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Shutdown soll noch bis mindestens Mitte März 2021 gehen

Beschlussvorlage: Lockdown bis Mitte März 2021
Das Bundeskanzleramt will den Corona-Lockdown bis zum 14. März verlängern. Das geht laut übereinstimmenden Medienberichten aus einer aktualisierten Beschlussvorlage für die Beratungen von Bund und Ländern am Mittwochnachmittag, den 09. Februar 2021, hervor.
keine Öffnung für den Einzelhandel
Außerdem sollen Friseure unter Auflagen ab dem 01. März wieder öffnen dürfen, für die Öffnung des Einzelhandels wird noch kein Datum genannt. Über die Öffnung von Schulen und Kitas sollen die einzelnen Bundesländer selbst entscheiden. Über das weitere Vorgehen nach der Verlängerung bis Mitte März gibt es offenbar noch keine einheitliche Position von Kanzleramt und Länderchefs.

Das weitere Vorgehen könne entweder bei einer Besprechung von Kanzlerin und Ministerpräsidenten am 10. März 2021 geklärt werden, oder bei einer „stabilen deutschlandweiten Sieben-Tage-Inzidenz von höchstens 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner“ erfolgen, heißt es in dem Entwurf.

Zusätzliche Coronabeschränkungen

Der neue Entwurf ist nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus Verhandlungskreisen zwischen dem Kanzleramt, dem Land Berlin und Bayern abgestimmt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) hatten am Dienstagabend mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) versucht, eine Kompromisslinie zu finden.

Am Mittwochnachmittag, den 10. Februar 2021, sollen die finalen Ergebnisse des Bund-/Ländergipfels veröffentlicht werden.

Vorgesehen ist in dem Entwurf auch, dass Landkreise, die eine Inzidenz von 50 nicht unterschreiten, zusätzliche Corona-Beschränkungen verhängen können. „Länder wie Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen, Schleswig-Holstein oder Niedersachsen hatten schon vorher gesagt, dass sie auf jeden Fall Öffnungsschritte in den Schulen durchsetzen würden“, sagte ein Verhandlungsteilnehmer. Doch das hat Winfried Kretschmann bereits mehrfach in Aussicht gestellt. Passiert ist jedoch seither nichts.

Mehrfach in Aussicht gestellt, passiert ist jedoch seither nichts

Hintergrund der Verlängerung ist vor allem die Sorge um die Ausbreitung von Virus-Varianten. Bundesweit sank die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen erstmals seit Monaten unter die Marke von 70, nämlich auf 68, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwoch bekannt gab. Kurz vor Weihnachten hatte der Höchststand bei 197,6 gelegen. Erklärtes Ziel ist ein Niveau von bundesweit weniger als 50, damit Gesundheitsämter vor Ort Infektionsketten wieder verfolgen können. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte kürzlich daran erinnert, dass die Fünfziger-Schwelle eigentlich eine „kritische Marke“ für nötige schärfere Gegenmaßnahmen sei; ein Niveau von 49,8 sei nicht unproblematisch. Also auch hier gibt es bislang keine verbindlichen Ziele, wann welche Maßnahmen wieder zurückgefahren werden. Bei einem Inzidenzwert von 20 oder bei einem deutschlandweiten Inzidenzwert von 20? Keiner weiß es.

Also auch hier gibt es bislang keine verbindlichen Ziele, wann welche Corona-Maßnahmen wieder aufgehoben werden

Eine Verlängerung des Lockdowns wird oft mit der Gefährlichkeit der Mutationen begründet. Städtetagspräsident Burkhard Jung sagte in der „Rheinischen Post“ zu seiner Forderung nach einer Verlängerung: „Zu ungewiss ist noch, wie sich die Mutationen des Coronavirus ausbreiten und was sie aufhalten kann“.

 




„Bei vielen unserer Kollegen sind die Reserven nach dem mehrfach wiederholten Lockdown restlos aufgebraucht“

Seit November 2020 kennt man das Bild: Die Innenstädte sind größtenteils leer, die Geschäfte geschlossen. Nur Geschäfte mit Lebensmitteln, Drogerie- und Gesundheitsartikeln dürfen geöffnet sein. Winterbekleidung gibt es in der Stadt nicht, dafür muss man zum Onlineversandhändler gehen. Zwar ist es den Einzelhändlern inzwischen wieder erlaubt, vorab bestellte Ware an Kunden abzugeben, aber dies ersetzt nicht das Geschäft mit der Laufkundschaft.

Modegeschäfte besonders stark getroffen

Viele Einzelhändler seien in ihrer Existenz gefährdet, ist in einem facebook-Post der „Aktion Freundschaftsdienst“, den das Ö-Center Öhringen geteilt hat, zu lesen. Insbesondere die Modehändler seien schwer betroffen: Die Winterware ist geliefert, musste bezahlt und eventuell vorfinanziert werden und liegt nun in den Regalen – ohne Aussicht darauf, verkauft zu werden. „Bei vielen unserer Kollegen sind die Reserven nach dem mehrfach wiederholten Lockdown restlos aufgebraucht“, ist in dem Post zu lesen. 

„Bei vielen unserer Kollegen sind die Reserven nach dem mehrfach wiederholten Lockdown restlos aufgebraucht“

GSCHWÄTZ hat bei Thomas Grabert, Geschäftsführer des Ö Centers und selbst Inhaber eines Einzelhandelsgeschäfts, nachgefragt. Er bestätigt die Nöte der Einzelhändler und berichtet davon, dass nicht nur die Winterware drückt, sondern die Frühlingsware von den Produzenten demnächst in die Läden geliefert wird. Auch die Frühlingsware muss natürlich bezahlt werden, Stornierungen seien in der Regel nicht möglich. Viele Geschäfte hätten nicht einmal Lagerfläche für die unverkaufte Winterware.

Öffnungsszenario und Gleichstellung mit der Gastronomie gefordert

Die Einzelhändler fordern daher zuallererst die Wiedereröffnung, zumindest ein konkretes Wiedereröffnungsszenario für den lokalen Einzelhandel und sagen: „Wir können die Hygieneauflagen mindestens genau so gut wie ein Lebensmittelhandel erfüllen.“ Resigniert stellen sie fest: „Darüber kann man aber offensichtlich nicht mit unseren Politikern diskutieren“.

