„Wir haben kein Problem mit Flüchtlingen, wir möchten nur keine gewaltbereiten Männer neben unserem Kindergarten haben“
„Herr W. vom Landratsamt hat uns gesagt, dass er ganz harmlos wäre“, berichtet Christine Koppe. „Wir haben aber das Gefühl, dass wir angelogen werden“, sagt Lena Pflüger. Christine Koppe und Lena Pflüger sind Einwohner:innen Krautheims, aber derzeit sind sie vor allem eines: Mamas, die ihre Kinder schützen wollen vor gewaltbereiten, teilweise bereits straffällig gewordenen Männern.
Mamas haben Angst um ihre Kinder
Diese vier Männer sollen demnächst in ein ehemaliges Schwesternwohnheim in Krautheim einziehen, das sich direkt neben dem Kindergarten der Stadt befindet. Ein Unding, finden diverse Eltern und gehen seit rund drei Wochen, seitdem sie das durch Zufall erfahren haben, auf die Barrikaden, sammeln recht erfolgreich in kürzester Zeit über 1.800 Unterschriften online und vor Ort, aktivieren die Presse und machen mobil.
Jeder willkommen, der sich an die Regeln hält
Dabei spiele es keine Rolle, dass diese Männer Flüchtlinge seien, betonen sie. Gerne heißen sie jeden hier willkommen, der sich an die Regeln hält, nicht gewalttägig sei oder mit Drogen hantiert. „Wir würden uns freuen, wenn etwa ukrainische Frauen mit ihren Kindern hier einziehen würden“, betont Christine Koppe.
Beschimpfungen und Schreie aus dem Fester
Vielmehr haben sie Angst, was die Männer hier anrichten könnten, wenn sie erst einmal eingezogen sind. Völlig grundlos ist ihre Sorge nicht. Immerhin gibt es Augenzeugenberichte von Oberginsbächern, was die Männer in ihrer bisherigen Unterkunft dort bislang verursacht haben. Alkohol, Drogen, laut Krautheims Bürgermeister Andreas Köhler 37 von einem Mann aus Gambia eingeworfene Scheiben. Das Gebäude muss erste einmal saniert werden, bevor dann ukrainische Familien dort einziehen sollen. Es sei rund dreimal so groß wie das Schwesternwohnheim und daher besser dafür geeignet, erklärt der Rathauschef.
Hasen geklaut und geschlachtet?
Anscheinend hätten, so kursieren Gerüchte, die Männer dort auch Hasen von Nachbargrundstücken in Oberginsbach geklaut und geschlachtet. Besonders Angst haben die Krautheimer:innen vor dem Mann aus Gambia, der seit Jahren im Hohenlohekreis für Aufsehen sorgt durch sein psychisch stark auffälliges Verhalten (wir berichteten). Als er vor Jahren noch in Ingelfingen gewohnt hat, berichteten Einwohner:innen davon, dass er immer mal wieder mit einem größeren Messer völlig unvermittelt in ihrem Garten stand (wir berichteten). Beschimpfungen, Schreie aus dem Fenster, richtig ansprechbar war der Mann teilweise überhaupt nicht. Immer wieder musste daher die Polizei ausrücken und ihn zumindest für kurze Zeit in Gewahrsam nehmen.
Bürgermeister lässt seine Mitarbeiter:innen mit Pfefferspray ausstatten
Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage teilt uns die Polizei mit, dass es in den vergangenen Monaten allein auf das Landratsamt bezogen insgesamt zehn „Anschläge“ gab – neun auf verschiedene Gebäude des Landratsamtes und einen auf ein Fahrzeug. Für alle „Anschläge“ konnte ein und derselbe Verursacher festgestellt werden. Unlängst wurden Scheiben am Hauptgebäude des Landratsamtes eingeworfen. Krautheims Bürgermeister Andreas Köhler und einer seiner Mitarbeiter wurde von ihm ebenfalls mit Steinen beworfen, nachdem er ihn des Rathauses verwiesen hatte. Zuvor habe der Gambier dort randaliert. Auch sexuelle Anspielungen habe es gegeben. Er wolle endlich eine Frau haben, um Nachwuchs zu zeugen. Die Angst geht daher derzeit um in Krautheim.
Eltern fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen
Lena Pflüger berichtet davon, wie die Frauen mehrfach im Landratsamt angerufen und um Rückruf gebeten haben, doch nichts sei passiert. „Herr Neth möchte nicht mit uns sprechen“, sagt sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Wer schützt unsere Kinder?“, fragt Tanja Sordel. „Unsere Kinder sollen keine Versuchskaninchen für ein Integrationsprojekt sein, das scheitern kann.“ In ihren Augen fühle sich keine Behörde so richtig zuständig: „Wer trifft hier die Entscheidung? Wer kann etwas tun?“ Diverse dieser Entscheidungsträger hätten insbesondere den Gambier live erlebt. Deswegen könne sie nicht verstehen, „wie sie so etwas zulassen können“.
Landratsamt rüstet mit Sicherheitspersonal auf
Während das Landratsamt bereits reagiert und das Sicherheitspersonal aufgestockt sowie Bauzäune um das Gebäude herum aufgestellt sowie Panzerglas bestellt hat (wir berichteten), lässt Andreas Köhler nun ebenfalls seine Mitarbeiter:innen im Rathaus mit Pfefferspray ausstatten, Überwachungskameras im Eingangsbereich und Notrufknöpfe in den Büros sollen bald für zusätzliche Sicherheit sorgen. Derweil fühlen sich die Kindergarteneltern von den Behörden im Stich gelassen. Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage sagt Andreas Köhler, dass der Gambier „nach allem, was nun bisher gewesen ist, auf keinen Fall in das ehemalige Schwesternwohnheim einziehen“ werde. Eine Wohnalternative sieht er bislang jedoch lediglich in dem bisherigen Wohnhaus in Oberginsbach – aber dies gehe auch nur solange, bis dort die ukrainischen Familien hineinkämen. Eine Dauerlösung sei daher bislang noch nicht in Sicht. Geeignete Gebäude habe die Stadt derzeit keine, suche aber nach wie vor.
„Keine Musterknaben“
Da es am Samstagabend, den 22. Oktober 2022, erneut einen Polizeieinsatz wegen des Gambiers beim Lidl in Krautheim gab, hofft Köhler, dass er nun nur kurzzeitig in Gewahrsam oder in die Psychiatrie kommt. Zurück nach Gambia könne er wohl auch nicht geschickt werden, da er seinen Pass weggeschmissen habe. „Da sind wir etwas machtlos“, gesteht Köhler.
Die anderen drei Männer, die in das Schwesternwohnheim ziehen sollen, empfindet er derweil als nicht so schlimm. Das seien „keine Musterknaben“, aber auch keine Männer, die bislang straffällig geworden wären.
Hase und Igel
Knapp 50 Kinder besuchen derzeit den Kindergarten. „Diese Männer brauchen richtige Hilfe, am besten eine Rundum-Betreuung“, sagt Christine Koppe. Lena Pflüger erinnert sich derweil an die Zeit, als sie noch ein Kind war und den Kindergarten besucht hat. Im Schwesternwohnheim war früher die Hasen-und-Igel-Gruppe untergebracht. Es bleibt nur zu hoffen, dass das Hase-und-Igel-Spiel nun nicht zur Realität wird.
Text: Dr. Sandra Hartmann





















