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Soll der Hohenlohekreis vier Flüchtlingsfamilien aus Moria aufnehmen?

Am Freitag, den 09. Oktober 2020, findet auf Antrag der Grünen-Fraktion sowie einigen Mitgliedern der SPD eine öffentliche Kreistagssitzung statt. Diese beginnt um 13 Uhr in der Carl-Julius-Weber-Halle in Kupferzell. In der Sitzung soll es um die Schaffung von Kapazitäten zur Aufnahme zwei weiterer Flüchtlingsfamilien im Hohenlohekreis gehen. Die AfD-Kreistagsfraktion stellte einen Gegenantrag. Während der Antrag der Grünen relativ kurz gefasst ist, ist der Antrag der AfD umfassender gestaltet.

Die Grünen: „Die Katastrophe von Moria erfordert schnelles und unbürokratisches Handeln“

Im Antrag der Grünen heißt es: „Der Kreistag möge beschließen, die Kapazität für die Aufnahme von bisher bis zu zwei Familien mit je vier Familienangehörigen oder eine entsprechende Anzahl alleinreisender Frauen (mit Kind) zu erhöhen auf die zusätzliche Aufnahme von bis zu vier Familien mit je vier Familienangehörigen oder eine entsprechende Anzahl alleinreisender Frauen (mit Kind). Diese Bereitschaft wird der Landesregierung mitgeteilt mit der Bitte, dem Hohenlohekreis vorzugsweise Familien aus dem Flüchtlingslager Moria zuzuweisen“. Die Grünen begründen ihren Antrag damit, dass „die Katastrophe von Moria schnelles und unbürokratisches Handeln“ erfordere und den vielen Familien noch vor der kalten Jahreszeit geholfen werden müsse. Außerdem dauere das Warten auf eine gesamteuropäische Lösung dauert zu lange. Und: die „Bereitschaft für ehrenamtliche Helfer zur Unterstützung ist im Moment unter dem Eindruck der Bilder aus Moria noch sehr groß, dies sollte genutzt werden“. In Moria leben derzeit rund 12.000 Flüchtlinge auf engstem Raum.

AfD: „Der Hohenlohekreis darf sich davon nicht in Geiselhaft nehmen lassen“

Demgegenüber stellte die Kreistagsfraktion der AfD einen Änderungsantrag „auf Beschlussfassung einer Resolution zur durchdachten und humanen Migrationspolitik“. So solle der Kreistag beschließen, „dass der Hohenlohekreis einer Aufnahme von Migranten aus Moria im Speziellen und von sämtlichen nicht auf legalem Weg kommenden Migranten im Allgemeinen ablehnend gegenübersteht“. Deshalb solle der Antrag der Grünen-Fraktion vollständig gestrichen werden. Außerdem solle der Kreistag eine Resolution verabschieden: „Der Hohenlohekreis steht unverbrüchlich hinter allen notleidenden Menschen. In diesem Sinne ist es nicht nur für den Kreis, sondern auch für die Betroffenen selbst der falsche Schritt, nun einzelne im sicheren Drittstaat Griechenland weilende Personen aufzunehmen. Einerseits ist die dortige Situation anzuführen: Es besteht in Moria schon längst ein neues Lager. Hinzu kommen Indizien, dass Brandstiftung vonseiten der Migranten zu den Bränden geführt hatte, die sich wenig später auch auf einer anderen griechischen Insel ereigneten. Der Hohenlohekreis darf sich davon nicht in Geiselhaft nehmen lassen“.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis, Geschäftsstelle Kreistag

 




Transnet-Brandschutzexperte betont: „Zellen können explodieren, das ist aber nicht vergleichbar mit der Wirkung von Dynamit oder TNT“

Der geplante Netzbooster in Kupferzell lässt die Emotionen weiterhin hochkochen. (Wir berichteten: https://www.gschwaetz.de/2020/09/30/selbst-brandschutzexperte-von-transnet-warnt-in-folge-einer-fehlfunktion-koennen-extrem-giftige-gase-austreten/, https://www.gschwaetz.de/2020/08/28/transnet-kann-vorwuerfe-der-interessensgemeinschaft-nicht-nachvollziehen/ oder https://www.gschwaetz.de/2020/08/17/es-ist-von-anfang-an-unheimlich-viel-im-dunklen-still-heimlich-und-leise-hinter-verschlossenen-tueren-verhandelt-worden/).

