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Maisernte vorgezogen

Aufgrund der anhaltenden Dürre haben diverse Landwirte die Maisernte vorgezogen. Die Böden auf den Feldern bilden wegen des ausbleibenden Regens tiefe Risse. Der Mais ist wegen der Trockenheit nicht richtig gewachsen. Fast komplett verdorrt und vertrocknet haben viele Landwirte im Hohenlohekreis bereits Ende August 2022 ihren Mais eingefahren. Normalerweise steht der Mais ansonsten gerne noch bis Oktober oder sogar November.

Durch die anhaltende Hitze ist die Ernte nun wesentlich spärlicher ausgefallen. Den Mais verarbeiten die Landwirte in der Regel zu Tierfutter. Nun fürchten viele, dass das Futter in diesem Jahr nicht reicht und sie entweder Futter zukaufen oder Tiere schlachten müssen (wir berichteten).

Deutschlandweit sieht es nicht besser aus.

Angesichts anhaltender Trockenheit in vielen Regionen erwartet der Deutsche Raiffeisenverband erhebliche Schäden bei der Maisernte. Bei Körnermais sei mit Verlusten von knapp 600.000 Tonnen zu rechnen – rund 15 Prozent der ursprünglich prognostizierten Menge, teilte der Verband in Berlin mit. Das berichtet der Stern.

 




„Wir gehen davon aus, dass die Preise für landwirtschaftliche Produkte durch die Bank steigen werden“

Unlängst haben wir von einem Landwirt aus dem Kochertal berichtet, der aufgrund der voraussichtlich schlechten Ernte aufgrund der Dürre einen Teil seiner Rinder im Herbst schlachten muss, weil er seine Tiere vermutlich nicht alle satt bekommt. Wir haben daraufhin bei Helmut Bleher, dem Kreisgeschäftsführer des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg, nachgefragt, ob es sich hier um einen Einzelfall handelt oder ob noch weitere Betriebe drohen, in diese Notlage zu rutschen.

Kein Futter für die Tiere

GSCHWÄTZ: Sieht es bei den anderen landwirtschaftlichen Betrieben ähnlich aus, wie bei dem Landwirt im Kochertal?

Bleher: Die Trockenheit bereitet derzeit große Sorge. Vor allem die Futtergrundlage für die Tiere ist stark gefährdet, weil die Sommerschnitte ausfallen und der Mais verdorrt und keine guten Kolben ausbildet. Landwirte, die nicht noch Reserven aus Vorjahren haben, werden den Viehbestand abstocken müssen. Denn Grobfutter wie Heu oder Silage kann nicht einfach so zugekauft werden.

Mittelfristig werde Milch und Rindfleisch knapper

GSCHWÄTZ:  Wenn Rinder geschlachtet werden müssen, müsste doch eigentlich der Rindpreis fallen?

Ob der Rindfleischpreis unter Druck gerät, wenn in Teilen Deutschlands Herden abgestockt werden müssen, ist so nicht einfach zu beantworten. Der Rindfleischpreis hängt von weltweiten Einflüssen ab. Nach einer Schwäche in den letzten Monaten stabilisiert er sich aktuell wieder. Eher ist durch die jetzt befürchteten Herdenverkleinerungen damit zu rechnen, dass mittelfristig, Rindfleisch – übrigens wie auch Milch – knapper wird. Inwiefern dies sich in steigenden Preisen niederschlägt, hängt aber vor allem vom Verbrauch ab: Denn die Menschen reagieren auf steigende Milch- und Fleischpreise recht schnell mit Änderung des Konsumverhaltens und Einsatz von pflanzlichen Ersatzprodukten (zB Margarine statt Butter). Die sind aber aufgrund des Ukrainekriegs auch knapp. Die Märkte sind in Bewegung und sehr volatil. In welche Richtung es geht, ist nicht absehbar. Vermutlich können wir mit weiter steigenden Preisen rechnen, weil alles knapp ist.

Ukrainekonflikt treibt die Preise für landwirtschaftliche Bedarfsmittel in schwindelerregende Höhen

GSCHWÄTZ: Müssen Verbraucher künftig mit steigenden oder fallenden Preisen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen in den kommenden Monaten rechnen?

Wir gehen davon aus, dass die Preise für landwirtschaftliche Produkte durch die Bank steigen werden. Dies hängt zum einen mit der erzeugten Mindermenge infolge des Ukrainekonflikts zusammen. Vor allem aber sind die landwirtschaftlichen Bedarfsstoffe wie Düngemittel und Treibstoff, zum Teil um das sechsfache teurer geworden. Landwirte werden nur dann arbeiten, wenn sie ihre Kosten gegenfinanzieren können. Sonst ist es günstiger, nichts zu erzeugen. Dies findet z.B. gerade in der Schweinehaltung in Deutschland statt. Die Versorgung wird dann über andere Wege, entweder über das Ausland oder über Austauschprodukte erfolgen. Insgesamt steigen dadurch die Preise zwangsläufig in allen Bereichen.

Verbraucher verzichten auf hochwertige Bio-Lebensmittel

Interessant ist momentan das Phänomen, dass die Verbraucher auf hochwertige Lebensmittel verzichten, also sparen, und dadurch ausgerechnet die politisch gewollte Umstrukturierung zu mehr „Bio“ ins Straucheln gerät. Auch Biolandwirte müssen Geld verdienen und haben ähnliche Kostensteigerungen wie konventionelle Landwirte. Trotzdem stagnieren dort die Preise, weil die teureren Produkte nicht mehr nachgefragt werden. Biomilchprodukte sind zwischenzeitlich in einigen Läden billiger als konventionelle. Den Mechanismen des Marktes kann sich keiner entziehen. Unsere stets geäußerte Auffassung, dass mehr auf den Markt und weniger auf Ideologie geachtet werden sollte, bewahrheitet sich aktuell schneller als wir gedacht hatten.

