberhaft nach neuen Wegen gesucht. Irgendetwas regionales wollte die Musiklehrerin machen, anderen, die in einer ähnlichen Situation sind wie sie helfen. Vielleicht eine CD veröffentlichen? Kurz bevor auch die Cafés und Kneipen im Zuge des Corona-Lockdowns schließen mussten, traf sie sich ein letztes Mal mit ihren Freundinnen auf einen Café und räsonierte über ihre Pläne. Ihre langjährige Freundin Stefanie Hornung aus Öhringen, ebenfalls Mutter von zwei Kindern und zu dieser Zeit noch voll berufstätig bei einem anderen Arbeitgeber, brachte ihre Ideen mit ein. Heraus kam: Localboxx.

Sarah (links) und Stefanie haben Localboxx vor zwei Jahren gegründet. Foto: GSCHWÄTZ

Nach nur zwei Tagen stand das Konzept

Nach nur zwei Tagen stand das Konzept. Die Firma wurde zunächst als GbR angemeldet, jede von ihnen nahm 5.000 Euro in die Hand und los ging es im Herbst 2020. Die Idee: Die Frauen stellen Geschenkpakete mit Produkten von lokalen Anbietern zusammen und verkaufen diese. Den oft kleinen Eigenproduktionen im Hohenlohekreis sei damit geholfen, so die Frauen – und auch den Firmen mit originellen Geschenken für ihre Kunden und Mitarbeiter:innen. Zirka 95 Prozent der Kunden von Sarah und Steffi sind derezit Firmen aus der Region, nicht selten global player, aber auch Inhaber von kleineren Geschäften, von der Zahnarztpraxis bis zum Einzelhandelsgeschäft.

Mit den ganz Großen im Geschäft

Sarah schickte nach der Gründung eine selbst gestaltete Power-Point-Präsentation an Firmen im Hohenlohekreis, wenig später hatten sie die ersten größeren Bestellungen. „Wir rechneten am Anfang mit 30 bis 40 Paketen, wenn es gut läuft“, erinnert sich Stefanie. Im ersten Jahr waren es gleich 3.000. Man bedenke dabei: Der Gründungsmonat war dabei nicht Januar, sondern November 2020. Zwei Jahre später sind sie bereits bei rund 8.000 verkauften Boxen. Tendenz steigend.

Angefangen haben sie in Mamas Gästezimmer

Dann die Frage: „Wo machen wir das eigentlich?“ Bei Stefanies Mama im Gästezimmer packten sie die ersten Kisten. „Dieser Raum wurde dann schnell erweitert auf ihre ganze Wohnung“, erinnert sich Sarah lachend. Seid September 2022 findet man die Frauen einem angemieteten Raum zentral gelegen in der Innenstadt von Öhringen, in der Karlsvorstadt 49. Kunden können hier problemlos und kostenfrei parken und die Frauen sowie ihre mittlerweile 13 Packhelfer:innen, die auf Abruf arbeiten, haben genug Platz, um alles im wahrsten Sinne „einzutüten“. An Weihnachten haben sie das meiste Geschäft.

Am Anfang war die CD

Anfangs hatten sie drei verschiedene Boxen im Programm: eine mit einer CD von regionalen Liedermachern, die zweite mit CD und einem Essensgutschein für ein Restaurant in Öhringen, das dritte mit drei regionalen Produkten, etwa einem Stollen, Marmelade und Honig. Rund 200 ganz unterschiedliche regionale, teilweise sehr kreative Produkte haben sie mittlerweile im Sortiment, unter anderem selbst gemachte Nudeln aus Orendelsall, Schokoladengewürzsalz, „Lückenfüller-Müsliriegel, „Brain“-Müsli ohne Zuckerzusatz, BubenLohe-Kichererbsen, Hohenloher Chips. Was derzeit eher nicht mehr so angesagt ist: Alkohol und Fleischprodukte. Auch hier spürt man einen Wandel im Zeitgeist zu einem gesünderen, bewussteren Konsum.