„Diese Zellen können brennen.“

Wir haben nun beim Brandschutzexperten Dr. Dietmar Schelb, Leiter Forschungsstelle für Brandschutztechnik am Engler-Bunte-Institut des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) nachgehakt, nachdem Dr. Marion Kühnle von der Interessengemeinschaft darauf hingewiesen hat, dass diese Lithium-Ionen-Batterien brennen können. Kühnle hat dabei auf eine Arbeit von Schelb verwiesen. In seiner Antwort-Mail an GSCHWÄTZ schreibt Dr. Schelb nun zur Gefährdung durch die Batterien: „Die Netzstabilisationsanlage besteht aus rund 100 Containern mit Batterien drin. Jede dieser Batterien im Container besteht wiederum aus mehreren tausend Zellen. Diese Zellen können brennen und sie setzen dabei Fluorwasserstoff frei“.

„Es reißt lediglich eine Folie oder Membran auf.“

Die Zellen könnten laut Schelb durchaus auch „explodieren“, das sei aber nicht vergleichbar mit einer Bombenexplosion oder der Wirkung von Dynamit oder TNT: „Es reißt lediglich eine Folie oder Membran einer einzelnen Zelle auf, und Flammen können nach außen hin erscheinen“. Doch weil dies im Innern eines Containers geschehe, sei es für Außenstehende ungefährlich. Den Vergleich mit Beirut findet Schelb denn auch unangebracht und irreführend.

„Wenn eine Zelle brennt, darf sich der Brand nicht ausbreiten.“

Von dem Booster gehe keine Explosionsgefahr für Außenstehende aus, ist der Forscher überzeugt. Die Batterien des Netzboosters seien sicherer, als die meisten Batterien im E-Fahrzeug: „Die Batterien müssen einen so genannten Propagationstest bestehen. Wenn eine Zelle brennt (warum auch immer), darf sich der Brand nicht ausbreiten“. Das Brandschutzkonzept sehe zudem vor, „dass beim Brand einer Zelle eine Wassernebelanlage startet, die den giftigen Fluorwasserstoff sofort niederschlägt“. Das Löschwasser werde anschließend gesammelt.

 




Kollision mit Lkw

Mit schweren Verletzungen ist eine 81-Jährige am Montag, den 05. Oktober 2020, ins Krankenhaus gekommen. Die Frau war gegen 12 Uhr mit ihrem Opel Corsa von Kupferzell kommend in Richtung Rüblingen unterwegs. Als ein 43-Jähriger mit seinem Lkw in Kupferzell-Feßbach von der Kreisstraße in die Landesstraße einfuhr, übersah er den auf der Landesstraße fahrenden Opel. Es kam zur Kollision. Die Seniorin erlitt schwere Verletzungen, der Mann zog sich leichte Verletzungen zu. An den beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden in Höhe von insgesamt 19.000 Euro. Der Opel musste abgeschleppt werden.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




„In Folge einer Fehlfunktion können extrem giftige Gase austreten“

Überraschende Wende beim geplanten Netzbooster-Projekt in Kupferzell: Die Riesenbatterie steht immer mehr auf wackligen Beinen.

Brandschutzexperte warnt

Transnet, das zur EnBW gehörende Unternehmen, das das Strom-Übertragungsnetz in Baden-Württemberg betreibt, hat angekündigt, eine rund fünf Fußballfelder große Mega-Batterie in Kupferzell zu bauen (GSCHWÄTZ berichtete). Bei der Risiko-Analyse beruft sich Dr. Marion Kühnle von der Interessensgemeinschaft, die die Riesenbatterie verhindern möchte, nun unter anderem auf eine Arbeit des Brandschutzexperten der Transnet, Dr. Dietmar Schelb, in der dieser die Feuerbeständigkeit von Li-Ionen-Batterien erforschte (https://crisis-prevention.de/feuerwehr/pruefung-der-feuerbestaendigkeit-von-li-ionen-batterien.html). Dr. Kühnle befürchtet: „In Folge einer Fehlfunktion können extrem giftige Gase austreten, die Batterien können brennen oder explodieren.“

Demos gegen die Riesenbatterie

Nichtsdestotrotz hält Transnet an der Idee fest, das Mega-Projekt in Kupferzell umzusetzen. Die Interessengemeinschaft „Ein Herz für Hohenlohe“ geht in die Offensive. Auf Demonstrationen und im sogenannten Energiedialog mit Vertretern von Politik und Transnet kämpfen die Aktivisten für Aufklärung – und gegen den Netzbooster in Kupferzell.

