Ab Montag, den 15. Juni 2020, geht es für einen Großteil der Schüler wieder zurück in die Klassenzimmer – zumindest stunden-, tageweise und wochenweise. Jede Schule im Hohenlohekreis hat sich Gedanken um ein passendes Konzept gemacht, welche Stunden für welche Schüler wie angeboten werden können. Das hängt unter anderem auch davon ab, wieviele Lehrkräfte zur Verfügung stehen, da Lehrer, die einer Corona-Risikogruppe angehören, vom Präsenzunterricht befreit sind. Viele Schulen haben darüber hinaus versucht, die Stundenpläne passend zu den Busfahrplänen abzustimmen. Es zeigt sich: Jede Schule hat dabei für sich individuelle Lösungen gefunden.
Kupferzell: „Es wurde bei der Einteilung auf die zeitgleiche Beschulung von Geschwisterkinder geachtet.“
In der Johann-Friedrich-Mayer-Schule in Kupferzell wurden wie in den meisten anderen Schulen auch, die Klassen und Lerngruppen in Kleingruppen eingeteilt. Rektor Markus Autenrieth erklärt: „Es wurde bei der Einteilung auf die zeitgleiche Beschulung von Geschwisterkinder geachtet.“ Die Beschulung finde im wöchentlichen Wechsel (A-Woche und B-Woche) statt. Die Schule hält sich dabei an den Vorschlag des baden-würrtembergischen Kultusministeriums, dass die Kinder eine Woche Präsenzunterricht im Klassenzimmer haben und eine Woche homeschooling „Der Unterricht beginnt und endet versetzt, ebenso die Pausenzeiten“, erkärt Autenrieth weiter. So stehen nicht alle Schüler zur gleichen Zeit auf dem Pausenhof. „In der Woche, in der die Lerngruppe kein Unterricht hat, finde die Beschulung weiterhin online oder mit Aufgaben aus dem Präsenzunterricht statt“, so der Rektor.
Die Gemeinschaftsschule kann es ermöglichen, dass Schüler aller Klassenstufen (1 bis 10) eine Woche mit mindestens 20 Unterrichtsstunden an der Schule im Präsenzunterricht ist. Die tägliche Unterrichtszeit umfasst laut Autenrieth 4 bis 5 Schulstunden. „In der darauf folgenden Woche findet das Homeschooling statt, so dass im Schnitt jede Schülerin / jeder Schüler auf mindestens 10 Unterrichtsstunden im Präsenzunterricht pro Woche kommt.“ Die Zeiten würden zum allergrößten Teil mit dem Busfahrplan übereinstimmen. „Da wir aber Schüler aus einem Umkreis von zirka 20 Kilometer haben, kann es sein, dass manche längere Zeit auf den Bus warten müssen oder von den Eltern in Fahrgemeinschaften abgeholt werden.
Mulfingen: Ein Tag Schule, ein Tag homeschooling – immer im Wechsel
An der Bischof von Lipp Schule, ebenfalls eine Gemeinschaftsschule, gibt es ein anderes Modell. Schulleiter Johannes Dirnberger erklärt: „Die Schüler jeder Jahrgangsstufe sind mindestens an zwei Tagen an der Schule, dies in jeder Woche.“ Es gibt also keinen wöchentlichen Wechsel. „Nach jedem Präsenztag gibt es einen Heimarbeitstag, an dem Aufgaben gemacht werden, die dann am nächsten Präsenztag in der Schule besprochen werden“, erklärt der Schulleiter und nennt ein Beispiel für die Jahrgangsstufe:
Klasse: 5a/b
Aus Hygienegründen sind die Klassen noch einmal in sich getrennt, so dass sich vier Gruppen mit der erlaubten Schülerzahl ergeben.
Montag: Präsenztag
Dienstag: Heimarbeitstag
Mittwoch: Präsenztag
Donnerstag: Heimarbeitstag
Freitag: Heimarbeitstag
Bei der Jahrgangsstufe 6 werde nach demselben Prinzip verfahren. „Dann ist das Schulhaus an den Montagen und dem Mittwoch von den Abstandsregeln her ziemlich voll“, erklärt Johannes Dirnberger. „Die Jahrgangsstufen sieben und acht kommen dann zum Beispiel am Dienstag und Donnerstag zum Präsenztag. Für die Jahrgangsstufen 9 und 10 weichen wir räumlich aus.“
Johannes Dirnberger sieht mehr Vorteile für dieses Unterrichtsmodell
Er sieht mehr Vorteile in diesem Unterrichtsmodell als in einem wöchentlichen Wechsel und nennt hierfür folgende Gründe:
1. Lehrkräfte arbeiten an der Schule in einem System und nicht im Wechsel zwischen Präsenz – und Fernlernunterricht
2. Wir haben bis zu den Sommerferien kontinuierlich Unterricht, Eltern können planen und wir kommen im Stoff besser voran, als wenn zwischendrin immer eine Woche liegt. Die Tagesaufgaben können die S Schüler gut meistern und dann am Folgetag direkt nachfragen.