Gleichstellung mit der Gastronomie gefordert

Daher fordert der Einzelhandel, falls die Wiedereröffnung nicht beschlossen wird, als Alternative zur Öffnung angemessene Entschädigungen, zumindest eine Gleichstellung mit Staatshilfen für die Gastronomie,  schnelle Hilfe durch Vorabzahlungen, einen unbürokratischen Antrags- und Genehmigungsprozess sowie faire und angemessene Ausgleichszahlungen. Eine reine Teilerstattung der Fixkosten könne das Problem nicht lösen: Der Warenbestand an „verderblicher Ware“ reiße ein Loch in die Reserven.

Unterschiedliche Behandlung von Handel und Gastronomie

Grabert geht ein wenig in die Details: „Die Gastro bekommt 75 Prozent vom Umsatz, der Handel einen Fixkostenzuschlag, abhängig vom Umsatzrückgang“. Wie er den Umsatzrückgang letztendlich gegenüber dem Wirtschaftsministerium nachweisen muss, wisse er derzeit noch gar nicht im Detail. Der Zuschuss für den Handel müsse buchhalterisch wie eine Einnahme verbucht werden und sei daher auch zu versteuern. 

Onlineshop für kleinen Einzelhändler keine Alternative

Inzwischen dürfen die Einzelhändler ihren Kunden vorbestellte Waren per „Klick & Collect“ übergeben. Einen Webshop hat Grabert eingerichtet, seine Erfahrungen damit sind allerdings nicht positiv: „Das lohnt sich für den kleinen Einzelhändler nicht“, sagt er. Die Erstellung der Bilder und der Produktbeschreibungen für ein großes und wechselndes Sortiment sei sehr aufwändig. „Eine mögliche Alternative wäre, über Amazon zu verkaufen“, meint er. Den Rest des Satzes spricht er gar nicht erst aus, es ist klar, dass er Amazon nicht als Ergänzung zum lokalen Einzelhandel sieht.

Besonders betroffen

In seiner Funktion als Geschäftsführer des Ö Centers ist Grabert vom Lockdown doppelt betroffen, denn seine Mieter leiden ja ebenfalls unter den Einnahmeausfällen. „Wir reden mit unseren Mietern“, sagt er und berichtet, dass er mit Mietern bereits  individuelle Absprachen getroffen hat.

Ö-Center hat an der Aktion Freundschaftsdienst teilgenommen

Die Webseite www.freundschaftsdienst.eu macht auf die Nöte und Forderungen der Einzelhändler aufmerksam und ruft Einzelhändler dazu auf, mit Aktionen die Aufmerksamkeit der Politik zu erregen. Die Initiatoren, ein Modehändler und ein Betreiber einer Kommunikationsagentur, weisen darauf hin, dass sie niemanden gesundheitlich gefährden wollen und daher auch nicht zu Demonstrationen oder zur demonstrativen Ladenöffnung aufrufen. Einer Vermischung ihrer Aktion mit der Aktion „Wir machen auf“ (GSCHWÄTZ berichtete) treten sie deutlich entgegen: Mit Rechtsextremismus, Coronaleugnung oder Querdenken habe ihre Aktion nichts zu tun. Daher wurden die Posts unter dem Hashtag #wirmachenAUFmerksam veröffentlicht.

Distanzierung zu Coronaleugnern

Grabert und seine Mieter haben sich der Aktion angeschlossen und haben sich am 01. Februar 2021 im und vor dem Ö-Center gezeigt und Fotos gemacht, die inzwischen veröffentlicht sind. Offenbar waren sie und ihre bundesweiten Mitstreiter erfolgreich, denn die „Aktion Freundschaftsdienst“ ist inzwischen beendet, auf der Webseite ist zu lesen, „Our job is done! Wir wollten AUF_merksam machen und werden nun gehört. Wir haben unsere Aufgabe erfüllt!“

Gespanntes Warten auf die Ministerpräsidentenrunde

„Die Mandatsträger unserer Branche, die Handels- und Interessensverbände sind sich bezüglich der zu stellenden Forderungen weitestgehend einig. Die Türen in der Politik stehen weit offen. Wir erwarten von den Verhandlungsführern und der Politik, dass sie die Steilvorlagen nutzen und zeitnah angemessene Ergebnisse präsentieren“, kann man jetzt auf der Webseite lesen. Am Mittwoch, 10. Februar 2021, findet die nächste Runde mit Kanzlerin und Ministerpräsidenten statt, in der es auch um die Bedingungen für eine mögliche Öffnung der Einzelhandelsgeschäfte gehen wird.

Text: Matthias Lauterer

 

Thomas Grabert, Geschäftsführer Ö-Center. Bild: T.Grabert

Einzelhändler des Ö-Centers in Öhringen machen auf ihre Situation AUFmerksam. Bild: T.Grabert

 

Distanzierung von Coronaleugnern und Querdenkern. Quelle: Screenshot www.freundschaftsdienst.eu 08. Februar 2021




Lichter aus. Ein totaler Shutdown muss kommen

Und wieder war es nichts. Die Hoffnungen von vielen Eltern und Schüler, zurück in den normalen Schulalltag in die Schulen zu dürfen, zerplatzte am Donnerstag, den 28. Januar 2021, als der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann nicht zum ersten Mal alle zuvor gestreuten Hoffnungen auf baldige Schul- und Kitaöffnungen zu nichte machte. Angesichts der Mutationen des Coronavirus‘, die es nun in Baden-Württemberg gäbe, seien Lockerungen der Coronamaßnahmen derzeit nun überhaupt nicht mehr vorstellbar.

Überhaupt nicht mehr vorstellbar

Hierzu gab es vor allem in den sozialen Medien diverse hämische ironische Kommentare à la: ,Die Virusmutation sei ja nun ganz überraschend aufgetaucht.‘ In der Tat berichteten diverse Medien bereits im Dezember 2020 von der neuen Mutante in Baden-Württemberg. Also fragt man sich derweil schon, was diese Salamitaktik der Regierung soll, den Bürgern stets Hoffnung auf eine baldige Beendigung der Coronamaßnahmen zu geben, um dann den Traum in letzter Minute platzen zu lassen. Warum sagt man nicht gleich: Stellt euch auf drei Monate Lockdown ein? Damit wäre zumindest die Glaubwürdigkeit in die Politik nicht dermaßen am Wanken.

