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„Ein faires Preis-Leistungsverhältnis liegt im Auge des Betrachters“

Quartier an der Stadtmauer – so heißt das ehemalige Peka-Areal in Künzelsau nun. Nach einer gefühlten Ewigkeit erfolgte am Dienstag, den 10. November 2020, der symbolische erste Spatenstich. Bald soll die Lücke im Herzen der Kreisstadt des Hohenlohekreises geschlossen werden. Eine mehrjährige Geschichte findet zu einem hoffentlich guten Ende, denn die activ-Group aus Schemmerhofen bei Ulm will auf dem Areal ein kombiniertes Wohn- und Geschäftshaus bauen.

GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus war beim Spatenstich dabei, in seinem Fokus standen vor allem Künzelsaus Bürgermeister Stefan  Neumann und Christian Neudeck, zuständiger Projektentwickler bei der activ-Group.

„Gar nicht unsere Baustelle“

In seiner Begrüßung verwies Bürgermeister Neumann darauf, dass das Gelände jetzt „gar nicht unsere Baustelle ist, sondern die der activ-Group“. Nur noch wenig sei von der Stadt vorbereitend zu leisten. Die Stadt Künzelsau habe in den letzten Wochen noch Erschließungsarbeiten durchgeführt, zum Beispiel einen großen Abwassersammler errichtet. „Jetzt geht es noch um ein paar andere Leitungen, zum Beispiel Gas, aber auch das wird man noch hinbekommen, bevor die Bagger in die Tiefe gehen“, sagte Neumann.

Zwei Jahre seit dem Verkauf vergangen

Im Mai 2018, kurz vor der Bürgermeisterwahl, haben Neumann und Neudeck den Verkauf des Geländes an die activ-Group festgezurrt, jetzt erst ist Baubeginn. Neumann verwies auf die Schwierigkeiten der activ-Group, einen Generalunternehmer zu finden: „Man sieht, dass von der Baugenehmigung bis hin zur Auswahl eines Generalunternehmers schon Tage, Wochen, Monate und teilweise auch Jahre vergehen. Das war kein einfacher Prozess, weil wir uns eigentlich immer noch in einer Phase bewegen, wo in Baden-Württemberg und in Künzelsau noch immer gebaut wird. Das heißt, es war nicht einfach, jemanden zu finden, der die Kapazität hat und wo auch das Preis-Leistungsverhältnis stimmt.“ (GSCHWÄTZ berichtete unter https://www.gschwaetz.de/2020/09/30/activ-group-hat-nun-endlich-einen-generalunternehmer-gefunden/). „Wobei ich dazu sagen muss, dass das nicht auf unsere Rechnung geht, sondern auf die der activ-Group und so freuen wir uns heute mit der activ-Group, dass das geklappt hat.“ Jetzt, so Neumann, sei das einer der wenigen Fälle, wo er sich entspannt zurücklehnen kann.

Eröffnung voraussichtlich im Sommer 2020

Im Frühling 2022 sollten die Geschäftsräume eröffnen können. Christian Neudeck von der activ-Group weist darauf hin, dass er diesen Termin wohl nicht halten kann:  „Wie vorhin beim Spatenstich schon angesprochen, wird aus Frühjahr realistisch der Sommer 2020, das aber wird funktionieren.“ Es sei „grundbuchtechnisch noch nicht möglich“ gewesen, mit dem Verkauf der Wohnungen zu beginnen, sagte Neudeck. „Wir werden in den nächsten Wochen mit dem Verkauf der Wohnungen starten, mit gleichen Chancen für alle.“ Wirklich für alle? GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus hakte nach und fragte nach den Preisen: „Das ist natürlich abhängig von der Größe einer Wohnung, wir gehen davon aus, dass eine Wohnung etwa 4.000 Euro pro Quadratmeter kosten wird. 75 bis 80 Quadratmeter dürfte der Durchschnitt sein, wir haben natürlich Zwei-Zimmer-Wohnungen und auch Vier-Zimmer-Wohnungen mit über 100 Quadratmetern.“

„Wichtig ist, dass wir hier barrierefreies Wohnen haben“

Bürgermeister Stefan Neumann betonte: „Wichtig für die Stadt Künzelsau ist immer der Wohnungsmix.“ Und verwies darauf, dass die Käufer die Wohnungen auch vermieten könnten. „Was ein faires Preis-Leistungsverhältnis ist, liegt natürlich im Auge des Betrachters“. Künzelsau habe aktuell andere Objekte, die Richtung preisgünstiges und soziales Wohnen gehen. Wichtig sei ihm, „dass wir hier barrierefreies Wohnen haben, dass man mit dem Aufzug nach oben kommt. Das ist ein Thema, das – wenn wir ans Alter denken –  für die Innenstadt und innerstädtisches Wohnen ein guter Punkt ist.“

Belebung oder Verarmung der Innenstadt?

Neumann sieht das neue Zentrum als Frequenzbringer und Magnet für den Einzelhandel der Innenstadt, obwohl der belebte Drogeriemarkt Müller die Innenstadt in Richtung PEKA-Areal verlassen wird: „Das PEKA-Areal liegt direkt an der Hauptstraße und was richtig gut ist: Dass wir einen Eingang und einen Kassenbereich haben Richtung Hauptstraße und nicht nur Richtung Konsul-Uebele-Straße.“ Auch die innenstadtnahen Parkplätze seinen ein wichtiger Punkt für Filialisten und Einzelhändler der Stadt.

Projekt „Verwirkliche Deinen Traum“

400 Quadratmeter „in bester A-Lage“ seien für das Projekt „Verwirkliche Deinen Traum in Künzelsau“ reserviert, die bekäme man auch in Künzelsau gut an den Mann oder die Frau. Die Stadt Künzelsau sei ein guter Partner und begleite ein solches Projekt „von der ersten Idee bis zum Businessplan“. Jeder könne ihn persönlich ansprechen – seine Telefonnummer nennt er im Video.

Interview: Dr. Felix Kribus

Transkript: Matthias Lauterer

GSCHWÄTZ berichtete bereits unter:

https://www.gschwaetz.de/2018/11/14/und-taeglich-gruesst-die-baustelle/

https://www.gschwaetz.de/2020/09/30/activ-group-hat-nun-endlich-einen-generalunternehmer-gefunden/

Endlich geht es los: Spatenstich am PEKA-Areal. Foto: GSCHWÄTZ

Christian Neudeck von der activ-Group will in den nächsten Wochen mit dem Verkauf der Wohnungen starten. Foto: GSCHWÄTZ

 




Verkaufsoffener Sonntag

Aufgrund der Pandemie-Einschränkungen musste der traditionelle Herbstmarkt, der für den kommenden Sonntag, den 08. November 2020, in Künzelsau geplant war, abgesagt werden. Der verkaufsoffene Sonntag der Werbegemeinschaft Künzelsau findet an diesem Tag allerdings statt.

Die Geschäfte in der Innenstadt haben von 12 bis 17 Uhr geöffnet.




„Die Freude hält sich in Grenzen“

„Die Freude hält sich in Grenzen“, sagt Konstantin Papadopoulos, der Betreiber des OXN in Künzelsau, über den zweiten Lockdown. Aber er hat GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus auch verraten, dass er nicht mehr so erschrocken sei wie beim ersten Mal, auch wenn die Situation genauso schwierig ist. „Man kann es nicht ganz nachvollziehen, weil es ist ja schon erwiesen, dass es eigentlich weniger von der Gastronomie kommt“, kommentiert der Wirt die erneute Schließung. Aber die Entscheidung sei gefallen und nun müsse man damit leben. Auch er hat keine Lösung, wie man das hätte vermeiden können, denn die Gastronomen hätten schon alles gemacht: „Mehr können wir nicht machen als Gastronomen.“ Seine Mitarbeiter sind nun wieder in Kurzarbeit.

„Es könnte wieder passieren“

Konstantin Papadopoulos hofft, dass es nicht allzu lange dauert mit der Schließung. Aber momentan sei alles möglich und alles ein großes Fragezeichen. „Es könnte wieder passieren ab Januar, Februar“, glaubt er. „Vielleicht, dass im Dezember nochmal aufgemacht wird wegen des Weihnachtsgeschäftes, dass man halt ein bisschen was reinspielt. Und danach kommt wahrscheinlich wieder, denke ich mal, ein Lockdown.“ Zurzeit können die Gäste beim OXN Essen bestellen und dort abholen. Allerdings spielen diese Einnahmen eher eine untergeordnete Rolle, sagt der Wirt, weil dieses Angebot in Künzelsau sehr groß sei und die Leute eher daheim bleiben würden, als sich etwas abzuholen.

„Die haben nur den Kopf geschüttelt“

Die Reaktion seiner Gäste auf die Schließung war weniger verständnisvoll, hat der Wirt erfahren: „Die Gäste haben alle nur den Kopf geschüttelt nach der Entscheidung und die verstehen es selber auch nicht, weil sie ja wissen, dass die Maßnahmen hier alle getroffen sind. Sie wissen auch, wie es woanders ist – zum Beispiel Busse und Bahnen – dass die Ansteckungsgefahr da natürlich extremer ist.“ Dennoch fühlt er sich nicht benachteiligt, auch wenn beispielsweise Friseure weiterhin ihrer Arbeit nachgehen dürfen. Er sei froh über „jeden, der sein Geschäft machen kann“. Nun hofft er, dass „es irgendwann mal aufhört und ein Schlussstrich gezogen wird und man sagt, okay, wir müssen jetzt mit dem Virus weiterleben.“

 

Der OXN in Künzelsau hat wie alle anderen Gaststätten wegen Corona im November 2020 geschlossen. Foto: GSCHWÄTZ




„Wir sind seit März stillgelegt“

Marktbeschickerin Tanja Fankhauser aus Fichtenau hat auf dem Künzelsauer Simon-Judä-Markt Stoffmasken in allen möglichen Variationen angeboten. Eigentlich verkauft sie Wärmekissen aus eigener Produktion. „Ich hätte mir niemals denken lassen, dass ich sowas überhaupt produziere“, sagte sie im Gespräch mit GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus. „Aber die Not hat uns erfinderisch gemacht.“ In Corona-Zeiten bräuchten die Menschen Masken und so sei man über Nacht in die Produktion eingestiegen.

„Dann sind Sie arbeitslos“

Doch nicht nur bei neuen Produkten, sondern auch auf die Existenzgrundlage der Marktbeschickerin und ihrer Kollegen hat die Pandemie großen Einfluss. „Wir sind seit März – eigentlich seit dem ersten Lockdown – stillgelegt und haben keine Einkünfte“, beklagte sie. „Wir leben für die Menschen, wir kommen und bringen Freude, bringen Waren, die bekommen Sie im normalen Handel nicht. Und wenn Ihnen von heute auf morgen die Arbeit genommen wird und Sie bekommen nur Verbote, dann sind Sie arbeitslos.“ Dennoch habe sie lediglich die erste Soforthilfe beantragt.

„Wir kämpfen dafür“

Zur angespannten wirtschaftlichen Situation kommen noch die psychischen und emotionalen Belastungen dazu. Sie sei für den Markthandel geboren und auch so aufgewachsen, wie auch ihre Eltern schon. Deshalb empfinde sie die Beschränkungen als „einen sehr großen Einschnitt in unsere Menschenwürde.“ Doch sie macht sich auch Mut: „Wir sind selbstständige Marktkaufleute und wir kämpfen dafür.“ Von der Politik fühlt sich Tanja Fankhauser nicht gerecht behandelt: „Die Gleichbehandlung ist nicht korrekt dargestellt in Bezug auf unsere Verkaufsstrategie, die wir eigentlich führen. In ein großes Kaufhaus dürfen 3.000 Menschen rein. Und hier – Sie sehen diese Situation – hier geht der eine oder andere über den Markt und es ist hier kein Gedränge. Es ist doch alles möglich.“ Dennoch möchte sie der Stadtverwaltung sowie der Marktleitung, Bürgermeister und Stadträte „ein großes Dankeschön“ aussprechen: „Im Moment liegt es in der Hand von diesen Menschen, ob wir kommen dürfen oder nicht. Das ist kommunal geregelt.“

„Das tut uns jetzt sehr gut“

Die Kunden würden sich freuen, dass die Markthändler kommen, hat Tanja Fankhauser erfahren. „Man kauft seine bestimmten Dinge auf dem Krämermarkt und das sind zuverlässige Kunden und die erwarten uns Händler dann“, sagte sie. „Das ist wichtig für uns und das tut uns jetzt im Moment auch für die Seele sehr gut, dass unsere Kundschaft hinter uns steht. Wir werden gebraucht.“ Außerdem sei so ein Markt wie ein „Kaufhaus unter freiem Himmel“ und im Verbund mit den Hygienekonzepten sei da die Corona-Gefahr eher gering.

„Da fällt einem ja nichts ab“

Marktbesucherin Sabine ist eigens für den Simon-Judä-Markt aus Neuenstein nach Künzelsau gekommen. „Da komme ich schon jahrelang her. Das ist irgendwie Pflicht“, sagte sie. Sie war auf der Suche nach neuen Masken, denn die „muss immer passend zum Outfit sein“. Sie rechne damit, dass die Menschen mit Corona werden leben müssen. Deshalb finde sie auch die Maskenpflicht gut: „Man soll sich selber schützen und die anderen auch. Da fällt einem ja nichts ab, wenn man das Ding aufsetzt. Ich finde es unverantwortlich, wenn es die Leute nicht machen.“

Video: Dr. Felix Kribus

Kundin Sabine findet, dass „einem nichts abfällt“, wenn man eine Maske trägt. Foto: GSCHWÄTZ

 

Masken in allen Variationen gab es an Tanja Fankhausers Stand auf dem Künzelsauer Simon-Judä-Markt. Foto: GSCHWÄTZ




Mehr Natur für Künzelsau

Seit Mitte Oktober werden die im Rahmen des Projekts „Natur nah dran“ ausgewählten Flächen in Künzelsau vorbereitet, um sie in blühende Blumenwiesen und Wildstaudenflächen umzuwandeln, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung. So wurde das alte Erdreich von Rasen- und Beet-Flächen in den Wertwiesen ausgebaggert und mit einem Gemisch aus Schotter und Kompost wieder aufgefüllt. Dies sei nötig, damit die Wildblumen und Wildstauden dort gedeihen können – sie benötigen einen sehr mageren Boden um wachsen zu können. „Das neu eingebrachte Schotter-Kompost-Gemisch hat außerdem den Vorteil, dass es nahezu unkrautfrei ist“, so Sebastian Frey in der Mitteilung. „Durch den teilweisen Bodenaustausch werden die im Boden schlummernden Samen von weniger erwünschten und sich schnell ausbreitenden Pflanzen wie Melde, Knöterich oder Weißklee entfernt. Die Blumensamen und Stauden die nun ausgebracht werden, sind für relativ trockene Standorte geeignet und haben einen verhältnismäßig geringen Pflegeaufwand“, erklärt der Diplom Landschaftsökologe aus Neckarsulm. Er berät die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs im Auftrag des NABU bei der Neuanlage der naturnahen Grünflächen.

Ursprünglichen landschaftlichen Zustand kopieren

Sebastian Frey hat sich in der letzten Oktober-Woche mit dem stellvertretenden Bauhofleiter Jochen Lutz und zwei Gärtnern des städtischen Bauhofs in den Wertwiesen getroffen. Auf seinem Klemmbrett hat er eine lange Liste mit Pflanzen, die alle in den Boden kommen. Am Rand der Parkplätze werden die teils noch bestehenden Sträucher mit heimischen Wildsträuchern und Wildrosen zu einer gemischten blühenden Hecke ergänzt. Sie dient als Nistgehölz für Vögel und Insekten. Die Wildformen unter anderem von Königskerze, Steppensalbei, Natternkopf, Färberkamille oder Lein werden in den neuen Saumstreifen und den Blumenwiesen Nahrung und Unterschlupf für Insekten und Kleinlebewesen sein. „Wir möchten eine Kopie eines ursprünglichen landschaftlichen Zustandes erreichen“, sagt Sebastian Frey.

Wertvolle Lebensräume brauchen Zeit sich zu entwickeln

Schon ab dem nächsten Frühjahr erwarten das Bauhofteam und NABU-Projektleiter Martin Klatt eine reiche Blüte für Tiere wie Mauerbienen, Stieglitze oder Schachbrettfalter. „Es braucht jetzt etwas Geduld, aber in den nächsten ein bis zwei Jahren werden sich die Flächen zu wertvollen und langjährigen Lebensräumen entwickeln.“

Start in den Wertwiesen

Weitere naturnahe Flächen sollen im Stadtgebiet noch geschaffen werden. „Heute sind wir mit Sebastian Frey noch entlang des Kochers im Innenstadtbereich unterwegs, um zu schauen, wo wir noch Flächen naturnah umgestalten können“, so Jochen Lutz. „Der Rat des Fachmanns ist für uns in der praktischen Umsetzung sehr wertvoll und hilft uns auch weiter bei der richtigen Pflege der neuen naturnahen Grünflächen.“ Die ersten, in Künzelsau mit „Natur nah dran“ umgewandelte Flächen liegen in den Wertwiesen. An diesen Grünflächen werden vorübergehend Schilder aufgestellt, die kurz und knapp erklären, warum Baggerarbeiten stattgefunden haben und Substrat eingearbeitet wurde. Später werden diese durch feste Infotafeln ersetzt, die auf die wertvollen Lebensräume für die biologische Vielfalt hinweisen.

Landesweites Projekt

Künzelsau ist eine von 15 Städten und Gemeinden, die sich erfolgreich um eine Teilnahme am landesweiten Projekt „Natur nah dran“ für 2020 beworben hatten. Das Kooperationsprojekt des NABU und des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (UM) unterstützt von 2016 bis 2020 jährlich bis zu 15 Kommunen bei der Anlage naturnaher Grünflächen. Jede teilnehmende Kommune erhält eine Zuwendung in Höhe von 50 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben, maximal 15.000 Euro.

Weitere Informationen sowie kurze Videos zum Projekt gibt es unter http://www.Naturnahdran.de.

 

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau

Austausch unter Experten (v.l.): Gärtner des Baufhofs, der stellvertretende Bauhofleiter Jochen Lutz und der Landschaftsökologe Sebastian Frey. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau

 

Die Grasnarbe wird abgetragen und ein Schottergemisch eingebracht. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau

 

 




Live-Stream: „Corona-Pandemie – global und lokal“

Am Mittwoch, den 21. Oktober 2020, findet der zweite Vortrag im Rahmen der Vortragsreihe „Gesundheit“ mit einem Sonderthema statt, heißt es in einer Pressemitteilung. Dr. Antje Haack-Erdmann, Leiterin des Gesundheitsamtes Hohenlohekreis, berichtet ab 19.30 Uhr im Vortrag „Corona-Pandemie – global und lokal“ mit einem Rückblick über den bisherigen Verlauf und den Versuch einer Prognose über zukünftige Herausforderungen der Pandemie generell und im Hohenlohekreis.

Aus gegebenem Anlass kann der Vortrag nicht im Künzelsauer Rathaus stattfinden. „Trotzdem möchten wir den Vortrag nicht absagen, zumal sicherlich viele gerade an diesem Vortragsthema interessiert sind und vorab oder anschließend eigene Fragen stellen können. Deshalb findet er als Live-Übertragung statt“, so Bürgermeister Stefan Neumann in der Mitteilung.

Die Fragen können vorab per E-Mail an helen.buehler@kuenzelsau.de gesendet werden. Aber auch während des Vortrags können Benutzer über die Kommentarfunktion spontan Fragen stellen. Der Live-Stream kann ganz einfach und kostenfrei über https://www.youtube.com/watch?v=ZLIk6ZMc_lA&feature=youtu.be oder den städtischen YouTube-Kanal http://www.youtube.de/stadtkuenzelsau aufgerufen werden.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau




Reinhold-Würth-Hochschule wegen Corona geschlossen

Wegen der aktuellen Corona-Lage finden ab kommenden Montag, den 19. Oktober 2020, an den vier Standorten der Hochschule Heilbronn (HHN) – unter anderem die Reinhold-Würth-Hochschule Campus Künzelsau – keine Präsenzveranstaltungen mehr statt. Studenten werden nur noch online lernen, das gilt auch für die Erst- und Zweitsemester. Lediglich vereinzelte Labore, die ein Hygienekonzept vorgelegt haben, sollen dann geöffnet sein. Auch die Drucker in den Gebäuden können die Studenten weiterhin benutzen.

Diese Entscheidung wurde von der Hochschulleitung nach Absprache mit der Stadtverwaltung und dem Gesundheitsamt getroffen. „Das ist die vernünftigste Lösung“, findet HHN-Pressesprecher Torsten Robert im Gespräch mit GSCHWÄTZ. „Auch die meisten anderen Hochschulen in Baden-Württemberg machen das so.“




Der Zeitwert einer Katze

Am Mittwoch, den 14. Oktober 2020, fand vor dem Amtsgericht Künzelsau der Prozess einer Katzenhalterin aus Ingelfingen gegen den Ingelfinger Bürgermeister Michael Bauer statt. Hintergrund war die Attacke des Bürgermeister-Hundes auf diese Katze. Diese Katze ist an den Folgen der Attacke verstorben beziehungsweise musste eingeschläfert werden (GSCHWÄTZ berichtete unter https://www.gschwaetz.de/2020/10/02/buergermeister-muss-verwarnungsgeld-zahlen/). Streitgegenstand war ein verbleibender Schadensersatz von 212,09 Euro, der von der Versicherung des Beklagten nicht ausgeglichen wurde.

„Man hätte das auch anders regeln können“

Richter Sven Brückner legt zu Beginn der Verhandlung die Rechtslage klar: „Tiere werden beim Schadensersatz wie Sachen behandelt. Ein Schmerzensgeldanspruch der Klägerin kann nicht zur Debatte stehen.“ Umgekehrt gelte für den Beklagten eine „Tierhalterhaftung“ ähnlich der allgemeinen Betriebsgefahr eines Kraftfahrzeugs. Er müsse verschuldensunabhängig für Schäden haften, die von seinem Tier verursacht werden.

Nachdem der Bürgermeister den Vorfall aus seiner Sicht detailliert schildert – er habe die Leine schon in der Hand gehabt und er wollte seinen Hund gerade anleinen, als er abgelenkt worden sei und gleichzeitig der Hund auf die Katze losgegangen sei, zeigt Richter Brückner ein Überwachungsvideo des Vorfalls.

Kleinere Geplänkel, etwa darüber, ob es sich um eine Rassekatze oder nicht handelt, werden vorgetragen.

Appell an die Jäger-Ehre

Interessanterweise legen beide Parteien Wert auf die Feststellung, „man hätte das auch anders regeln können“. Der Klägerin ist das Risiko, dass einer Katze, die als „Freigängerin“ gehalten wird, jederzeit etwas zustoßen kann, bewusst. Sie wirft Bauer vor, dass er nicht geklingelt habe, obwohl jemand im Haus gewesen sei. Außerdem spricht sie seine Ehre als Jäger an: Er habe mit seinem ausgebildeten Jagdhund auf „Nachsuche“ gehen müssen, um der Katze unnötiges Leid „mit ihren zerfetzten Organen“ zu ersparen, da Hunderisse in aller Regel zum Tod der Katze führten. Rechtsanwalt Alexander Foidl bezeichnet das als „Nachtatgeschehen“.

Umgekehrt führt Bürgermeister Bauer an, dass er davon ausgegangen ist, dass niemand zu Hause sei: „Ich hätte klingeln können, ich hab’s nicht gemacht, es tut mir leid“, sagt er. Er habe aber  am selben Abend, als die Klägerin und ihr Lebensgefährte ihn aufgesucht hätten, noch die Begleichung aller Auslagen angeboten und erklärt, dass der Vorgang ihm leid tue. Auch seien ihm die möglichen Folgen des Hunderisses nicht bewusst gewesen, er habe das nicht so realisiert, da die Katze ja noch weggerannt sei.

Als die Argumente der Parteien emotional werden und in Gebiete abgleiten, die eher nicht verfahrensgegenständlich sind, weist Richter Brückner auf die Anwesenheit der Presse hin, was Michael Bauer mit „wenn man das GSCHWÄTZ als Presse bezeichnen kann“ quittiert.

Anwalt argumentiert mit „Zeitwert“ eines Tiers

Kurz bevor Richter Brückner die Verhandlung beschließt, schließt Rechtsanwalt Prof. Dr. Klaus-Werner Frink, der Anwalt von Michael Bauer, seinen Vortrag mit: „Sie sind mit dem Betrag, den die Haftpflichtversicherung bezahlt hat, gut bedient“ und untermauert das mit einem Urteil des Landgerichts Heilbronn, wonach der Wert eines Greifvogels aufgrund seines hohen Alters niedriger angesetzt worden sei als vom damaligen Kläger verlangt.

Die Urteilsverkündung ist für den 21. Oktober, 12 Uhr, angesetzt.

Text: Matthias Lauterer

 

Die Stufen zum Recht. Amtsgericht Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

„Auf dem Rechtsweg“. Foto: GSCHWÄTZ




Schutzhütte Spielpatz Mäusdorf bekommt am meisten Stimmen

Die finalen Projekte des Künzelsauer Bürgerbudgets stehen fest, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung. Knapp 800 Künzelsauer hatten im September per Online-Voting für ihr Wunschprojekt abgestimmt. Die meisten Stimmen strich der geplante Neubau einer Schutzhütte auf dem Spielplatz in Mäusdorf ein – 183 Künzelsauer votierten für sie. Dieses und sechs weitere Projekte können jetzt mithilfe der Albert Berner-Stiftung umgesetzt werden. Die gemeinnützige Stiftung war spontan mit 50.000 Euro eingesprungen, nachdem das städtische Budget Corona-bedingt eingefroren worden war. Für die Schutzhütte erhält die Dorfgemeinschaft Mäusdorf nun 8.000 Euro.

Weitere finanziell geförderte Projekte

Neben der Schutzhütte werden folgende Projekte finanziell gefördert: „Jugendfeuerwehr Spielstraße Erneuerung und Erweiterung“ der Jugendfeuerwehr Künzelsau erhält 10.000 Euro, für ihr Projekt „Sanierung des Grill- und Freizeitplatzes sowie der Schutzhütte auf dem Wartberg“ erhält der Künzelsauer Seniorinnen und Senioren e.V. 9.000 Euro. Für „Bänke zum Ausruhen“ gehen 7.500 Euro an die Stauder Stiftung. „Hilfen in der letzten Lebensphase“ vom Hospizdienst Kocher-Jagst wird mit 1.750 Euro unterstützt, die „Sanierung der Bocciabahn und Pflanzung von Bäumen für Sonnenschutz“ des TSV Künzelsau 1846 e.V. mit 6.000 Euro und die „Erneuerung der Veranstaltungstechnik im alten Bahnhof“ des Jugendkulturvereins Kokolores Künzelsau e.V. mit 3.500 Euro.

„Mit dieser Förderung werden ganz unterschiedliche Projekte auf den Weg gebracht“

„Diese Projekte haben auch die Künzelsauer Bevölkerung überzeugt – in der Online-Abstimmung haben sie die meisten Stimmen erhalten“, erklärt Bürgermeister Stefan Neumann in der Mitteilung. „Mit dem Bürgerbudget unterstützen wir gemeinsam, dieses Jahr dank der Albert Berner-Stiftung, Künzelsauer Personen oder Organisationen, die Ideen für Künzelsau haben und sich einbringen. Es freut es mich, dass mit dieser Förderung ganz unterschiedliche Projekte auf den Weg gebracht werden können.“

„Die enorme Resonanz hat uns noch einmal bestätigt“

„Die Vielseitigkeit der eingereichten Vorschläge hat uns sehr beeindruckt. Die Künzelsauer bringen sich kreativ und engagiert für ihre Heimat ein“, freut sich Ursula Berner, Vorsitzende der Albert Berner-Stiftung, die sich ebenfalls für die Region stark macht und in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feiert. „Die enorme Resonanz hat uns noch einmal darin bestätigt, dass es genau richtig war, die Künzelsauer in diesem Jahr bei der Umsetzung ihrer Herzensprojekte zu unterstützen.“

Ergebnis der Online-Abstimmung

Vom 11. bis zum 27. September konnte die Künzelsauer Bevölkerung abstimmen: Welches Projekt soll mit dem Bürgerbudget gefördert werden? Insgesamt 797 gültige Stimmen wurden abgegeben. Auf Grundlage der Ergebnisse der Online-Abstimmung haben Vertreter der Albert Berner-Stiftung die Mittel vergeben. Insgesamt 50.000 Euro stehen zur Verfügung. Dieser Topf ist ausreichend, um die ersten sieben Projekte mit den beantragten Fördersummen zu unterstützen.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau

 

Die Jugendfeuerwehr Künzelsau erhält 10.000 Euro für ihr Projekt „Jugendfeuerwehr Spielstraße Erneuerung und Erweiterung“. Foto: Jugendfeuerwehr Künzelsau

Der Künzelsauer Seniorinnen und Senioren e.V. erhält eine Förderung für die Sanierung des Grill- und Freizeitplatzes sowie der Schutzhütte auf dem Wartberg. Foto: Ehrenfried Biehal




„Wir haben die Schnauze voll“

„Mit zunehmender Dauer der Maskenpflicht ist die Akzeptanz dafür in der Bevölkerung im Rückgang“, erzählt Daniel Fessler, Pressesprecher des Polizeipräsidiums in Heilbronn. „Das Einhalten der Abstände und das Tragen der Masken wird oft sehr nachlässig behandelt. Außerdem haben wir festgestellt, dass es der Bevölkerung größtenteils noch gar nicht bewusst ist, dass man nicht nur im Personennahverkehr, sondern auch auf den Bussteigen eine Maske tragen muss. Auch deshalb sind wir heute hier, um Aufklärungsarbeit zu leisten.“

„Ein bisschen überrascht war ich schon.“

Die Aufklärungsarbeit sieht am vergangenen Mittwoch, den 30. September 2020, zwischen 12 und 13 Uhr folgendermaßen aus: Ein Team aus Künzelsauer Polizeibeamten, verstärkt von Öhringer Kollegen, positioniert sich am Busbahnhof und geht aktiv auf Menschen zu, die ihre Maske auf dem Gelände des Busbahnhofs nicht oder nicht ordnungsgemäß tragen. Ein Beamter spricht Luan Bundschuh an, weil er keine Maske trägt. Der 15-Jährige verrät nach der Kontrolle: „Ein bisschen überrascht war ich schon, aber ich habe mein Attest immer dabei. Die Polizei tritt heute eher autoritär auf. Ich finde aber, dass sich das auch so gehört. Würde die Polizei kumpelhaft auftreten, hätte man automatisch weniger Respekt.“

„Für mich war es ein Schock.“

Ein lauter, nachdrücklicher Ruf: „Hallo!“  Ein Griff des Polizisten an seine eigene Maske, der dem Angesprochen ein eindeutiges Zeichen gibt. Robert Wolak und den Beamten trennen zirka 50 Meter, doch Wolak reagiert sofort. „Für mich war es ein Schock, von dem Polizisten auf die Maskenpflicht aufmerksam gemacht zu werden, denn ich habe einfach nicht damit gerechnet, dass das auch auf dem Gelände Pflicht ist“, erklärt Wolak. Svea Kövilein hat Verständnis für die Kontrollen. Doch die 14-Jährige stellt auch klar: „Für die Personen, die Asthma haben, wie ich auch, ist es schwer, mit der Maske zu atmen.“

Das Thema polarisiert

Obwohl der Einsatz absolut friedlich und freundlich verläuft und die Stimmung am Busbahnhof im Großen und Ganzen positiv ist, ist doch präsent, wie sehr das Thema polarisiert. Während Edmond Xhani plädiert: „Die Polizei könnte so etwas ruhig öfter machen“, sagt Mustafa Brkic ganz klar: „Wir sind Krankenpfleger und wir haben die Schnauze voll von den Maßnahmen!“

„Das ist vergleichbar mit den Gurten im Auto.“

Die Polizeibeamten haben heute wieder einmal bewiesen, dass weniger oft mehr und Präsenz die beste Prävention ist. „Meistens reicht es auch einfach schon, dass die Menschen uns sehen und schon ziehen sie ihre Masken auf. Das ist vergleichbar mit den Gurten im Auto oder dem Handy im Straßenverkehr“, merkt Fessler an. So ist auch am vergangenen Mittwoch alles ruhig verlaufen – bis auf ein paar Tränchen, die verdrückt werden mussten.

„Wir mussten heute kein einziges Bußgeld verhängen.“

Doch fertig ist die Polizei an diesem Tag noch lange nicht, die nächsten Stationen sind das Ganerben-Gymnasium und ein hoch frequentierter Kreuzungspunkt in Forchtenberg. „Hier sind dann tatsächlich auch verdeckt Kollegen positioniert, die in die Busse hineinschauen und kontrollieren, ob dort die Masken getragen werden“, kündigt Fessler an. Und obwohl der Großeinsatz im Hohenlohekreis noch nicht vorbei ist, schließt der 28-Jährige die Künzelsauer Kontrolle schon einmal mit einer positiven Bilanz ab: „Wir mussten heute kein einziges Bußgeld verhängen.“

Text: Priscilla Dekorsi

Die Bilanz der Polizei fiel an diesem Tag positiv aus. Foto: GSCHWÄTZ

Bußgelder mussten nicht verhängt werden. Foto: GSCHWÄTZ