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Ochse, Esel, Elefant und Känguru

Die klassische Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium von der Ankündigung des Messias durch Jesaja, über die Herbergssuche, die Geburt Christ bis zur Huldigung durch die Weisen aus dem Morgenland erzählen die Krippendarstellungen aus aller Welt, die vom ersten Advent bis zum 29. Januar 2023 im Museum Würth (Verwaltungsgebäude) gezeigt werden, in bildhafter Sprache, mit der traditionellen Figürlichkeit und den Materialien der jeweiligen Region.

Herbergssuche. Eine Darstellung aus Deutschland. Foto: GSCHWÄTZ

Dr. Christoph Becker, Vorsitzender des Kunstbeirats der Würth-Gruppe, führt in die Entwicklung der weihnachtlichen Krippenkultur ein: Entstanden in katholischer Tradition in Italien fanden die Krippen seit dem 13. Jahrhundert ihren Weg in die katholische Welt Europas, wo sich jeweils eine lokale Tradition entwickelt hat.

Typische neapolitanische Darstellung. Foto: GSCHWÄTZ

Krippen als Produktwerbung für die Kirche

Während der Reformation fanden die Krippen ihren Weg in die Wohnstuben von Menschen –  für die Protestanten der damaligen Zeit waren die bildhaften Darstellungen, wie sie in katholischen Kirchen bis dahin gezeigt wurden, nicht mehr erwünscht. Und in der Gegenreformation ab dem Ende es 16. Jahrhunderts sollten, so drückt es Becker aus, die Krippen „Werbung machen für Menschen, die sich von der trockenen Art der Verkündung abwenden“ – das scheint gelungen, viele Krippen strahlen, vor allem in den Nebenfiguren, eine wahre Lebensfreude aus: Da wird musiziert und getanzt, es werden aus dem Volk alle Gaben, die die Landwirtschaft hergibt, zum Stall gebracht. Traurige Menschen sieht man im Umkreis der Krippe nicht.

Figuren aus Portugal. Foto: GSCHWÄTZ

„Das sind ja wir“

Die zeitgenössische und regionale Kleidung der Krippenfiguren zeigt den Gläubigen: „Das sind ja wir“, erklärt Becker.  „Es ist schon eine Art kirchliche Propaganda“, die den Menschen das Dogma der Jungfrauengeburt nahebringen sollte.

Alle Materialien, die zur Verfügung stehen

Kuratorin Carla Mannschedel betont die Materialvielfalt. Es wurden alle Materialien benutzt, die zur Verfügung standen: Nicht nur Krippen aus Holz, Stein und Ton, sondern auch aus Salzteig, Metall, ja sogar Krippen aus einem Straußenei und einem Walzahn sind zu sehen.

Ein peruanischer Krippenschrein, ein „Retablo“. Foto: GSCHWÄTZ

Auch die dargestellten Figuren unterscheiden sich regional: So gibt es eine arktische Krippe, in der nicht Ochs und Esel, sondern Eisbär, Robbe und sogar ein offenbar weitgereister Pinguin zu erkennen sind. Elefanten, Känguruhs sind dabei – eine wahre Mammutaufgabe für Kinder, all die Tiere zu finden, die in unseren Breiten nicht traditionell zur Krippe gehören. Sie werden allerdings von einem eigens für Kinder geschaffenen Audio-Guide bei ihren Entdeckungen unterstützt.

Krippe von K.Limpke mit grönländischem Motiv und einem weitgereisten Pinguin. Foto: GSCHWÄTZ

Von großer Kunst über Kunsthandwerk bis hin zu dem, was in unseren Augen kitschig wirken mag, ist alles vertreten. Die Interpretation der Geburtsgeschichte ist vielfältig: mal opulent ausgeschmückt, mal eher karg. Realistische Figuren wechseln sich mit künstlerisch verfremdeten Darstellungen ab. Krippen zeigen unterschiedlichste Umgebungen, mal mit gesellschaftlichem Leben rundherum, mal völlig losgelöst.

Rund um diese Geburtsszene aus Togo geht das Leben seinen üblichen Gang. Foto: GSCHWÄTZ

Ulfert-Buchholz-Sammlung

Die Direktorin der Sammlung Würth, C. Sylvia Weber, erklärt, dass die Krippen nicht ursprünglich von Würth gesammelt wurden: Die Präsentation beruht auf der Ulfert-Buchholz-Sammlung, der Krippen-Sammlung von Edwin und Wilma Buchholz, benannt nach dem Sohn des Ehepaars. Die private Sammlung von rund 700 Krippen aus mehr als 130 Ländern von fünf Kontinenten fand 2002 Eingang in die Sammlung Würth. 150 Krippen dieser Sammlung sind in Gaisbach ausgestellt, viele andere sind während der Adventszeit an andere Museen ausgeliehen.

Vom 25. Dezember 2022 bis 29. Januar 2023

Die Ausstellung „Ochse, Esel, Elefant und Känguru – Weihnachtskrippen von Neapel bis Sydney in der Sammlung Würth“ ist bis 29. Januar täglich von 11 bis 18 Uhr im Museum Würth in Künzelsau zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Moderne Interpretation der Krippenszene von Marc Fromm. Foto: GSCHWÄTZ

 

Ein katalanischer Caganer darf nicht fehlen. Foto: GSCHWÄTZ

Begleitprogramm zur Ausstellung im Alma Würth Saal, Museum Würth

  • Krawall im Stall: Lesung für Kinder mit Veronika Fischer, Sonntag, 4. Dezember 2022, 11 Uhr
  • Charles Dickens Weihnachtsgeschichte: Live-Hörspiel für die ganze Familie mit Max Urlacher, Sonntag, 11. Dezember 2022, 14 Uhr
  • Pendel-Marionettentheater, Mittwoch, 28. Dezember und Donnerstag, 29. Dezember 2022, jeweils 11 Uhr
  • Mein Lieblingstier heißt Winter? Lesung mit Ferdinand Schmalz, Sonntag, 22. Januar 2023, 17 Uhr

Eintritt frei. Begrenzte Platzzahl.

  • Öffentliche Führungen, Dauer: 60 Minuten, 6 Euro pro Person, jeden Sonntag, jeweils 15 Uhr

Um Anmeldung per E-Mail an museum@wuerth.com wird gebeten.

Text: Matthias Lauterer