Auf und nieder, immer wieder

Knapp ein Jahr geht dieser Lockdown-Marathon schon. Auf und nieder, immer wieder. Ein baldiges Ende ist durch die Mutationen derweil erst einmal nicht in Sicht – und damit gehen auch erst einmal die Dauerdoppelbelastungen von vielen Familien weiter, die in einer coronaisolierten Welt leben, die gefühlt nur noch aus homeschooling, homeoffice und Kurzarbeit besteht.

Von Anfang ein knallharter Shutdown

Viele Freizeitaktivitäten sind gestrichen, diverse Läden zu, einige Firmen vor der Insolvenz. Selbst ein Friseurbesuch ist derzeit verboten. Die sozialen Kontakte sollen auf ein Minimum reduziert werden. Die große Frage: Wie lange hält das Volk das noch durch? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, wenn man zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 sofort einen strikten Shutdown-Kurs gefahren hätte? Das habe ich jüngst Arnulf von Eyb, den CDU-Landtagsabgeordneten des Hohenlohekreises, im einem Video-Interview zur bevorstehenden Landtagswahl gefragt. Er sagte sinngemäß: Sicher, wenn man das alles immer vorher wüsste.

Stoppen wir das Virus. Jetzt

Damals war das Virus neu für Deutschland. Nun nicht mehr. Wir wissen inzwischen viel mehr, auch die Politiker. Nun haben wir eine zweite Chance. Eine Mutation, die weitaus schlimmer ist als die erste Variante, soll in Deutschland angekommen sein. Warum nicht jetzt die neuen Erkenntnisse nach einem Coronajahr nutzen und den totalen Shutdown verhängen? Einen Monat alles herunterfahren. Kein Unterricht mehr, kein arbeiten mehr. Die Doppel- und Dreifachbelastung hätte damit für viele zum ersten Mal seit langer Zeit ein Ende. Und auch die finanziellen Folgen eines knallharten Shutdownkurses wären angesichts der immensen Kosten, die der vorherrschende langwierige Dauerhalblockdown verursacht, vorzuziehen. Denn: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Stoppen wir das Virus. Jetzt.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




„Viele meiner Kunden wird es im März nicht mehr geben“

„Viele meiner Kunden wird es bis März nicht mehr geben, wenn das so weitergeht“, sagt ein Banker aus dem Hohenlohekreis, der anonym bleiben möchte. Es drohen reihenweise Insolvenzen. Die Gründe hierfür sind vielschichtig.

Staatliche Hilfen noch nicht ausgeschüttet

Zum einen warten diverse Kunden noch auf die Ausschüttung der Novemberhilfen, zum anderen seien auch diese Staatsgelder nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die deckten oft gerade mal einen Teil der Betriebskosten wie etwa Mieten. Das reiche aber nicht, um nicht in den roten Zahlen zu versinken während des Lockdown. Ein anderer Banker berichtet davon, dass er derzeit genau so viel zu tun habe wie vor Corona, nur handele es sich dabei weniger um Investitionen wie vor Corona, sondern viele bräuchten Überbrückungshilfen, um ihre Liquiditätsengpässe zu lösen, die durch die Coronamaßnahmen entstanden seien.

Amazon ist der große Gewinner

Zum anderen gewöhnen sich gerade im derzeit geschlossenen Einzelhandel viele Kunden daran, ihre Waren immer mehr online zu bestellen, auch etwa Dinge, die vorher bei dem Geschäft um die Ecke gekauft wurden, wie etwa Schreibutensilien. Ob nach der Wiederöffnung die Kunden wieder wie vor Corona den Gang in die Ladengeschäfte tätigen, ist mehr als fraglich. Die Gewinner sind in der Coronakrise die großen Online-Player, die mehr Gewinn erwirtschaften als je zuvor. Besonders Amazon sticht hier hervor. Derweil galoppieren die Preise für Dinge, die derzeit online nur noch begrenzt verfügbar sind, von einem Rekordpreis zum nächsten. So kosteten beispielsweise dieselben Schneebobs vor Corona 49 Euro, derzeit werden sie für 89 Euro angeboten. Bei Winterstiefeln sieht es ähnlich aus. Noch nie wurden diese Dinge fast nur noch übers Netz gekauft. Aber wen wundert es? Die Schuhgeschäfte und Sportartikelläden dürfen zwar Bestellungen entgegennehmen und die Kunden können die Waren dann abholen. Aber einfacher, bequemer und weniger risikobehafteter ist dann doch der Klick bei Amazon oder Zalando.

Die Ungewissheit macht vielen zu schaffen

Die Ungewissheit, wie lange die Schließungen dauern, macht vielen zu schaffen. Und: Der Wegbruch der Frauen beziehungsweise Mütter, die entweder gänzlich wieder ins homeschooling entschwunden sind oder den Spagat mehr schlecht als recht mit homeoffice und homeschooling versuchen zu meistern. Immerhin ein Drittel aller Arbeitnehmer in Deutschland ist weiblich und hierbei handelt es sich neben Putzkräften und Verkäuferinnen auch um hochrangige Managerinnnen. Auch durch diesen Wegbruch können Firmen ins Straucheln kommen.

Bei Homeoffice bleibt das Miteinander und die Effizienz auf der Strecke

Bei den Industrieunternehmen sieht es nicht besser aus. Über die Homeoffice-Pflicht, die Angela Merkel und Winfried Kretschmann fordern, können viele Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen nur schmunzeln. Schon allein um für neue Aufträge weiterhin ständig adäquat und seriös erreichbar zu sein, reicht es eben nicht, eine Rufumleitung einzurichten, damit die Mitarbeiter von zu Hause die Anrufe entgegennehmen. Briefe müssen bearbeitet werden, Jahresabschlüsse anhand von Akten vor Ort gemacht werden. Auch diese kann man schlecht den Mitarbeitern ins homeoffice schicken lassen. Arbeitgeber wollen in der Regel eher nicht, dass Mitarbeiter auf sensible Firmendaten von zu Hause aus zugreifen können. Homeoffice ist zwar zunächst kostensparender, aber die Effizienz beleibt langfristig auf der Strecke und die Motivation auch.

Der Wirtschaft Deutschlands geht es nicht gut.

Der Mensch ist ein soziales Wesen, er braucht den direkten Austausch und die Kommunikation, um langfristig erfolgreich zu arbeiten. Und der Mensch braucht Sicherheit. Viele sind schon in Kurzarbeit, manche haben bereits ihre Jobs verloren. Und damit wird es weitergehen, je länger der Shutdown andauert. Der Wirtschaft Deutschlands geht es nicht gut.

 

 




Deutschland droht ab Dienstag der totale Shutdown

Am Dienstag, den 19. Januar 2021, wollen der Bund und die Länder in Deutschland noch härtere Corona-Maßnahmen verabschieden. Das Treffen sollte eigentlich erst eine Woche später stattfinden, doch angesichts der weiterhin zu hohen Coronazahlen wurde der Termin nun vorverlegt.

Ein Blick auf die Divi-Karte mit den Intensivbetten, die in Deutschland mit Coronapatienten belegt sind, zeigt jedoch sinkende Zahlen an, auch im Hohenlohekreis fallen die Werte:

Die Zahlen sinken: Divi-Intensivbettenbelegung durch Covid-Patienten. Stand: 17.01.2020. Quelle: NTV. Screenshot

Divi-Intensivbettenbelegung durch Covid-Patienten. Stand: 17.01.2020. Quelle: NTV. Screenshot

Deutschland: Coronazahlen im Überblick. Quelle: google. Screenshot

Dennoch sollen die Maßnahmen nun noch weiter angezogen werden. Was kommt auf die Bürger in Deutschland zu? Bayern hat bereits die FFP2-Maskenpflicht in Bussen und beim Einkaufen eingeführt. Kritiker bemängeln die Kosten, insbesondere für Geringverdiener und Rentner. Eine Maske koste rund 2 Euro. Hochgerechnet kann das ein Minus von bis zu 60 Euro in die Haushaltskasse reißen, rechnet man eine Maske im Durchschnitt pro Tag. Die Hersteller empfehlen die FFP2-Masken zur einmaligen Verwendung (1 Tag 1 Maske).

Neben Bayern plant auch Österreich mit strengeren Maßnahmen.

Haus nur noch in dringenden Fällen verlassen

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte in seiner Rede vergangene Woche schon darauf hingewiesen, was genau nun von den Bürgern erwartet werde: noch mehr homeoffice, noch weniger Kontakte (wir berichteten). Sprich: Es könnte dazu kommen, das Kontakte zu anderen Haushalten gänzlich untersagt werden. Derzeit darf sich ein Haushalt in Baden-Württemberg noch mit einer weiteren Person und ihren Kindern (bis 14 Jahre) treffen.

Kein Kreis in Baden-Württemberg erfüllt derzeit die Vorgaben

Ein weiterer möglicher Ansatzpunkt wäre, dass die Ausgangssperren nicht erst ab 20 Uhr gelten, sondern bereits ab 18 Uhr oder – das Horrorszenario für viele – auch tagsüber. Doch eigentlich gelte schon jetzt, so Kretschmann, dass die Bürger das Haus nur noch in dringenden Fällen verlassen dürfen.

Das Ziel der Coronamaßnahmen sei, dass der Inzidenzwert auf unter 50 zu drücken (das bedeutet, dass sich wöchentlich nur noch 50 oder weniger Menschen mit Corona infizieren – hochgerechnet auf 100.000 Einwohner. Dadurch wäre eine Kontaktverfolgung durch die Gesundheitsämter wieder möglich, um eine weitere Verbreitung einzudämmen). Im Hohenlohekreis liegt er aktuell (Stand 15. Januar 2021) mit 92,3 (20 neue Fälle im Vergleich zum Vortag) fast doppelt so hoch. Irritierend ist in diesem Zusammenhang, dass auf der Seite des Regierungspräsidiums (Stand: 17. Januar 2021) zeitgleich für den Hohenlohekreis ein wesentlich niedriger ein Inzidenzwert von aktuell 78,1 angegeben ist. Aber manchmal werden die Daten zeitverzögert gemeldet und so steht manchmal noch der Inzidenzwert des Vortages auf der Seite. Andere Kreise wie der Stadtkreis Heilbronn haben bereits die 200er Marke durchbrochen. Kein Kreis in Baden-Württemberg hat derzeit einen Inzidenzwert von unter 50. Die Frage ist: Wir realistisch ist es, diesen Wert zu schaffen? Und die zweite Frage: Was macht Deutschland, wenn das nicht zu schaffen ist? Verharrt das Land 2021 im Dauer-Shutdown, bis die Mehrheit der Bevölkerung geimpft ist?

Der Hohenlohekreit steht auf der Seite des Regierungspräsidiums noch vergleichsweise gut da hinsichtlich des Inzidenzwertes. Allerdings steht zeitgleich ein höherer Inzidenzwert auf der Hohenlohekreis-Seite.

Sinkende Zahlen auch im Hohenlohekreis. Das zumindest geht aus dem Dashboard des Hohenlohekreises hervor auf der Internetseite corona-im-hok.de vom 17. Januar 2021

Am Samstag, den 16. Januar 2021, gab es laut dem Regierungspräsidium in Stuttgart in Baden-Württemberg weitere 1.873 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus. Damit erhöhte sich die Zahl der Infizierten im Land auf mindestens 273.834, davon sind ungefähr 228.775 Personen wieder genesen. Die Zahl der COVID-19-Todesfälle stieg laut dem Regierungspräsidium um 39 auf insgesamt 6.088 – bei rund 11 Millionen Einwohnern.

Deutschland beklagt seit Ausbruch der Pandemie rund 46.500 Todesfälle – bei rund 83 Millionen Einwohnern.

