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Kindern Bildung bieten & Frauen in die finanzielle Unabhängigkeit führen

94 Prozent der Männer arbeiten nicht oder wenn dann schwarz, schildert Christa Zeller in einem GSCHWÄTZ-Videointerview mit GSCHWÄTZ-Redakteur Matthias Lauterer die prekäre Situation vieler Familien in dem afrikanischen Staat Zimbabwe. Seit Jahren baut die Ingelfingerin dort Hilfsprojekte auf. Was angefangen hat mit einem Kindergarten, umfasst mittlerweile eine Grundschule sowie ein Frauenprojekt.

Nun gibt es in den GSCHWÄTZ-Redaktionsräumen eine Ausstellung mit Führungen und Verkauf in den GSCHWÄTZ-Redaktionsräumen. Der Erlös fließt zu 100 Prozent in Kinder- und Frauenprojekte von der Ingelfingerin Christa Zeller und ihrem Team aus dem Hohenlohekreis.

Christa Zeller: Das Frauenprojekt hat sich entwickelt, weil die Mütter unserer Kinder, also gerade diese bitterarmen Frauen, erst mal in diesem Patriarchat zu kämpfen haben und meistens von ihren Männern kaum unterstützt werden. Viele unserer Frauen sind auch alleinstehend und kämpfen sich halt mehr schlecht als recht durch das Leben.

Den Frauen „Handwerkszeug an die Hand geben, damit sie selbstständig werden können“

Wir wollten ihnen Handwerkszeug an die Hand geben, damit sie selbstständig werden können, damit sie auch selbstbewusst werden können, und haben dieses Frauenprojekt gegründet. Und das ist inzwischen so dermaßen erfolgreich geworden, weil wir mit den Frauen verschiedene Produkte herstellen, die sie auf dem hiesigen Markt dort, also auf dem lokalen Markt verkaufen können. Das ist einmal Erdnussbutter, die Frauen stellen Erdnußbutter her und verkaufen sie.

Auf dem Weg zur Erdnußbutter. Foto: privat

Wir haben inzwischen eigentlich alles vor Ort. Wir haben eine Roestmaschine, die wir selbst gebaut haben. Wir haben eine Presse und dann wird die Erdnussbutter hergestellt und verkauft.

Austernpilze – vielseitg verwendbar

Dann haben wir, und das ist eigentlich das größte Projekt und unser ganzer Stolz ist eine Mushroom-, also Pilzzucht. Wir züchten Austernpilze. Wir haben dazu jetzt auch ein richtiges Haus gebaut mit zwei großen dunklen Räumen mit Beregnungssystem.

Frauenprojekt: Austernpilzzucht. Foto: privat

Da haben wir Geld von der deutschen Botschaft bekommen und wird jetzt in großem Stile gemacht und der Markt ist groß, ist billiger wie Fleisch. Man kann es aber auch ein bisschen wie Fleischersatz kochen, man kann es trocknen und dementsprechend auch lange halten. Die schmecken auch getrocknet unheimlich gut. Man kann es pulverisieren, sodass es dann Pilzsuppe gibt. Also da gibt es ganz viele Möglichkeiten und wir arbeiten mit der Universität dort zusammen, die das als Forschungsprojekt und uns da mit Rat und Tat zur Seite steht.

Unterstützung von der Hochschule Künzelsau

Und wir arbeiten – das ist das Tolle – auch mit der deutschen Universität hier in Künzelsau zusammen. Schon lange, weil ich hier ja gearbeitet habe. Und da kommt jetzt im September eine Professorin nach Simbabwe, die für soziales Management in Deutschland zuständig ist, also in Künzelsau internationales Sozialmanagement unterrichtet, und die möchte zusammen mit Studierenden dieses Frauenprojekt auch noch mal begleiten, also wissenschaftlich begleiten. Genau das ist der Hintergrund. Genau.

GSCHWÄTZ: Es geht im Wesentlichen darum, den Frauen eine eigene Perspektive zu geben, auch wirtschaftlicher Art?

Christa Zeller: Genau. Und die bekommen auch Kurse. Also die bekommen Kurse in Marketing, in Finanzierung, in ganz unterschiedlichen Bereichen, um sie dort auch fit zu machen.

Einheimische Frauen bilden einheimische Frauen aus

Und vor allen Dingen, sie bekommen die Kurse und das alles von einheimischen Frauen. Wir sind da sehr vernetzt in der Stärkung des Selbstbewusstseins. Was habe ich eigentlich als Frau für Rechte? Wo muss ich meinem Mann sagen: Stopp, bis hierher und nicht weiter? Und wie mache ich das in so einem Patriarchat? Wie können wir uns gegenseitig unterstützen? Also, wie kann dieses Frauenprojekt einfach auch uns Stütze und Hilfe in unserem Lebensalltag sein? Das sind alles Dinge, die wir da in in so einer Art von Workshops mit den Frauen zusammen machen.

GSCHWÄTZ: Was arbeiten denn die Männer dieser Frauen?

Männer arbeiten meist nichts – die Arbeitslosigkeit liegt bei 94%

Christa Zeller: Meistens nichts. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 94 %. Und die wenigen, die arbeiten, die arbeiten irgendwo schwarz und schürfen nach Diamanten oder nach Gold. In der Schwarzarbeit, ja, ein paar auch in dieser Industrie. Dann sind einige natürlich im Government angestellt, die sind aber alle korrupt. Es gibt Lehrer, aber die müssen schauen, dass sie nebenher Geld verdienen, weil sie mit den 70, 80 US-Dollar im Monat praktisch nichts kaufen können und nicht mal den Transport bezahlen können zu ihrer Schule. Und das ist auch jetzt noch ein ganz großes Problem. Wir haben gerade im Moment finanziell eine große Herausforderung, weil unsere Spenden schon allein durch Corona eingebrochen sind.

Spendeneinbruch durch Corona

Christa Zeller mit „ihren“ Kindergartenkindern. Foto: privat

Wir konnten also unsere Spenden, Akquise, die ganzen Veranstaltungen, die wir geplant haben, nicht durchführen wegen Covid. Und jetzt kommt noch der Ukraine-Krieg hinzu, der in Simbabwe extreme Auswirkungen hat. Das Benzin ist dort auch hochgeschossen und dementsprechend natürlich alle anderen Preise, was kein Mensch mehr bezahlen kann. Und wir müssten eigentlich unsere Gehälter von unseren Mitarbeitern, wir haben neun Mitarbeiter vor Ort, die müssen wir eigentlich angleichen und wir können es aber nicht. Und da sind wir gerade dabei, eine Spenden Akquise zu machen – deswegen auch die Ausstellung im Geschwätz -, um da Gelder reinzubekommen, damit wir diese finanzielle Herausforderung, der wir im Moment gerade uns gegenübergestellt sind, dass wir die meistern können.

GSCHWÄTZ: Das heißt, es gibt keinen Tourismus mehr dort? Wahrscheinlich gab es vorher auch nicht sehr viel Tourismus?

Christa Zeller: Doch, der Tourismus war gut. Zimbabwe war ein sehr gut vernetztes und sehr attraktives Land, weil es ein wunderschönes Land ist. Der einzige Mangel ist, dass es keinen Zugang zu einem Meer hat.

Traumhafte Landschaften, Tiere – eigentlich ein Touristenparadies

Die Farben von Mutare. Foto: privat

Aber ansonsten hat es wirklich alles, was man sich vorstellen kann: wunderschöne Berge, traumhafte Landschaft, traumhafte Wasserfälle. Dann natürlich das Lowveld mit den ganzen Tieren. Da gibt es … man findet in Simbabwe alles, was man will und alle fünf Big Fives. Simbabwe hat auch … von der Flora her ist es einfach traumhaft schön. Und deswegen gab es viele Touristen, die aber wie gesagt, im Moment auch wegen der politischen Lage nicht kommen.

GSCHWÄTZ: Du hast gerade das Wort von der Ausstellung im Geschwätz genannt. Da ist mir ein Bild aufgefallen. Und zwar zeigt es eine Szene, wo ein Überlandbus an einer Bushaltestelle ist. Und deswegen jetzt die Frage. Wie sieht es denn generell mit der Infrastruktur aus in Simbabwe? Also Verkehr, Elektrizität bis hin zu Internet.

Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ

Christa Zeller: Also das Internet ist eigentlich – wenn man Geld hat, wenn man es bezahlen kann – eigentlich ganz gut aufgestellt. Es ist ja in allen afrikanischen Ländern so, aber wie gesagt ist es teuer. Die Infrastruktur mit Bussen war eigentlich gegeben, aber inzwischen ist es so, dass die Busse dermaßen überaltert sind, dass sie also halt leider unheimlich oft liegen bleiben und es extrem viele Unfälle gibt. Und zwar … die sind dann aber alle immer gleich ganz furchtbar, also oft mit vielen, vielen Toten. Dann ist es auch so, dass natürlich die Busse jetzt extrem teuer geworden sind. Also von A nach B zu fahren ist einfach schwierig. Und dann? Und es gibt natürlich den Individualverkehr, klar. Aber auch da müssen die Leute erst mal Geld haben, um das Benzin zu kaufen. Ja, so sieht das im Moment aus. Also wie gesagt, die Zukunft ist, wir haben letztes Jahr schon gedacht, die ist düster, aber jetzt wirds noch düsterer, auch durch diese Kriegsauswirkungen auch.

Ukrainekrieg wirkt sich bis Simbabwe aus

Mehl zum Beispiel gibt es kaum noch, weil die das auch viel von der Ukraine importieren. Das, was nicht selber anbauen konnten, wird, wurde von der Ukraine reingebracht oder viel von der Ukraine. Und im Moment gibt es auch wieder eine Mehl-shortage. .

GSCHWÄTZ: Das ist ja auch interessant, wie weit sich das dieser Krieg vor unserer Haustür dann doch weltweit bemerkbar macht.

Mensch? Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ

Christa Zeller: Und das ist auch der Grund, warum ich jetzt eigentlich auch so die Werbetrommel rühre. Wir dürfen nicht vergessen in dem ganzen Leid, das in der Ukraine herrscht … Ich will das auch absolut nicht schmälern, aber im Moment geht doch unser ganzes Geld, unser ganzer Fokus, das geht alles in die Ukraine und wir vergessen dabei, dass das es extreme Auswirkungen weltweit hat.

„Wenn wir nicht weiterhin unsere Leute unterstützen, dann überlegen die sich, auch ins Ausland zu gehen.“

Und wenn wir jetzt auch vergessen, dass wir andere Projekte, die wir eigentlich bisher unterstützt haben, nicht mehr unterstützen, dann hat es einen Effekt, der uns später auch mal ganz extrem wieder zurückschlagen kann. Also, wenn wir nicht weiterhin unsere Leute unterstützen, dann überlegen die sich, auch ins Ausland zu gehen. Und genau das wollen wir eigentlich mit unserer Arbeit verhindern. Wir möchten den Menschen in ihrem Land eine Perspektive geben. Und dass sie dort bleiben können und dort einfach auch glücklich sein können. Und das wollen sie auch. Die, die lieben alle Simbabwe, die wollen nicht gehen. Aber die finanzielle Lage ist leider so, dass viele dazu gezwungen werden oder die wirtschaftliche Lage. Und das hat der Krieg eben dann noch mal verstärkt.

43.000 Euro jährlich benötigt

GSCHWÄTZ: Jetzt hast du das Wort Zukunft benutzt. Was plant der Verein? Was planst du? Was plant ihr an zukünftigen Projekten in oder für Simbabwe?

Christa Zeller: Wir müssen im Moment gerade schauen müssen, dass wir unseren Kindergarten und unsere Schule und das Frauenprojekt soweit weiterlaufen lassen können, dass wir alle Leute bezahlen können. Wir brauchen ungefähr zwischen 42.000 und 43.000 € im Jahr, um das Ganze zu finanzieren. Und das ist erst mal unser größtes Ziel, dass wir das dieses Jahr hinbekommen. Dann haben wir letztes Jahr eine kleinere Solaranlage gebaut, weil die Elektrizität sehr, sehr unzuverlässig ist. Die möchten wir gerne ausbauen. Das ist ein weiteres. Da brauchen wir also noch mal ein paar Tausend Euro, damit wir frei von der staatlichen Elektrizität sind. Das ist eine Sache. Dann haben wir vor zwei Jahren auch einen Wassertank gebaut, wo wir Regenwasser sammeln. Das möchten wir auch noch einmal ein bisschen ausbauen, weil wir einen großen Garten haben. Und unser großes Ziel ist es eigentlich, autark zu werden, dass wir auch mit dem Garten unsere Leute und unsere Kinder versorgen können. Und dazu brauchen wir auch das Wasser und das muss dann auch noch mal ausgebaut werden. Wir müssen auch zur Sicherheit, das ist ein anderes Projekt, eine eigene Wall, also einen nicht Zaun, sondern eine Art … ja, doch: eine Umzäunung um das Gebäude machen. Das ist auch noch mal ein größerer Zukunftsbrocken. Und dann haben wir natürlich auch noch andere Dinge, nämlich Kultur und Kunst, die wir ganz stark unterstützen. Und gerade, weil die jungen Künstler einfach wenig Chancen haben, auf dem jetzigen Markt Fuß zu fassen, geht auch da immer wieder Geld hin. Wir hatten vor zwei Jahren vier Künstler hier in Deutschland und hatten eigentlich ein riesiges Programm geplant, hatten eine große Ausstellung in der Sparkasse in Künzelsau und da kam Corona und hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.GSCHWÄTZ: Du  hast du von Finanzierung gesprochen und wie wichtig das ist, da auch Geld zu akquirieren. Eine der Möglichkeiten ist es, Produkte aus dem Land hier zu verkaufen. Und genau das hast du vor und deswegen hast du im Moment eine Ausstellung in den Räumen der GSCHWÄTZ-Redaktion. Vielleicht erzählst du zuallererst Male bissle, was dahinter steckt, wer die Künstler sind und und wie die sich finanzieren in Simbabwe.

Ausstellung: „Ich kenne alle Künstler persönlich“

Christa Zeller: Ja, ich kenne die Künstler alle persönlich. Und das ist eigentlich das Schöne an der Sache, dass ich einfach auch die diese persönliche Beziehung zu ihnen habe. Wie finanzieren sich die Künstler? Gute Frage. Im Moment gibt es ja keine Touristen dort, die Kunst kaufen könnten. Und die wenigen, die jetzt die Kunst kaufen, ja, die sind natürlich hart umworben. Unterm Strich: den Künstlern geht’s ziemlich dreckig und ich bin im Moment mit ein paar anderen Deutschen, die das auch machen .. wir sind die Einzigen, denen sie ihre Kunst auch verkaufen können. Und mein Credo ist auch, dass ich sie da jetzt nicht absolut runter handel, sondern dass ich faire Preise bezahle und dann schaue, wie wir die Sachen nach Deutschland bekommen. Die Kunst selber ist in Simbabwe ganz stark verankert. Das Land ist, also die Menschen dort, die sind unheimlich künstlerisch und sehr kreativ veranlagt. Die Shona Skulpturen kommen aus Simbabwe, su 1820 1830 hat das angefangen, eigentlich auch mit Missionaren, dass sie Steine bearbeitet haben und dann auch ihren ganzen Ausdruck und auch ihre Religion in diese Steine hineingearbeitet haben.

GSCHWÄTZ: Was bedeutet „Shona-Skulpturen“?

Christa Zeller: Shona ist der Name des Volkes dort unten, also etwa 80 oder 85% der Simbabwer sind Shona, die andere sind Ndebele. Die Ndebele sind die, die eigentlich aus Südafrika kommen, die wie die Miriam Makeba diesem Klick laut in ihrem in ihrer Sprache haben. Aber die Shona ist eigentlich die größte Kultur dort und deswegen heißt es Shona Art oder Shona Sculpture. Und wenn mal jemand Shona googelt, dann findet er auch in Deutschland ganz viele Galerien, die das verkaufen, zu horrenden Preisen übrigens und dort für einen Appel und ein Ei kaufen. Die Steine sind alles lokale Steine, keine Soap Stones, keine weichen Steine. Also ich kaufe keine weichen Steine mehr. Gibt’s eigentlich auch ganz wenig nur noch in Simbabwe. Die meisten arbeiten wirklich mit guten Hard Stones, da gibt es natürlich auch Abstufungen. Und da gibt es welche, die viel härter sind wie die anderen, wie beim Holz auch. Also das ist so der eine Bereich, diese Shona Skulptur.

Tatenda Gwarada, „dead wood sculptor“. Foto: privat

Dann habe ich ganz besonders, weil ich diesen Künstler sehr schätze, das ist Tatenda Gwarada, der auch in Deutschland war. Der ist ein Dead Wood Sculptor, also ein Holz Künstler, der mit totem Holz arbeitet. Der verschwindet das immer für ein, zwei Wochen in den Busch und zieht dann da das tote Holz raus, was zum Teil einfach auch schon unheimlich gut abgelagert ist. Er arbeitet ganz ganz viel mit Ebenholz. Da hat ihm leider Idai, also dieser Sturm, ihm sehr zugetragen – der hat sehr viel Holz umgemacht. Das holt er jetzt raus und bearbeitet es, macht traumhaft schöne Sachen. Was bekannt ist in Künzelsau und Ingelfingen, sind seine Vögel, die verkaufe ich ja schon seit vielen Jahren von ihm. Und dann macht er aber auch ganz viele Möbel. Er hat im Kindergarten eine Riesengiraffe gemacht, wo die Kinder zwischen den Beinen schaukeln. Er hat uns ein Klettergerüst gemacht. Das ist ein Büffel, ein Kletterhaus mit lauter Tieren dran und ganz ganz toll. Das ist also einer, der mit dem Holz arbeitet. Dann haben wir natürlich auch malende Künstler.

Eddy Hladwajo. Foto: privat

Da ist Eddy Hladwayo zu nennen, der auch sehr eng mit uns verbunden ist, er ist auch ein ehemaliges Kindergartenkind von mir. Sein Vater hat mit meinem Mann damals unterrichtet an der Schule, also auch ein ganz alter Freund von mir, der sehr stark auf die Frauen fokussiert, also die schwere Last der Frauen in Simbabwe.

Afrikanische Kunst im GSCHWÄTZ. Foto: GSCHWÄTZ

Er ist ein sogenannter Frauenfan und malt hauptsächlich Frauen, die einfach seine Bilder sind, zum Teil sehr traurig auch. Die haben auch alle eine Geschichte, weil er auch ein Poet ist und meistens ein Gedicht dazu schreibt.

William Zuze. Foto: privat

Christa Zeller: Dann haben wir ganz viel in der Ausstellung von William Zuze. Das sind diese wahnsinnig farbenfrohen und starken Farben, die einfach so das tägliche Leben einfangen. In Simbabwe also die Baumwollernte, die Orangenernte, dann am der Busstation, wo ein mordsmäßig Gewimmel ist … Da gibt es ein Bild – ich weiß gar nicht, ob es eine Ausstellung hängt, wo mindestens 20 Leute drauf sind, und der eine greift zu dem anderen in die Tasche rein und klaut ihm sein Portemonnaie. Das finde ich absolut witzig. Er beschreibt einfach diese fröhliche, bunte Art, die die Menschen trotz ihrer schweren Arbeit  ausstrahlen. Das ist William Zuze. Dann haben wir natürlich ganz viel von unserem Frauenprojekt, was wir verkaufen. Wir verkaufen da getrocknete Pilze. Wobei, da ist nicht mehr so viel da. Wir verkaufen Tee, also einen Einheimischen Zumbani-Tee. Das ist ein Tee, der gegen Erkältung unheimlich gut ist. Wir verkaufen Papayakerne, das ist der afrikanische Pfeffer, schmeckt also wie Pfeffer. Das sind diese kleinen schwarzen Kerne, die werden getrocknet, sonnengetrocknet und haben ein unheimlich gutes Aroma und sind sehr, sehr gesund. Wenn man sie im Reformhaus kauft. sind sie saumäßig teuer.

GSCHWÄTZ: Ja, und man kann sie verwenden, um Fleisch zart zu machen.

Christa Zeller: Genau. Ein Fleischzartmacher. Genau das verkaufen wir also. Dann haben wir natürlich auch ganz viele Skulpturen. So Frauenskulpturen, Frauenköpfe, Frauenfiguren, die von Boet Nvariri. Boet ist ein Künstler, der mehrfach in Deutschland war und in Deutschland auch immer wieder Ausstellungen hat. Der hat eine sehr eigenwillige Art, die Frauen darzustellen. Und die sind unheimlich schön, diese Figuren, die sind aus dem härtesten Stein, in dem Black Serpentine, der ist wahnsinnig hart. Die Figuren, die kann man auf den Boden schmeißen, die gehen nicht kaputt.

GSCHWÄTZ: Sind das diese stilisierten Gesichter aus diesem schwarzen Stein?

Christa Zeller: Aus dem schwarzen Stein? Ja, genau die. Von ihm haben wir auch größere Sachen. Und von ihm habe ich auch im Container jetzt noch mal recht viel. Und viele ganz  ganz kleine Figuren, diese kleinen Schona Skulpturen, die sind vom Prince Michael, der die extra für mich angefertigt hat, weil viele Menschen gesagt haben, sie möchten ganz gerne eine kleine Geschenke haben. Und dann hat er mir  100 Stück von denen gemacht, die er normalerweise eigentlich in größer macht.

Christa Zeller:  Wenn man durch die Ausstellung durchgeht, da findet man ganz viele verschiedene Dinge. Wir haben auch Stoffe, Tischdecken, die von Frauen gedruckt sind, die wir verkaufen. Wir haben eine Vogeltränke zum Beispiel, da habe ich noch zwei, eine ist noch in der Ausstellung in Ingelfingen, die man dann wunderschön auch draußen hinstellen kann, die sind von einer Frau gemacht. einer sculptorin, sehr ungewöhnlich. Meistens sind es Männer, die das machen. Ich überleg gerade, was noch alles da ist. Also einfach mal durchlaufen lohnt sich und man findet eigentlich immer ein schönes Geschenk. Und man hilft mit seinem Geschenk auch noch weiter.

GSCHWÄTZ: Sogar an  zwie Ecken: nämlich einmal beim Künstler und einmal über den Verein Bongai Shamwari, der dann auch den Kindergarten betreibt.

Christa Zeller: Ganz genau. Wir haben auch eine Vernissage am 26.April 2022, da möchte ich ganz herzlich dazu einladen. Wir hoffen, dass da s Wetter mitmacht, sodass wir einfach auch draußen, bei einem kleinen Sektempfang anstoßen können. Und ich habe Trommler aus Afrika, die das Ganze auch ein bisschen mit Trommelwirbel begleiten und so das afrikanische Flair an diesem Abend rüberbringen.

GSCHWÄTZ: Dann hoffen wir doch, dass wir am 26. viele Leute begrüßen können.

Christa Zeller: Es gibt auch großes Programm dazu. Ich habe jetzt einen Flyer fertig. Da stehen  die Tage drauf, wann immer jemand von uns dort ist und wann Führungen durch die Ausstellung sind und dann vielleicht auch ein bisschen was über das Land und das Projekt erzählt wird. Also da werde ich dann oder die Anna vor Ort sein oder eben Leute aus dem Verein. Das ist ein ganz gutes Programm. Bis Ende Juli soll die Ausstellung laufen.

GSCHWÄTZ: Ein Vierteljahr wird das GSCHWÄTZ im Zeichen von Simbabwe stehen?

Christa Zeller: Ganz genau!

GSCHWÄTZ: Dann freuen wir uns darauf. Ich bedanke mich bei dir für die vielen Informationen und alles Gute.

Christa Zeller: Bongai Shamwari. Danke, Freund. Das heißt nämlich Bongai Shamwari. Danke, Matthias.




Bei der Sparkasse werden Kultur-Beutel gesammelt

Ein Kulturbeutel wird gewöhnlich mit auf Reisen genommen. Doch was passiert, wenn man mit dem Begriff Kulturbeutel jongliert und daraus Kultur im Beutel kreiert? Es entsteht eine Mitmachaktion, die Menschen miteinander verbindet.

Idee kommt aus Schleswig-Holstein

„Was bedeutet Kultur für mich?“ und „Wie wirkt Kultur gemeinschaftsstiftend?“ – um diesen Fragen nachzugehen, hat das Kulturwerk Schleswig-Holstein e. V. die Veranstaltungsreihe „Kultur im Beutel“ (KiB) ins Leben gerufen. Durch die Teilnahme des Kulturwerks Schleswig-Holstein an einem Workshop des Regionalmanagements Kultur im Hohenlohekreis war auch im Hohenlohekreis die Begeisterung für die Aktion „KiB-Kultur im Beutel“ groß.

„Wie wirkt Kultur gemeinschaftsstiftend?“

In einer Art Gedankenschmiede wird nachgefragt, wie Kultur im täglichen Leben auf uns wirkt. So füllen sich Beutel mit Gegenständen, Gedanken und kreativen Ideen. Mit der Aktion „KiB – Kultur im Beutel“ im Hohenlohekreis sind alle Hohenloher Vereine, Schulklassen, Kulturschaffende und Bürgerinnen und Bürgern eingeladen, sich Gedanken über den Inhalt ihres eigenen Kulturbeutels zu machen und anschließend den befüllten Beutel in eine Ausstellung zu geben.

Kulturbeutel bei der Sparkasse abgeben

Vom 20. September bis 08. Oktober 2021 können die Kulturbeutel in einer Sparkassen-Filiale der Sparkasse Hohenlohekreis abgegeben werden. Die Hohenloher Kulturbeutel werden vom 13. Oktober bis 10. November 2021 in den Sparkassen-Filialen ausgestellt und gehen im Anschluss in die bundesweite Ausstellung von „KiB-Kultur im Beutel“ des Kulturwerks Schleswig-Holstein. Auch bei der Wahl des Beutels sind den kreativen Ideen keine Grenzen gesetzt (Zip-Beutel, Täschchen, Säckchen o.ä.).

Info

Weitere Informationen sowie die Anmeldung zur Aktion „KiB-Kultur im Beutel“ finden Sie unter www.hohenloher-kultursommer.de/de/festival-projekte/kultur-im-beutel.

Pressemitteilung Kulturstiftung Hohenlohe




„Die Pandemie hat den Kultur- und Veranstaltungsbereich verändert“

David König ist seit dem 01. Januar 2021 Leiter des Sachgebietes Kultur und Veranstaltungen der Stadt Öhringen. Damit trat er die Nachfolge von Ingrid Sterzer an, die in den Ruhestand verabschiedet wurde, teilt die Stadtverwaltung Öhringen mit. Der 36-jährige Bretzfelder war seit 2012 Tourismus- und Marketingleiter auf Schloss Langenburg. Seinen Bachelorabschluss in BWL und Kultur-, Freizeit- und Sportmanagement machte er 2012 bei der Hochschule Heilbronn am Campus Künzelsau. Zuvor hat er als ausgebildeter Veranstaltungskaufmann Erfahrungen im Veranstaltungsmanagement gesammelt.

Organisation der wichtigsten kulturellen Aktivitäten

Nun verantwortet David König die KULTURa, Stadtbücherei, Volkshochschule, Jugendmusikschule und die städtischen Museen. Mit seinem zweiköpfigen Team organisiert er die wichtigsten kulturellen Aktivitäten der Großen Kreisstadt Öhringen – zum Beispiel das Hohenloher Weindorf, das Genießerdorf und den Öhringer Weihnachtsmarkt. Nun verantwortet er die KULTURa, Stadtbücherei, Volkshochschule, Jugendmusikschule und die städtischen Museen. Mit seinem zweiköpfigen Team organisiert er die wichtigsten kulturellen Aktivitäten der Großen Kreisstadt Öhringen, wie z. B. das Hohenloher Weindorf, das Genießerdorf und den Öhringer Weihnachtsmarkt. Im Sommerinterview zieht er Bilanz aus der ersten Jahreshälfte und gibt einen Ausblick auf die kommenden Projekte. Das Interview wurde uns von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt.

Hohenloher mit Leib und Seele

Stadtverwaltung Öhringen: Herr König, was gefällt Ihnen an Öhringen, was macht Öhringen aus?

David König: Ich bin Hohenloher mit Leib und Seele, hier bin ich zu Hause, Hohenlohe ist meine Heimat. Öhringen als ehemalige Residenzstadt bietet uns gewachsene Kultur. Die historische Innenstadt in Verbindung mit dem einmaligen und großzügigen Ambiente im Hofgarten sind wichtige Alleinstellungsmerkmale. Besonders schön ist die kreative Vielfalt, die sich in unseren Vereinen sowie Kunst- und Kulturschaffenden spiegelt. All diese positiven Aspekte bündeln wir in tollen Events.

Stadtverwaltung Öhringen: Wie war Ihr Einstieg in die Arbeit bei der Stadt? Wie sind Sie aufgenommen worden?

König: Corona hat erstmal alles überschattet. Ich musste die Lage sondieren, alle Einrichtungen und die Menschen dahinter kennenlernen. Es ist auch immer eine Umstellung, wenn man von der Privatwirtschaft in den öffentlichen Dienst wechselt. Vieles ist streng reguliert. Aber ich bin sehr schnell aufgenommen und in die Projektarbeit mit einbezogen worden. Zudem habe ich ein kleines aber sehr engagiertes Team, welches mich von Anfang an mit vollem Einsatz unterstützt hat.

„Die Interaktion ist das, was Kultur ausmacht“

Stadtverwaltung Öhringen: Welche Projekte konnten in der ersten Jahreshälfte angeschoben werden?

König: Wichtig war die Koordination in den jeweiligen Einrichtungen. Kann die Saison in der KULTURa vorausschauend geplant werden? Können Kurse in der Volkshochschule angeboten werden und wenn ja, welche? Unter welchen Bedingungen und wann kann das Weygang-Museum wiedereröffnen? Lesebrücke oder „Click & Meet“ in der Stadtbücherei? Wie läuft der Online-Unterricht in der Jugendmusikschule? Nicht alles ist online machbar und lassen Sie uns ehrlich sein: Orchesterproben oder Sprachkurse sind in einer Gemeinschaft, live und in Farbe, doch viel schöner! Die Interaktion ist das was Kultur und Bildung ausmacht. Besonders intensiv wurde an Veranstaltungskonzepten gearbeitet. Die Kernfrage war dabei immer: Ist es möglich, die Konzepte den Bedingungen anzupassen, oder muss verschoben werden.

„Absagen waren besonders schmerzhaft“

Stadtverwaltung: Und was war besonders herausfordernd? Wo liegen die Schwierigkeiten, auch ohne Corona?

König: Zuerst war es besonders schmerzvoll, solche Publikumslieblinge wie das Genießerdorf oder Hohenloher Weindorf absagen zu müssen. Das heißt aber nicht, dass wir uns nicht weniger kreative oder spannende Alternativen, die sich im Rahmen bewegen, überlegt hätten. So kam zum Beispiel die „Wein Freude Hohenlohe“ zustande – eine dezentrale Alternative für unser Weindorf. Dafür haben wir, gemeinsam mit der Weindorfgemeinschaft, ein tolles Programm auf die Beine gestellt. Die Region in und um Öhringen hat die besten Voraussetzungen – ob auf den Weingütern oder in den Weinbergen, der Hohenloher Wein schmeckt einfach. In einem Flyer sammelten wir die kreativen Ideen und die Weindorfgemeinschaft lud so zum Erkunden der (Wein-) Kulturlandschaft Hohenlohe ein, zeigte ihren Unternehmergeist und die Leidenschaft für ihre Arbeit und unsere Heimat. Die Besucher haben es uns gedankt und die Aktion war durchweg ein voller Erfolg. Natürlich wollen wir im kommenden Jahr das 25. Jubiläum des Hohenloher Weindorfes wieder gemeinsam in Öhringen feiern.

Mit einem neuen Projekt Künstlern eine Plattform bieten

Stadtverwaltung: Was haben Sie in den ersten sechs Monaten bereits erreichen können erreicht? Worauf sind Sie besonders stolz?

König: Besonders stolz bin ich auf das neue Projekt „Kultur passiert“. Dabei wird ab dem 07. August bis Mitte September Öhringen alle zwei Wochen an den Wochenenden zu einer Pop-up-Bühne. Was genau passiert, wird nicht verraten, denn der Überraschungseffekt spielt dabei eine wichtige Rolle. Ein kleines Video auf dem städtischen YouTube-Kanal erläutert die Aktion. Mit dem Projekt bieten wir Künstlern, Kreativen und Kulturschaffenden aus der Region eine Plattform. Sie hatten in den letzten Monaten sehr viele Einbußen zu verkraften. Das Projekt soll zudem die Attraktivität der Öhringer-Kulisse für Besucher aus nah und fern erlebbar machen und natürlich auch einen Imageeffekt für die Stadt bewirken. Ich bin mir sicher: Auch kleine Aktionen und Events können in dieser schwierigen Zeit zu einem Leuchtturmsymbol werden.

„Öhringens ländliche Lage ist ein enormer Vorteil“

Stadtverwaltung: Wie hat Corona den Kulturbereich verändert?

König: Es ist klar, dass die Pandemie den Kultur- und Veranstaltungsbereich verändert hat. Das Wichtigste, das Live-Publikum, blieb ja weg. Dass die Kultur, teilweise kostenlos und mithilfe von Livestreams, in die Wohnzimmer gekommen ist, war ein großer Schritt. Der Zugang zu Kultur und sonst schwer zugänglichen ausländischen Formaten, wurde durch das niederschwellige digitale Angebot einfacher. Dennoch waren die finanziellen Einbußen gravierend. Und Bühnendarstellende brauchen den direkten Draht zum Publikum. Die Interaktion, das gegenseitige Spüren, und natürlich auch das Ambiente, sind für ein gelungenes Programm oder Veranstaltungen wichtig. Die ländliche Lage von Öhringen ist für die Outdoor-Veranstaltungsplanung ein enormer Vorteil. Das durch die LAGA 2016 erschlossene Gelände bietet einen idyllischen Rahmen für das Kunstwerk Kultur. Diese Vorteile müssen jetzt genutzt und in die Planung mit einbezogen werden. Mobile Konzepte, bei denen sich das Publikum mit den Künstlern mitbewegt, Guerilla-Aktionen oder aber auch eine Ausweitung des Areals bei Veranstaltungen mit hohem Publikumsverkehr, werden vermehrt im Vordergrund stehen. Indoor sieht es da natürlich wieder anders aus. Abstands- und Hygieneregeln müssen ja weiterhin beachtet werden. Das bedeutet eine enorme Einschränkung und Aufwand für die Veranstaltungen und Einrichtungen. Wir merken allerdings schon, dass die Rahmenbedingungen in diesem Bereich immer klarer sind, und wir in diesem Rahmen gut agieren können. So kann sich Kreativität wieder frei entfalten.

Wichtige Rolle im Leitbild der Stadt

Stadtverwaltung: Wie unterstützt die Stadt Öhringen den Kulturbereich?

König: Öhringen ist sehr offen für neue Ideen und ist sich der Identitätsfunktion von kulturellen Ereignissen oder der Kultur im Allgemeinen bewusst. Auch die Förderung und die Vermittlung der Kultur spielt eine wichtige Rolle im Leitbild der Stadt. Jugendmusikschule, Volkshochschule, Stadtbücherei tragen dazu bei, ein Angebot für alle Altersschichten zu bieten. Im Verbund werden Aktionen und Veranstaltungen geplant. Auch die Umwegrentabilität durch kulturelle Events und Kulturarbeit zeigt, dass es sich lohnt, in eine abwechslungsreiche Kultur zu investieren. So sind Stadtentwicklung, Wirtschaft und der Kulturbereich nahe beieinander.

„Die Öhringer sind offen und kreativ“

Stadtverwaltung: Was macht die Öhringer Kulturszene besonders aus?

König: Es gibt unzählige Vereine, Künstler und Kreative in Öhringen. Man kennt sich, schätzt sich und ist stolz auf seine Kultur. Natürlich spielt nicht nur die Hohenloher Kultur, sondern auch die interkulturelle Gemeinschaft eine Rolle. Es ist schön zu sehen, wie sich die Kulturszene gegenseitig unterstützt und Hoffnung macht. Und es freut mich, wenn wir dazu beitragen können, den Austausch zu fördern. Der kommunikative Aspekt in der Kulturarbeit macht mir besonders Spaß und man spürt, dass die Öhringer offen und kreativ sind und das Netzwerk funktioniert. Natürlich steht die Unterstützung der Kunst- und Kulturbranche für mich an vorderster Stelle.

„Es sollte wieder möglich sein, dass alle Altersgruppen ohne Einschränkungen Kunst und Kultur genießen können“

Stadtverwaltung: Wo sehen Sie die Öhringer Kultur in einem Jahr?

König: In einem Jahr sind die Konzepte so weit entwickelt, dass auch wieder gesellige Veranstaltungen möglich sind. Auch die politischen Rahmenbedingungen sind gelegt. Es sollte wieder möglich sein, dass alle Altersgruppen ohne Einschränkungen Kunst und Kultur genießen können – und das nicht nur online.

Stadtverwaltung: Was sind Ihre persönlichen Ziele?

König: Die Diversität der Öhringer Kunst- und Kulturszene aufrechtzuerhalten, mitzugestalten und das Bewusstsein für Kunst und Kultur zu stärken. Kurzfristig gesehen bin ich glücklich, wenn die ersten größeren Veranstaltungen erfolgreich umgesetzt wurden und wir Perspektiven bieten können. Ich bin mir sicher, dass die Zukunft eine bunte Veranstaltungspalette bereithält. Ideen und kreative Köpfe gibt es genügend.

Interview: Stadtverwaltung Öhringen

 




„Erst müssen alle medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft sein, bevor es an die Grundrechte geht“

Die von Schauspielern und Kollegen aus der Medienbranche geführte coronakritische Kampagne #allesdichtmachen (wir berichteten) bewegte und erregte die Gemüter.

Nun erschien am 29. April in der Zeit, ein großes Interview mit dem Titel „Es geht nicht darum, wer Recht hat“. (Link zum Interview)

Untertützung der #allesdichtmachen-Kampagne

Kolleg:innen distanzierten sich von den Mitwirkenden dieses Videoprojekts schleunigst, einige  Beteiligte wie Heike Makatsch ließen nach dem ersten Shitstorm sofort ihr Video wieder entfernen. Andere wie Jan Joseph Liefers versuchen in Talkshowrunden zu erklären, warum sie diese ironischen Beiträge gedreht hatten, die die Coronapoitik der Regierung kritisieren. Nun haben sich namhafte Kulturschaffende in Wochenzeitung Die Zeit zu Wort gemeldet und die Gedanken hinter #allesdichtmachen unterstützt.

Die Rhetorik des Ausnahmezustandes

Daniel Kehlmann, Thea Dorn und Juli Zeh kritisieren sich ihre Kollegen, sondern unterstützen sie in ihrer Kritik. So sagte Thea Dorn in dem ausführlichen Interview etwa: „Die Rhetorik des Ausnahmezustandes dient dazu, Maßnahmen zu legitimieren, die unter normalen Bedingungen undenkbar wären.“ Damit spielte sie auf die großen Grundrechtseinschnitte an. Dabei schwingt die Frage im Raum, ob diese Eingriffe in die Grundrechte in Ausnahmezuständen überhaupt erlaubt sind in einer Demokratie.

„Ausnahmezustand“ kann alles rechtfertigen

Mit diesem Wort „Ausnahmezustand“ könne man ja dann schließlich immer alles rechtfertigen. Nur: Wann befindet sich eine Gesellschaft in einem Ausnahmezustand? Das große Ziel sei „Todesverhinderung“. Damit rechtfertige dann die Politik alles, was sie damit einhergehend machen oder verbieten. Aber, gibt Dorn zu bedenken: „Stellen wir uns kurz einmal vor, was er Staat alles verbieten müsste, wenn er tatsächlich verpflichtet wäre,  den Tod als solchen zu verhindern.“ Da müssten die Maßnahmen wesentlich konsequenter in allen Bereichen sein. Kehlmann sieht diesen „Ausnahmezustand“ und die Legitimation diverser Gesetze ebenfalls kritisch und verweist auf ein ähnliches Vorgehen bei der amerikanischen Regierung nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

Es gibt nie Alternativlosigkeit

Daniel Kehlmann kritisiert überdies, dass es hieße, die Maßnahmen seien von der Wissenschaft vorgegeben und alternativlos. Das widerspreche sich. Es gibt nie „Alternativlosigkeit“, vor allem in der Wissenschaft. Auch hinsichtlich der Coronapolitik gäbe es zahlreiche seriöse Stimmen, die einen anderen Kurs empfehlen. Diese kämen nur nicht wirklich zu Wort oder werden sofort kritisiert für ihre teils regierungskritischen Aussagen.

Kehlmann verweist dabei auf andere Länder, die andere Maßnahmen, teilweise effektivere, ergriffen haben und die damit gut gefahren seien, doch aber darüber spreche man nicht.

„Bürokratieverliebtheit“ bremst vieles aus

Juli Zeh wiederum kritisiert „die Bürokratieverliebtheit“ bei uns, die vieles ausbremse. Das helfe aber in einer Pandemie wenig, sondern behindere eher. Es gehe, so betonten alle drei, nicht darum, dass der „Staat gar nichts hätte tun sollen“ gegen Corona. Aber, so Juristin Juli Zeh: „Die Verfassung verpflichtet uns darauf, die Pandemie möglichst effektiv, mit möglichst wenig Grundrechtseingriffen, zu bekämpfen. Daraus folgt die politische Nowendigkeit, alle medizinischen und technischen Möglichkeiten auszuschöpfen, bevor man an die Grundrechte geht. Impfung bereitstellen, Alten- und Pflegeheime angemessen schützen, Krankenhäuser großzügig ausstatten. Das ist nicht nur verfassungsmäßig geboten, sondern kann auch wesentliche wirksamer sein als Ausgangssperren, die den Bürger stark belasten.“

„Es geht nicht darum, wer Recht hat“, erschien am 29. April in der Zeit: „Es geht nicht darum, wer recht hat“ | ZEIT ONLINE

Juli Zeh, Schriftstellerin und Verfassungsrichterin in Brandenburg. Foto: Sven Mandel / CC-BY-SA-4.0

 




Neue Broschüre „In Künzelsau ist was los“

Ganz neu konzipiert wurde die Broschüre „In Künzelsau ist was los“. Neben dem bisherigen städtischen Kulturprogramm umfaßt sie jetzt weitere Veranstaltungen und Aktionen von verschiedenen Anbietern sowie touristische Angebote wie Erlebnistouren, Stadtführungen oder die vielseitigen Rad- und Wanderwege in und um Künzelsau.

Pandemiegerecht

„Pandemiegerecht könnten wir einiges möglich machen. Alle Beteiligten sind bereit, sobald sich die Lage deutlich verbessert“, so Bürgermeister Stefan Neumann.

Zwei Ausgaben pro Jahr geplant

Seit Oktober 2020 ist die neue Broschüre im Umlauf, die zukünftig zweimal im Jahr aufgelegt wird. Sie ist Bürgerbüro im Künzelsauer Rathaus, in den Geschäften in Künzelsau sowie in den Rathäusern im Hohenlohekreis erhältlich. Außerdem ist die Broschüre als PDF-Dokument unter http://www.kuenzelsau.de/inkuenzelsauistwaslos zu finden.

Renate Kilb, Helen Bühler und Laura Asum (von links nach rechts) vom Kultur- und Marketingbereich der Stadtverwaltung Künzelsau freuen sich über die neue Broschüre. Foto Stadtverwaltung Künzelsau.

Die neue Broschüre „In Künzelsau ist was los“ erscheint in neuem Design und Format. Foto Stadtverwaltung Künzelsau.

 




Kulturneschter – Guck´s ou

In der Gemeinde Mulfingen im Hohenlohekreis, finden am Samstag, den 07. September 2019, und Sonntag, den 08. September 2019, die „Kulturneschter“ statt. „Guck´s ou“ und komm vorbei. Viele freiwillige Personen haben in zehn Ortsteilen, von A wie Ailringen bis Z wie Zaisenhausen, wieder Ihre „Neschter“ für Sie geöffnet. Der Auftackt der Veranstaltung beginnt bereits am Freitag, denn 06. September 2019, um 19.30 Uhr in der Stauseehalle in Mulfingen. Gerhard Sprügel wird wieder mit kurzweiligen und interessanten Einlagen durch ein buntes Programm mit 2 Chören, dem „Liederkranz Mulfingen“ und dem “Chanson Nouvelle“, Jazztanz und einer stimmungsvollen, von Thomas Cleve zusammengestellten, Tonbildschau der vorherigen Kulturnester 2017, führen.

Die „Kulturneschter“-Veranstaltung bietet ein Angebot an Kunst und Handwerk, Naturkunde, Geschichte, Volks- und Brauchtum bis hin zu vielen heimischen Köstlichkeiten. Spezialitäten aus dem heimischen Wald, selbstgemachtes Sauerkraut, Räucherfisch, Schafswurstvesper, Gerichte vom Schwäbisch-Hällischen Landschwein, Hohenloher Blootz, Grottenweck, Schnäpse und Liköre aus eigener Herstellung, Hohenloher Schaumweine und frischer Most stehen neben vielen weiteren Köstlichkeiten auf den Speise- und Getränkekarten. Jeder kommt auf seinen Genuss.

Viele Künstler und Handwerker aus der Gemeinde Mulfingen geben Einblicke in ihre vielseitige und abwechslungsreiche Arbeit. Sie können den Akteuren beim Korbflechten, Filzen, Häkeln oder Drechseln über die Schulter schauen. Oder Sie lassen sich durch die Mulfinger Künstler inspirieren, die in der Kulturscheune in Mulfingen eine Kunstausstellung vorbereitet haben und ihre Arbeit auch in weiteren Neschtern der Gemeinde ausstellen. Dort finden Sie unter anderem gewebte Bilder, selbstdesignte Geldbeutel und Taschen, Skulpturen und Stelen aus Holz, Naturinstalationen, Mosaikkunst, Spaßmaschinen, Naturbilder und Malereien. Einblicke in die Landwirtschaft erhalten Sie beim Alpakahof in Hollenbach und beim Hoffest in Simprechtshausen mit Besichtigung des Milchviehstalls. In Ochsental gibt es die bekannten hällischen Landschweine zu sehen. Sie werden vieles über Bräuche und Historie erfahren. Es wird gezeigt, wie der Butz in Zaisenhausen hergestellt wird oder Sie machen bei einer historischen Ortsführung durch Seidelklingen mit.  Auch für Kinder gibt es attraktive Angebote, zum Beispiel das Spielen mit den gepressten Miniheuballen und kleinen landwirtschaftlichen Spielzeugen.

Diese und weitere Informationen zum Programm finden Sie auf der Homepage www.kulturnester.de.




Fest der Kulturen

Ein Fest der Kulturen feierten die Auszubildenden Erzieher der Öhringer Fachschule für Sozialpädagogik gemeinsam mit ihrer Lehrerin Claudia Litterst.

Neben Speisen aus verschiedenen Ländern ging es um Informationen über die Länder und wichtige Bräuche und Sitten und schließlich wurde gemeinsam getanzt und gesungen. „Mir ging es bei dem Fest darum, dass sich die Schüler mit ihren eigenen Wurzeln auseinandersetzen und sich möglicher Vorurteile bewusst werden. So können sie bei anderen Kulturen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur eigenen Herkunft erkennen und reflektieren“, erläuterte Litterst. Die Schüler kommen aus vielen verschiedenen Ländern und Kulturen. Da lag es nah, dass jeder ein Stück Heimat mit in den Unterricht bringt: Ob Oliven aus Griechenland, Mozzarella aus Italien, ein Nusskuchen aus Slowenien oder Kekse aus Russland: Vielfalt schmeckt eben gut! Denn „nicht nur Liebe geht durch den Magen“, weiß die erfahrene Pädagogin, „sondern auch die Kenntnis des anderen und dessen, was uns fremd ist.“

Mit dem Fest der Kulturen wurde dem im Lehrplan etwas trocken formulierten Lernziel einer „Sensibilisierung für vorurteilsbewusste Erziehung und Bildung“ Leben eingehaucht. Den künftigen Erzieherinnen hat dieser Unterricht sichtlich Spaß gemacht: „Ein Fest der Kulturen vorzubereiten, das ist echte Praxisnähe“ schwärmte die 19-jährige Luisa und freute sich schon darauf, dies selbst demnächst während ihres Kindergartenpraktikums ausprobieren zu können.