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Der langsame Fall eines großen Jeansherstellers

Kommentar.

Eine Ära geht zu Ende. Klingt zu schmalzig? Ist aber so. Sicher, wenn Würth Künzelsau verlassen würde, läge die gesamte Kreisstadt am Boden. Aber Mustang ist ebenfalls ein Urgestein und ein unvergleichliches noch dazu. Ein Nachruf.

Nun ist es also amtlich. Das Herz des Jeans-Herstellers und einst gefürchteten Konkurrenten von Levi Strauss schließt seine Zentrale in Künzelsau. Dort, wo alles begann. Schwäbisch Hall sei der attraktivere Standort mit Bahnanbindung für diese Entscheidung gewesen, heißt es. Aha.

Personalabbau, Personalabbau, Personalabbau

Wer glaubt, dass die Jeans mit der Bahn irgendwohin gefahren wird, der lebt noch im Land der Cowboy und Indianer- zumal Mustang seine Produktion schon seit Längerem ins Ausland verlagert hat. Wo die Zentrale eines Unternehmens sitzt, ist nicht ausschlaggebend für deren Erfolg. Aber das scheint auch Berner nicht so richtig verstanden zu haben.

Der schlichte Grund für den Wechsel nach Hall: Mustangs Geschäftszahlen sind seit Jahren alles andere als berauschend. Der Verkauf des Areals in der Künzelsauer Innenstadt würde zumindest kurzfristig Geld in die Kassen des angeschlagenen Unternehmens spülen (schließlich haben auch die Investoren viel Geld in Mustang investiert, das sie ungern verlieren möchten), ziehen sie doch in die Gebäude in Schwäbisch Hall zur Miete (obwohl man gar nicht wissen möchte, wie hoch die Miete der neuen Räume ist). Eins ist klar: Die Investoren hängen offensichtlich weit weniger an dem Standort Künzelsau, als die Familie Sefranek. Aber das ist eben, so bitter es klingen mag, business as usal. Die Entlassungswelle rollt ebenfalls seit Jahren über die Mitarbeiter hinweg. In Schwäbisch Hall wird es nur fortan weniger auffallen.

Was ist schief gelaufen, dass der einstmalige Riese so zusammengeschrumpft ist?

Als Heiner Sefranek damals das Zepter von seinem Vater Albert übernahm, wollte er es verjüngen. Man hatte nicht mehr nur die mittlere Altersklasse zwischen 40 und 60 im Blick, die schon seit Jahren Mustang-Jeans kauft, eine solide Kaufkraft haben und ein bestimmtes Jeansmodell, das sie immer anziehen. Verjüngen wollte man sich unter anderem mit der mehr als verrückten Marke W&LT. Ein Unterfangen, das man nach geraumer Zeit wieder im Sand verbuddelt hat. Das Produktsortiment wurde erweitert. Kunden konnten fortan in den Shops und Stores auch Oberteile, Schuhe, Taschen und Gürtel kaufen. Alles Zukäufe – und das Kernprodukt? Wie heißt es so schön: Never stop a running system. Was so viel heißt, wie: Wenn etwas gut läuft, lass es weiterlaufen…Die Jeans ist gut gelaufen und dennoch hat man sie verändert: in der Form, in der Qualität, in der Farbe und Mustang verlor das Wertvollste, was es besaß: seine Stammkundschaft.

Künzelsau verliert ein Pionierunternehmen

Mit dem Verkauf fast aller Anteile der Familie Sefranek ging damals bereits eine Ära zu Ende, weil es immer so ist, wenn fremde Investoren mit ins Boot steigen und das Ruder übernehmen: Man weiß nicht mehr, wohin es gehen wird.

Der nun eingeschlagene Weg ist nicht nur bitter für die Familien Sefranek und Hermann, die einst etwas Großes aufgebaut haben, sondern auch bitter für die Stadt Künzelsau, ein Pionier-Unternehmen zu verlieren und vor allem bitter für alle Mitarbeiter, die in der Zentrale seit Jahren und Jahrzehnten ebenfalls Großes geleistet haben und nun ebenfalls die Wahl haben: gehen oder bleiben.

