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Recycling mit Herz

Müllvermeidung, Wiederverwertung und Selbermachen sind für die Kreßbergerin Susanne Strang ein Herzensthema. Deshalb haucht sie alten Dingen neues Leben ein und hält Vorträge zum Thema Plastik.

Vorträge zum Thema Plastik

Sie gibt gerne ausgemusterten Dingen eine neue Bedeutung und fertigt Sachen, die nicht bloß zur Deko sondern auch anderweitig verwendbar sind. „Viele Dinge wie alte Stoffe vermodern nur im Schrank“, sagt Susanne Strang. „Das ist doch schade.“ Die selbstständige Fußpflegerin macht gerne Handarbeiten und bezeichnet sich selbst als sehr kreativen Menschen. Bereits im Alter von zwölf Jahren hat sie „angefangen, Sachen selbst zu machen“. Und weil ihr Müll- und Plastikvermeidung sowie Recycling ein Herzensthema sind, schritt sie zur Tat: Im Internet sah die heute 51-Jährige aus Kreßberg bei Crailsheim herzförmige Kissen, die der Nackenentlastung dienen. Sie begann, solche Kissen zu nähen und verkauft sie seit ein paar Jahren auf Weihnachts- und Kreativmärkten. „Die Kissen haben einen Nutzen und sehen auch noch hübsch aus“, sagt sie. „Das rundet das Ganze ab.“

„Die Kissen haben einen Nutzen und sehen auch noch hübsch aus“

Im heimischen Näh- und Bastelzimmer arbeitet die zweifache Mutter am liebsten mit Cord und Baumwolle. Alten Damast mag sie aber auch. „Der Stoff soll waschbar und stabil sein“, sagt sie. Immer zwei verschiedene Stoff e – einer gemustert und einer unifarben – fügt sie zu einem Kissen zusammen. Schnitt und Größe sind bei allen Exemplaren gleich. Es gibt lediglich optische Unterschiede, das Grundprinzip ist aber das gleiche. Auf Wunsch kombiniert sie ein Herz auch aus Kontrastfarben. Die Füllung ist aus Hochflauschwatte, denn die sei antiallergisch und bei 30 Grad waschbar. „Diebleibt fluffi g und stabil“, sagt sie. „Ich arbeite ungern mit Sachen, die mich unzufrieden machen“. Da sei sie Perfektionistin. Zum Waschen sollte man die Kissen lediglich noch in einen Kissenüberzug stecken.

Für die nächsten Märkte hat sich Susanne Strang überlegt, ihren Herzen eine Anleitung beizulegen. Denn die Nutzung ist nicht so ohne Weiteres klar: Für die richtige Nackenentlastung werden die Herzen “verkehrt herum“ hingelegt. Das heißt, die Spitze zeigt nach unten, die Rundungen nach oben.

Auf Märkten wie in Künzelsau kann man die Kissen kaufen

Rund 1,5 bis zwei Stunden benötigt Susanne Strang für ein Kissen. „Das Ganze ist aber bloß ein Hobby und darf nicht in Stress ausarten“, so die Hobbynäherin. Etwa drei bis fünf Märkte besucht sie im Jahr – und genießt das: „Das ist schön für Kontaktfreudige.“ Sie wohnt zwar heute mit ihrer Familie in Kreßberg, ist aber vorher „wie ein Wandernomade mein Leben lang umgezogen“. Deshalb geht sie gerne und off en auf andere Menschen zu. Und hat auch schon festgestellt, „wie unterschiedlich die Menschen von Region zu Region sind“. Auf jeden Markt nimmt sie 16 bis 20 Kissen mit, die sie auch fast alle verkauft. Mehr gehe nicht ins Auto, weil die Kissen wahnsinnig viel Platz wegnehmen würden. „Ich verkaufe, so viel ich nähen kann“, sagt die Bastlerin. Zwei bis drei Monate Vorlaufzeit benötige sie jedes Mal, weshalb sie die Märkte, an denen sie teilnimmt, gleichmäßig übers Jahr verteilt. Susanne Strang probiert auch immer wieder Neues aus – was sich schlecht verkauft oder nicht lohnt, wird wieder aussortiert.

„Der Aufwand für die gehäkelten Spüllappen war zu groß, das lohnte sich nicht“

„Der Aufwand für die gehäkelten Spüllappen war zu groß, das lohnte sich nicht“, aber ihre selbst gefärbte Wolle verkaufe sich gut. Überhaupt fi ndet sie, dass der Trend zu Tüchern und Schals gehe. „Handarbeit wird wieder mehr wertgeschätzt und das finde ich schön“, sagt sie. Weil sie selbst allergisch ist, „gegen alles, was haltbar ist“, hat sich Susanne Strang früh mit dem Thema Ernährung und Haut beschäftigt.

„Wir rotten uns noch selbst aus“

Zuhause in Kreßberg hat sie eine Seifenküche, in der sie fast alles selbst macht. Dazu gehört für sie auch die Beschäftigung mit Plastik und wie man es vermeidet. Aus diesem Wissen heraus ist das Buch „Nachhaltig und plastikfrei“ entstanden. In Vorträgen und Workshops bei der Volkshochschule zeigt sie seit ein paar Jahren Hintergründe auf, gibt Tipps, wie man Plastik vermeidet und was man alles selbst machen kann. „Da läuft einiges schief zur Zeit“, fi ndet die 51-Jährige. Alles sei ein Kreislauf und wir würden alles zurückkriegen. „Wir rotten uns noch selbst aus“, befürchtet sie. Der Mensch sei ein Gewohnheitstier und lasse sich von Werbung beeinflussen. „Aber bestimmte Dinge sieht man nur, wenn man sich damit beschäftigt“, meint sie. Deshalb hält sie nun auch einen Vortrag für Eltern von Kindergartenkindern und überlegt, eventuell weiter in diese Richtung zu gehen. Schließlich gebe es noch so viel zu lernen.

Vorträge von Susanne Strang kann man per E-Mail buchen: Nachhaltig-und-Plastikfrei@gmx.de

Diese Kissen stellt Susanne Strang selbst her. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Herzig. Foto: GSCHWÄTZ