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„Wir sind seit März stillgelegt“

Marktbeschickerin Tanja Fankhauser aus Fichtenau hat auf dem Künzelsauer Simon-Judä-Markt Stoffmasken in allen möglichen Variationen angeboten. Eigentlich verkauft sie Wärmekissen aus eigener Produktion. „Ich hätte mir niemals denken lassen, dass ich sowas überhaupt produziere“, sagte sie im Gespräch mit GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus. „Aber die Not hat uns erfinderisch gemacht.“ In Corona-Zeiten bräuchten die Menschen Masken und so sei man über Nacht in die Produktion eingestiegen.

„Dann sind Sie arbeitslos“

Doch nicht nur bei neuen Produkten, sondern auch auf die Existenzgrundlage der Marktbeschickerin und ihrer Kollegen hat die Pandemie großen Einfluss. „Wir sind seit März – eigentlich seit dem ersten Lockdown – stillgelegt und haben keine Einkünfte“, beklagte sie. „Wir leben für die Menschen, wir kommen und bringen Freude, bringen Waren, die bekommen Sie im normalen Handel nicht. Und wenn Ihnen von heute auf morgen die Arbeit genommen wird und Sie bekommen nur Verbote, dann sind Sie arbeitslos.“ Dennoch habe sie lediglich die erste Soforthilfe beantragt.

„Wir kämpfen dafür“

Zur angespannten wirtschaftlichen Situation kommen noch die psychischen und emotionalen Belastungen dazu. Sie sei für den Markthandel geboren und auch so aufgewachsen, wie auch ihre Eltern schon. Deshalb empfinde sie die Beschränkungen als „einen sehr großen Einschnitt in unsere Menschenwürde.“ Doch sie macht sich auch Mut: „Wir sind selbstständige Marktkaufleute und wir kämpfen dafür.“ Von der Politik fühlt sich Tanja Fankhauser nicht gerecht behandelt: „Die Gleichbehandlung ist nicht korrekt dargestellt in Bezug auf unsere Verkaufsstrategie, die wir eigentlich führen. In ein großes Kaufhaus dürfen 3.000 Menschen rein. Und hier – Sie sehen diese Situation – hier geht der eine oder andere über den Markt und es ist hier kein Gedränge. Es ist doch alles möglich.“ Dennoch möchte sie der Stadtverwaltung sowie der Marktleitung, Bürgermeister und Stadträte „ein großes Dankeschön“ aussprechen: „Im Moment liegt es in der Hand von diesen Menschen, ob wir kommen dürfen oder nicht. Das ist kommunal geregelt.“

„Das tut uns jetzt sehr gut“

Die Kunden würden sich freuen, dass die Markthändler kommen, hat Tanja Fankhauser erfahren. „Man kauft seine bestimmten Dinge auf dem Krämermarkt und das sind zuverlässige Kunden und die erwarten uns Händler dann“, sagte sie. „Das ist wichtig für uns und das tut uns jetzt im Moment auch für die Seele sehr gut, dass unsere Kundschaft hinter uns steht. Wir werden gebraucht.“ Außerdem sei so ein Markt wie ein „Kaufhaus unter freiem Himmel“ und im Verbund mit den Hygienekonzepten sei da die Corona-Gefahr eher gering.

„Da fällt einem ja nichts ab“

Marktbesucherin Sabine ist eigens für den Simon-Judä-Markt aus Neuenstein nach Künzelsau gekommen. „Da komme ich schon jahrelang her. Das ist irgendwie Pflicht“, sagte sie. Sie war auf der Suche nach neuen Masken, denn die „muss immer passend zum Outfit sein“. Sie rechne damit, dass die Menschen mit Corona werden leben müssen. Deshalb finde sie auch die Maskenpflicht gut: „Man soll sich selber schützen und die anderen auch. Da fällt einem ja nichts ab, wenn man das Ding aufsetzt. Ich finde es unverantwortlich, wenn es die Leute nicht machen.“

Video: Dr. Felix Kribus

Kundin Sabine findet, dass „einem nichts abfällt“, wenn man eine Maske trägt. Foto: GSCHWÄTZ

 

Masken in allen Variationen gab es an Tanja Fankhausers Stand auf dem Künzelsauer Simon-Judä-Markt. Foto: GSCHWÄTZ




Mehr Natur für Künzelsau

Seit Mitte Oktober werden die im Rahmen des Projekts „Natur nah dran“ ausgewählten Flächen in Künzelsau vorbereitet, um sie in blühende Blumenwiesen und Wildstaudenflächen umzuwandeln, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung. So wurde das alte Erdreich von Rasen- und Beet-Flächen in den Wertwiesen ausgebaggert und mit einem Gemisch aus Schotter und Kompost wieder aufgefüllt. Dies sei nötig, damit die Wildblumen und Wildstauden dort gedeihen können – sie benötigen einen sehr mageren Boden um wachsen zu können. „Das neu eingebrachte Schotter-Kompost-Gemisch hat außerdem den Vorteil, dass es nahezu unkrautfrei ist“, so Sebastian Frey in der Mitteilung. „Durch den teilweisen Bodenaustausch werden die im Boden schlummernden Samen von weniger erwünschten und sich schnell ausbreitenden Pflanzen wie Melde, Knöterich oder Weißklee entfernt. Die Blumensamen und Stauden die nun ausgebracht werden, sind für relativ trockene Standorte geeignet und haben einen verhältnismäßig geringen Pflegeaufwand“, erklärt der Diplom Landschaftsökologe aus Neckarsulm. Er berät die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs im Auftrag des NABU bei der Neuanlage der naturnahen Grünflächen.

Ursprünglichen landschaftlichen Zustand kopieren

Sebastian Frey hat sich in der letzten Oktober-Woche mit dem stellvertretenden Bauhofleiter Jochen Lutz und zwei Gärtnern des städtischen Bauhofs in den Wertwiesen getroffen. Auf seinem Klemmbrett hat er eine lange Liste mit Pflanzen, die alle in den Boden kommen. Am Rand der Parkplätze werden die teils noch bestehenden Sträucher mit heimischen Wildsträuchern und Wildrosen zu einer gemischten blühenden Hecke ergänzt. Sie dient als Nistgehölz für Vögel und Insekten. Die Wildformen unter anderem von Königskerze, Steppensalbei, Natternkopf, Färberkamille oder Lein werden in den neuen Saumstreifen und den Blumenwiesen Nahrung und Unterschlupf für Insekten und Kleinlebewesen sein. „Wir möchten eine Kopie eines ursprünglichen landschaftlichen Zustandes erreichen“, sagt Sebastian Frey.

Wertvolle Lebensräume brauchen Zeit sich zu entwickeln

Schon ab dem nächsten Frühjahr erwarten das Bauhofteam und NABU-Projektleiter Martin Klatt eine reiche Blüte für Tiere wie Mauerbienen, Stieglitze oder Schachbrettfalter. „Es braucht jetzt etwas Geduld, aber in den nächsten ein bis zwei Jahren werden sich die Flächen zu wertvollen und langjährigen Lebensräumen entwickeln.“

Start in den Wertwiesen

Weitere naturnahe Flächen sollen im Stadtgebiet noch geschaffen werden. „Heute sind wir mit Sebastian Frey noch entlang des Kochers im Innenstadtbereich unterwegs, um zu schauen, wo wir noch Flächen naturnah umgestalten können“, so Jochen Lutz. „Der Rat des Fachmanns ist für uns in der praktischen Umsetzung sehr wertvoll und hilft uns auch weiter bei der richtigen Pflege der neuen naturnahen Grünflächen.“ Die ersten, in Künzelsau mit „Natur nah dran“ umgewandelte Flächen liegen in den Wertwiesen. An diesen Grünflächen werden vorübergehend Schilder aufgestellt, die kurz und knapp erklären, warum Baggerarbeiten stattgefunden haben und Substrat eingearbeitet wurde. Später werden diese durch feste Infotafeln ersetzt, die auf die wertvollen Lebensräume für die biologische Vielfalt hinweisen.

Landesweites Projekt

Künzelsau ist eine von 15 Städten und Gemeinden, die sich erfolgreich um eine Teilnahme am landesweiten Projekt „Natur nah dran“ für 2020 beworben hatten. Das Kooperationsprojekt des NABU und des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (UM) unterstützt von 2016 bis 2020 jährlich bis zu 15 Kommunen bei der Anlage naturnaher Grünflächen. Jede teilnehmende Kommune erhält eine Zuwendung in Höhe von 50 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben, maximal 15.000 Euro.

Weitere Informationen sowie kurze Videos zum Projekt gibt es unter http://www.Naturnahdran.de.

 

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau

Austausch unter Experten (v.l.): Gärtner des Baufhofs, der stellvertretende Bauhofleiter Jochen Lutz und der Landschaftsökologe Sebastian Frey. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau

 

Die Grasnarbe wird abgetragen und ein Schottergemisch eingebracht. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau

 

 




Live-Stream: „Corona-Pandemie – global und lokal“

Am Mittwoch, den 21. Oktober 2020, findet der zweite Vortrag im Rahmen der Vortragsreihe „Gesundheit“ mit einem Sonderthema statt, heißt es in einer Pressemitteilung. Dr. Antje Haack-Erdmann, Leiterin des Gesundheitsamtes Hohenlohekreis, berichtet ab 19.30 Uhr im Vortrag „Corona-Pandemie – global und lokal“ mit einem Rückblick über den bisherigen Verlauf und den Versuch einer Prognose über zukünftige Herausforderungen der Pandemie generell und im Hohenlohekreis.

Aus gegebenem Anlass kann der Vortrag nicht im Künzelsauer Rathaus stattfinden. „Trotzdem möchten wir den Vortrag nicht absagen, zumal sicherlich viele gerade an diesem Vortragsthema interessiert sind und vorab oder anschließend eigene Fragen stellen können. Deshalb findet er als Live-Übertragung statt“, so Bürgermeister Stefan Neumann in der Mitteilung.

Die Fragen können vorab per E-Mail an helen.buehler@kuenzelsau.de gesendet werden. Aber auch während des Vortrags können Benutzer über die Kommentarfunktion spontan Fragen stellen. Der Live-Stream kann ganz einfach und kostenfrei über https://www.youtube.com/watch?v=ZLIk6ZMc_lA&feature=youtu.be oder den städtischen YouTube-Kanal http://www.youtube.de/stadtkuenzelsau aufgerufen werden.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau




Reinhold-Würth-Hochschule wegen Corona geschlossen

Wegen der aktuellen Corona-Lage finden ab kommenden Montag, den 19. Oktober 2020, an den vier Standorten der Hochschule Heilbronn (HHN) – unter anderem die Reinhold-Würth-Hochschule Campus Künzelsau – keine Präsenzveranstaltungen mehr statt. Studenten werden nur noch online lernen, das gilt auch für die Erst- und Zweitsemester. Lediglich vereinzelte Labore, die ein Hygienekonzept vorgelegt haben, sollen dann geöffnet sein. Auch die Drucker in den Gebäuden können die Studenten weiterhin benutzen.