Widerprüchliche Aussagen

Das Pilotprojekt steht im Netzentwicklungsplan 2030, einem Plan, der von den deutschen Übertragungsnetzbetreibern erstellt wird (zu denen Transnet gehört).  Die Transnet habe, so Kühnle, kommuniziert, dass „nur noch über das wie, nicht aber über das ob“ des Netzboosters verhandelt werde und das „mit einem klaren gesetzlichen Auftrag“ begründet, der aus dem Netzentwicklungsplan hervorgehe, erklärt Birgit Kühnle. Der Netzentwicklungsplan sei allerdings nur eine „Argumentationshilfe für das Genehmigungsverfahren und kein gesetzlicher Auftrag“. Wurde hier absichtlich falsch kommuniziert oder war die Transnet einfach nur falsch informiert über den Plan, den sie selbst mit entworfen hat? (https://www.netzentwicklungsplan.de/sites/default/files/paragraphs-files/NEP_2030_V2019_1_Entwurf_Teil1_1.pdf)

Steckt doch kein gesetzlicher Auftrag dahinter?

Dann ist da noch die Sache mit dem Bundesbedarfsplan. Transnet schreibt auf ihrer Unternehmenswebsite: „Mit der Bestätigung des Projekts durch die BNetzA geht das Projekt nun in das Verfahren zur Aufnahme in den Bundesbedarfsplan ein.“ Der Haken ist nur, dass diese Aussage im Widerspruch zu der Aussage der Bundesnetzagentur steht. Die schreibt nämlich auf Anfrage von Dr. Elmar Posiadlik-Schilling: „Sollte Ihre Anfrage in Zusammenhang mit der Netzbooster-Anlage in Kupferzell stehen, weisen wir darauf hin, dass diese als sogenannte Punktmaßnahme nicht in den Bundesbedarfsplan aufgenommen wird.“ Im Unterschied zu einer Leitungsbaumaßnahme „befindet sich eine Punktmaßnahme an einem festen Punkt“, erläutert Birgit Kühnle. Das ist dann beispielsweise ein Transformator, eine Schaltanlage oder eben die Mega-Batterie. Warum verbreitet Transnet so offensichtlich Falschmeldungen, wo doch die Bundesnetzagentur klar und deutlich verneint, dass Punktmaßnahmen, wie der Netzbooster, in den Bundesbedarfsplan aufgenommen werden? Dass das Pilotprojekt nicht aufgenommen wird, bedeutet allerdings auch, dass die sogenannte strategische Umweltprüfung, die Voraussetzung für die Aufnahme in den Bundesbedarfsplan ist, entfällt – ebenso wie die Anlagensicherheitsanalyse, die Anlagenzuverlässigkeitsanalyse und das Arbeitsschutz-, Brandschutz- und ein Rückwirkungskonzept. Stattdessen seien Wirtschaftlichkeitsberechnungen angestrengt und einige Technikfragen untersucht worden.

Rückläufiger Stromverbrauch

Interessant ist auch die Entwicklung des Stromverbrauchs in Baden-Württemberg während der letzten Jahre. Franziska Zink von der Transnet prognostiziert „der deutsche Strommarkt werde zukünftig auch eher importabhängiger“. Die Bundesnetzagentur ist bei der Rechnung auf ein etwas anderes Ergebnis gekommen. Sie rechnet 2035 mit einem deutlichen Nettoexport. Wer hat sich hier verrechnet? Dr. Marion Kühnle stellt fest: „Laut dem Energiebericht 2019 ist der Stromverbrauch in Baden-Württemberg seit 2000 nicht gestiegen, die Haushalte verbrauchen heute sogar weniger als 1991.“ Sieben Prozent, um genau zu sein. (https://www.bwagrar.de/artikel.dll/Energiebericht-Kompakt-2019-UM-BW_NjIwODEyMg.PDF?UID=E6DF6A9741E767B02F9FE1D838C7019783599B6A731EB7E4)

„Die Transnet zeigt klar auf, in Ihrem Stromnetz 2050, dass Baden-Württemberg Stromtransitland wird und der Transit und nicht der Verbrauch in Baden-Württemberg zur Überlastung der Netze führt“, geht aus einer Präsentation der Interessengemeinschaft hervor. Die Leistungsflüsse durch die HGÜ (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) in die Schweiz zeigen laut der Interessensgemeinschaft „im Jahr 2050 einen steigenden Transportbedarf in Nord-Süd-Richtung“. Die Transnet plane demnach „Stromexport im großen Stil und spricht gleichzeitig von Importabhängigkeit“, kritisiert die Interessensgemeinschaft.

In der Bürgerinitiative gibt es einige Stimmen, wie die Kühnle-Schwestern, die einer Riesenbatterie auch aus Gründen der Marktkontrolle und der Monopolisierung kritisch gegenüberstehen. Wenn man einem Unternehmen die Möglichkeit gebe, große Mengen an Energie zu speichern und zurückzuhalten, gebe man ihm damit auch gleichzeitig die Möglichkeit, den Markt und die Preise zu kontrollieren.

Alternativstandorte müssen geprüft werden

Die überraschenden Neuigkeiten sind nun, so Kühnle, dass die Teilnehmer des Energiedialogs sich am 17. September 2020, zum Teil zähneknirschend, „darauf geeinigt haben, dass sehr wohl in Frage gestellt werden müsse, ob ein Batteriekraftwerk/Netzbooster überhaupt gebaut werden soll und dass auf jeden Fall Alternativstandorte geprüft werden müssen. Eines ist klar: Die Verhandlungen werden trotz des kleinen Etappensieges der Bürgerinitiative sicherlich nicht weniger zäh werden. Doch die Hohenloher bleiben hartnäckig. Und kämpferisch.

Weitere Artikel zu diesem Thema: https://www.gschwaetz.de/2020/08/28/transnet-kann-vorwuerfe-der-interessensgemeinschaft-nicht-nachvollziehen/ und https://www.gschwaetz.de/2020/08/17/es-ist-von-anfang-an-unheimlich-viel-im-dunklen-still-heimlich-und-leise-hinter-verschlossenen-tueren-verhandelt-worden/.

Text: Priscilla Dekorsi




Anton Baron fordert: Netzbooster muss vor den Bundestag

Der Landtagsabgeordnete Anton Baron (AfD, Wahlkreis Hohenlohe) nimmt in einer Pressemitteilung zu den Neuigkeiten um den Netzbooster in Kupferzell (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/08/28/transnet-kann-vorwuerfe-der-interessensgemeinschaft-nicht-nachvollziehen/) Stellung: „Dass diese gigantische Anlage ohne Einbindung des Bundestages installiert werden soll, ist ein Skandal. Mittels einer Kleinen Anfrage hatte ich die Angelegenheit ja bereits in den Landtag eingebracht und die Dimensionen aufgedeckt. Dass nun eine Debatte im Bundestag verhindert werden soll, nimmt dieser vor Ort ohnehin kritisch beurteilten Anlage ein weiteres Stück ihrer demokratischen Legitimation“. In Kupferzell selbst müsse der Druck auf Transnet zwingend noch weiter erhöht werden, damit der Konzern von den dortigen Netzboosterplänen Abstand nimmt, heißt es in der Pressemitteilung des AfD-Landtagsabgeordneten weiter. In dieser Gemeinde sei die landschaftliche Belastung durch erneuerbare Energien schließlich bereits jetzt überdurchschnittlich hoch.

Investitionskosten in Höhe von 188 Millionen Euro

Anton Baron hatte zu dem geplanten Netzbooster bereits eine Kleine Anfrage an die baden-württembergische Landesregierung eingebracht, in der er unter anderem nach den ungefähren Kosten, dem voraussichtlichen Baustart und den Gründen, warum ausgerechnet Kupferzell als Standort für den Netzbooster ausgewählt wurde, nachfragte. In der Antwort des Umweltministeriums von Anfang August heißt es unter anderem: „Gemäß dem von der Bundesnetzagentur (BNetzA) am 20. Dezember 2019 bestätigten Netzentwicklungsplan 2030, Version 2019 soll die Pilotphase der Netzbooster-Anlage am Standort Kupferzell (P430 M646) mit Inbetriebnahme bis zum Jahr 2025 beginnen“. Demnach sehe der Zeitplan der TransnetBW GmbH den Baubeginn spätestens ab Mitte 2023 vor. Außerdem rechne die TransnetBW GmbH für die Netzbooster-Anlage in Kupferzell mit Investitionskosten in Höhe von 188 Millionen Euro.

Standort in Kupferzell am geeignetsten laut dem Umweltministerium

Hinsichtlich der Standortwahl schreibt das Umweltministerium in seiner Antwort: „Unter mehreren untersuchten Standorten habe sich ein Standort im Raum Kupferzell aus netzplanerischer Sicht als am geeignetsten erwiesen. Die Netzbooster-Anlage könne hier einerseits eine besonders hohe Wirksamkeit zur Höherauslastung des Netzes entfalten. Zudem sei durch die Netzanbindung in Richtung Norden, Westen und Süden die Möglichkeit für ein Zukunftskonzept gegeben, in dem mehrere Anlagen zur Netzstabilisierung zusammenwirken“.

