Das gallische Dorf
Am 08. Januar 2023 wurde es Reinhold Leja aus Kocherstetten zu bunt und er reichte eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Anja Zinsler von der Stadt Künzelsau wegen Untätigkeit ein. Ebenso gegen Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann.
Als Reinhold Leja seinen Bodenrichtwert für seinen Grund Boden, auf dem sein Einfamilienhaus in Kocherstetten steht, recherchiert, haut es ihn beinahe vom Hocker.
Der Grund: Wegen einer Grundsteuerreform wurden und werden immernoch Deutschlands Eigentumsbesitzer dazu aufgerufen, dem Staat digital Angaben über ihre Grundstücksgröße und den dementsprechenden Bodenrichtwert zu übermitteln. Dabei sollen sie die Bodenrichtwerte der Städte und Gemeinden als Grundlage nehmen. Als Reinhold Leja seinen Bodenrichtwert für seinen Grund und Boden, auf dem sein Einfamilienhaus in Kocherstetten steht, recherchiert, haut es ihn beinahe vom Hocker. Unlängst hat die Stadt Künzelsau nämlich diesen Bodenrichtwert auf 150 Euro hochgeschraubt. Die Begründung der Stadtverwaltung auf seine Nachfrage: Man habe seit 2016 keine Anhebung und Angleichung mehr gemacht, nun sei es an der Zeit gewesen, zählt bei Leja nicht. Denn: das kleine Örtchen an sich werde völlig ungleich behandelt. Während das alte Rathaus aus dem 19. Jahrhundert mit einem Bodenrichtwert von 150 Euro berechnet werde, habe das danebenstehende Gemeindehaus einen Bodenrichtwert von 70 Euro Bodenrichtwert erhalten. Der Grund laut der Stadtverwaltung Künzelsau: Das Gemeindehaus werde zum alten Bebauungsplan dazugezählt. Das macht 80 Euro Unterschied pro Quadratmeter Grundstück.
Höhere Bodenrichtwerte = höherer Wiederverkauf
Die Stadt wiederum argumentiert gegen Leja, dass diese höheren Grunderwerbspreise gut seien für den Grundstückswert an sich, sprich, bei einem Wiederverkauf oder bei einer Beleihung über die Bank. Das Problem: Leja will weder sein Haus beleihen noch verkaufen. Er befürchtet, dass er durch diese Grundsteuerreform künftig beträchtlich mehr Grunderwerbssteuern zahlen darf. Und damit würde er nicht alleine dastehen.
Aber auch: höhere Bodenrichtwerte = mittelfristig höhere Grunderwerbssteuer
Was er ebenfalls nicht nachvollziehen könne: Während Kocherstetten als Teilort relativ weit weg von der Kernstadt läge, nur teilweise über funktionierendes Internet verfüge und weder einen Supermarkt noch einen Bäcker habe, lägen andere Künzelsauer Teilorte wie Amrichshausen strategisch günstiger, werden aber teilweise weitaus billiger gehandelt. Selbst Städte wie Ingelfingen und Niedernhall hätten im Vergleich zu Kocherstetten rund 60 Euro pro qm niedrigere Bodenwerte angesetzt, obwohl die Häuser dort weitaus besser verkauft würden. Werde bei der Stadt Künzelsau gewürfelt? Nein, heißt es von dort ausdrücklich. Niedernhall habe Steilhänge, Kocherstetten sei viel flacher und damit auch höher zu bewerten. Um den Supermarkt Edeka herum liegen die Bodenrichtwerte in Niedernhall aktuell bei 95 Euro pro Quadratmeter.
Anfang Februar wird Leja aufgrund seiner Beschwerden und Nachfragen vom Gutachterausschuss der Stadt Künzelsau ins Rathaus eingeladen. Ihm gegenüber sitzen der, wie Leja selbst sagt, „Obergutachter“ von Öhringen, zwei Gutachter aus Künzelsau, einer aus Öhringen und die Vorsitzende des Gutachterausschusses, Anja Zinsler.
Die Gutachter weisen, wie auch in ihren vorangegangen Schreiben, Leja darauf hin, dass er Widerspruch einlegen könne, aber die neuen Bodenrichtwerte seien unveränderbar. Aber Leja, sagt, wie soll er Widerspruch einlegen, wenn er selbst diese neuen Bodenrichtwerte als Häuslebesitzer digital eingegeben und bestätigen hat. Da könne er ja nicht gegen sich selbst widersprechen. Bis 31. Januar 2023 mussten Häusebauer diese neuen Bodenwerte digital über das Finanzamts-Portal Elster selbst übermitteln.
Gegenüber GSCHWÄTZ verweist die Stadtverwaltung darauf, dass sie keine Auskunft über private Grundstücksbelange erteilt. Auf unseren Verweis hin, dass es ein generelles öffentliches Interesse daran gibt, wie die Bodenrichtwerte von wem anhand welcher Maßstäbe errechnet werden, haben wir bislang keine Antwort erhalten.
Alle Grundsteuerwerte von Baden-Württemberg sind abrufbar der Gutachterplattform Boris.











