Vor nicht allzu langer Zeit von Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann als Gesundheitscampus angekündigt, gehofft und auch gewünscht. Nun tritt das ein, was viele bereits befürchtet hatten. Als Ausgleich für das wegrationalisierte Krankenhaus öffnet nun ein lange versprochenes MVZ (medizinisches Versorgungszentrum) mit 2 Ärzten, die sowieso schon in Künzelsau praktizieren.
Pilotprojekt Notfallpraxis wurde schnell wieder beendet
Nachdem das Künzelsauer Krankenhaus am 15. November 2019 im Zuge von Sparmaßnahmen des Landes Baden-Württemberg und des Hohenlohekreises geschlossen wurde, da es laut dem Kreistag rote Zahlen schrieb (wir berichteten), kündigte Künzelsaus Rathauschef einen Gesundheitscampus für die Kreisstadt mit einem MVZ im ehemaligen Krankenhausgebäude als Alternative an. Doch bereits die ersten Maßnahmen hierzu waren erfolglos.
Eine Notfallpraxis als Pilotprojekt befanden diverse Kreistagsmitglieder, darunter allen voran Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck, für nicht tauglich und beendeten unlängst nach nur wenigen Monaten das Pilotprojekt im ehemaligen Krankenhausgebäude (wir berichteten).
Die Kosten in Öhringen scheinen eine eher untergeordnete Rolle zu spielen
Währenddessen gruben sich Bauarbeiter und Archäologen durch die Untiefen neben dem Öhringer Krankenhausgebäude, da unter der Fläche, auf dem ein neues Krankenhausgebäude für Öhringen und den gesamten Hohenlohekreis entstehen sollte, wertvolle Funde aus der Römerzeit lagerten. Während weiter mit einem spitzen Bleistift in Künzelsau gerechnet wurde und immernoch wird, scheinen die Kosten in Öhringen indes nur eine untergeordnete Rolle.
Ursprünglich sollte das Künzelsauer Krankenhaus erst geschlossen werden, wenn der Neubau in Öhringen fertig ist. Auch dieses Versprechen wurde wie zahlreiche weitere nicht gehalten. I2023 soll der Neubau in Öhringen fertig sein. Im Kreistag fiel diesbezüglich nun der ursprünglich von Künzelsaus Bürgermeister Neumann eingeführte Begriff Gesundheitscampus – allerdings nicht nur Künzelsau, sondern für Öhringen.
BBT Belsebub und Heilsbringer zugleich
Die BBT-Gruppe als Mehrheitseigner des Hohenloher Krankenhauses seit 2019 ist hier Belsebub und Heilsbringer zugleich. Unter der Federführung der BBT zusammen mit dem Hohenlohekreis fiel das Krankenhaus Künzelsau, aber gleichzeitig ließ sie nun ein MVZ im ehemaligen Krankenhausgebäude entstehen – mit sich selbst als Eigentümer. Das bedeutet: die Ärzte, die in das MVZ mit ihrer Praxis ziehen, arbeiten nicht mehr länger selbstständig, sondern als Angestellte der BBT. Das wollen viele Ärzte nicht, erklärte Dr. Krist vor nicht all zu langer Zeit in einem GSCHWÄTZ-Interview.
Mittlerweile haben sich mit dem Allgemeinmediziner Dr. Köhler und dem Gynäkologen Dr. Tischler nun aber doch zwei Ärzte gefunden für das MVZ. Dies bedeutet jedoch keins bessere Gesundheitsversorgung für Künzelsau, da beide bereits in Künzelsau praktizieren.
Ein Mehrwert für Künzelsau stellt dagegen das Hospiz dar, das ebenfalls in das alte Krankenhausgebäude kommen soll, wenn die nötigen Umbauten abgeschlossen sind. Für Sterbenskranke zweifellos ein Segen, so nah sein Hospiz zu haben. Für die alltägliche Gesundheitsversorgung bietet das neue und vollmundig angekündigte MVZ, das ab 2021 an den Start gehen soll, bislang allerdings noch keinen Mehrwert.
Text: Dr. Sandra Hartmann