Foto: GSCHWÄTZ




Künzelsau verliert Mustang

Nun ist der Deal durch: Mustang zieht nach Schwäbisch Hall. Das betrifft die gesamte Mustang-Mitarbeiterbelegschaft – bis auf das Outlet, das soll Künzelsau laut der Südwestpresse (SWP) erhalten bleiben – eventuell auch das Mustang Museum, was aber noch nicht sicher sei, so SWP. Ein Lebensmittelmarkt soll an der Stelle in der Austraße neben Zoo Schierle und gegenüber von Metzger Reisen platziert werden. Ein Lebensmittelmarkt, den es schon einmal gab, nur anders verpackt. Lesen Sie mehr:

 

 




12 Planer geben Künzelsau in 5 Monaten ein neues Erscheinungsbild

In nur fünf Monaten, bis zum Ende des Jahres 2018, soll es stehen: Das Konzept, wie Künzelsau sich verändern möchte auf der Achse – Rathaus – Landratsamt- Kaufland. 12 Städtplaner haben sich für die Neugestaltung dieses Areals beworben.

Am 4. Juli 2018 hat Bürgermeister Stefan Neumann mit Beteiligung von Beate Silbereis-Scharf als Vertreterin des Landratsamts, verschiedenen Stadtplanern und Architekten, den Rahmen für den Planungswettbewerb zum Stadteingang von Künzelsau abgesteckt. Ziel des Wettbewerbs ist es, eine optimale städtebauliche Lösung für die Neuordnung des Landratsamts zu erarbeiten und zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten für den Einzelhandel, den Verkehr und das Parken aufzuzeigen.

Der Plan zeigt das Wettbewerbsgebiet „Stadteingang Stuttgarter Straße“ mit einer Fläche von rund sechs Hektar. Urheber: Pesch Partner Architekten Stadtplaner GmbH, Dortmund/Stuttgart.

Neumann: „Riesenchance für die nächste Generation“

„Das ist eine Riesenchance für die nächsten Generationen den Stadteingang zu gestalten“, so Bürgermeister Stefan Neumann. Zwölf Planungsbüros hätten die Aufgabe angenommen, bis Ende Oktober 2018 Pläne und Modelle mit ihren Ideen und Vorstellungen für eine zukünftige optimale Nutzung des Stadteingangs einzureichen, so eine Pressemitteilung der Stadt Künzelsau. „Das Verfahren dauert nur knapp fünf Monate, dann haben wir eine städtebauliche Struktur, auf die wir aufbauen können, die aufzeigt, wie sich in Zukunft alles ordnen könnte.“ Stadtbaumeister Peter Blumhagen ergänzt: „Das sind alles renommierte Büros, die sich auf die Ausschreibung gemeldet haben. Es konnten sich Büros aus dem gesamten Bundesgebiet bewerben.“  Mitte Dezember werde ein Preisgericht die eingereichten Arbeiten sichten und bewerten. Die Wettbewerbsergebnisse und Ideen der Planer können auch, so die Stadt, für den geplanten Neubau des Landratsamts wertvolle Planungshilfe sein und dort mit einfließen. Deshalb beteilige sich auch der Hohenlohekreis am Planungswettbewerb und übernehme auch die Hälfte der Kosten.

Einzelhandel: „Optimale Versorgung der Stadt“

Besonders wichtig sei dem Gemeinderat und der Stadtverwaltung eine o“ptimale Versorgung der Innenstadt“, deshalb werde auch die Fläche des heutigen Kauflandes betrachtet. Es wird dabei der Frage nachgegangen, wie Einzelhandel dort und im Wettbewerbsbereich, also der Kernstadt, langfristig attraktiv und damit gesichert werden kann.

„Das heutige Kauflandgelände ist sowohl unter dem Aspekt der Versorgung unserer Stadt und ihrer Besucher als auch unter städtebaulichen Aspekten von großer Bedeutung. Deshalb“, so Bürgermeister Stefan Neumann, „sollten wir als Grundlage für Veränderungen dort die Ergebnisse des Wettbewerbs verwenden und uns alle die Zeit für gute Planungen und Überlegungen geben.“ Die Stadtverwaltung sei mit den Beteiligten im Gespräch und strebe eine für alle gute und zukunftsfähige Lösung an.

„Bei all den Vorhaben ist uns als Stadt Künzelsau eine ganzheitliche städtebauliche Entwicklung wichtig“, so Bürgermeister Stefan Neumann mit Blick auf die Planungen zum Quartier An der Stadtmauer. Es sei ein Konzept in Auftrag gegeben worden, das Entwicklungsmöglichkeiten des Einzelhandels im Fokus habe. Erste Ergebnisse werden noch in diesem Monat erwartet und fließen auch in die Entwicklung künftiger Potenzialflächen in der Würzburger Straße ein, so die Stadt.

Auf der Freifläche neben dem Kaufland könnte das neue Landratsamt gebaut werden. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Foto: Der Plan zeigt das Wettbewerbsgebiet „Stadteingang Stuttgarter Straße“ mit einer Fläche von rund sechs Hektar. Urheber: Pesch Partner Architekten Stadtplaner GmbH, Dortmund/Stuttgart.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau

So soll das Quartier an der Stadtmauer künftig ausschauen. Grafik zur Verfügung gestellt von der Stadtverwaltung Künzelsau

 




Zwischen dem Raum der Stille und orangefarbenen Spints – Rundgang im neuen Ganerben-Gymnasium

Nach fünf Jahren Bauzeit sind die Sanierungs- und Renovierungsarbeiten des Ganerben-Gymnasium in Künzelsau abgeschlossen.

Bei der Einweihung am Mittwoch, den 4. Juli 2018, bekamen wir einen Einblick in das fertige Gebäude und unterhielten uns mit Edwin Straßer, dem Schulleiter des Ganerben-Gymnasiums, was er von Filmen wie „Fack ju Göhte“ hält: „Der erste Film ist natürlich überzeichnet und das was er tun soll tut er auch. Mein Film-Genre ist es nicht.“ Straßer ist sich aber sicher: „Der Raum ist der dritte Pädagoge.“ Will heißen: In Wohlfühlräumen und in einer sinnig gestalteten Umgebung lernen Schüler besser.

Das Kurzinterview mit Edwin Straßer sehen Sie im Video:

 

Sitzgelegenheiten im Aussenbereich fehlen noch

Straßer ist sich sicher, dass die Schüler jetzt, nach der Renovierung, mit mehr Elan in die Schule gehen. „Schule ist Lebensraum. Wenn man von 7.30 Uhr bis 17.30 Uhr an der Schule ist, dann muss ein Gebäude ansprechend sein. Es geht nicht nur ums Lernen“, erklärt Straßer. So ganz fertig ist das Ganerben-Gymnasium allerdings noch nicht. Es fehlen laut Straßer noch Sitzgelegenheiten im Aussenbereich sowie zum Beispiel die Renovierung der Umkleidekabinen in der Turnhalle.

Sitzgelegenheiten, die Straßer sich selbst überlegte und bei einem Schreiner in Auftrag gab

Dank Aufzügen endlich barrierefrei

Das für seine unzähligen Treppenstufen bekannte Gymnasium ist nun barrierefrei. Martin Reuter, Lehrer auf dem Ganerben-Gymnasium, erklärt, was sich geändert hat:

„Es ist wichtig, dass man Diskussionen führt. Brauchen wir eine Mensa? Jawohl, wir brauchen eine Mensa“, so Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann bei seiner Rede bei der Einweihungsfeier. Die Mensa hatte zuvor 40 bis 50 Sitzplätze, mittlerweile 122 Sitzplätz. „Die Kinder essen in Schichten. Nach der fünften Stunde haben wir eine Schicht und nach der sechsten Stunde haben wir eine Schicht, deshalb kommen wir mit den Sitzplätz jetzt ganz gut hin“, erklärt Reuter.

Früher Kunsträume, heute Mensa

 

Martin Reuter gewährt und einen Einblick in die neue Mensa. Früher befanden sich hier die Kunsträume:

Mensa

Was sich noch geändert hat:

Bibliothek mit Leseecke

Raum der Stille – er dient als Rückzugsort und wird häufig genutzt, zum Beispiel im Religionsunterricht

Diese orangefarbenen Spints gab es schon vor 20 Jahren – nun stehen sie nicht mehr im Eingangsbereich, sondern in den Klassenzimmern

„Wir sind eine starke Schul- und Hochschulstadt“

Bürgermeister Stefan Neumann ist stolz auf den „starken Schul- und Hochschulstandort“ Künzelsau. Über zehn Millionen hat die Renovierung und Sanierung des Ganerben-Gymnasiums gekostet. Davon habe drei Millionen das Land Baden-Württemberg bezuschusst. „Bildung ist heute die Ressource Nummer eins und die Mittel, die wir hier investieren, investieren wir in die Zukunft.“

 

Elektronisches Infoschild

 

„Als Spende der Architekten und Fachplaner wird in Kürze im Eingangsbereich ein Großbildschild installiert, auf dem die neuesten Infos der Schule, einschließlich der Stundenplanänderung, gleich beim Betreten sichtbar ist“, verkündet Uwe Hein vom Architekturbüro Hein-Hüttel- Lindenberg bei seiner Rede an der Eröffnungsfeier. Das Video hierzu sehen Sie hier:

 

 

Das Unwetter vom Mai 2016: 2 Millionen Schaden an bereits neuen Räumen

 

Die komplette Renovierung hat zirka 10,5 Millionen Euro gekostet. „Es war alles fertig und dann kam das Unwetter. Im Musiksaal lief das Wasser hinten vom Hang rein, durch den kompletten Musiksaal und hat dann die Fenster rausgedrückt. Alle Musikinstrumente waren hinüber. Lautsprecherboxen aus dem Musiksaal fanden wir unten am Kreisverkehr wieder“, erzählt Reuter während des Rundgang durch das Schulgebäude. Die Sanierungskosten für die Beseitigung der Unwetterschäden vom Mai 2016 lagen bei zirka zwei Millionen Euro.

Weitere Fotos von der Eröffnung

Schulchor bei der offiziellen Einweihung am 04. Juli 2018

Schulband bei der offiziellen Einweihung am 04. Juli 2018

Öffentliche Einweihung am 20. Juli 2018

Am Freitag, den 20. Juli 2018, ab 14.30 Uhr, veranstaltet die Schule ein Schulfest und das Schulgebäude steht für jeden zur Besichtigung offen.

 

Fotos: GSCHWÄTZ/Nadja Fischer

 

Mehr Informationen und weitere Artikel zu diesem Thema:

 

 

 




„Nach dem Aufwachen konnte ich meine Beine nicht mehr spüren“

Simone Zeller hat eine Odyssee hinter sich, was Krankenhäuser, Operationen und Behandlungen angeht. Trotzdem trägt sie die Folgen ihres so genannten Rückenmarkinfarktes, nämlich die Lähmung der Beine, stoisch und relativ gelassen. Doch der Reihe nach.

Treppen sind eine Barriere für Simone Zeller. Foto: GSCHWÄTZ/DR. Felix Kribus

Nach einem Sturz während der Arbeit verordnet der Arzt Spritzen, die aber nicht helfen. Eine implantierte Schmerzpumpe muss wegen Entzündungen wieder entfernt werden. Danach beginnt das Spiel von vorne, wieder Schmerzpumpe, aber keine Besserung in Sicht. Simone Zeller, Jahrgang 70, plagt sich weiter wochenlang mit Rückenschmerzen herum. An einem Freitagabend legt sie sich mit Rückenschmerzen aufs Sofa. Als die 47-Jährige nach einem Schläfchen wieder aufstehen will, spürt sie ihre Beine nicht mehr. Ein Schock.
Vom Künzelsauer Krankenhaus geht’s ins Ludwigsburger – ohne genaue Diagnose. Von dort zurück auf eigenen Wunsch nach Schwäbisch Hall. Die Ärzte diagnostizieren schließlich eine Rückenmarksentzündung, welche dann medikamentös behandelt wird. Nach drei Wochen wird sie entlassen und kommt in die Reha-Maßnahme. Im Januar 2018 kommt sie dann nach fünf Monaten endlich wieder nach Hause. Im Rollstuhl. Ob sie wieder zu gehen vermag, kann und will ihr kein Arzt prognostizieren.

Zwei Stufen? Dann ist der Laden unerreichbar für Rollstuhlfahrerin Simone

Ehemann Joachim baut den ersten Stock für Simone behindertengerecht um, so dass Simone, gelernte Fleischereifachverkäuferin, weitgehend mit ihrer Behinderung und der Komplettsituation besser klar kommt. Mal mehr, mal weniger, wie das eben so ist. Seit letztem Jahr kann Simone auch das Haus eigenständig verlassen, da ihr Mann einen Treppenlift für satte 11.000 Euro hat einbauen lassen. 4.000 Euro hat ihm die Krankenkasse dazugeschossen. Immerhin. Der Treppenlift gibt ihr eine neue Freiheit zurück. Sie kann das Haus alleine verlassen und einkaufen gehen. Allzu große Steigungen wie den Mühlgrabenweg im ‚Honigzipfel‘ , wo sie wohnt, oder das Sixtenbergele meidet sie und nimmt Umwege in Kauf. Erst geht’s Richtung Hauptstraße, dann an der Bushaltestelle vorbei Richtung Drogerie Müller, Altes Rathaus. „Treppen kommen für mich natürlich nicht in Frage. Im Drogeriemarkt frage ich jemanden, wenn ich was aus dem Untergeschoss brauche. Die Leute sind aber schon hilfsbereit“. Viele neue beziehungsweise modernisierte Geschäfte in Städtle kann Simone glücklicherweise barrierefrei befahren, viele Türen öffnen automatisch, wobei die Ladenbauer primär wohl ein barrierefreies, sprich, bequemeres Einkaufserlebnis für jedermann im Auge hatten und weniger die Rollstuhlfahrer. Sei’s drum. Simone profitiert davon. Trotzdem gibt es immer noch alte Häuser mit Geschäften, wo ein, zwei Stufen nach oben führen. Und damit ist dieser Laden für Simone unerreichbar.

Vor nicht allzu langer Zeit konnte Simone Zeller noch laufen. Foto: GSCHWÄTZ/Dr. Felix Kribus

Gefährliche Gullys und Schlaglöcher

Daneben existieren noch andere Rollstuhlfallen, an die kein normaler Fußgänger überhaupt nur einen Gedanken verschwendet. Aber für Simone können sie gefährlich werden, „zum Beispiel schwere große Türen, die ich im Sitzen aufdrücken muss. Hier kann ich mich einklemmen und verletzen“. Und dann gibt’s Stellen, wo sich die Räder verklemmen und man nicht mehr ohne fremde Hilfe herauskommt, zum Beispiel Gullys mit schmalen Rillen oder Schlaglöcher direkt zwischen Bordsteinkante und Straße, die sie überqueren muss. Busfahren bleibt Simone erspart, da ihr Mann Joachim Autobesitzer ist.

Gullys – einmal nicht aufgepasst und schon festgesetzt. Foto: GSCHWÄTZ/Dr. Felix Kribus

Ärzte im Obergeschoss – wie erreichen?

Aber auch das Busfahren ist für Rollstuhlfahrer zum Teil ein Problem, da nicht alle Busse einen behindertengerechten Einstieg haben. Immerhin aber gibt es in Künzelsau ein Taxi für Rollstuhlfahrer, das man aber vorbestellen sollte. Bei Arztpraxen im Obergeschoss ohne Aufzug muss Familie Zeller improvisieren. Entweder hochtragen oder zu einem anderen Arzt, notfalls auch in Öhringen oder Schwäbisch Hall. Simone: „Generell kann ich mit der Situation in Kü’au relativ zufrieden sein. Künzelsau ist übersichtlich und alles liegt nah beieinander.“
Während gesunde Menschen viele Wünsche haben, haben Kranke nur einen Wunsch. So auch Simone: „wieder laufen zu können und geregelt zur Arbeit zu gehen“.

Unüberwindbares Hindernis: bauchige Regenablaufrinne am Straßenrand der Hauptstraße. Foto: GSCHWÄTZ/Dr. Felix Kribus

Mit Simone Zeller durch Künzelsau – Das Video

In unserem Video begleitet unser Autor Simone Zeller mit ihrem Rollstuhl durch Künzelsau und stellt fest: Es gibt ganz schön viele unscheinbare Hürden für Rollstuhlfahrer.




Tod einer Krankenschwester

An einem Montagabend, den 05. März 2018, zwischen 20 und 20.30 Uhr, läuft eine Krankenschwester mit ihrer Arbeitskollegin und einem Praktikanten nach ihrem Spätdienst zu ihrem Auto, das auf einem Parkplatz auf dem Klinikgelände abgestellt war. Auf einmal kippt sie um, fällt mit dem Gesicht auf den asphaltierten Boden. Während die Kollegin bei ihr bleibt, gibt der Praktikant auf der Intensivstation im Krankenhaus Bescheid. Krankenhausmitarbeiter kommen mit einer Notfallausrüstung für die Erstversorgung auf den Parkplatz, parallel wird ein Notruf abgesetzt. Ein Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes kommt und fährt die Krankenschwester ins Klinikum nach Bad Mergentheim. Alle Reanimationsmaßnahmen scheitern. Die Krankenschwester stirbt im Caritas-Klinikum in Bad Mergentheim. Diagnose: schwerer Herzinfarkt.

Ist Sie das erste Opfer der Krankenhaus-Sparpolitik?

Bürger rätseln seitdem, warum die Krankenschwester nicht gleich im Krankenhaus in Künzelsau behandelt wurde, anstatt wertvolle Zeit mit einem Abtransport nach Bad Mergentheim zu verlieren.

Der Standort Künzelsau sollte im Zuge des Neubaus des Ärztehauses und der Sanierung und Renovierung der Kranknenhausräume vor rund acht Jahren schließlich zum „Leuchtturm“ für kardiologische, sprich Herz-Erkankungen werden. Die teuren Geräte dazu, wie Kardio-MRT und Herzkatheterlabor, sind nach wie vor im Ärztehaus in Künzelsau.

sukzessiver Abbau in Künzelsau

Durch die Neuausrichtung des Hohenloher Krankenhauses sind nun diverse Schwerpunkte von Künzelsau nach Öhringen gewandert: Im vergangenen Jahr betraf dies unter anderem die Schlaganfalleinheit (wir berichten).

Auch der „Leuchtturm“ Kardiologie scheint ausgeleuchtet. Auch wenn die Geräte hierfür noch da sind, sei es nicht möglich, diese in einem solchen Notfall „mal schnell hochzufahren“, wie Krankenhaus-Mitarbeiter erklären. Allein für das Herzkatheterlabor bedarf es vier Kardiologen und Pflegepersonal, um dieses rund um die Uhr betreiben zu können.

Die damaligen Pläne, Künzelsau zum Schwerpunkt von Herzkrankheiten zu machen, seien ohnehin nur halbherzig umgesetzt worden, kritisiert die Bürgerinitiative pro Hohenloher Krankenhaus (BI) auf GSCHWÄTZ-Nachfrage. Eine 24-Stunden-Notfalleinheit im Bereich Herzerkrankungen sei nie umgesetzt worden.

Das Kardio-MRT, der Hybrid-OP und das Herzkatheter-Labor, welche im Ärztehaus bei Professor Dr. Christoph Karle im Einsatz sind, werden derzeit ausschließlich dort betrieben und nicht, wie einst im Unternehmenskonzept vorgesehen, als gemeinsamer kardiologischer Schwerpunkt mit dem Krankenhaus Künzelsau genutzt. Vor einigen Jahren gab es diese Zusammenarbeit im Rahmen der regionalen Gesundheitsholding Heilbronn-Franken. Das Angebot, das Herzkatheter-Labor zu nutzen, sei von Seiten des Krankenhauses jedoch nicht angenommen worden, heißt es.

Stattdessen wolle man nun Öhringen zum neuen Herz-Schwerpunktzentrum machen, so die aktuellen Pläne des neuen Mehrheitseigners, der BBT-Gruppe.

Je schneller ein Herzinfarkt korrekt behandelt wird, umso höher die Überlebenschancen und je minimaler die möglichen Schädigungen im Gehirn. Die Mitarbeiter des Krankenhauses trauern um eine „liebe Freundin und sehr gute Kollegin“.

 

Hintergrundinformation: Wechsel in der Führungsebene

Nachdem die BBT-Gruppe die Mehrheitsanteile an der Hohenloher Krankenhaus gGmbH übernommen hat, gibt es auch einen Wechsel in der Führungsspitze. Geschäftsführer Jürgen Schopf, der weniger als 1,5 Jahre die Geschäfte leitete, wird abgelöst von den vier neuen Geschäftsführern Dr. Albert-Peter Rethmann, Matthias Warmuth, Werner Hemmes und Andreas Latz, so eine Pressemitteilung der BBT-Gruppe. In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter heißt es, dass Betriebsleiter Helmut Munz kommissarisch die Aufgaben des kaufmännischen Direktors und des Pflegedirektors für die Krankenhäuser übernimmt, „bis zur Klärung der endgültigen Besetzung“. Herbert Trudel wird kaufmännischer Direktor für die Senioreneinrichtungen.

 




Weiterer Tatverdächtiger bei Mord an Siebenjährigem?

Künzelsau – Von verschiedenen Seiten kursieren in Künzelsau und Umgebung derzeit Gerüchte, dass es einen anderen beziehungsweise zweiten Tatverdächtigen im Mordfall des Siebenjährigen geben soll, der in Künzelsau erdrosselt worden sein soll. Als Haupttatverdächtige galt bislang Elisabeth S.. Der Junge befand sich zur Tatzeit in ihrer Obhut.

In Künzelsau kursieren diverse Gerüchte rund um den Mord

Die Staatsanwaltschaft hat auf GSCHWÄTZ-Nachfrage am Freitag, den 08. Juni 2018, Stellung zu den Gerüchten genommen. Der dafür zuständige Staatsanwalt Harald Lustig, Erster Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Heilbronn, Zweigstelle Schwäbisch Hall: „Bisher gibt es eine Tatverdächtige.“

Gerüchte, dass Elisabeth S. wieder aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, konnte Lustig nicht bestätigen. dennoch betont er: „Wir ermitteln auch weiterhin in alle Richtungen, um zu klären, ob es noch weitere Tatverdächtige gibt. Wenn es noch weitere Anhaltspunkte gibt, dass es noch weitere Tatverdächtige gibt, gehen wir diesen nach.“ Auf die Frage, ob es  Anhaltspunkte gibt, verweist Lustig auf das schwebende Verfahren und dass er darüber keine Auskunft geben darf.

Ein weiterer Tatverdächtiger in U-Haft?

Harald Lustig verneint die Frage, ob es inzwischen einen weiteren Tatverdächtigen gibt, der in Untersuchungshaft sitzt. Im Zentrum der Gerüchteküche steht ein enger Verwandter von Elisabeth S..




Video // Astro-Alex hebt ab und Künzelsau ist live dabei

Astronaut Alexander Gerst hebt am 06.06.2018 das zweite Mal ab ins All – und seine Heimatstadt Künzelsau ist live dabei.

GSCHWÄTZ – Das Magazin – vor Ort

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Video // Dr. Felix Kribus

Foto // GSCHWÄTZ/Archiv




Video des Wahlabends in Künzelsau

Um 19.15 Uhr steht das Ergebnis im Rathaus Künzelsau fest: Die Künzelsauer haben Stefan Neumann als Bürgermeister wiedergewählt. Der dreifache Familienvater bekam 87,4 Prozent der Stimmen (Stand: 19.15 Uhr). 10,1 Prozent der Stimmen erhielt Ruth Henrich. 1,5 Prozent der Stimmen fielen auf Dauerbewerberin Fridi Miller. Sonstige: 1,1 Prozent. Die Wahlbeteiltigung war gering. Nur 35,5 Prozent der Künzelsauer haben ihre Stimme ab. Das heißt: Von 12.111 Wahlberechtigten gingen 4.305 zur Wahl. Ungültige Stimmen, also falsch ausgefüllte Wahlzettel: 86, laut ersten Angaben des stellvertretenden Bürgermeisters von Künzelsau, Christian von Stetten. Weitere Informationen gibt es auf: https://www.kuenzelsau.de/aktuelles?view=publish&item=article&ii=2133.

 

Kür Künzelsau-Blogger Matthias Lauterer ist die Zahl der Nichtwähler in Künzelsau zum Mäuse melken. Hier geht es zu seinem Kommentar:

 

https://matthiasausk.blogspot.com/2018/06/die-zahl-des-abends-355-wahlbeteiligung.html

 

Das Video zum Wahlabend im Rathaus am 04. Juni 2018 mit allen Emotionen der Beteiligten und viel Lokalprominenz gibt es hier zu sehen:

 

 

 

Fotos // GCHWÄTZ/Archiv

Video // Dr. Felix Kribus

Grafik // Stadtverwaltung Künzelsau




Video-Umfrage von GSCHWÄTZ-Reporter Dr. Felix Kribus

„Trekkingrunde durch Nepal“ – Umfrage: Wo geht‘s in den Urlaub hin?

Mallorca, Kreta und Bali – das sind die Topreiseziele in diesem Jahr. Ägypten und Tunesien anstatt der Türkei, da derzeit politisch zu unsicher. Oder eine Woche Kroatien für 376 Euro? Rhodos alles inklusive – für schlappe 924 Euro! Die Deutschen waren mal Reiseweltmeister. Jetzt haben die Chinesen uns den Rang abgelaufen. Die Reisen sind längst gebucht. Kurzentschlossene nehmen, was noch bleibt. Und das entpuppt sich sogar zeitweise als Schnäppchen. Immerhin machen 26 Prozent der Deutschen Urlaub im eigenen Land. Und wohin fahren die Hohenloher ? Was ist ihr aktuelles Reiseziel für die kostbarsten Tage im Jahr? Videoreporter Felix Kribus lag wieder auf der Lauer und hat vorwiegend Frauen zugehört, wohin die Reise geht. Die meisten Männer bleiben angesichts der nahenden Fussball-WM wohl zu Hause.

 

 

Die komplette Umfrage können Sie nachlesen in unserer gedruckten Juni-Ausgabe 2018 – ab sofort in unseren Verkaufsstellen erhältlich – oder als Abo direkt in Ihren Briefkasten. Einfach über unseren Online-Shop oder telefonisch bestellen: +49 (0)7940 93 55 57 44.

// Wir lieben unser Ländle //

// Fotos & Video: Dr. Felix Kribus