Häufung von Extremwettersituationen

GSCHWÄTZ: Sind das Ausnahme-Trocken-Sommer oder müssen sich Landwirte auf veränderte klimatische Bedingungen hierzulande einstellen?

Trockene Sommer hat es immer gegeben und das wird so bleiben. Trotzdem sehen wir eine gewisse Häufung von Extremwettersituationen, die vermutlich dem Klimawandel geschuldet sind. Die Landwirte stellen sich laufend auf veränderte Situationen ein. Man züchtet hitze- und trockenresistente Sorten und setzt die auch ein. Man ändert die Bodenbearbeitung, achtet noch mehr auf wassersparende Bewirtschaftung. Wir brauchen aber als Landwirte jetzt die Unterstützung und vor allem die Einsicht der Politik, dass wir vernünftig arbeiten können und nicht durch künstliche Vorgaben wie zum Beispiel Düngeverbote oder Verbot von Pflanzenschutzmitteln zusätzlich beeinträchtigt werden. Vieles was aus ackerbaulicher Sicht zur Ernährungssicherung dringend notwendig ist, steht im Widerspruch zu den am Grünen Tisch verfügten, oft ideologisch begründeten falsch verstandenen Maßnahmen zum Arten- Umwelt und Klimaschutz. Landwirte tragen mit ihrer sich stets an die Bedingungen anpassenden Arbeit am allerbesten aus Eigeninteresse zu einem effektiven Schutz unserer Ressourcen und zur nachhaltigen Erhaltung unserer Böden bei.

„Wenn wir aufgrund einer „Ökologisierung unserer Landwirtschaft in Europa oder Deutschland“  1/3 weniger erzeugen, wird andernorts der Regenwald gerodet, der unbestreitbar für das Weltklima wichtig ist“

GSCHWÄTZ: Wie könnten Maßnahmen ausschauen, um sich an den Klimawandel auch in der Landwirtschaft optimal anzupassen?

Zu allererst müssen Landwirte in die Lage versetzt werden, selbstständig und angepasst arbeiten zu dürfen. Denn der beste Klimaschutz entsteht dadurch, dass je produzierter Lebensmitteleinheit (kg Getreide, Liter Milch, kg Obst oder Gemüse oder Fleisch) möglichst wenig klimaschädliche Ressourcen verbraucht werden und man in regenerativen Kreisläufen denkt. Dies ist aber bei der Politik und der Gesellschaft noch nicht angekommen. Viele glauben, dass durch Extensivierung der Böden und der Produktion das Klima umso mehr geschützt wird. Dies ist aber nicht der Fall. Denn die rund 8 Mrd Menschen auf der Welt müssen ernährt werden. Das was wir auf unseren hoch ertragreichen Böden nicht erzeugen, wird irgendwo auf der Welt, zum Teil mit katastrophalen Folgen erzeugt werden. Wenn wir aufgrund einer „Ökologisierung unserer Landwirtschaft in Europa oder Deutschland“  1/3 weniger erzeugen, wird andernorts der Regenwald gerodet, der unbestreitbar für das Weltklima wichtig ist.  Wenn in Deutschland CO2 eingespart wird, ist das schön. Es  hilft aber nichts, wenn dafür in den entlegensten Steppen großflächig mit immensem Einsatz von Treibstoff und Düngung viel mehr CO2 verbraucht wird. Man muss daneben auch erkennen, dass zur Landwirtschaft eine ausgewogene Tierhaltung gehört. Denn Grünland, Wiesen und Weiden können eben nur über Rindvieh genutzt werden. Andernfalls würden diese verwalden und stünden nicht mehr der menschlichen Existenzsicherung zur Verfügung.

Kurz: wir brauchen eine faktenorientierte Klimapolitik, die den Landwirten zutraut, Lösung und nicht das Problem zu sein.

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Wenn das Futter nicht mehr reicht, müssen Rinder geschlachtet werden“

Trockenheit und Dürre so weit das Auge derzeit reicht. Landwirte schauen derzeit mit Sorge auf ihre Felder. Der Mais lässt seine Kolben hängen. Im Ackerboden tun sich tiefe Risse der Trockenheit auf, Abgeerntet werden teilweise halb vertrocknete Pflanzen. Wenn das Futter nicht reicht für die Tiere, müssen die ersten Rinder geschlachtet werden, so ein Landwirt aus dem Hohenlohekreis, der nicht namentlich genannt werden will.

Unter anderem Mais dient als Futter für die Tiere. Wenn aber dieser Mais nun halb vertrocknet abgeerntet wird, reicht das Futter möglicherweise nicht, um alle Tiere im Stall sattzukriegen. Im Herbst / Winter kann es dadurch zu ersten Notschlachtungen kommen, wie sich ein Landwirt aus dem Hohenlohekreis nun gegenüber GSCHWÄTZ geäussert hat.

Was für die Tiere bitter wäre und auch für die Landwirte, könnte auf dem derzeit sehr hochpreisigen Lebensmittelmarkt die Preise für Rindfleisch fallen lassen – was den Verbraucher sicher zunächst freuen wird, wenn er die Hintergründe hierfür nicht kennt.