Quelle: Pressemitteilung des Landtagsbüros von Anton Baron

Anton Baron. Foto: Landtagsbüro Anton Baron




Transnet kann „Vorwürfe der Interessensgemeinschaft nicht nachvollziehen“

Die Riesenbatterie, die in Kupferzell von TransnetBW, einer Tochter von EnBW, in absehbarer Zeit gebaut werden soll, sorgt für mächtig Ärger in Kupferzell selbst. Eine Interessensgemeinschaft hat sich gebildet, die Widerstand gegen den so genannten Netzbooster leisten möchte (wir berichteten). Nun nimmt Transte gegenüber GCHWÄTZ Stellung zu den Kritikpunkten der Interessensgemeinschaft. Die Fragen im Namen von TransnetBW beantwortete Annett Urbaczka, Leiterin der Unternehmenskommunikation. Die Fragen stellte unsere GSCHWÄTZ-Redakteurin Sonja Bossert.

„Wir sind im Dialog mit der Gemeinde“

GSCHWÄTZ: Bürger bemängeln eine Intransparenz bei dem Verfahren. So sagt zum Beispiel die Interessengemeinschaft Ein Herz für Hohenlohe: „Es ist von Anfang an unheimlich viel im Dunklen, still, heimlich und leise hinter verschlossenen Türen verhandelt worden“. Können Sie solche Aussagen nachvollziehen? Wann wurde das erste Mal öffentlich darüber gesprochen/ kommuniziert mit den Bürgern der Gemeinde?

TransnetNW: Die Vorwürfe der Interessensgemeinschaft können wir nicht nachvollziehen. Seitdem im Netzentwicklungsplan (NEP) das Netzbooster-Konzept und der Standort Kupferzell bekannt gemacht wurden, sind wir im Dialog mit der Gemeinde und haben uns in den Gremien den Fragen gestellt. (Anfang 2019). Darüber hinaus wurde ein gemeinsamer Ausschuss beschlossen, er hat seine Arbeit im Juli aufgenommen. Dem Ausschuss gehören Gemeinde- und Bürgervertreterinnen und –vertreter an. Wir informieren umfangreich und transparent. Der Netzbooster wurde zum ersten Mal in Zusammenhang mit der Veröffentlichung des ersten Entwurfs des NEP 2030, Version 2019 kommuniziert (Anfang Februar 2019). In diesem NEP war erstmals die Möglichkeit aufgenommen worden, durch eine innovative Netzstabilitätsanlage die Auslastung des bestehenden Netzes zu optimieren und somit den zusätzlichen Netzausbau begrenzen zu können. Im Rahmen der Veröffentlichung sind wir bereits auf die Gemeinde beziehungsweise den Bürgermeister mit einer ersten Information zugegangen und boten an, nach Kupferzell zu kommen und die Gemeinde zu informieren.

GSCHWÄTZ: Wann hat die TransnetBW beschlossen, dass der Netzbooster nach Kupferzell kommt?

TransnetBW: Anfang Februar 2019, als der erste Entwurf des NEP Anfang veröffentlicht wurde.

GSCHWÄTZ: Warum wurde Kupferzell ausgewählt?

„Kupferzell als der geeignetste Standort“

TRansnetBW: Unter mehreren untersuchten Standorten hat sich der Standort Kupferzell aus netztechnischer Sicht als der geeignetste erwiesen. Das Übertragungsnetz im Bereich des Netzknotens Kupferzell ist schon heute hoch ausgelastet. Diese Belastung wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Ein Netzbooster kann hier eine hohe Wirksamkeit entfalten.

Das Pilotprojekt soll zunächst auf spezifische Leitungen nördlich von Kupferzell wirken. Die Pilotphase wird aber auch für Weiterentwicklungen genutzt, um z.B. weitere Leitungen mit einzubeziehen. Der Netzknoten Kupferzell ist durch seine Anbindung Richtung Norden, Westen und Süden sowohl für ein Pilotprojekt als auch für ein Gesamtkonzept, in dem mehrere Netzbooster-Anlagen zusammenwirken, besonders geeignet.

Der Netzbooster soll in Zeiten hoher Netzauslastung bei Fehlern solange das System entlasten, bis der der Engpass durch Eingriffe der Systemführung gezielt behoben werden kann, wie bspw. Schaltmaßnahmen sowie der Einsatz von Kraftwerken.

„Wir nehmen die Sorgen der Bürger sehr ernst“

GSCHWÄTZ: Kann TransnetBW die Bedenken der Bürger verstehen in Bezug auf die Sicherheit?

TransnetBW: Wir nehmen die Sorgen der Bürger sehr ernst und suchen daher auch den Austausch, beispielsweise im oben genannten Ausschuss.

Führt ein derartiger Booster zu einer erhöhten Strahlenbelastung?

GSCHWÄTZ: Führt ein derartiger Booster zu einer erhöhten Strahlenbelastung?

