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„Kunst trifft Klima“: Rundgang durch Kunstausstellung

Für den Neujahrsempfang der Stadtverwaltung Künzelsau am 13. Januar 2023 hat Klaus Hub rund 80 seiner Gemälde zum Thema Klimawandel im Rathaus ausgestellt. In seinen Gemälden und Objekten nähert er sich den Themenfeldern Natur, Naturschutz und natürliche Ressourcen auf unterschiedliche Art und Weise. Bis Ende Januar sind die Gemälde noch im Rathausfoyer zu sehen. Am Freitag, 20. Januar bietet Klaus Hub um 16 Uhr dort einen kostenlosen Rundgang durch die Ausstellung an. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Ein Hohenloher Urgewächs

Klaus Hub wurde 1964 in Künzelsau geboren, ist in Morsbach aufgewachsen und hat hier eine Familie gegründet. Aufgewachsen in einer intakten Natur, beschäftigt sich Klaus Hub seit Jahren mit dem Klimawandel. Mit seinen Bildern möchte er zum Nachdenken anregen und ein Bewusstsein für den Umgang mit unserer Umwelt schaffen.

Quelle: Stadtverwaltung Künzelsau

Foto Carmen Schniepp, Foto Linke GmbH.




Mal etwas ganz Neues: Eine Kunstverlosung für den wohltätigen Zweck

Hoffest Schleierhof 2022. (Klick zum Vergrößern)

Mit einem ganz besonderen Höhepunkt wirbt das Hoffest auf dem Forchtenberger Schleierhof, das am Sonntag, 18. September 2022 um 10:00 beginnt: Neben Oldtimern, Kindervergnügen, Musik von Kurt Klawitter und Michael Breitschopf, und natürlich regionaler Verpflegung wird ein Gemälde von Michele Roccotelli, einem zeitgenössischen italienischen Maler, verlost. Möglich gemacht haben das die Galerie Reichert aus Kupferzell, die das Bild gestiftet hat, und das Unternehmer Netzwerk Hohenlohe.

„Mit der Verlosung dieses Gemäldes möchte das Unternehmer Netzwerk Hohenlohe diesmal ganz gezielt ein sehr schönes Hilfs-Projekt des gemeinnützigen Vereins Galana River School Project e.V. in Kenia unterstützen: Die Erweiterung des Schulgebäudes für afrikanische Kinder und Jugendliche und die Ausbildung medizinischen Personals für die Dorfgemeinschaft Mwanza“, so die Initiatoren der Verlosung.

Lose bereits jetzt online erhältlich

Lose zum Betrag von je 10 Euro können bereits jetzt schon online erworben werden: https://galanariverschool.com/2022/08/20/roccotelli-gemalde-wird-fur-guten-zweck-verlost/

Die Auslosung findet um 16:00 im Rahmen des Hoffestes statt.

Detail aus dem Roccotelli-Gemälde. Foto: Simone Weis-Heigold.

 

Informationen zum Maler Michele Roccotelli:

Im südlichsten Teil Italiens, in der Stadt Minervino Murge, nicht weit weg von Bari, wurde Roccotelli 1946 geboren. Nach seinem Studium hatte er zunächst in Rom gearbeitet, kehrte dann aber in seine Heimat zurück. Zwischen 1974 und 1995 war er in Bari als Dozent an der Kunstakademie tätig.

Seine Bilder, Grafiken und Keramiken sind sowohl in öffentlichen wie privaten Galerien und Sammlungen weltweit vertreten.

Bekannte Kritiker haben seine Werke in Katalogen vorgestellt und besprochen. Es ist eine Entwicklung der Abstraktion des naturalistischen und impressionistischen Malens und der Reinheit der Farbe.

Kräftig leuchtende Farben beherrschen die Bilder. Roccotelli bezieht die natürlichen Vorgänge, die sich in der Landschaft abspielen (Wachsen, Blühen, Vergehen…) in seine Malerei mit ein. Dadurch kommt es zu einer Symbiose aus Gesehenem, Erfahrung, Ahnung, Erlebbarem und Gefühltem.

Roccotelli hat sich an internationalen Kunstmessen über namhafte Galerien beteiligt.

Seine Arbeiten fanden unter anderem auch in Miami Beach, Hamburg, Brüssel, Ottawa, Dresden, Wien, Cottbus und München lebhaftes Interesse.

Text: Matthias Lauterer




Kindern Bildung bieten & Frauen in die finanzielle Unabhängigkeit führen

94 Prozent der Männer arbeiten nicht oder wenn dann schwarz, schildert Christa Zeller in einem GSCHWÄTZ-Videointerview mit GSCHWÄTZ-Redakteur Matthias Lauterer die prekäre Situation vieler Familien in dem afrikanischen Staat Zimbabwe. Seit Jahren baut die Ingelfingerin dort Hilfsprojekte auf. Was angefangen hat mit einem Kindergarten, umfasst mittlerweile eine Grundschule sowie ein Frauenprojekt.

Nun gibt es in den GSCHWÄTZ-Redaktionsräumen eine Ausstellung mit Führungen und Verkauf in den GSCHWÄTZ-Redaktionsräumen. Der Erlös fließt zu 100 Prozent in Kinder- und Frauenprojekte von der Ingelfingerin Christa Zeller und ihrem Team aus dem Hohenlohekreis.

Christa Zeller: Das Frauenprojekt hat sich entwickelt, weil die Mütter unserer Kinder, also gerade diese bitterarmen Frauen, erst mal in diesem Patriarchat zu kämpfen haben und meistens von ihren Männern kaum unterstützt werden. Viele unserer Frauen sind auch alleinstehend und kämpfen sich halt mehr schlecht als recht durch das Leben.

Den Frauen „Handwerkszeug an die Hand geben, damit sie selbstständig werden können“

Wir wollten ihnen Handwerkszeug an die Hand geben, damit sie selbstständig werden können, damit sie auch selbstbewusst werden können, und haben dieses Frauenprojekt gegründet. Und das ist inzwischen so dermaßen erfolgreich geworden, weil wir mit den Frauen verschiedene Produkte herstellen, die sie auf dem hiesigen Markt dort, also auf dem lokalen Markt verkaufen können. Das ist einmal Erdnussbutter, die Frauen stellen Erdnußbutter her und verkaufen sie.

Auf dem Weg zur Erdnußbutter. Foto: privat

Wir haben inzwischen eigentlich alles vor Ort. Wir haben eine Roestmaschine, die wir selbst gebaut haben. Wir haben eine Presse und dann wird die Erdnussbutter hergestellt und verkauft.

Austernpilze – vielseitg verwendbar

Dann haben wir, und das ist eigentlich das größte Projekt und unser ganzer Stolz ist eine Mushroom-, also Pilzzucht. Wir züchten Austernpilze. Wir haben dazu jetzt auch ein richtiges Haus gebaut mit zwei großen dunklen Räumen mit Beregnungssystem.

Frauenprojekt: Austernpilzzucht. Foto: privat

Da haben wir Geld von der deutschen Botschaft bekommen und wird jetzt in großem Stile gemacht und der Markt ist groß, ist billiger wie Fleisch. Man kann es aber auch ein bisschen wie Fleischersatz kochen, man kann es trocknen und dementsprechend auch lange halten. Die schmecken auch getrocknet unheimlich gut. Man kann es pulverisieren, sodass es dann Pilzsuppe gibt. Also da gibt es ganz viele Möglichkeiten und wir arbeiten mit der Universität dort zusammen, die das als Forschungsprojekt und uns da mit Rat und Tat zur Seite steht.

Unterstützung von der Hochschule Künzelsau

Und wir arbeiten – das ist das Tolle – auch mit der deutschen Universität hier in Künzelsau zusammen. Schon lange, weil ich hier ja gearbeitet habe. Und da kommt jetzt im September eine Professorin nach Simbabwe, die für soziales Management in Deutschland zuständig ist, also in Künzelsau internationales Sozialmanagement unterrichtet, und die möchte zusammen mit Studierenden dieses Frauenprojekt auch noch mal begleiten, also wissenschaftlich begleiten. Genau das ist der Hintergrund. Genau.

GSCHWÄTZ: Es geht im Wesentlichen darum, den Frauen eine eigene Perspektive zu geben, auch wirtschaftlicher Art?

Christa Zeller: Genau. Und die bekommen auch Kurse. Also die bekommen Kurse in Marketing, in Finanzierung, in ganz unterschiedlichen Bereichen, um sie dort auch fit zu machen.

Einheimische Frauen bilden einheimische Frauen aus

Und vor allen Dingen, sie bekommen die Kurse und das alles von einheimischen Frauen. Wir sind da sehr vernetzt in der Stärkung des Selbstbewusstseins. Was habe ich eigentlich als Frau für Rechte? Wo muss ich meinem Mann sagen: Stopp, bis hierher und nicht weiter? Und wie mache ich das in so einem Patriarchat? Wie können wir uns gegenseitig unterstützen? Also, wie kann dieses Frauenprojekt einfach auch uns Stütze und Hilfe in unserem Lebensalltag sein? Das sind alles Dinge, die wir da in in so einer Art von Workshops mit den Frauen zusammen machen.

GSCHWÄTZ: Was arbeiten denn die Männer dieser Frauen?

Männer arbeiten meist nichts – die Arbeitslosigkeit liegt bei 94%

Christa Zeller: Meistens nichts. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 94 %. Und die wenigen, die arbeiten, die arbeiten irgendwo schwarz und schürfen nach Diamanten oder nach Gold. In der Schwarzarbeit, ja, ein paar auch in dieser Industrie. Dann sind einige natürlich im Government angestellt, die sind aber alle korrupt. Es gibt Lehrer, aber die müssen schauen, dass sie nebenher Geld verdienen, weil sie mit den 70, 80 US-Dollar im Monat praktisch nichts kaufen können und nicht mal den Transport bezahlen können zu ihrer Schule. Und das ist auch jetzt noch ein ganz großes Problem. Wir haben gerade im Moment finanziell eine große Herausforderung, weil unsere Spenden schon allein durch Corona eingebrochen sind.

Spendeneinbruch durch Corona

Christa Zeller mit „ihren“ Kindergartenkindern. Foto: privat

Wir konnten also unsere Spenden, Akquise, die ganzen Veranstaltungen, die wir geplant haben, nicht durchführen wegen Covid. Und jetzt kommt noch der Ukraine-Krieg hinzu, der in Simbabwe extreme Auswirkungen hat. Das Benzin ist dort auch hochgeschossen und dementsprechend natürlich alle anderen Preise, was kein Mensch mehr bezahlen kann. Und wir müssten eigentlich unsere Gehälter von unseren Mitarbeitern, wir haben neun Mitarbeiter vor Ort, die müssen wir eigentlich angleichen und wir können es aber nicht. Und da sind wir gerade dabei, eine Spenden Akquise zu machen – deswegen auch die Ausstellung im Geschwätz -, um da Gelder reinzubekommen, damit wir diese finanzielle Herausforderung, der wir im Moment gerade uns gegenübergestellt sind, dass wir die meistern können.

GSCHWÄTZ: Das heißt, es gibt keinen Tourismus mehr dort? Wahrscheinlich gab es vorher auch nicht sehr viel Tourismus?

Christa Zeller: Doch, der Tourismus war gut. Zimbabwe war ein sehr gut vernetztes und sehr attraktives Land, weil es ein wunderschönes Land ist. Der einzige Mangel ist, dass es keinen Zugang zu einem Meer hat.

Traumhafte Landschaften, Tiere – eigentlich ein Touristenparadies

Die Farben von Mutare. Foto: privat

Aber ansonsten hat es wirklich alles, was man sich vorstellen kann: wunderschöne Berge, traumhafte Landschaft, traumhafte Wasserfälle. Dann natürlich das Lowveld mit den ganzen Tieren. Da gibt es … man findet in Simbabwe alles, was man will und alle fünf Big Fives. Simbabwe hat auch … von der Flora her ist es einfach traumhaft schön. Und deswegen gab es viele Touristen, die aber wie gesagt, im Moment auch wegen der politischen Lage nicht kommen.

GSCHWÄTZ: Du hast gerade das Wort von der Ausstellung im Geschwätz genannt. Da ist mir ein Bild aufgefallen. Und zwar zeigt es eine Szene, wo ein Überlandbus an einer Bushaltestelle ist. Und deswegen jetzt die Frage. Wie sieht es denn generell mit der Infrastruktur aus in Simbabwe? Also Verkehr, Elektrizität bis hin zu Internet.

Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ

Christa Zeller: Also das Internet ist eigentlich – wenn man Geld hat, wenn man es bezahlen kann – eigentlich ganz gut aufgestellt. Es ist ja in allen afrikanischen Ländern so, aber wie gesagt ist es teuer. Die Infrastruktur mit Bussen war eigentlich gegeben, aber inzwischen ist es so, dass die Busse dermaßen überaltert sind, dass sie also halt leider unheimlich oft liegen bleiben und es extrem viele Unfälle gibt. Und zwar … die sind dann aber alle immer gleich ganz furchtbar, also oft mit vielen, vielen Toten. Dann ist es auch so, dass natürlich die Busse jetzt extrem teuer geworden sind. Also von A nach B zu fahren ist einfach schwierig. Und dann? Und es gibt natürlich den Individualverkehr, klar. Aber auch da müssen die Leute erst mal Geld haben, um das Benzin zu kaufen. Ja, so sieht das im Moment aus. Also wie gesagt, die Zukunft ist, wir haben letztes Jahr schon gedacht, die ist düster, aber jetzt wirds noch düsterer, auch durch diese Kriegsauswirkungen auch.

Ukrainekrieg wirkt sich bis Simbabwe aus

Mehl zum Beispiel gibt es kaum noch, weil die das auch viel von der Ukraine importieren. Das, was nicht selber anbauen konnten, wird, wurde von der Ukraine reingebracht oder viel von der Ukraine. Und im Moment gibt es auch wieder eine Mehl-shortage. .

GSCHWÄTZ: Das ist ja auch interessant, wie weit sich das dieser Krieg vor unserer Haustür dann doch weltweit bemerkbar macht.

Mensch? Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ

Christa Zeller: Und das ist auch der Grund, warum ich jetzt eigentlich auch so die Werbetrommel rühre. Wir dürfen nicht vergessen in dem ganzen Leid, das in der Ukraine herrscht … Ich will das auch absolut nicht schmälern, aber im Moment geht doch unser ganzes Geld, unser ganzer Fokus, das geht alles in die Ukraine und wir vergessen dabei, dass das es extreme Auswirkungen weltweit hat.

„Wenn wir nicht weiterhin unsere Leute unterstützen, dann überlegen die sich, auch ins Ausland zu gehen.“

Und wenn wir jetzt auch vergessen, dass wir andere Projekte, die wir eigentlich bisher unterstützt haben, nicht mehr unterstützen, dann hat es einen Effekt, der uns später auch mal ganz extrem wieder zurückschlagen kann. Also, wenn wir nicht weiterhin unsere Leute unterstützen, dann überlegen die sich, auch ins Ausland zu gehen. Und genau das wollen wir eigentlich mit unserer Arbeit verhindern. Wir möchten den Menschen in ihrem Land eine Perspektive geben. Und dass sie dort bleiben können und dort einfach auch glücklich sein können. Und das wollen sie auch. Die, die lieben alle Simbabwe, die wollen nicht gehen. Aber die finanzielle Lage ist leider so, dass viele dazu gezwungen werden oder die wirtschaftliche Lage. Und das hat der Krieg eben dann noch mal verstärkt.

43.000 Euro jährlich benötigt

GSCHWÄTZ: Jetzt hast du das Wort Zukunft benutzt. Was plant der Verein? Was planst du? Was plant ihr an zukünftigen Projekten in oder für Simbabwe?

Christa Zeller: Wir müssen im Moment gerade schauen müssen, dass wir unseren Kindergarten und unsere Schule und das Frauenprojekt soweit weiterlaufen lassen können, dass wir alle Leute bezahlen können. Wir brauchen ungefähr zwischen 42.000 und 43.000 € im Jahr, um das Ganze zu finanzieren. Und das ist erst mal unser größtes Ziel, dass wir das dieses Jahr hinbekommen. Dann haben wir letztes Jahr eine kleinere Solaranlage gebaut, weil die Elektrizität sehr, sehr unzuverlässig ist. Die möchten wir gerne ausbauen. Das ist ein weiteres. Da brauchen wir also noch mal ein paar Tausend Euro, damit wir frei von der staatlichen Elektrizität sind. Das ist eine Sache. Dann haben wir vor zwei Jahren auch einen Wassertank gebaut, wo wir Regenwasser sammeln. Das möchten wir auch noch einmal ein bisschen ausbauen, weil wir einen großen Garten haben. Und unser großes Ziel ist es eigentlich, autark zu werden, dass wir auch mit dem Garten unsere Leute und unsere Kinder versorgen können. Und dazu brauchen wir auch das Wasser und das muss dann auch noch mal ausgebaut werden. Wir müssen auch zur Sicherheit, das ist ein anderes Projekt, eine eigene Wall, also einen nicht Zaun, sondern eine Art … ja, doch: eine Umzäunung um das Gebäude machen. Das ist auch noch mal ein größerer Zukunftsbrocken. Und dann haben wir natürlich auch noch andere Dinge, nämlich Kultur und Kunst, die wir ganz stark unterstützen. Und gerade, weil die jungen Künstler einfach wenig Chancen haben, auf dem jetzigen Markt Fuß zu fassen, geht auch da immer wieder Geld hin. Wir hatten vor zwei Jahren vier Künstler hier in Deutschland und hatten eigentlich ein riesiges Programm geplant, hatten eine große Ausstellung in der Sparkasse in Künzelsau und da kam Corona und hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.GSCHWÄTZ: Du  hast du von Finanzierung gesprochen und wie wichtig das ist, da auch Geld zu akquirieren. Eine der Möglichkeiten ist es, Produkte aus dem Land hier zu verkaufen. Und genau das hast du vor und deswegen hast du im Moment eine Ausstellung in den Räumen der GSCHWÄTZ-Redaktion. Vielleicht erzählst du zuallererst Male bissle, was dahinter steckt, wer die Künstler sind und und wie die sich finanzieren in Simbabwe.

Ausstellung: „Ich kenne alle Künstler persönlich“

Christa Zeller: Ja, ich kenne die Künstler alle persönlich. Und das ist eigentlich das Schöne an der Sache, dass ich einfach auch die diese persönliche Beziehung zu ihnen habe. Wie finanzieren sich die Künstler? Gute Frage. Im Moment gibt es ja keine Touristen dort, die Kunst kaufen könnten. Und die wenigen, die jetzt die Kunst kaufen, ja, die sind natürlich hart umworben. Unterm Strich: den Künstlern geht’s ziemlich dreckig und ich bin im Moment mit ein paar anderen Deutschen, die das auch machen .. wir sind die Einzigen, denen sie ihre Kunst auch verkaufen können. Und mein Credo ist auch, dass ich sie da jetzt nicht absolut runter handel, sondern dass ich faire Preise bezahle und dann schaue, wie wir die Sachen nach Deutschland bekommen. Die Kunst selber ist in Simbabwe ganz stark verankert. Das Land ist, also die Menschen dort, die sind unheimlich künstlerisch und sehr kreativ veranlagt. Die Shona Skulpturen kommen aus Simbabwe, su 1820 1830 hat das angefangen, eigentlich auch mit Missionaren, dass sie Steine bearbeitet haben und dann auch ihren ganzen Ausdruck und auch ihre Religion in diese Steine hineingearbeitet haben.

GSCHWÄTZ: Was bedeutet „Shona-Skulpturen“?

Christa Zeller: Shona ist der Name des Volkes dort unten, also etwa 80 oder 85% der Simbabwer sind Shona, die andere sind Ndebele. Die Ndebele sind die, die eigentlich aus Südafrika kommen, die wie die Miriam Makeba diesem Klick laut in ihrem in ihrer Sprache haben. Aber die Shona ist eigentlich die größte Kultur dort und deswegen heißt es Shona Art oder Shona Sculpture. Und wenn mal jemand Shona googelt, dann findet er auch in Deutschland ganz viele Galerien, die das verkaufen, zu horrenden Preisen übrigens und dort für einen Appel und ein Ei kaufen. Die Steine sind alles lokale Steine, keine Soap Stones, keine weichen Steine. Also ich kaufe keine weichen Steine mehr. Gibt’s eigentlich auch ganz wenig nur noch in Simbabwe. Die meisten arbeiten wirklich mit guten Hard Stones, da gibt es natürlich auch Abstufungen. Und da gibt es welche, die viel härter sind wie die anderen, wie beim Holz auch. Also das ist so der eine Bereich, diese Shona Skulptur.

Tatenda Gwarada, „dead wood sculptor“. Foto: privat

Dann habe ich ganz besonders, weil ich diesen Künstler sehr schätze, das ist Tatenda Gwarada, der auch in Deutschland war. Der ist ein Dead Wood Sculptor, also ein Holz Künstler, der mit totem Holz arbeitet. Der verschwindet das immer für ein, zwei Wochen in den Busch und zieht dann da das tote Holz raus, was zum Teil einfach auch schon unheimlich gut abgelagert ist. Er arbeitet ganz ganz viel mit Ebenholz. Da hat ihm leider Idai, also dieser Sturm, ihm sehr zugetragen – der hat sehr viel Holz umgemacht. Das holt er jetzt raus und bearbeitet es, macht traumhaft schöne Sachen. Was bekannt ist in Künzelsau und Ingelfingen, sind seine Vögel, die verkaufe ich ja schon seit vielen Jahren von ihm. Und dann macht er aber auch ganz viele Möbel. Er hat im Kindergarten eine Riesengiraffe gemacht, wo die Kinder zwischen den Beinen schaukeln. Er hat uns ein Klettergerüst gemacht. Das ist ein Büffel, ein Kletterhaus mit lauter Tieren dran und ganz ganz toll. Das ist also einer, der mit dem Holz arbeitet. Dann haben wir natürlich auch malende Künstler.

Eddy Hladwajo. Foto: privat

Da ist Eddy Hladwayo zu nennen, der auch sehr eng mit uns verbunden ist, er ist auch ein ehemaliges Kindergartenkind von mir. Sein Vater hat mit meinem Mann damals unterrichtet an der Schule, also auch ein ganz alter Freund von mir, der sehr stark auf die Frauen fokussiert, also die schwere Last der Frauen in Simbabwe.

Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ

Er ist ein sogenannter Frauenfan und malt hauptsächlich Frauen, die einfach seine Bilder sind, zum Teil sehr traurig auch. Die haben auch alle eine Geschichte, weil er auch ein Poet ist und meistens ein Gedicht dazu schreibt.

William Zuze. Foto: privat

Christa Zeller: Dann haben wir ganz viel in der Ausstellung von William Zuze. Das sind diese wahnsinnig farbenfrohen und starken Farben, die einfach so das tägliche Leben einfangen. In Simbabwe also die Baumwollernte, die Orangenernte, dann am der Busstation, wo ein mordsmäßig Gewimmel ist … Da gibt es ein Bild – ich weiß gar nicht, ob es eine Ausstellung hängt, wo mindestens 20 Leute drauf sind, und der eine greift zu dem anderen in die Tasche rein und klaut ihm sein Portemonnaie. Das finde ich absolut witzig. Er beschreibt einfach diese fröhliche, bunte Art, die die Menschen trotz ihrer schweren Arbeit  ausstrahlen. Das ist William Zuze. Dann haben wir natürlich ganz viel von unserem Frauenprojekt, was wir verkaufen. Wir verkaufen da getrocknete Pilze. Wobei, da ist nicht mehr so viel da. Wir verkaufen Tee, also einen Einheimischen Zumbani-Tee. Das ist ein Tee, der gegen Erkältung unheimlich gut ist. Wir verkaufen Papayakerne, das ist der afrikanische Pfeffer, schmeckt also wie Pfeffer. Das sind diese kleinen schwarzen Kerne, die werden getrocknet, sonnengetrocknet und haben ein unheimlich gutes Aroma und sind sehr, sehr gesund. Wenn man sie im Reformhaus kauft. sind sie saumäßig teuer.

GSCHWÄTZ: Ja, und man kann sie verwenden, um Fleisch zart zu machen.

Christa Zeller: Genau. Ein Fleischzartmacher. Genau das verkaufen wir also. Dann haben wir natürlich auch ganz viele Skulpturen. So Frauenskulpturen, Frauenköpfe, Frauenfiguren, die von Boet Nvariri. Boet ist ein Künstler, der mehrfach in Deutschland war und in Deutschland auch immer wieder Ausstellungen hat. Der hat eine sehr eigenwillige Art, die Frauen darzustellen. Und die sind unheimlich schön, diese Figuren, die sind aus dem härtesten Stein, in dem Black Serpentine, der ist wahnsinnig hart. Die Figuren, die kann man auf den Boden schmeißen, die gehen nicht kaputt.

GSCHWÄTZ: Sind das diese stilisierten Gesichter aus diesem schwarzen Stein?

Christa Zeller: Aus dem schwarzen Stein? Ja, genau die. Von ihm haben wir auch größere Sachen. Und von ihm habe ich auch im Container jetzt noch mal recht viel. Und viele ganz  ganz kleine Figuren, diese kleinen Schona Skulpturen, die sind vom Prince Michael, der die extra für mich angefertigt hat, weil viele Menschen gesagt haben, sie möchten ganz gerne eine kleine Geschenke haben. Und dann hat er mir  100 Stück von denen gemacht, die er normalerweise eigentlich in größer macht.

Christa Zeller:  Wenn man durch die Ausstellung durchgeht, da findet man ganz viele verschiedene Dinge. Wir haben auch Stoffe, Tischdecken, die von Frauen gedruckt sind, die wir verkaufen. Wir haben eine Vogeltränke zum Beispiel, da habe ich noch zwei, eine ist noch in der Ausstellung in Ingelfingen, die man dann wunderschön auch draußen hinstellen kann, die sind von einer Frau gemacht. einer sculptorin, sehr ungewöhnlich. Meistens sind es Männer, die das machen. Ich überleg gerade, was noch alles da ist. Also einfach mal durchlaufen lohnt sich und man findet eigentlich immer ein schönes Geschenk. Und man hilft mit seinem Geschenk auch noch weiter.

GSCHWÄTZ: Sogar an  zwie Ecken: nämlich einmal beim Künstler und einmal über den Verein Bongai Shamwari, der dann auch den Kindergarten betreibt.

Christa Zeller: Ganz genau. Wir haben auch eine Vernissage am 26.April 2022, da möchte ich ganz herzlich dazu einladen. Wir hoffen, dass da s Wetter mitmacht, sodass wir einfach auch draußen, bei einem kleinen Sektempfang anstoßen können. Und ich habe Trommler aus Afrika, die das Ganze auch ein bisschen mit Trommelwirbel begleiten und so das afrikanische Flair an diesem Abend rüberbringen.

GSCHWÄTZ: Dann hoffen wir doch, dass wir am 26. viele Leute begrüßen können.

Christa Zeller: Es gibt auch großes Programm dazu. Ich habe jetzt einen Flyer fertig. Da stehen  die Tage drauf, wann immer jemand von uns dort ist und wann Führungen durch die Ausstellung sind und dann vielleicht auch ein bisschen was über das Land und das Projekt erzählt wird. Also da werde ich dann oder die Anna vor Ort sein oder eben Leute aus dem Verein. Das ist ein ganz gutes Programm. Bis Ende Juli soll die Ausstellung laufen.

GSCHWÄTZ: Ein Vierteljahr wird das GSCHWÄTZ im Zeichen von Simbabwe stehen?

Christa Zeller: Ganz genau!

GSCHWÄTZ: Dann freuen wir uns darauf. Ich bedanke mich bei dir für die vielen Informationen und alles Gute.

Christa Zeller: Bongai Shamwari. Danke, Freund. Das heißt nämlich Bongai Shamwari. Danke, Matthias.




Zwischen Holzskulpturen, bunten Bildern und Tee zum Wohlfühlen

Wenn man genau hinschaut, sieht man beim Betreten der GSCHWÄTZ-Redaktion einen Vogel, der vorwitzig um die Ecke schaut. Es handelt sich dabei nicht um einen lebendigen Vogel, sondern um eine Vogelskulptur, die die typische Haltung der Stelzvögel wiedergibt, Der Vogel ist Teil einer Ausstellung afrikanischer Kunst, die derzeit in den Räumen der GSCHWÄTZ-Redaktion gezeigt wird.

Ausgestellt sind Gemälde, die meist leicht abstrahiert alltägliche Lebenssituationen zeigen, beispielsweise die Ernte oder das Einsteigen in einen Überlandbus.

Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ

Dazu kommen Skulpturen, sowohl nahezu lebensechte Tierdarstellungen als auch abstraktere Gebilde, meist sind es verfremdete menschliche Gestalten oder Gesichter. Die Materialien sind unterschiedlich: gewachsenes Holz, Metall und Stein sind vertreten.

Ein Mensch? Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ

Diese Kunst hat Christa Zeller aus Ingelfingen, die mit dem Verein Bongai Shamwari e.V. einen Kindergarten mit Schule sowie ein Frauenprojekt in Simbabwe betreibt, nach Künzelsau gebracht. Die Erlöse aus dem Verkauf der Kunstgegenstände werden für den Verein und seine Arbeit in Simbabwe verwendet.

Grille. Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ

Christa Zeller kennt alle Künstler persönlich. William Zuse, der die großen Bilder gemalt hat, sei überregional bekannt und habe auch schon Ausstellungen in Deutschland gehabt. Zu Katenda Kwarada, dem Schöpfer der Vogelskultpuren, hat sie eine besondere Beziehung: Er hat eine Zeitlang in „ihrem“ Kindergarten gearbeitet. Kwarada nennt sich selbst „Dead Wood Artist“ – seine Skulpturen sind alle aus totem Holz, teils aus Ebenholz, gearbeitet.

Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ

„Ich will erreichen, dass eine Brücke gebaut wird zwischen Afrika und Europa“, erklärt Christa Zeller ihre Motivation. Ihr Anliegen ist: „Die Menschen in Simbabwe sollen von ihrer Kunst, von ihrer Arbeit, in ihrer Heimat leben können, dann müssen sie auch nicht nach Europa fliehen“, und natürlich will sie „vom Erlös unseren Kindergarten und unsere Schule unterstützen.“

Da es derzeit praktisch keinen Tourismus in Simbabwe gibt, sind Aktionen wie die von Christa Zeller eine der wenigen verbliebenen Einkommensquellen für die Künstler.

Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ

Christa Marks ist eine der ersten Besucherinnen der Ausstellung. Für afrikanische Kunst ist sie sehr empfänglich, sie engagiert sich auch im Verein African Lives e.V. Überrascht haben sie die kräftigen und lebensfrohen Farben der Bilder: „Ich kenne vor allem Kunst aus Ghana, die Bilder von dort sind viel weniger farbig und düsterer.“ Die Lebensfreude, die aus den ausgestellten Bildern spricht, hat sie beeindruckt.

Alle ausgestellten Kunstwerke sind verkäuflich. Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten der Redaktion (Gaisbacher Straße 6 in 74653 Künzelsau) zugänglich – oder nach Vereinbarung, am einfachsten direkt über Christa Zeller: bongaishamwari@gmail.com

Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ




„Bakterialisierungsaktionen“ – Kunst aus der Hexenküche

„Die Natur ist meine beste Mitarbeiterin und inspirierendste Lehrerin“, lacht Wolfgang Ganter. In seiner Ausstellung mit dem Titel „Stoffwechsel“ im Kunstverein Schwäbisch Hall, lässt der Berliner Künstler ab dem 18. März auf zwölf fotografischen Arbeiten die Besucher in ein bisher unsichtbares Universum der Mikrobiologie und chemischen Reaktionen eintauchen. Die Wirkung der Bakterienkulturen wird dabei zum ästhetischen und inhaltlichen Ausdrucksmittel: Einerseits schaffen sie eine neue, faszinierende Wirklichkeit, in der es brennt, glüht, fasert und verschwimmt, andererseits entlarven sie die analoge Fotografie in ihrem dokumentarischen Anspruch, indem sie die materiellen Bestandteile des Filmmaterials sichtbar machen. „Das Ergebnis sind bizarre Gebilde von faszinierender Schönheit, die einen unsichtbaren Kosmos präsentieren. Das scheinbar unkontrollierbare zu kontrollieren ist für Ganter immer wieder reizvoll“, erklärt die Öhringer Kuratorin Monika Pfau.

Dias werden von Bakterien zerfressen

Ganters Arbeitsweise klingt erst einmal simpel, ist aber in dem ständigen Wechsel von Analog zu Digital, von Mikro zu Makro, äußerst komplex: Ganter „beimpft“ Dias, vergessene Relikte der analogen Fotografie, mit Bakterienkulturen und brütet sie in einem umgebauten Inkubator aus. Die Bakterien beginnen die Gelatineschicht des Dias zu verstoffwechseln. Ist ein „guter Moment“ gefunden, stoppt Ganter den biologischen Prozess und beginnt, das Dia unter dem Mikroskop abzufotografieren. Dabei teilt er es in bis zu 2000 Einzelbilder, die in 5 bis 20-facher Vergrößerung fotografiert werden. Anschließend fügt er die Aufnahmen auf dem Computer nahtlos zu einem Bild in extrem hoher Auflösung zusammen. Dieses wird als Echtpigmentprint abgezogen, auf selbstgebaute Glasfaserträger kaschiert und abschließend mit einer Schicht aus gegossenem, klarem Kunststoff versiegelt.

„Erhaben präsentiert sich das Mikrouniversum der organischen Welt“

Der Sog seiner Arbeiten wird besonders in der Werkgruppe der „Mikropaintings“ sichtbar. Dort zeigt Ganter die dramatische „Explosionskraft“ von Chemikalien und Haushaltsflüssigkeiten. Das Großformat sprengt den Blick wie eine Supernova. Zugleich findet das Auge nah am Bild auf jedem Quadratzentimeter Überraschendes. Detailreich spinnen sich Fäden und kristallisieren sich Auswüchse. Erhaben präsentiert sich das Mikrouniversum der organischen Welt, die ihre eigenen Gesetze hat.

 

 

Seit gut 20 Jahren experimentiert Ganter mit Mikrolebewesen und chemischen Bestandteilen von Dias. „Zur Arbeit mit Dias kam ich eher zufällig. Während meines Studiums fand ich viele ausrangierte Diakästen im Sperrmüll. Mich packte da Interesse. Das waren doch echte Momente aus dem Leben dieser Menschen, die darf man nicht wegschmeißen!“, betont Ganter. „Am Anfang arbeitete ich total experimentell. Zehntausende Dias lagen in Eimern mit Flüssigkeiten im Badezimmer meiner Eltern. Ich wusste nicht, was zu sehen sein wird. Manchmal ging auch was schief und ich habe mich selbst infiziert. Die Quittung war mal ein übel geschwollenes Auge. Zum Glück war das nach einer Woche verschwunden“, lacht Ganter. „Natürlich stinkt es auch in meinem Labor. Generell ist meine Ekelgrenze mittlerweile ziemlich niedrig. Mich interessiert einfach, wie sich die Dinge zueinander verhalten, sich beeinflussen, wachsen und wie ich das alles beeinflussen kann.“

„Kein reines Zufallsprodukt, sondern stark erzwungener Zufall“

Nach jahrzehntelangen wilden Experimenten mit geschätzt über zwei Millionen Dias, hat Ganter von jedem Bild gelernt und seine Technik perfektioniert. „Insofern ist das Ergebnis mittlerweile kein reines Zufallsprodukt, sondern stark erzwungener Zufall“, sagt der Künstler. Mithilfe renommierter Forschungslabore, u.a. an der Rockefeller University New York, kam er zu neuen Bakterienkulturen und hat gelernt, wie man sicher, steril und gezielt arbeitet, um Malerei auf Fotografie zu betreiben. Diese neue Form der mikrobiologischen Malerei, sieht man in der zweiten Werkgruppe der Ausstellung mit dem Titel „Works in Progress“. Sie umfasst Ikonen der Kunstgeschichte, u.a. Gemälde von Lucas Cranach, die Ganter selbst in renommierten Museen wie dem Louvre, dem MET New York oder der Alten Nationalgalerie Berlin abfotografiert, und dann Bakterienkulturen als „Nahrung“ zur Verfügung gestellt hat. „Die Arbeit, die die Bakterien leisten, könnte ich, könnte kein Maler der Welt, so in der Form tun. Das fasziniert mich, diese Welt, die uns immer umgibt, die wir aber nicht wahrnehmen.“ Ganter positioniert klassische Ölmalerei neben organischer Bakterienmalerei. Dabei entsteht nicht nur ein neues narratives, traumweltliches, spielerisches und manchmal augenzwinkerndes Moment, sondern auch die Frage danach, was Malerei eigentlich ausmacht. Ganter verlässt damit die eindeutigen Pfade der Zuschreibung. Sind Ganters Arbeiten nun Fotos oder Malerei?

„Die organische Zerstörung des Bildes entlarvt die Fotografie als illusionsstiftendes Medium.“

Medientheoretisch bergen Ganters Arbeiten zusätzlich einen weiteren spannenden Verweis. „Was sehen wir eigentlich, wenn wir ein Foto oder ein Dia anschauen?“, fragt Monika Pfau. „Die meisten sehen ‚etwas’ auf dem Bild und sagen: ‚Das ist meine Familie’, oder ‚Das ist unser Ferienhaus‘. Aber ein analoges Dia ist Schichtträger, Gelatine, Emulsion, Silbersalz, Farbstoff, UV-Filter. 14 Schichten türmen sich übereinander. Ein Dia ist nicht flach, sondern ein dreidimensionales Objekt. Die organische Zerstörung des Bildes entlarvt die Fotografie als illusionsstiftendes Medium. Ganter lässt uns damit in die zweite unsichtbare Welt des Motivträgers in seiner Materialität blicken, durch die wir sonst normalerweise bei der Bildbetrachtung hindurchschauen“, sagt Kuratorin Monika Pfau.

Termine

Die Werke sind vom 20. März bis zum 8. Mai 2022 im Kunstverein Schwäbisch-Hall zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung mit einer Vernissage am 19. März 2022, 18:00 Uhr.

Pressemeldung Kunstverein Schwäbisch-Hall

 




Willkommen in Absurdistan

Willkommen in Absurdistan. So könnte der Titel der aktuellen Ausstellung im Museum Würth 2 mit Fug und Recht heißen. Stattdessen heißt sie einfach nur „Elmgreen&Dragset 14. Robert Jacobsen Preis der Stiftung Würth“, wie die beiden skandinavischen Künstler Michael Elmgreen und Ingar Dragset, die in Berlin leben und arbeiten.

14. Robert Jacobsen Preis wird an das Duo Elmgreen&Dragset verliehen

Anlaß der Ausstellung ist die Verleihung des 14. Robert Jacobsen Preises, den die Stiftung Würth alle zwei Jahre an zeitgenössische Künstler vergibt, um an das Werk und den Einfluss des 1993 gestorbenen Bildhauers Robert Jacobsen zu erinnern. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert.

Kunst, die gesellschaftlich wirksam ist

Einem breiten Publikum wurden Elmgreen & Dragset durch ihre Installation Prada Marfa bekannt. Sie haben mitten in die Wüste einen voll bestückten Shop der Luxusmodemarke Prada gesetzt – der niemals geöffnet ist. Scheinbar absurd. Diese Installation ist inzwischen zu einem Publikumsmagneten geworden, der die amerikanische Seele so gut trifft, dass sogar die Simpsons in einer Folge das Kunstwerk besuchten. Die Stiftung Würth sagt, die Kunst von Elmgreen&Dragset habe es „in den popkulturellen Referenzraum“ geschafft. Ein scheinbar sinnlos in die Wüste gepflanztes Denkmal des Luxuskonsums, das dann ohne jegliche Konsummöglichkeit von Menschen aufgesucht wird – da hat Kunst ihr Ziel möglicherweise erreicht.

„Statue of Liberty“ – ein Werk für Deutschland

„Statue of Liberty“, Elmgreen&Dragset. Foto: GSCHWÄTZ

Ein Kunstwerk, das die Künstler wohl ganz speziell für Deutschland geschaffen haben, steht direkt vor dem Carmen Würth Forum. Man erkennt beim Annähern an das Gebäude einen Geldautomaten. Fast ist man geneigt, „Endlich – da gehört ja auch einer hin“ zu denken, so selbstverständlich und beiläufig steht der Automat in einer Betonsäule vor dem Gebäude. Beim zweiten Hinsehen fällt auf, dass da natürlich kein Geldautomat hingehört, die Stelle ist sogar gänzlich absurd für einen Geldautomaten: Weit weg von jedem Konsum – und im Museumsshop kann man selbstverständlich mit derselben Karte bezahlen, mit der man den Geldautomaten füttern würde.

Zwischen Ernsthaftigkeit und Absurdität

„Das Werk oszilliert zwischen Ernsthaftigkeit und Absurdität“, nennt das der Laudator Prof. Dr. Bernhard Maaz, Jurymitglied des Robert Jacobsen Preises. Genau diese Absurdität ist das Mittel, mit dem Elmgreen und Dragset die Betrachter ihrer Werke aus ihrem momentanen inneren Zustand herauszerren und sie dazu bringen, sich mit dem Werk und der eigenen Situation auseinanderzusetzen. Man kann sich dem nicht entziehen. Wenn man dann noch erfährt, dass die Betonsäule ein Segment der Berliner Mauer ist und dass das Werk „Statue of Liberty“ heißt, beginnt das Gehirn zu arbeiten. Der Ausverkauf der Geschichte und der Stadt kann einem in den Sinn kommen. Und man stellt sich die Frage, ob die Menschen, die 1989 die Freiheit von einer politischen Diktatur erkämpft haben, jetzt unter der Herrschaft einer anderen Diktatur stehen, der des Geldes. Und ob das das Ziel der friedlichen Revolution gewesen sein soll.

Mehr Fragen als Antworten

Die Künstler wollen diese Fragen gar nicht alle beantworten: „Unsere Kunst hinterläßt mehr Fragen als Antworten“ sagen sie in ihrer Dankesrede. Anders drückt es Maaz aus: „Nicht vordergründig marktgängig, nicht vorsätzlich eingängig“, nennt er die Werke von Elmgreen&Dragset und bringt Franz Kafka ins Spiel, der ebenfalls Bewußtmachung durch eine Verstörungsstrategie erreichen wollte.

Wenn der Beobachter die Beobachter beobachtet

„The Observer“, Elmgreen&Dragset

Verstörend wirkt auch das Werk „The Observer“: Da steht eine männliche Figur, nur mit Trainingshose bekleidet, auf einem Balkon. Die Haltung ist entspannt, er raucht, vielleicht ist es seine Feierabendzigarette. Er steht überaus gelassen über den Dingen und betrachtet die Welt unter ihm. Es ist nicht genau auszumachen, ob er wirklich nach unten schaut, oder ob er gar aus dem Fenster des Belvedere über die Welt hinwegschaut.
Diese Welt, das ist der Betrachter des Werks, der zuerst seine gewohnte Betrachtungsweise ändert, weil er nach oben schauen muß, um das Werk zu sehen. Der Beobachter fühlt sich selbst dauerhaft beobachtet. Er wünscht sich vielleicht, dass die Balkonfigur verschwindet – aber das ist unmöglich: Es gibt keine Tür, durch die die Figur den Balkon verlassen könnte. Auch hier wird die kafkaeske Verstörungsstrategie sichtbar.

Eintritt ist frei

Die Ausstellung von aussen. Foto: GSCHWÄTZ

Die Ausstellung ist bis zum 6. Februar 2022 täglich von 11 – 18 Uhr zu sehen, der Eintritt ist frei. Danach reist sie weiter – zur Fondazione Prada nach Mailand.

Text: Matthias Lauterer

Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen. „Watching“, Elmgreen&Dragset. Foto: GSCHWÄTZ

 

Verleihung des Robert Jacobsen Preises.
v.l. C.Sylvia Weber, Prof. Dr Ulrich Roth, Michael Elmgreen, Ingar Dragset. Foto: GSCHWÄTZ

Überragt von ihrem Werk „Watching“: Elmgreen&Dragset bei ihrer Dankesrede. Foto: GSCHWÄTZ

Prof. Dr. Ulrich Roth, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung Würth, Helmut M. Jahn und Prof. Dr. Lars Rehfeld, Mitglieder des Vorstandes, Prof. Dr. Bernhard Maaz, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und Mitglied des Kunstbeirates der Sammlung Würth, Michael Elmgreen, Ingar Dragset, C. Sylvia Weber, Mitglied des Aufsichtsrats der Stiftung Würth, und Johannes Schmalzl, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart. Foto: GSCHWÄTZ




Degas, ein Ausnahmekünstler, im Prestige

Einmalige Vorstellung im Prestige Filmtheater Künzelsau am Sonntag, den 17. Februar 2019, um 11 Uhr von Degas: Leidenschaft für Perfektion aus der Reihe Exhibition on Screen.

Dank des exklusiven Zugangs zu ausgewählten und seltenen Arbeiten des Künstlers, erhält der Zuschauer einen Einblick in die faszinierende Welt von Degas Streben nach Perfektion.Mit Hilfe von schriftlichen Berichten seiner Freunde, Kommentatoren sowie der Briefe, die Degas selbst verfasste, enthüllt dieser Film die vielschichtige Wahrheit hinter einem der einflussreichsten französischen Künstler des späten 19. Jahrhunderts und erkundet die komplexe Arbeitsweise seines künstlerischen Geists. DEGAS: LEIDENSCHAFT FÜR PERFEKTION nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise von den Straßen von Paris bis zum Mittelpunkt einer großartigen Ausstellung im Fitzwilliam Museum in Cambridge, dessen umfangreiche Sammlung von Degas-Werken die repräsentativste in Großbritannien ist.

Quelle: Prestige Filmtheater




„Hohenlohern ist die Hofeinfahrt wichtiger als die Kunst“

Bei Kunst scheiden sich die Geister, denn über Geschmack lässt sich nicht streiten. Aber was ist eigentlich Kunst? Wer hat Kunst zu Hause und muss man Kunst studiert haben, um Künstler zu werden? Bei einer privaten Kunstausstellung des  Architekten und Künstlers Andreas Graziadei am 08. September 2018 in Künzelsau bekam man einen kleinen Einblick in die verschiedenen Arten von Kunst und den Hohenloher Kunstmarkt.

Kunstliebhaber treffen sich auf privaten Kunstausstellungen wie hier zu sehen im September in Künzelsau.
Foto: privat

„Mein erstes Atelier in Künzelsau war über der Metzgerei Rose in der Hauptstraße“

 

Andreas Graziadei ist nicht nur Architekt und Künstler, sondern auch Galerist. Sein erstes Kunstwerk verkaufte er vor gut 20 Jahren, direkt nach dem Abitur. Da es ihn störte, dass die Galeristen mehr Geld am Verkauf eines Kunstwerks verdienten, als der Künstler selbst, entschied er sich kurzerhand, selbst Galerist zu werden. Mittlerweile organisiert er Ausstellungen mit bis zu 800 Exponaten aus aller Welt. „Mein erstes Atelier in Künzelsau war über der Metzgerei Rose in der Hauptstraße. Die Metzger haben sich bestimmt immer gefragt, was der da oben treibt“, erzählt Graziadei und lacht. Auch Skulpturen aus Glas, Bronze, Draht und Stein stellt der fünffache Familienvater aus. Diese Kunst kostet zwischen 50 Euro und einer halben Million Euro. „Die teuerste Skulptur ist ein lebensgroßer Elch aus Bronze, der momentan in den USA steht“, so der Künstler Graziadei.

 

„Es gibt viele, die die Kunst als Wertanlage sehen“

 

Ein Kunstkenner, der anonym bleiben möchte, weiß, was auf dem Kunstmarkt los ist. „Es gibt viele, die die Kunst als Wertanlage sehen. Vor allem, so makaber es klingt, wenn der Künstler stirbt. Man sollte sich in erster Linie an der Kunst erfreuen. Aber vielen Hohenlohern ist die Hofeinfahrt wichtiger, als ein Kunstwerk zu besitzen“, erzählt der Kenner schmunzelnd, wenn er nach der Einstellung der Hohenloher zur Kunst gefragt wird.

 

„Wir haben einen sehr gegensätzlichen Geschmack“

 

Bei der privaten Kunstausstellung in Künzelsau hielten sich die Besucher bedeckt, was sie selbst schon gekauft haben. Ein Ehepaar erzählt zumindest so viel: „Wir haben einen sehr gegensätzlichen Geschmack und jeder hat seine Räume, in denen er seine Kunst aufhängt und aufstellt. Nur im Wohnzimmer konnten wir uns einigen.“ Warum man sich Kunst kauft, erklärt ein Geschäftsmann: „Es ist schön und dient natürlich der Wertanlage.“

 

„Jedoch arbeite ich aber meist an zwei bis drei Bildern gleichzeitig“

 

Franziska Eben von Racknitz aus Dörzbach malt seit 2012 abstrakte Gemälde. Eigentlich ist die vierfache Mutter Bauingenieurin, findet in der Kunst aber ihren Ausgleich. „Wenn ich mit einem Bild anfange, weiß ich nie, was es wird. Manchmal brauche ich Wochen bis Monate, bis ein Bild fertig ist. Jedoch arbeite ich aber meist an zwei bis drei Bildern gleichzeitig“, erzählt die 40-jährige, die die Farben ihrer Bilder je nach Stimmung wählt.

Gemälde von Frankziska Eben von Racknitz.
Foto: GSCHWÄTZ

 

„Drahtplastiken sind einzigartiger als Bronze“

 

Wenn man durch den Garten des Gastgebers schlendert, springen einem die lebensgroßen Drahtplastiken direkt ins Auge. „Die Skulpturen sind hohl gearbeitet und über Bänder wird der Draht gelegt“, erklärt die Künstlerin Gudrun Cornford. Seid ihrer Ausbildung als Grafikerin ist sie als freischaffende Künstlerin, Illustratorin und Dozentin an der Universität Darmstadt tätig. Bevor die Künstlerin mit Drahtplastiken anfing, arbeitete sei mit dem Material Bronze. „Drahtplastiken sind einzigartiger als Bronze. Somit habe ich meinen Schwerpunkt auf Draht gelegt“, so die 74-jährige.

Lebensgroße Drahtskulptur von Gudrun Conford.
Foto: privat

Sie und ihr Mann, Adrian Cornford, waren unter anderem für die Illustrationen von medizinischen Fachbüchern zuständig. Adrian Cornford fing 2013 wieder mit der Kunst an. „Ich wollte nie wieder für einen Galeristen arbeiten. Ich wollte kein Korsett mehr anhaben und in der Pflicht stehen zu malen. Ich wollte Motive wählen, die ich möchte“, erklärt der gebürtige Engländer.

Gudrun und Adrian Cornford.
Foto: GSCHWÄTZ

 

„Die Wildgans-Skulptur könnte ich mir perfekt an den Fontänen am Kocher bei den Parkplätzen vorstellen.“

 

Tierfiguren aus Bronze sind für den Künstler Calyxte Campe eine Leidenschaft. Der 46-jährige hat in Florenz Kunst studiert, ist das erste Mal im Hohenloher Ländle und hat schon den perfekten Platz für seine handgefertigte Wildgans-Skulptur gefunden: „Es ist so schön hier. Es ist alles so grün und sauber. Die Wildgans-Skulptur könnte ich mir perfekt an den Fontänen am Kocher bei den Parkplätzen vorstellen.“ Der in Genf und der Toskana beheimatete Künstler formt seine Figuren erst in Ton. Von der Tonskulptur macht er einen Silikonabdruck. In den Silikonabdruck gießt er Bronze. „Ich brauche ein bis zwei Monate, um eine Bronzeskulptur herzustellen. Für eine Marmorskulptur brauche ich sechs Monate bis zu einem Jahr, bis sie fertig ist“, so Campe.

Skultur einer Wildgans con Calyxte Campe.
Foto: GSCHWÄTZ

„Alle Kinder malen, aber hören irgendwann damit auf. Ich habe nie aufgehört“, erwidert der Künstler Nik Golder auf die Frage, wie er denn zur Kunst kam. Der 59-jährige hat sein Atelier in Bad Wimpfen: „Ich stehe morgens um acht Uhr auf. Mein Atelier ist im Haus. Also gehe ich einfach nur die Treppe nach unten und stehe schon an meinem Arbeitsplatz. Dann überlege ich mir, was ich mache. Entweder ich male oder ich gehe in meinen Gewölbekeller und haue Steine.“

Carola Lehmann und Nik Goldner.
Foto: GSCHWÄTZ

 

Hauptberuflich Floristin – in der Freizeit arbeitet sie aber mit Hammer und Meißel

 

Die Künzelsauerin Carola Lehmann ist hauptberuflich Floristin. In ihrer Freizeit schlägt sie keltische Motive in Stein. Warum die 49-jährige in ihrer Freizeit die Arbeit mit zarten und duftenden Blumen gegen einen Stein, Hammer und Meißel tauscht: „Ich bin die Tochter eines Maurermeisters und habe so vielleicht die Verbindung zu meinem verstorbenen Vater gefunden.“

Steinobjekt von Carola Lehmann.
Foto: GSCHWÄTZ

Skulpturen von Nik Golder.
Foto: GSCHWÄTZ

 

Calyxte Campe.
Foto: GSCHWÄTZ

Skulptur von Calyxte Campe.
Foto: GSCHWÄTZ

Skulptur von Gudrun Cornford.
Foto: GSCHWÄTZ

Bild von Adrian Cornford.
Foto: GSCHWÄTZ