Eine Lösung könnten staatliche Hilfen für die Landwirte sein, die mit dem Klimawandel auch im Hohenlohekreis zu kämpfen haben. Es regnet zu wenig, die Trockenheit breitet sich auch hierzulande immer weiter aus.

Nach dem Trockensommer 2018 beschloss die Bundesregierung diverse Maßnahmenpakete, um Landwirte zu unterstützen, die on größeren Ernteausfällen betroffen sind. So heißt es seit Mai 2022: „Bund und Länder können auf Grundlage einer Nationalen Rahmenrichtlinie zur Gewährung staatlicher Zuwendungen zur Bewältigung von Schäden in der Land- und Forstwirtschaft verursacht durch Naturkatastrophen oder widrige Witterungsverhältnisse (NRR) Hilfe in Form von Zuschüssen leisten.“

Dennoch werden anhaltende Dürreperioden für die Weltgemeinschaft insgesamt immer mehr zum Problem, da international betrachtet die Menschheit bei gleichbleibenden Abläufen bei anderen Witterungsbedingungen zu wenig Nahrung produzieren wird, um alle Menschen gleichermaßen zu versorgen. Es müssen daher Lösungen gefunden werden, wie die Landwirtschaft sich optimal auf die veränderten klimatischen Bedingungen einstellt, um wieder ertragreicher zu werden.

Zusätzlich steigt durch die häufiger autretenden Hitzeperioden in den vergangenen Jahren die Gefahr von Wald- und Flächenbränden auch im Hohenlohekreis, wie Künzelsaus Stadtbrandmeister Thomas Böhret unlängst in einem GSCHWÄTZ-Interview betont hat. Auch das bereitet den Landwirten Sorge.

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Landwirte führen ihre Betriebe so, dass sie überleben“

„Ich möchte den Leuten zeigen, was ich tue“, sagt Giso Eben von Racknitz in einer Pressemitteilung des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V. Sein Familiengut Laibach – eine Gutsverwaltung mit Putenmast und Ackerbau und ein Bio-Hof mit Gemüsebau – liegt im Jagsttal nahe Dörzbach und bietet auch Ferienwohnungen an. Von Racknitz hat es 2004 als Hofnachfolger von seinem Vater übernommen.

Teils konventionell, teils biologisch

„Ich bin ein freundlicher Biobauer, aber ich bin auch Unternehmer und habe Verständnis dafür, dass Landwirte ihre Betriebe so führen, dass sie überleben“, sagt er. Der Landwirt weiß, wovon er spricht, denn er bewirtschaftet seinen Hof in Teilen konventionell als auch biologisch. Bis zu 20 Mitarbeiter und Saisonkräfte unterstützen ihn und seine Familie dabei. Er habe schon Zeiten erlebt, da wollte niemand sein Biogetreide kaufen. Damals hat er eine ganze Ernte davon an die Schweine verfüttern müssen.

Tierwohlgerechte Haltung

Den Putenmastbetrieb mit 50-jähriger Hoftradition hat von Racknitz vor fünf Jahren ganz bewusst auf eine besonders tierwohlgerechte Haltung umgestellt. Feste und langfristige Verträge, zum Beispiel mit Handelsorganisationen in der Schweiz, sichern ihm die Abnahme der Tiere. Er sei sehr froh darüber, dass es Verbraucher gibt, die mehr Geld für mehr Tierwohl bezahlen. Denn für Landwirte heißt das: mehr Fläche für die gleiche Anzahl Tiere, mehr Aufsitzflächen als Rückzugsmöglichkeit, luftige Wintergärten für den Auslauf.

„Der Markt ist noch nicht reif“

„Bisher gab es für uns keine Möglichkeit einer Umstellung auf Bioproduktion, da der Markt noch nicht reif dafür ist“, betont er. „Aktuell prüfen wir aber wieder, ob und unter welchen Bedingungen eine Umstellung der Putenmast möglich wäre“. Dazu braucht es Marktpartner, die mitmachen: den Lebensmitteleinzelhandel und schlussendlich die Verbraucher. Nach Lösungen wird gemeinsam gesucht. Hochwertige Bioprodukte können nur erzeugt werden, wenn der Markt diese auch aufnimmt, weiß Landwirt Racknitz. Er findet, dass derzeit in Deutschland der politische Wille, die Berichterstattung dazu und die reale Situation in Bezug auf das Einkaufsverhalten nicht übereinstimmen.

 Viel Handarbeit im Biobetrieb

„Vor mehr als 20 Jahren galten viele Biobauern als ‚Ideologen‘, was auch der damaligen Zeit geschuldet war. Heute machen das viele Betriebe aus ökonomischen Gründen“. Damit meint Landwirt von Racknitz, dass die Biobauern bedingt durch Förderungen am Ende wirtschaftlich gleichgestellt sind – oder unterm Strich sogar mehr übrigbleibt. Ihm sei auch bewusst, dass durch Subventionen ein ungesundes Eingreifen in den Markt entstehe. Richtiger wäre, mit Bioprodukten wie zum Beispiel mit seinem Gemüse direkt höhere Preise zu erzielen. Denn hier ist viel Handarbeit in Richtung Unkraut vonnöten, wenn man eine chemische Vernichtung umgehen will. Das bedeutet aber auch mehr Arbeitskräfte und erhöhte Lohnkosten. Gerade im Bio-Anbau machen sich diese bemerkbar. Der Unterschied zum konventionellen Betrieb ist erheblich.

