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Wie aus einem toten Krankenhaus auf einmal ein Leuchtturmprojekt wird

Als Nina Warken (CDU) mit ihrer Rede am Neujahrsempfang in Künzelsau am Freitag, den 23. Januar 206, beginnt, braucht sie ein paar Minuten, bis sie alle wichtigen Namen aufgezählt hat, die an diesem Festabend anwesend sind und ihr von der ersten Reihe aus lauschen: Reinhold und Bettina Würth (Carmen Würth war nicht anwesend, auch Benjamin und Maria Würth nicht), Albert und Ursula Berner, Hohenlohes Landrat Ian Schölzel, ihr CDU-„Kollege“ Christian von Stetten,  CDU-Landtagsbewerber Tim Breitkreuz, Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann (CDU), Wolfgang Freiherr von Stetten (CDU). Man weiß bereits zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich, ob man sich auf einem Neujahrsempfang befindet oder auf einem Landesparteitag der CDU. 

Was auf die Bürger:innen zukommt: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken in Künzelsau

Sind wir auf einer Wahlkampfveranstaltung oder auf einem Neujahrsempfang?

Sicher, es sind Landtagswahlen in 2 Monaten. Sicher ist auch, der Hohenlohekreis war schon immer sehr schwarz. Und dennoch hinterlässt es einfach ä Gschmäckle, wenn selbst Künzelsaus Bürgermeister, der noch 2018 für den Erhalt des Künzelsauer Krankenhaus bei der Demo der damaligen BI eine Rede gehalten halt, sich am Neujahresempfang in einem Video nun in bester Bob-der-Baumeister-Manier, mit Bauhelm und beim Tapete-herunter-reißen präsentiert im mittlerweile sehr kaputt wirkenden Krankenhausgebäude und über die hervorragenden Aussichten philosophiert, die das tote Krankenhausgebäude nun habe – unter anderem mit einer geplanten Kurzzeitpflege in Räumen, die zu Zeiten, als das Krankenhaus vom Kreistag geschlossen wurde, noch – milde gesagt – als marod und abrissbereit bezeichnet wurde.

Vom maroden Abrissgebäude zum Leuchtturmprojekt – Loriot würde „ach“ darauf antworten

Nun ist das tote Krankenhausareal nun also das neue „Leuchtturmprojekt“ für Deutschland, wie Nina Warken in ihrer anschließenden Rede strahlend verkündet. Na, ob das die Mehrheit der Künzelsauer genau so sehen, mag wohl dahingestellt sein. Wichtig ist vermutlich auch lediglich der Applaus der Richtigen und Wichtigen in der ersten Reihe, die mit dem dem richtigen Parteibuch, aber auch die Wirtschaftselite.

In Ihrer Rede ging es denn auch viel um Wirtschaft, um Reformen, die Menschen besser gesteuert durch das finanziell stark belastete Gesundheitssystem zu navigieren. Aber, keine Sorge, die Regierung sei mit den angestrebten Reformen unter anderem im ambulanten und stationären Bereich auf einem guten Weg. Es stehe wieder mehr Eigenverantwortung im Fokus, wieder ein Mehr an länger-gesünder-leben, noch weniger Krankenhäuser, aber dafür mehr spezialisierte. Denn wer möchte schon schlecht operiert werde? Lieber fährt man planbar etwas länger (wenn Herzinfarkte nur immer so planbar wären).

Der große Friedrich

Bezogen auf den Bundeskanzler attestiert Nina Warken Friedrich Merz wie zu Erwarten eine hervorragende Arbeit, er reise derzeit viel um die Welt, um die Probleme zu lösen. Von Deutschland werde eine Führungsrolle erwartet. Wie die genau aussieht, kann man derzeit nur erahnen.

Video: Maren Hennig, GSCHWÄTZ-Mitarbeiterin

Ein Kommentar von GSCHWÄTZ-Herausgeberin Dr. Sandra Hartmann

 

 

 




„besondere Anstrengungen und Verdienste bei der Zerstörung der Krankenhauslandschaft“

In schwerer See rudert im Moment Manne Lucha, der Sozialminister des Landes Baden-Württemberg. Als solcher ist er in der Verantwortung für viele der Corona-Maßnahmen und hat Aufgaben im Bereich der Flüchtlingshilfe.