„Es freut uns, wenn wir mit unserer Localboxx den lokalen Selbst- und Direktvermarktern helfen und jemandem mitteilen können: Wir haben heute 1.000 von deinen Marmeladengläsern verkauft“, erzählt Sarah mit leuchtenden Augen.

Mittlerweile ein Vollzeitjob für beide

So gut sie sich verstehen, so unterschiedlich sind die Frauen. Dadurch herrschte von Beginn automatisch eine klare Aufgabenteilung, bei der jede sich mit ihren Stärken einbrachte: Die 50-jährige Diplombetriebswirtin Stefanie ist zuständig für die Verwaltung, Buchhaltung, Logistik sowie für die Verpackung, Grafik & Design. Die lustigen „Werbe-Packvideos“ gestaltet inzwischen eine Agentur für sie. Das einprägsame Logo hat Stefanie selbst entworfen. Localboxx ist mittlerweile zu einem Vollzeitjob für beide Frauen geworden. Stefanie hat ihr Arbeitsverhältnis zu ihrem früheren Arbeitgeber daher gekündigt, während Sarah nur noch einmal wöchentlich in der Musikschule tätig ist. Sarah wiederum ist zuständig für die Produkte, die in die Box kommen, für die Kundenakquise, das Marketing sowie die Mitarbeiter:innen.

„Vom Einkauf übers Verpacken bis zum Versenden, wir können alles für unsere Kunden machen“, betonen die Unternehmer:innen.

In diesem Jahr möchten sie auch den Online-Bestellbereich auf ihrer Internetseite www.localboxx.de und den Privatkundenbereich weiter ausbauen. Unterjährig möchten sie noch mehr anbieten für Anlässe wie Jubilarien, Geburtstage, Hochzeiten und Geburten. Sie sind dankbar für die Hohenloher Firmen und Unternehmer, von denen sie von Anfang an so gut unterstützt wurden durch zahlreiche Bestellungen und freuen sich auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit in diesem Bereich. Mittlerweile haben sie sich selbst zu einer GmbH umfirmiert.

Kontakt und weitere Informationen zu Localboxx

Localboxx GmbH

KArlsvorstadt 59

74013 Öhringen

Tel.: 07941/645 49 00

Mail: info@localboxx.de

Kosten einer Box

Die Boxen gib es in zwei verschiedenen Größen. Die Medium-Boxen fängt an bei zirka 20 Euro.

 

 




Besuch in einer Joghurtmanufaktur in Marlach

Es ist ein warmer Frühlingstag, als ich auf dem Hof von Familie Reuther in Marlach ankomme. Ich sehe mich erst einmal etwas um, werde dabei neugierig aus großen Augen beobachtet und mit einem lauten „Muuuhhh“ begrüßt. Die vierbeinigen Kolleginnen liefern die Grundlage für das Milchhandwerk Marlach. Aus der Rohmilch vom Hof ihres Bruders Bernd Reuther macht Karin Reuther-Gruschka Joghurt in zahlreichen Sorten, die ausschließlich über den Hofladen und regional vertrieben werden.

 

Über 20 Joghurtsorten

Von der Idee bis zum ersten Becher Joghurt vergingen gut fünf Jahre. Die Idee selbst keimte in Karin Reuther-Gruschka auf, als ihr Bruder 2009 den neuen Aussiedlerhof am Ginsbacher Weg in Marlach baute. Unter Freunden und Bekannten wurde sie wegen ihres Traumes oft belächelt, nicht zuletzt da sie und ihr Mann beide aus der Textilbranche stammen. Doch sie ließ sich nicht abbringen und arbeitete kontinuierlich an der Realisierung ihrer kleinen Hofmolkerei. Neben dem Bau erfolgten zahlreiche Aus- und Weiterbildungen in Molkereifachschulen in Kempten, Wangen und Triesdorf, bis sie schließlich im November 2014 den Betrieb im neuen Gebäude aufnehmen konnte. Nach inzwischen rund zweieinhalb Jahren bietet sie unter dem Namen „mhm… milch. handwerk. marlach.“ bereits über 20 Joghurtsorten an. Zudem gibt es in dem kleinen Selbstbedienungsladen Molkedrinks, Blütenhonig von Marlacher Bienen und frische Rohmilch, die sich die Kunden aus dem Milchautomaten zapfen.