„Wie bekommen wir die Erzeugnisse verkauft“

Seiner Meinung nach könnte der Handel dies ändern. Er sei als heimischer Landwirt aber fest davon überzeugt, Ackerbau in Biobewirtschaftung zu betreiben. „Produzieren können wir, das bekommen wir hin. Die Frage ist doch: Wie bekommen wir die teureren Erzeugnisse verkauft und wie bekommen wir die Vermarktung in den Griff?“, so von Racknitz. Er ist mit seinem Familienhof seit 45 Jahren im Biomarkt tätig. Zum Beispiel mit roter und weißer Bete und mit Kürbissen. Auf 30 bis 40 Hektar sieht man sie im Herbst weithin auf den Hohenloher Feldern leuchten.

Nicht die besten Böden im Jagsttal

Nach den Eisheiligen Mitte Mai geht es wieder los mit dem Aussäen der Gemüsekulturen. Aber auch Dinkel und Weizen auf 40 Hektar sind schon im Boden. Ergänzt wird die Arbeit des Gutes Laibach um den Anbau von Klee, was 25 Prozent der Flächen ausmacht. Aktuell werden die Flächen gepflegt, das heißt: Mit Festmist gedüngt, geeggt und gestriegelt. Die kultivierte und mehrjährige gelbe Schafgarbe – zu sehen auf sechs Hektar rund um das Gut – wartet noch auf die höheren Temperaturen. Im Jagsttal gibt es nicht die besten Böden für den Gemüseanbau. Zudem kann im Bio-Anbau nicht so exakt gedüngt werden, wie im konventionellen Anbau. Das macht sich auf kargen Böden wie hier, die man auch Grenzertrags-Standorte nennt, besonders bemerkbar.

„Ich habe viel probiert“

So kann man nach Meinung des Landwirts ‚Bio‘ auch nur machen, wenn man irgendeine Art von Dünger wie den Festmist aus dem eigenen Betrieb zur Verfügung hat. „Sonst funktioniert es nicht. Ich habe viel probiert, als ich damit angefangen habe. Vom Sellerie, über Kartoffeln und Salat – nun bin ich beim Kürbis gelandet. Er wächst überirdisch und kommt mit dem Boden hier klar“, erklärt Eben von Racknitz. Er freut sich, dass das Gemüse allgemein im letzten Jahr wieder mehr in den Vordergrund gerückt ist. Geänderte Essgewohnheiten und regelmäßigeres Selbstkochen haben viele Verbraucher umdenken lassen. Es gibt mehr Breitschaft, regionale, hochwertige und frische Produkte zu kaufen. Er wünscht sich ehrliche Verbraucher, die sich dazu bekennen, was sie konsumieren und was auch nicht. „Ich bin davon überzeugt, dass ‚Bio‘ für unsere Natur gut ist. Deshalb mache ich es auch“, betont er.

Quelle: Pressemitteilung des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

Die Böden im Jagsttal sind nicht die besten. Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V

Der Putenmastbetrieb wurde vor fünf Jahren auf tierwohlgerechte Haltung umgestellt. Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.




Gegen die Entfremdung von Erzeugern und Konsumenten

Am Donnerstag, den 04. Februar 2021, laden die Freien Demokraten Hohenlohe zu einem digitalen Gartenzaungespräch ein. Thema ist ab 18.30 Uhr „Die Landwirtschaft der Zukunft – Perspektiven für Mensch und Natur“, heißt es in einer Pressemitteilung. Es soll über die Landwirtschaft von morgen und wie man der Entfremdung von Erzeugern und Konsumenten entgegenwirken kann diskutiert werden.

Gäste sind die Landwirtschaftsexpertin der FDP-Bundestagsfraktion, Carina Konrad, und der Landtagskandidaten Uwe Wirkner. Carina Konrad stammt aus dem Hunsrück und ist Landwirtin mit Leib und Seele. Sie wird sich ab 19 Uhr dazuschalten.

Interessierte können an dem Meeting per Computer, Tablet oder Smartphone teilnehmen unter https://global.gotomeeting.com/join/237573717. Man kann sich aber auch über Telefon +49 721/ 6059 6510 einwählen. Der Zugangscode ist 237-573-717. Die App GoToMeeting kann man sich unter https://global.gotomeeting.com/install/237573717 herunterladen.

Quelle: Pressemitteilung der FDP Hohenlohe

 




Keine persönlichen Briefe mehr vom Landratsamt

Das Landratsamt Hohenlohekreis teilt mit, daß die Voranträge für die Teilnahme am Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) 2021 bis zum 15. Dezember 2020 über FIONA zu stellen sind. Das Landratsamt weist darauf hin, dass anders als in den Vorjahren in diesem Jahr kein persönliches Anschreiben an die Antragsteller geschickt wird.

Im Vorantrag ist der Gesamtumfang für jede einzelne FAKT-Teilmaßnahme anzugeben. Dies ist besonders bei den einjährigen Tierwohlmaßnahmen (Sommerweideprämie, tiergerechte Mastschweinhaltung und tiergerechte Masthühnerhaltung) zu beachten. Wurde der FAKT-Vorantrag ausgefüllt, ist dieser noch in FIONA abzuschließen. Nur abgeschlossene Voranträge gelten als eingereicht.

Weitere Informationen und Hilfestellung für Antragsteller gibt es unter: www.fiona-antrag.de oder direkt beim Landwirtschaftsamt des Hohenlohekreises unter 07940 18-645.

Was ist FAKT?

Das Ziel von FAKT ist der Erhalt und die Pflege der Kulturlandschaft, der Schutz des Klimas und der natürlichen Ressourcen Wasser, Boden, Luft, der Erhalt und die Verbesserung der Biodiversität sowie die Förderung der artgerechten Tierhaltung.