Vor kurzem erst fiel Lucha dadurch auf, dass er mit einer unabgestimmten Forderung zur Aufhebung der Pandemie-Maßnahmen vorgeprescht ist. Ministerpräsident Kretschmann hat ihn daraufhin, diplomatisch aber sehr deutlich, öffentlich zur Ordnung gerufen.

Antrag zur Absetzung des Ministers

Unzufrieden mit ihm ist auch die Opposition im Landtag. So unzufrieden sogar, dass SPD und FDP  einen Antrag für seine Absetzung gestellt haben, über den am heutigen Donnerstag, 07. April 2020 abgestimmt werden soll. „Eklatante Fehlleistungen“ bei der Bekämpfung von Corona werfen SPD und FDP dem Minister vor. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke findet deutliche Worte: „Mit seiner Unzuverlässigkeit und seiner Inkompetenz verursacht Minister Lucha einen Vertrauensverlust in die Politik insgesamt.“

FDP: „Unzuverlässigkeit und Inkompetenz“

Auch die AfD wird dem Antrag wahrscheinlich zustimmen. Da auch in den Regierungsfraktionen GRÜNE und CDU Unzufriedenheit über den Sozialminister laut wurde, ist damit zu rechnen, dass auch einige Abgeordnete aus diesen Fraktionen Lucha nicht unterstützen werden.
Trotzdem dürfte der Antrag nicht angenommen werden – die Regierungsfraktionen verfügen schließlich über 100 der 154 Abgeordnetensitze und so wird die Opposition höchstwahrscheinlich die notwendige Zweidrittelmehrheit nicht erreichen.

Schmähpreis „Goldene Abrißbirne“

Einen Tag vor der Abstimmung wird nun bekannt, dass Lucha „für besondere Anstrengungen und Verdienste bei der Zerstörung der Krankenhauslandschaft“ der diesjährige Preisträger der „Goldenen Abrißbirne“ ist, eines Schmähpreises, den ein „Bündnis Klinikrettung“ erstmals vergibt. In der Laudatio wird Luchas Arbeit wie folgt beschrieben:

Manfred Lucha ist seit 2016 Gesundheitsminister in Baden-Württemberg und hat in dieser Zeit schon Beachtliches geleistet. Auf sein Konto gehen seit seinem Amtsantritt 2016 bis 2021 sage und schreibe 26 Krankenhausschließungen. Zum Vergleich: Zwischen 1990 und 2016 wurden in Baden-Württemberg pro Jahr durchschnittlich zwei (genau 1,96) Krankenhäuser geschlossen, seit seinem Amtsantritt hat Lucha das Tempo mehr als verdoppelt: Im Zeitraum 2016 bis 2020 schlossen im Durchschnitt mehr als 4 (4,3) Kliniken jährlich. Und der Minister lässt den Schließungsprozess nicht nur zu, sondern treibt ihn wie kein anderer Gesundheitsminister voran. So hat er jegliche Kritik […] abgeschmettert und sich richtig kämpferisch gezeigt mit den Worten: „Ich warne davor, nur eine Sekunde zu zögern. […]

Das Künzelsauer Krankenhaus ist eine der 26 Kliniken, die während Luchas Amtszeit geschlossen wurden.

Das Bündnis Klinikrettung ist „eine bundesweite Gruppe von politisch Aktiven, bestehend aus PflegerInnen, ÄrztInnen, PatientInnenvertretungen, KlinikleiterInnen und GewerkschafterInnen“, so die Eigendarstellung.

Informationen über das Bündnis: gemeingut.org
Bilanz der Krankenhausschließungen in BW 2020 & 2021: Krankenhausschliessungen

Text: Matthias Lauterer




„Über den Tag 1 hinausdenken und vorbereitet sein“

Landrat Dr. Matthias Neth und Integrationsmanager Dr. Tobias Wittlinger begrüßten am 1. April 2022 zur Eröffnung des Willkommenspunktes im ehemaligen Krankenhauses neben den Fraktionsvorsitzenden im Kreistag sowie Vertreter:innen der Stadtverwaltung Künzelsau, einige der im Landratsamt mit Flüchtlingsangelegenheiten betrauten Mitarbeiter:innen und auch Vertreter:innen der ehrenamtlichen Helfer:innen durften nun dabei sein als Zeichen der Wertschätzung ihres bereits seit Wochen andauernden Engagements hinter den Kulissen.

Die Notfallambulanz hat sich verändert

Wickelgelegenheit für die Kleinsten. Foto: GSCHWÄTZ

In der ehemaligen Notfallambulanz wird von jetzt an der so genannte Willkommenspunkt für Flüchtlinge, nicht nur aus der Ukraine, für die Anliegen der Geflüchteten bereitstehen. An alle ist gedacht: Für die Kleinsten steht ein Wickelplatz zur Verfügung, für die älteren Kinder ein Spielzimmer. Die Erwachsenen können über PC-Arbeitsplätze mit der Heimat oder zum Beispiel mit der Arbeitsagentur kommunizieren, auch der Ausdruck von Formularen oder Dokumenten ist dort möglich, eine Teeküche, eine Sitzecke und Räume für Gespräche ergänzen das Angebot.

Ziel: „Vorbereitet sein“

Dr. Matthias Neth will „über den Tag 1 hinausdenken und vorbereitet sein“, auch für die Zeit, wo es möglicherweise einen starken Ansturm von Flüchtlingen geben könnte. Es sei wichtig, umgehend mit Sozialarbeit und Integration zu beginnen, sagt er. Noch sei nicht alles perfekt, meint er, aber die Eröffnung zeige „das Symbol, es geht jetzt los“.

Eigentlich sei die Integration Landesaufgabe, „aber wir konnten nicht warten“.

Blick ins Spielzimmer. Foto: GSCHWÄTZ

Anlaufpunkt

Ein Anlaufpunkt für die Geflüchteten soll der Willkommenspunkt sein, andererseits wollen die Ämter und ehrenamtlich Tätigen Präsenz zeigen und konkrete Angebote machen können. Wichtig sei es, den Geflüchteten einen ruhigen und sicheren Raum anbieten zu können – nicht direkt in, aber nahe bei den Unterkünften. Daher soll in naher Zukunft in Öhringen ein weiterer Willkommenspunkt eröffnet werden.

Computerarbeitsplätze stehen zur Verfügung, für die Kommunikation mit der Heimat oder mit Behörden. Foto: GSCHWÄTZ

Appell und Angebot an die Städte und Gemeinden

Neth weist nochmals auf die Rechtslage hin: Nach sechs Monaten verlagert sich die Verantwortlichkeit für die Geflüchteten an die Gemeinden, die dann Unterstützung brauchen – die Neth ihnen verspricht.  Er habe bisher eine Solidarität und einen Zusammenhalt im Hohenlohekreis erlebt, die beispielhaft sei: „In der Not hält man zusammen“.

Neth: „Wie man sieht, steht der Kreistag hinter mir“. Irmgard Kircher-Wieland und Michael Schenk. Foto: GSCHWÄTZ

Dank an alle Beteiligten

Er dankt den Bürgermeistern der Gemeinden, die Raum für Unterkünfte umgehend angeboten haben, aber auch lokalen Firmen – beispielsweise der Forchtenberger Firma Merlin, die das Spielzimmer ausgestattet hat und der Künzelsauer Firma Ottenbacher, die Drucker, Kopierer und Verbrauchsmaterial bereitstellen wird. Und natürlich dankte er auch den ehrenamtlichen Initiativen, die bisher bereits wertvolle Unterstützung gegeben haben. Ein Lob galt seinen Mitarbeiter:innen, die in der kurzen Zeit – „da hat der Landrat in seinen Terminkalender geschaut und gesagt, Freitag um 13 Uhr habe ich noch frei“ – die Infrastruktur des Willkommenspunkts auf die Beine gestellt haben.

Neth freut sich auf den Zeitpunkt, wenn die Räumlichkeiten mit Leben gefüllt sind.

Koordination der Kräfte

Ein erster Schwerpunkt der Tätigkeit wird die Koordination der Hilfsangebote sein, dazu wird in der nächsten Woche ein Treffen mit den ehrenamtlichen Helfern stattfinden, kündigte Tobias Wittlinger an. „Dieser Ort soll ein Kommunikationsort sein, Kommunikation ist eine wichtige Grundlage der Integration“, stellt er fest.

Gerne weist er die Gäste auf scheinbare Kleinigkeiten hin, die den Geflüchteten helfen sollen: So habe man Computertastaturen mit kyrillischen und arabischen Schriftzeichen beschafft. Und ein großes Fenster vom einen Computerraum ins Spielzimmer erlaubt es Müttern, am Computer zu arbeiten und ihr Kind im Auge zu behalten.

Text: Matthias Lauterer

 




Hohenloher Krankenhaus erscheint nicht vor Gericht

Vor dem Arbeitsgericht Crailsheim kam es am Mittwoch, den 03. Juni 2020, zu einer weiteren Verhandlung im Streit zwischen Anke E.* und der Hohenloher Krankenhaus gGmbH. Anke E., die bis November 2019 im Krankenhaus Künzelsau gearbeitet hatte, wurde (GSCHWÄTZ berichtete unter https://www.gschwaetz.de/2020/02/06/keinen-lohn-keine-krankenversicherung-mehr-2-mitarbeiterinnen-verklagen-hk/) Mitte November von ihrem Arbeitgeber unbezahlt freigestellt wurde, nachdem man keine Einigung über ihren Arbeitsplatz in Öhringen erzielen konnte.

Unabhängig von diesem Verfahren hat Anke E., vertreten durch den Rechtsanwalt Joachim Hofmann, auf Entgeltweiterzahlung für die Monate Dezember 2019 bis Februar 2020 geklagt.

Sichtlich nervös sitzt Anke E. alleine im Wartebereich des Gerichts, ihr Anwalt ist noch nicht angekommen, auch von der Gegenseite ist nichts zu sehen. Ein wenig fahrig setzt sie ihre Maske auf. „Man macht einiges mit“ ist ihr einziger Kommentar.

In diesem neuen Verfahren sollte der vorgeschriebene Gütetermin stattfinden. Nach 20 Minuten Wartezeit eröffnete Richterin Sabine Stahl die Verhandlung und stellt fest, dass die Ladungen fristgemäß zugegangen waren, aber die Beklagtenseite, also die Hohenloher Krankenhaus gGmbH, nicht erschienen ist. Rechtsanwalt Hofmann beantragte daraufhin ein Versäumnisurteil, das die Richterin dann auch erließ.

Die Hohenloher Krankenhaus gGmbH muss demnach drei Monatsgehälter an Anke E. nachzahlen, die Rechtsmittelfrist gegen dieses Urteil beträgt eine Woche.

Wie viel Vertrauen zwischen den Parteien verspielt wurde, zeigt vielleicht die Tatsache, dass Rechtsanwalt Hofmann eine „vollstreckbare Ausfertigung“ des Urteils beantragt hat, er scheint mit weiteren Komplikationen zu rechnen.

Warum die HK vor Gericht nicht erschienen ist, ist bislang nicht bekannt.

Anke E. jedenfalls war die Erleichterung darüber, dass sie dieses Verfahren mit Erfolg hinter sich gebracht hat, deutlich anzumerken.

* Der Name wurde aufgrund des Persönlichkeitsschutzes von der Redaktion geändert.

Text: Matthias Lauterer

 

Zum zweiten Verhandlungstermin vor dem Arbeitsgericht in Crailsheim erschien eine der Parteien nicht. Foto: GSCHWÄTZ

So leer ist der Wartebericht, wenn eine der Parteien nicht erscheint. Foto: GSCHWÄTZ




Künzelsau: Letzte Patientin verlässt Isolierstation

Das Landratsamt Hohenlohekreis hat den Betrieb der Isolierstation im ehemaligen Krankenhausgebäude in Künzelsau heruntergefahren, nachdem die letzte Patientin am 07. Mai 2020 entlassen wurde. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises vom 08. Mai 2020 hervor.

„Wir können die Isolierstation jederzeit wieder hochfahren“

Die Isolierstation ist ein Angebot des Landkreises für Patienten oder Angehörige, die sich nicht selbst zuhause isolieren können. „Wir sind froh, dass wir die Isolierstation derzeit aufgrund der niedrigen Fallzahlen nicht benötigen, können sie bei höherem Bedarf jedoch wieder kurzfristig hochfahren“, betont Torsten Rönisch, Kreisbrandmeister des Hohenlohekreises und Verantwortlicher für die Isolierstation. Landrat Dr. Matthias Neth lobte die Einsatzkräfte von THW und DRK: „Ohne Ihre tatkräftige Unterstützung wäre der Aufbau und Betrieb der Isolierstation in den letzten Monaten nicht möglich gewesen. Vielen Dank für Ihren Einsatz.“

Hintergrund:

Anfang März 2020 wurden zunächst 17 Isolierzimmer im Wohnheim der Akademie für Landbau und Hauswirtschaft in Kupferzell eingerichtet. Nachdem sich die Fallzahlen im Kreis sehr schnell entwickelt haben, hat die Landkreisverwaltung im ehemaligen Krankenhausgebäude in Künzelsau eine Isolierstation mit Platz für mehr als 50 Personen eingerichtet. Seit dem 29. März 2020 waren dort laut dem Landratsamt insgesamt vier Betroffene untergebracht.

Das ehemalige Krankenhaus Künzelsau nutzte der Hohenlohekreis als Isolierstation. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv




Corona: Landrat Neth schließt aus „faktischen Gründen“ vollwertiges Krankenhaus mit Sauerstoffversorgung für Künzelsau aus

Wie bereitet sich der Hohenlohekreis auf eine mögliche Extremsituation in der Coronapandemie vor? Offensichtlich gar nicht, zumindest nicht, wenn es darum geht die Ressourcen des ehemaligen Krankenhauses in Künzelsau weiter zu nutzen. Derzeit werden keinerlei Vorkehrungen getroffen, um dass ehemalige Krankenhaus in Künzelsau so aufzurüsten, damit im Ernstfall Patienten mit medizinischen Sauerstoff versorgt werden können. Covid-19-Erkrankte leiden oft Atemwegserkrankrankungen – weswegen eine optimale Sauerstoffversorgung in einem Krankenhaus benötigt wird. Das Krankenhausgebäude wird derzeit nur als Isolierstation ohne medizinisches Fachpersonal genutzt.

Im Zuge der Krankenhausschließung im November 2019 wurde der Sauerstofftank entfernt, der sich auf dem Außengelände des Krankenhauses befand. Ein solcher Sauerstofftank ist nötig, um die einzelnen Patientenzimmer mit medizinischen Sauerstoff zu versorgen.

Aus diesem Grund hat GCHWÄTZ eine Anfrage bei den Sauerstoffwerken in Friedrichshafen gestellt, um zu erfahren, wie lange es im Ernstfall dauern würde, bis auf dem Krankenhausgelände ein solcher Sauerstofftank wieder aufgestellt wäre.

Eine konkrete Antwort auf diese Frage haben wir nicht erhalten, dafür wurde uns aber von Herrn Michael S., Mitarbeiter der Sauerstoffwerke, Folgendes geantwortet:

Mehr als eine Isolierstation soll es für Künzelsau nicht geben

„Nach Rücksprache mit Angestellten der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, der Stadtverwaltung Künzelsau und des Landratsamt Hohenlohekreis wurde mir von allen Beteiligten jedoch versichert, dass das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau lediglich als Isolierstation für Personen die mit Covid-19 infiziert sind genutzt werde. Es ist nicht angedacht, in diesem Gebäude Patienten dauerhaft mit medizinischem Sauerstoff zu versorgen“.

Im Klartext heißt das, dass man trotz steigender Zahlen von Coronaneuinfektionen scheinbar keine weiteren Vorkehrungen trifft, um im Akutfall schnell handeln zu können. Im Gegenteil, unsere Presseanfrage wurde von Herrn M. S. sogar als „befremdlich“ bezeichnet. Gleichzeitig weist er aber darauf hin, dass er sich hierzu persönlich äußert und nicht im Namen der Sauerstoffwerke Friedrichshafen. Zitat:

„Ich finde Ihre „Presseanfrage“ in der aktuellen Situation, wo jede/r Mitarbeiter/in der im Bereich der Versorgung von  Mitbürgern und im Besonderen von kranken Menschen tätig ist, sehr befremdlich.“ Weiter schreibt Michael S.: „Durch Ihre Anfrage wurden personelle Ressourcen der Sauerstoffwerke Friedrichshafen GmbH, der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, der Stadtverwaltung Künzelsau und des Landratsamtes Hohenlohekreis gebunden, die in dieser Zeit betroffenen Personen weit besser hätten helfen können.“ Weiter heißt es:

„Nach Rücksprache mit Angestellten der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, der Stadtverwaltung Künzelsau und des Landratsamtes Hohenlohekreis wurde mir von allen Beteiligten jedoch versichert, dass das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau lediglich als Isolierstation für Personen die mit Covid-19 infiziert sind genutzt werde. Es ist nicht angedacht in diesem Gebäude Patienten dauerhaft mit medizinischem Sauerstoff zu versorgen.“

Landrat Dr. Neth: „Es steht zu befürchten, dass die Pandemie noch länger andauern und sich verschärfen wird“

Um so erstaunlicher liest sich die Pressemitteilung vom 29.03.2020, in der Landrat Dr. M. Neth schreibt: Es steht zu befürchten, dass die Pandemie noch länger andauern und sich verschärfen wird. https://www.hohenlohekreis.de/index.php?id=291&publish[id]=1116962&publish[start] Indes steigen die Zahlen der Coronaneuinfektionen im Hohenlohekreis tatsächlich weiter an. Zwei weitere Altenheime im Kreis müssen unter Quarantäne, damit sind Stand 02. April acht Pflegeheime betroffen.

Besonders ältere Menschen sind gefährdet an einem schwereren Atemwegsinfekt, wie durch das Corona-Virus verursacht, zu erkranken. Je nach nach Schwere und Verlauf der Lungenerkrankung Covid-19 benötigt es unterschiedliche Therapiemaßnahmen. Eine Maßnahme ist dabei die Sauerstofftherapie. Hat der Patient Atembeschwerden und nicht mehr genügend Sauerstoff im Blut, bekommt er von außen medizinischen Sauerstoff zugeführt, zum Beispiel über eine Nasenbrille.

Das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau verfügte über 120 Betten, von denen auf 90 Bettplätzen eine Sauerstofftherapie möglich wäre.

Die Isolierstation mit 50 Zimmern im ehemaligen Krankenhaus Künzelsau hat am Montag, den 30. März , 2020 ihren Betrieb aufgenommen. Bis dahin standen 17 Zimmer für die Isolierung von Menschen in Kupferzell zur Verfügung. In dieser Zeit war lediglich ein Patient in Kupferzell zur Isolierung. Dennoch erhöht man die Anzahl der Isolierplätze von 17 auf 50 und zieht diese nach Künzelsau um. Warum also erhöht man die Anzahl der Isolierbetten fast um das Dreifache?

Angesichts der Einschätzung von Dr. Neth, dass sich die Pandemie noch weiter verschärfen könnte, fragt man sich, warum diese Möglichkeit im ehemaligen Krankenhaus Künzelsau noch nicht in Erwägung gezogen wurde. Gerade dieser Tage sieht man, wie wichtig es ist, immer einer Schritt voraus zu sein. Immerhin liegt die Schließung des Krankenhauses nicht zehn Jahr zurück, sondern gerade mal etwas mehr als vier Monate.

