„Das Stück ist schnell erzählt. Der Mann ist tot.“ So fasst Regisseurin Monika Schumann in dem mit rund 80 Zuschauern voll besetzten Pfarrsaal in Krautheim am Samstag, den 12. November 2022, zu Beginn der Vorstellung „Die Acht Frauen“ den Inhalt der Kriminalkomödie kurz und knapp zusammen. Die Zuschauer lachen. Jetzt könnten sie ja eigentlich wieder gehen.
Angst um die Aktien, ein Liebhaber und eine Schwangerschaft
Aber mit dem vermeintlichen Tod von Harry beginnen erst die Turbulenzen. Denn: Wo eine Leiche, da in diesem Fall auch ein Mörder. Acht Frauen befinden sich in der Tatnacht in dem Haus. Wer aber war es, der ihn zur Strecke brachte?
Das Ende ist ebenso verblüffend wie spektakulär
Während die Damen sich gegenseitig verdächtigen, kommen immer mehr Beweggründe ans Licht, weswegen jede einzelne von ihnen Gründe gehabt hätte, Harry umzubringen. So wollte Harrys Ehefrau Megan (wunderbar elitär gespielt von Sabine Ries) sich in eben jener Nacht von Harry trennen und mit dem Liebhaber durchbrennen. Megans Mutter, die ebenfalls in dem Haus wohnt (knallhart gespielt von Gabriele Kistner), hat Angst um ihre Aktien, während deren zweite Tochter Deborah (sensationell einfältig gespielt von Gudrun Gasser-Krebs) Harry vermeintlich heimlich anschmachtete. Dazu kommt das aufreizende französische Hausmädchen Louise, die kokette, fordernde Schwester von Harry, Viviane (herrlich divenhaft gespielt von Lisa Hettinger), die bei Harry immer wieder um Geld bettelt, Harrys schwangere Tochter Susann (gespielt von Désirée Metzger), und Nesthäckchen Catherine (zuckersüß dargestellt von Selina Väth). Nicht zu vergessen die liebe, gute, treue Seele des Hauses, Haushälterin Emma (treffsicher dargestellt von Sabine Korb). Na, was glauben Sie, wer war es von diesen Frauen?
Nicht nur die Dialoge fliegen nur so durch den Raum
Eines kann man verraten: Das Ende ist ebenso verblüffend wie spektakulär. Das Stück lässt kein Auge trocken, denn nicht nur die Dialoge fliegen nur so durch den Raum, wenn etwa die wütende Ehefrau Megan der debilen Deborah an den Kopf knallt: „Ich bin schön und reich und sie ist hässlich und arm.“ Woraufhin Deborah, außer sich vor Entsetzen, eine Dose quer über die Bühne nach Ehefrau Megan schmeißt. Neben Beleidigungen auch noch derberer Natur und Handgreiflichkeiten werden zwischendrin sogar Schüsse abgefeuert.
Wohzimmeratmosphäre
Die Besucher:innen sind dabei hautnah dran am Ermittlungsgeschehen in dieser, wie Regisseurin Monika Schumann es nennt, „Wohnzimmeratmosphäre“. Dazu muss man wissen: Der Pfarrsaal ist nicht allzu groß. Es gibt keine Bühne. Die Schauspielerinnen spielen bei den ganzen Irrungen und Wirrungen nur wenige Zentimeter von ihrem Publikum entfernt. Das Bühnenarrangement: Zwei Tische, ein Sofa und mehrere Stühle. Dadurch fühlt man sich als Beobachterin schon fast involviert und rätselt wie Sherlock Holmes bis zum Ende mit, wer es nun schlussendlich war. Aber man leidet auch mit, wenn etwa die böse Grandma trocken zu der armen Deborah sagt: „Nimm doch mal ein paar von deinen süßen kleinen Pillen.“ Oder wenn sich die Frauen gegenseitig im wahrsten Sinne an die Gurgel gehen. Aber die stillen Gewässer sind tief, das merkt man spätestens dann, wenn die liebe Emma süffisant anmerkt: „Louise ist ein Luder mit dem Ziel, mit dem Hausherrn zu schlafen.“
Schauspielerisches Talent
Man kann kaum glauben, dass Sophie Käfer, die Louise spielt, in diesem Stück ihr Bühnendebüt feiert. Das schauspielerische Talent, sowohl als kokettes Hausmädchen, als auch als vermeintliche amour fou am Ende – Sophie schafft es, alles absolut überzeugend und mit höchstem Witz darzustellen. Ihr Bruder Niklas derweil begleitet die Damen bei ihren drei gelungenen musikalisch Einlagen mit seinem Keyboard und schreibt derweil ebenfalls an einem Theaterstück, das eventuell im nächsten Jahr aufführungsreif sein wird. Sein Bruder ist für die Maske der Schauspieler zuständig. Im Publikum sitzt die Mutter der drei, Elke Käfer, und sieht zum ersten Mal das Stück, das mittlerweile schon diverse Male an verschiedenen Orten aufgeführt wurde. In Krautheim nun das letzte Mal. Sie ist stolz auf ihre Kinder, aber auch Niklas betont, dass ihre Mutter ihnen immer den Rücken bei allem gestärkt habe: „Sie ist unser Organisationstalent, unser Personal Coach, unsere Managerin. Jeder könnte froh sein, so eine Mutter zu haben.“
Was sagen die Zuschauer:innen?
Besucherin Sabine Rössler aus Dörzbach ist begeistert. „Alle haben ihre Rolle super gespielt.“ – „Die unterschiedlichen Charaktere waren echt spitze“, findet auch Jana Fraulob aus Krautheim. Das Stück sei sehr kurzweilig gewesen. „Ich hatte meinen Spaß“, sagt auch Tim Metzger als einer der wenigen Männer unter den Zuschauern. Er könne das Stück auch Männern empfehlen, fügt er augenzwinkernd hinzu.
Was sagen die Darstellerinnen?
Die Darsteller sind am Ende ihres letzten Auftritts mit ihrem Stück „Die Acht Frauen“ sowohl froh, als auch traurig. Die Besetzung sei charakterlich sehr passend gewählt gewesen, sagt Megan-Darstellerin Sabine Ries. Schwierige Szenen seien die Rangeleien zwischen den Frauen gewesen, verrät sie. Wenn man etwa den anderen schütteln musste. Eine Herausforderung seien die immer wechselnden und komplett anderen Spielorte gewesen. Einmal mit Treppenaufgang, einmal eine Bühne, einemal ohne. In Krautheim nun auf Tuchfühlung mit dem Publikum Emma-Darstellerin Sabine Korb fand das zwar schöner, als auf der Bühne, aber auch schwieriger. Louise-Darstellerin Sophie Käfer war „mega aufgeregt“ vor ihrem Auftritt, weil in Krautheim viele Bekannte von ihr da gewesen seien. Auf ihr schauspielerisches Talent angesprochen, verweist die im wahren Leben eher zurückhaltende Sophie Käfer auf die Regiekünste von Monika Schumann. Die habe das alles aus ihr „herausgekitzelt“. So ist denn auch Monika Schumann „ganz stolz auf die schauspielerische Leistung“ ihrer Darstellerinnen. „Das haben sie sich hart erarbeitet.“
Technik: Chris und Niklas Braun
Niklas Käfer: Musikalische Begleitung und Souffleur
2. Souffleuse: Carola Kramer
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Text, Fotos & Video: Dr. Sandra Hartmann

Deborah (links) und Harrys Ehefrau (rechts) sind sich nicht immer grün. Foto: GSCHWÄTZ


Ein Schuss, ein Treffer? Haushälterin Emma muss sich während des Stückes auch ablegen. Foto: GSCHWÄTZ

Wie viele Menschen müssen in diesem Stück wohl sterben? Foto: GSCHWÄTZ

Rätsel raten ob des Mörders. Foto: GSCHWÄTZ

Am Ende randvoll besetzter Pfarrsaal in Krautheim. Foto: GSCHWÄTZ

Wohnzimmeratmosphäre. Foto: GSCHWÄTZ