FAKT fördert – nach dem Baukastensystem kombinierbar – landwirtschaftliche Betriebe, die eine oder mehrere Maßnahmen aus den Bereichen

  • Umweltbewusstes Betriebsmanagement
  • Erhaltung und Pflege der Kulturlandschaft und besonders geschützter Lebensräume
  • Sicherung landschaftspflegender, besonders gefährdeter Nutzungen und Tierrassen
  • Ökologischen Landbau / Verzicht auf chemisch-synthetische Produktionsmittel im Betrieb
  • Umweltschonende Pflanzenerzeugung und Anwendung biolog. / biotechn. Maßnahmen
  • Freiwillige Maßnahmen zum Gewässer- und Erosionsschutz
  • Besonders tiergerechte Haltungsverfahren

durchführen.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamts Hohenlohekreis / Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz

Die Pflege der Kulturlandschaft ist Teil des Programms FAKT. Foto: Unsplash/ Sam Carter




„Sich intensiver Gedanken machen, wo das Essen herkommt“ – Neue Ideen zur Direktvermarktung in der Landwirtschaft

Denis Schwaderer, Landwirt vom Stiftsgrundhof in Backnang, sieht laut einer Pressemitteilung des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V. die aktuelle Situation für die Bauern als Chance, „dass die Leute sich wieder intensiver Gedanken dazu machen, wo das Essen herkommt.“ Die Einschränkungen der vergangenen Wochen, nicht wie gewohnt einkaufen zu können, betrachtet er als regionaler Direktvermarkter auch von der positiven Seite. Er hofft, dass die Kunden das auch weiterhin wertschätzen und verstärkt nutzen.

Verkaufsautomat für Direktkunden

Als traditioneller Familienbetrieb mit Milchviehhaltung und Bullenmast baut er diesen Zweig weiter aus. Er investiert in ein neues Hofcafé und ab sofort steht ein Verkaufsautomat rund um die Uhr für Direktkunden bereit: Tafelobst aus dem eigenen Obstbau, Eier von rund 100 Hühnern, Produkte aus der Brennerei, Wurst in Dosen und Milch aus dem Automaten werden selbst vermarktet. „Das hat uns schon über die ein oder andere Milchkrise geholfen“, erinnert sich der junge Landwirt. Mit drei Arbeitskräften, neben ihm auch seine Eltern, bewirtschaftet er 65 Hektar Acker, versorgt 70 Milchkühe, dazu die weibliche Nachzucht und 20 Bullen. Seine Frau hilft mit, soweit Haushalt und die drei Kinder das zulassen. Bei der Ernte helfen Nachbarn aus. Im Dorf mit nur 90 Einwohnern und drei Weilern, zusammen geschlossen zum Stiftsgrundhof, ist man trotz der Nähe zur B14 und Backnang sowieso ganz unter sich.

Aronia-Beeren aus Bio-Produktion

Auf der Suche nach neuen Wegen sind die Landwirte vor vier Jahren auf die Aronia-Pflanze gestoßen. Aus den Beeren, welche der Heidelbeere recht ähnlich sind, wird hauptsächlich Saft gewonnen. Da die aus dem nördlichen Südamerika stammende, sehr winterharte Heilpflanze erst nach vier bis sechs Jahren ausgewachsen ist, konnte auf drei Hektar mit Aronia-Sträuchern im vergangenen Herbst zum ersten Mal richtig geerntet werden. Eine Firma bei Dresden hat diese Pflanzenart in Deutschland eingeführt, wo insgesamt 600 Hektar dafür landwirtschaftlich genutzt werden. „Wir haben unsere Aronia-Produktion zur Bio-Zertifizierung angemeldet, deshalb heißt es im Frühjahr: viel hacken statt spritzen!“ Wenn es mit der Vermarktung gut läuft und größere Abnehmer dafür gewonnen werden können, will Denis Schwaderer die im Gesundheitstrend liegenden Beeren stärker ausbauen. Genauso wie seine Eierproduktion: mit einem Hühnermobil.

„Jeder verfolgt seine eigenen Interessen.“

In der Landwirtschaft gebe es keinen Chef der sagt: So machen wir es. „Jeder ist da selbst für sein Glück verantwortlich.“ Damit meint er, was richtig und was falsch für die Zukunft des eigenen Hofes ist, kann man oft nur ausprobieren. Nach den Ansätzen für ein gemeinsames Handeln der landwirtschaftlichen Kräfte gefragt, meint Landwirt Schwaderer „dass die ganz, ganz große Herausforderung darin besteht, dass jeder seine eigenen Interessen verfolgt. Allein der Ackerbauer möchte seine Ernte möglichst teuer verkaufen, der Viehzüchter wiederum will das Futter möglichst günstig einkaufen. Das alles unter einen Hut zu bringen, ist einfach schwierig“. Einen Mittelweg zum Beispiel über die Initiative „Land schafft Verbindungen“ (LSV) zu finden, ist nahezu unmöglich. Zusammengefasst meint er: Die Bauern sind sich schon einig über die Richtung, aber der Weg ist eben enorm breit. Das vergangene Jahr und die vielen Aktionen der Bauern haben auch gezeigt: Es dreht sich immer viel um den Preis, den die Landwirte für ihre Produkte erwirtschaften können. „Wenn die Verkaufspreise an den Lebensmitteleinzelhandel gut sind, sind alle zufrieden und das Miteinander klappt besser“, sieht der Landwirt aus dem Rems-Murr-Kreis.