Text: Dr. Sandra Hartmann

 




Jetzt heißt es, Arschbacken zusammenkneifen, Herr Kretschmann

Wie lange kann ein Shutdown dauern, bis es nicht mehr gesund für die Bürger ist? Selbst der scheinbar immer sehr merkeltreue und baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat sich diese Frage nun auch öffentlich bei seinem Video-Pressestatement am Donnerstag, den 14. Januar 2021, zu dem verlängerten Shutdown an Grundschulen und Kitas gestellt. Wann überwiegen die negativen Auswirkungen auf die psychische Belastungsfähigkeit der Bevölkerung gegenüber den Vorteilen einer hoffentlichen Pandemieeindämmung durch den Shutdown? So lautete sinngemäß seine selbst gestellte Frage (im Wortlaut: „die Schäden dürften nicht höher als der Nutzen sein“).

Shutdown: „Schäden dürfen nicht höher als der Nutzen sein“

Kretschmann wisse, dass dieser Shutdown so schnell wie möglich beendet werden müsse und doch konnte er lediglich eine vage Hoffnung in den Raum zeichnen. Man versuche, Kitas und Grundschulen Anfang Februar 2021 wieder zu öffnen. Doch auch dieser Satz wirkt längst nicht mehr als Hoffnungsschimmer bei den Bürgern, wie es vermutlich das Ziel sein sollte. Anstatt den Menschen Sicherheit zu vermitteln, herrscht weitestgehende Unsicherheit über das Ende des Shutdowns. Quo vadis, Kretschmann, quo vadis, Merkel?

Quo vadis, Kretschmann? Die Wahlen kommen

Keiner weiß es und vielleicht wäre das auch gar nicht so schlimm, wenn wir nicht kurz vor den Landtagswahlen und den Bundestagswahlen stünden. Merkel verschwindet im Coronamorgengrauen, während Kretschmann vielleicht abgewählt wird – wie so viele seiner Artgenossen in diesem besonderen Wahljahr 2021. Und genau deshalb müsste es jetzt heißen: Arschbacken zusammenkneifen, Kretschmann. Aber stattdessen hören die Bürger die immergleichen monotonen Phrasen von „wir müssen zusammenhalten“ über „jeder muss sich an die Maßnahmen halten“ bis hin zu: „Ich weiß, dass erfordert jetzt Kraft und zehrt an den Nerven von jedem einzelnen“. Aber an welcher Kraft zehrt es denn am meisten, wenn wir ehrlich sind?

Nach der Pandemie direkt zum Seelenklempner

Doch nicht etwa an den Nerven der vielen  Staatsbediensteten, die nicht selten unkündbar sind. Wenn weniger Arbeit während der Coronapandemie da ist, wird vermutlich auch einfach weniger gearbeitet. Kurzarbeit gibt es nicht. Die Gehälter zahlen die Steuerzahler ja sowieso brav weiter. Diese aber müssen wiederum seit Monaten mit Kurzarbeitergeld leben, mit der Unsicherheit, vielleicht bald ihre Arbeit zu verlieren, mit der Angst vor Corona und mit zusätzlichen Tätigkeiten wie etwa homeschooling, wofür eigentliche Staatsbedienstete angestellt und bezahlt werden.

Das immerselbe Mantra

Darum ist es falsch, ständig und immer wieder das politische Mantra herunterzuleiern: „Wir müssen jetzt alle zusammenhalten.“ Denn im Grunde haben diese extremen Belastungen eben nicht alle gleichermaßen zu tragen. Und wie weit weg viele Politiker von diesen Mehrfachbelastungen sind, das beweist Kretschmann höchstselbst in seiner Predigt, wenn er sagt:  Man möge doch bitte noch mehr homeoffice und homeschooling pflegen und etwa auf die angebotene Schulnotbetreuung verzichten. Äh, wie bitte?

Wie weltfremd scheinen Sie zu sein, Herr Kretschmann?

Pardon, Herr Kretschmann, aber wie weltfremd sind scheinen Sie zu sein? Denn: Nicht alle haben Jobs, die homeoffice möglich machen, nicht alle sind selbst Chef und können bestimmen, wann sie wo wie viel arbeiten. Wie viel Frauen habe durch diese Betreuung zu Hause ihre Arbeit verloren, werden sie verlieren oder finden viel schwieriger zukünftig Arbeit, obwohl sie gut qualifiziert sind? Wer stellt schon gerne neue Mitarbeiter ein, die sich beim nächsten Shutdown gleich wieder ins homeschooling verabschieden?

Massiven Belastungen einer breiten Bevölkerungsschicht

Pardon, Herr Kretschmann, aber mit ihren 72 Jahren scheinen Sie wirklich keine Ahnung zu haben, wie unmöglich es ist, über Monate homeoffice und homeschooling adäquat unter einen Hut zu bringen, ohne am Ende einen Seelenklempner zu benötigen. Sie leben in ihrer männerzentrierten Politikerblase und es wirkt so, als ob sie jeglichen Bezug zu den massiven Belastungen einer breiten Bevölkerungsschicht verloren haben. Nicht selten seien die Langzeitfolgen bei einer Coronaerkrankung schlimmer, als das eigentliche Covid-19, hat mir jüngst jemand gesagt. Bei einer Pandemie ist das bezogen auf das soziale Gefüge sicher genauso naheliegend. Um mit den Worten von Kretschmann höchstselbst zu enden: „Die gesellschaftlichen Schäden eines Lockdowns dürfen nicht höher sein als der Nutzen.“ Halten wir uns daran.

Text: Dr. Sandra Hartmann

Po. Symbolfoto. Quelle: adobe stock

 




Winfried Kretschmann: „Man darf das Haus nur mit triftigem Grund verlassen“

Am Dienstag, den 05. Januar 2021 beschloss der Bund gemeinsam mit den Ländern, dass ab Montag, den 11. Januar 2021 angesichts stetig steigender Coronazahlen ( 38.987 Todesfälle in Deutschland, Stand 08. Januar 2020), schärfere Coronamaßnahmen (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2021/01/06/neue-ausgangsregelungen-betreffen-derzeit-noch-nicht-den-hohenlohekreis-heilbronn-steht-jedoch-kurz-davor/ ). Der zweite Lockdown hat sich in einen Shutdown verwandelt, bei dem sich die Bürger in manchen Gemeinden in manchen Bundesländern und ab einem Inzidenzwert von über 200 nicht mehr weiter von seinem Heimatort fortbewegen darf als 15 Kilometer. Baden-Württembergs Landesregierung scherte nur Stunden später aus den gemeinsamen Coronabeschlüssen in zwei Punkten aus. Zum einen bei dem Punkt mit dem 15-Kilometerradius (hier müsse die Umsetzbarkeit zunächst geprüft werden), zum anderen bei den Schulen und Kitas (wir berichteten). Diese sollten eigentlich vorerst flächendeckend bis Ende Januar 2021 geschlossen bleiben und die Schüler ins homeschooling wechseln. Nun aber sollen, wenn es die Coronazahlen denn erlauben (was auch immer das heißen mag, nächste Woche soll auch hierüber eine Entscheidung fallen), die Grundschulen und Kitas bereits ab dem 18. Januar 2021 wieder starten dürfen.

Weitere Aufweichung der Coronamaßnahmen

Am Freitag, den 08. Januar 2021 nun weichte die baden-württembergische Landesregierung die ab dem 11. Januar 2021 geltenden strengeren Coronaregeln weiter auf. Bislang zählten Kinder bis 14 Jahren aus demselben Haushalt nicht dazu bei Begrenzungen der Personenzahl, wollte man sich mit anderen Menschen treffen. Wenn sich etwa aktuell vier Personen treffen dürfen, wurden Kinder unter 14 Jahren hier nicht mit dazugezählt. Das sollte nun eigentlich restriktiver gehandhabt werden. Nur noch eine Familie sollte sich mit einer Person treffen dürfen. Treffen von zwei Familien beziehungsweise Haushalte (was bislang erlaubt war) und mehr sollten fortan eigentlich tabu sein. Kinder sollten, bei etwaigen Personenanzahlbeschränkungen (wie an beispielsweise Weihnachten) voll dazugezählt werden. Nach heftiger Kritik daran rudert nun die baden-württembergische Landesregierung zurück. Man wolle keine Familien entzweien oder Alleinerziehende mit Kindern, die ohnehin schon schwer belastet sind, noch mehr belasten. Zudem könnten sich zwei Familien künftig für eine feste Betreuungsgemeinschaft während des Shutdowns zusammenschließen.

„Geschlaucht und genervt“

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat am Freitag, den 08. Januar 2021, vor dem Landtag eine Rede gehalten zur Verlängerung und Verschärfung des Shutdowns. Zwar könne man wegen des Impfstoffes positiv ins neue Jahr starten, aber „man sei noch längst nicht über den Berg“. Bezogen auf die Wintermonate sagte Kretschmann: „Vor uns liegt vermutlich die schwierigste Strecke der Pandemie.“ In dieser Zeit komme es an, „stark und geduldig zu bleiben, auch wenn wir alle von der Pandemie geschlaucht und genervt sind.“ Denn die Lage sei ernst. Das medizinische Personal sei in vielen Krankenhäusern und Heimen an seiner Belastungsgrenze. Die Intensivstationen seien noch nie so voll gewesen wie zum Jahreswechsel. Zwischenrufe ertönen an dieser Stelle von Seiten des Parlaments, dass das gar nicht stimmen würde.

Wirft man am 08. Januar 2021 einen Blick auf das Divi-Intensivbettenregister gibt es derzeit 5.484 Covid-Intensivfälle in den Krankenhäusern. 22.568 gibt es insgesamt, das heißt, in rund jedem vierten Intensivbett liegt derzeit laut dem Divi-Register ein Covid-Patient. 4.364 Intensivbetten sind derzeit laut Divi noch frei, was 16,2 Prozent entspricht.

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Intensivbettenbelegung nach dem Divi-Register. Stand: 08. Januar 2021. Quelle: ntv

Eine „harte und kurze“ Bremsung

„Noch nie seit dem Beginn der Pandemie seien so viele Menschen an Corona gestorben wie im letzten Monat“, sagt Kretschmann. Ob sich seine Zahlen auf Baden-Württemberg oder Deutschland beziehen, ist nicht bekannt. „Wir sind immer noch weit davon entfernt“, so Kretschmann an den Inzidenzwert von 50 zu kommen (50 neue Fälle pro 100.000 Einwohner pro Woche, dann sei eine Rückverfolgung der Corona-Kontaktpersonen über die Gesundheitsämter wieder möglich und die Infektionsketten „wirksam brechen“). So exponentiell wie die Zahlen ansteigen, können sie auch wieder zurückgehen, wenn man „hart und kurz“ bremse. „Nur niedrige Zahlen verhindern Tod und Leid“. Hinzu komme: Die Virusmutationen von Großbritannien, die bereits in Baden-Württemberg angekommen sei, seien zudem vermutlich wesentlich ansteckender. Man wolle auch das medizinische Personal nicht noch mehr belasten.

Haus darf man nur in dringenden Fällen verlassen

Kretschmann betont, dass es in Baden-Württemberg Ausgangsbeschränkungen gibt, die es nach wie vor einzuhalten gelte. „Man darf das Haus nur mit triftigem Grund verlassen“, betont der Ministerpräsident, ohne das jedoch näher zu präzisieren. Auch Abends gelte es, zu Hause zu bleiben. Kretschmann verteidigt die harten Coronamaßnahmen, indem er sagt: „Wenn wir jetzt anders handeln würden, würden die Zahlen explodieren“.

Als „historisch einmalige Leistung“ bezeichnete Kretschmann die schnelle Entwicklung eines Impfstoffes.

Hohenlohekreis derzeit ein niedriger Inzidenzwert

Der Hohenlohekreis hat aktuell einen vergleichsweise niedrigen Inzidenzwert von 95,9 pro 100.000 Einwohner. Im Hohenlohekreis wurden am 8. Januar 2021 insgesamt 14 neue Corona-Fälle gemeldet.

