Annalena und Armin
Schlagzeile und Schlagzeile gibt es schon jetzt. Dieser Wahlkampf verheißt, spannend zu werden. Während man über die Landtagswahlen aufgrund wenig zu erwartender überraschender Ergebnisse kaum gesprochen hat, ist bereits die Vorauswahl der Kandidaten der einzelnen Parteien für die Bundestagswahl im Herbst 2021 eine Geschichte voller Drehungen und Wendungen.
Epochale Zeitenwende in Deutschland. Angie verlässt die Bühne
Und die gerade die CDU, die bis dato quasi immer eine Geheimhaltungsvereinbarung unterschrieben hatte, wenn es um eine derartige Vorauswahl geht, stritt nun sogar im Öffentlichen-Rechtlichen darüber, wer bei ihnen Kanzlerkandidat sein darf – Markus Söder und Armin Laschet. Da merkt man bereits deutlich, wie blank die Nerven in der Mutter aller Parteien liegt. Und das nach einem Pandemiejahr, in welchem sich doch einige der CDU-Granden privat finanziell konsolidiert hatten, wenn man nur an die ein oder andere Maskenverkaufsvermittlung denkt, die sie sich sechsstellig bezahlen haben lassen. Aber gut, sei’s drum. Wer hier deutliche Konsequenzen erwartet, der wartet vermutlich ziemlich lange. Weiter geht’s im Text. Immerhin steht in weniger als einem halben Jahr eine epochale Zeitenwende in Deutschland an.
Vielleicht Friedrich Merz im Finanzressort
Angela Merkel verlässt nach 16 Jahren Amtszeit die Regierungsbühne als Bundeskanzlerin. Schön war’s gewesen. Alte weiße Männer stehen bereits seit rund zwei Jahren in den Startlöchern, um ihr Erbe anzutreten. Nun soll es also der Armin machen. Der Armin, unter dessen CDU-Regentschaft nun schon einige Landtagswahlen, wie etwa die in Baden-Württemberg, katastrophal für die CDU geendet sind. Aber bis zum Herbst kann der Armin ja sicher noch ein bisschen punkten in Gesamtdeutschland. Markus Söder, der wesentlich beliebtere der beiden, wurde derweil vom CDU-Regierungspräsidium wieder auf seinen Platz nach Bayern zitiert. Die große Hoffnung ruht auf eine Mitbeteiligung in der möglichen neuen Regierung als, ja, vielleicht Außenminister mit Friedrich Merz im Finanzressort. Dann wäre vermutlich endlich Ruhe im Karton und jedes Testosteron wäre zufrieden.
Oder Sahra Wagenkneckt als Aussenministerin
Aber vielleicht geht’s ja auch, wie ein lustig-ironischer Videoclip vom NDR extra3 zeigt, erst einmal in die Opposition. Denn der Überraschungscoup konnten die Grünen nun für sich verbuchen. Während die CDU durch Kompetenzgerangel glänzt, schlichen sich die Grünen intern und leise durch die K-Frage und strahlten auch nach der Beantwortung dieser Einmütigkeit und Harmonie aus. Sie schicken Annalena Baerbockins Rennen. Und waren sie vorher schon stark im Aufwind durch die neue Klimabewegung, so führt die Partei in Umfragen sogar vor allen Parteien, seitdem die Katze aus dem Sack ist, dass Baerbock gegen Laschet antritt.
Scheinbar völlig entspannt
Olaf Scholz, der gefühlt schon immer dagewesene SPD-K-Mann sei hier ebenfalls am Rande erwähnt, seine Bedeutung wird vermutlich aber nur größer werden, wenn die Grünen tatsächlich mit der SPD und den Linken nach der Bundestagswahl ein Bündnis eingehen würden – vielleicht mit einer ziemlich kompetenten Sahra Wagenknecht im Gesundheitsministerium.
Wer hätte gedacht, dass in dem erzkonservativen Deutschland zum zweiten Mal eine Kanzlerin das Land führen könnte? Eine Kanzlerin mit – Oh Gott, oh, Gott – Kindern noch dazu? Sofort werden Rufe von Männern und auch Frauen laut: „Ja, kann die das überhaupt?“ Ja, schaut, man sich Fotos von Laschet auf der ein oder anderen Prunksitzung mit Narrenkäppi auf dem Kopf an, liegt einem dieselbe Frage auf der Zunge. Immerhin gab es auch reihenweise Pleiten, Pech und Pannen in der Vergangenheit bei der Klimapolitik, der Gesundheitsheitspolitik und bei der aktuellen Coronapolitik bei führenden CDU-/SPD-Koalition. Da fragt auch keiner: Können die das überhaupt? In Umfragen, sogar von Seiten der Wirtschaft jedenfalls, führen Annalena Baerbock und die Grünen derzeit.
Sagen wir mal so: Wer kleine Kinder hat, eine so steile Karriere parallel in der Politik hingelegt hat und sich mit absolutem diplomatischen Fingerspitzengefühl an einem sehr beliebten Robert Habeck vorbei an die Grünenspitze geschoben hat, dem ist einiges zuzutrauen, auch eine Kanzlerschaft. Baerbock müsste nicht trotz ihres familiären Backgrounds gewählt werden, sondern gerade deswegen. Weil es schon jetzt eine absolute Überleistung ist, die sie als Frau zu bringen hat im Vergleich zu ihren männlichen Mitkandidaten. Die sie aber scheinbar völlig entspannt managt.
Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

Annalena Baerbock.

Armin Laschet