Preise regeln sich über Angebot und Nachfrage

Generell sieht er es aber auch pragmatisch: Der Verbraucher kauft, was gut und günstig ist. Der Lebensmitteleinzelhandel versucht, genau das anzubieten. Der Landwirt wiederum bietet seine Produkte so an, wie er sie verkaufen kann. Selbst im regionalen Markt regeln sich die Preise über Angebot und Nachfrage. Lobend hebt Denis Schwaderer, der auch Mitglied im Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems ist, an dieser Stelle beispielsweise die Rolle der Hohenloher Molkerei in Schwäbisch Hall hervor. Als Genossenschaft, an der die zuliefernden Landwirte wie er beteiligt sind, schüttet sie erwirtschaftete Gewinne an die Bauern der Region wieder aus.          

15 Jahre alte Kuh

Übrigens: Die älteste Kuh auf dem Hof Schwaderer ist 15 Jahre alt, heißt Barbara und gibt noch immer Milch. Sie scheint es gut zu haben auf dem Stiftsgrundhof, denn im Durchschnitt werden Milchkühe sieben Jahre alt.  

Quelle: Pressemitteilung des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V. 




Bitte „ausreichend Abstand zu den Maschinen der Landwirte einhalten“

Das Landwirtschaftsamt appelliert an alle Bürger, „Rücksicht und Respekt für die Landwirtschaft“ zu zeigen.

Das Landwirtschaftsamt des Hohenlohekreises bittet Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer, insbesondere auf Feldwegen, „ausreichend Abstand zu den Maschinen der Landwirte einzuhalten. Da aufgrund der Coronakrise das Leben in vielen Bereichen stark eingeschränkt ist, verbringen viele Menschen ihre Freizeit derzeit in der freien Natur. Dadurch nehmen auch die Begegnungen zwischen landwirtschaftlichen Maschinen und Freizeitsuchenden auf den Feldwegen deutlich zu“, so das Landwirtschaftsamt in einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises.

Schritttempo nicht möglich

Den Landwirten sei es nicht möglich, große Strecken nur im Schrittempo zu fahren, da gerade im Frühjahr ein großes Pensum an Arbeit geleistet werden müsse. Auf die landwirtschaftliche Produktion in Feld und Flur sollten Freizeitsportler daher unbedingt Rücksicht nehmen. Auch Hundebesitzer werden gebeten, darauf zu achten, dass die Nutzung eines landwirtschaftlichen Grundstücks nicht durch freilaufende Hunde beeinträchtigt wird.

Betreten verboten

Nach Landesnaturschutzgesetz (LNatSchG) dürfen landwirtschaftlich genutzte Flächen während der Nutzzeit nicht betreten werden. Die Nutzzeit ist der Zeitraum zwischen Saat und Ernte, bei Grünland die Zeit des Aufwuchses und der Beweidung, also der Zeitraum zwischen März und Anfang November. Dieses Betretungsverbot gilt auch für Hunde. Wer die freie Landschaft betritt, ist verpflichtet, eigene Abfälle oder die Hinterlassenschaften seines Hundes einzusammeln und zu entfernen.

 

 




Die Imker stehen mit ihren Bienen direkt neben einer Pflanzenschutzspritze und haben ein gutes Gefühl

Der Kontext Landwirtschaft und Imkerei ist voller Spannungen und polarisiert. In den Monaten vor Corona sei er von „dogmatischen und unkooperativen Interessensvertretern befeuert“ worden, die es nach den Aussagen der drei Fachleute am Feldrand mitten in Hohenlohe (siehe Foto) immer und überall gebe. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung des Bauernverbandes Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems hervor.

„Zum Glück ist der größte Teil der Imker und Landwirte vernünftig“

So hätten Aktionen wie “Pro Biene” „bestehende Vorurteile nicht abgebaut, sondern weiter bestärkt“. Die Landwirtschaft sei als “Räuber” dargestellt worden und die Imker als “Beschützer”. Riesige Fronten seien dadurch aufgebaut worden, die nach ihrer Meinung mit der gelebten Realität wenig zu tun haben. Denn da gehe es immer um Kompromisse. “Zum Glück ist der größte Teil der Imker vernünftig und der größte Teil der Landwirte auch”, schließt Imker Hans-Martin Syring, das Thema ab, welches vor rund neun Monaten viele Landwirte und Naturschützer bis nach Berlin und zur Kanzlerin bewegte.

„Wir sind anständig miteinander umgegangen“

Das es auch anders geht, weiß Gerd Schonder von der Betriebsgemeinschaft Hofgut Neuhof in Schöntal. “Unsere erste Begegnung war so, dass jeder von uns offen war und wir anständig miteinander umgegangen sind”, beschreibt Landwirt Gerd Schonder den Start der Zusammenarbeit zwischen ihm und zwei Imkern aus der nahe gelegenen Region westlich von Ludwigsburg. Daraus ist eine Wertegemeinschaft entstanden, die auf Vertrauen und Zusammenarbeit basiert. “Wir sind ein schönes Beispiel dafür, dass wir das zusammen gut hinbekommen und weiter gestalten können.“ Da sind sich der Landwirt und die Imker Hans-Martin Syling und Dieter Böhmer einig. Schon seit Jahren kommen die beiden mit ihren Bienen an die Feldflächen in Hohenlohe. Insbesondere der Raps sei für ihre Völker wichtig, da sie genau jetzt in einer wichtigen Phase der Entwicklung stünen.