Wir haben aus dem Grund im Landratsamt angefragt, ob eine mögliche Erweiterung der Isolierstation geplant sei, auch im Hinblick auf eine Versorgung mit Sauerstoff.
Vom Landratsamt wurde unter anderem mitgeteilt, dass eine Inbetriebnahme des ehemaligen Krankenstandortes Künzelsau nicht möglich sei. Gründe dafür seien, dass keine medizinische Infrastruktur mehr zur Verfügung stehe, dass beträfe sowohl medizinische Geräte wie auch Personal. Weiter heißt es: „Es ist gerade vor dem Hintergrund des Bedarfs an Intensivplätzen und Beatmungsplätzen medizinisch nicht sinnvoll, die in Öhringen konzentrierte Expertise und Infrastruktur zu splitten.“

Medizinisches Personal ist nicht weg, sondern im Zuge der Schließung im November 2019 lediglich umverteilt worden

Das aber gerade eine solche Splittung Sinn machen kann und wie die Versorgung in der Coronakrise andernorts organisiert ist, zeigen derzeit die Politiker und Ärzte der Landkreise Altötting und Mühldorf im Regierungsbezirk Oberbayern. Das Innklinikum Mühldorf hat dabei ausschließlich die Versorgung von Coronapatienten übernommen, Altötting übernimmt die Versorgung aller anderen Patienten, die nicht Corona positiv sind oder entsprechende Symptome haben. Ein absolutes Vorzeigebeispiel in solchen Zeiten, da dadurch auch die Ansteckung untereinander minimiert werden kann, zudem können Patientenzimmer effektiver genutzt werden. https://amp.zdf.de/nachrichten/heute-journal/task-force-der-corona-klinik-100.html

Auch wenn nach internen Berichten bei der Schließung des Standortes in Künzelsau im November 2019 sehr viele Geräte und Materialen einfach entsorgt worden sind, ist dass medizinische Personal aus Künzelsau ja nicht weg, es wurde lediglich auf verschiedene Standorte der BBT verteilt. Auch wenn zwischenzeitlich Fachkräfte für Intensivmedizin und Anästhesie nicht mehr im Intensivbereich arbeiten, sondern beispielsweise derzeit von der Hohenloher Krankenhaus gGmbH in einem Pflegeheim eingesetzt sind, könnten diese sicher wieder akquiriert werden.

Es ist bedauerlich, dass ein Landrat lediglich darauf verweist, dass nun das Land Baden-Württemberg über eine mögliche Krankenhausnutzung entscheidet und nicht der Hohenlohekreis und ausführlich im selben Atemzug darlegt, warum diese Reaktivierung nicht möglich ist. Dabei wäre es in der derzeitigen Situation doch gerade Aufgabe eines Landrates sich dafür stark zu machen, dass alle denkbaren und verfügbaren Ressourcen genutzt werden. Das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau bietet dazu mehr als nur eine realistische Chance. Neth hat viele Punkte aufgeführt, aus welchen Gründen eine weitere Nutzung unmöglich sei. Wir haben in unseren Recherchen keine triftigen Gründe gefunden, die dass rechtfertigen. Eine vollständige Reaktivierung ist möglich.

Im Hinblick auf die aktuelle Coronalage in vielen Pflegeheimen im Hohenlohekreis ist das sicher keine ungefährliche Entscheidung seitens des Landratsamtes. Dennm maximal 12 Intensivbetten im Krankenhaus Öhringen für 120.000 Einwohner des Hohenlohekreises sind definitiv nicht ausreichend angesichts der Coronawelle, die über uns hereinzubrechen droht. Also: Wenn nicht jetzt, wann dann? Nicht reden, handeln.

Das Sozialministerium des Landes Baden-Württemberg hat sich auf Nachfrage uns gegenüber bislang noch nicht dazu geäußert, welche in den vergangenen Jahren geschlossen Krankenhäuser möglicherweise wieder reaktiviert werden als vollwertige Krankenhäuser und ob das Krankenhaus Künzelsau darunter fällt. Dadurch dass der Hohenlohekreis Corona-Hotspot in Deutschland ist, wäre es allerdings mehr als verwunderlich, wenn das Künzelsauer Krankenhaus davon ausgenommen werden würde.

Text: Carla Mosel

Schreiben des Landrats Dr. Matthias Neth bezüglich einer möglichen Wiederinbetriebnahme des seit rund vier Monaten geschlossenen Krankenhauses in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