Landrat Dr. Neth: „Abscheulicher Krieg eines Despoten“
Gleich im Zeichen zweier Krisen steht der Hohenlohekreis und die ganze Welt, stellte Landrat Dr. Matthias Neth zu Beginn der Sitzung des Kreistags am 28. März 2022 in Weißbach fest. Corona und „der abscheuliche Krieg eines Despoten“ halten die Welt in Atem.
Bericht über Corona und über die Flüchtlinge aus der Ukraine
In einer einführenden Rede berichtet er davon, dass Corona weiterhin enorme Kapazitäten im Kreis bindet – im Gesundheitsamt, in den Krankenhäusern und den Arztpraxen. Die Behörden sind, so Neth, auch weiterhin mit der Kontaktverfolgung, dem Meldewesen, den Impfaktionen, den Tests und der Impfpflicht stark beschäftigt. Dazu sei ein Kurswechsel in der Gesellschaft zu erkennen, die Gefährdung durch die Krankheit würde nicht mehr so wahrgenommen. Insbesondere bei jungen Menschen sei eine „enorm hohe Inzidenz“ festzustellen.
Der Herbst soll nicht wieder zum Problem werden
Jetzt sei, meint Neth, die Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass wir „nicht den Herbst wie in den letzten zwei Jahren“ bekommen.
Eine Frage, die beim Zuhörer Kopfschütteln erzeugt
Am Ende fragt er noch: „Warum erfassen wir noch Inzidenzen, wenn keine Rechtsfolgen mehr daran geknüpft sind?“ Diese Frage führt zu Kopfschütteln – und eine Antwort gibt er nicht. Dabei hat er sie doch vorher schon gegeben: Wenn wir nicht mehr erfassen, wie stellen wir dann fest, welche Bevölkerungsgruppen im Moment besonders gefährdet und schützenswert sind? Und wie fördern wir das Problembewußtsein in der Bevölkerung, wenn wir gar keine Zahlen mehr erfassen und veröffentlichen?
Beim Thema Flüchtlinge schneller sein als das Land
Das Ziel des Hohenlohekreises sei, beim Thema Flüchtlinge schneller zu sein als das Land. Man will ein Signal zur Integration senden: Nicht nur Unterbringung, sondern das Ankommen in der hiesigen Gesellschaft soll ermöglicht werden.
Signal an die Gemeinden
Nach sechs Monaten, so erklärt Neth die Rechtslage, sei nicht mehr der Kreis, sondern seien die Gemeinden für die Flüchtlinge verantwortlich. Natürlich werde der Kreis „nicht abhauen“, aber die Gemeinden müßten eigene Vorbereitungen treffen. „Wenn es hier nicht klappt, wo es klein ist, wo sich alle kennen, wo soll es dann klappen?“ An dieser Stelle strahlt er Zuversicht aus, dass das Landratsamt und die betroffenen Gemeinden die Unterkunft und Versorgung der Geflohenen gemeinsam stemmen werden.
Forderung an die Politik
Aber er stellt auch eine Forderung an die Landes- und Bundespolitik: Sie müsse „Gemeinschaft und Geschlossenheit“ vermitteln und für weniger gesellschaftliche Spaltung sorgen.
Text: Matthias Lauterer