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Künzelsaus Bürgermeister Neumann stellt klar: „Es gibt keine Masturbationsräume in städtischen Kindertageseinrichtungen“

„Liebe Mitbürgerinnern und Mitbürger,

ich bin ein besorgter Vater und Bürger dieser Stadt“, beginnt Gleb Hildmann seinen Post auf Facebook. „Mittlerweile ziehe ich ernsthaft in Erwägung, meine Kinder aus dem Kindergarten abzumelden. Denn das, was unsere Stadt da umsetzen will, ist unterirdisch, pädophil und weit weg von dem, was in einen Kindergarten gehört.“ Der Titel seines Posts: „Masturbationsräume in Kitas“ und „Doktorspiele ohne Bekleidung in Kitas“.

Der Vater bezieht sich dabei auf das so genannte sexualpräventive Konzept der Kindergären Taläcker I und II. Darin heißt es unter anderem:

Nicht nur dieser Vater, auch andere Hohenloher Bürger:innen reagieren entsetzt. In den sozialen Kanälen lassen viele ihren Unmut freuen Lauf.

Die Hohenloher Stimme greift das Thema auf und titelt: „Masturbationsräume in Künzelsauer Kitas?“ Der Artikel befindet sich hinter einer paywall. Nun eskaliert die Aufregung gänzlich. Es folgt ein offizielles Presse-Statement von Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann, in welchem er unter anderem betont:

„Es gibt keine Masturbationsräume in den städtischen Kindertageseinrichtungen – auch nicht in anderen städtischen Einrichtungen. Die irreführenden Behauptungen, die in den Sozialen Medien erhoben wurden, werden durch ständiges Teilen der Posts nicht richtig. Gleiches gilt auch für die reißerische Überschrift, die in den Kanälen der Heilbronner Stimme weitergetragen wurde und wird. Leider wird dort die Faktenlage erst im Bezahlforum korrekt dargestellt.“

Elke Sturm, Pressesprecherin der Stadtverwaltung Künzelsau erklärt gegenüber GSCHWÄTZ: „Kindertagesstätten benötigen ein Kinderschutzkonzept. Teil davon ist ein sexualpädagogisches Konzept, da das Thema im Alltag viele Fragen aufwirft. Wie handeln Fachkräfte professionell und angemessen z.B. in diesen Situationen: Wickelsituationen, sich nackt ausziehen, Interesse an den Körperausscheidungen, Fragen zu den Geschlechtsorganen/Fortpflanzung/Geburt, Selbststimulation?

Das Sprechen über Sexualität ist häufig mit Unsicherheiten verbunden. Welche Rahmenbedingungen braucht es? Wie beziehen wir Eltern ein? Wie sieht eine professionelle Nähe-Distanz Regulierung aus? Wie erkenne ich sexuelle Grenzverletzungen und Übergriffe von Kindern und/oder Erwachsenen? Wie interveniere und reagiere ich im Rahmen des Schutzauftrages? Diese Fragen werden abschließend in den Kinderschutzkonzepten beantwortet.“

Dieses sexualpräventive Konzept ist daher nicht misszuverstehen mit einer Ermunterung an alle, im Kindergarten Doktorspiele zu veranstalten, sondern ein Schutzkonzept für Kinder, die sich für ihren Körper auf spielerische Weise interessieren. Es ist zugleich aber auch eine Hilfestellung für Erzieher:innen, wie sie auf derartige Erkundungen optimal reagieren. Auch das Bewusstsein für das  wichtige Thema sexuelle Übergriffe / sexueller Missbrauch wird hierbei angesprochen – wie man einen solchen Missbrauch erkennt und wie man hier im Rahmen des Schutzauftrages interveniert, um das Kind vor eben diesen Übergriffen zu schützen.

Das Konzept gib es auch in anderen Städten wie etwa Neuenstein. Dennoch birgt es eine große Gefahr. Pädophil veranlagte Menschen könnten sich als Hilfskraft bei Kitas bewerben, um das Konzept als Argumentationsgrundlage zu nehmen, um dabei zu sein, wenn Kinder ihre Körper erkunden. Hier heißt es daher: Nochmal mehr Vorsicht bei der Neueinstellung von Kita-Personal.




Freizeitparks sollen als erstes öffnen

Tourismuswirtschaft, Hotellerie und Gastronomie sind massiv von der Corona-Krise betroffen. Um den Unternehmen und den bundesweit drei Millionen Mitarbeitern eine Perspektive zu geben und die Auflagen für diesen Sektor schrittweise zurückzunehmen, haben laut einer Pressemitteilung Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ein Konzept entwickelt, das sie in die Wirtschaftsministerkonferenz einbringen. Eingeleitet werden soll die Öffnung mit touristischen Outdoor-Angeboten wie Zoos, Freizeitparks und Klettergärten. In der zweiten Phase folgen Restaurants und mit eingeschränkter Nutzung Ferienwohnungen und Hotels. Später soll dann der Übernachtungstourismus ohne Restriktionen wieder möglich sein.

Sehr umsatzstarke Branche

Mit einer Bruttowertschöpfung von mehr als 100 Milliarden Euro ist der Tourismus in Deutschland eine sehr umsatzstarke und beschäftigungsintensive Branche. In das Konzept der drei Bundesländer sind Anregungen aus dem Kreis der Wirtschaftsministerkonferenz sowie der Industrie- und Handelskammern, der Branchenverbände und der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten eingeflossen.

„Der Gesundheitsschutz der Bürger hat Vorrang.“

„Bei den Szenarien für die schrittweise Rücknahme der Beschränkungen haben wir es uns nicht leichtgemacht. Denn natürlich ist bei allen Maßnahmen zu beachten, dass der Gesundheitsschutz der Bürger Vorrang hat. Deshalb sieht das Konzept die Einhaltung strikter Abstandsregelungen, Hygienevorgaben und Registrierungspflichten vor. Voraussetzung ist auch immer, dass die epidemiologische Lage sich weiter stabilisiert“, erklärten Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, Tourismusminister Guido Wolf, der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann und Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart in der Mitteilung vom Mittwoch, den 29. April 2020.

„Umso wichtiger ist eine konkrete Perspektive.“

Aus Sicht der Minister Wolf und Hoffmeister-Kraut könnten die Ministerpräsidenten in ihrer Konferenz mit der Kanzlerin am Mittwoch, den 06. Mai 2020, entsprechende Beschlüsse auf den Weg bringen, sodass in Baden-Württemberg Lockerungen und Wiedereröffnungen der ersten Stufe bereits ab Mitte Mai möglich wären. Tourismusminister Guido Wolf: „Uns war es wichtig, gemeinsam und länderübergreifend für diese Branche ein realistisches Konzept zu entwickeln. Tourismus, Gastronomie und Hotellerie sind durch die Krise massiv betroffen und werden leider noch längere Zeit mit Einschränkungen leben müssen. Umso wichtiger ist für diese Branche eine konkrete Perspektive. In einigen Bereichen von Tourismus, Gastronomie und Hotellerie sind absehbar Lockerungen möglich, ohne dass dadurch der Infektionsschutz vernachlässigt würde. Zuerst Wiedereröffnen könnten Angebote und Ziele an der frischen Luft, wo sich Abstandsregeln ohne Weiteres einhalten lassen. Auch für Gastronomie und Hotellerie kann und soll es aus unserer Sicht baldige Öffnungen, zumindest mit reduzierten Auslastungen, geben.“

Wiedereröffnungen nur auf Grundlage von Hygienemaßnahmen

„Gerade weil wir noch lange mit dem Coronavirus leben werden müssen, braucht unsere Hotellerie und Gastronomie schnellstmöglich eine verlässliche Perspektive. Nur so können wir eine nie da gewesene Insolvenzwelle vermeiden, die nicht nur die Wirtschaftsstruktur unseres Landes, sondern auch die Lebensqualität und Anziehungskraft in unseren Regionen massiv beeinflussen wird“, erklärte Ministerin Hoffmeister-Kraut in der Mitteilung. Klar sei aber auch: Wiedereröffnungen und Lockerungen dürften nur auf Grundlage von konsequenten und allgemeingültigen Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen erfolgen. Das schaffe Akzeptanz und Vertrauen bei den Kunden und sei Voraussetzung dafür, für das Gastgewerbe eine verlässliche Zukunftsperspektive zu schaffen. Mit den nun erarbeiteten fundierten Konzepten werde beiden Anliegen gleichermaßen Rechnung getragen. 