Der Joghurt trägt die Namen von Kühen.
Foto: GSCHWÄTZ/Cwik

Vollzeit im Milchhandwerk und pro Woche mehrere hundert Liter Joghurt herstellen.

Nachdem Frau Reuther-Gruschka die Hofmolkerei anfangs nebenberuflich betrieb, musste sie ihren ursprünglichen Job aufgrund der schnell steigenden Nachfrage bald darauf auf 50 Prozent reduzieren. Mittlerweile arbeitet sie Vollzeit im Milchhandwerk und stellt zweimal pro Woche jeweils rund 300 Liter Joghurt aus frischer Rohmilch her. Diese Rohmilch wird direkt vom Hof ihres Bruders in den Pasteur gepumpt, in dem sie etwa 20 Minuten lang auf 85 Grad erhitzt und damit pasteurisiert wird. Im Anschluss kühlt der Pasteur die Milch auf 42 Grad ab und sie fügt die Joghurtkulturen hinzu. Bei dieser Temperatur ruht die Milch dann über Nacht für etwa neun bis zehn Stunden und es entsteht Joghurt. Da Frau Reuther-Gruschka ihren Joghurt gerne etwas säuerlicher mag, achtet sie am Morgen darauf, dass der ph-Wert dementsprechend maximal 4,5 erreicht.

Herstellung des Joghurts ohne Zusatz von Zucker.
Foto: privat

Die Reuthers stellen nach eigener Angabe Produkte mit Charakter her.

Den Joghurt gibt es in zwei verschiedenen Grundvarianten: der normalen, etwas flüssigeren und der abgetropften, die in der Konsistenz etwas an Quark erinnert. Für die abgetropfte Variante wird vom fertigen Joghurt ein Teil abgeschöpft und auf ein dünnes Vlies gegeben. So tropft die Molke aus dem Joghurt und das fertige Produkt erhält eine festere Konsistenz. Aus der Molke werden im Anschluss Molkedrinks hergestellt. Der abgetropfte Joghurt wird auf einem Fruchtspiegel in einen Becher abgefüllt und der normale Joghurt als Naturjoghurt oder vermischt mit einer Fruchtzubereitung als Fruchtjoghurt abgefüllt. Die Reuthers stellen nach eigener Angabe Produkte mit Charakter her. Daher tragen die Joghurts die Namen der Kühe und heißen beispielsweise Violetta (Vanille), Hanna (Himbeere), Edda (Erdbeere) oder Maja (Pfirsich-Maracuja).

 

„Unsere Kunden ist Regionalität wichtiger als bio.“

Bis auf die Fruchtzubereitungen kommen alle Zutaten beim Milchhandwerk aus der Region und das Futter für die Milchkühe ist frei von Gentechnik. Auf die Nachfrage, ob bio ein Thema wäre, sagt Frau Reuther-Gruschka: „Unsere Kunden ist Regionalität wichtiger als bio.“ Doch was unterscheidet den Joghurt der Hofmolkerei vom industriell hergestellten Joghurt? In der industriellen Produktion wird der Milch zuerst Fett entzogen und anschließend im gewünschten Maß wieder zugeführt. Die Milch wird neben dem Pasteurisieren homogenisiert. Das bedeutet vereinfacht dargestellt, dass die Fettmoleküle unter großem Druck in winzig kleine Partikel zerteilt werden. Dadurch setzt sich in der Milch beziehungsweise im späteren Joghurt keine Rahmschicht am oberen Rand ab. Auf den Zusatz von Milchpulver, Zucker oder Verdickungsmitteln wird darüber hinaus verzichtet. Zucker ist lediglich in den Fruchtzubereitungen enthalten. Für Ungeduldige liegen im Hofladen Löffel bereit. Die Kunden legen den entsprechenden Betrag in die Kasse. Das funktioniert super. „Joghurtesser sind ehrliche Menschen“, sagt Sven Gruschka lachend.

Text: Nadine Cwik

Erschienen in unserem Print-Magazin Ausgabe 09 / Juli 2017