Winfried Kretschmann erklärt die neuen Shutdown-Maßnahmen am 07. Januar 2021. Quelle: Screenshot youtube

Der baden-württembergiche Landtag bei der Rede von Winfried Kretschmann, der die neuen Shutdown-Maßnahmen am 07. Januar 2021 erklärt. Quelle: Screenshot youtube

 

 




Neue Bewegungsregelungen betreffen derzeit nicht den Hohenlohekreis

Durch die seit Dienstag, den 05. Januar 2021, von der Bundesregierung beschlossenen verschärften Corona-Shutdown-Maßnahmen wird die Gesellschaft auf den ersten Blick noch a-sozialer. Noch weniger Kontakt, noch mehr Distanz, noch weniger Bewegungsradius. Hier die neuen Maßnahmen im Überblick und inwiefern sie Baden-Württemberg und den Hohenlohekreis betreffen:

// Der derzeitige Shutdown wird verlängert bis mindestens 31. Januar 2020

// Geöffnet haben weiterhin nur Supermärkte und Drogerien. Baumärkte, Elektromärkte, Restaurants und Buchhandlungen bleiben geschlossen beziehungsweise dürfen nur Dienste To-Go anbieten

// Es gelten noch schärfere Kontaktbeschränkungen. Ein Hausstand /eine Familie darf sich künftig nur noch mit einer weiteren Person, nicht aber einem weiteren Hausstand / einer weiteren Familie treffen. Neu: Hier zählen nun auch Kinder jeden Alters.

Sonderweg Baden-Württemberg

// Kitas und Schulen haben bis mindestens Ende Januar geschlossen. Die Schüler sollen im homeschooling lernen. Bundesweit sprach man davon, dass Schüler von der ersten bis sechsten Klasse frühestens ab Anfang Februar 2021 in den Präsenzunterricht zurückkehren sollen. Baden-Württemberg möchte jedoch für die Grundschüler die Schulen bereits wieder ab dem 18. Januar öffnen, wenn es die Coronazahlen zulassen. Auch die Kitas sollen dann wieder öffnen. https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/alle-meldungen/meldung/pid/lockdown-bis-ende-januar-verlaengert/

// Der Bewegungsradius wird eingeschränkt in Regionen mit einer Inzidenz von über 200. Dann dürfen sich Bewohner nur noch 15 Kilometer vom Wohnort wegbewegen. Ursprünglich wollte die Bundeskanzlerin laut diversen Medienberichten durchsetzen, dass der Bewegungsradius bereits ab einer Inzidenz von 100 eingeschränkt wird. Das hätte fast ganz Deutschland betroffen. Problematisch wird der neue Bewegungsradius dennoch in Regionen, in denen man zum einkaufen weiter als 15 Kilometer fahren muss. Das darf man nämlich laut den neuen Bestimmungen nicht mehr.

Baden-Württemberg schert auch hier aus: „Baden-Württemberg plant aktuell, das nicht umzusetzen, da das Land die Regelung zunächst auf Umsetz- und Kontrollierbarkeit prüft.“

Der Hohenlohekreis hat derzeit einen Inzidenzwert von 130,5 und würde somit noch nicht in den eingeschränkten Bewegungsradius fallen. Heilbronn allerdings stünde mit einer Inzidenz 189 kurz davor. Am Dienstag, 5. Januar 2021, hat das Landratsamt des Hohenlohekreises insgesamt 34 neue Corona-Infektionen an das Landesgesundheitsamt gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 130,5 pro 100.000 Einwohner. Auch ein Todesfall wurde im Hohenlohekreis gemeldet. Erneut sind 7 Fälle in Pflegeheimen bestätigt. Mit Stand 05. Januar 2021 gibt es in insgesamt 5 Pflegeheimen im Hohenlohekreis positive Fälle. Die ersten Pflegeheimmitarbeiter sind nun gegen Corona geimpft worden. Weitere Informationen zum Coronavirus sowie das Dashboard mit den einzelnen Zahlen pro Gemeinde sind unter www.corona-im-hok.de zu finden.

Hohenlohekreis: „Es ist richtig, den Lockdown zu verlängern“

„Die Zahlen zeigen nach wie vor, dass wir uns in einer äußerst angespannten Lage befinden. Die heute getroffenen Maßnahmen sind für mich daher alles andere als unerwartet“, sagt Gotthard Wirth, der erste Landesbeamte des Hohenlohekreises, zu den neuen Shutdown-Entscheidungen von Bund und Ländern. „Es ist richtig, den Lockdown zu verlängern. Auch machen die noch weitergehenden Regelungen deutlich, dass wir uns hinsichtlich des Ausbruchgeschehens und dessen Folgen noch lange nicht an dem Punkt befinden, zu dem wir hinmüssen.“

Die vermeintlich a-soziale Gesellschaft

Die Maßnahmen sollen dazu dienen, dass der Inzidenzwert wieder auf mindestens 50 sinkt und damit eine Rückverfolgung der Corona-Kontaktpersonen wieder möglich ist. Dadurch sollen letztendlich weniger Menschen an Corona erkranken und weniger daran sterben. Derweil gibt es kritische Stimmen, die die Maßnahmen als zu hart empfinden und auf langfristige Folgeschäden hinweisen im sozialen und psychischen Bereich.

 




„Man hat doch gewusst, dass da was kommt“

Viele Last-Minute-Einkäufer von Weihnachtsgeschenken hat der harte Lockdown auf dem falschen Fuß erwischt. Die meisten Läden sind dicht, nur noch Geschäfte, die Dinge für den täglichen Bedarf anbieten, dürfen geöffnet haben. Auch in der Künzelsauer Innenstadt ist an diesem frühen Donnerstagmorgen, den 17. Dezember 2020, eher wenig los. Nur vereinzelt laufen Passanten durch die Gassen. Etwas umtriebiger geht es im Kaufland zu. Hier tragen die Einkäufer Masken und versuchen, die Abstände einzuhalten, so gut es eben geht.