3. Wir kommen mit den Lehrerstunden hin, da wir so alle Lehrkräfte jede Woche gleichmässig beschäftigen können.
Die Präsenztage umfassen laut Schulleiter Dirnberger jeweils mindestens sechs Schulstunden, die Materialien für die Heimarbeitstage seien ebenfalls für diese Zeit ausgelegt. „Neben Deutsch, Mathematik und Englisch unterrichten wir auch stark eingeschränkt die Nebenfächer. Somit ist jeder Schüler pro Woche zwischen 12 und 14 Stunden im Präsenzunterricht an der Schule anwesend.“ Die Heimarbeit ist mit ebenfalls mit zirka 14 bis 18 Stunden pro Woche veranschlagt.
„Leider haben wir mit dem Nahverkehrsmodell einen vergleichweise unflexiblen Partner“
Bezüglich den Pausenzeiten erklärt Johannes Dirnberger: „Die Pausenzeiten sind flexibel, das heißt, die Gruppen haben unterschiedlich Pausen.“ Das Ziel dabei sei es, möglichst wenig Schüler gleichzeitig auf dem Schulhof und in den Gängen zu haben. „Auf dem Schulhof und im Schulgebäude ist genug Platz, um das Pausenbrot mit entsprechendem Abstand zu verzehren. Die Sitzgelegenheiten geben dies her. Für den Notfall haben wir die Sporthalle als Pausenbereich zur Verfügung, etwa bei extremem Schlechtwetter.“
Ein kleines Manko gibt es laut Dirnberger bislang noch: „Leider haben wir mit dem Nahverkehrsmodell einen vergleichweise unflexiblen Partner, da laufen die Gespräche noch. Für Kinder ausserhalb der Gemeinde Mulfingen, bei denen wir wissen, dass sicher kein Bus fährt, haben wir eigene Busverkehre eingerichtet. Dies bedeutet aber für uns einen organisatorischen und finanziellen Kraftakt.“
Forchtenberg: Auf dem Schulhof gibt es für die Schüler Aufstellpunkte für die A- Klassen und die B- Klassen.
Für die Geschwister-Scholl-Schule in Forchtenberg waren für die Planungen wiederum die Busankunfts- und Busabfahrtzeiten entscheidend, wie Rektorin Petra Schüler gegenüber GSCHWÄTZ erklärt:
„Wir unterrichten die Kinder rollierend, allerdings wöchentlich, so dass alle Schüler jede Woche für 2 Tage an der Schule sein werden und dadurch mehr Unterricht erhalten.
Unsere 16er Klassen machen dies möglich. Wir beginnen am Morgen um eine halbe Stunde versetzt, sodass wir den Überblick über die ankommenden Kinder haben. Sie sind nach den Vorgaben der Ministerin zusammengestellt. Das heißt Klassen 1 und 3 und die Klassen 2 und 4.“
Auf dem Schulhof gebe es für die Schüler Aufstellpunkte für die A- Klassen und die B- Klassen. Rektorin Schüler erklärt: „Die Aufsicht holt die Kinder einzeln herein und fordert sie zur Händedesinfektion auf. Anschließend gehen sie in die Klassenzimmer.“
In dieser halbstündigen Ankunftszeit könne gefrühstückt werden. „Die Pausen werden, wenn notwendig, immer mit 4 Kindern durchgeführt. Die Aufsichtsperson beobachtet die Pausensituation und die Toilettengänge
und das Händedesinfizieren im Anschluss. Unsere Ü-60 Lehrerinnen haben für jedes Kind Masken genäht, die täglich nach Unterrichtsende gewaschen werden.“
„Unsere Ü-60 Lehrerinnen haben für jedes Kind Masken genäht, die täglich nach Unterrichtsende gewaschen werden“
„Außerdem haben wir dankenswerterweise Masken und Desinfektionsmittel von der Firma Arnold erhalten. Über den örtlichen Schreiner konnten Spuckschutze für die Lehrkräfte bestellt werden. Desinfektionsstationen sind im Foyer und in den Toiletten ausreichend vorhanden. Die Reingung und Desinfektion der Schule verlief bislang sehr professionell. Die Zusammenarbeit mit dem Rathaus gestaltete sich sehr gut. Unser Kollegium ist nach dem Schulhausbrand 2016 und dem anschließenden Hochwasser ein eingespieltes kollegiales und engagiertes Team. Schüler Das ist in Krisensituationen von entscheidender Wichtigkeit und erleichtert jedem Schulleiter die Arbeit.“
Petra Schüler lobt in diesem Zusammenhang die Arbeit der Eltern: „Auch die Elternschaft hat hervorragende Arbeit geleistet.“
Der „Testlauf“ mit den vierten Klassen, die bereits wieder beschult werden, habe gut funktioniert, „so dass wir guter Dinge sind, die letzten Wochen gut zu bewältigen. Wir freuen uns auf unsere Schüler.“

Johannes Dirnberger, Schulleiter an der Bischof-von-Lipp-Schule in Mulfingen, ist bald nicht mehr umringt von leeren Stühlen. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv