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„Mama, du brauchst keine Angst zu haben“

// Gonzos letzte Stunden

Es ist ihr schwer ums Herz, so schwer wie es einem nur sein kann, wenn man ein Kind verloren hat. Vor ein paar Tagen hat sie noch um den siebenjährigen Jungen geweint, der in Künzelsau gestorben ist. Nun trauert Mirjana Krolo um Gonzo, ihren eigenen Sohn. Der 47-jährige Musiker ist am Donnerstagabend, den 03. Mai 2018, an einer, so die 75-Jährige „Herzkrankheit“ verstorben. Nachmittags gegen 14 Uhr hätten sie noch gemeinsam Kaffee getrunken. Abends konnte er den für seine Band Gonzo’N’Friends geplanten Auftritt im Wildpark Bad Mergentheim nicht mehr wahrnehmen. Für sie das einzig Beruhigende: „dass er am Schluss nicht alleine war.“ Eine „gute Vertraute sei bei ihm gewesen“, sagt Mirjana gegenüber GSCHWÄTZ.

 

Laut der Freundin, so die Mutter, habe er sich irgendwann hingelegt, weil es ihm so warm wurde. Da sich sein Zustand verschlechterte, habe die Bekannte den Notarzt gerufen. Eine Reanimation habe nichts mehr gebracht.

 

// Woran ist Gonzo gestorben ? //

 

Laut Mirjana Krolo hat Gonzo sich erst vor drei Wochen im Krankenhaus in Öhringen „durchchecken“ lassen. Bei den Tests sei alles in Ordnung gewesen, so Gonzo damals zu seiner Mutter. Mirjanas Vater sei ebenfalls an einem Versagen des Herzens, an einem Herzinfarkt gestorben, berichtet Mirjana Krolo. Er sei  jedoch 71 Jahre alt geworden.  „Die beste Spezialklinik der Welt hätte nichts mehr machen können“, ist sich die gelernte Schneiderin daher sicher. Und dennoch zerreisst es ihr das Herz. „Wie soll ich jetzt noch weiterleben?“, fragt sie.  Mirjana hat noch einen Sohn und eine Enkelin – Gonzos 20-jährige Tochter. Gonzo selbst sei damals auch 20 gewesen, als sein Vater an Hepatitis B gestorben sei, so Mirjana.

 

Sie selbst hat ebenfalls gesundheitliche Probleme, ist im vergangenen Jahr schwer gestützt. Gonzo habe immer zu ihr gesagt: „Mama, du brauchst keine Angst zu haben“ und bot ihr finanzielle Unterstützung an.

 

// Die Band trauert mit ihr //

 

Gonzos Band habe mit ihr getrauert. Sie seien am Donnerstagabend noch zusammengesessen. Das habe ihr gut getan. Vielleicht spielt die Band auch ein Lied an der Beerdigung. Das würde ihr sehr gefallen.

 

// Gonzos letzter Eintrag in Facebook //

 

Am Donnerstagmorgen um 10 Uhr, also nur wenige Stunden vor seinem Tod, hat Gonzo seinen letzten Post auf Facebook an an seine knapp 4.000 Anhänger geschickt. Darin steht:

„Dein ist dein ganzes Herz, du bist mein Reim auf Schmerz.“

 

Wann die Beerdigung ist, steht noch nicht fest.

 

// Josip Krolo Gonzo //

Im Januar haben wir ein Exklusiv-Interview in unserer gedruckten Ausgabe veröffentlicht und ein Video gedreht in seiner Wohnung in Weissbach. Er hatte einige musikalische Pläne und schaute optimistisch in die Zukunft:

 




„Man geht in den Wahlkampf, weil man gewinnen möchte“

Video-Interview: Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann über die Höhen und Tiefen seiner Amtszeit und welche Vision er für Künzelsau hat.

Kurz bevor es richtig losgeht mit dem Bürgermeisterwahlkampf in den einzelnen Ortsteilen und der Bürgermeisterwahl am 03. Juni 2018 haben wir am 23. April 2018 mit Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann über seine Zeit als Chef der Kreisstadt und seine Vision für die Zukunft gesprochen.

GSCHWÄTZ: Können Sie sich noch an den Tag vor acht Jahren erinnern, als Sie zum neuen Bürgermeister gewählt wurden?
Neumann: Es war ein sehr heißer Tag damals und es war ein wunderschönes Gefühl.

GSCHWÄTZ: Hätten Sie mit diesem Ergebnis gerechnet?
Neumann: Man tritt schon an, um zu siegen. Man geht in den Wahlkampf, weil man gewinnen möchte. Das war damals der Fall und das ist auch heute der Fall.

GSCHWÄTZ: Wenn Sie zurückdenken an die vergangenen acht Jahre, was waren besondere Momente?
Neumann: Gern erinnere ich mich zurück an die Stadtfeste, denn die sind ein Highlight für Künzelsau und für die gesamte Region. Da kommen Künzelsauer von der ganzen Welt her, um sich dort zu treffen. Was sicher auch ein besonderes Highlight war, war die Eröffnung des Carmen-Würth-Forums. Und auch die Welcome-back-Party mit Alexander Gerst.
Alexander Gerst fliegt bald wieder in den Weltraum. Wie begleitet Künzelsau dieses Ereignis?
Neumann: Wir versuchen, das angemessen zu begleiten. Wir sind ja in Kooperation mit der deutschen Luft- und Raumfahrt. Es wird unter anderem eine Startveranstaltung am Alten Rathaus am 06. Juni 2018 geben.

GSCHWÄTZ: Es gab ja nicht immer Sternstunden in den vergangenen Jahren.Wie haben Sie das Hochwasser 2016 erlebt?
NEUMANN: Das war ein ganz prägendes Ereignis. Bei mir persönlich was es so, dass ich abends noch eine WhatsApp von einer Kollegin bekommen habe, die in Braunsbach [Anm. der Redaktion: Braunsbach wurde am stärksten von dem Hochwasser verwüstet] Theater gespielt hat. Ich habe die Kinder noch ins Bett gebracht. Dann ging auch schon mein Melder los. Ich bin gar nicht mehr über die Kocherbrücke gekommen, weil das Wasser schon so hoch gestanden ist.

GSCHWÄTZ: Was haben Sie dann gemacht?
Neumann: Ich habe das Auto auf dem Gehweg abgestellt und bin zu Fuß zur Feuerwehrwache gelaufen.

Gesundheitsversorgung : „Es war eine unglaublich kräfezehrende Zeit“

GSCHWÄTZ: Wie haben Sie die Zeit erlebt rund um die Schließung des Künzelsauer Krankenhausstandortes?
Neumann: Es ist eine unglaublich kräftezehrende Zeit, die ja auch einen gewissen zeitlichen Vorlauf hat. Das hat ja schon mit meiner Tätigkeit als Aufsichtsrat begonnen und mich über die ganzen Jahre begleitet und begleitet mich ja heute immernoch, denn auch mit der Wahl des neuen Partners, der BBT-Gruppe, ist das Thema ja nicht ausgestanden, sondern es gibt viele offene Fragen, die es noch zu klären gilt und wo wir uns auch einbringen müssen.

GSCHWÄTZ: Wie geht es weiter mit der Gesundheitsversorgung für Künzelsau? Kennen Sie die Konzepte, die angedacht sind?
Neumann: Es gibt Konzepte und Varianten. Diese müssen aber noch ausformuliert werden. Das eine ist, was jetzt auf dem Papier steht, das andere ist, was man am Ende des Tages letztendlich leben kann. Wir können alle keine Lösung gebrauchen, die ein, zwei oder drei Jahre hält, sondern wir müssen Perspektiven auftun. Mit dem neuen Partner haben wir diese Möglichkeit, aber da gehört noch mehr dazu, als der neue Partner.

GSCHWÄTZ: Hohenlohes Landrat Dr. Matthias Neth könnte sich ein medizinisches Versorgungszentraum (MVZ) ähnlich dem in Forchtenberg vorstellen.
Neumann: Ein MVZ kann für mich nur ein Teil der Lösung sein. Es ist sicherlich richtig, dass vermehrt Ärzte ins Angestelltenverhältnis gehen möchten. Aber wir haben ja einen ganzen Komplex zu bespielen, der jetzt da ist. Das MVZ kann ein Kernelement sein, weil wir davon ausgehen, dass der ambulante Bereich gestärkt wird. Wir wollen aber auch die Möglichkeiten nutzen, die es in Künzelsau gibt. Wir haben beispielsweise Operationsmöglichkeiten. Die Frage ist: Kann man das in die Zukunft führen – auch in einem ambulanten Zentrum? Welche Fachrichtung kann man noch hinzugewinnen? Welche gesundheitsnahen Dienstleistungen kann man noch hinzuziehen? Das sind Fragen, sie es noch zu klären gilt, wo aber auch das Sozialministerium sicherlich seinen Teil dazu beitragen kann.

Medien: „Das eine ist, was man über die Medien wahrnimmt, das andere, was im OFF tatsächlich stattfindet.“

GSCHWÄTZ: Manche Bürger bemängeln, dass Sie sich zu wenig für das Krankenhaus Künzelsau eingesetzt haben.
Neumann: Das eine ist, was man wahrnimmt über die Medien und das andere, was im OFF tatsächlich stattfindet – sei es im Kreistag oder in Gesprächen, die wir mit dem Ministerium oder Ärztevertretern führen. Man kann davon ausgehen, dass sich der Bürgermeister und auch andere verantwortliche Personen in die Sache richtig reinknien, weil wir nicht nur ein persönliches, sondern ein städtisches Interesse haben, wie wir das Ganze nun weiterentwickeln. Da kann man sich natürlich an Wörtern stören oder an Meinungen. Aber unsere Aufgabe ist es, verantwortungsbewusst zu handeln und dann auch für die Zukunft einen Nutzen zu stiften. Die Gesundheitsversorgung hört mit der Schließung des Krankenhauses nicht auf und da muss jeder seinen Teil dazu beitragen – auch der Bürgermeister von Künzelsau.

GSCHWÄTZ: Künzelsaus Innenstadt hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Es hat sich einiges getan. Aber dennoch gibt es offene Baustellen, wie etwa das Peka-Areal. Wie geht es da weiter?
Neumann: In den nächsten Monaten werden wir den Kaufvertrag abschließen, der Bauantrag wird eingereicht. Wir haben erst diese Woche die letzten Details besprochen. Ich gehe davon aus, dass es mit der Baustelle ab Herbst und in den Wintermonaten so richtig losgeht. Ab Baubeginn rechnet man mit 18  Monaten Bauzeit, bis alles fertig ist.

GSCHWÄTZ: Ein weiteres großes Vorhaben ist der Neubau des Landratsamtes.
Neumann: Wir machen in diesem Jahr einen städtebaulichen Wettbewerb, um die ideale Stelle fürs Landratsamt zu finden. Es geht nicht nur ums Landratsamt, sondern auch um die Mitarbeiter. Die kommen großteils mit dem Auto. Wir schauen uns daher an, wo ein guter Standort für das Verwaltungsgebäude wäre und wo ein Parkhaus entstehen könnte.

Begrenzter Wohnungsmarkt: „Wir sehen den Trend zum urbanen Wohnen“

GSCHWÄTZ: Wo sehen Sie Künzelsau in den nächsten fünf bis zehn Jahren?
Neumann: Wichtig ist, dass sich Künzelsau positiv weiterentwickelt, dass wir den Schwung, den wir derzeit haben, auch mitnehmen und weiterführen. Künzelsau ist eine sehr lebenswerte Stadt, aber dafür muss man am Ball bleiben.

GSCHWÄTZ: Einige Bürger bemängeln den knappen Wohnungsmarkt.
Neumann: Künzelsau ist gefragt. Wir sehen den Trend zum urbanen Wohnen. Daher schaffen wir Wohnflächen in der Innenstadt. In Gaisbach haben wir eigene Flächen für Geschosswohnungsbau, wo wir modellhaft zeigen wollen, das preisgünstiges Wohnen möglich ist.

Im Rathaus in Künzelsau legen wir Stefan Neumann jeweils zwei Bilder vor, zwischen denen er sich entscheiden muss.

Fußball: VfB Stuttgart oder FC Bayern München?
Neumann: VfB Stuttgart. Ich habe ja bei der Landeshauptstadt Stuttgart angefangen zu arbeiten. Und mein Traum als Verwaltungspraktikant war eine Stelle im gehobenen Dienst im Sportreferat zu bekommen. Das sitzt nämlich direkt im Stadion. Meine Frau ist übrigens Bayern-München-Fan.

Musik: „lieber Après-Ski als Toten Hosen“

Helene Fischer oder Lena Meyer-Landrut?
Neumann: Ich würde mich dann eher für Helene Fischer entscheiden.

Andreas Gabalier oder die Toten Hosen?
Neumann: Ich entscheide mich für Après-Ski und damit Andreas Gabalier.

Dörzbachs Bürgermeister Andy Kümmerle oder Forchtenbergs Bürgermeister Michael Foss?
Neumann: Ich komme mit beiden richtig gut aus. Michael Foss hat bei uns mal ein Praktikum gemacht. In Forchtenberg habe ich auch meine berufliche Laufbahn begonnen. Deshalb entscheide ich mich für Michael Foss.

Landrat Dr. Matthias Neth oder BI-Sprecher Andreas Eckle?
Neumann: Das sind zwei Herren, die ich beide sehr gut kenne und ich komme auch mit beiden gut aus. Ich weiss nicht genau, wie das Innenverhältnis zwischen den Zweien ist. Mit dem Landrat haben wir natürlich viele Berührungspunkte, nicht nur das Krankenhaus, zum Beispiel auch der Neubau das Landratsamtes. Deshalb würde ich mich für Matthias Neth entscheiden.

// Stefan Neumann //

Stefan Neumann (35) wurde am 05. November 1982 in Schwedt geboren. Der Diplom-Verwaltungswirt war Kämmerer von Forchtenberg und Putzbronn, bevor er im Juli 2010 zum Bürgermeister von Künzelsau gewählt wurde. Neumann ist verheiratet und hat drei Kinder im Alter von fünf, drei und eins.
Das Video-Interview mit Neumann wurde in Künzelsau gedreht.

// Gegenkandidaten //

Ob es ein Wahlkampf wird, werden die Bürger am Montag, den 07. Mai 2018, in der Gemeinderatssitzung in Künzelsau erfahren. Dort wird verkündet, ob es Gegenkandidaten gibt und wenn ja, wer es ist.

Die Bürgermeisterwahl in Künzelsau ist am 03. Juni 2018.

Das Interview führte Dr. Sandra Hartmann; Videodreh und Schnitt: Dr. Felix Kribus

Das ganze Interview sowie Fotos vom Videodreh gibt es in unserer aktuellen GSCHWÄTZ-Ausgabe des Monats Mai – jetzt überall im Einzelhandel abonnieren über unseren GSCHWÄTZ-Shop: www.gschwaetz.de/gschwaetz-shop/

 




Künzelsau // Tod eines Siebenjährigen – Polizei bittet Bürger um Mithilfe

// Wer kann Angaben über die 69-Jährige machen?
 
Die polizeilichen Ermittlungen, wie und warum ein Siebenjähriger Ende letzter Woche im Haus einer 69-Jährigen in Künzelsau gestorben ist, gehen mit Hochdruck weiter. Die Staatsanwaltschaft und die das Polizeipräsidium Heilbronn bitten nun die Bürger um Mithilfe.
 
Beamte der Ermittlungsgruppe Schippberg suchen nun Zeugen, die die Frau am Freitagabend in Begleitung des Jungen gesehen haben. Außerdem werden Personen gesucht, die Hinweise über den Aufenthaltsort der Frau zwischen Freitagabend, den 27. April 2018, und der Rückkehr zu ihrem Wohnhaus am Samstagabend, den 28. April 2018, gegen 21.30 Uhr, geben können.
 
Ermittlungen zufolge war die zirka
1,70 Meter große Frau, die eine kräftige Statur hat und weißes kinnlanges Haar trägt, mit einer beigen Freizeithose und einem knielangen dunklen Mantel bekleidet. Zeugenhinweise gehen an die Telefonnummer: 07131/104-4444.

 

// Hintergrund //

 

// Großeinsatz der Polizei nach vermutlichem Tötungsdelikt

Zu einem Großeinsatz der Polizei kam es am Samstag, den 28. April 2018, in Künzelsau, nachdem ein vermutliches Tötungsdelikt gemeldet wurde. Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen wollten Eltern am Vormittag ihren siebenjährigen Sohn bei einer Bekannten abholen. Da niemand öffnete, baten sie einen Nachbarn um Hilfe und gelangten so in das Haus. Dort fanden sie den Sohn leblos auf. Da die 69 Jahre alte Bekannte verschwunden war, leitete die Polizei eine Suchaktion ein. Obwohl mehr als zehn Streifen der Schutz und Kriminalpolizei, ein Polizeihubschrauber und ein Mantrailer im Einsatz waren, ergab sich zunächst keine Spur der Frau. Am Samstagabend, gegen 21.30 Uhr, konnte die 69-Jährige nach einem Zeugenhinweis in Künzelsau gefunden und vorläufig festgenommen werden.

Die 69-jährige Frau wurde am Sonntagnachmittag, den 29. April 2018, auf Antrag der Staatsanwaltschaft Heilbronn einer Haftrichterin beim Amtsgericht Öhringen vorgeführt.
Dort wurde Haftbefehl gegen sie erlassen. Die 69-Jährige wurde anschließend in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert.
Gerichtsmediziner haben herausgefunden, so meldet die Polizei am Montag, den 30. April in einer Pressemitteilung, dass Gewalteinwirkung gegen den Hals des Jungen todesursächlich war. Der Siebenjährige wurde am Samstag in einer Badewanne tot aufgefunden, ist aber den bisherigen Ermittlungen zufolge nicht ertrunken. Die Tatverdächtige wird anwaltschaftlich vertreten und schweigt mittlerweile zu den Tatvorwürfen.

Quelle // Pressemitteilungen des Polizeipräsidiums Heilbronn und der Staatsanwaltschaft Heilbronn




„Es wurden Fehler gemacht“

// Video-Interview mit Hans-Jürgen Saknus in Künzelsau und im Hotel-Restaurant Nicklass in Ingelfingen.

So rund ging es innerhalb der SPD schon lange nicht mehr – betrachtet man die vergangenen Monate, in der es die SPD in einer Achterbahnfahrt in die Regierung geschafft hat. Wir wollten vom stellvertretenden SPD-Kreisverbandsvorsitzenden des Hohenlohekreises, Hans-Jürgen Saknus, wissen: Wie sehr hat es wirklich innerhalb der Partei gekracht, über Fehler bei der Integration im Ländle, die fragwürdige Bildungs- und Gesundheitspolitik der Landesregierung. Weitere Themen: Warum Trump seiner Meinung nach ein Trampel ist, Jennifer Aniston besser als Angelina Jolie und warum Stefan Neumann Thilo Michler schlägt.

 

GSCHWÄTZ: Sie sind ja schon lange in der Politik tätig. Warum haben Sie sich für die SPD entschieden?

Saknus: Als ich Konfirmand war, hat mir unser Pfarrer gesagt, dass er SPD wählt. Das hat mich stutzig gemacht, weil ich gedacht habe, der müsste doch CDU wählen, wegen dem christlich im Namen. Aber er erklärte mir, dass es auch um Solidarität geht. Das hat sich in der kirchlichen Jugendarbeit fortgesetzt. Hier sind sehr viele mit der SPD verbandelt.

 

GSCHWÄTZ: Die SPD hat sich ja in den vergangenen Monaten bei den zähen Regierungsverhandlungen nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Wo ist eigentlich Martin Schulz abgeblieben?

Saknus: Es sind Fehler gemacht worden und die Fehler hat er auch eingestanden. Er hat zu vehement eine Nein-Politik verfolgt. Er tritt nicht in die Regierung ein. Die SPD geht sofort in die Opposition – was ja auch gut ankam, denn man war auch regierungsmüde. Aber wenn der Bundespräsident sagt, ihr müsst in Koalitionsgespräche gehen und man sich im politischen Wettbewerb aufstellt, dann kann man sich nicht verweigern.

 

GSCHWÄTZ: Also hat sich Ihrer Meinung die richtige Seite durchgesetzt – die alte Garde, die gedrängt hat, in die Regierung zu gehen, gegen die Jusos, die für eine starke Opposition geworben haben?

Saknus: Ich habe absoluten Respekt vor dem Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert. Er hat das toll gemacht und hat auch viele von den älteren mitgenommen, die gesagt haben: So können wir nicht weitermachen. Ein Weiter-so kann es auch für mich nicht geben, auch nicht in einer Neuauflage einer Großen Koalition – wobei beide Parteien so viel Punkte verloren haben, dass man nicht mehr von einer Großen Koalition sprechen kann.

 

GSCHWÄTZ: Eigentlich ist die SPD keine Volkspartei mehr, oder?

Saknus: Das ist die Problematik. Wir müssen uns als SPD wirklich überlegen, für wen wir stehen und für welche Ziele wir eintreten. Wir brauchen wieder eine Vision für die Zukunft und nicht das Klein-Klein im politischen Betrieb.

 

GSCHWÄTZ: Wie kann diese Vision aussehen?

Saknus: Die SPD muss deutlich Position beziehen, dass wir wieder eine Umverteilung von oben nach unten brauchen. Wir müssen einstehen für Geringverdiener, für die, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, für Familien, für Alleinerziehende. Viele leben am Existenzminimum. Diese Dinge gilt es zu ändern. Der Mindestlohn war ein erster Schritt.

 

// Haben wir ein Integrationsproblem? //

 

GSCHWÄTZ: Vor kurzem hat ein junger Asylbewerber die Scheiben des Jobcenters in Künzelsau eingeschlagen. Haben wir ein Integrationsproblem?

Saknus: Der junge Mann hat sicher ein Problem gehabt, sonst hätte er die Scheiben nicht eingeschlagen. Das ist nicht zu rechtfertigen oder kleinzureden. Aber ich vermute großen Frust dahinter. Asylverfahren dauern bei uns einfach viel zu lange, bis da die entsprechenden Entscheidungen getroffen sind. Wir sind hier ebenso unterbesetzt wie im Bereich Justiz, bei der Polizei und bei der Bundespolizei. Hinzu kommt, dass die jungen Menschen oft aus Ländern kommen, die diese Menschen nicht problemlos wieder zurücknehmen. Verhandeln Sie mal mit Libyen.

 

// Unterbesetzt bei der Polizei und in der Justiz //

 

GSCHWÄTZ: Wie schwer ist es für Neuankömmlinge, Arbeit zu finden?

Saknus: Arbeit zu finden ist nicht schwer, wenn der entsprechende Rechtsstatus geklärt ist. Wir haben aktuell in Öhringen 154 Menschen, die einen Rechtsstatus als Flüchtling oder Asylant haben. Sie haben eine Arbeitserlaubnis. Wir konnten hier auch schon gute Erfolge vorweisen. Über ein Drittel von ihnen hat Arbeit gefunden beziehungsweise ist in einer Ausbildung. Ein Drittel befindet sich in Schulungsmaßnahmen. Und der Rest teilt sich auf. Ich habe nur einen Menschen, der in einer Maßnahme beim Jobcenter ist.
Wie lange dauert es, bis entschieden wird, ob ein Flüchtling bleiben darf?
Saknus: Das Bundesamt für Migration (BAMF) möchte, dass innerhalb eines halben Jahres die Entscheidung darüber fällt – am besten noch schneller. Aber wir haben Asylbewerber, die sind schon über drei Jahre hier und wissen nicht, wie es mit ihnen weitergeht. Ich kann nachvollziehen, wenn diese Menschen Frust schieben. 18 Prozent aller Fälle bundesweit sind unbearbeitet und damit völlig offen in ihrem Ausgang.

 

// Hohenlohes Gesundheitspolitik: „Man darf die Augen nicht vor der Realität verschließen“ //

 

GSCHWÄTZ: Die BBT-Gruppe hat die Mehrheitsanteile des Hohenloher Krankenhauses (HK) bekommen. War die Entscheidung des Kreistages richtig?

Saknus: Wenn ich es richtig sehe, war es die einzige Entscheidung, die möglich war, denn es gab nur einen Anbieter. Ich finde es gut, dass es ein Träger ist, der gemeinnützig aufgestellt ist und dass sie nach Tarif zahlen wollen. Das ist auch eine unserer Forderungen. Und sie haben viel Erfahrung im Seniorenbetreuungsbereich.

 

GSCHWÄTZ: Kann es passieren, dass es dem Neubau in Öhringen wie Künzelsau ergeht und geschlossen wird, wenn er es nicht in die schwarzen Zahlen schafft?

Saknus: Durch die Schließung des Künzelsauer Standortes wird es ja künftig weniger Betten geben. Da ist man an einer kritischen Grenze, ein Krankenhaus zu führen.Man wird sehen, ob sich das Krankenhaus am Markt beweisen wird. Man darf die Augen nicht vor der Realität verschließen und muss hier schon genau hinschauen.

 

GSCHWÄTZ: Was bleibt in Künzelsau übrig von der Gesundheitsversorgung?

Saknus: Wenn ich Strukturveränderungen mache und kleine Krankenhäuser schließe – unsere Landesregierung praktiziert das ja – muss sie auch bereit sein, in neue Modelle zu investieren, etwa in ein medizinisches Versorgungszentrum, das ambulante wie auch teilstationäre Lösungen anbietet.

 

GSCHWÄTZ: Ihr Herzensanliegen auf bundespolitischer Ebene war ja eine Bürgerversicherung – eine Versicherung sowohl für private als auch gesetzlich Versicherte. Kommt die Versicherung nun?

Saknus: Das ist ein längerer Prozess. Aber wir brauchen einen Topf, denn wir können es uns nicht leisten, zwei parallele Systeme zu fahren. Wir sind das einzige Land in Europa, dass das noch so macht.

 

// Lehrermangel im Ländle //

 

GSCHWÄTZ: Immer mehr Schulen auch bei uns im Ländle verzeichnen einen Lehrermangel. Ist der Beruf zu unattraktiv geworden?

Saknus: Nein. Wir haben vielmehr ein Problem mit der Landesregierung, die nicht klar sagt, ob sie Lehrerplätze abbauen oder neue Lehrer einstellen möchte. Wir haben zu wenig Studienplätze und gleichzeitig viele Lehrer, die in Ruhestand gehen.

 

GSCHWÄTZ: Baden-Württemberg war ja mal Musterländle, was Pisa-Tests betrifft. Mittlerweile sind wir auf die vorletzten Plätze abgerutscht. Woran liegt das?

Saknus: Wir haben einen Reformstau. Vor allem die Gemeinschaftsschulen, die es seit ein paar Jahren in Baden-Württemberg gibt, werden nicht richtig unterstützt.

 

GSCHWÄTZ: Manche Schulleiter hier bei uns haben genug von den vielen Reformen in den vergangenen Jahren.
Saknus: Mit Reformen meine ich nicht, dass von oben etwas herunterverordnet wird, sondern im Gegenteil: dass die Schulen wieder mehr Freiheiten bekommen. Schulleiter bräuchten Unterstützung, es müsste mehr Sozialarbeiter an Schulen geben, aber das ist alles wieder zusammengestrichen worden.

 

Im Hotel-Restaurant Nicklass in Ingelfingen haben wir Herrn Saknus jeweils zwei Bilder vorgelegt, zwischen denen er sich entscheiden sollte.

 

GSCHWÄTZ: Fußball: VfB Stuttgart oder FC Bayern München?
Saknus: Bayern München ist ein toller Verein beziehungsweise eine tolle Mannschaft mit tollen Erfolgen, aber das Herz schlägt ganz klar im Schwabenland für den VfB. Aber ich muss gestehen, ich bin auch ein Franken-Fan. Ich bin gern beim FC Nürnberg.

GSCHWÄTZ: Haben Sie Fußball gespielt?
Saknus: Ja, in der Jugend habe ich viel gespielt und ich war auch 13 Jahre lang beim SSV Gaisbach
Jugendtrainer.

GSCHWÄTZ: Jennifer Aniston oder Angelina Jolie?
Saknus: Ich finde beide Frauen total bezaubernd. Aber vom Typ her würde ich eher Jennifer Aniston wählen.

GSCHWÄTZ: Hillary Clinton oder Angela Merkel?
Saknus: Auch wenn Hillary Clinton einer demokratischen Partei angehört, würde ich mich für Angela Merkel entscheiden. Sie ist ja eine Person, die viele SPD-Positionen gerne übernimmt (lacht).

GSCHWÄTZ: Donald Trump oder Wladimir Putin?
Saknus: Ich finde, Donald Trump ist ein Trampel. Er regiert über Twitter. Das geht gar nicht. Alles zweifelt am Bündnis mit den USA. Von daher muss ich mich für Putin entscheiden. Der macht das feiner. Wir müssen auch Lösungen finden mit Russland, mit dem Osten.

GSCHWÄTZ: Öhringens Bürgermeister Thilo Michler oder Künzelsaus‘ Bürgermeister Stefan Neumann?
Saknus: Jetzt bringen Sie mich aber in einen echten Konflikt. Thilo Michler ist mein Chef in Öhringen. Ich wohne aber in Künzelsau und bin dort auch Gemeinderat (überlegt). Da ich Jugendreferent bin, entscheide ich mich für die Jugend und nehme Stefan Neumann. Er ist ein bisschen jünger als Thilo Michler. Aber ich kann mit beiden gut.

 

// Hans-Jürgen Saknus //

Hans-Jürgen Saknus (59) ist stellvertretender SPD-Kreisverbandsvorsitzender des Hohenlohekreises. Der Wahlkünzelsauer wurde am 07. November 1956 geboren, hat nach der Realschule und einer Schreinerlehre Religions- und Gemeindepädagogik studiert, ist verheiratet und hat drei mittlerweile erwachsene Kinder. Saknus arbeitet bei der Stadt Öhringen als Jugendreferent und Integrationsbeauftragter. Während unserer Interviews präsentierte sich Saknus offen, kritisch und als jemand, der sozial Benachteiligten helfen möchte.
Video-Interview in Künzelsau und Ingelfingen Das Video-Interview mit Hans-Jürgen Saknus wurde in Künzelsau und Ingelfingen gedreht.

 

Das Interview führte Dr. Sandra Hartmann; Dreh und Schnitt: Dr. Felix Kribus;




Video: Annaweech live in Künzelsau // Konzertmitschnitt & Interview

„Warum wir auf Hohenlohisch singen? Weil Englisch zu schwer ist und Hochdeutsch nicht authentisch wäre“, verrät Annaweech-Mitglied Peter Botsch im Interview. Dr. Felix Kribus lauschte den Annaweechlern bei ihrem Konzert in Künzelsau und wollte von Botsch unter anderem wissen, warum sie sich Annaweech genannt haben.

Annaweech – das sind fünf Männer im besten Vorruhestandsalter. Die Mundartband aus Hohenlohe. Kein Bayern-Sevilla-Fussballspiel konnte 400 Zuschauer am Mittwoch, den 11. April 2018, abhalten, in der Künzelsauer Stadthalle die fünfköpfige Hohenloher Band Annaweech um Peter Botsch und Frank Winkler zu sehen. Ein Abend voller tiefgründig-oberflächlicher Verse mit Gitarrenklängen, Keyboard und Schlagzeug. Kein Auge blieb trocken beim feucht-fröhlichen Stelldichein dieser lebenserfahrenen Herren.

Lauschen Sie in unserem Video, was die Hohenloher Herren zu singen und zu sagen haben.

 

Foto // Annaweech




„Man kann den Wohnungsmarkt in Künzelsau als angespannt bezeichnen“

// Für Familien, Alleinerziehende, Geringverdiener und Bedürftige wird es immer schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden

Margot* wohnt mit ihrer Tochter in Künzelsau-Taläcker. Sie ist alleinerziehend. Während ihres Aufenthalts im Frauenhaus musste sie schnell eine günstige Wohnung finden. Sie ist auf das Geld vom Jobcenter angewiesen. Ihre 60 Quadratmeter kleine Zwei-Zimmerwohnung kostet aber anstatt der vom Jobcenter bezahlten 290,40 Euro 390 Euro kalt.  Schaut man sich in den Internetportalen um, findet man selten günstigere Wohnungen. Die Differenz von monatlich 100 Euro muss sie selbst zahlen. Durch diese 100 Euro mehr an Miete bleiben ihr monatlich zirka 150 Euro für Lebensmittel, Kleidung und sonstige Ausgaben für sich und ihre Tochter.

Ihr Vermieter Klaus Berger* hat nur Umstände: „Die Kosten für den Tiefgaragenstellplatz werden nicht vom Jobcenter übernommen. Somit muss Margot einen Stellplatz zahlen, den sie nicht nutzen kann, weil sie keinen Führerschein hat.  Untervermieten kommt nicht in Frage. Denn: „Was mache ich, wenn Margot auszieht und ich den Stellplatz sofort wieder brauche?“, fragt Berger.  Den Strom für die Tiefgarage muss er für das Jobcenter aufführen, da dies nicht von den allgemeinen Nebenkosten übernommen werde.

Seit Mai 2017 wartet der Vermieter auf die Nachzahlung für die Nebenkosten. Es kam zu einen Fehler mit dem Jobcenter und seit Januar 2018 weiß Margot, dass sie die Mehrkosten an den Nebenkosten selbst tragen muss. „Als ich mich für die Wohnung beworben habe, konnte ich dem Vermieter keinerlei Sicherheiten bieten, außer dass ich auf seine Wohnung aufpasse und sie immer sauber halte. Aber ich bin froh, dass er mich versteht und auch bei der Sache mit den Nebenkosten und dem Jobcenter hinter mir steht“, erzählt Margot.

4,84 Euro pro Quadratmeter bekommt ein Zwei-Personen-Haushalt für eine maximal 60 Quadratmeter große Wohnung in Künzelsau als Leistungsempfänger vom Jobcenter Hohenlohekreis. Dieser Stand gilt seit 2011. Das wären 290,40 Euro für die Kaltmiete. Bei Wohnungsboerse.net lag der durchschnittliche Mietpreis in Künzelsau 2017 bei 7,29 Euro pro Quadratmeter. Bei 60 Quadratmeter wäre das eine Miete 437,40 Euro – also weit mehr als der  Betrag, den Bedürftige an Wohnzuschuss bekommen. Also muss man, notgedrungen, auf Randgebiete oder Teilorte zurückgreifen.

Auch die Kosten für die Bergbahn von Taläcker nach Künzelsau, um zum Beispiel Lebensmittel einzukaufen oder mit ihrer Tochter in die Stadt zu fahren, trägt Margot selbst. Ihr Bus- und Bahnticket, um zu ihrer Teilzeitarbeitsstelle zu kommen, kostet sie monatlich 88 Euro. Das Jobcenter Hohenlohekreis sagt hierzu auf GSCHWÄTZ-Nachfrage: „Das Jobcenter erstattet auf Antrag in bestimmten Fällen Fahrtkosten für Anfahrten zu einem Termin im Jobcenter, zu einem Vorstellungsgespräch oder zu einer Teilnahme an einer Maßnahme.“

Vor zwei Monaten gab es auf Facebook an die Stadt Künzelsau eine Anfrage zum bezahlbaren Wohnen in der Kreisstadt. Die Stadt hat darauf reagiert.

Auf der Facebook-Seite der Stadt Künzelsau gab es zu der Ankündigung der Einwohnerversammlung am 04. Februar 2018 einen Kommentar mit der Frage zu bezahlbarem Wohnraum. Die Stadt Künzelsau hat angekündigt, bezahlbaren Wohnraum in Gaisbach zu schaffen. Das ändert jedoch für bedürftige Bürger wie Margot nichts. Sie bleiben auf ein Fahrzeug oder öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Denn bezahlbarer Wohnraum in der Kernstadt bleibt Mangelware.

„Man kann den Mietwohnungsmarkt in Künzelsau als angespannt bezeichnen, vor allem im preisgünstigen Segment“, bestätigt Rolf Hofacker vom Kreisbau Künzelsau. „Der Kreisbau Künzelsau verfügt über 670 Mietwohngen. Davon sind 70 Wohnungen mietpreisgebunden, sogenannte Sozialwohnungen“, so Hofacker weiter. Derzeit seien laut der Kreisbau Künzelsau 300 Mietsuchende registriert.

Alfred Huber, Vorsitzender des Mieterbundes  Heilbronn-Franken e.V. erklärt: „Die ortsübliche Vergleichsmiete wird in vielen Städten durch den Mietspiegel gebildet. Künzelsau hat offensichtlich keinen Mietspiegel.“

Auf Margot kommt 2019 eine Mieterhöhung zu, sie möchte aber versuchen, die Wohnung zu behalten, denn bei über 300 Konkurrenten eine neue günstige Wohnung zu finden, scheint schwierig.

 

„Man baut lieber teure Eigentums-, anstatt Mietwohnungen“ 

// Zur aktuell angespannten Wohnraumsituation in Künzelsau hat Nadja Fischer mit Alfred Huber, Vorsitzender des Mieterbundes  Heilbronn-Franken e.V., gesprochen.

Hat sich die Zahl der Sozialwohnungen in den letzten Jahren geändert?

Huber: In ganz Baden-Württemberg wurden 2017 nur Mittel für 1.300 Mietwohnungen, statt der möglichen 3.200 Wohnungen von den Wohnungsunternehmen beim Land beantragt. Man baut eben lieber teure Eigentumswohnungen oder Appartements als Mietwohnungen. Wir als Mieterbund Heilbronn-Franken appellieren an die Wohnungsgenossenschaften der Region Heilbronn-Franken, ihrer Verantwortung für die Bezieher kleinerer und mittlerer Einkommen gerecht zu werden und die Mietwohnungsförderung durch das Landeswohnungsprogramm in Anspruch zu nehmen.

Was hat ein Vermieter davon, eine Sozialwohnung anzubieten?

Huber: Vom Land Baden-Württemberg gibt es für den Bau von geförderten Wohnungen Zinsverbilligung beziehungsweise nachdem die Zinsen zurzeit derart niedrig sind, einen beträchtlichen Zuschuss. Abgesehen davon kann sich für den Bauherrn die Investition in eine Sozialwohnung auf lange Sicht als sichere Anlage gut rentieren.

Künzelsau ist auch eine Studentenstadt. Gab es in der Hinsicht eine Tendenz, Wohnungen bevorzugt als Wohngemeinschaften anzubieten?

Huber: Derzeit gibt es fast einen Bauboom an – teuren – Appartements für die Zielgruppe Studenten. Nichtsdestotrotz bilden viele junge Menschen aus Kostengründen Wohngemeinschaften und zahlen höhere Mieten, gar mit einer Mietbürgschaft der Eltern im Rücken. Dass Senioren und Familien bei der Bewerbung um eine bezahlbare Wohnung oft den Kürzeren ziehen, liegt auf der Hand. Für manche Hausbesitzer ist die Vermietung an Studenten zum Geschäftsmodell geworden.

 

Beliebt bei Studenten 

// Bürgermeister Stefan Neumann zum Wohnungsmarkt:

„In Künzelsau ist Wohnraum für verschiedene Zielgruppen vorhanden, der auch begehrt ist. Kleinere Wohneinheiten sind, bedingt durch die Studenten an der Reinhold-Würth-Hochschule, stark nachgefragt. Aber auch Familien wohnen gerne in der Stadt. Wir sind froh, dass die Bauträger der Region attraktive Wohnungen – auch für Familien – hauptsächlich in der Kernstadt, im Wohngebiet Taläcker und in Gaisbach schaffen. Auch die Stadtverwaltung Künzelsau vermietet Wohnungen, die größtenteils für Studenten zur Verfügung gestellt werden. Grundsätzlich sind zeitgemäße und attraktive Wohnungen in der Kernstadt begehrt. Wir sind permanent dabei, unsere Innenstadt weiterzuentwickeln. Dabei nutzen wir Sanierungsprogramme des Landes und haben in der Vergangenheit auch mit städtischen Mitteln private Maßnahmen gefördert. Weil wir weitere Bauflächen schaffen, tragen wir dazu bei, dass Wohnraum neu entsteht. Zusätzlich unterstützen wir die Sanierung und Umnutzung von vorhandener Bausubstanz.“

 

// * Die Personen wurden anonymisiert.

// Fotos: GSCHWÄTZ/Archiv




Wackelt auch Öhringen?

Ein Kommentar von Matthias Lauterer.

Am Mittwoch, den 21. März 2018, (frühzeitige Platzbelegung könnte angeraten sein, denn der Verein Mehr Demokratie e.V. hat sich zu dem Thema Volksantrag angesagt) wird also angeblich über die Zukunft der medizinischen Versorgung des Hohenlohekreises entschieden. Eine wirkliche Entscheidung ist es wohl nicht, denn es gibt nur einen einzigen Anbieter, der noch in der Lostrommel steckt.

Und eine Abstimmung über die Zukunft der medizinischen Versorgung ist es auch nicht: Es ist genaugenommen nur eine Entscheidung über den zukünftigen Betreiber des Krankenhauses. Über das „Drumherum“ wird gar nicht entschieden, dafür bestünden immerhin „Modelle“ oder „Varianten“, die aber noch „zu konkretisieren“ seien und über ein „Konzept“ müsse noch entschieden werden.

Nichtsdestotrotz ist jetzt schon klar, daß es eine riesige Mehrheit geben wird, denn die Entscheidung ist ja ganz offensichtlich „alternativlos“. Wir und der Kandidat müssen uns da keine Sorgen machen: Am Ende wird die BBT als alleiniger Bieter den Zuschlag erhalten – wahrscheinlich zu sehr vorteilhaften Bedingungen, da  Landrat Matthias Neth den vorgeblichen Verlustbringer Krankenhaus gewißlich wenigstens für die nächste Zeit erstmal vom Hals haben will.

Und man wird wohl in einer Pressemitteilung noch betonen, wie toll es doch sei, daß man einen „lokal engagierten“ Partner „gewonnen“ habe, mit dem „die Zukunft der Medizinversorgung im Hohenlohekreis gesichert“ ist.

Es bleibt die Frage offen, warum von den vielen Anbietern auf dem „Gesundheitsmarkt“ – eine „eine zweistellige Zahl an Interessenten“ folgte schließlich „der Aufforderung zur Abgabe einer Interessenbekundung“ – überhaupt nur einer übriggeblieben ist – und vor allem, warum ein zweiter Anbieter ganz kurz vor dem Ende des Verfahrens sich überraschend entschlossen hat, doch kein Gebot abzugeben.

Nun, laut Sitzungsvorlage liegen den Absagen vieler Bieter „negative Bewertungen bzgl. der Zukunftsaussichten des Standorts Öhringen“ zugrunde …
Nur gut, daß diese Haupthäuser durch die stündliche Buslinie nach Mergentheim … ach, nein, über den Stundentakt wird ja auch schon wieder nachgedacht …

Und warum erfährt man wieder nichts, was über das eigentliche Krankenhaus hinausgeht? Die Vernetzung der Fachärzte mit den stationären und ambulanten Strukturen, die heutzutage von den beiden Krankenhäusern im Hohenlohekreis in guter Qualität angeboten werden? Die notwendige Verstärkung der Rettungsdienste und Transportdienste? Dazu heißt es nur:
„Dieses Nachnutzungskonzept der BBT-Gruppe für Künzelsau zeigt fünf verschiedene Modelle oder Varianten auf, die von BBT nach Übernahme der Geschäftsanteile an HK innerhalb definierter Fristen noch weiter zu konkretisieren sind. Ein Nachnutzungskonzept für Künzelsau ist einzig kommunal zu finanzieren. Über ein entsprechendes Konzept muss der Kreistag im Laufe des Jahres 2018 entscheiden.“

Ich gehe selbstverständlich zuversichtlich davon aus, daß unser Landrat bereits für ganz kurz nach dem 21.3. eine große Informationsveranstaltung für die Bürger geplant hat, um die fünf Modelle vorzustellen und die Meinung und den konstruktiven Input der Bürger abzuholen.

Leider sind weiterhin nur inhaltsleere Worthülsen im Umlauf – jetzt ist plötzlich nicht mehr das vom Landrat so bezeichnete Medizinische Versorgungs Zentrum MVZ aktuell sondern jetzt bereichert der Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann seinen Wahlkampf und unseren Wortschatz in einem Statement fürs Gschwaetz durch das wohlklingende Wort Gesundheitscampus (ich sehe gerade: das Wort ist noch so frisch, das steht noch gar nicht auf meinem Bingo-Kärtchen), ohne allerdings zu sagen, was das überhaupt sein soll und wie sich dieser von einem ebenso undefinierten MVZ unterscheiden soll.

Stefan Neumann befindet sich schon im Wahlkampfmodus – aber mit inhaltsleeren Worthülsen ist niemandem gedient und das Thema ist zu wichtig, als daß es durch noch so toll klingende Wortschöpfungen zu erschlagen wäre.

Nein – es müssen endlich Konzepte und Zahlen öffentlich kommuniziert werden und es braucht eine konstruktive Beteiligung der Betroffenen: der Bürger und vor auch von denjenigen, die heute und in Zukunft die medizinische Versorgung der Bürger gewährleisten! Ob ich das dem  Bürgermeister oder dem Landrat sage oder an eine  Parkuhr predige … wir werden irgendwann überrascht mit einer Versorgung, die „nachhaltig und für die Zukunft tragfähig“ ist.

Den kompletten Kommentar gibt es auf:

https://matthiasausk.blogspot.de/2018/03/wahlkampf-und-worthulsenalarm-rund-um.html

 




3D-Malerei in Kiau // Video zum neuen Street-Art-Projekt

von Nadja Fischer

Zur Begleitung von Alexander Gersts Mission „Horizons“ 2018 stehen in den kommenden 90 Tagen neun Street-Art-Projekte in der Stadt Künzelsau an. Neun nationale und internationale Künstler kommen nach Künzelsau und stellen ihre Street-Art-Kunstwerke zur Schau.

Den Auftakt machen Adry del Rocio und Ruben Poncia mit 3D-Malerie. Mit einer bestimmten Acylfarbe und Pinselen haben die beiden Alexander Gerst innerhalb von dreieinhalb Tagen auf den Wertwiesen-Parkplatz gemalt. Seit Donnerstag, den 08. März 2018, ist das Kunstwerk fertig: „Ich bin sehr auf das Gesicht von Alexander Gerst gespannt, wenn er sich auf dem Wertwiesen-Parkplatz sieht“, sagt Bürgermeister Stefan Neumann bei der offiziellen Pressevorstellung.

Die 3D-Wirkung entsteht nur, wenn man auf einer bestimmten Position steht. Dann sieht es so aus, als ob man sich mitten im Kunstwerk befindet. Je nachdem wie das Wetter ist und auch wie oft das Kunstwerk betreten wird, wird das Bild bis zu zwei Jahre auf der Straße zu sehen sein. Auf die Frage, ob es dem Künstler nichts ausmacht, dass das Kunstwerk irgendwann nicht mehr existent sein wird, antwortete Ruben Poncia: „Alles ist vergänglich, aber die Fotos der Besucher bleiben.“ Die Adolf Würth GmbH & Co. KG und ebm-papst Mulfingen GmbH & Co. KG unterstützen die Aktion als Groß-, die Sparkasse Hohenlohekreis als Kleinsponsor.

Die Künstler erklären, wie sie das 3D-Kunstwerk angefertigt haben:

Wir haben Künzelsaus‘ Bürgermeister Stefan Neumann gefragt, wie er zu Street-Art gekommen ist und was das Projekt gekostet hat. Seine Antwort seht ihr in dem Video:

// Fotos und Videos: GSCHWÄTZ

 

 

 




Video // Florian Rößler mit Twilight Zone im Herimouthsaal + Interview

Video-Reporterin: Isabell Kähny; Schnitt und Produktion: Dr. Felix Kribus

„Der Herimouthsaal ist einfach ein ein Klassiker zum Feiern“, sagt Florian Rößler, Sänger der Band Twilight Zone am Samstag, den 03. März 2018 beim Video-Interview für GSCHWÄTZ. So rocken denn auch Twilight Zone & the Humpa Horns an diesem Abend den Saal – ziemlich lässig, ziemlich originell und ziemlich vielseitig. Ob Deutsch oder Englisch – man hatte das Gefühl, die Band kann alles, auch mit ihren Instrumenten. Das Konzert stand unter dem Motto „Mit Freunden – bei Freunden“. „Da der Herimouthsaal eine nicht wegzudenkende Tanzgelegenheit mit Kultstatus in unserer Region ist, wollten wir an diesem Abend alte Erinnerungen an Abende im Herimoutsaal aufleben lassen. Wir wollten Menschen die Möglichkeit geben, sich mit ihren Hermuth-Bekanntschaften an diesem Abend zu treffen und auf gemeinsame Erlebnisse zurückzublicken“, so der Musiker, der seit einem Jahr ein Teil von Twilight Zone ist.

Florian freut sich wieder in der Heimat zu sein, wohnt er doch selbst nur im ein paar wenige Kilometer entfernten Ohrenbach.

Angefangen hat seine musikalische Karriere ganz bescheiden im Schulchor in der Grundschule in Amrichshausen, später ging es mit Musik im Schlossgymnasium in Künzelsau weiter.

Die Band hat mittlerweile Auftritte vor mehreren tausenden Menschen, auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart haben sie schon gespielt, im Würzburger Raum und im Main-Tauber-Kreis sind sie viel unterwegs. „Ein Traum wäre es von mir, Twilight Zone mehr in die Region zu uns zu bringen“, sagt Florian Rößler.

// Auftritte Twilight Zone //

Der nächste Auftritt von Twilight Zone ist am Samstag, den 10. März 2018 zur Mega-Party-Night in Külsheim. Dann geht es weiter am 24. März 2018 zur Nachterlebniswelt in Dautenwinden, bevor sie am 01. April 2018 zur Happy Easter Party in Bieringen aufschlagen. Weitere Termine und Informationen über die Band gibt es auf http://www.twilightzone-band.de




Kleines Silicon Valley in Künzelsau

// Regionales Digitalisierungszentrum entsteht am Hochschulcampus Künzelsau

Zehn regionale Digitalisierungszentren namens „Digital Hubs“ sollen laut dem Land Baden-Württemberg entstehen. Das Land fördert diese Zentren, die wie eine Art Silicon Valley sein sollen, mit insgesamt rund zehn Millionen Euro. Laut einer Pressemitteilung des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg sollen die Digital Hubs eine Drehscheibe für digitale Innovationen und Transformation in den Regionen Baden-Württembergs sein – in Zusammenarbeit von Unternehmen und Start-ups vor Ort.

„Tatsächlich wird es in Künzelsau einen physischen Ort in Form eines Gebäudes im direkten Umfeld des Hochschulcampus entstehen. Dabei hat das Digital Hub einerseits einen Beratungsauftrag für mittelständische Unternehmen, aber auch für Existenzgründer rund um das Themenfeld Digitalisierung. Andererseits soll es Plattformen zur Vernetzung und zum Austausch bieten und die Infrastruktur für temporäre Arbeitsplätze vorhalten“, so Dr. Andreas Schumm, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH, auf GSCHWÄTZ-Anfrage. Schumm weiter: „Eine klare und eindeutige Definition des Begriffs Digital Hub gibt es leider nicht. Dies ist unter anderem auch der Tatsache geschuldet, dass es von Landesseite gewünscht regionale, bedarfsorientierte Ansätze verfolgt werden sollten.“

Stefanie Neuffer, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, erklärt auf GSCHWÄTZ-Anfrage: „Die regionalen Digital Hubs sollen im Sinne einer regionalen Drehscheibe für die Digitalisierung verschiedene Akteure wie bestehende Unternehmen, Start-ups, Forschungs- und Transfereinrichtungen, Hochschulen, Vertreter der IKT- und Kreativwirtschaft, Verbände und Kammern räumlich zusammenbringen.“

Die Projektskizze soll in den nächsten Monaten ausdefiniert werden, damit Künzelsau auch die Gelder vom Land bekommt. Gegenwärtig wird davon ausgegangen, dass das Digital Hub ab September 2018 die Arbeit aufnehmen kann.

// Fotos: deutsche-startups, Facebook