TranstnetBW: Die Anlage wird so gebaut, dass die Werte der entstehenden elektromagnetischen Felder durch verschiedene Maßnahmen so reduziert werden, dass sie unterhalb aller gesetzlichen Grenzwerte liegen. Das stellen wir durch Studien und Simulationen sicher.

GSCHWÄTZ: Wo stehen weitere vergleichbare Booster in Deutschland / weltweit?

TransnetBW: In der Bundesrepublik betreibt die STEAG mehrere Batterieanlagen mit rund 90 MW zur Sicherstellung der Stromversorgung, zum Beispiel bei Ausfällen oder Lastspitzen, icht der Höherauslastung der Netze. Im Netzentwicklungsplan ist der Bau weiterer Anlagen in den Regelzonen der anderen Übertragungsnetzbetreiber vorgesehen.

GSCHWÄTZ: Wann soll das Projekt umgesetzt werden in Kupferzell?

TransnetBW: Der Netzbooster soll Anfang 2025 in Betrieb gehen, Baubeginn ist für das Jahr 2023 geplant.

 

Birgit Kühnle und Peter Hamann von der Interessengemeinschaft „Ein Herz für Hohenlohe“ lehnen die Riesenbatterie ab. Foto: GSCHWÄTZ

Hier soll der Netzbooster gebaut werden.

 




„Es ist von Anfang an unheimlich viel im Dunklen, still, heimlich und leise hinter verschlossenen Türen verhandelt worden“

Die Transnet, ein Unternehmen der EnBW, will in Kupferzell einen sogenannten Netzbooster bauen. Dieser Booster – zu Deutsch Riesenbatterie – soll das Stromnetz im Falle eines anstehenden Kollapses schützen. Dafür vorgesehen ist ein Areal hinter dem Umspannwerk Kupferzell, so groß wie fünf Fußballfelder.
So groß wie fünf Fußballfelder
Gschwätz-Videoreporter Dr. Felix Kribus hat mit Gegnern des Projektes von der Interessengemeinschaft „Ein Herz für Hohenlohe“ sowie dem Bürgermeister der Stadt Kupferzell, Christoph Spieles, über das Projekt, das so nur noch in Australien im menschenleeren Hinterland existiert und wohl zahlreiche Risiken für die Hohenloher birgt, gesprochen.
Gegner warnen vor Gefahren und Belastungen
Die Gegner sehen die Gefahren, die ein solcher Netzbooster mit sich bringen könne. „Die Gefahren vom Umspannwerk und den Stromleitungen und auch die Belastungen dadurch, die wir für einen Großteil von Süddeutschland tragen, das reicht unserer Meinung nach für Deutschland“, sagt Birgit Kühnle. „Diese Booster sind ja Lithium-Ionen, sie sind sehr hitzeempfindlich und da kann das Ding auch in die Luft gehen“, ist Viola Yildiz überzeugt. Die Bürger fühlen sich bei der Projektentwicklung nicht mitgenommen und beklagen: „Es ist von Anfang an unheimlich viel im Dunklen, still, heimlich und leise hinter verschlossenen Türen verhandelt worden“.
Bürgermeister Spieles teilt die Skepsis
„Die Skepsis im Allgemeinen teilen wir alle hier bei der Gemeindeverwaltung inklusive des Gemeinderates. Wir stehen dem Projekt auch sehr kritisch gegenüber und versuchen, innerhalb eines Arbeitskreises gemeinsam mit der Interessengemeinschaft, Bürgerinnen und Bürger sowie der TransnetBW diese Risiken eben klar zu benennen und auch hoffentlich auszuräumen“, schließt sich Bürgermeister Spieles den Bürgern an. Allerdings geht er davon aus, dass das Projekt realisiert wird: „Wir lehnen das Projekt grundsätzlich auch ab, sehen das aber auch realistisch genug, dass dieses Projekt vermutlich kommen wird“.
„Wir müssen im Vorfeld aktiv werden“
Deshalb wolle die Gemeindeverwaltung das Projekt „so kritisch als möglich mit allen Gefahren und Risiken eben hinterfragen, um das bestmögliche Ergebnis für Kupferzell zu erzielen“. Mithilfe eines Rechtsbeistandes sollen außerdem alle Möglichkeiten geprüft werden. „Wenn dieses Gesetz verabschiedet wurde, werden die Chancen nicht nur gegen Null gehen, sie werden null sein. So müssen wir natürlich im Vorfeld Farbe bekennen und aktiv werden“, sagt Bürgermeister Spieles.
Video: Dr. Felix Kribus

Lageplan für den Netzbooster. Fotos: GSCHWÄTZ

Hier soll der Netzbooster gebaut werden.

