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„Wir bauen eine Verwaltung für die Zukunft“

Die Kreistagssitzung vom Montag, 26. September 2022, hatte neben der Entscheidung über die Zukunft des Krankenhausgebäudes in Künzelsau einen weiteren Schwerpunkt, nämlich die Errichtung des neuen Kreishauses.

Eine klare Architektursprache

So stellt sich KUBUS 360 den öffentlichen Bereich des neuen Kreishauses vor. Foto: Entwurf KUBUS 360

Der Architektenwettbewerb ist vorüber (GSCHWÄTZ berichtete), das Büro Kubus 360 aus Stuttgart gewann den Wettbewerb. Für Gerd Grohe vom Architekturbüro Kohler und Grohe, der den Wettbewerb organisierte und durchführte, war der Wettbewerb besonders: „Anspruchsvoll war, dass es in dem Projekt keine vorhandene Nachbarschaft gibt, die wird ja erst entwickelt.“ Das führte dazu, dass fünf Büros gar keinen Entwurf abgaben und nur 17 Entwürfe eingegangen sind. Über den Siegerentwurf sagt er: „Die hatten ein Alleinstellungsmerkmal, einen zusätzlichen Platz. Dazu wurde die kleinstädtische Struktur aufgegriffen, mit echten schrägen Dächern, unter denen man die Lüftungstechnik unterbringen kann und die für Solaranlagen geeignet sind.“ Er spricht von einer „klaren Architektursprache“, die Öffentlichkeit erzeugt und von einer „einfachen, hochflexiblen Struktur“.

„Flexibilität für Aufgaben, die wir heute noch nicht kennen“

Genau diese Flexibilität ist es, die Landrat Dr. Matthias Neth so gut gefällt: Er verweist darauf, dass sich die Verwaltungsstruktur in den letzten Jahren schnell und stark verändert habe: das Gesundheitsamt sei plötzlich in den Fokus geraten, die Anzahl der Beschäftigten im Bereich des Bevölkerungsschutzes habe sich verdreifacht. Über 1.000 Menschen arbeiten inzwischen beim Landratsamt – das ist ziemlich genau 1 Prozent der Bewohnerzahl des Hohenlohekreises. „Neue Bedarfe fordern neue Flexibilität“, sagt Neth, man müsse heute anders bauen: „Wir brauchen Flexibilität für Aufgaben, die wir heute noch nicht kennen“. Er verliebe sich daher immer mehr in den Entwurf.

600 Mitarbeiter:innen sollen in dem Gebäude einmal arbeiten. Mit modernen Arbeitsbedingungen und Prozessen will sich der Hohenlohekreis positiv von konkurrierenden Arbeitgebern absetzen. Nach wie vor sei es ein Problem, überhaupt Mitarbeiter zu finden, weiß Neth.

Im Bauabschnitt 1, dem ans geplante städtische Parkhaus angrenzende Gebäude, sollen alle bürgernahen Ämter, die „Frequenzbringer“ untergebracht werden: Soziales und Jugend, Verkehr, Ordnungsamt, Ausländeramt sowie Bauen und Umwelt sollen für die Bürger an einem Ort erreichbar sein. Ein lichtdurchfluteter Zentralbereich soll der Anlaufpunkt für die Bürger sein. Dem Sicherheitbedürfnis der Beschäftigten wird im Entwurf ebenfalls Rechnung getragen, beispielsweise durch getrennte Laufwege im Inneren. „Damit geben wir ein Statement ab: Wir denken das Landratsamt vom Bürger her“.

„Die Großkopferten sind für die Bürger nicht so interessant“

Dazu gehört auch, so Neth, dass er selbst, der erste Landesbeamte Gotthard Wirth sowie Kämmerer Michael Schellmann nicht in das neue Gebäude umziehen werden: „Die Großkopferten sind für die Bürger nicht so interessant“, drückt es Neth aus.

Der geplante Bauabschnitt 1 des Kreishauses. Oben: das neu zu errichtende Parkhaus. Foto: Entwurf von KUBUS

„Nach den schönen Bildern ist es schwer …

… in die reine Sachlichkeit zurückzukehren“, beginnt Michael Schellmann. Er zeigt die geplante Projektstruktur auf, erläutert, wie sich Stadt und Kreis die Zusammenarbeit in dem übergreifenden Projekt des neuen Stadteingangs die Zusammenarbeit vorstellen und nennt einen ambitionierten Zeitplan: Die Planung soll nach den abschließenden Verhandlungen bereits im Oktober oder November 2022 beginnen, einen Baubeschluß plant er bereits für den Sommer 2023. Eine Kostenplanung hat er noch nicht – im Raum stehen rund 60 Millionen Euro, also 100.000 Euro pro geplantem Arbeitsplatz, allerdings wurde diese Schätzung bereits 2018 erstellt.

Diskussion

Die Diskussion erstreckt sich im Wesentlichen auf wenige Punkte, die meisten angesprochenen Punkte können aktuell noch gar nicht besprochen werden. Die Planung ist dafür noch gar nicht weit genug vorangegangen oder liegt gar nicht in der planerischen Zuständigkeit des Kreises. Die Art der Bepflanzung der „neuen Stadtachse“ oder die Parkplatzsituation liegen beispielsweise in der Verantwortung der Stadt Künzelsau.

Die Frage nach den Kosten und der Kostenkontrolle

Anton Baron (AfD) will mehr direkte Entscheidungen über Kosten in den Kreistag verlagern, er überrascht dabei mit einem Zitat, das Lenin zugesprochen wird: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Ihm erscheint der Entwurf offenbar zu teuer, vielleicht sogar zu luxuriös. Gegenwind bekommt er ausgerechnet von Ernst Kern (LINKE), der an Menschen, Gewerbetreibende und Industrie denkt: „Die haben es verdient, ein modernes Landratsamt zu bekommen und nicht eines, das hinterher in den Prozessen teurer wird.“ Und Landrat Dr. Matthias Neth betont, dass der Kreistag über den Genehmigungsbeschluss in die Entscheidungsfindung einbezogen ist. Außerdem sei eine „stufenweise Beauftragung“ vorgesehen. Zu den Gesamtkosten sagen er und Michael Schellmann, dass alle Aussagen derzeit noch unseriös seien. Alle Aussagen könnten beim derzeitigen Planungsstand nur Überschläge sein, noch nicht einmal eine „Schätzung“.

Mögliche Verquickungen

Achim Beck (FWV) macht sich Sorgen, ob es sinnvoll ist, den vom Architekturbüro vorgeschlagenen Bauleiter quasi als Subunternehmer des Architekten zu beauftragen. Er hat die Befürchtung, dass der Kreis in eventuellen Konfliktfällen gegenüber dem Architekten nicht stark genug vertreten wird, „wenn der Architekt und der Bauleiter zusammen golfen“.

Das Sahnestück nicht hergeben

Grundsätzliche Bedenken gegen das Projekt äußert einzig Rolf Weibler (CDU): Er will das Grundstück, auf dem heute das Landratsamt steht und das er als „Sahnestück“ betrachtet, „nicht für eine Sichtachse opfern.“

Beschluß

Dem Antrag, die Verwaltung zu ermächtigen, „den Planungsauftrag an den 1. Preisträger KUBUS360 aus Stuttgart in Form einer stufenweisen Beauftragung zu erteilen“ und die weiteren erforderlichen Fachplanungs- und Beratungsleistungen zu vergeben, stimmt der Kreistag mit großer Mehrheit zu. Einzig Rolf Weibler stimmt gegen den Antrag, die drei Mitglieder der AfD-Gruppe enthalten sich. Der gemeinsamen Absichtserklärung zwischen Landkreisverwaltung und Stadt Künzelsau, die die Grundlage für spätere vertragliche Regelungen darstellt, stimmt der Kreistag einstimmig zu.

Text: Matthias Lauterer

 

 




Abrissbirne schwebt über dem Krankenhaus, Neubau des Kreishauses steht nun im Fokus

„Neubau des Kreishauses im Fokus“. Das ist der Titel einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises mit Bezug auf die anstehende Kreistagssitzung am 26. September 2022, 14 Uhr, in der Kultura in Öhringen.

Unter anderem wird hier über die Vergabe der Architektenleistungen beschlossen. Zu Beginn der Sitzung geht es um die Zukunft des Hohenloher Krankenhausgebäudes, wozu der Kreistag einen Beschluss fassen wird. Im Fokus der Sitzung steht das Großprojekt des Kreises – der Neubau des Kreishauses. Das Ergebnis des Architektenwettbewerbs wird verkündet. Anschließend beschließt der Kreistag über die Vergabe von Architektenleistungen und die Errichtung des Kreishauses in zwei Bauabschnitten. Im Rahmen des Neubaus steht zudem die gemeinsame Absichtserklärung zwischen dem Hohenlohekreis und der Stadt Künzelsau zur Abstimmung. Abschließend wählt der Kreistag einen Stellvertreter für das zweite Hohenloher Mitglied im Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS).

Ein weiterer Punkt auf der Tagesordnung sieht vor, über die Weiternutzung oder den Abriss des seit 2018 geschlossenen Krankenhauses in Künzelsau zu sprechen. Derzeit wird das Gebäude unter anderem zur Unterbringung ukrainischer Flüchtlinge genutzt.

Informationen zu den Sitzungen des Kreistags und seiner Ausschüsse sind über das Bürgerinformationssystem auf der Internetseite www.hohenlohekreis.de im Bereich Kreistag/Ratsinformationssystem abrufbar.




Neubau des Landratsamts nimmt Gestalt an

Die Planungen für den Neubau des Landratsamts des Hohenlohekreises in Künzelsau schreiten voran. Nach Abschluss des Architekturwettbewerbs können nun alle eingereichten Entwürfe sowie die vier Preisträger in einer virtuellen Ausstellung auf der Homepage des Landratsamts Hohenlohekreis eingesehen werden. Unter www.hohenlohekreis.de/neubau gibt es neben den Entwürfen künftig auch weitere Informationen zum weiteren Verlauf des Bauvorhabens.

Landrat ist voller Vorfreude

„Mit dem Abschluss des Wettbewerbs haben wir einen großen Schritt in Richtung neues Kreishaus getan. Ich freue mich sehr über das große Interesse der Bevölkerung an diesem Prozess und vor allem darauf, mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in einem modernen Verwaltungsgebäude mit viel Bürgernähe und attraktiven Arbeitsbedingungen die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger zu bearbeiten, sie zu beraten und für die Zukunft des Hohenlohekreises anzupacken“, sagt Landrat Dr. Matthias Neth, der auch Mitglied der Jury war.

17 Entwürfe, 4 Preisträger

Der Architekturwettbewerb wurde mit der Sitzung des Preisgerichts am 1. Juli 2022 abgeschlossen. Die Jury, bestehend aus erfahrenen Architektinnen und Architekten sowie Vertreterinnen und Vertretern des Kreistags, der Kreisverwaltung sowie der Stadtverwaltung Künzelsau, hat aus 17 eingereichten Entwürfen vier Preisträger ausgewählt. Gemäß der Vergabeverordnung fand mittlerweile das Verhandlungsgespräch mit den Preisträgern statt. In diesem Gespräch haben die Preisträger ihr finales Angebot abgegeben. Der Kreistag des Hohenlohekreises wird in seiner Sitzung am 26. September – ausgehend vom Ergebnis des Vergabeverfahrens – einen der vier Preisträger mit der Planung des neuen Kreishauses beauftragen.

Hintergrund zum Verfahren

Für den Neubau eines Kreishauses beauftragte der Kreistag die Landkreisverwaltung mit dem Grundsatzbeschluss vom 19. Juli 2021, ein Vergabeverfahren zur Planerbeauftragung (VgV-Verfahren) mit vorgelagertem Architekturwettbewerb durchzuführen. Hierzu bereitete die Verwaltung im Herbst 2021 die entsprechenden Unterlagen vor und schrieb den Wettbewerb Ende November 2021 öffentlich aus. In einer ersten Phase konnten sich Architekturbüros für eine Teilnahme bewerben. Da die Teilnehmerzahl auf insgesamt 25 begrenzt war, mussten die freien Plätze unter den zugelassenen Bewerbern verlost werden. Der eigentliche Wettbewerb begann mit der zweiten Phase, in der die teilnehmenden Architekturbüros auf der Basis der detaillierten Aufgabenstellung ihre Entwürfe entwickelten. Abgeschlossen wurde der Architekturwettbewerb mit der Preisgerichtssitzung. Anhand vorher festgelegter Beurteilungskriterien prüfte das Preisgericht die einzelnen Arbeiten und prämierte am Ende die besten Arbeiten. Am 1. Juli 2022 hat das Preisgericht in mehreren Auswahlrunden das Teilnehmerfeld auf vier Arbeiten reduziert und nach einer anschließenden intensiven Diskussion über die Vorzüge und Nachteile der in der engeren Wahl verbliebenen vier Entwürfe die Rangfolge festgelegt. Entsprechend dieser Rangfolge wurden dann die Preise vergeben.

Pressemitteilung Hohenlohekreis




Planungen zum neuen Kreishaus nehmen Gestalt an

Am Freitag, 1. Juli 2022, fand die Preisgerichtssitzung zum Architektenwettbewerb für den Neubau des Kreishauses in Künzelsau statt. Die Jury aus erfahrenen Architekten und Vertretern des Landkreises, der Stadt Künzelsau und des Kreistags haben nach einer regen Diskussion aus den insgesamt 17 Entwürfen vier Preisträger ausgewählt. Die Preisträger sind unterschiedlich mit den städtebaulichen und funktionalen Vorgaben umgegangen. Somit bieten die Entwürfe verschiedene architektonische Lösungen für das neue Kreishaus. Auch hinsichtlich der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes zeigen die Siegerentwürfe solide Lösungsansätze.

Einstieg in das Vergabeverfahren

Im nächsten Schritt finden im Rahmen des Vergabeverfahrens Verhandlungsgespräche mit den Preisträgern statt. An deren Ende wird die Kreisverwaltung den Mitgliedern des Kreistages vorschlagen, welches Büro mit der Umsetzung betraut werden soll. Die Entscheidung trifft der Kreistag in der Sitzung am 26. September 2022.

Auch die Öffentlichkeit hat die Möglichkeit, sich in einer virtuellen Ausstellung ein Bild von den 17 abgegebenen Entwürfen und insbesondere den vier Preisträgern zu machen. Über die Zugangsmöglichkeiten zu der virtuellen Ausstellung wird gesondert informiert.

Die Preisträger des Architekturwettbewerbs Neues Kreishaus sind:

1.Preis: KUBUS360 GmbH, Stuttgart mit Dreigrün Gross + Partner Landschaftsarchitekten mbB, Reutlingen

1. Preis: KUBUS360 GmbH, Stuttgart mit Dreigrün Gross + Partner Landschaftsarchitekten mbB, Reutlingen. Foto: LRA Hohenlohekreis[Weitere Ansichten unter Entwickeln > NEU – Kubus 360. Red.]

2.Preis: Harter+Kanzler Freie Architekten BDA Part GmbB, Freiburg mit AG Freiraum Landschaftsarchitekten PartGmBB, Freiburg

2. Preis. Harter+Kanzler Freie Architekten BDA Part GmbB, Freiburg mit AG Freiraum Landschaftsarchitekten PartGmBB, Freiburg. Foto: LRA Hohenlohekreis

3.Preis: h4a | Gessert Randecker Architekten, Stuttgart mit P-38 Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, München

3. Preis: h4a | Gessert Randecker Architekten, Stuttgart mit P-38 Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, München. Foto: LRA Hohenlohekreis

4.Preis: harris + kurrle architekten BDA Partnerschaft mbB, Stuttgart mit Wiedemann-Schweizer Landschaftsarchitekten, Stuttgart

4.Preis: harris + kurrle architekten BDA Partnerschaft mbB, Stuttgart mit Wiedemann-Schweizer Landschaftsarchitekten, Stuttgart. Foto: LRA Hohenlohekreis

Hintergrund

Für das neue Kreishaus in Künzelsau hat das Landratsamt einen Architekturwettbewerb ausgelobt. Insgesamt 17 Büros haben einen Entwurf eingereicht.

Pressemitteilung Landratsamt Hohenlohekreis




Achim Beck: „Zeit der Freiwilligkeitsleistungen ist vorbei“

Der Kreishaushalt für das Jahr 2022 ist verabschiedet! Das beschloß der Kreistag in seiner Sitzung vom 13. Dezember 2021 in der Nobelgusch in Pfedelbach.

Knappe Haushaltsmittel

Ein Kompromiß ist es geworden, die knappen Haushaltsmittel wurden wie immer so verteilt, dass alle Fraktionen und Gruppen beim ein oder anderen Punkt ein Bauchgrimmen  haben – aber wie der Friedensnobelpreisträger Aristide Briand sagte: „Ein Kompromiß ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind“.

Hohe Ausgaben, etwa durch das neue Kreishaus

Zusätzlich zum knappen Geld prägen den Haushalt hohe Ausgaben, zum Beispiel für das neue Kreishaus, offene Baustellen der Vergangenheit, etwa das medizinische Versorgungszentrum in Künzelsau und in diesem Jahr die ganz besonders ungewissen Aussichten für die nähere Zukunft, bedingt durch Corona oder ein zu erwartendes höheres Flüchtlingsaufkommen.

Beim Lesen der AfD-Anträge an Sauerkraut denken müssen

Einzig die AfD hatte größeres Bauchgrimmen und schob kurzfristig noch drei Änderungsanträge zu den Themen „befristete Stellen im öffentlichen Gesundheitsdienst“ (ÖGD), „Aufforstung von Wald statt Klimazentrum“ und „Migration“ nach. Landrat Dr. Matthias Neth hierzu: „Ich könnte es mir einfach machen“ und erklärte, warum diese Anträge schon aus formalen Gründen eigentlich gar nicht zu behandeln seien und wie sich die AfD über einen Konsens im Rat hinwegsetzte – wären die Anträge angenommen worden, hätte der Haushalt gar nicht angenommen werden können. Er warf Anton Baron Unkenntnis über die Sachverhalte vor: Die neuen Stellen im ÖGD können gar nicht befristet geschaffen werden, weil sie vom Bund als unbefristet gefordert werden, das Migrationsthema sei vom Kreis gar nicht beeinflußbar und die Aufforstung … ob Baron wisse, was der Sinn und Zweck des Klimazentrums sei und wieviele Bäume im Jahr 2021 gepflanzt worden seien? An Sauerkraut habe er denken müssen, so Neth, „das schmeckt aufgewärmt besser als frisch“. Aber die AfD-Anträge seien eher schlecht abgestanden.

Anton Baron (AfD) wehrt sich

Dass die Anträge der AfD ans „Anträge zweiter Klasse“ behandelt würden, beklagt sich Baron, er wehrt sich gegen die Unterstellung, er wolle die Sitzung nur behindern. „Da ist kein Antrag aus Spaß! Und da ist auch wenig Polemik drin“, stellt er fest, aber er findet sich damit ab: „Ich sehe, der politische Wille ist nicht da“.  Teils erntet er Gelächter.

Unmut und Schärfe im Rat über AfD

Der Unmut im Gremium über die späten Anträge war groß: „Wir bekommen hier kein Sitzungsgeld, sondern Schmerzensgeld“, ruft Ute Oettinger-Griese von der FDP. Jemand rät Baron, sich doch einmal von Achim Beck in die Tiefen der Formalien einführen zu lassen – Beck ist bekannt dafür, dass er sich dort besonders gut auskennt. Beck selbst findet dieses Geplänkel eine „Zeitverschwendung. Mir stinkt es. Wir haben eine Riesensitzung vor uns.“

Um es vorwegzunehmen: Die Änderungsanträge der AfD werden später alle abgelehnt – mit jeweils 2 Ja-Stimmen der beiden anwesenden AfD-Kreisräte Anton Baron und Jens Moll.

Haushaltsreden

Überaus kurz waren die Haushaltsreden der Fraktionen und Gruppen, außer der AfD waren alle mit dem Kompromiß durchaus zufrieden, trotzdem war erkennbar, dass die einzelnen Fraktionen und Gruppen ihr Bauchgrimmen an ganz verschiedenen Stellen äußerten.

CDU: „Wir müssen lernen, nicht zu jeder Forderung und jeder Förderung Ja zu sagen.“

Haushaltsrede von Norbert Kunkel. Foto: GSCHWÄTZ

Für die CDU sprach, mit Heimvorteil, Torsten Kunkel: Er beginnt mit dem Komplex Gesundheit und schaut in die Zukunft: „(…) können wir heute feststellen, dass wir in der Gesundheitsversorgung auf dem richtigen Weg sind.“ Der Neubau des Krankenhauses in Öhringen und „die weitere Etablierung des ambulanten medizinischen Versorgungszentrums in Künzelsau“ stünden nun an, genauso wie die Einrichtung eines Hospizes als Abrundung der medizinischen Versorgung.

Aufgrund der Dynamik in Schule und Bildung sieht er „die Notwendigkeit für eine Schulentwicklungsplanung, die sich an den real gegebenen Anforderungen ausrichten muss“.

Im Nahverkehr sieht er im ländlichen Raum die Notwendigkeit von Individualverkehr und fordert weiterhin Investitionen in den Bau und den Erhalt von Straßen – neben der Investition in den ÖPNV. Man darf aber nicht Gegebenheiten in Ballungsräumen auf ländliche Bereiche übertragen wollen – eine Kritik an den Plänen der Landesregierung.

Das Kreishaus ist das größte Investitionsprojekt, das der Kreis je gestemmt hat, daher unterstützt er den Ansatz zur modularen, etappenweisen Umsetzung entsprechend dem aktuellen und sich künftig ergebenden Bedarf.

Sozialausgaben schießen nach oben, Personalausgaben ebenso

Ein wichtiger Punkt seien die Personalkosten im Haushalt: Für Kunkel gibt es wenig Spielraum für Kostensenkungen, denn „eine gute und effiziente Kreisverwaltung braucht unabdingbar engagierte und gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und diese kosten Geld.“ Und dieses Engagement finde man auf dem Arbeitsmarkt – eine Spitze gegen die AfD – mit befristeten Stellenangeboten nicht.

„Zeit der Wohltaten neigt sich dem Ende zu“

Die Sozialausgaben, für die der Kreis netto über 50 Millionen Euro aufwenden muss, diese Ausgaben kennen nur eine Richtung: nach oben. Für Kunkel ist die logische Schlußfolgerung: „Daher sind aus unserer Sicht zusätzliche Freiwilligkeitsleistungen in diesem Teilhaushalt eigentlich nicht mehr möglich, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, die Pflichtaufgaben nicht mehr erfüllen zu können. Wir müssen daher lernen, nicht zu jeder Forderung und jeder Förderung Ja zu sagen. Die Zeit der Wohltaten neigt sich unwillkürlich dem Ende zu“.

Die Absenkung der Kreisumlage sei wichtig für die Gemeinden, hätten sie doch dadurch mehr Handlungsspielraum. Er gibt aber zu bedenken, dass es damit schnell vorbei sein kann: „Dieser positive Trend ist nicht nur aus der wirtschaftlichen Tätigkeit entstanden, sondern er ist vielmehr den Kompensationszahlungen von Bund und Land im Rahmen der Corona Krise zu verdanken.“

Er hat in seiner Rede die wesentlichen Themen genannt und gesetzt.

„Kein Platz für Freiwilligkeitsleistungen“

Eher mahnende Worte findet Achim Beck für die FWV, der gleich zu Beginn seiner Rede davon spricht, dass kein Platz für Freiwilligkeitsleistungen mehr sei. Überhaupt ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis das eigentliche Hauptthema seiner Rede: Insbesondere die Baukosten für das Kreishaus hat er prominent im Blick. „Man muß abwägen, was ist nice-to-have und was ist ein must-have“, sagt er und fordert eine festgelegte Kostenobergrenze.

FWV: Sich trennen vom Krankenhausgebäude in Künzelsau

Haushaltsrede von Achim Beck. Foto: GSCHWÄTZ

Die Transferleistungen im Krankenhausbereich seien auf 1,1 Millionen Euro zurückgegangen – das sieht Beck als großen Erfolg. Jetzt sei es an der Zeit für ein Nachnutzungskonzept für das Künzelsauer Krankenhausgebäude: „Das kostet uns Tag für Tag Geld“ – nachdem es eine einhellige Meinung von vier Architekten gäbe, müsse man sich damit anfreunden, sich von dem Gebäude zu trennen.
Vom Rufbussystem im ÖPNV verspricht er sich einen besseren Service zu geringeren Kosten – aber auch hier sei eine Evaluierung und Diskussion nach ersten Erfahrungen nötig. Die Folgekosten müssen im Auge behalten werden, auch bei der Kochertalbahn: „THE LÄND läßt uns in the end normalerweise alleine“, hat er gemerkt.

Bei einem prognostizierten Schuldenstand von 34 Millionen Euro zum Ende 2025, fordert er, die freiwillegen Leistungen des Kreises zu reduzieren: Nicht dass wegen der Freiwilligkeit im Kreis die Gemeinden ihre Pflichtaufgaben nicht mehr erfüllen können.

GRÜNE: „Klimaschutz kann nicht verschoben werden“

Haushaltsrede von Martin Braun. Foto: GSCHWÄTZ

Unter „Wirtschaftlichkeit“ versteht Martin Braun, der für die GRÜNEN ans Rednerpult tritt, etwas ganz anderes: „Klimaschutz ist nicht kurzfristig wirtschaftlich“, entgegnet er Beck, „und Klimaschutz kann nicht verschoben werden“.

Er fordert Vorbeugemaßnahmen gegen Auswirkungen des Klimawandels – diese seien wirtschaftlich, weil sie unmittelbar wirkende Folgekosten von Klimaereignissen verringern würden. „Jeder Euro spart langfristig acht bis fünfzehn Euro an klimabedingten Kosten“, rechnet er vor. Deswegen begrüße seine Fraktion das Klimazentrum und fordere eine schnelle Nachrüstung von Solartechnik auf öffentlichen Dächern.

Aufgrund der Corona-Pandemie sei viel Geld im Sozialhaushalt notwendig, beispielsweise für Familien. Auch der Klimaschutz treffe unmittelbar Menschen mit geringem Einkommen – auch deshalb erwartet er eine weitere Steigerung der Sozialkosten.

Generell fordert er eine nachhaltiges, nicht kurzfristig wirtschaftliches, Herangehen, beispielsweise beim Bauen.

SPD: „Wir haben die Mittel, unsere laufenden Aufgaben gesichert anzugehen“

Haushaltsrede von Irmgard Kircher-Wieland. Foto: GSCHWÄTZ

Für die SPD spricht Irmgard Kircher-Wieland von „verantwortungsvoller Kämmereiarbeit“, Rücklagen seien in den vergangenen Jahren gebildet worden, „der Vorschlag ist akzeptabel“.
Ihr Schwerpunkt ist der ÖPNV: „Weg vom Schülerverkehr, hin zu einem für alle erreichbaren Rufbussystem“ ist ihr Credo. Die Verknüpfung aller Verkehre sei wichtig. Und die Kochertalbahn, „wenn sie kommt: Dann geht alles von vorne los“.
Auch sie kann sich eine Spitze gegen die Landesregierung nicht verkneifen: „Es fragt sich, warum ein grüner Minister die Mittel für Radwege kürzt!“

„Wir haben keine überzähligen Mitarbeiter, nur das Notwendigste, um die laufenden Aufgaben zu bewältigen“, ist ihr Statement zu den Personalkosten – und spricht Anton Baron direkt an: „Belästigen Sie uns bitte nicht mehr mit Ausführungen zu Ihren Anträgen“.

Sie schließt Ihre Rede mit „Wir haben die Mittel, unsere laufenden Aufgaben gesichert anzugehen und ausreichend Liquidität für unvorhergesehene Ereignisse.“

FDP: „Die Bürger müssen sehen, dass Wahlgeschenke und vermeintliche Wohltaten selbst bezahlt werden müssen.“

Die Meinung der FDP wird von Michael Schenk vorgetragen: er beginnt mit der weltweiten Lage auf den Versorgungsmärkten und den Pandemiekosten: Die Pro-Kopf-Verschuldung sei pro Kopf seit Pandemiebeginn um rund 8.000 Euro gestiegen – und diese Verschuldungssituation präge die Politik der nächsten Jahre, bis hinunter in den Hohenlohekreis.

„Einer der attraktivsten Landkreise in Baden-Württemberg – diese Position festigen und ausbauen“

Haushaltsrede von Michael Schenk . Foto: GSCHWÄTZ

Das neue Kreishaus ist für Schenk eine wichtige Voraussetzung für eine „moderne, schlagkräftige und bürgernahe Kreisverwaltung“.

Der Bevölkerungsschutz ist für Schenk wichtig: „Ausdrücklich unterstützen wir die für 2022 geplante Stärken-/Schwächen-Analyse für den Katastrophen- und Bevölkerungsschutz. Wir müssen danach umgehend an der Umsetzung arbeiten. Den eines ist sicher: Die nächste Herausforderung kommt bestimmt.“

Für die FDP ist das Medizinische Versorgungszentrum in Künzelsau (MVZ) ein dringendes Projekt: „Wie können wir das MVZ in Künzelsau stärken? Hier besteht akuter Handlungsbedarf.“ Die medizinische Versorgung liege der FDP am Herzen: „Dieses erfordert ein Zusammenwirken der Haus- und Fachärzte, dem Rettungswesen, dem Krankenhaus, den Kurzzeitpflegeeinrichtungen, und den Alten- und Pflegeheimen bis hin zum geplanten Hospiz.“

Für Schenk ist ein Rufbus-System, wie es demnächst im Bereich Öhringen, Bretzfeld, Pfedelbach und Neuenstein starten wird, erfolgt ein bedarfsgerechter Ausbau des ÖPNV. er kritisiert aber das Konzept der Landesregierung, dass alle Orte von 5 Uhr morgens bis Mitternacht mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar sein müssen: „Dieses kann für den ländlichen Raum zum finanzpolitischen Fiasko werden. Wenn die Landesregierung diesen Standard im ÖPNV einführen will, dann soll sie auch die Kosten tragen, aber auch dann trifft es den Steuerzahler.“

„… denken wir dabei nur an die Ortskräfte aus Afghanistan, sind wir zum Handeln aufgefordert“

Die Notwendigkeit für neue Flüchtlingsunterkünfte wird auch von der FDP gesehen: „Durch die gestiegenen Zahlen von Asylbewerbern und Flüchtlingen, denken wir dabei nur an die Ortskräfte in Afghanistan und an die Situation an der Grenze zu Belarus, sind wir zum Handeln aufgefordert.“

Digitalisierung der Schulen

Ein kreisübergreifender Schulentwicklungsplan für ganz Nordwürttemberg fehlt der FDP. Schulen sollten nicht konkurrieren, sondern sich ergänzen und zusammenspielen. Die FDP schlägt weiterhin die Gründung eines Zweckverbands zur Erfüllung des Digitalpaktes Schule im Landkreis schlagen wir erneut einen Zweckverband vor. Dieser Zweckverband könnte vor allem kleinere Schulen können durch einen „Digitalen Hausmeister“ unterstützend und eine einheitliche IT-Infrastruktur gewährleisten.

Soziales und Jugend

Wenig Spielraum sieht Schenk im Bereich Soziales und Jugend, da die meisten Ausgaben gesetzlich vorgeschrieben seien. Dennoch habe der Hohenlohekreis im Kampf gegen die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Bereich der Kinder und Jugendlichen hat der Hohenlohekreis „sinnvolle Maßnahmen gestartet. Wir hoffen, dass dieses greifen wird. Die steigenden Kosten und die weiter wachsende Bürokratie, sowohl für die Verwaltungen, die Betriebe und den Bürger, bereiten uns Freien Demokraten große Sorge.

Ach Schenk warnt vor zuvielen freiwilligen Leistungen: „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir mit dem Geld der Bürger wirtschaften. Die Bürger müssen sehen, dass Wahlgeschenke und vermeintliche Wohltaten selbst bezahlt werden müssen.“

AfD: „ideologische Projekte ohne Nutzen für die Hohenloher“

Haushaltsrede von Anton Baron. Foto: GSCHWÄTZ

Anton Baron geht für die AfD zuerst auf die „aus unserer Sicht positiven Punkte ein“. Das sind die Senkung der Kreisumlage und dass es „im Bereich des Katastrophen-/Bevölkerungsschutzes endlich voran geht.“

Dies nimmt sieben Zeilen seiner dreiseitigen Rede ein.

Er kritisiert, dass die Einnahmeseite des Haushalts viel zu optimistisch dargestellt sei: Wegen Pandemie und der Situation auf den Weltmärkten hätte er sich „einen vorsichtigeren Ansatz gewünscht, um auf böse Überraschungen vorbereitet zu sein.“

Auf der Ausgabenseite begrüßt er die Erhöhung der Ausgaben für den Straßenbau, hätte aber gern noch deutlichere Ausgabensteigerungen für diesen Zweck, denn „im ländlichen Raum sind viele Arbeitnehmer auf das Auto angewiesen, auch die Industrie benötige dringend gut ausgebaute Straßen.

 

„Hier baut die Landesregierung mal wieder große undurchdachte Luftschlösser“

Dem geplanten Rufbussystem steht die AfD-Gruppe offen gegenüber, fordert allerdings eine zeitnahe Evaluierung. Das größte Potential liege aber, so Baron bei „Mitfahrmöglichkeiten“ und regt an, dieses Thema zukünftig mit einzubeziehen. Die „Mobilitätsgarantie“ der Landesregierung sei unökologoisch und unwirtschaftlich, er spricht von „undurchdachten Luftschlössern“.

„ideologische Projekte ohne Nutzen für die Hohenloher“

Der Sozialhaushalt birgt für Baron hohe Risiken: Ausgabensteigerungen durch übergeordnete gesetzliche Regelungen stehen keine höheren Einnahmen gegenüber. Dass unter diesen Voraussetzungen die Verwaltung „ideologische Projekte ohne Nutzen für die Hohenloher“ finanziere, ist für die AfD-Gruppe nicht nachvollziehbar. Welche Projekte er meint, sagt er nicht. Ein Projekt außerhalb des Sozialhaushaltes meint er damit ganz gewiß: Das Klimazentrum, das „wohl eher der Befriedigung einer bestimmten Fraktion“ diene und nicht „zur Rettung des Weltklimas“.

Dieses Klimazentrum soll innerhalb der Abfallwirtschaft angesiedelt werden. Dort findet Baron weiteren Anlaß zur Kritik: Er spricht davon, dass „die Bürger durch überhöhte Abfallgebühren das angehäufte Defizit der Abfallwirtschaft abtragen.“ Er fordert, das Verursacherprinzip beim Abfall zu verstärken.

Bekannte rhetorische Modelle in Bezug auf Flüchtlinge

Zuletzt geht Baron auf die zu erwartenden Kosten für Flüchtlinge ein und benutzt bekannte Rhetorik der AfD: Er unterstellt, dass die Bundesregierung „wohl wieder einmal die Grenzen öffnen wird“ und „Zehntausende von illegalen Einwanderern (…) ins Bundesgebiet eindringen lassen“ wird. Dabei geht es in der aktuellen Diskussion vor allem um bis zu 25.000 Afghanen, die wegen ihrer Tätigkeit im Umfeld der Bundeswehr in ihrer Heimat bedroht sind und die völlig legal in die Bundesrepublik ausgeflogen werden sollen.

Um Pull-Effekte zu verhindern, habe er einen Antrag eingebracht, statt Geldleistungen nur noch Sachleistungen an Flüchtlinge auszugeben.

LINKE: „Es muß doch möglich sein, Kinder- und Altersarmut zu vermeiden“.

Haushaltsrede von Ernst Kern. Foto: GSCHWÄTZ

Als letzter Redner tritt Ernst Kern für die Linke ans Mikrofon: Er beschränkt sich auf ein einziges Thema, den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Er hat beobachtet, dass die Spaltung der Gesellschaft in Corona-Zeiten größer geworden ist. Für die Aussage „Klare Kante gegen Hass und Hetze“ bekommt er spontanen Beifall. Aber er will auf eine wirtschaftliche Spaltung der Gesellschaft hinaus: „Leider wird die Kluft Arm-Reich immer größer“. Er fordert dazu auf, Alternativen zu finden, die wieder zusammenführen. Daseinsvorsorge, eine der politischen Hauptaufgaben, müsse für eine faire und menschliche Welt sorgen, „der Starke schützt den Schwachen.“ Mit „Es muß doch möglich sein, Kinder- und Altersarmut zu vermeiden“ beendet er die Reihe der Haushaltsreden.

 

 

 

Dank aller Fraktionen

Allen Reden der Fraktionen und Gruppen gemeinsam war der Dank an alle, die in der Coronazeit die Gesellschaft durch ihre Leistung unterstützt haben.

Abstimmungsergebnisse

Zuerst muß über die Änderungsanträge abgestimmt werden. Der CDU-Antrag, die Kreisstraße 2319 nördlich von Marlach zu renovieren und auszubauen und diese Mittel in den Haushalt 2022 einzustellen, wurde mit 31 Ja / 3 Nein / 5 Enthaltungen angenommen.

Die drei Anträge der AfD wurden mit jeweils 2/37/0 abgelehnt.

Da der Antrag der CDU bereits in der letzten Sitzung eingebracht worden war, hatte die Verwaltung einen Haushaltsentwurf inklusive dieser Änderungen vorbereiten können. Dieser Entwurf wurde mit 34/3/2 mit deutlicher Mehrheit angenommen, ebenso wie die Wirtschaftspläne der Abfallwirtschaft Hohenlohe (37/2/0), des Nahverkehr Hohenlohe (39/0/0) und der Arbeitsloseninitiative Hohenlohe (38/1/0).

Text: Matthias Lauterer

 




Künzelsau wird kaum noch wiederzuerkennen sein

Große Bauprojekte prägen momentan das Bild der Innenstadt von Künzelsau, am PEKA-Areal wird bereits intensiv gebaut, am MUSTANG-Areal ist alles vorbereitet, um mit dem Bau beginnen zu können. Das nächste Großprojekt, das in den Startlöchern steht, ist das neue Landratsamt, von vielen auch als „Kreishaus“ bezeichnet, das nicht nur das heutige Landratsamt ersetzen soll, sondern auch den Stadteingang von Künzelsau stark verändern wird. Vom Rathaus bis zum Kaufland-Einkaufszentrum soll kaum ein Stein auf dem anderen bleiben.

Das Gebiet der Neuplanung umfaßt den rot umrandeten Bereich. Foto: Sitzungsunterlagen Gemeinderat.

Dies ist jedenfalls der Präsentation von Christine Tritschler vom Büro ORplan zu entnehmen, die sie den Künzelsauer Gemeinderäten am Dienstag, 13. Juli 2021, vorstellte. Einige Veränderungen gegenüber den bisherigen Planungen sowie ein Bauphasenplan waren die wesentlichen neuen Inhalte.

So stellen sich die Planer das neue Gesicht Künzelsaus vor – in etwa 10 Jahren. Deutlich zu sehen die neue Stadtachse zwischen Rathaus und Bergbahn, an der die Gebäude des Landratsamts liegen werden. Quer dazu ist Raum für die Trasse der Kochertalbahn. Foto: Sitzungsunterlagen Gemeinderat.

So ist vonseiten des Kreises kein einhäusiges Landratsamt mehr gewünscht, sondern ein „modulares System“ angedacht, das aus mehreren Gebäuden bedarfsgerecht aufgebaut werden kann. Das zentrale Gebäude soll auf dem heutigen Schotterparkplatz am Kaufland errichtet werden, zwei weitere Gebäude sind östlich davon an der neuen Stadtachse Richtung Rathaus geplant. Auf dem nördlichen Teil des heutigen Schotterparkplatz soll ein Parkhaus für etwa 250 Fahrzeuge errichtet werden. Dieser Teil der Umgestaltung könnte, so Tritschler bereits bis Ende 2023 realisiert sein, sofern der notwendige Bebauungsplan schnell verabschiedet werden kann. In einer späteren Bauphase sollen dann die heutigen Gebäude des Landratsamtes abgerissen und dort ein neues repräsentatives Gebäude errichtet werden. Die weiteren Baumassnahmen, inklusive eines eventuellen Neubaus des Kaufland-Gebäudes werden voraussichtlich mindestens bis 2030 dauern.

Bergstraße: HOBAG-Gebäude und Landratsamt werden neuen Gebäuden weichen. Foto: GSCHWÄTZ

Geplante, aber noch nicht umsetzungsreife Infrastrukturmaßnahmen wie die Kochertalbahn oder ein angedachtes Nahwärmenetz sowie eventuell eine Umgestaltung oder ein Neubau des Kaufland-Gebäudes werden bei den städtebaulichen Planungen berücksichtigt.

Aufgrund der städteplanerischen Vorplanung soll nun ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben werden, der für Qualität sorgen soll.

Eine „Herzensangelegenheit“

Für Michael Schellmann, den Kämmerer des Kreises, ist das Projekt eine „Herzensangelegenheit“, mit der er sich seit 15 Jahren beschäftigt. Schließlich sollen die derzeit 23 Standorte, an denen Kreisbehörden tätig sind, möglichst am zentralen Standort mit 600 bis 650 Mitarbeitern integriert werden. Das Ziel, die A-Lage zu erhalten und gleichzeitig mit einem modularen Ansatz flexibel zu sein, sei durch die Planungen realisiert worden. Er lobt die lösungsorientierte Zusammenarbeit zwischen Kreis und Stadt und appelliert an die Entscheidungsträger, den ambitionierten Zeitplan durch schnelle politische Entscheidungen zu unterstützen.

Lauffaule Künzelsauer Einkäufer

Verena Löhlein-Ehrler bezweifelt, dass das Parkhaus am richtigen Platz steht, „Wie lauffaul der Künzelsauer Einkäufer ist, sehen wir an den Wertwiesen“, und  bemängelt, dass in den neuen Plänen weniger Geschäfts- und Wohnfläche geplant sei. Das kann Tritschler nicht bestätigen: „Die Quadratmeter für das Landratsamt sind gleichgeblieben, tatsächlich sind aber Wohn- und Geschäftsgebäude eher zurückgesetzt“ – und damit auch auf spätere Bauphasen verschoben.  Wichtig ist Tritschler, „den Verkehr direkt am Stadteingang abzuholen und ihn nicht durch die Stadt zu führen“, daher sieht sie das Parkhaus an der richtigen Stelle, auch weil es direkt an die Stuttgarter Straße angeschlossen werden soll.

Auch Skepsis gegenüber den Aussagen des Landratsamts geäußert

Aufgrund der Beteuerungen bezüglich des Krankenhauses äußert Boris d’Angelo Skepsis „gegenüber dem, was vom Kreis kommt“. Letztlich, sagt er aber, „gibts für Künzelsau gar keine andere Wahl, als zuzustimmen“. Er sieht ansonsten die Gefahr, dass man das Landratsamt verlieren könnte.

Politische Entscheidungen müssen kommen

Der Gemeinderat stimmte dem Vorschlag einstimmig zu. Bürgermeister Neumann versprach, die Beratungen über den Bebauungsplan unmittelbar nach der Sommerpause aufzunehmen.
Am Montag,  19. Juli 2021, werden die Planungen dem Kreistag vorgestellt. Stimmt auch dieser zu, steht dem Umbau des Gesichts von Künzelsau nichts mehr im Wege. Allein für die vom Kreis geplanten Gebäude sind bis zu 60 Millionen Euro angesetzt.

Text: Matthias Lauterer