Diese Entscheidung wurde von der Hochschulleitung nach Absprache mit der Stadtverwaltung und dem Gesundheitsamt getroffen. „Das ist die vernünftigste Lösung“, findet HHN-Pressesprecher Torsten Robert im Gespräch mit GSCHWÄTZ. „Auch die meisten anderen Hochschulen in Baden-Württemberg machen das so.“




Der Zeitwert einer Katze

Am Mittwoch, den 14. Oktober 2020, fand vor dem Amtsgericht Künzelsau der Prozess einer Katzenhalterin aus Ingelfingen gegen den Ingelfinger Bürgermeister Michael Bauer statt. Hintergrund war die Attacke des Bürgermeister-Hundes auf diese Katze. Diese Katze ist an den Folgen der Attacke verstorben beziehungsweise musste eingeschläfert werden (GSCHWÄTZ berichtete unter https://www.gschwaetz.de/2020/10/02/buergermeister-muss-verwarnungsgeld-zahlen/). Streitgegenstand war ein verbleibender Schadensersatz von 212,09 Euro, der von der Versicherung des Beklagten nicht ausgeglichen wurde.

„Man hätte das auch anders regeln können“

Richter Sven Brückner legt zu Beginn der Verhandlung die Rechtslage klar: „Tiere werden beim Schadensersatz wie Sachen behandelt. Ein Schmerzensgeldanspruch der Klägerin kann nicht zur Debatte stehen.“ Umgekehrt gelte für den Beklagten eine „Tierhalterhaftung“ ähnlich der allgemeinen Betriebsgefahr eines Kraftfahrzeugs. Er müsse verschuldensunabhängig für Schäden haften, die von seinem Tier verursacht werden.

Nachdem der Bürgermeister den Vorfall aus seiner Sicht detailliert schildert – er habe die Leine schon in der Hand gehabt und er wollte seinen Hund gerade anleinen, als er abgelenkt worden sei und gleichzeitig der Hund auf die Katze losgegangen sei, zeigt Richter Brückner ein Überwachungsvideo des Vorfalls.

Kleinere Geplänkel, etwa darüber, ob es sich um eine Rassekatze oder nicht handelt, werden vorgetragen.

Appell an die Jäger-Ehre

Interessanterweise legen beide Parteien Wert auf die Feststellung, „man hätte das auch anders regeln können“. Der Klägerin ist das Risiko, dass einer Katze, die als „Freigängerin“ gehalten wird, jederzeit etwas zustoßen kann, bewusst. Sie wirft Bauer vor, dass er nicht geklingelt habe, obwohl jemand im Haus gewesen sei. Außerdem spricht sie seine Ehre als Jäger an: Er habe mit seinem ausgebildeten Jagdhund auf „Nachsuche“ gehen müssen, um der Katze unnötiges Leid „mit ihren zerfetzten Organen“ zu ersparen, da Hunderisse in aller Regel zum Tod der Katze führten. Rechtsanwalt Alexander Foidl bezeichnet das als „Nachtatgeschehen“.

Umgekehrt führt Bürgermeister Bauer an, dass er davon ausgegangen ist, dass niemand zu Hause sei: „Ich hätte klingeln können, ich hab’s nicht gemacht, es tut mir leid“, sagt er. Er habe aber  am selben Abend, als die Klägerin und ihr Lebensgefährte ihn aufgesucht hätten, noch die Begleichung aller Auslagen angeboten und erklärt, dass der Vorgang ihm leid tue. Auch seien ihm die möglichen Folgen des Hunderisses nicht bewusst gewesen, er habe das nicht so realisiert, da die Katze ja noch weggerannt sei.

Als die Argumente der Parteien emotional werden und in Gebiete abgleiten, die eher nicht verfahrensgegenständlich sind, weist Richter Brückner auf die Anwesenheit der Presse hin, was Michael Bauer mit „wenn man das GSCHWÄTZ als Presse bezeichnen kann“ quittiert.

Anwalt argumentiert mit „Zeitwert“ eines Tiers

Kurz bevor Richter Brückner die Verhandlung beschließt, schließt Rechtsanwalt Prof. Dr. Klaus-Werner Frink, der Anwalt von Michael Bauer, seinen Vortrag mit: „Sie sind mit dem Betrag, den die Haftpflichtversicherung bezahlt hat, gut bedient“ und untermauert das mit einem Urteil des Landgerichts Heilbronn, wonach der Wert eines Greifvogels aufgrund seines hohen Alters niedriger angesetzt worden sei als vom damaligen Kläger verlangt.

Die Urteilsverkündung ist für den 21. Oktober, 12 Uhr, angesetzt.

Text: Matthias Lauterer

 

Die Stufen zum Recht. Amtsgericht Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

„Auf dem Rechtsweg“. Foto: GSCHWÄTZ




Schutzhütte Spielpatz Mäusdorf bekommt am meisten Stimmen

Die finalen Projekte des Künzelsauer Bürgerbudgets stehen fest, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung. Knapp 800 Künzelsauer hatten im September per Online-Voting für ihr Wunschprojekt abgestimmt. Die meisten Stimmen strich der geplante Neubau einer Schutzhütte auf dem Spielplatz in Mäusdorf ein – 183 Künzelsauer votierten für sie. Dieses und sechs weitere Projekte können jetzt mithilfe der Albert Berner-Stiftung umgesetzt werden. Die gemeinnützige Stiftung war spontan mit 50.000 Euro eingesprungen, nachdem das städtische Budget Corona-bedingt eingefroren worden war. Für die Schutzhütte erhält die Dorfgemeinschaft Mäusdorf nun 8.000 Euro.

Weitere finanziell geförderte Projekte

Neben der Schutzhütte werden folgende Projekte finanziell gefördert: „Jugendfeuerwehr Spielstraße Erneuerung und Erweiterung“ der Jugendfeuerwehr Künzelsau erhält 10.000 Euro, für ihr Projekt „Sanierung des Grill- und Freizeitplatzes sowie der Schutzhütte auf dem Wartberg“ erhält der Künzelsauer Seniorinnen und Senioren e.V. 9.000 Euro. Für „Bänke zum Ausruhen“ gehen 7.500 Euro an die Stauder Stiftung. „Hilfen in der letzten Lebensphase“ vom Hospizdienst Kocher-Jagst wird mit 1.750 Euro unterstützt, die „Sanierung der Bocciabahn und Pflanzung von Bäumen für Sonnenschutz“ des TSV Künzelsau 1846 e.V. mit 6.000 Euro und die „Erneuerung der Veranstaltungstechnik im alten Bahnhof“ des Jugendkulturvereins Kokolores Künzelsau e.V. mit 3.500 Euro.

„Mit dieser Förderung werden ganz unterschiedliche Projekte auf den Weg gebracht“

„Diese Projekte haben auch die Künzelsauer Bevölkerung überzeugt – in der Online-Abstimmung haben sie die meisten Stimmen erhalten“, erklärt Bürgermeister Stefan Neumann in der Mitteilung. „Mit dem Bürgerbudget unterstützen wir gemeinsam, dieses Jahr dank der Albert Berner-Stiftung, Künzelsauer Personen oder Organisationen, die Ideen für Künzelsau haben und sich einbringen. Es freut es mich, dass mit dieser Förderung ganz unterschiedliche Projekte auf den Weg gebracht werden können.“

„Die enorme Resonanz hat uns noch einmal bestätigt“

„Die Vielseitigkeit der eingereichten Vorschläge hat uns sehr beeindruckt. Die Künzelsauer bringen sich kreativ und engagiert für ihre Heimat ein“, freut sich Ursula Berner, Vorsitzende der Albert Berner-Stiftung, die sich ebenfalls für die Region stark macht und in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feiert. „Die enorme Resonanz hat uns noch einmal darin bestätigt, dass es genau richtig war, die Künzelsauer in diesem Jahr bei der Umsetzung ihrer Herzensprojekte zu unterstützen.“

Ergebnis der Online-Abstimmung

Vom 11. bis zum 27. September konnte die Künzelsauer Bevölkerung abstimmen: Welches Projekt soll mit dem Bürgerbudget gefördert werden? Insgesamt 797 gültige Stimmen wurden abgegeben. Auf Grundlage der Ergebnisse der Online-Abstimmung haben Vertreter der Albert Berner-Stiftung die Mittel vergeben. Insgesamt 50.000 Euro stehen zur Verfügung. Dieser Topf ist ausreichend, um die ersten sieben Projekte mit den beantragten Fördersummen zu unterstützen.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau

 

Die Jugendfeuerwehr Künzelsau erhält 10.000 Euro für ihr Projekt „Jugendfeuerwehr Spielstraße Erneuerung und Erweiterung“. Foto: Jugendfeuerwehr Künzelsau

Der Künzelsauer Seniorinnen und Senioren e.V. erhält eine Förderung für die Sanierung des Grill- und Freizeitplatzes sowie der Schutzhütte auf dem Wartberg. Foto: Ehrenfried Biehal




„Wir haben die Schnauze voll“

„Mit zunehmender Dauer der Maskenpflicht ist die Akzeptanz dafür in der Bevölkerung im Rückgang“, erzählt Daniel Fessler, Pressesprecher des Polizeipräsidiums in Heilbronn. „Das Einhalten der Abstände und das Tragen der Masken wird oft sehr nachlässig behandelt. Außerdem haben wir festgestellt, dass es der Bevölkerung größtenteils noch gar nicht bewusst ist, dass man nicht nur im Personennahverkehr, sondern auch auf den Bussteigen eine Maske tragen muss. Auch deshalb sind wir heute hier, um Aufklärungsarbeit zu leisten.“

„Ein bisschen überrascht war ich schon.“

Die Aufklärungsarbeit sieht am vergangenen Mittwoch, den 30. September 2020, zwischen 12 und 13 Uhr folgendermaßen aus: Ein Team aus Künzelsauer Polizeibeamten, verstärkt von Öhringer Kollegen, positioniert sich am Busbahnhof und geht aktiv auf Menschen zu, die ihre Maske auf dem Gelände des Busbahnhofs nicht oder nicht ordnungsgemäß tragen. Ein Beamter spricht Luan Bundschuh an, weil er keine Maske trägt. Der 15-Jährige verrät nach der Kontrolle: „Ein bisschen überrascht war ich schon, aber ich habe mein Attest immer dabei. Die Polizei tritt heute eher autoritär auf. Ich finde aber, dass sich das auch so gehört. Würde die Polizei kumpelhaft auftreten, hätte man automatisch weniger Respekt.“

„Für mich war es ein Schock.“

Ein lauter, nachdrücklicher Ruf: „Hallo!“  Ein Griff des Polizisten an seine eigene Maske, der dem Angesprochen ein eindeutiges Zeichen gibt. Robert Wolak und den Beamten trennen zirka 50 Meter, doch Wolak reagiert sofort. „Für mich war es ein Schock, von dem Polizisten auf die Maskenpflicht aufmerksam gemacht zu werden, denn ich habe einfach nicht damit gerechnet, dass das auch auf dem Gelände Pflicht ist“, erklärt Wolak. Svea Kövilein hat Verständnis für die Kontrollen. Doch die 14-Jährige stellt auch klar: „Für die Personen, die Asthma haben, wie ich auch, ist es schwer, mit der Maske zu atmen.“

Das Thema polarisiert

Obwohl der Einsatz absolut friedlich und freundlich verläuft und die Stimmung am Busbahnhof im Großen und Ganzen positiv ist, ist doch präsent, wie sehr das Thema polarisiert. Während Edmond Xhani plädiert: „Die Polizei könnte so etwas ruhig öfter machen“, sagt Mustafa Brkic ganz klar: „Wir sind Krankenpfleger und wir haben die Schnauze voll von den Maßnahmen!“

„Das ist vergleichbar mit den Gurten im Auto.“

Die Polizeibeamten haben heute wieder einmal bewiesen, dass weniger oft mehr und Präsenz die beste Prävention ist. „Meistens reicht es auch einfach schon, dass die Menschen uns sehen und schon ziehen sie ihre Masken auf. Das ist vergleichbar mit den Gurten im Auto oder dem Handy im Straßenverkehr“, merkt Fessler an. So ist auch am vergangenen Mittwoch alles ruhig verlaufen – bis auf ein paar Tränchen, die verdrückt werden mussten.

„Wir mussten heute kein einziges Bußgeld verhängen.“

Doch fertig ist die Polizei an diesem Tag noch lange nicht, die nächsten Stationen sind das Ganerben-Gymnasium und ein hoch frequentierter Kreuzungspunkt in Forchtenberg. „Hier sind dann tatsächlich auch verdeckt Kollegen positioniert, die in die Busse hineinschauen und kontrollieren, ob dort die Masken getragen werden“, kündigt Fessler an. Und obwohl der Großeinsatz im Hohenlohekreis noch nicht vorbei ist, schließt der 28-Jährige die Künzelsauer Kontrolle schon einmal mit einer positiven Bilanz ab: „Wir mussten heute kein einziges Bußgeld verhängen.“

Text: Priscilla Dekorsi

Die Bilanz der Polizei fiel an diesem Tag positiv aus. Foto: GSCHWÄTZ

Bußgelder mussten nicht verhängt werden. Foto: GSCHWÄTZ




ACTIV-Group hat nun endlich einen Generalunternehmer gefunden

Nur wenige Tage vor seiner Wiederwahl im Mai 2018 konnte Bürgermeister Neumann noch den Verkauf des seit langem brachliegenden PEKA-Geländes vermelden. Ein modernes Stück innenstädtische Architektur sollte entstehen, mit Handelsflächen und Wohnraum mitten in der Stadt. Sogar der größte Mieter wurde schon genannt: Der MÜLLER-Markt will aus der Hauptstraße in moderne Räumlichkeiten umziehen und im neuen Gebäude eine Fläche von 1.700 Quadratmeter anmieten. Und der erste Spatenstich war für den Herbst 2018 avisiert worden.

Verkauf des Geländes im Mai 2018

Am 13. November 2018 wurde das Projekt im Gemeinderat nochmals behandelt, ein Baugesuch war bis dahin nicht eingereicht. Einige Änderungen sollten noch eingearbeitet werden. Außerdem orakelte Christian Neudeck, Prokurist bei der Activ-Group, die das Projekt entwickelt, dass sich das Prozedere im Projektgeschäft geändert habe, betonte aber, „ich verspreche, das Projekt wird kommen“.

Plakat am Bauzaun

Bereits am Abend dieser Gemeinderatssitzung hatten Bürger ein satirisches und weitsichtiges Plakat am Bauzaun des PEKA-Geländes angebracht. Denn fast zwei Jahre später ist von einer Bautätigkeit immer noch nichts zu sehen.

Man sollte doch davon ausgehen, dass ein Projektentwickler möglichst rasch Rendite erzielen möchte und ihm daher an einem schnellen Baubeginn und schnellen Miet- und Verkaufseinnahmen gelegen ist. Daher ist es schon verwunderlich, dass sich mehr als zwei Jahre nach dem verkündeten Verkauf auf der Baustelle noch nichts tut.

Alle notwendigen Genehmigungen sind erteilt

Laut Auskunft der Stadtverwaltung Künzelsau steht einem Baubeginn nichts mehr im Wege: „Im Juli hat die Stadtverwaltung Künzelsau umfangreiche Erschließungsarbeiten für einen Baustart im Quartier An der Stadtmauer durchgeführt. Die Baugenehmigung ist erteilt.“ Der Ball liegt jetzt also in der Hälfte des Projektpartners, der Activ-Group aus Schemmerhofen bei Ulm, die mehrere ähnliche Projekte betreut, oftmals übrigens mit dem Ankermieter MÜLLER. Allerdings verlaufen nicht alle diese Projekte der Activ-Group reibungslos:

ACTIV-Group: Nicht nur reibungslose Projekte

In Oberndorf am Neckar hat die Activ-Group erklärt, dass sie ihren Verpflichtungen in der Alten Brauerei, wo ein Pflegezentrum und Wohnungen geplant waren, nicht nachkommen könne. Als Grund wurde angegeben, dass man keine Angebote von Bauunternehmen bekommen habe, die einen wirtschaftlichen Betrieb des Objekts ermöglicht hätten.

In Rottweil ist das Projekt „Am Nägelesgraben“ seit Jahren geplant, aber nicht gebaut, sodass die örtliche CDU im April 2019 den Verantwortlichen der ACTIV-Group einen Spaten für den ersten Spatenstich übergeben hat. Auch hier ist davon die Rede, dass die Angebotspreise der Generalunternehmer zu hoch gewesen seien. Inzwischen ist der Baubeginn erfolgt.

Das Projekt „Eyach-Arkaden“ in Balingen wurde gänzlich gestoppt: Ein Rechtsstreit mit einem Anwohner, der zwar für die Activ-Group prinzipiell positiv ausging, hatte sich so lange hingezogen, dass geplante Ankermieter abgesprungen sind.

Spatenstich in Künzelsau noch dieses Jahr

Man wundert sich doch sehr, dass ein erfahrener Projektentwickler gleich mehrfach über die Marktpreise im Baugewerbe stolpert und deswegen Projekte in Gefahr geraten oder gänzlich gestoppt werden. Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage teilt die ACTIV-Group mit, dass diese Gefahr in Künzelsau nicht bestehe: Inzwischen sei der Generalunternehmer ausgewählt worden und der Spatenstich soll noch in diesem Jahr stattfinden. Der genaue Termin steht allerdings noch nicht fest.

Text: Matthias Lauterer

 

 

Das PEKA-Kaufhaus kurz vor dem Abriss. Foto: GSCHWÄTZ

Manch ein Anwohner wünscht sich offenbar einen Stadtpark auf das alte PEKA-Areal. Foto: GSCHWÄTZ/Lauterer

 

 




So reich ist Künzelsau

Der stellvertretende Kämmerer der Stadtverwaltung Künzelsau, Ulrich Walter, stellte dem Gemeinderat in der Sitzung vom Mittwoch, den 23. September 2020, die kommunale Eröffnungsbilanz vor. Wegen Corona fand die Sitzung in der Stadthalle statt.

190 Millionen Euro Vermögen

Kurz gesagt: Das Vermögen der Stadt Künzelsau beläuft sich auf circa 190 Millionen Euro, wobei das Sachvermögen mit rund 116 Millionen Euro der größte Posten ist. In das Sachvermögen fallen unter anderem Grundstücke und Gebäude und Aufbauten. Wo die Grundstücke selbst keiner Abschreibung unterliegen, werden Gebäude und andere Anlagegüter abgeschrieben, bei Gebäuden ist der Abschreibungszeitraum mit 50 Jahren angesetzt.

Doppelte Buchführung seit 2020

Seit dem Haushaltsjahr 2020 arbeitet die Künzelsauer Verwaltung nach dem „Neuen Kommunalen Haushalts- und Rechnungswesen“. Vereinfacht gesagt bedeutet das ein Vorgehen mit doppelter Buchführung, ganz ähnlich zu den buchhalterischen Methoden, wie sie in der Privatwirtschaft bekannt sind. Ein Ziel dieser sogenannten „kommunalen Doppik“ ist es, die Kommunen in die Lage zu versetzen, so zu wirtschaften, dass ihr Vermögen nachhaltig erhalten bleibt. Dazu muss das Vermögen aber bekannt sein. Aus diesem Grund ist eine Eröffnungsbilanz aufzustellen, aus der die Vermögenswerte der Stadt (Aktiva) und die Mittelherkunft (Passiva) gegenübergestellt werden. Mit dieser Bilanzierungsform erhält die Stadt Künzelsau unter anderem ein Instrument für das Vermögenscontrolling. Aber auch die Bürger haben die Möglichkeit, die Vermögensentwicklung der Stadt nachzuvollziehen und somit einen Einblick in die Arbeit von Gemeinderat und Verwaltung zu bekommen.

Stadt muss jährlich über eine Million Euro Vermögen neu kreieren

Den Wert der unbebauten Grundstücke setzt die Stadt mit etwa 13,5 Millionen Euro an, darunter fast 13 Millionen für Wald, Grün- und Ackerland. Die bebauten Grundstücke in städtischem Besitz werden mit 9,4 Millionen Euro angesetzt. Der Wert der Aufbauten auf diesen bebauten Grundstücken beträgt mehr als 56 Millionen – das sind zum Beispiel Schulgebäude oder das Rathaus selbst. Bei einer zweiprozentigen Abschreibung auf Gebäude muss die Stadt also jährlich deutlich mehr als eine Million Euro Vermögen neu kreieren, nur um den Wert des Gesamtvermögens nicht zu verringern. Renovierungen oder Neubauten erhöhen diese Vermögenspositionen.

Infrastruktur unterliegt den Abschreibungsregeln

Ähnlich sieht es beim Infrastrukturvermögen – darunter fallen vor allem Straßen und Wege – aus: Mit etwa neun Millionen Euro ist der Wert des Grundes angesetzt, die Aufbauten, also Straßen oder Brücken, stehen mit fast 21 Millionen Euro zu Buche. Die Infrastruktur unterliegt ebenfalls den Abschreibungsregeln, auch hier muss die Stadt also Jahr für Jahr investieren, um dieses Vermögen zu erhalten.

Fünf Millionen Euro Anzahlungen auf Gebäude

Über fünf Millionen sind für „Anlagen im Bau“ erfasst: Darunter sind geleistete Anzahlungen auf Gebäude zu verstehen – die im Bau befindlichen Anlagen werden nach Fertigstellung als Aufbauten auf Grundstücken bilanziert und erhöhen die Werte dieser Positionen. Diese Bilanzposition lässt Rückschlüsse darauf zu, dass die Stadt Künzelsau ihr Vermögen durch Neubauten und Renovierungen tatsächlich erhält oder sogar vergrößert.

Maschinen, Fahrzeuge und Vorräte runden die Position „Sachvermögen“ ab.

31 Millionen Euro an kurzfristig verfügbaren Mitteln

Das Finanzvermögen der Stadt beträgt etwa 70 Millionen Euro, darunter allein 31 Millionen an kurzfristig verfügbaren Mitteln. Die restlichen etwa 40 Millionen setzen sich aus kommunalen Beteiligungen, den Trägerdarlehen an die KünWerke (fast 12 Mio €), dem Eigenkapital der KünWerke (rund 5 Mio €) sowie einem Wertpapierbestand von etwa 23 Millionen zusammen.

Die Anfangsbilanz wurde vom Gemeinderat einstimmig gebilligt und wird im Nachgang von Wirtschaftsprüfern testiert werden.

Die Bilanz sowie die Erläuterungen von Ulrich Walter sind im Bürgerinformationssystem der Stadt unter https://kuenzelsau-sitzungsdienst.komm.one/bi/getfile.asp?id=2032&type=do abrufbar.

 

Text: Matthias Lauterer




„Ich kann nur sagen: Chapeau TSV“

Endlich ist es soweit: Nach vierjähriger Planungsphase fiel am Donnerstag, den 17. September 2020, mit dem offiziellen Spatenstich der Startschuss für das Sportvereinszentrum KÜNfit des TSV Künzelsau. Das alte Vereinsheim ist im Sommer der Abrissbirne zum Opfer gefallen, nun kann mit dem Neubau gestartet werden, dessen Einweihung im Oktober 2021 geplant ist. Im Heinz-Ziehl-Sportpark soll für rund fünf Millionen Euro eine moderne Sportstätte mit Fitness- und Gymnastikräumen und Sauna entstehen (GSCHWÄTZ berichtete).

„Jetzt wird in die Tat umgesetzt, was vor vier Jahren als Idee begann“

Die Gäste der Zeremonie – hauptsächlich langjährige Vereinsmitglieder, Vertreter der Stadt Künzelsau, des Württembergischen Landessportbunds (WLSB) sowie der beteiligten Planungs- und Baufirmen – geizten nicht mit Vorschusslorbeeren. TSV-Präsident Erwin Bergmann blickte in seiner launigen Ansprache zurück auf einen „vierjährigen Marathon“ mit verschiedenen Studien und Vorgaben, die es zu beachten galt. Doch nun werde es ernst: „Jetzt wird in die Tat umgesetzt, was vor vier Jahren als Idee begann“. Ab sofort sei das für jeden sichtbar und deshalb wolle der TSV mit dem Spatenstich einen guten Anfang machen. Bergmann betonte auch: „Trotz Covid-19 müssen wir mutig weitergehen“. Er versteht das KÜNfit als einen Beitrag zur Vorsorge vor Krankheiten. Zudem sei der Neubau nicht nur ein Prestigeobjekt sondern auch eine Unternehmung der rund 1.500 TSV Mitglieder. Und: „Es werden auch ein paar Arbeitsplätze entstehen“. Wenn es rund läuft, so der TSV-Präsident weiter, werde das neue Gebäude in gut 13 Monaten bezogen und „dann geht unsere Arbeit richtig los“.

Baustein-Aktion

Bergmann, der bereits zu Beginn an die Adresse von Bürgermeister Stefan Neumann um eine weitere Unterstützung von Seiten der Stadt geworben hatte, erinnerte an die Bausteinaktion, denn „jedes Haus braucht ein solides Fundament, auf dem es stehen kann“. Bei der Aktion kann für 1.000 Euro Spende eine silberne, für 5.000 Euro eine goldene und für eine Raum-Benennnung eine Platin-Plakette erworben werden. Diese wird an der Außenmauer des neuen Gebäudes angebracht.

„Ich kann nur sagen: Chapeau TSV“

Bürgermeister Stefan Neumann betonte in seiner Rede, wie sehr er sich auf diesen „wichtigen Spatenstich“ gefreut habe: „So ein Tag ist immer ein richtig toller Tag“. In den 60er-Jahren, als das alte Vereinsheim gebaut wurde, sei die Welt noch eine andere gewesen: Damals gab es noch Uwe Seeler, Feldhandball und ein Deutscher hielt den Weltrekord im 100-Meter-Sprint. „Damals war es selbstverständlich, in den Sportverein zu gehen, das geht heute zurück“, bedauerte Neumann. In den 90er-Jahren sei das Stadion erweitert worden, der Heinz-Ziehl-Sportpark sei entstanden, aber in weiten Teilen unverändert sei das TSV-Vereinsheim geblieben. „Die Entscheidung für diese Konzeption ist eine richtige, aber mutige“, betonte der Rathauschef. „Ich kann nur sagen: Chapeau TSV.“ In Sachen Mitglieder und Sporttreibende müsse man neue Wege gehen. Auch wies Neumann auf die 440.000 Euro Förderung hin, mit denen sich die Stadtverwaltung an den Kosten beteilige – immerhin seien das 70 Prozent. „Sie müssen Werbung beim Gemeinderat machen, meine Unterstützung haben sie“, so der Bürgermeister, der dem TSV wünschte, im Kosten- und Zeitrahmen zu bleiben und sich erleichtert zeigte, dass die Stadt „mal nicht dabei ist“.

„Die Wertschätzung ist immer noch groß“

„Ein Verein ist kein Wirtschaftsunternehmen, aber bis hierhin war es bereits sehr, sehr viel Arbeit“, betonte Jan Philippiak, Vorsitzender der Heinz-Ziehl-Stiftung und langjähriges TSV-Mitglied. Zwei Aufgaben habe ein Sportverein: Bewegung und Begegnung. Das sei im alten TSV-Sportheim nicht mehr möglich gewesen. „Seit Corona könnte man meinen, dass Stätten der Begegnung an Stellenwert verloren haben“, sagte er. Doch das sehe er nicht so: „Die Wertschätzung ist immer noch groß“. Sport sei ein Erlebnis und im neuen Sportvereinszentrum können auch die Sportanlagen außen genutzt werden und jeder könne seinen Sport mit einer anderen Sportart verknüpfen. Er wünschte dem TSV „weiterhin ein gutes Händchen, Durchhaltevermögen und Begeisterung“.

„Hier entsteht etwas für die ganze Bevölkerung“

WLSB-Vertreter Marcus Lachenwitzer hat das Projekt von Anfang an begleitet und mitentwickelt. „Ich hoffe, dass der WLSB mehr als nur zahlen geholfen hat“, meinte er. Denn so ein Projekt koste bereits mehrere Jahre im Voraus. „Ich habe den größten Respekt vor den Vereinsmitgliedern für die vielen Stunden, die sie bereits investiert haben“, blickte er zurück. In seiner Ansprache nannte er den Neubau einen „Meilenstein“ und „Aufforderung an alle“. „Hier entsteht etwas für die ganze Bevölkerung und den aktiven Gesundheitssport“, sagte der WLSB-Vertreter. „Die Zeit, die uns geschenkt wird, muss man sinnvoll nutzen, also tun Sie was für sich und bleiben Sie fit“, forderte er die Zuhörer auf. Auch er beglückwünschte den TSV zu „diesem mutigen Schritt“ und meinte: „Ich freue mich jetzt schon riesig auf die Eröffnung“.

„Es ist ein spezielles Grundstück“

Architekt Thomas Auch von a+b freie Architekten aus Weinstadt gab einen Rückblick auf die Überlegungen zu Größe und Form des zukünftigen Sportzentrums. „Es ist ein spezielles Grundstück, nämlich gebogen, und wir mussten versuchen, die Kurve zu kriegen“, sagte er. Das sei nicht einfach gewesen, aber letztlich habe man eine gute Lösung gefunden. Das Gebäude wird keilförmig mit einer Länge von 38 Metern, einer Breite von 22 Metern und 1.500 Quadratmetern Nutzfläche. „Ein Sportverein vermittelt Werte wie Fairness“, so der Architekt. „Das wünsche ich auch für die Baustelle.“

Text: Sonja Bossert

TSV-Präsident Bergmann (Mitte), Bürgermeister Neumann (2.v.r.), TSV-Vizepräsident Beck (3.v.r.), Jan Philippiak (4.v.r.), Vorsitzender der Heinz-Ziehl-Stiftung, WLSB-Vertreter Lachwitzer (5.v.r.), und weitere Vertreter von TSV, Architekturbüro und Baufirmen beim Spatenstich. Foto: GSCHWÄTZ

Die Ruhe vor dem Sturm: Am Heinz-Ziehl-Sportpark soll ein modernes Sportvereinszentrum entstehen. Foto: GSCHWÄTZ

TSV-Präsident Erwin Bergmann erinnerte an die Baustein-Aktion des TSV. Foto: GSCHWÄTZ

Jan Philippiak wies auf die zwei Aufgaben eines Sportvereins hin: Bewegung und Begegnung. Foto: GSCHWÄTZ

WLSB-Vertreter Marcus Lachenwitzer hat das Projekt von Anfang an begleitet. Foto: GSCHWÄTZ

Architekt Thomas Auch wünscht sich Fairness auf der Baustelle. Foto: GSCHWÄTZ