Der Netzbooster soll eine Größe von 250.000 kW haben.




Gar keine Symptome eher untypisch – Über 83 Prozent Infizierte hatten mindestens 1 Coronasymptom

„Ihr Engagement hat die Studie zum Erfolg gemacht“, sagte Professor Dr. Lars Schaade in Richtung der Kupferzeller Bürger bei einer Pressekonferenz am Freitag, den 14. August 2020, bei der die ersten Ergebnisse der Studie, die das Robert Koch-Insitut (RKI) in Kupferzell durchgeführt hat, vorgestellt wurden.“ Die Pandemie ist nicht vorbei“, betonte der RKI-Vizepräsident. „Das Virus könnte jederzeit wieder kommen.“

Er appellierte an die Zuhörer, angesichts momentan wieder steigender Fallzahlen weiterhin die Corona-Regeln zu beachten. Eine Grundimmunität von acht Prozent – dies eine der Erkenntnisse aus Kupferzell – „bremst eine zweite Welle nicht aus“, wie Schaade in der späteren Fragerunde sagte. Außerdem habe sich gezeigt, dass nur ein Teil der Bevölkerung infiziert sei. „Dies zeigt, dass man mit den Maßnahmen einen Großteil der Bevölkerung schützt“, betonte Schaade diese „ganz wichtige Erkenntnis der Studie“.

7,7 Prozent der Kupferzeller haben eine Corona-Infektion durchgemacht

Studienleiterin Dr. Claudia Santos-Hövener stellte die ersten Eckwerte der Studie vor, die in den kommenden Wochen um weitere Ergebnisse ergänzt werden. Vom 20. Mai bis 09. Juni 2020 ließen sich genau 2.203 zufällig ausgewählte, erwachsene Kupferzeller auf eine Corona-Infektion testen. Bei 7,7 Prozent wurden positive Antikörper nachgewiesen, das heißt, sie hatten eine Infektion durchgemacht. Im Verlauf der Studien tauchten keine weiteren akuten Infektionen auf. Bei Frauen (8,7) wurden häufiger als bei Männern (6,7 Prozent) Antikörper nachgewiesen. 16,8 Prozent der positiv gestesteten Personen machten die Krankheit ohne typische Krankheitssymptome durch. Die überwiegende Mehrheit – nämlich 83,2 Prozent – hatte mindestens ein Symptom, also etwa Schnupfen, Fieber, Atemnot, Lungenentzündung oder Halsschmerzen. Die Dunkelziffer betrug 3,9 Prozent, das heißt, es wurden 3,9-mal mehr Infektionen als bekannt nachgewiesen. Bei 28,2 Prozent der Erwachsenen, die vor der Studie einen positiven Test erhalten hatten, konnten keine Antikörper mehr nachgewiesen werden. Das würde aber laut RKI nicht zwangsläufig bedeuten, dass keine Immunität besteht.

Weitere Ergebnisse in den nächsten Wochen

Weitere Ergebnisse werden in den nächsten Wochen präsentiert. Die Fragebögen, die die Teilnehmer der Studie außerdem ausfüllten, werden zurzeit noch ausgewertet. Die Daten zum Gesundheitszustand und zum Verlauf der Erkrankungen müssen ebenso noch ausgewertet werden – ebenso wie Erkennisse zum Frauen- und Männer-Anteil unter den Infizierten. Dies solle aber laut Dr. Santos-Hövener „so schnell es geht“ geschehen. Sie betonte auch, dass die Ergebnisse nur für die Hohenloher Gemeinde repräsentativ und nicht übertragbar auf andere seien. Bis jetzt gäbe es Ergebnisse für drei Gemeinden, es werden aber weitere hinzukommen. So sei man ab September in Sraubing vor Ort.

„Die Ergebnisse decken sich mit unseren Vermutungen.“

Dr. Stefan Brockmann vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg vertrat Sozialminister Manne Lucha. Er meinte, „die Ergebnisse decken sich gut mit unseren Vermutungen“. Vor allem die Dunkelziffer liege in der erwarteten Höhe. Die würde außerdem auch zeigen, dass in Baden-Württemberg hinsichtlich der Corona-Pandemie gut gearbeitet werde, was ihn sichtlich freute. „Die Welle hat hier in Kupferzell früh und heftig zugeschlagen“, sagte der Referatsleiter Gesundheitsschutz und Epidemiologie – genauer: am 08. März 2020 wurde der erste Fall in der Gemeinde gemeldet. Bis zum 19. Mai seien es bereits 111 gemeldete Fälle gewesen. Man hätte hier wahrscheinlich die höchste positive Rate in ganz Baden-Württemberg gehabt. Doch seither sei der Hohenlohekreis ans Ende der Liste gerutscht. Zurzeit liegt die Gesamtzahl bei 117 (Stand: 13.08.2020, Quelle: RKI).

„Die Maßnahmen greifen gut und verhindern neue Herde.“

Landrat Dr. Matthias Neth stellte die Frage, „was können wir aus der Studie mitnehmen?“. So gebe es die Erkenntnis, dass es in Kupferzell ein geschlossener Infektionskreis sei. Weitere Infektionsherde hätte das RKI nicht entdeckt. „Das heißt, die Maßnahmen greifen gut und verhindern neue Herde“, sagte Dr. Neth. Auch seien keine unbekannten Infektionsketten entdeckt worden und die Teststrategie des Landes habe weiterhin große Bedeutung. Doch gerade die asymptomatischen Fälle hätten ein gewisses Potenzial. „Die Frage ist deshalb, wie gehen wir mit Reiserückkehrern und Großveranstaltungen um?“, fragte er.

Drei Todesfälle

Bürgermeister Christoph Spieles dankte ebenfalls den Bürgern und appellierte, die bekannten AHA-Regeln weiterhin zu beachten, denn das Virus „ist real“. Er verwies bei insgesamt 117 Infizierten in Kupferzell auf immerhin drei Todesfälle.

Text: Sonja Bossert




Virentests verzögerten Auswertung

voDie Auswertungen der Studie des Robert-Koch-Institutes (RKI) „Corona-Monitoring lokal“, die in Kupferzell als erste deutschlandweit durchgeführt wurde (wir berichteten) sind in Kürze abgeschlossen. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

Ursprünglich war eine Veröffentlichung im Juli geplant

 Mitte August sollen die ersten Ergebnisse der Studie „Corona-Monitoring lokal“, die das Robert Koch-Institut (RKI) vom 20. Mai bis 09. Juni 2020 in Kupferzell durchgeführt hat, der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Der genaue Termin sowie der Ort werden rechtzeitig bekanntgegeben.

Ursprünglich hatte das RKI auf eine Veröffentlichung noch im Juli 2020 gehofft. Grund für die Verzögerung waren nach Angaben des RKI ausstehende virologische Tests, die für wissenschaftlich eindeutige Ergebnisse wichtig sind. Inzwischen liegen die Ergebnisse dieser sogenannten Neutralisationstests vor, so dass die Auswertungen laut dem Landratsamt in Kürze abgeschlossen werden können.

„Wir sind alle sehr gespannt“

„Wir sind alle sehr gespannt und erwarten mit großem Interesse die Ergebnisse“, freut sich Landrat Dr. Matthias Neth auf die Präsentation der Gesamtergebnisse im August.

Die Teilnehmer wurden bereits direkt per Post über das Ergebnis des Rachenabstriches und des Antikörpertestes informiert.

„Froh und stolz“

Auch der Kupferzeller Bürgermeister Christoph Spieles ist bereits gespannt auf die Ergebnisse der Studie: „Wir sind froh und stolz, dass wir in Kupferzell für die Studie ausgewählt wurden und mit den vielen freiwilligen Teilnehmern dabei helfen können, das Virus besser zu verstehen.“

 Erste deutschlandweite Studie

Kupferzell war der erste von vier Orten, die für die Studie Corona-Monitoring lokal ausgewählt wurden. Innerhalb von drei Wochen wurden mehr als 2.100 Bürger untersucht und befragt, im Anschluss sollten die Teilnehmer einen ausführlichen Online-Fragebogen ausfüllen. Dabei geht es darum, die Untersuchungsergebnisse mit anderen Faktoren in Verbindung bringen zu können und so belastbare Aussagen über das Covid-19-Virus treffen zu können.




Einbruch in Autohaus – hoher Geldbetrag entwendet

Am vergangenen Wochenende stiegen Einbrecher in ein Autohaus in Kupferzell ein. Zwischen Freitag, den 10. Juli 2020, 19.45 Uhr, und Sonntag, den 12. Juli 2020, 10 Uhr,  verschafften sich Unbekannte gewaltsam Zutritt zu der Firma in der Straße „Am Wasserturm“.
Die Einbrecher hebelten zuerst ein Fenster auf, betraten daraufhin das Gebäude und entwendeten einen hohen Betrag Bargeld aus einem Büro. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet die Bevölkerung um ihre Mithilfe. Hinweise zu dem Einbruch werden vom Polizeirevier Künzelsau, Telefon 07940 9400, entgegengenommen.
Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn