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ECHT JETZT?

Kommentar von Nadja Fischer:
Dem Menschen war Unterhaltung schon immer wichtig. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts gab es Freakshows, Menschenzoos und Völkerschauen. Unterhaltung – egal wie und egal, auf wessen Kosten. Wir leben im 21. Jahrhundert – im Zeitalter des Internets und der Mobilität. Ich kann mir zu fast allem einen Dokumentarfilm oder ein YouTube-Video anschauen oder auch an jeden Fleck des Erdballs reisen. Man hat so viele Möglichkeiten.
Und wenn man mit seinen kleinen Kindern nicht unbedingt eine Safari in Afrika buchen möchte oder kann, wäre es denn nicht trotzdem schöner, dem Kind den natürlichen Lebensraum eines Tieres zu erklären? Muss man dann tatsächlich die Illusion stützen, dass Tiger und Löwen einfach nur große Katzen sind, die gerne Akrobatik machen? Ein Zirkus ist eine nette Sache, aber es gibt so viel mehr Sehenswertes und Beeindruckendes im Zirkus zu sehen als Tiere. Die Akrobaten, bei denen wir vor lauter Aufregung und Spannung schwitzige Hände bekommen. Der Clown, der es schafft, dass wir vom vielen Lachen Tränen in den Augen haben. Der Magier, bei dem uns einfach nur die Kinnlade nach unten klappt… genügt uns das nicht?




WM und die Asylpolitik: Der Zusammenbruch des Westens

Ein Kommentar.

Deutschland ist ab dem 15. Juli 2018 kein Weltmeister mehr. Wie konnte das passieren?

Ich bin ein 80er Jahrgang. Seitdem ich denken kann, war die Welt, auch die Fußballwelt, in „die da oben“ und „die da unten“ gegliedert. Zu „denen da oben“ hat glücklicherweise schon immer mein Heimatland gehört. Deutschland. Aber was heißt da glücklicherweise? Es war eine Selbstverständlichkeit. Selbstverständlich war Deutschland groß – groß als Industrienation und groß als Fußballernation. Wer immer gegen Deutschland spielen musste, bedankte sich sicherlich nicht für sein Losglück. Dasselbe galt für Länder wie Argentinien, Brasilien, Spanien, Frankreich. Es war immer klar, wer die Welt, die Wirtschaft, die WMs und EMs anführte und nun zeigt uns diese WM, dass diese Welt, wie wir sie kennen, wankt. Dass dieses „oben“ und „unten“ nicht in Stein gemeißelt ist, dass man an unseren Ländern kratzt, weil man auch etwas vom Kuchen abbeissen möchte. Die hungrigen Länder. Die, die noch bereit sind, für etwas zu kämpfen – wie Urugay etwa. Die, die schon alles erreicht haben, sind bereits wieder in Frankfurt gelandet. Auch Argentinien, Spanien, Portugal haben sich aus der EM verabschiedet. Italien und Holland durften gar nicht erst mitspielen.  Und wir müssen uns fragen, ob wir wirklich so gut sind oder waren, wie wir es immer geglaubt haben  – oder einfach nur priviligiert vom Leben. Und das nicht nur im Fußball, sondern auch in der Wirtschaft und Politik. Kleinere Länder wie Polen begehren auf. Der allmächtigen Kanzlerin wird an den Karren gefahren. Versteckte Riesen wie China überholen uns in diversen Weltranglisten. Die Underdogs kommen und irgendwie macht das zumindest die WM auch wieder interessant und sympathisch. Und was heißt das für uns? Wir müssen unseren Hunger wiederfinden, um ordentlich jagen zu gehen.

Europa taumelt: Wir scheitern bei der WM und in der Asylpolitik

Nichts ist mehr sicher, auch nicht, dass Deutschland nach 90 Minuten gewinnt – getreu dem Motto: Wir werden das Ding schon irgendwie reinjubeln. Das muss jetzt auch unsere Kanzlerin auf dem politischen Parkett erkennen. Die Luft in der Asylpolitik wird dünner und ganz Europa fragt sich: Aus welcher Richtung wird der Wind in Zukunft wehen?

Foto: adobe stock

Ein aktueller, relativ gut übersichtlicher WM-Spielplan gibt es auf kicker.de:

http://www.kicker.de/news/fussball/wm/spiele/weltmeisterschaft/2018/-1/0/spieltag.html

Die Asylpolitk spaltet einen ganzen Kontinent:

https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-07/asylstreit-ruecknahme-abkommen-migration-polen-angela-merkel-union