1

„Mir fehlen die Worte“

Eine Viertklässlerin wird von einem Mitschüler an einer Grundschule im hohenlohischen Krautheim gewürgt. Die Familie des Mädchens wendet sich hilfesuchend an die Schule. Diese reagiert. Sie fordert den betreffenden Schüler auf, sich bei dem Kind zu entschuldigen. Dem Mädchen wird angeboten, in die Parallelklasse zu wechseln (wir berichteten).

Negative Konsequenzen für das Opfer

GSCHWÄTZ-Herausgeberin Dr. Sandra Hartmann sieht das Durchspielen derartiger Optionen kritisch. „Dem Mädchen wird damit im Prinzip eine Flucht vor einem gewaltbereiten Mitschüler angeboten. Das sind negative Konsequenzen für das Opfer. Damit wird das Kind eigentlich nochmal Opfer.“

Videokommentar von Dr. Sandra Hartmann: „What?“ – Viertklässlerin wird Opfer von Gewalt – Was dann folgt, sorgt für Stirnrunzeln

Täter müsste gezwungen werden, sich zurückzuziehen, nicht Opfer

Zusätzlich sieht die Journalistin die Gefahr, dass die Gewaltbereitschaft damit nicht aufhört, sondern dass die Chance hoch ist, dass der gewaltbereite Schüler sich dann einfach andere Opfer sucht. Ein Ende der Gewalt sei damit nicht in Sicht. „Es sollte doch eigentlich immer so sein, dass die Person, von der Gewalt ausgeht, die Konsequenzen bekommt und nicht Betroffene. Aber auch bei Partnerschaftsgewalt wird häufig mit dem Opfer darüber gesprochen, welche Möglichkeiten des  Rückzuges / Auszuges es gäbe, anstatt mit dem Täter diese Dinge zu besprechen. und, wen nötig, auch zu erzwingen.

Angemessene Maßnahmen

„Wir schauen nach Gewaltakten – sei es Mobbing, Vergewaltigung oder Femizid – leider nach wie vor zu sehr auf die von Gewalt Betroffenen – wie haben sie sich verhalten? Haben Sie provoziert? Hatten sie die falsche Kleidung an? Waren Sie zur falschen Zeit am falschen Ort? Das eigentliche Problem sind doch nicht die Opfer, sondern die Täter“, findet Hartmann. Auf sie müsse das Scheinwerferlicht gerichtet und über angemessene, abschreckende Maßnahmen gesprochen werden.




Familie kritisiert Schulleitung nach Mobbing-Vorwurf an Krautheimer Grundschule

Eine Viertklässlerin wurde nach eigenen Angaben von einem Mitschüler an der Grundschule in Krautheim gewürgt. Er hat sie derart heftig und lange in den Schwitzkasten genommen, dass sie keine Luft mehr bekam und ihre Freundinnen, die Zeuginnen dieser Szene wurden, Angst um sie hatten, dass sie ersticke. Die Eltern des Mädchens kritisieren nun die Schulleitung scharf bezüglich ihres Verhaltens nach dem Vorfall.

Jede:r vierte Schüler:in von Mobbing betroffen

Mobbing ist unter Kindern und Jugendlichen ein verbreitetes Phänomen – das zeigt nicht nur die PISA-Studie, sondern auch eine Umfrage der DAK aus dem Jahr 2024. Nach dieser sind 24 Prozent der befragten Schulkinder mindestens einmal im Monat von Mobbing betroffen. Angesichts dieser Zahlen überrascht es nicht, dass sich viele Kinder in Deutschland an ihrer Schule nicht wohlfühlen.

Mobbing hat viele Gesichter

Mobbing an Schulen hat viele Gesichter. Besonders häufig sind verbale und psychische Formen, es kommt aber auch zu physischer Gewalt. Eine Umfrage unter Lehrenden zur Gewaltbereitschaft unter Kindern und Jugendlichen aus dem Jahr 2022 zeigt ebenfalls, dass das Klima an Schulen teilweise als rau und gewaltbetont wahrgenommen wird. Anlass für Mobbing können zum Beispiel der Körper oder die Herkunft des Opfers sein. Damit ist Mobbing eine Form der Diskriminierung. Wichtig ist zu betonen, dass das Opfer in der Regel keine Schuld an seiner Situation trägt.

Täter-Opfer-Umkehr?

Die Familie des betroffenen Mädchens hatte sich nach dem Vorfall hilfesuchend an die Grundschule in Krautheim gewandt. Nach Angaben der Familie hat sich der Junge zwar entschuldigen müssen, aber ihrer Tochter sei als „Lösung“ wiederum vorgeschlagen worden, nicht an der bevorstehenden Schulübernachtung teilzunehmen sowie in die Parallelklasse zu wechseln. Der Familie des Mädchens ist nicht bekannt, dass dem Jungen, der sie gewürgt hatte, ähnliche „Lösungsvorschläge“ präsentiert worden seien.

Die Grundschule selbst wollte den Vorfall weder dementieren noch bestätigen

Dies sei für die Familie so enttäuschend gewesen,  das sie überlegt haben, ihre Tochter nun nach der vierten Klasse in der Gemeinschaftsschule in Mulfingen anzumelden. Auch Freundinnen des Mädchens würden auf diese Schule nach der vierten Klasse wechseln. Die Schule in Mulfingen nahm jedoch das Mädchen nicht auf. Laut Angaben der Eltern könne das daran liegen, dass derzeit schon sehr wenige Kinder die Grundschule in Krautheim besuchen und man Angst habe, dass die Schule schließen müsse, wenn noch mehr Kinder weggehen würden.

Die Grundschule indes wollte den Vorfall gegenüber GSCHWÄTZ weder bestätigen noch dementieren. In einer Antwort auf eine GSCHWÄTZ-Presseanfrage bezüglich des Mobbing-Vorfalles und der Grundschulzahlen verweist Rektor Zürn lediglich auf Folgendes:

„Vielen Dank für Ihre Anfrage. Grundsätzlich beantworten wir keine Presseanfragen zu Vorfällen zwischen Schülern und Schülerinnen in der Schule.“

Auch auf die Presseanfrage zu der Spekulation über eine drohende Schulschlie0ung bei zu geringen Schülerzahlen äußerte sich Herr Zürn nicht. Auf Nachfrage, wie denn die Schule generell hinsichtlich des Themas Mobbing aufgestellt ist, antwortet Rektor Zürn ausführlicher:

„Im sozial Curriculum der GWRS Krautheim ist Prävention, insbesondere Mobbing, sehr wichtig und wird sehr ernst genommen. Daher möchte ich Ihnen beispielhaft die Maßnahmen( Unterstützungssysteme/Projekte) unsere Schule nennen:

  • Streitschlichter
  • Mobbingintervention durch die Klassenlehrer: Mobbing was ist das? (Erläuterung: Schikanieren von Personen (körperliche/psychische Gewalt über einen längeren Zeitraum ))
  • Stärkung der Klassengemeinschaft (Projekttage externer Partner/ mit Schulsozialarbeit), sodass es nicht zu Mobbingvorfällen kommt.
  • Projekte zum Thema Cybermobbing gemeinsam mit dem Kreismedienzentrum
  • Polizei: Präventionsveranstaltung zum Thema Gewalt
  • Interaktives Jugendtheater Q- Rage: Stücke: „Total vernetzt und alles klar?“/ „Grenzbereiche“

Theaterstück: „Trau dich“ – BzGa

  • Schulsozialarbeiterin:
    • Gesprächsangebote
    • Konfliktberatung mit Schülerinnen und Schüler im Einzelgespräch
    • Gruppengespräch mit den Konfliktparteien
    • Mobbinginterventionsprojekte in den Klassen
    • Einzelgespräche zum Thema Mobbing
  • Externer Anbieter zum Thema Gewaltprävention: Projekt „Selbstbehauptungstraining gemeinsam stark“ (jährlich)
    • Inhalte:
      • Selbstbehauptung
      • Mobbing
      • Bedrohung – Wie löse ich diese Probleme und wie gehe ich damit um?“

Das betroffene Mädchen kommt im September nun in die fünfte Klasse der weiterführenden Schule in Krautheim und hofft, dass sich so ein Vorfall nicht noch einmal wiederholt.

 




Get ready for it … GSCHWÄTZ on Video-Tour

In diesem Jahr besuchen wir wieder diverse Faschingsveranstaltungen und halten Ausschau nach dem besten Faschings-Outfit 2025. Am Samstag, den 22. Februar 2025, kommen wir unter anderem zu den Faschingsveranstaltungen nach

# Krautheim

# Buchenbach

# Ernsbach

Für einen kleinen Vorgeschmack schaut einfach mal rein in unsere früheren Faschings-Clips von Krautheim und Ingelfingen:

Faschingsgaudi in Krautheim 2020 | GSCHWÄTZ – Das Magazin

Prunksitzung in Ingelfingen 2020 | GSCHWÄTZ – Das Magazin

Habt ihr noch einen Vorschlag für eine Faschingsveranstaltung, die wir besuchen sollen oder habt ihr ein originelles Kostüm? Dann meldet Euch gerne bei uns, entweder via WhatsApp: 0172/68 78 474 oder via E-Mail: gschwaetz@gschwaetz.de

Wir freuen uns auf Euch.

 




„Für diese Chancen bin ich unheimlich dankbar“ – Stylistin aus Krautheim wieder bei TV-Show mit dabei

Visagistin Christine Koppe aus Krautheim durfte abermals mehrere Bräute bei der T-Sendung: „Hochzeit auf den ersten Blick“ schminken und stylen. Für Koppe wurde im vergangenen Jahr ein kleiner Traum war, als sie das erste Mal bei der TV-Show hinter den Kulissen mitwirken und die Bräute in Szene setzen durfte.

In diesem Jahr nun „durfte ich das Team bis zum Finale unterstützen und war bei allen sechs Hochzeiten dabei“, freut sich die Wahl-Hohenloherin.

2024 war sie aber nicht nur bei der (mittlerweile 11. Staffel der) Hochzeits-Show wieder mit dabei, sondern durfte überdies bei einer ARD-Reportage für die Produktionsfirma Sandra Maischberger mit dem Titel: „Wie gut ist unser Grundgesetz“ Als Visagistin hinter den Kulissen mitwirken.

„Für diese Chancen bin ich unheimlich dankbar und überglücklich“, sagt Koppe.

„Hochzeit auf den ersten Blick kann  man unter anderem auf joyn kostenlos streamen:

Ganze Folgen von Hochzeit auf den ersten Blick kostenlos streamen | Joyn

Die Reportage über das Grundgesetz ist hier kostenlos abrufbar:

Dokumentation & Reportage: Wie gut ist unser Grundgesetz? | ARD Mediathek

 




Täter zünden Feuerwerk an Schule

Unbekannte beschädigten zwischen Samstagmittag und Sonntagmittag die Türe einer Schule in Krautheim. Zwischen 12 Uhr und 11.30 Uhr zündeten die Täter einen Feuerwerkskörper im Bereich der Eingangstüre der Realschule in der Götzstraße. Durch die Explosion splitterten Teile des Außenputzes ab und es entstand ein Riss in der doppelt verglasten Türe.

Die Polizei hat die Ermittlungen wegen Sachbeschädigung aufgenommen und bittet Zeugen, die Angaben zu dem Vorfall machen können, sich beim Polizeiposten Krautheim, Telefon 06294 234, zu melden.




„Altes bewahren, neues beginnen“

Als Kristin Walter, Bürgermeisterkandidatin für Krautheim, von unserer Redaktion gefragt wurde, an welchem ihrer Lieblingsorte in Krautheim wir das Interview mit ihr führen sollen, war für sie gleich klar: an der Burg sollte es sein. Denn die Burg stehe sinnbildlich für ihren Leitspruch: „Altes bewahren und neues beginnen.“

Kultur, Vereine und die gelebten Werte in Krautheim

Die dreifache Mutter arbeitet seit 2,5 Jahren im Rathaus in Krautheim, derzeit noch unter Andreas Köhler. Der aktuelle Rathauschef hat im Januar 2023 seinen Rücktritt erklärt. Da habe Kristin Walter, so berichtet sie es, für sich entschlossen: „Ich packe das an, durch meine Erfahrung, die ich im Laufe der Jahre sammeln konnte, möchte ich gemeinsam mit den Krautheimern Neues beginnen und altes weiterführen.“ Das Alte, darunter versteht die Verwaltungsangestellte und gelernte Wirtschaftsfachwirtin, insbesondere die Kultur, Vereine – wie Lemia, die Blaskapellen, der TSV, die Burg oder der Reitverein – und die gelebten Werte in dem Jagsttalstädtchen.

Beim Regierungspräsidium Stuttgart

Bevor sie in Krautheim gearbeitet hat, war sievon 2015 bis 2020 stellvertretende Leiterin der Ausländerbehörde beim Regierungspräsidium Stuttgart, Außenstelle Wertheim. Hier war sie für die Bewilligung der verschiedenen Förderprogramme für Flüchtlinge zuständig.

Mehr Bürgernähe

Der Wunsch nach mehr Bürgernähe und damit direktem Kontakt mit den Menschen führte sie schließlich ins Rathaus nach Krautheim. „Mein Wunsch war es, in verschiedenster Art und Weise für die Bürger:innen tätig zu sein. Aktuell arbeitet die 42-Jährige hier als Kassenverwalterin und Marktmeisterin.

In der Verwaltung digitaler werden

Unter anderem die Herbstmesse nach Corona beziehungsweise mit einem angepasstem Coronakonzept hat sie organisiert, eine der Höhepunkte im Jahr in Krautheim. Sie möchte as Bürgermeisterin Krautheim auch in der Verwaltung in die Moderne führen, digitaler werden, vernetzter, auch mit den Vereinen, die sich mit ihren Ehrenamtlichen so sehr engagieren. „Corona hat schmerzhaft gezeigt, wie wichtig dieser Bereich ist.“

Geänderte Öffnungszeiten, mehr Bürgernähe, eine „bürgerfreundliche Kommunikation und offene Rathaustären sind mir wichtig“.

Investorensuche für das ZG-Areal nicht einfach

Sie weiß: „Die Stadtentwicklung brennt den Bürger:innen unter den Nägeln.“ Etwa das derzeit brach liegende ZG-Areal im Herzen Krautheims, das auch ihr Mitbewerber Marcel (Koppe) bemängelt hat. „Leider macht es die derzeitige Situation der Investorensuche nicht leicht“, sagt sie. Auch sie ist unzufrieden mit der Situation. Es habe eine Anfrage eines Drogeriemarktes gegeben, die sehr gut in das Innenstadtkonzept gepasst hätte. Dieser Investor sei aber wieder abgesprungen. Es habe auch verschiedenste Konzepte von der Stadt gegeben, die aber nicht umsetzbar waren. Walter würde hier „komplett neue Wege in der Ideenfindung gehen, etwa in Form einer Ausschreibung“.

Leerstände von Läden in der Innenstadt verhindern

En weiteres Problem: Auch Krautheims Einwohnerschaft altert, unter anderem die Ladenbesitzer: So findet auch nicht jeder von ihnen einen Nachfolger, wenn er oder sie in den Ruhestand geht. Leerstände bleiben nicht aus. Kristin Walter möchte hier generell mehr werben für die Stadt Krautheim, unter anderem über die sozialen Medien, um auch neue Ideen in der Stadt ankommen zu lassen, vorstellbar wären hier etwa ein Bio-Laden, eine Eventlocation oder ähnliches. Wichtig sei für die Start-up-Betreiber:innen, dass „wenn man neues erschafft, rentabel wirtschaften kann“. Sprich: Die Preise für Immobilien oder die Mieten müssen zu den Einnahmen, die hier erzielt werden können, passen.

Ausbau der Kinderbetreuung

Kristin Walter lebt derzeit in Gerichtstetten, einem Ortsteil von Hardheim. Sie war mit ihren drei Kindern (20, 12 und 8 Jahre) immer berufstätig. Daher sei es ihr auch ein besonderes Anliegen, dies auch anderen Müttern möglich machen zu können, die das möchten. Der Ausbau der Kindergarten- und Schulbetreuung in Krautheim sei wichtig, um den Frauen diese Möglichkeiten geben zu können. „Für Kinder unter einem Jahr gibt es derzeit keine Ganztagesbetreuung als Ergänzung zu den bisherigen Angeboten“, erklärt sie. Ab 2026 gäbe es für Eltern an Grundschulen einen Rechtsanspruch auf eine Ganztagesbetreuung. Den Ausbau hierfür möchte sie für Krautheim schon vorher angehen. Gelebte Werte wie Familienfreundlichkeit machen Krautheim als Stadt attraktiver und locken mehr junge Familien an. Dieser Zuzug und damit auch der Zuzug von Kaufkraft sei immens wichtig, damit sich eine Stadt weiterentwickeln könne.

Familien, Vereine, Kultur, Stadtentwicklung, Wirtschaft. Das sind die Schwerpunkte, die Kristin Walter sich im Wahlkampf gesetzt hat und die sie umsetzen möchte, wenn sie am 07. Mai 2023 von den Krautheimern gewählt werden würde.

Kristin Walter bewirbt sich als neue Bürgermeisterin in Krautheim. Foto: GSCHWÄTZ

 




„Das Stück ist schnell erzählt. Der Mann ist tot“

„Das Stück ist schnell erzählt. Der Mann ist tot.“ So fasst Regisseurin Monika Schumann in dem mit rund 80 Zuschauern voll besetzten Pfarrsaal in Krautheim am Samstag, den 12. November 2022, zu Beginn der Vorstellung „Die Acht Frauen“ den Inhalt der Kriminalkomödie kurz und knapp zusammen. Die Zuschauer lachen. Jetzt könnten sie ja eigentlich wieder gehen.

Angst um die Aktien, ein Liebhaber und eine Schwangerschaft

Aber mit dem vermeintlichen Tod von Harry beginnen erst die Turbulenzen. Denn: Wo eine Leiche, da in diesem Fall auch ein Mörder. Acht Frauen befinden sich in der Tatnacht in dem Haus. Wer aber war es, der ihn zur Strecke brachte?

Das Ende ist ebenso verblüffend wie spektakulär

Während die Damen sich gegenseitig verdächtigen, kommen immer mehr Beweggründe ans Licht, weswegen jede einzelne von ihnen Gründe gehabt hätte, Harry umzubringen. So wollte Harrys Ehefrau Megan (wunderbar elitär gespielt von Sabine Ries) sich in eben jener Nacht von Harry trennen und mit dem Liebhaber durchbrennen. Megans Mutter, die ebenfalls in dem Haus wohnt (knallhart gespielt von Gabriele Kistner), hat Angst um ihre Aktien, während deren zweite Tochter Deborah (sensationell einfältig gespielt von Gudrun Gasser-Krebs) Harry vermeintlich heimlich anschmachtete. Dazu kommt das aufreizende französische Hausmädchen Louise, die kokette, fordernde Schwester von Harry, Viviane (herrlich divenhaft gespielt von Lisa Hettinger), die bei Harry immer wieder um Geld bettelt, Harrys schwangere Tochter Susann (gespielt von Désirée Metzger), und Nesthäckchen Catherine (zuckersüß dargestellt von Selina Väth). Nicht zu vergessen die liebe, gute, treue Seele des Hauses, Haushälterin Emma (treffsicher dargestellt von Sabine Korb). Na, was glauben Sie, wer war es von diesen Frauen?

Nicht nur die Dialoge fliegen nur so durch den Raum

Eines kann man verraten: Das Ende ist ebenso verblüffend wie spektakulär. Das Stück lässt kein Auge trocken, denn nicht nur die Dialoge fliegen nur so durch den Raum, wenn etwa die wütende Ehefrau Megan der debilen Deborah an den Kopf knallt: „Ich bin schön und reich und sie ist hässlich und arm.“ Woraufhin Deborah, außer sich vor Entsetzen, eine Dose quer über die Bühne nach Ehefrau Megan schmeißt. Neben Beleidigungen auch noch derberer Natur und Handgreiflichkeiten werden zwischendrin sogar Schüsse abgefeuert.

Wohzimmeratmosphäre

Die Besucher:innen sind dabei hautnah dran am Ermittlungsgeschehen in dieser, wie Regisseurin Monika Schumann es nennt, „Wohnzimmeratmosphäre“. Dazu muss man wissen: Der Pfarrsaal ist nicht allzu groß. Es gibt keine Bühne. Die Schauspielerinnen spielen bei den ganzen Irrungen und Wirrungen nur wenige Zentimeter von ihrem Publikum entfernt. Das  Bühnenarrangement: Zwei Tische, ein Sofa und mehrere Stühle.  Dadurch fühlt man sich als Beobachterin schon fast involviert und rätselt wie Sherlock Holmes bis zum Ende mit, wer es nun schlussendlich war. Aber man leidet auch mit, wenn etwa die böse Grandma trocken zu der armen Deborah sagt: „Nimm doch mal ein paar von deinen süßen kleinen Pillen.“ Oder wenn sich die Frauen gegenseitig im wahrsten Sinne an die Gurgel gehen. Aber die stillen  Gewässer sind tief, das merkt man spätestens dann, wenn die liebe Emma süffisant anmerkt: „Louise ist ein Luder mit dem Ziel, mit dem Hausherrn zu schlafen.“

Schauspielerisches Talent

Man kann kaum glauben, dass Sophie Käfer, die Louise spielt, in diesem Stück ihr Bühnendebüt feiert. Das schauspielerische Talent, sowohl als kokettes Hausmädchen, als auch als vermeintliche amour fou am Ende – Sophie schafft es, alles absolut überzeugend und mit höchstem Witz darzustellen. Ihr Bruder Niklas derweil begleitet die Damen bei ihren drei gelungenen musikalisch Einlagen mit seinem Keyboard und schreibt derweil ebenfalls an einem Theaterstück, das eventuell im nächsten Jahr aufführungsreif sein wird. Sein Bruder ist für die Maske der Schauspieler zuständig. Im Publikum sitzt die Mutter der drei, Elke Käfer, und sieht zum ersten Mal das Stück, das mittlerweile schon diverse Male an verschiedenen Orten aufgeführt wurde. In Krautheim nun das letzte Mal. Sie ist stolz auf ihre Kinder, aber auch Niklas betont, dass ihre Mutter ihnen immer den Rücken bei allem gestärkt habe: „Sie ist unser Organisationstalent, unser Personal Coach, unsere Managerin. Jeder könnte froh sein, so eine Mutter zu haben.“

Was sagen die Zuschauer:innen?

Besucherin Sabine Rössler aus Dörzbach ist begeistert. „Alle haben ihre Rolle super gespielt.“ – „Die unterschiedlichen Charaktere waren echt spitze“, findet auch Jana Fraulob aus Krautheim. Das Stück sei sehr kurzweilig gewesen. „Ich hatte meinen Spaß“, sagt auch Tim Metzger als einer der wenigen Männer unter den Zuschauern. Er könne das Stück auch Männern empfehlen, fügt er augenzwinkernd hinzu.

Was sagen die Darstellerinnen?

Die Darsteller sind am Ende ihres letzten Auftritts mit ihrem Stück „Die Acht Frauen“ sowohl froh, als auch traurig. Die Besetzung sei charakterlich sehr passend gewählt gewesen, sagt Megan-Darstellerin Sabine Ries. Schwierige Szenen seien die Rangeleien zwischen den Frauen gewesen, verrät sie. Wenn man etwa den anderen schütteln musste. Eine Herausforderung seien die immer wechselnden und komplett anderen Spielorte gewesen. Einmal mit Treppenaufgang, einmal eine Bühne, einemal ohne. In Krautheim nun auf Tuchfühlung mit dem Publikum Emma-Darstellerin Sabine Korb fand das zwar schöner, als auf der Bühne, aber auch schwieriger. Louise-Darstellerin Sophie Käfer war „mega aufgeregt“ vor ihrem Auftritt, weil in Krautheim viele Bekannte von ihr da gewesen seien. Auf ihr schauspielerisches Talent angesprochen, verweist die im wahren Leben eher zurückhaltende Sophie Käfer auf die Regiekünste von Monika Schumann. Die habe das alles aus ihr „herausgekitzelt“. So ist denn auch Monika Schumann „ganz stolz auf die schauspielerische Leistung“ ihrer Darstellerinnen. „Das haben sie sich hart erarbeitet.“

Technik: Chris und Niklas Braun

Niklas Käfer: Musikalische Begleitung und Souffleur

2. Souffleuse: Carola Kramer

__________________

Text, Fotos & Video: Dr. Sandra Hartmann

Deborah (links) und Harrys Ehefrau (rechts) sind sich nicht immer grün. Foto: GSCHWÄTZ

Ein Schuss, ein Treffer? Haushälterin Emma muss sich während des Stückes auch ablegen. Foto: GSCHWÄTZ

Wie viele Menschen müssen in diesem Stück wohl sterben? Foto: GSCHWÄTZ

Rätsel raten ob des Mörders. Foto: GSCHWÄTZ

 

Am Ende randvoll besetzter Pfarrsaal in Krautheim. Foto: GSCHWÄTZ

Wohnzimmeratmosphäre. Foto: GSCHWÄTZ




„Es gab Wetten, dass wir das Stück nie auf die Bühne bekommen“

Am Samstag, den 12. November 2022, stehen „Die Acht Frauen“ von der gleichnamigen Kriminalkomödie das letzte Mal auf der Bühne und zwar in Krautheim (wir berichteten) im Pfarrsaal. Lange haben die Damen für das Stück geprobt. Corona hat ihnen dabei nicht nur einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun führen sie das Stück zum sechsten Mal auf, präsentiert von der StudioBÜHNE – Kulturverein Bad Mergentheim. Ein voller Erfolg auch für Regisseurin Monika Schumann. Dr. Sandra Hartmann hat mir ihr über die Kraft des Theaterspiels gesprochen, über Pleiten, Pech und Pannen bei den Proben und überragende Leistungen ihrer Darsteller:innen.

Viele Proben, an denen nicht alle da waren

Wenn Monika Schumann über ihre Frauen spricht, mit denen sie über ein Jahr lang das Stück „Die Acht Frauen“ einstudiert hat, kommt sie ins Schwärmen. Denn die Widrigkeiten, die ihnen dabei begegnet sind, waren nicht ohne: „Wir sind ja ein Amateurtheater. Die Damen sind alle berufstätig. Es gab viele Proben, an denen nicht alle da waren. Es gab sogar schon Wetten, dass wir das Stück nie auf die Bühne bekommen. Da muss man aber einfach dranbleiben und motivieren.“ Auch der Humor kam nicht zu kurz. „Wir haben viel gelacht bei den Proben.“ Konnte einer nicht mitspielen, soufflierten Niklas Käfer oder Carola Kramer von außen ein. So spielten die Damen auf der Bühne selbst teilweise mit Geistern. Und das bei einem, so Monika Schumann, Klipp-Klapp-Stück. Das heißt, die Dialoge sind wie ein Ping-Pong-Spiel. Zeit zum Überlegen bleibt da nicht. Alles geht Schlag auf Schlag. Das heißt auch: Der Text muss sitzen.

Dem Zeitgeist voraus

„Das war eine Herausforderung für jede einzelne Frau und auch für mich. Aber alle haben das mit Bravour gemeistert“, sagt die 69-Jährige. Herausforderungen prägten auch den Lebensweg der Diplomsozialpädagogin, die im Hauptfach Theaterpädagogik studiert hat. Zuerst war Schumann nämlich ländliche Hauswirtschafterin. Dann holte sie ihre Mittlere Reife und schließlich das Fachabitur nach. Mit 34 Jahren hat sie dann noch studiert – und brachte hierfür teilweise ihre beiden Kinder mit an die Uni in Würzburg – was für die damalige Zeit überhaupt nicht üblich war. Schon damals war sie ihrem Zeitgeist voraus.

Theater hilft, stark zu werden

Seit über 40 Jahren spielt die zweifache Mutter Theater, seit rund 20 Jahren führt sie Regie. In Krautheim leitete sie einst eine Kindertheatergruppe, die an Weihnachten Stücke aufgeführt hat. Die anfangs ängstlichen Kinder seien während der Proben aufgeblüht und aus sich herausgekommen. „Theater befreit und vermittelt Selbstwertgefühl. Man geht dann ganz anders in die Welt“, sagt Schumann. Es helfe einem, stark zu werden.

Frauenüberschuss

Durch den Frauenüberschuss, den sie in der Theatergruppe haben und auch sehr starke Schauspielerinnen dabei seien, habe sie sich für das Stück „Die Acht Frauen“ entschieden. Das Besondere: „Das Stück ist bislang nur von Profis gespielt worden. Daher war es auch dementsprechend schwierig, einzustudieren.“

Jede Frau verkörpert einen ganz eigenen Charakter

Durch Corona sind manche Schauspielerinnnen, weggebrochen und Debütantinnen dazu gekommen. Bei einer davon haben  auch ihre drei Kinder jeweils einen Part übernommen, Sophie Käfer als Darstellerin, Tom Käfer in der Maske und Niklas Käfer als Klavierbegleitung.

Besonders gefällt Monika Schumann die Szene, in der Vivienne, die Schwester des Hausherren auftaucht. Da werde es ein bisschen rätselhaft. Und auch der Anfang, wenn die einzelnen Damen jeder für sich im Lichtkegel beleuchtet werden. Das habe etwas mystisches.

„Wie? Ich soll eine sexy Person spielen?“

Jede Frau verkörpert einen ganz eigenen Charakter. „Wir haben so starke Charaktere, die in ihre Rollen richtig reingewachsen sind.“ Voraus ging dabei eine intensive Rollenarbeit mit Fragen wie: Wer bist Du? Woher kommst du? Was sind deine Ziele im Leben? Die Darsteller:innen sollten sich absolut in ihre Rolle hineinversetzen können. Aber natürlich habe sie vorab geschaut, welche Rolle am besten zu der Darsteller:in passe. Etwa Vivienne. Sie ist eine Tänzerin aus Paris. „Dann muss ich jemand finden, der das auch verkörpern kann.“ Auch wenn anfangs Zweifel da waren bei der ein oder anderen Darstellerinnen nach dem Motto: Wie? Ich soll eine sexy Person spielen?“ Aber Monika Schumann sieht vorher schon, wer für welche Rolle gemacht ist.

Karten für Krautheim

Wer wissen möchte, wer von den Acht Frauen den Hausherrn umgebracht hat, sollte sich die letzte Aufführung am Samstag, den 12. November 2022, in Krautheim im Pfarrsaal um 19.30 Uhr nicht entgehen lassen. Karten gibt für 12 Euro an der Abendkasse oder vorab unter folgender Reservierungsnummer für 10 Euro: 0171/8550 688. Eine Kartenbestellung über reservix.de ist ebenfalls möglich.

Wer Interesse am Theaterspielt hat, darf sich gerne an Monika Schumann wenden: 0171/855 0 688.

Die StudioBÜHNE hat aktuell eine junge Theatergruppe namens: „made for stage“

Text: Dr. Sandra Hartmann

Flyer von der Kriminalkomödie „Die acht Frauen“. Quelle: privat

 




Wer wars?

Die Studiobühne – Kulturverein Bad Mergentheim präsentiert am Freitag, den 11. November 2022 um 20 Uhr in Weikersheim und am Samstag, den 12. November 2022, in Krautheim im Pfarrsaal um 19.30 Uhr die Kriminalkomödie „Die acht Frauen“ unter der Regie von Monika Schumann.

Worum geht es? Eine abgelegene Villa, ein verschneiter Ort. Eine wohlhabende Familie kommt zusammen, acht Frauen. Der Hausherr wird tot aufgefunden. Mord! Panik bricht aus. Misstrauen, Verdächtigungen und gegenseitige Beschuldigungen, denn eines wird schnell klar: In diesem Fall muss der Mörder eine Mörderin sein…

Karten gibt es über die Studio Bühne: 0171/8550688 (10 Euro) oder an der Abendkasse (12 Euro).




„Keine Musterknaben“

Als am Samstagabend, den 22. Oktober 2022, wieder einmal die Polizei zu einem Einsatz ausrücken musste, den ein junger Gambier verübt hatte (er wollte Alkohol im Lidl in Krautheim klauen), wusste Krautheims Bürgermeister Andreas Köhler laut eigenen Aussagen nicht, dass der Mann wieder auf freiem Fuß ist. Eigentlich sollte er in noch in der Psychiatrie sein. Aus dieser wurde er jedoch laut Köhler vorzeitig wieder nach nur zwei anstatt vier Wochen entlassen.

Versuchte gefährliche Körperverletzung

Auch die Polizei im Hohenlohekreis kennt den Mann zur Genüge. „Dem Mann werden mehrere Straftaten zur Last gelegt. Gegen ihn wird wegen Diebstahls, Sachbeschädigung, Leistungserschleichung und versuchter gefährlicher Körperverletzung ermittelt“, sagt Annika Grundbrecher von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Heilbronn auf GSCHWÄTZ-Nachfrage.

Auch Kirche als Vermieter nun alarmiert

In Krautheim haben mittlerweile einige Einwohner:innen Angst vor diesem Mann, insbesondere Eltern, da er eigentlich in das ehemalige Schwesternwohnheim kommen sollte, das sich direkt neben dem Kindergarten befindet (wir berichteten). Laut Rathauschef Köhler habe die Stadt Krautheim derzeit keine anderen geeigneten Unterkünfte für Flüchtlinge als dieses Haus, das der Kirche gehört, aber an die Stadt als Flüchtlingsunterkunft vermietet werden soll. Nun sei, so Gerüchte, auch die Kirche alarmiert und prüft, inwieweit sie vom Mietvertrag noch zurücktreten könne. Nach wochenlangen Protesten von Eltern, hat nun Köhler hat gegenüber GSCHWÄTZ betont, dass dieser Gambier definitiv nicht in dieses Gebäude neben den Kindergarten kommen soll. Doch wohin mit ihm?

Eventuell Überwachungskameras

Das etwa dreimal so große Gebäude in Oberginsbach wird demnächst an Flüchtlingsfamilien aus der Ukraine vorbereitet. Rund 50 sollen im Frühjahr dort einziehen. Bis dahin muss das Haus saniert werden, da die besagten Männer, die dort bislang gewohnt und nun nach Krautheim gebracht werden soll, das Haus ziemlich beschädigt hätten. Während Köhler einen Hauptschuldigen dafür sieht, und zwar der Gambier und die anderen Männer zwar auch nicht als „Musterknaben“ betrachtet, aber „da ist keiner dabei, der Straftaten begeht“, sehen die Eltern den anderen Männern auch mit Besorgnis entgegen. Denn auch über sie wurde ihnen von den Oberginsbächern einiges erzählt. Drogen. Alkohol. Diebstahlsdelikte und dergleichen. Kähler könne sich vorstellen, Überwachungskameras auf dem Grundstück des ehemaligen Schwesternwohnheimes in Krautheim zu installieren, sobald die Männer eingezogen seien. Aber hier müsse er den Datenschutz prüfen.

Der Gambier bleibe eventuell erst einmal in Oberginsbach, überlegt Köhler gegenüber GSCHWÄTZ, bis die ukrainischen Familien kämen. Eine Dauerlösung gäbe es aber noch nicht für ihn. Die Krux dabei: Eben dieser Gambier habe laut Köhler 37 Fensterscheiben allein in dem Gebäude in Oberginsbach eingeschlagen, das nun saniert werden müsse für die ukrainischen Familien. Aber wie kann man ein Gebäude sanieren, während der Haupttäter noch in diesem Gebäude wohnt?

Einweisung in die JVA

Im Rahmen des Einsatzes am Lidl in Krautheim am Samstag wurde nun ein Haftbefehl, der gegen den 24-Jährigen bestand, von der Polizei vollstreckt. Der Mann wurde dem Haftrichter vorgeführt, der den Haftbefehl eröffnete und den Tatverdächtigen in eine JVA (Justizvollzugsanstalt) einweisen ließ. Köhler und viele Einwohner:innen Krautheims hoffen, dass der Gambier nun länger hinter Gittern bleibt.

Text: Dr. Sandra Hartmann

Foto: Eltern wie (von links) Nadine Horinek, Tanja Sordel, Lena Pflüger und Christine Koppe haben Angst um ihre Kinder. Foto: GSCHWÄTZ