Verlässliche Regelungen sind erforderlich

Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Pinkwart schloss sich dem an: „Der Tourismus ist die Branche, die von der Corona-Krise am härtesten betroffen ist. Deshalb wollen wir den Unternehmen und den Mitarbeitern eine konkrete wirtschaftliche Perspektive geben und gleichzeitig einen Vorlauf zur Öffnung der Betriebe ermöglichen“. Dazu seien jetzt schnell verlässliche Regelungen zur Wiedereröffnung erforderlich. Es gelte, eine kluge Balance zu halten zwischen dem Schutz der Gesundheit und einer jeweils neu zu bewertenden und zu begründenden Einschränkung der wirtschaftlichen Betätigung für die Betriebe und deren Mitarbeiter und Kunden, damit auch der Tourismussektor an der Aufwärtsentwicklung nach der Krise teilhaben könne.

Risiken der Verbreitung

Niedersachsens Tourismusminister Dr. Bernd Althusmann meinte dazu: „Mit Blick und unter Beachtung des Infektionsgeschehens scheint der richtige Zeitpunkt gekommen, um dem Tourismus wieder eine Perspektive zu geben. Jede der drei Phasen eröffnet weitere Freiheiten für Touristen und Anbieter“. Damit seien natürlich auch Risiken der Verbreitung verbunden. Deshalb werde ein maßvolles Tempo vorgeschlagen und die strikte Einhaltung von Hygiene und Abstandsvorgaben vorausgesetzt. Der Tourismus in Zeiten von Corona stelle alle vor eine große Herausforderung. Er habe jedoch großes Vertrauen, dass sich Tourismusunternehmen und Gäste verantwortungsvoll verhalten werden. In Niedersachsen könnte baldmöglichst in die erste Lockerungsphase starten. Ein konkretes Startdatum wird in der Pressemitteilung nicht genannt.

Quelle: Pressemitteilung vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, Baden-Württemberg

 




Mit E-Autos und Schichtbussen grüner werden

// Wie sich die Hohenloher ihre Zukunft vorstellen

von Nadja Fischer

Am 20. April 2018 bekamen die Bürger des Hohenlohekreises in der Stadthalle Niedernhall die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Bürgerversammlung in die Kreisentwicklung mit einzubringen. Seit Herbst 2016 befasst sich der Hohenlohekreis mit dem demografischen und gesellschaftlichen Wandel und möchte ein Zukunftskonzept erarbeiten, wie man Hohenlohe stark halten kann. „Man überlegt, was man für den ländlichen Raum tun kann, wie man den ländlichen Raum stark halten kann“, so Landrat Dr. Matthias Neth. „Es bringt nichts, wenn wir nur mit politischen Themen agieren und mit Beraterbüros arbeiten. Wir brauchen die, die den Alltag hier gestalten“, so Neth weiter.

Wie gestaltet man Kreisidentität, Mobilität, Bildung, Landschaft, Daseinsvorsorge, Wirtschaft, Gemeinschaft und Wohnen so, dass der Hohenlohekreis weiterhin attraktiv bleibt? In drei jeweils zwanzigminütigen Phasen bekamen die Bürger die Möglichkeit, ihre Meinung zu den einzelnen Handlungsfeldern zu äußern. Anmerkungen, Ideen und Verbesserungsvorschläge wurden angekommen. Das Ergebnis: Mobilität – das eigene Auto ist für die Hohenloher wichtig. Hier wurde auch der Wunsch nach mehr Ladesäulen für Elektroautos geäussert und auch nach Schichtbussen für ganze Gewerbegebiete. Beim Thema Tourismus kam die Frage auf, wie man Familien verstärkt in den Hohenlohekreis bringen kann. Zum Thema Wirtschaft sehen die Hohenloher eine immer größere Gefahr, dass es in Zukunft einen Mangel an Handwerkern gibt. Diesem Trend gelte es, entgegenzuwirken. Bildung – sie sollte bereits in der Grundschule anfangen und auch dort gestärkt werden. Das Ehrenamt bräuchte Unterstützung. Weitere Problemfelder: Wohnen: Oft ist im Ortskern der Denkmalschutz ein Problem, dass behoben werden sollte. Auch eine neue Kommunikationseben für die Wohnungsvermittung sollte geschaffen werden. Landschaft: Der Flächenverbrauch müsse überdacht werden und auch, wie man Landwirtschaft und Tourismus vereinen kann. Daseinsvorsorge: Die Hohenloher machen sich Gedanken über die Gesundheitsvorsorge auf dem Land, Gaststätten sterben aus. Es fehle zudem an Angeboten für Jugendliche.

Bis Ende 2018 soll der Prozess laut dem Landratsamt zur Entwicklung des Konzeptes abgeschlossen sein. Danach soll es bestenfalls an die Umsetzung gehen.

// Fotos: GSCHWÄTZ