Vor der Metzgerei hat sich eine längere Schlange gebildet

Etwas später, kurz vor Mittag, ist das Bild schon etwas anders. Jetzt schlendern mehr Menschen durch die Hauptstraße, in den Seitenstraßen ist teilweise niemand zu sehen. Vor der Metzgerei Harald Schäfer hat sich eine längere Schlange gebildet, weil die Kunden nur vereinzelt in den Verkaufsraum dürfen und auch auf ihre Abstände achten. Besonders viele Einkäufer sind in der Drogerie Müller zu finden. Hier darf weiterhin das ganze Sortiment, auch Spielzeug und Musik-CDs, verkauft werden. Auch Zugangsbeschränkungen scheint es hier keine zu geben. Die Menschen stehen teils dicht an dicht in den engen Gängen, ohne dass die Verkäuferinnen darauf reagieren würden.

Viel los im Drogeriemarkt Müller

GSCHWÄTZ hat sich in Künzelsau umgesehen und die Passanten gefragt, was sie in die Stadt führt und wie sie es finden, dass die meisten Geschäfte geschlossen bleiben müssen. Es zeigt sich: Die meisten laufen nur durch die Straßen und Gassen. Sie hatten Termine und viele sind jetzt auf dem Heimweg.

„Weihnachtsgeschenke braucht man doch nicht unbedingt“

Eine Frau, die direkt in der Stadt wohnt, erzählt: „Ich laufe hier nur durch, weil ich einen Termin hatte und jetzt auf dem Heimweg bin.“ Nur kurz habe sie bei der Drogerie Müller vorbeigeschaut, um Vogelfutter zu kaufen. Sie findet den Lockdown richtig: „Weihnachtsgeschenke braucht man doch nicht unbedingt. Es geht auch ohne.“ Zwei kleine Mädchen kommen mit Einkaufstaschen in den Händen die Straße entlang. Die beiden Künzelsauerinnen haben Lebensmittel eingekauft. Sie finden es schade, dass jetzt alles zu ist, denn jetzt ist kein Abstecher zum Spielzeugladen oder in die Buchhandlung drin. „Aber keine Schule zu haben, ist toll“, meinen sie lachend.

„Leider können wir nicht viel machen“

Ein Mann schiebt entspannt seinen dreijährigen Sohn auf dem Dreirad durch die Hauptstraße. „Leider können wir nicht viel machen“, meint der 56-Jährige bedauernd. Sie gehen häufig in die Wertwiesen oder einfach nur spazieren. So wie jetzt. Den Lockdown findet der Vater gut, allerdings „kommt der zu spät, denn sonst hätten wir Weihnachten zusammen feiern können“. Jetzt müssten die Menschen leiden – dabei denke er vor allem an jene, die alleine leben. „Die Isolation ist für die Psyche das Schlimmste“, sagt der Mann.

Zustimmung und Skepsis

Entspannt bummelt eine dreiköpfige Familie durch die Straße, wirft einen Blick in so manches Schaufenster der geschlossenen Geschäfte. Der Vater hatte einen Arzttermin, die Mutter musste in die Apotheke. Die Forchtenberger sind nicht ganz einer Meinung, was Sinn oder Unsinn des Lockdowns betrifft. „Ich finde den Lockdown in der jetzigen Lage richtig“, sagt die Frau. Ihr Mann dagegen: „Ich bin skeptisch, aber was soll man schon machen.“

„Bestellen wollte ich nicht“

Im Müller drängen sich die Leute. Im Obergeschoss steht eine Frau am CD-Regal. „Ich suche eine CD als Weihnachtsgeschenk für meinen Sohn“, erzählt die Kupferzellerin. „Bestellen wollte ich nicht, sondern ein Geschäft vor Ort unterstützen.“ Eine Arbeitskollegin, habe ihr erzählt, dass die Drogerie noch offen habe. Aber sie findet: „Man sollte alle Geschäfte, außer die Lebensmittelläden zu machen.“ Das Gedränge im Müller habe sie erstaunt und deshalb wolle sie auch ganz schnell wieder raus aus dem Laden.

„Man hat doch gewusst, dass da was kommt“

Eine ältere Frau bummelt mit ihrem Rollator die Straße entlang. Sie hatte einen Termin bei der Fußpflege und ist jetzt auf dem Heimweg. „Ich finde den Lockdown gut, aber doch nicht gerade jetzt. Das hätten die sich früher überlegen sollen“, empört sie sich. „Außerdem wieso erst ab Mittwoch und nicht gleich ab Montag?“ Die Seniorin findet das inkonsequent. Sie habe aber den Vorteil, dass sie alleinstehen sei und deshalb nicht viel brauche. In Richtung der Last-Minute-Einkäufer meint sie: „Man hat doch gewusst, dass da was kommt.“

Text: Sonja Bossert

Gegen Mittag ist schon etwas mehr los. Foto: GSCHWÄTZ

Ruhe auch vor dem Kaufland. Foto: GSCHWÄTZ

Der Ausblick vom GSCHWÄTZ-Büro: Kein Mensch ist hier kurz vor Mittag unterwegs. Normalerweise ist hier mehr los. Foto: GSCHWÄTZ




Landratsamt Hohenlohekreis auch im Lockdown geöffnet

Das Landratsamt Hohenlohekreis bleibt auch während des bundesweiten Lockdowns für wichtige Bürgerdienstleistungen erreichbar, heißt es in einer Pressemitteilung. So sind Zulassungsstelle sowie Führerscheinstelle zu den gewohnten Zeiten geöffnet. Alle anderen Ämter arbeiten weiter mit Terminvergabe.

Allerdings sollen während des Lockdowns auch im Zuge der Kontaktreduzierung nur unaufschiebbare Angelegenheiten erledigt werden. Das Landratsamt Hohenlohekreis appelliert daher an die Bürger im Kreis, alle nicht unmittelbar notwendigen Behördengänge auf die Zeit nach dem Lockdown zu verschieben. „Die Kontaktreduzierung dient natürlich auch dazu, unsere eigenen Mitarbeiter zu schützen“, erklärt Annette Schmidt, die Leiterin des Personal- und Organisationsamtes. „In dringenden und wichtigen Fällen sind wir aber natürlich für die Bürgerinnen und Bürger im Kreis da.“

Weiterhin gilt, dass sich maximal 15 Personen gleichzeitig im Foyer des Landratsamtes aufhalten dürfen. Ein Sicherheitsdienst regelt den Einlass.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis