1

30.000 Euro Schaden nach Auffahrunfall

Drei Leichtverletzte und mehr als 30.000 Euro Schaden sind die Folgen eines Auffahrunfalls am Dienstag, den 30. März 2021, auf der B 19 bei Kupferzell. An der Lichtzeichenanlage an der Einmündung nach Hohebuch staute sich der Verkehr. Ein Richtung Kupferzell fahrender 31-jähriger BMW-Fahrer erkannte dies und bremste ab. Auch ein dahinter fahrender 71-jähriger Mercedes-Lenker verlangsamte seine Fahrt. Eine Audi-Fahrerin erkannte die Situation offenbar zu spät und fuhr auf den Mercedes auf, der dadurch noch auf den BMW geschoben wurde.

Durch den Aufprall wurde die Unfallverursacherin, der Mercedes-Fahrer sowie dessen 61-jährige Beifahrerin leicht verletzt. Alle drei Personen wurden mit Rettungsfahrzeugen in ein Krankenhaus gebracht. Unverletzt blieben drei Hasen, die im Mercedes transportiert wurden. An dem Unfallort waren neben Rettungsdienst und Polizei auch die Feuerwehr Kupferzell sowie Helfer-vor Ort-Gruppen im Einsatz.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




Männer stürmen in Asylbewerberunterkunft und attackieren Bewohner

Am Mittwochabend, den 17. März 2021, kam es laut einer Polizeimeldung in der Asylbewerberunterkunft in Kupferzell zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Gegen 20 Uhr klopften bislang Unbekannte an der Eingangstür des Gebäudes in der Straße „Untere Vorstadt“. Nachdem die Tür durch einen Bewohner geöffnet wurde, stürmten zwei Männer ins Innere, beleidigten und attackierten die vier Bewohner, sowie einen Gast.

Die anwesenden Personen konnten die Angriffe abwehren und aus dem Gebäude flüchten. Durch den Angriff wurden drei Bewohner des Hauses leicht verletzt. Eine medizinische Behandlung musste jedoch nicht erfolgen. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen konnte ein fremdenfeindlicher Hintergrund bisher nicht festgestellt werden.

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und sucht Zeugen, die den Vorfall beobachten konnten oder in diesem Bereich eine verdächtige Wahrnehmung machen konnten. Diese werden gebeten sich bei der Kriminalpolizei Heilbronn, Telefon 07131/104 4444, zu melden.




„Als Antwort bekam ich zu hören, dass der Bürgermeister das so wolle“

Kirsten Seber ist wütend: „Das ist doch pure Bürokratie.“ Die Frau betreibt von Ingelfingen aus ein Unternehmen, das insbesondere Senioren, aber auch Familien und Menschen mit Behinderung zu Hause versorgt und unterstützt. Insgesamt hat sie zehn Mitarbeiter, die als systemrelevant gelten. Zwei ihrer Mitarbeiterinnen wohnen in Kupferzell und haben noch kleinere Kinder, sind also auf eine Kinderbetreuung während ihrer Arbeitszeit angewiesen. Also bringen sie diese in der momentanen Kindernotfallbetreuung der Gemeinde unter. Doch statt diese Arbeitnehmerinnen zu unterstützen, macht die Stadt nach Sebers Worten ihnen das Leben auch noch schwer: „Die müssen alle zwei Wochen einen Antrag für die Notfallbetreuung ausfüllen, den vom Arbeitgeber bestätigen lassen und dann in Kupferzell abgeben.“

„Die sind völlig uneinsichtig“

Sie hat bereits bei der Kupferzeller Gemeindeverwaltung angerufen und diese darauf hingewiesen, dass das anders in der Corona-Verordnung von Baden-Württemberg steht. „Die sind völlig uneinsichtig“, erzählt die dreifache Mutter. „Als Antwort bekam ich zu hören, dass der Bürgermeister das so wolle und außerdem sollten die Mitarbeiterinnen ihre Kinderkrankentage nehmen, denn die Notfallbetreuung sei voll.“ Was Seber so wütend macht, ist vielleicht nicht nur unbedingt der Aufwand, den sie damit als Arbeitgeberin hat. „Die Mitarbeiterinnen müssen so jede Woche ins Büro kommen und das, obwohl man jeden unnötigen Kontakt vermeiden soll“, ärgert sie sich. Eigentlich ist es bei ihnen so geregelt, dass die Mitarbeiter direkt von zu Hause aus zur jeweiligen Arbeitsstätte fahren, ohne im Betrieb vorbeizukommen.

Besonders einfach sei es in Bad Mergentheim

Bei anderen Mitarbeiterinnen laufe das besser: Eine hat ein Kind in einer Gaisbacher Einrichtung. Die müsse nur freitags beim Abholen im Kindergarten ein bereits ausgedrucktes Formular ausfüllen mit den Angaben zur benötigten Betreuungszeit. „Das ist dort kein Problem.“ Besonders einfach sei es in Bad Mergentheim. Dort hat die betroffene Mitarbeiterin nur einmal den Antrag ausfüllen müssen, „dann war gut“. In Kupferzell dagegen müssten sich die Eltern die Formulare selbst besorgen. Es ist auch nicht so, dass sich die Arbeitszeiten ändern. „Die Wochen sind alle identisch“, sagt die Arbeitgeberin und argwöhnt: „Das ist gewollt so.“ Die Gemeindeverwaltung von Kupferzell wolle möglichst viele Kinder von der Betreuung fernhalten.“ Was sie auch besonders ärgert: Eine Mitarbeiterin holt ihr Kind in der Mittagspause ab, bringt es zur Oma und arbeitet anschließend weiter. „Da hat die Gemeindeverwaltung unterstellt, dass die Frau die Betreuung gar nicht braucht.“

„Es heißt doch immer, unsere Arbeit sei wichtig“

„Es heißt doch immer, unsere Arbeit sei wichtig“, sagt sie. „Wir fahren zum Beispiel zurzeit viele Menschen zum Impfen.“ Doch stattdessen werde massiver Druck ausgeübt. „Eine Mitarbeiterin hat schon geweint, weil sie nicht wusste, wie sie ihr Kind unterbringen soll.“ Die Kupferzeller Gemeindeverwaltung hat nur geantwortet, dass sie die erste sei, die sich beschweren würde. Seber gibt aber zu bedenken: „Wir sind ein Kleinunternehmen, wie ist das dann erst bei den großen wie Würth?“ Dort sei das doch gar nicht zu bewältigen, wenn alle zwei Wochen Mitarbeiter wegen der Bescheinigung kommen würden. Schließlich müssten die Anträge für die Notfallbetreuung von beiden Elternteilen eingereicht werden.

„Wie ist das dann erst bei den großen wie Würth?“

Dem entgegen steht die Aussage der Gemeindeverwaltung Kupferzell. Auf GSCHWÄTZ-Anfrage, ob jede Woche ein neuer Antrag für die Notfallbetreuung abgegeben werden müsse, schrieb Karina Kolb vom Personalamt per E-Mail: „Vor Weihnachten war ein Antrag erforderlich und dann ab dem 11. Januar 2021 nochmal. Seither muss kein neuer Antrag gestellt werden.“ Es gebe auch keine Grenze für die Anzahl der Plätze. Allerdings sollten „die Gruppen so klein wie möglich gehalten werden, was wiederum mit einem hohen Personalaufwand verbunden ist. Das Ziel der Notbetreuung ist, dass so wenig Kinder wie möglich in der Einrichtung sind, ansonsten können die Einrichtungen wie gehabt geöffnet werden.“ Die Gemeindemitarbeiterin schätzt, dass rund ein Drittel aller Kinder die Notbetreuung besuchen – zu den üblichen Öffnungszeiten. Allerdings dürften die Kinder auch nur so kommen, „wie die Eltern arbeiten“.

Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht“

Doch weil „die Anmeldezahlen immer mehr zunahmen“, müssten die Eltern seit rund einer Woche Nachweise ihrer Arbeitgeber einreichen. Zuvor sei das ohne gegangen. Die dafür benötigten Formulare erhalte man direkt bei ihr in der Gemeindeverwaltung. „Wir haben nur gute Erfahrungen mit der Notbetreuung gemacht“, erklärt Karina Kolb in einem Telefonat mit Gschwätz. „Es tut mir ja selbst leid, wenn ich Kindern absagen muss.“

Erneute Änderung ab 22. Februar 2021

Mittlerweile hat sich auch das wieder geändert. „Stand heute (16. Februar 2021) dürfen die Kinderbetreuungseinrichtungen ab kommenden Montag wieder regulär unter Pandemiebedingungen öffnen“, freut sich Karina Kolb bei einem Telefonat mit Gschwätz. Die oft sehr kurzfristigen Änderungen machen auch der Stadtverwaltung die Planungen nicht leicht.

Text: Sonja Bossert

 

 




Vollsperrung der K 2366 wegen Fahrbahnsanierung

Die Kreisstraße K 2366 muss von Freitag, den 11. Dezember 2020, bis voraussichtlich Samstag, den 19. Dezember, vom Kupferzeller Ortsende bis inklusive Abzweig nach Feßbach gesperrt werden. Die Sanierung der Fahrbahndecke ab dem Jahnweg erfolgt durch das Straßenbauamt des Hohenlohekreises in einem Bauabschnitt. Auf einer Länge von rund 800 Metern wird die Asphaltdecke abgefräst und anschließend mit einer Asphaltbinderschicht verstärkt. Zum Schluss erhält die Straße eine neue Asphaltdeckschicht.

Die Zufahrten sind während der Bauarbeiten bis zur Baustelle gewährt. Die Umleitung erfolgt ab Feßbach über Kupferzell – B19 – Hesselbronn – Goggenbach und umgekehrt.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis




„Brandschutzvorkehrungen und Brandbekämpfung sind im Einzelfall auf örtlicher Ebene sicherzustellen“

Der Landtagsabgeordnete Stephen Brauer (FDP/DVP) hatte zum Netzbooster in Kupferzell eine Kleine Anfrage an die baden-württembergische Landesregierung gestellt. Das Umweltministerium beantwortete diese gemeinsam mit dem Innenministerium und dem Wirtschaftsministerium. „Der Schwarze Peter ist in Hohenlohe, besser gesagt in Kupferzell“, schreibt dazu Michael Schenk, der Vorsitzende der FDP Hohenlohe, und bezieht sich damit vor allem auf das Thema Feuerbekämpfung bei dem geplanten Netzbooster. Zuvor hatte bereits die FDP-Bundestagsabgeordnete Judith Skudelny mit weiteren Abgeordneten und der FDP-Fraktion eine Kleine Anfrage zu dem Thema an die Bundesregierung gestellt (GSCHWÄTZ berichtete über die Antwort unter https://www.gschwaetz.de/2020/11/25/hier-soll-der-schwarze-peter-nach-hohenlohe-geschoben-werden/).

„Ein Standort im Raum Kupferzell hat sich aus netzplanerischer Sicht als am geeignetsten erwiesen“

Stephen Brauer wollte unter anderem von der Landesregierung wissen, nach welchen „nachprüfbaren Kriterien die Gemeinde Kupferzell als Standort für die geplante Batteriespeicheranlage ausgewählt“ worden war. Darauf schrieb Minister Franz Untersteller: „Nach Angaben der TransnetBW GmbH sind die von Norden kommenden Leitungen aus Grafenrheinfeld in Richtung Kupferzell schon heute hoch ausgelastet – insbesondere bei hoher Windeinspeisung in Norddeutschland.“ Diese Belastung werde nach Angaben von TransnetBW in den kommenden Jahren weiter steigen. „Unter mehreren untersuchten Standorten habe sich ein Standort im Raum Kupferzell aus netzplanerischer Sicht als am geeignetsten erwiesen“, so der Umweltminister weiter. „Der Netzbooster könne hier – in geringer räumlicher Entfernung zu den auftretenden Engpässen – bereits in der Pilotphase eine im Vergleich zu anderen Standorten besonders hohe Wirksamkeit zur Höherauslastung des Netzes entfalten.“ Zudem sei durch die Netzanbindung in Richtung Norden, Westen und Süden die Möglichkeit für ein Zukunftskonzept gegeben, in dem mehrere Anlagen zur Netzstabilisierung zusammenwirken. Weitere Kriterien für die netzplanerische Eignung seien darüber hinaus gewesen, „wie stark die Stromkreise durch einen Netzbooster höher ausgelastet werden können, wie oft diese Stromkreise voraussichtlich überlastet sein werden, wie oft ein Netzbooster einen Engpass verhindert, der ohne Netzbooster entstehen würde, und ob eine im Fall des Einsatzes des Netzboosters zeitlich nachgelagerte Ablösung durch Kraftwerke gewährleistet werden kann.“

„Viele Standorte für den Netzbooster-Einsatz sind bereits ausgeschieden“

Zur Frage nach alternativen Standorten in Baden-Württemberg heißt es in dem Schreiben: „Nach Auskunft der TransnetBW GmbH sind aufgrund der oben genannten Kriterien viele Standorte für den Netzbooster-Einsatz bereits ausgeschieden.“ Zwar seien Standorte von TransnetBW-Umspannwerken als mögliche Alternativen untersucht worden. Auch sei Neckarwestheim als Standort eines stillgelegten Kraftwerks, das bereits durch ein Umspannwerk der TransnetBW angeschlossen sei, explizit als möglicher Standort berücksichtigt worden. Hier hätte jedoch die netzplanerische Eignung gefehlt. Das Umspannwerk Kupferzell sei als Anschlusspunkt am besten geeignet.

Rund 15 Millionen Euro jährlich an Einsparpotenzial

Grundsätzlich sollen „Netzbooster dabei helfen, bestehende Leitungen im Normalbetrieb besser auszulasten, indem sie in Sekundenschnelle eingreifen, sobald Netzfehler auftreten“, so der Umweltminister weiter. „Netzbooster können damit den auch über 2030 hinaus nötigen Netzausbau nicht ersetzen, wären aber eine flexible Ergänzung, um Stromnetze höher auszulasten und dadurch Kosten für Redispatch-Maßnahmen einzusparen.“ Der Netzbooster könne so dem Ziel einer zuverlässigen und zugleich kostengünstigen Energieversorgung dienen. Die Bundesnetzagentur gehe nach Auskunft von TransnetBW von einem Einsparpotenzial von Redispatch-Kosten von circa 15 Millionen Euro jährlich ab dem Jahr 2026 aus.

„Soweit erforderlich werden zur Einhaltung der Grenzwerte technische, bauliche oder organisatorische Maßnahmen von der TransnetBW GmbH zu treffen sein“

Für die Überprüfung und Kontrolle der Anlage ist laut Umweltministerium die Bundesnetzagentur die zuständige Regulierungsbehörde, für die Überwachung der technischen Sicherheit allerdings das Regierungspräsidium Freiburg. Die Zulassung der Anlage solle im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens beim Regierungspräsidium Stuttgart beantragt werden. Dabei werde auch die Übereinstimmung des Vorhabens mit den öffentlich-rechtlichen Vorschriften geprüft. Dazu zähle laut Umweltministerium auch die Einhaltung von Lärmgrenzwerten. „Soweit erforderlich werden zur Einhaltung der Grenzwerte technische, bauliche oder organisatorische Maßnahmen von der TransnetBW GmbH zu treffen sein“, versichert Untersteller in dem Schreiben.

Konzept für Brandschutz und Gefahrenabwehr wird erstellt

Für die Anlage in Kupferzell sei laut TransnetBW bereits ein erstes mehrstufiges Brandschutz- und Gefahrenabwehrkonzept erstellt worden, dessen Details aber zurzeit noch erarbeitet werden. Bei diesen Vorarbeiten sei auch das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit der Forschungsstelle für Brandschutztechnik mit einbezogen worden. Hinsichtlich eines möglichen Feuers im Netzbooster schiebt Untersteller die Verantwortung der Gemeinde Kupferzell zu: „Brandschutzvorkehrungen und Brandbekämpfung sind im Einzelfall auf örtlicher Ebene sicherzustellen.“ Laut dem Feuerwehrgesetz Baden-Württembergs habe „jede Gemeinde auf ihre Kosten eine den örtlichen Verhältnissen entsprechende leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen, auszurüsten und zu unterhalten“, so Untersteller. Diese habe bei Feuer und öffentlichen Notständen Hilfe zu leisten. Der Bürgermeister einer Gemeinde könne jedoch „Eigentümer und Besitzer von Grundstücken und baulichen Anlagen, von denen im Falle eines gefahrbringenden Ereignisses Gefahren für das Leben oder für die Gesundheit einer größeren Anzahl von Menschen, für erhebliche Sachwerte oder für die Umwelt ausgehen können oder bei denen eine Schadensabwehr nur unter besonders erschwerten Umständen möglich ist, dazu verpflichten, die für die Bekämpfung dieser Gefahren erforderlichen besonderen Ausrüstungsgegenstände und Anlagen zu beschaffen, zu unterhalten und ausreichend Löschmittel und sonstige Einsatzmittel bereitzuhalten.“ Eigentümer und Besitzer von abgelegenen Gebäuden könnten außerdem dazu verpflichtet werden, Löschwasseranlagen für diese Gebäude zu errichten und zu unterhalten.

Recycling der Alt-Batterien

Hinsichtlich Recycling-Möglichkeiten der Batterien schreibt Untersteller: „Die Rücknahme und Verwertung von Lithium-Ionen-Altbatterien ist gesetzlich im Batteriegesetz (BattG) geregelt.“ Batterien, wie die beim Kupferzeller Netzbooster, seien demnach Industriebatterien, die der Hersteller zurücknehmen und stofflich verwerten müsse. Auch der Vertreiber könne die Entsorgung übernehmen. Verbrennen oder Deponierung solcher Altbatterien ist laut BattG ausdrücklich untersagt. „Dies gilt nicht für Rückstände von zuvor ordnungsgemäß behandelten und stofflich verwerteten Altbatterien“, heißt es in der Antwort weiter. Lithium-Ionen-Altbatterien können stofflich verwertet werden, moderne Verfahren erlauben hohe Rückgewinnungsquoten aller wesentlichen Bestandteile. Derzeit sei zwar die Wirtschaftlichkeit nicht hinsichtlich aller Inhaltsstoffe gegeben, mit der Zunahme von entsprechenden Altbatteriemassen wie zum Beispiel im Rahmen der Elektromobilität sei dieser Aspekt jedoch neu zu bewerten.

Quelle: Pressemitteilung der FDP Hohenlohe




„Hier soll der schwarze Peter nach Hohenlohe geschoben werden“

Auf Betreiben vom Kreisvorsitzenden der FDP Hohenlohe, Kreisrat Michael Schenk, und dem Landtagsabgeordneten Stephen Brauer (FDP) wurde von der Bundestagsabgeordneten Judith Skudelny (FDP) gemeinsam mit weiteren Abgeordneten und der FDP-Fraktion eine kleine Anfrage zum Netzbooster in Kupferzell an die Bundesregierung gestellt.

„Durch das Konzept kann mittel- bis langfristig Netzausbau in einem gewissen Umfang eingespart werden“

Darin fragten die Abgeordneten unter anderem nach den Zielen, die mit dem Bau des Netzboosters verfolgt werden. Daraufhin Andreas Feicht, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium: Das primäre Ziel des Netzbooster-Pilotprojektes in Kupferzell sei die Einsparung von „Redispatch“ (Redispatch ist im Bereich des Stromhandels ein Eingriff zur Anpassung der Leistungseinspeisung von Kraftwerken auf Anforderung des Übertragungsnetzbetreibers mit dem Ziel, auftretende regionale Überlastungen einzelner Betriebsmittel im Übertragungsnetz zu vermeiden oder zu beseitigen) und Einspeisemanagement und den damit verbundenen Kosten.“ Durch das Konzept der Netzbooster könne „auch mittel- bis langfristig Netzausbau in einem gewissen Umfang eingespart werden“. Außerdem solle mit den Netzboostern ein „innovatives Konzept zur Höherauslastung des Übertragungsnetzes“ erprobt werden. Diese würden eine aufgrund ihrer reaktionsschnellen Batteriespeicher „kurzfristige Überlastung im Fehlerfall“ zulassen.

„Keinesfalls sollen die Netzbooster dem unmittelbaren Ausgleich von Versorgungsunterbrechungen dienen“

Keinesfalls sollen die Netzbooster allerdings dem unmittelbaren „Ausgleich von Versorgungsunterbrechungen dienen“, sondern vielmehr „die Auswirkungen von Ausfällen von Netzbetriebselementen lindern und damit Versorgungsunterbrechungen im Vorfeld verhindern“. Überhaupt solle die Anlage in Kupferzell ausschließlich bei Ausfällen im Übertragungsnetz eingesetzt werden: „Wird dann die gesamte Leistung von 250 MW abgerufen, beträgt die Wirkzeit der Anlage eine Stunde.“ Anschließend könne der Netzbooster durch konventionelle „Redispacht-Maßnahmen“oder besondere netztechnische Betriebsmittel abgelöst werden. Finanziert werden sollen die Investitionskosten von veranschlagten 188 Millionen Euro für den Bau des Netzboosters über Netzentgelte.

Kriterien für die Standortwahl

Laut Antwort der Bundesregierung hat TransnetBW bei der Auswahl des Netzbooster-Standorts verschiedene Kriterien herangezogen: die Lage der Anlage, eine hohe entlastende Wirkung auf die Netzengpässe sowie eine mögliche Ablösung durch nahegelegene Kraftwerke – Gesichtspunkte, für die der Standort Kupferzell geeignet sei.

Keine Aufnahme in den Bundesbedarfsplan

Um den Bundesbedarfsplan nicht zu überfrachten und Planung und Genehmigung nicht unnötig zu verzögern, sei außerdem der Kupferzeller Netzbooster nicht aufgenommen worden. Denn dieser enthalte bewusst nur streckenbezogene Maßnahmen beziehungsweise Leitungen. Der Netzbooster dagegen sei eine so genannte „Punktmaßnahme“. Zudem seien die Netzbetreiber „auch bei Anlagen, die nicht im Bundesbedarfsplan enthalten sind, zur Realisierung verpflichtet“. Für die Beantragung der erforderlichen Genehmigungen bei den zuständigen Behörden sind ebenfalls die Unternehmen verantwortlich. Welches Genehmigungsverfahren gewählt wird, hängt aber von der „technischen Spezifikation der Anlage ab“. Beim Bau der Anlage müssen die Unternehmen zudem auf die Gewährleistung der technischen Sicherheit achten und die „allgemein anerkannten Regeln der Technik beachten“: Für den Vollzug dieser Vorschrift seien aber die Landesbehörden zuständig.

„Nur wenige Standorte sind geeignet“

Bei Fragen nach Alternativstandorten bekräftigt die Bundesregierung, dass „die Übertragungsnetzbetreiber verschiedene Varianten geprüft“ haben. Doch nur wenige Standorte seien geeignet gewesen. Kupferzell habe eine hohe Entlastungswirkung aufgewiesen und sei deshalb ausgewählt worden. Grundsätzlich sei das Netzbooster-Konzept energiewirtschaftlich sinnvoll. Zudem schreibt die Bundesregierung: „Bei dem Projekt handelt es sich um eine zentrale Pilotanlage zur Erprobung eines neuartigen Betriebsführungskonzepts, die mit einer installierten Leistung von 250 MW bereits eine großtechnische Dimension annimmt.“ Für diesen Ansatz sprächen die „kurzfristige Umsetzbarkeit und direkte Zugriffsmöglichkeit des Netzbetreibers“. Dadurch sollen auch Erkenntnisse gewonnen werden, durch die eine „Weiterentwicklung hin zu einem dezentralen Anlagekonzept erfolgen“ könne. Jedoch: „Die speziellen Erfordernisse des Pilotbetriebs stehen einer unmittelbaren Einbindung dezentraler Anlagen jedoch entgegen.“

Für das Recycling sind die Batteriehersteller zuständig

Die Lithium-Ionen-Batterien des Netzboosters in Kupferell zählen zu den Industriebatterien. Bei diesen ist der Hersteller aufgrund des Batteriegesetzes genauso für Rücknahme und Verwertung verantwortlich wie bei jeder anderen Batterie. Entsprechende Recyclingverfahren gebe es bereits zur Rückgewinnung der wertvollen Rohstoffe wie etwa Stahl, Alu, Kupfer oder Nickel. Der Fokus liegt beim Recycling noch nicht auf dem Lithium, da diese eine lange Lebensdauer haben und so erst zukünftig in größeren Mengen anfallen werden. Entsprechende Möglichkeiten gebe es aber bereits.

Keine Kenntnisse

Keine Kenntnisse liegen der Bundesregierung laut ihrer Antwort zu folgenden Sachverhalten vor: Ausweisung im Flächennutzungsplan, kommunale Planungshoheit, Gewährleistung des Mindestabstands zur Wohnbebauung, Zuständigkeit bei der Brandbekämpfung sowie ob diese ein Teil des Genehmigungsprozesses war.

„Die Bundesregierung spielt den Ball zurück an die Behörden und Unternehmen“

Zur Antwort der Bundesregierung erklärt Judith Skudelny: „Statt wichtige Informationen für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort bereitzustellen, spielt sie den Ball zurück an die Behörden und Unternehmen vor Ort. Bei einem Pilotprojekt, das Teil des Netzentwicklungsplans ist, sollte man eigentlich meinen, dass die Bundesregierung über den aktuellen Stand der Genehmigung informiert ist. Das ist augenscheinlich nicht der Fall. Denn die Bundesregierung kann keine Frage umfänglich beantworten.“

Widersprüchliche Aussagen

Kreisrat Michael Schenk bedauert ebenfalls, dass die Bundesregierung in weiten Teilen den konkreten Fragen ausgewichen sei. Hier solle offensichtlich der „schwarze Peter“ nach Hohenlohe geschoben werden. Außerdem sei die Antwort der Bundesregierung  widersprüchlich zu den bisherigen Aussagen von Transnet, dass zur „Reduzierung der Brandgefahr als Material Lithium-Eisenphosphat anstelle von Lithium-Ionen Batterien eingesetzt werden soll“.

Quelle: Pressemitteilung der FDP Hohenlohe




„Wir sind im Kriegszustand“

„Daraus müssen wir lernen“, sagt ein Kupferzeller Einwohner*, der der Gemeindeverwaltung vorwirft, zu Beginn der Corona-Krise, als Kupferzell zum Hotspot im Hohenlohekreis wurde, nicht transparent genug vorgegangen zu sein. „Eine Informationspolitik war gar nicht gewollt“, glaubt er und: Auch das Landratsamt hätte viel früher reagieren können. „Das Rathaus in Kupferzell hätte viel früher sensibilisieren können, aber nichts ist passiert“, kritisiert er. Dabei hätte man doch alles bereits gewusst. In Norditalien sei es schon rundgegangen und auch Heinsberg sei in den Medien gewesen, als in Kupferzell am 01. März 2020 das verhängnisvolle Kirchenkonzert stattfand, bei dem sich dann so viele Bewohner infizierten.

„Man hat die Menschen sich selbst überlassen“

Bereits am 05. und 06. März 2020 hätte es erste Krankheitsfälle im Ort gegeben, „da hätte man schon reagieren können“. Am 06. März 2020 gab es den ersten Fall in einer Schule, aber niemand sei informiert worden. Die Gemeindeverwaltung habe viel zu langsam agiert, findet er und veranschaulicht das an einem weiteren, ganz praktischen Beispiel: Die Verwaltung habe die Infektionszahlen an das Robert Koch-Institut und das Gesundheitsamt per Fax verschickt, statt auf schnelle Datenübertragung zu setzen. „Das Landratsamt hat komplett versagt“, beklagt er. „Nach zwei Wochen wussten die immer noch nicht, wer alles auf dem Kirchenkonzert war.“ Stattdessen habe man die Menschen sich selbst überlassen. Und dann habe Corona eine Spur der Verwüstung durch den Ort gezogen.

„Es wurde sofort mit entsprechenden Maßnahmen begonnen“

Auf die Vorwürfe des Kupferzellers hin hat GSCHWÄTZ bei Christoph Spieles, Bürgermeister der Gemeinde, nachgehakt und um eine Stellungnahme gebeten. Die Gemeindeverwaltung habe am Sonntag, den 08. März 2020, vom ersten Corona-Fall in Kupferzell erfahren. „Mit Beginn dieser Woche und dem Auftreten des Virus in Kupferzell wurde sofort mit entsprechenden Maßnahmen begonnen“, schreibt der Rathaus-Chef in seiner Antwort-Mail. Das weitere Vorgehen sei besprochen worden und es habe auch einen Krisenstab gegeben.

„Der Krisenstab kam in der Anfangszeit täglich zusammen“

Genau wie Kupferzell war auch Pfedelbach ein Corona-Hotspot im Frühjahr 2020. „Der erste Coronafall wurde der Gemeinde am 08. März 2020 mitgeteilt“, schreibt der Bürgermeister der Gemeinde, Torsten Kunkel, den GSCHWÄTZ ebenfalls nach seinen Erfahrungen befragte. „Die Bevölkerung wurde über die Hohenloher Zeitung informiert.“ Es wurden verschiedene Maßnahmen in die Wege geleitet und ein Krisenstab eingerichtet, der in der Anfangszeit der Pandemie täglich zusammenkam.“ In der momentanen Situation sei das je nach Bedarf der Fall. Auch seien zurzeit in Pfedelbach keine konkreten Maßnahmen geplant. „Diese werden je nach Situation angeordnet und umgesetzt“, so der Rathaus-Chef. „Hygienekonzepte für die verschiedenen öffentlichen Einrichtungen existieren und werden auch angewandt.“

„Man sollte zumindest daraus lernen“

„Zehn bis 15 Skifahrer haben das Virus aus Kühtai mit nach Kupferzell gebracht“, fährt der Kupferzeller fort. „Das kann ja passieren, aber man sollte zumindest daraus lernen.“ Er glaubt, dass diese Personen gutsituiert seien und teilweise in der Öffentlichkeit stehen sowie in allen Gremien sitzen würden. „Deshalb ist das Amtsmissbrauch und diese Leute befangen“, sagt er. Er aber fordere von ihnen Verantwortungsbewusstsein. „Darüber wird aber auch nicht geredet“, beklagt der Familienvater, der im Nachhinein auch von der Aufforderung gehört haben will, „dass niemand mit der Presse reden darf“. Erst nach und nach hätten die Leute im Ort mitbekommen, dass „dieser oder jener erkrankt sei“. Doch offizielle Informationen hätte es nicht gegeben. Er findet, Kupferzell hätte eine Blaupause sein können für Deutschland und die Entscheidungen der Bundesregierung, wenn man nur transparenter vorgegangen wäre.

„Ohne Ärzte standen wir schlecht da“

Ein weiterer seiner Kritikpunkte: Irgendwann seien die Kupferzeller ohne Arzt dagestanden. „Der Arzt in Kupferzell hatte Corona, drei Ärzte in Untermünkheim sowie Neuenstein auch“, erzählt er. „Ohne Ärzte aber standen wir schlecht da.“ Das sei einzigartig gewesen und so etwas wolle er auch nicht mehr erleben. Nur eine Praxis in Braunsbach hätte durchgehalten, aber die hätte sich auch frühzeitig auf alles vorbereitet. „Wir hätten für Kupferzell extra einen Arzt gebraucht“, findet der Mann. Denn die Leute hätten sich zu der Zeit reihenweise angesteckt. „Die Busse, die das RKI nachher für seine Testung mitgebracht hat, hätten wir zu Beginn der Krise als Praxis gebrauchen können“, sagt er. Außerdem hätte man die Ortschaft abriegeln, das THW die Versorgung der Menschen übernehmen müssen. „Aber man wollte ja nicht, dass das rauskommt“, so der Kupferzeller. Außerdem hätte die Gemeindeverwaltung viele Maßnahmen abgelehnt. Eine Quarantänestation sei zum Beispiel nicht gewollt gewesen. „Wir hatten nicht mal einen Krisenstab“, sagt er. Erst am 20. März hätte es eine offizielle Mitteilung gegeben, nachdem es andere Orte bereits vorgemacht hatten. „Aber eine öffentliche Bekanntmachung mit dem Feuerwehrauto im Ort wurde abgelehnt“, erinnert er sich.

„Diese Aussage ist kompletter Unfug“

„Diese Aussage ist kompletter Unfug“, schreibt Christoph Spieles dazu. „Die Gemeindeverwaltung hat keine Quarantänestation abgelehnt. Dies wurde mit dem Landratsamt vorangetrieben und in der Akademie eingerichtet.“ Auch sei die Bevölkerung umgehend und in voller Breite über die Homepage der Gemeinde sowie das Mitteilungsblatt informiert worden. In der ersten möglichen Woche (also ab dem 20. März) sei das Mitteilungsblatt an alle Haushalte kostenlos verteilt worden. Darin hätte es zusätzliche Informationen rund um das Coronavirus, das persönliche Verhalten und Erreichbarkeiten gegeben.

„So viele Todesfälle hätten nicht sein müssen“

Überdies, kritisiert der Kupferzeller Einwohner weiter, seien zu Beginn der Krise seien in Kupferzell nicht gleich ganze Klassen in Quarantäne geschickt worden, sondern nur Infizierte und die jeweiligen Nebensitzer. „In China dagegen hat man ganze Städte abgeriegelt“, vergleicht er. „So viele Todesfälle hätten nicht sein müssen.“ Persönlich kennt er Einige, die an einer Corona-Infektion gestorben sind. Und jetzt gebe es schon wieder Corona-Fälle im Ort. „Aber wir sind hier doch für uns verantwortlich“, findet er. Zurzeit würden ja auch viele junge Menschen ohne Vorerkrankungen sterben. „Es wäre doch interessant zu wissen, wer stirbt“, denkt er. So würden vielleicht auch die Jungen vorsichtiger werden.

„Das hätte noch viel schlimmer sein können“

Dabei hätten die Kupferzeller noch Glück im Unglück gehabt. „Das hätte noch viel schlimmer sein können“, glaubt er. Doch es seien Fehler und Versäumnisse passiert. „Dass man das so einfach im Sande verlaufen lässt“, macht ihn fassungslos. Denn viele Hohenloher hätten darunter gelitten und gerade deshalb und damit sich das nicht wiederholt, sollte alles aufgearbeitet werden, fordert er, vielleicht sogar mithilfe eines Mediators. „Die Armen, Schwachen und Älteren sind gestorben“, sagt er. „Die Verantwortlichen laufen heute wieder rum, als wenn nichts war.“ Doch sonst würden die doch auch immer sagen, was man tun darf.

„Ich gehe keine Kompromisse ein“

Selbst hat der Mann schon früh Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, als er im Januar auf einer Messe vermehrt Asiaten mit Masken gesehen hatte. Ab März sei er besonders vorsichtig geworden bei allen Kontakten. Er und seine Familie hätten auch zu Hause darauf geachtet, Abstand zueinander einzuhalten, und die 78-jährige Oma drei Monate lang nicht mehr besucht. Die Kinder dürften seit Beginn der Krise nicht mehr mit dem Schulbus fahren. Der Mann steht auch voll hinter den Maßnahmen der Bundesregierung und trägt im Freien grundsätzlich eine Maske. „Wir sind in einem Kriegszustand ohne Waffen“, findet. Seit dem Zweiten Weltkrieg hätte es so was nicht mehr gegeben. „Ich gehe hier keine Kompromisse ein, denn ich habe alles miterlebt“, sagt er. „Wir haben keine andere Chancen.“ Er findet, dass man Diskussionen und Lockerungen jetzt nicht zulassen dürfe und auch Demos gegen die Corona-Maßnahmen sind in seinen Augen nicht diskussionswürdig. „Im Krieg sind die Grundrechte auch eingeschränkt worden“, sagt er, weiß aber, dass das in einer Demokratie schwierig ist.

„Das bewusst zu verschleppen ist sträflich“

„Ich habe Angst, dass wir wieder nicht informiert werden“, befürchtet er. Das „bewusst zu verschleppen ist sträflich“. Gerade die älteren Menschen ohne Social Media würden doch nichts mitbekommen. Er glaube, „dass es schon wieder schlimmer ist, als uns gesagt wird“. Seine Zukunftsaussicht ist eher düster: „Es kann noch viel schlimmer kommen mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen“. Auch wenn er nicht damit rechnet, dass so etwas im Ort direkt noch einmal passieren wird – mittlerweile hätten ja zahlreiche Einwohner Antikörper gebildet – so wünscht er sich doch, „dass das alles nicht einfach so vergessen wird“.

„Die Aufarbeitung ist ein laufender Prozess“

Sollte Kupferzell dennoch von einer zweiten Welle getroffen werden, so habe sich die Gemeindeverwaltung laut Bürgermeister Spieles darauf vorbereitet: „Wir haben uns intern besprochen und entsprechende Maßnahmen – je nach Auftreten und Heftigkeit – vorbereitet. Diese werden dann umgesetzt“. Zudem schreibt er: „Die Aufarbeitung ist ein laufender Prozess und hat bereits im März begonnen. Die jeweiligen Erfahrungen fließen dauernd bei Entscheidungen mit ein.“

„Das RKI hat die Kontaktpersonennachverfolgung durch das Landratsamt als gut bewertet“

„Das Landratsamt Hohenlohekreis hat frühzeitig einen Koordinierungsstab Corona, bestehend aus verschiedenen Ämtern und Institutionen, gegründet. Das erste gemeinsame Treffen fand am 26. Februar diesen Jahres statt“, schreibt Matthea Weinstock von der Pressestelle des Landratsamtes Hohenlohekreis auf GSCHWÄTZ-Nachfrage. „In den Sitzungen des Koordinierungsstabs wurden verschiedene Maßnahmen diskutiert und umgesetzt.“ Bei Empfehlungen hätte sich das Gesundheitsamt des Landratsamtes Hohenlohekreis stets an den Vorgaben des Robert Koch-Instituts (RKI) orientiert. So sei beispielsweise bei der Frage nach der Durchführung von Veranstaltungen die vom RKI am 28.02.2020 veröffentlichte Handlungsempfehlung einbezogen worden. „Bitte beachten Sie, dass das Infektionsgeschehen immer erst nach mehreren Tagen bewertet werden kann, da die Betroffenen sich in der Regel bereits Tage vor Erkennen der Erkrankung infiziert haben und ansteckend gewesen sind“, schreibt die Landratsamtsmitarbeiterin weiter. „Das RKI hat im Rahmen der Studie in Kupferzell insbesondere die Kontaktpersonennachverfolgung der ersten Fälle durch das Landratsamt als gut bewertet.“ Für den Fall von erneut steigenden Infektionszahlen hat das Landratsamt Hohenlohekreis verschiedene Vorbereitungen getroffen – beispielsweise die Neuaufstellung des Gesundheitsamts und der Standby-Betrieb der Abstrichstelle sowie der Isolierstation.

Text: Sonja Bossert

 

  • Der Mann ist der Redaktion namentlich bekannt, möchte aber anonym bleiben.

Christoph Spieles, Bürgermeister von Kuperzell. Foto: GSCHWÄTZ ARCHIV

Thorsten Kunkel (links), Bürgermeister von Pfedelbach. Foto // GSCHWÄTZ/Archiv




FDP und AfD kritisieren Kupferzeller Netzbooster

Wie die FDP-Bundestagsabgeordnete und umweltpolitische Sprecherin der Partei, Judith Skudelny mitteilt, hat ihr die Bundesregierung auf entsprechende Anfrage mitgeteilt: „Bei der Auswahl des Standortes wurden insbesondere der mögliche Erkenntnisgewinn aus dem Pilotprojekt sowie dessen Wirtschaftlichkeit berücksichtigt.“ Die Bundesregierung weiter: Der Netzbooster „ist eine Punktmaßnahme, keine Streckenmaßnahme“ und „Der geplante Netzbooster ist also nicht aus dem BBPIG herausgefallen.“

Skudelny dazu: „Die Antwort der Bundesregierung wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet. Sie vergibt damit die Chance, wichtige Informationen an die Betroffenen zu liefern. Ich werde daher gemeinsam mit der FDP-Bundestagsfraktion einen umfangreichen Fragenkatalog an die Bundesregierung stellen, um Licht ins Dunkle zu bringen.“

FDP-Kreisrat des Hohenlohekreises und Vorsitzender der FDP Hohenlohe Michael Schenk weiter: „Wir brauchen ein offenes und transparentes Verfahren. Vor allem muss die TransNet GmbH alle bisherigen Planung und die Frage zum tatsächliche geplanten Standort offenlegen.“

Der AfD-Landtagsabgeordnete Anton Baron hat den in Kupferzell geplanten Netzbooster am Donnerstag im Landtag thematisiert: Laut Baron war Minister Untersteller „zwar auch nicht davon begeistert“, dass über den Netzbooster nicht im Bundestag abgestimmt wird. Baron weiter: „Untersteller sah jedoch gleichzeitig keinen Anlass, die Abläufe hier zu ändern. Grundsätzlich lobte er den Netzbooster überschwänglich. Dieser stünde für Versorgungssicherheit – diese war vor der irrationalen Energiewendepolitik jedoch niemals in Gefahr! Weiterhin betonte er, dass das Land Baden-Württemberg keinen Einfluss auf die Entscheidungen der Firma TransnetBW habe. Diese befindet sich jedoch über die Konzernmutter EnBW zu fast 50 Prozent im Eigentum des Landes. Dass die Landesregierung hier die Verantwortung von sich weist, ist also gelebte Doppelmoral. Ich werde mich weiterhin gegen den Bau der Riesenbatterie in der Nähe von Wohnbebauungen einsetzen.“

Anton Baron. Foto: Landtagsbüro Anton Baron




„Wir müssen jetzt zwar Maulkorb tragen, aber wir lassen uns den Mund nicht verbieten“

„Alle Hohenloher bitten wir: Steht uns Kupferzellern zur Seite und kämpft mit uns!“ Auf diesen leidenschaftlichen Aufruf einer Aktivistin folgt zustimmendes Nicken. Und der geforderte Rückhalt in der Bevölkerung ist selbstredend: 563 Menschen versammelten sich am vergangenen Sonntag, den 11. Oktober 2020, vor der Carl-Julius-Weber-Halle in Kupferzell. Birgit Kühnle von der Bürgerinitiative „Ein Herz für Hohenlohe“ klärt über den Grund der Versammlung auf: „Wir haben gemeinsam mit der IG Metall zum Sternmarsch für ein batteriekraftwerkfreies Kupferzell aufgerufen. Es ging in Belzhag, Feßbach und Hesselbronn mit Musik, Protestschildern und Tohuwabohu los. Wir wollen erreichen, dass mehr Menschen hingucken.“

„Das ist sehr, sehr enttäuschend“

„Wir sind mündige Bürger. Wir wollen nicht mehr belogen werden.“ Obwohl der Platz vor der Carl-Julius-Weber-Halle gut gefüllt ist, war der Weg dahin nicht für alle Menschen gleichermaßen problemlos. Jürgen Kürschner erzählt: „Wir haben den Marsch in Feßbach begonnen und waren zu Beginn des Marsches überrascht, dass wir nicht wie geplant durch die Ortschaft gehen durften, sondern, auf eine Anordnung vom Landratsamt, über die Pampa durch den Wald hierher geschickt wurden. Das ist sehr, sehr enttäuschend.“

„Die Probe wird ganz klar hier in Kupferzell stattfinden“

„Wir brauchen in Kupferzell keine Mega-Batterie für Profithaie.“ Die Bürger vertreten eine klare Meinung. „Booster nicht bei uns!“, rufen die Demonstrierenden immer wieder im Chor. Diese klare Linie fährt auch die IG Metall, wie Saskia Genthner, Geschäftsführerin der IG Metall Schwäbisch Hall verrät: „Wir sind der Auffassung, dass unsere Aufgabe als IG Metall nicht am Werkstor endet. Wir tragen auch Verantwortung für die Region und deshalb stehen wir diesem Projekt genauso kritisch gegenüber wie viele unserer Mitglieder.“ Die 34-Jährige betont: „Man muss es einfach ganz klar sagen: Die Technologie Booster in der Größe, wie er hier in Kupferzell geplant ist, die gibt es noch nicht, die ist noch nicht erprobt. Die Probe wird ganz klar hier in Kupferzell stattfinden. Das hier wird die Erprobung des Boosters und ihr werdet die Betroffenen sein“.

„Wir sind für die Energiewende“

„Wir wollen keine Megabatterie.“ Dr. Marion Kühnle steht auf der Bühne und hält einen Plan für das Stromnetz 2050 von der Transnet in der Hand. Sie bezweifelt den Mehrwert des Netzboosters und weiterer Hochspannungsleitungen für die Bevölkerung und erklärt: „Die Transnet hat zusätzlich vor, hier noch einmal die Schaltanlage zu vergrößern, die Leitungen zu verdoppeln und die vierfache Menge durchzujagen. Und das, wo wir eigentlich nachhaltig wirtschaften wollen, wo jeder guckt, dass er wenig Strom verbraucht, wo er Geräte und Waschmaschinen kauft, die fast nichts brauchen.“ Für die Ziele der Bürgerinitiative findet Dr. Kühnle klare Worte: „Uns ist klar, es muss sich etwas tun, damit die Klimaerwärmung nicht weitergeht. Wir sind für die Energiewende, aber nicht durch die weltgrößte Batterie direkt neben einer Wohnbebauung ohne Risikoanalyse, ohne Arbeitsschutz und ohne Naturschutz-Gutachten.“ Diese Meinung teilt auch Friedrich Hack: „Ich bin hier, weil ich die Veranstaltung tatkräftig unterstützen möchte. Das, was die Transnet hier vorhat, ist nicht richtig. Es gehört nicht an einen Ortsrand! Energiewende ganz klar ja, aber es muss immer mit der Bevölkerung vereinbar sein. Ich sehe es so: Das Volk hat die Macht, wir müssen uns wehren und wir müssen uns in eine positive und für alle vertretbare Richtung bewegen.“

„Wenn wir zustammenstehen, werden wir so eine Gefahr abwenden“

„Profitgier auf Bürgerkosten – nicht mit uns.“ Heidegret Mayer von der Schutzgemeinschaft ländlicher Raum Hohenlohe wählt Worte der Hoffnung: „Hohenlohe ist groß. Wir sind kein Ballungsraum, ich glaube, das ist unser Problem. Die in Stuttgart oder Berlin denken: ‚Das sind bloß so ein paar hintendrum, mit denen kann man das machen‘. Aber ich denke, wenn wir durchhalten, wenn wir zusammenstehen, als Menschen, die hier zusammen leben, als Menschen, die wissen, wie wunderschön das hier ist und wie bedroht es ist, wie gefährdet es ist, dann werden wir auch so eine Gefahr wie euren Netzbooster abwenden.“ Als Mayer der Menge zuruft „Wir müssen jetzt zwar Maulkorb tragen, aber wir lassen uns den Mund nicht verbieten“, antworten die Menschen mit tosendem Applaus.

„Das ist einfach schlichtweg eine Sauerei“

„Wir sind keine Versuchskaninchen. Booster nein danke.“ Klare Worte findet auch Christoph Spieles, der Bürgermeister von Kupferzell: „Die Gefahren und Sicherheitslücken, die eben noch bestehen, wurden uns bisher in keiner ausreichenden Prüfung vorgelegt. Das ist einfach schlichtweg eine Sauerei.“ Die Protestierenden belohnen diese deutliche Stellungnahme mit kräftigem Beifall. So müsse das auch sein, stellt Friedrich Hack klar: „Die Politiker sind für uns da. Sie sind dafür da, unsere Interessen, die Interessen der Bürger, zu vertreten. Das ist Demokratie. Ich sage immer: ‚Die stehen auf meiner Lohnliste‘.“ Die Stimmung ist herzlich, leidenschaftlich und kämpferisch. Doch das emotionale Highlight des Tages ist der Auftritt von Lilli Kühnle. Die Tochter von Dr. Marion Kühnle hat eigens für die Kundgebung ein Lied komponiert und getextet. Wenn die 15-Jährige mit zarter Stimme gefühlvoll einstimmt: „Nein, wir wollen keinen Booster. Nein, wir wollen keinen Brand. Nein, wir sind nicht die Versuchskaninchen“, wirken die Umstehenden plötzlich gerührt und nachdenklich.

Text: Priscilla Dekorsi

Dr. Marion Kühnle (links) und Birgit Kühnle von der Bürgerinitiative „Ein Herz für Hohenlohe“ bezweifeln den Mehrwert des Netzboosters. Foto: GSCHWÄTZ

Die Bürger vertreten eine klare Meinung. Foto: GSCHWÄTZ

Die Kupferzeller befürchten, nur die Versuchskaninchen zu sein. Foto: GSCHWÄTZ

 




17-Jähriger stürzt von Traktor und verletzt sich schwer

Beim Sturz von einem fahrenden Traktor hat sich ein 17-Jähriger am Sonntag, den 11. Oktober 2020, in Kupferzell schwere Verletzungen zugezogen. Ein 18-Jähriger war gegen 17.45 Uhr mit dem landwirtschaftlichen Fahrzeug auf der Ulrichsberger Straße von Kupferzell kommend in Fahrtrichtung Belzhag unterwegs. Auf dem rechten und linken Kotflügel transportierte er zwei Mitfahrer im Alter von 17 und 16 Jahren. In einer langgezogenen Rechtskurve an der Abzweigung in Richtung Ulrichsberg stürzte der 17-Jährige plötzlich und möglicherweise infolge von Alkoholeinfluss vom Traktor auf die Fahrbahn. Dabei wurde er schwer verletzt.

Nach der Erstversorgung durch einen Notarzt flog eine Rettungshubschrauberbesatzung den Jugendlichen in ein Krankenhaus. Der 18-Jährige am Steuer gab einen freiwilligen Atemalkoholtest ab, der einen Wert in Höhe von 0,34 Promille ergab. Im Krankenhaus folgte eine Blutentnahme.