Bienen fliegen total auf Raps – Kooperation zwischen Imkern und Landwirten

“Die Population des Bienenvolkes wächst in der Zeit der Winter- auf Sommersonnenwende rasant. Sie sammeln ihren Wintervorrat und brauchen sehr viel Nahrung. Da ist der Raps mit seiner üppigen Blütenpracht alternativlos,” bekräftigen die Imker. Wenn man weiß, was man tut, kann man ausschließen, daß Bienen Schaden nehmen. Die beiden Imker stehen mit ihren Bienen direkt neben einer Pflanzenschutzspritze mit so genannten Drop Leg Düsen und haben ein gutes Gefühl, heißt es in der Pressemitteilung des Bauernverbandes. Denn „sie vertrauen darauf, dass die gespritzten Mittel bei dieser neuen Technik direkt unterhalb der Blüten und nicht darauf dosiert werden“ – also da, wo die Pilze an den Pflanzen sitzen und die Bienen sowieso nicht sind. Das sei ein großer Vorteil und sei in den vergangenen drei Jahren als Projekt mit der Landesanstalt für Bienenkunde entwickelt und auch überprüft worden. Untersuchungen der Methode hätten ergeben, dass keinerlei Pflanzenschutzmittel im Honig nachgewiesen worden sei. “Wenn es nicht so wäre, würden wir Raps nicht anwandern, Da uns die Volksgesundheit der Bienen wichtig ist.”

Die beiden Imker stehen mit ihren Bienen direkt neben einer Pflanzenschutzspritze und haben ein gutes Gefühl

Vertrauen und Verlässlichkeit kennzeichnet nun mal unsere Zusammenarbeit“, betont Landwirt Gerd Schonder. Diese basiert auf Austausch und Annäherung, und auf der Überzeugung, dass man Wahrheiten irgendwann aushalten können muss. „Wir sitzen in einer Arche: als Landwirte bauen wir den Raps gern an. Die Imker schätzen ihn als Futter für ihre Bienen.“ Zusammen sehen sie sich als erfindungsreiche Problemlöser. Dafür ist die Region Hohenlohe schon lange sehr bekannt. „Wir von der BG Neuhof fühlen uns im normalen Ackerbau der Umwelt verpflichtet und empfinden die Hybrid-Landwirtschaft als sinnvollen Zwischenweg”. Damit meint Landwirt Gerd Schonder den Weg zwischen konventioneller und Bio-Landwirtschaft. Er wünscht sich, dass beide Seiten vernünftig miteinander umgehen und reden. Schließlich haben die Landwirte und die Imker ein Ziel: gesunde regionale Lebensmittel zu erzeugen. Dafür arbeiten sie immer wieder an Kompromissen und mit neuen Techniken. Der Zugang zur Imkerei beispielsweise, der dadurch möglich wird, gibt Schonder ein rundum gutes Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein. Die beiden Imker wiederum freuen sich immer über Ansprechpartner für neue Blühflächen. Sie beobachten, dass der Wechsel der Stellflächen für ihre Bienen, bei den Imkern die Anwanderung genannt, den Völkern gut tut. “Das beschäftigt das Bienenvolk, regt es an und schafft gute Rahmenbedingungen für ihre Arbeit”, weiß Imker Dieter Böhmer. “Glauben sie mir: ich kenne jede Königin in jedem Kasten. Deshalb ist Vertrauen für mich so wichtig. Ich freue mich über dieses wunderbarer Frühjahr für unsere Bienen!”

Betriebsgemeinschaft Hofgut Neuhof in Schöntal

Service: Betriebsgemeinschaft Hofgut Neuhof in Schöntal / Hohenlohe: 13 Landwirtsbetriebe im westlichen Hohenlohe haben sich seit dem Jahr 2002 zu einer Einheit zusammengeschlossen. Sie bauen neben Raps alle heimischen Getreidearten, Zuckerrüben, Mais und Soja-und Ackerbohnen an. Legehennen ergänzen die Arbeit der jeweiligen Betriebsleiter.

Die  Imker stehen mit ihren Bienen direkt neben einer Pflanzenschutzspritze und haben ein gutes Gefühl. Sie kooperien mit Landwirten der Betriebsgemeinschaft Hofgut Neuhof in Schöntal. Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems

 

 




Hohenlohe: Gewerkschaft fordert „Ernte-Solidarität“ und ruft auch Studenten, Rentner & Flüchtlinge zur Mithilfe auf, denn „das April-Gemüse wartet nicht“

Was auf den Feldern im Hohenlohekreis wächst, ist gefragte Ware: „Regionale Produkte stehen ohnehin hoch im Kurs. Dazu kommt noch, dass während der Corona-Pandemie frisches Obst und Gemüse sowieso stark gefragt sind – als Alternative zu den auf Vorrat gekauften Raviolidosen und Tütensuppen. Und natürlich als Rohstoff für die Lebensmittelindustrie“, sagt Mike Paul von der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Stuttgart.

Allerdings hätten viele Landwirte in der Region ein Problem, das sich durch die Corona-Pandemie nochmals massiv verschärft: Es fehlen Helfer auf den Höfen, so die Agrar-Gewerkschaft IG BAU. Saisonkräfte aus Rumänien oder Bulgarien dürften wegen der Corona-Pandemie nur bedingt einreisen – zu wenige, um eine reibungslose Ernte zu garantieren.

„Jetzt geht es darum, ein neues Wort zu entdecken: ‚Ernte-Solidarität‘. Wer aus dem Hohenlohekreis zupacken kann, sollte das jetzt tun. Es ist die Chance, Geld nebenbei zu verdienen und die Zeit sinnvoll zu investieren. Spargel, Spinat, Porree … – das April-Gemüse wartet nicht“, so Mike Paul in einer Pressemitteilung Ider Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt Bezirksverband Stuttgart.

Im Mai wartet noch mehr Arbeit

Dabei gehe es nicht nur um die Ernte. Es sei auch die Zeit fürs Pflanzen und Säen: Karotten, Blumenkohl, Radieschen, Zwiebeln, Kopfsalat, Kohlrabi & Co. müssten jetzt auf die Felder. Im Mai nehme die Arbeit für Pflanz- und Erntehelfer dann noch einmal deutlich zu.

„Durch die Corona-Krise ist die Landwirtschaft auf etwas angewiesen, was es schon lange nicht mehr gab: Darauf, dass alle vor Ort anpacken. Auf ein ‚Pflanzen und Ernten – zu (fast) 100 Prozent made by Hohenlohekreis‘“, sagt Paul. Allerdings dürfe das nicht um jeden Preis geschehen, warnt die Agrar-Gewerkschaft: Lohn und vor allem auch Hygienestandards seien wichtig. „Wer Schüler, Studenten oder Flüchtlinge für die Arbeit auf dem Feld anheuert, der muss sie auch fair bezahlen“, verlangt der Bezirksvorsitzende der IG BAU Stuttgart. Auch in der Landwirtschaft gelte der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde.

Gewerkschaft fordert „Erschwerniszulage“

Zusätzlich fordert die IG BAU für Saisonarbeiter genauso wie für die Stammbelegschaften in Agrarbetrieben eine Erschwerniszulage. „Immerhin setzen sich die Beschäftigten in der Phase der Corona-Pandemie bei ihrer Arbeit auch einem gewissen gesundheitlichen Risiko aus“, so Mike Paul. Landwirte in der Region sollten eingearbeitete Saisonkräfte „mit einem Lohn nicht unter 11 Euro pro Stunde vom Feld gehen lassen“. Den habe auch verdient, wer ohne Vorkenntnisse komme, was die Arbeit in der Landwirtschaft angeht: „Viele werden Laien sein, die die professionellen Handgriffe erst lernen müssen. Hier brauchen beide etwas Geduld – die Helfer, aber
auch die Landwirte“, so der Gewerkschafter. „Schulen, Fachhochschulen und Unis, die geschlossen haben. Menschen in Kurzarbeit oder im Vorruhestand, die sich etwas hinzuverdienen wollen. Oder Beschäftigte, die
schon ihre Kündigung bekommen haben. Und auch Geflüchtete, die ihre Chance sehen, an Arbeit zu kommen. – Die aktuelle Situation darf nicht dazu führen, dass Menschen bei der Erntearbeit auf den Feldern über den Tisch gezogen werden“, so Mike Paul.

Für die Hygiene: Dixiklo mit Wasseranschluss am Feldrand

Aber auch die Hygiene sei bei der Arbeit auf den Feldern unerlässlich – sogar das A und O: Es komme darauf an, auch draußen das regelmäßige Händewaschen und Desinfizieren sicherzustellen. „Das bedeutet, dass die Toilette am Feldrand einen Wasseranschluss braucht. Das sonst übliche Mobil-WC reicht hier nicht. Denn ohne Wasser – kein Händewaschen“, macht Paul deutlich. Wenn Pflanz- und Erntehelfer in Unterkünften untergebracht werden, dann seien dabei Einzelzimmer notwendig. „Die Corona-Pandemie bedeutet das Aus der sonst üblichen Sammelunterkünfte. Denn dort gilt das gleiche wie auf den Feldern: Der Abstand von
mindestens 1,5 Metern ist Pflicht. Besser ist eine ganze Zollstocklänge: also 2 Meter Abstand vom Nebenmann“, erklärt der IG BAU-Bezirksvorsitzende. Zudem müssten Sozial- und Sanitärräume alle zwei Tage fachmännisch gereinigt werden.

Auch tabu in Zeiten von Corona: Die Sammelfahrt von Feld zu Feld

„Was auch tabu ist: die Sammelfahrt von Feld zu Feld. Neun-Mann-Bullis dürfen nicht mehr voll besetzt zum Einsatz kommen“, sagt Mike Paul. Erntehelfer sollten möglichst alleine und mit dem eigenen Pkw, Motorroller oder Fahrrad zur Feldarbeit fahren. Dafür müsse ihnen der Landwirt eine Entschädigung bezahlen. „Die Corona-Gefahr lauert überall. Pflanz- und Erntehelfer dürfen das bei ihrem Einsatz unter freiem Himmel nicht vergessen. Es ist die Pflicht der Arbeitgeber, die Arbeitsplätze und Unterkünfte so einzurichten, dass die Hygienestandards einfach einzuhalten sind. Wer Fragen und Probleme hat, sollte sich an die IG BAU oder an das örtliche Gesundheitsamt wenden“, so Mike Paul.

Wichtige Hygieneregeln für die Arbeit in der Landwirtschaft hat die Agrar-Gewerkschaft IG BAU online gestellt: http://www.igbau.de/Ploetzlich-Erntehelfer.html

Wer sich aus dem Hohenlohekreis als Pflanz- oder Erntehelfer bewerben möchte, findet Jobs und weitere Infos unter http://www.agrarjobboerse.de. Stellenangebote gibt es auch auf dem Portal „Das Land hilft“ vom Bundeslandwirtschaftsministerium: http://www.das-land-hilft.de (weiter: „Zur Plattform“).

Quelle: Pressemitteilung der IG Bau vom 08. April 2020

Die IG Bau fordert in Coronazeiten mobile WCs am Feldrand mit Wasseranschluss. Foto: IG Bau